| Datum / Position |
Text |
| 30.10.2008,
Singapur |
In
Singapur
Sind schon 2 Wochen da, aber
immer wenn ich mich vor den Computer setzen will, das Wireless Internet
anwerfe, über unser Leben hier zur Zeit berichten will, immer genau
dann kommt eben dieses dazwischen. Das Leben hier!
Ich muss dann ganz dringend von der Risho auf den blitzblank gefegten
Schwimmsteg der one15marina hüpfen und schnell ein paar Züge
im eleganten 200 Meter Pool mit Blick auf die Singapore Skyline machen.
Finn ist schon da, nachdem wir die Schule am Morgen in Windeseile abgespult
haben (das Druckmittel "Swimmingpool gestrichen wenn Schulleistung
unterm Hund" wirkt Wunder!).
Und der fesche, braungebrannte Langhaarige mit Schwimmbrille, der da durch
das Pool krault ist doch mein Ehemann! Wollte der nicht nur schnell Duschen
gehen?
Nachdem wir also ausgiebig geschwommen sind geht's wieder auf die Risho
und nachdem Essengehen in Singapur eine der wichtigsten und billigsten
Angelegenheiten ist, müssen wir uns rasch fertig machen, um mit dem
Shuttle Bus in die City zu fahren.
Und wenn wir dann im ausgedehnten Foodcourt einer Shopping Mall eines
der hunderten von Gerichten ausprobiert haben, zahlt es sich kaum aus
gleich wieder in die Marina zu fahren. Also ab in das Mass Rapid Transportation
System, die U-Bahn, und ab nach... na was mach ma heute?
In den ersten Tagen sind wir nur durch die Orchad Road, sozusagen die
Mariahilfer Straße von Singapur gestreift. Wobei der Vergleich mehr
als hinkt.
Man könnte Singapur als einzig große Shopping City bezeichnen.
Denn Shoppen ist auch für die Singaporians eine Hauptbeschäftigung,
liegt vielleicht auch daran, dass es so unerträglich heiß ist
und die Shopping Hallen so wunderbar airconditioned sind! Ja, die Malls
sind unglaublich. Paläste des Konsums, wobei Palast wirklich untertrieben
ist. Lichtdurchflutete Hallen mit Springbrunnen, jede Ecke architektonisch
ausgenützt und designt. Alles glänzt sauber, und voller Erstaunen
entdeckt Finn einen Putzmann, der gerade penibelst mit einem eigens konstruierten
Schaber einen am Marmorboden klebenden Kaugummi abkratzt. Kaugummiausspucken
oder irgendwas nicht in den Mistkübel werfen kann empfindlich teuer
sein. So an die 300 Euro ist da die Untergrenze!
Deswegen ist in Singapur auch alles extrem sauber. Selbst die Toiletten
wirken als würde sie nie jemand benützen. Aber es sind mehr
als genug Leute hier!
Es wimmelt und wuselt, aber irgendwie läuft alles wie geschmiert.
Die Singporians sind zurückhaltend, freundlich, hilfsbereit und sprechen
Singlish-eine Art Englisch, die man eigens studieren muss um sie zu verstehen.
Aber irgendwie kommt man doch zusammen und sobald es um's Essen geht,
blüht selbst der distanzierteste Einheimische auf.
Essen ist - nach Shoppen oder sogar vor dem Shoppen - das Wichtigste in
Singapur.
Man kann überall Essen und überall isst man!
In den Shopping Malls gibt es Foodcourts und auf der Straße in den
verschieden Stadtvierteln zahllose Food Stands. Je nach Viertel isst man
dann eben Chinesisch, Thai, Malaysisch, Indisch, indisch moslemisch, moslemisch
malaysisch, indonesisch...
Manchmal stehen wir schon ziemlich ratlos vor dem unglaublichen Nahrungsangebot
und zeigen einfach auf irgendwas mit dem Finger (was übrigens sehr
unhöflich ist in Singapur, aber man verzeiht uns offensichtlich...)
und solange keine Eingeweide oder Fischköpfe drinn schwimmen, genießen
wir jedes Gericht!
Meinen Männern hat vor allem Little India den Kopf verdreht. Ich
kann's verstehen, die Inderinnen sind eine Augenweide! Jede Generation
trägt mit Begeisterung den traditionellen Schmuck und die wertvollen
Saris und Tücher. In jeder Ecke lauert ein anderes Bollywood Starlet
und lässt unseren Neunjährigen Finn über den gewissen Unterschied
etwas intensiver nachdenken... Zum Lichterfest erglänzt das ganze
Viertel in den wunderschönen, bunten indischen Farbtönen. Jedes
Mädchen und jede Frau lässt sich die Hände für dieses
wichtige Fest mit Hennatatoos verzieren.
So klein kann ein Baby gar nicht sein, dass nicht ein roter Punkt seine
Stirn ziert.
Das soll aber nicht heißen, dass die Inder nicht ausgesprochen modern
sind. Wenn ich Englisch verstehe in Singapur; dann wird es sicher von
einem indischen Singaporianer gesprochen!
Die ganze Stadt ist extrem modern und clean. Alles funktioniert perfekt
und reibungslos. Es gibt hier kein "hinter den Kulissen", zumindest
scheint es mir so!
Im Damenklo gibt es immer ein Mini-Pissoir für die kleinen Jungs,
die noch nicht alleine ins Männerklo gehen.
Die U-Bahntickets sind Plastikkarten, die man aus dem Automaten holt und
nach der Fahrt dort wieder einschiebt. Damit jeder sie auch wirklich recyclet
ist auf der Karte ein Pfand, das man dann zurückbekommt.
In Singapur kann man sich auch nicht vor die U-Bahn werfen, zumindest
nicht in der Station. Plastikwände bzw. Türen trennen die Trasse
bzw die einfahrende U-Bahn von den wartenden Fahrgästen.
Servietten gibt es nirgends, dafür in jedem Foodcourt kleine Waschbecken
zum Händewaschen. Haben uns einmal gefreut, als wir einen Foodstand
entdeckten auf dessen Sitzbänkchen kleine Päckchen mit Taschentüchern
lagen. Haben uns gemütlich hingesetzt, gegessen und die Taschentücher
reichlich benutzt. Blöd war nur, dass die Singaporianer, die sich
so ihren Platz reserviert hatten, wortlos mit ihrem Essen neben uns standen
bis wir fertig waren.
Man kritisiert nämlich hier nicht, weil sonst könnte einer das
Gesicht verlieren und so seinen Status und sein Ansehen.
Mit dem größten Riesenrad (The Flyer!) der Welt und anderen
Superlativen wird klar, dass es hier wichtig ist, der Beste zu sein. Und
der schnellste und der am meisten profitierende. Man darf sich also nicht
wundern, wenn man es nicht schafft aus der U-Bahn auszusteigen weil die
Einsteigenden einen zurückdrängen.
Oder einmal sah ich in Chinatown eine extrem lange Warteschlange vor einem
Shop und auf die Frage, was es denn so besonderes zu kaufen gäbe,
meinte eine der Wartenden - Keine Ahnung, aber es muss was Tolles sein!
Abgesehen von diesen kleinen Kratzern, sind die Leute hier aber durchaus
liebenswürdig und vor allem sehr straight und korrekt. Ein indischer
Kellner meinte, als wir unser Essen bestellten wir sollten nur 2 Gerichte
bestellen, das wäre wirklich ausreichend für uns drei! Er hatte
recht!
Interessant war aber das Familienkarten Angebot im Modern Art Museum.
Eine Okkasion, nur 25 Singapore Dollar zu dritt!
Nützen wir es nicht, zahlen wir pro Erwachsener 10 Dollar und für
Finn 5 Dollar.
Hehe..also doch nicht gar so perfekt......
Unsere Marina ist ja auch ein Bild der Perfektion mit einem kleinen Kratzer.
Wunderbare Anlagen für die Schiffe, Gärten, Pools, Duschen wie
aus
einem Philip Stark Designbuch - blöderweise dürfte der Architekt
vergessen haben, die Stufen von der Marina zum Marinagebäude mit
all den Nobelrestaurants zu planen. Und so sind da nun billige Alutreppen
eiligst eingefügt worden. Hoffentlich war das für den ehrgeizigen
Singaporianer nicht ein Grund für Selbstmord!
Auch kursiert hier die Geschichte von einem franzosischen Geschäftsmann,
der in Singapur das Management einer Firma übernahm und bei seinem
Antritt einige Arbeiter kündigte. Die kamen aber nach wie vor ohne
gebraucht oder bezahlt zu werden zur Arbeit. Sie konnten einfach zu Hause
nicht ihr Gesicht verlieren! Schließlich fand der Franzose dann
in einer anderen Firma für sie einen Job!
Und so vergehen hier die Tage und wir genießen das Leben und fallen
abends mit rauchenden Füßen todmüde ins Bett, wobei: heute
Abend müssen wir ins Indische Viertel zum Lichterfest und jetzt muss
ich ins Pool
34 Grad Außentemperatur!
Vielleicht schauen wir vorher noch nach Chinatown und ich trau mich endlich
die Hühnerfüße zu kosten! Gestern war übrigens Nationalfeiertag
und
Finns 9. Geburtstag - statt beflaggten Straßenbahnen gab's Eiscreme,
sitzend im Marinapool mit Blick auf
eh schon wissen.
So ich muss los...
... Muss jetzt nach einigen Stunden doch noch einen kleinen Nachtrag machen.
Singapur ist voller Überraschungen.
Waren heute in Chinatown und da steht der letzte Wiener Würstelstand
vor dem Äquator. Käsekrainer und Bratwürstl vom feinsten.
Mit Semmerl und Senf.
Habe die Hühnerfüsse doch verschoben. War eh nicht besonders
hungrig, nachdem wir am Nachmittag beim Ikea die Fleischbällchen
verkostet haben. Ja! Beim Ikea!!!!!!
Das Lichterfest haben wir dann ausgelassen und kurz war ich versucht,
bei einem traditionellen Massagesalon einzukehren um meine wieder einmal
rauchenden Füße von Minifischen anknabbern zu lassen. Ist hier
ganz normal.. man sitzt mit den Füßen in einem Becken und die
Fischlein knabbern begeistert an den Zehen herum. Oder man setzt sich
auf eine Art wackelnder Klodeckel und kriegt eine Ganz-Körper-Durchschüttelung.
Oder ich nehme einfach einen Löffel "Bird Nest Extract"
(gehärteter Vogelspeichel), um mich wieder zu erfrischen.
Oder pulverisierte Seegurke aus der Apotheke in Chinatown.
Gähn
aber das nächste mal probier ich sicher die Hühnerfüße...
Fotos
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| 14.10.2008,
gegenüber von Singapur |
Kurzinfo von der Risho Maru:
"Sind jetzt gegenüber
von Singapur und werden übermorgen die 10 sm in unsere Singapur-Marina
machen, da werden wir wieder einen neuen Bericht schreiben
"
|
| 02.10.2008,
Bali, Indonesien |
Bali
oder Wer will schon ein Moskito sein?
Fährt man in Bali mit
dem Auto, wird man früher oder später Hinduist oder Buddhist
oder Angehöriger irgendeiner Religion, die an Wiedergeburt glaubt.
So wie sich die Einheimischen hier in das Verkehrsgeschehen stürzen
- unter dem Motto "kein Blick zurück" müssen sie sehr
überzeugt davon sein, dass es mehrere Leben gibt, die auf sie warten.
Ich gewöhne mich hier langsam an winkende Kleinkinder, die auf den
Schultern ihrer mopedfahrenden Väter sitzen, die einen gerade haarsträubend
schnell in einer Kurve überholen. Der Vater trägt Helm, das
ist Pflicht in Indonesien, ebenso die hinter ihm sitzende Mutter, nur
das Kleinkind auf den Schultern und das Baby in Mamas Armen müssen
sich auf Papas Fahrkünste verlassen. Geht es sich mal nicht aus,
fährt der Schwächere in den Graben, was natürlich bei den
engen Bergstrassen hier blöd ausgehen kann.
Vishnu, Brahma, Shiva - Götter gibt es genug, ist auch gut so, denn
Menschen gibt es hier überall. Kein Flecken Balis ist unbewohnt oder
unbewirtschaftet. Überall in den Berghängen sieht man Dächer
im Sonnenlicht leuchten, die vielen Terrassen der Reisfelder glitzern,
Mandarinenbäume im Hochland, dazwischen Felder von blassblauen Hortensienblüten.
Und überall Tempel! Jedes kleinste Anwesen oder Häuschen hat
seinen Haustempel, denn die Geister der Verstorbenen bringt man nach Hause,
nachdem man sie in allen wichtigen Tempeln den Landes weihen ließ.
Jedes Dorf besitzt auch mindestens 3 Tempel, die vor allem in den Vollmondnächten
zu Leben erwachen. Da spielt dann das örtliche Gamelan Orchester
auf und die Altäre des Tempels biegen sich unter den Opfergaben,
die die wunderschön gekleideten Frauen bringen. Die Rituale ihrer
Religion haben die Hindus voll in den Alltag eingebaut. Egal ob kleines
Bauerndorf oder großer Touristenort. Zweimal täglich werden
Opfergaben gebracht. Da wandelt eine balinesische Schönheit (manche
eher im Minirock als im Sarong) durch die Straßen, mit einem Holzteller
voller "offerings". Minikörbe, geflochten aus Bananenblättern,
gefüllt mit gekochtem Reis, Blüten, Crackern, manchmal sogar
Zuckerln und immer einem brennenden Räucherstäbchen. Sie legt
die kleinen Kunstwerke in die kleinen Straßentempel, zu den Hausaltären,
vor Shops, vor die Laundry, auf die Stufen der Restaurants, vor die Bakery,
auf den Strand, die Platzwahl ist höchst unterschiedlich und zahlreich.
Bin schon mehrmals draufgestiegen - möchte nicht wissen, ob der Zorn
der Hindugötter schon auf mir lastet und ich damit rechnen muss als
Trampeltier wiedergeboren zu werden.
Die Frauen hier sind auffallend hübsch und immer am arbeiten.
Kinder, Küche, Tempel und zum Drüberstreuen noch im kleinen
Familienbetrieb kochen und servieren oder Souvenirs verkaufen, nebenbei
noch ein bisschen Laundry für die Touristen und Früchte verkaufen
am Markt.
Die Männer sieht man viel herumsitzen. Patriarchat, steht im Reiseführer
"Lonely Planet" - ich dachte immer, das heißt die Frauen
kümmern sich um den Haushalt bzw. um die Kinder und der Mann bringt
das Geld.
Ahh! Geld!
Eines ist einem hier bald klar - man zahlt nie den angeschriebenen oder
gesagten Erstpreis. Eher die Hälfte. Bei guter Verhandlungstaktik
ein Drittel. Und das ist dann immer noch das 3 fache des Normalpreises.
Und zumindest für Touristen gilt: auf jeden Fall über's Ohr
hauen. Wobei in diesem Fall die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau
durchwegs funktioniert!
Ich bin inzwischen Handelsspezialistin und mein Kopfrechnen wurde sehr
aufgefrischt durch die Schnellkontrolle sämtlicher Rechnungen. Macht
man auf Fehler aufmerksam, wird man verschlossen angelächelt. Und
merkt, wie fremd man ist. Am besten ist man ebenso unverschämt und
lächelt freundlich dazu. Bloß kein lautes Wort oder böses
Auge, denn wie gesagt: es gibt ein Leben danach und da büßt
man dann dafür!
Nach einigen erschöpfenden Verhandlungen und entnervenden Betrügereien
war es eine Wonne auf den alten Tempelpriester Yuli in Jagaraga zu treffen.
Der kleine Tempel Pura Dalem, der Wassergöttin geweiht, steht an
einer ländlichen Straße im Norden Balis. Yuli lud uns ein ihn
zu besichtigen, seine Tochter reichte uns Sarongs, um unserer Beine zu
bedecken, und dann nahmen wir Platz im Schatten der verträumten Tempelanlage.
Yuli erzählte und erzählte über Hinduismus , über
den einen Gott und seine vielen Manifestationen in dieser Religion, über
sein Leben als ehemaliger Dorfschullehrer, seine Liebe zu seinen 3 Frauen
- selbstverständlich liebte er sie hintereinander, musste 2 sterben
sehen und keine gebar ihm einen Sohn - und über seine Freuden und
Leiden.
Als wir ihn bei der Verabschiedung darauf ansprachen, was wir ihm denn
für seine Zeit bezahlen sollten, meinte er gleichmütig, wir
könnten etwas für seinen Tempel spenden - wenn wir wollen.
Auf die Wiedergeburt angesprochen erklärte er uns lächelnd aber
bestimmt, er bemühe sich ein guter Mensch zu sein, denn als Moskito
wolle er nicht wiedergeboren werden.
Sich bemühen ein guter Mensch zu sein... das klingt nach einem guten
Plan - denke ich mir - klatsch!
Wer diese Gelse wohl war?
Ubud - wenn einer eine Reise
tut!
Finn sitzt in seiner Koje und
packt. Wir verreisen! Das mag jetzt für manchen Leser da draußen
etwas vermessen klingen und die Frage heraufbeschwören,.was haben
die denn seit 3 ½ Jahren gemacht?
Natürlich, natürlich, wir sind Reisende, aber Landurlaub ist
für Seemänner immer was besonderes! Risho Maru ist gut eingeankert
in Lovina, einer schönen Bucht im Norden Balis und mehrere befreundete
Segler haben versprochen ein Auge auf unser Heim zu haben und den Basilikum
zu gießen.
Finns Aufregung ist groß! Für die 2 Nächte und 3 Tage
hat er seinen Rucksack randvoll gepackt. Man weiß ja nie, könnten
ja irgendwo in der Einöde verloren gehen - wobei das in Bali doch
etwas schwierig sein dürfte.
Wir haben Ubud als Ziel auserkoren. Die schöne alte Handwerksstadt
im Hochland der Insel. Eingebettet zwischen Reisfeldern bildet sie einen
der Hauptanziehungspunkte für Touristen. Hier geht's nicht um Strand
und Palmen sondern um Kultur! Schnitzereien, Batik, Galerien, Tänze
- los geht's.
Wir kommen spätnachts an, nachdem wir uns durch den elenden Verkehr
des Südens gequält haben. Lassen das Auto irgendwo in der Innenstadt
geparkt um auf Hotelsuche zu gehen. Wir wandeln auf Kopfsteinpflaster
durch eine ruhige Seitengasse, ein heimeliges Café mit dem Namen
"Cafe d'artiste" lädt zum verweilen ein, aber zuerst wollen
wir unser Schlafstätte finden. Es regnet leicht, es ist angenehm
warm, es duftet intensiv nach Blüten und Feuchtigkeit. Peter entdeckt
in einer Minigasse ein schwach beleuchtetes Schild "Sama Cottages".
Wir gehen einen schmalen Weg durch einen verwunschönen Tropengarten.
Vogelgeräusche wie von einer Meditations CD. Am Ende des Weges ist
ein kleines Haus, auf der Veranda ein Schreibtisch "Office",
über dem Schreibtisch hängt eine kleine Trommel mit einem hölzeren
Schlegel "Bitte klopfen!" Nach einigen Minuten erscheint ein
kleiner Mann in balinesischer Tracht und lächelt uns freundlich an.
Zimmer sind frei, er zeigt sie uns. Wir betreten einen kleinen, feinen
Bungalow, im traditionellen Stil erbaut. Spitzes Holzdach, Veranda, Ventilator,
Holzbetten und ein schlichtes Badezimmer.
Parken können wir vor der Tür. Wir bleiben!
Es ist für uns immer seltsam nicht auf dem Schiff zu schlafen. Finn
kriegt kaum die Augen zu und ich gönne mir schließlich mit
Peter auf der Terrasse noch ein einschläferndes Bitang Bier. Wir
schlafen etwas unruhig, und erwachen als ich vor unserer Tür das
Klingen von Teetassen höre. Finn ist sofort putzmunter und erkundet
die Lage - Mama Tee ist da! Und so sitzen wir auf unserer Terrasse im
Garten und trinken Tee, und der Kellner kommt im Sarong und serviert ein
köstliches Frühstück. Finn holt weitere Erkundigungen ein
und entdeckt das Swimmingpool! Meine Güte, gleich nach dem Frühstück
ins Wasser! Seltsam
das haben wir doch eh jeden Tag... aber halt
nicht in einem "Resort" erklärt der Finn, denn jedes Hotel
ist für ihn ein Resort. Und so schwimmen PAF im Swimmingpool, das
ca. so groß ist wie die Rishomaru und genießen das normale
Touristendasein!
Der Tag vergeht mit Stadterkundigungen, Blicken auf Reisfelder, Stöbern
in wunderbaren Buchgeschäften, Essen in einem kleinen Warung, und
Schauen, Schauen. Ubud, eine tolle Stadt! Am Abend gehen wir zu einem
Feuertanz.
In einem Tempel erleben wir die Geschichte von Rama, der seine schöne
Sita aus den Klauen des Bösewichts Rawana mit Hilfe einer Affenarmee
befreit. Die Affen sind ein Chor von etwa 30 halbnackten Männern,
die das acapella Orchester bilden. Sita ist eine wunderschöne in
Gold und Brokat gekleidete, anmutige Tänzerin, ihr Prinz Rama (ebenfalls
eine Frau, inzwischen wissen wir ja, wer hier die meiste Arbeit hat...)
hat viele Prüfungen zu bestehen, bevor er Sita wieder zurückbekommt.
Alles findet nur bei Kerzenlicht statt und ist spannend und mystisch und
derart aufregend, dass Finn gleich 2 Mal dringend auf's Klo muss!
Auf dem Heimweg stoppen wir noch auf einen Imbiss in einem Lokal, es spielt
die ortsansässige Reggae Band. Bob Marley auf Indonesisch! Ihr zahllosen
Hindugötter helft! Schließlich finden wir wieder unser "zu
Hause" nach einem nächtlichen Spaziergang durch die stille Stadt.
Morgens nochmal Frühstück im Tropenparadiesgarten und auf geht
es weiter ins Hochland zum Pura Besakih - dem wichtigsten Tempel der Hindus
auf Bali.
Perfekt am Fuße des 3000er Vulkans Gunung Agung angelegt, mit Blick
auf Reisfelder und Meer. Natürlich die üblichen lästigen
Händler, aber selbst die können den Zauber dieses Ortes nicht
brechen. Ketut, unser Guide ist ein Glücksgriff, er erklärt
uns alles und verzieht selbst bei unseren dümmsten Fragen nicht das
Gesicht. Oder wer von euch weiß warum die weißen Kühe
heilig sind?
Weil sie einst den Baby Söhnen eines Gottes, der seine Frau verlor,
als Amme diente. Abends kehren wir erschöpft aber glücklich
von unserer "Reise" zurück und der Finn stellt fest "
jetzt ist alles irgendwie so neu auf der Risho!"
Und die Moral von der Geschicht' - man kann nie zu viel verreisen nicht!!
Skipper Pete
Flauten, starke Strömungen und viel zu viele Menschen
Bali-Lovina Beach Pos: S 08°10,35
E 115°01,22 Temp. 32°, Flaute
Wollen in den nächsten Tagen Richtung Singapur aufbrechen. Über
900 Seemeilen ist die Strecke, machen uns schon Sorgen, dass wir viel
motoren müssen. An Deck stehen einige Zusatzkanister Diesel um durch
die Flauten zu kommen. Bali ist schön und die Menschen hier sind
etwas entspannter als auf den Inseln zuvor. Das Hochland mit seinen Tempeln,
Tänzen, Reisfeldern hat uns sehr gefallen. Mit Indonesien selbst
tun wir uns noch schwer, denn die vielen, vielen Menschen überall
sind schon gewöhnungsbedürftig. Überall kommt einer angelaufen
und will irgendetwas verkaufen. Es ist nicht möglich, irgendwo einfach
nur zu stehen oder zu sitzen. Wir ziehen uns dann auf die Risho zurück
und selbst da kommen Auslegerboote und wollen Wäsche waschen, Schiff
putzen, Diesel verkaufen. Die Preise sind allgemein niedrig aber sobald
sie für Touristen sind, verzehnfachen sie sich.
Das wichtigste Wort ist "bargain bargain" (Handeln oder vielmehr
feilschen). Das nervt schon gewaltig, vor allem wenn ich das Gefühl
habe die Leute wollen einen immer betrügen.
Das Problem ist, dass es zu viele Menschen gibt. Da kommen auf einen Touristen
hunderte Einheimische. Das muss unweigerlich auf beiden Seiten zu Spannungen
führen.
Da ist Bali ,die letzte Insel in Indonesien die (noch) hinduistisch ist,
etwas einfacher für uns zu verstehen.
Vielleicht auch weil wir gerade zur Zeit des moslemischen Ramadan auf
den anderen Indonesischen Inseln waren. Beten - Fasten - Beten - Fasten
und die ganze Nacht übers Megaphon die Gesänge des Muezzin -
das geht irgendwann auf's Gemüt. Unlängst sagte mir ein Moslem
ganz stolz neben seinen halb verhungerten elf Kinder - das seien seine
und er wäre natürlich ein Held. Das Ganze mit hämischem
Blick auf unseren einzigen Sohn (seine Frau hat er erst gar nicht erwähnt).
Ich sagte ihm, dass es besser wäre, er hätte nur eines, und
das hätte die Möglichkeit eine gute Ausbildung zu bekommen.
Sind dann gleich abgehauen - ist nicht so gut angekommen. Es ist nicht
einfach die Mentalität der Leute zu verstehen, aber wir wissen natürlich,
als Gast hier wollen wir uns bemühen, uns zurechtzufinden und die
Spielregeln zu erlernen. Keine Frage, es ist sehr interessant hier zu
sein.
Habe mir ein Buch über den Islam gekauft, hab mich auch bemüht,
diese Religion zu verstehen . Dass hier ein Gewaltpotenzial gärt,
sollte man nicht wegdenken, denn selbst auf dem UKW rief erst gestern
jemand den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen auf, und es ist auch
erstaunlich, dass vier Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bali
durch Moslemische Fanatiker die Drahtzieher noch immer frei herumlaufen.
Der Westen ist Feindbild und Wunschbild zugleich, denn wenn ich mir die
Tausenden von Werbeplakaten so ansehe, weiß ich nicht recht, ob
es NY ist oder Indonesien. Im Pazifik waren die Menschen für uns
herzlicher und liebenswürdiger - vielleicht tun wir uns deswegen
schwerer.
Aber genau das macht ja unsere Reise so spannend, dass es eben solche
Extreme gibt. Die Welt ist bunt, vielfältig, und oft bitter und süß
zugleich - eben Yin und Yang.
Fotos
|
| 10.09.2008,
Lombok, Indonesien |
Warane,
Warungs und Was der Finn so treibt
Unsere Riffbekanntschaft steckt
mir noch in den Knochen. Klar. Oder ist es normal, dass ich bei Annäherung
an Riffpassagen Schweißausbrüche, Atemnot und den hysterischen
Blick auf den Tiefenmesser bekomme? Dabei sollte ich mir denken: Wahnsinn!
Risho Maru ist sicher das einzige Schiff, das man unbeschadet bis auf
einige Kratzer auf Korallenköpfe aufbocken kann.
Leicht entnervt kam mir also die meditative Landschaft Rincas sehr entgegen.
Sanfte Savannenhügel, bestückt mit wenigen Palmen und einigen
Komodo Waranen. Die gibt es nämlich auch auf Rinca und nicht nur
auf Komodo, und Finn meinte, die sollten dann wohl ordnungshalber Rinca
Warane heißen. Die Einheimischen sagen sowieso "Dragon",
genau so ausgesprochen wie geschrieben. In Finns Lesebuch Funkelsteine
für die 3. Klasse gibt es ein ganze Seite über die Komodowarane
plus Foto!
Haben dann gleich ein Foto mit Finn plus Komodo, pardon, Rinca Waran gemacht.
Schon seltsam, wenn man dort gerade ist, worüber das österreichische
Lesebuch so begeistert schreibt. Seltsam? Nicht für Finn.
Wir sehen einen Kinofilm und der spielt in New York - Finn: "Ah schau,
Mama, Manhattan, da waren wir doch in diesem großen Park".
Oder der grandiose Film "Whalerider" - über Maoris in Neuseeland.
Finn: "Das ist doch in Keri Keri gedreht bei diesem Surfbeach"
und "He, die lügen, dieses Haus steht doch in Te Puia und nicht
bei diesem Beach" oder "Rahhh der Haka Tanz! Hab ich gehasst
in der Schule."
Aber zurück nach Rinca."Da schaut's ein bisserl aus wie auf
Galapagos, Mama." Ich muss Finn recht geben. Irgendwie hab ich mir
Indonesien tropischer vorgestellt, Reisfelder und so
haben wir jetzt
auch endlich, in Lombok!
Aber Rinca und Komodo sind knochentrocken, beheimaten dafür Tiere
wie die Riesenechsen, Wasserbüffel und Seeadler.
Gegen oder ohne den Wind kriechen wir mit nicht sehr hilfreicher Gegenströmung
Richtung Westen. Apropos kriechen. Ich mach mit Finn Sachkunde. Thema:
Verkehr. Beschreibe deinen Schulweg und seine gefährlichsten Hindernisse.
Ähh... Also zuerst vom Steuerbordrumpf aus meiner Koje über
das Mitteldeck, Hindernis: vom Mast abstehender Baum, dann Abstieg in
den Backbordrumpf, rechts einbiegen bis zum Küchentisch, Achtung:
Olivenölflasche im Regal unter dem Tisch steht gefährlich an
der Kante. Geschafft. Lehrerin etwas grantig zweng übermäßiger
Hitze. Schüler etwas abgelenkt wegen hinter ihm auf Matratze der
Küchenkoje stehendem, gestern erbautem Lego-Resort, mit indonesischen
Tuk Tuk Booten.
Nenne Verkehrswege, die du kennst. Finn: "Highways in Kalifornien,
Avenues in Neuseeland" Wer regelt den Verkehr und schreibt Verkehrssünder
auf? Policeman. Auf deutsch bitte...!
"Wale!"ruft der Peter. Wir stürzen an Deck und sehen noch
die majestätischen Schwanzflossen über dem Wasser glitzern.
Der Wal - männlicher Artikel - Namenwort. Wir ankern im Norden Lomboks
und freuen uns, dass die Insel so grün aussieht hinter ihren schwarzen
Vulkanstränden. Der Muezzin ruft. Oder besser die Muezzins. Es ist
Ramadan, der heilige Monat, und Essen gibt es für die Moslems nur
zwischen 3 und 4 Uhr Früh. Ahaa
lah
alllaaaa... ich lese
aus dem Lonely Planet vor über den Islam in Indonesien und was im
Ramadan alles nicht erlaubt ist. Sex zum Beispiel. Nicht erlaubt. Finn:
"Sex? Wie diese zwei Warane auf Rinca, denen wir dabei alle zugeschaut
haben." Genau. "Kann ich Musik hören gehen, haben wir genug
Strom?" Klar. Dröhn. Finn hört "Rage against the machine",
Hardrock. Aber er mag auch Blues, vor allem seit er sein erstes Soloriff
auf der Gitarre bezwungen hat. Oder Naio, den Reggae Musiker aus Vanuatu.
" Ich mag den Bass bei Reggae so und der Naio hat so ein lustiges
Englisch".
Endlich im Westen Lomboks. Tropenwald, Reisfelder, freundliche Menschen.
Wir gehen essen in eines der zahlreichen Warungs. Kleine Garküchen
an der Straße. Scharfes, aber perfektes Essen. Finn futtert sein
Mie Goreng mit Begeisterung. "Das ist gut... viel besser als das
fade Lablab in Vanuatu."
Am nächsten Tag in der Schule. Evi hat 24 Euro. Sie kauft 3 Leberkäs
Semmeln. Eine kostet 3 Euro. Wieviel Euro hat sie noch nachdem sie bezahlt
hat?
"Mama, was sind Leberkäs Semmeln?"
Nach der Schule Auflug ins Dorf. Mit dem Motorrad! Ich sitze mit Finn
auf einem Motorrad, beide klammern wir uns an den jungen indonesischen
Motorradtaxler. Keine Sturzhelme. Rein in die Kurve! Was bin ich für
eine verantwortunglslose Mutter! Raus aus der Kurve! Da überholt
uns in Rauschefahrt ein anderes Moped, mit Jungfamilie auf dem Sattel.
Die Mutter hält den Saugling schön locker über dem Auspuffrohr.
"Das war super!" strahlt im Dorf ein fast Neunjähriger,
der mir bis zur Nasenspitze geht und meine Schuhgröße trägt
(37!).
"In Österreich wäre das nicht erlaubt!" sag ich.
Finn:"Echt? Wieso nicht?"
Und zum Abschluss wieder einer dieser schönen, südostasiatischen
Sonnenuntergänge - rosa, pink ,türkis.
Risho schaukelt sanft am Ankerplatz, der Muezzin ruft in der Ferne und
aus Finns Koje tönt es: " Du, Mama, da hab ich einen netten
Song in meinem Gitarren Liederbuch entdeckt. Land der Berge. Kennst du
den?"
Fotos Pazifik
und Indonesien
|
| 01.09.2008,
Flores, Indonesien |
Die
lange Reise nach Indonesien oder Jubeltage und ein Albtraum
Wo war ich stehengeblieben
- ach ja beim Funkspruch aus den Louisiaden Papua Neuguinea. Und jetzt
sind wir in Flores in Indonesien! Und all dies in nur wenigen Wochen
Fangen wir bei den Louisiaden an. Einsam, einsam, diese Riffinseln. Nix
los. Aber die wenigen Einheimischen freundlich und tauschfreudig. Grünzeug
für Flip Flops, geschnitzter Hai für Taucherbrille. Das Wetter
- elend. Ein Sonnentag - sonst Regen und düster - Licht wie im November
in Wien. Es zieht uns nach Port Moresbey, der Hauptstadt Papa Neuguineas.
Dort erwartet uns der Royal Yachtclub mit allem was das Segelherz manchmal
gar so begehrt. Warme Dusche, Laundry, gutes Clubrestaurant, relaxte Bar.
Port Moresbey selbst - eher grauslich. Überall rote Spuckschlieren
von den Betelnuss Kauern auf der Straße, am Gehweg. Müll säumt
die Straßen. Einheimische, die uns anstarren als wären wir
aus purem Gold. Dennoch probiert Peter die Betelnuss und muss sich gleich
hinsetzen. Wie 10 Bier auf einmal. Komisch hier nuckeln das Zeug schon
die Babys!
Ich verzieh mich lieber mit Wireless Internet, Gin Tonic und Erdnüssen
in die Yachtclub-Bar. Mhmm, wie schön ist es manchmal so ganz westlich
verwöhnt zu sein... Hier sind natürlich die meisten Gäste
Australier oder sagen wir, wie es ist: weiß. Das Personal ist "Papa
"(ganz dunkel) oder "Guinea" (etwas heller schattiert).
Bin froh, dass ich Maria und ihren Mann John kennenlerne. Beide hier geboren.
Finn tobt mit ihren Söhnen am Spielplatz. Maria erklärt mir
die verschiedenen Hautschattierungen der Menschen ihres Landes, und wer
wo wohnt, und ob mehr polynesisch (hell wie Maria) oder schwarz (wie ihr
Mann John). Maria erzählt mir von ihrem Alltag und er unterscheidet
sich nicht wirklich von dem einer berufstätigen Mutter in Österreich.
Dennoch, hinter den gesicherten Zäunen der Marina liegt eine Welt,
die so fremd, so bedrückend wirkt, dass ich kaum glauben kann als
mir Maria vom kühlen, kultivierten Hochland Papua Neuguienas erzählt.
Viel zu kurz erleben wir das Land. Können eigentlich gar nichts davon
erzählen.
Mit Bauchweh sehe ich auf einem der Großbildfernseher Sturmwarnungen
für die Torres Strait. Die Vorstellung, dass mir in einem Jahr die
Windverhältnisse sowas von wurscht sind und ich mich dann eher informiere,
ob am Lerchenfeldergürtel noch immer Baustelle und Stau ist, scheint
mir gerade sehr verlockend.
Nachdem der Wind von Sturm auf Starkwind fällt - was gleich Normalwind
in der Torresstrait ist - legen wir ab.
Wie das so ist, wenn einem ein üppig beleuchtetes Fischerboot-Ungetüm
mitten in der Nacht zwischen zwei Riff Inseln entgegensteuert, hinter
einem ein Riesentanker Platz begehrt, über einem ein Squal mit 30
Knoten Wind Stimmung macht?
Toll, wenn man mehr Adrenalin in sein Alltagsleben pumpen will!
Aber echt nicht lustig , wenn man einfach nur in den Indischen Ozean will,
ohne groß aufzufallen! Als es dann endlich hell wird, müssen
wir auch noch hart an den Wind gehen und es beginnt zu regnen. Um uns
versinken die Riffe im schönsten Allerheiligen Nebel. Nur so ein
schnuckeliges Tanker Wrack zeigt einem, dass man lieber links bleiben
sollte, will man keinen Ärger!
Thursday Island sieht dann bezaubernd aus, und die australischen Beamten
sind flexibel! Nach einer Nacht geht's schon weiter. Segeln, segeln, segeln.
Und dann der 15. August. So, wie ich mir das ausgedacht habe mit den unterschiedlichen
Zeitzonen und Datumsgrenzen, funktioniert das leider nicht. Ich werde
am 2 .Tag in der Arafurasee 40. Ob ich will oder nicht. Bin eh so müde,
dass ich wahrscheinlich wie 50 aussehe! Und mich wie 80 fühle. Meine
Männer feiern mich dennoch und das Iridium Telefon läuft heiß
und interessanterweise hat diesmal keine meiner lieben Freundinnen zu
Hause in Austria meinen Geburtstag vergessen! Biester! Dennoch ein Jubeltag
- wer segelt schon an so einem wichtigen Geburtstag nach Indonesien! Und
in Bali gibt es doch die besten, faltenglättenden Spas der Welt!
Irgendwann am 5. Tag erscheint Indonesien am Horizont. Ausschauen tut
es wie auf den Louisiaden. Tanimbar Islands, der Wind ist so stark und
der Ankerplatz so schlecht, dass wir nicht an Land gehen können...
Aber unsere Segelfreunde Yara - an unserer Seite - laden zum Geburtstagskaffee.
Schokokuchen und Muschelkette
mit Blick auf Indonesien.
Weiter, segle weiter Schiffchen...
Segeln, Segeln, Segeln - aber wie toll! Leichte Brise, Spinnaker und flache
See hinter Timor und Flores.
Aber diesmal rauben uns nicht Squals den Schlaf - nein, nein, am Nachthimmel
prangen alle Sternlein und ein satter Mond - sondern die zahllosen Fischerboote.
Irgendwann kommen wir dann drauf, dass diese Boote immer einen großen
Bogen um uns machen! Zumindest in der Nacht - tagsüber kommen sie
ganz nahe um zu schauen. Wir werden fröhlich auf Indonesisch angefunkt
und sogar Musik wird für uns durch das VHF Radio gespielt. Und dann
wird es plötzlich stundenweise windlos. Nach 12 Tagen auf See kann
das schon etwas nerven - vor allem, wenn man geplant hatte, nach 8 Tagen
fröhlich am Sandstrand zu toben.
Zu spät erreichen wir eine Ankerbucht auf Flores. Peter und ich wollen
am liebsten umdrehen und weitersegeln. Es ist zappendüster, man sieht
nix, Yaras, die schon im der Bucht sind, sprechen von vielen Fischernetzen.
Aber wir wollen doch so gerne schon indonesischen Boden berühren...
...das geht dann auch in Erfüllung wenn auch ganz anders als erwartet.
Mit Schritttempo tasten wir uns voran. Aber, oje... Es gibt einen Rumser
und
tja
wir sitzen am Riff.
Die nächsten Stunden des bangen Wartens auf Hochwasser sind wohl
das schlimmste, das ich je auf der Risho Maru erlebt habe. Sollte die
augenblickliche Flaute sich in Wind wandeln, sitzen wir in der...
Peter handelt wie ein richtiger Kapitän. Wir sind uns beide unseres
Fehlers bewusst, aber, wo ich nur Heulen und Zähneklappern kann,
ist er am Werken. Bringt einen Anker aus, sichert die Ruder mit Fendern,
checkt das Unterwasserschiff mit Dinghi und Taschenlampe. Als gegen 2
Uhr Früh Wind aufkommt und eine kleine Welle Risho auf dem Riff knirschen
lässt, blicke ich zum Sternenhimmel und bete.
Bitte lieber Gott, bitte Papa, bitte irgendwer da oben, liebes Universum,
liebes Kalb im Mond
Es gibt einen Ruck. "Wir schwimmen!" Peter spannt den Anker,
Risho dreht sich und langsam gleiten wir in das tiefe Wasser, keine 2
Meter hinter uns. Wir waren tatsächlich auf der Riffkante gesessen.
Strömung, schlechte Seekarte? Wie auch immer, bei Nacht fährt
man nicht in eine Bucht ein. Wir haben es beide gespürt und haben
nicht auf unserer Eier bzw Eierstöcke gehört. Dennoch: Danke
Universum oder wer immer das da oben war! Wir segeln wieder! Nix is g'schehn!
Wir flüchten augenblicklich aus der Bucht, Fischernetze hin oder
her, erst im offenen Wasser kann ich wieder atmen. Was für ein Albtraum
das war.
Wie herrlich es sein muss, wenn die größte Aufregung der Woche
ein Elternsprechtag ist...
Und weiter, weiter, weiter....Segeln, Flaute, Motor, Spinnaker, Fischerboot,
Eieruhr, 20 Minuten, müde, müde..aber da! Jubeltag!
Der Peter wird in der sanften Flores See 50!
Schokokuchen, Muschelkette
mit Blick auf Indonesien!
Indonesien sieht ziemlich spektakulär
aus - zumindest von See. Unglaublich viele schmauchende Vulkankegel, sogar
einen feuerspeienden haben wir in der Nacht gesehen! Wir haben den 14.
Tag auf See.
Endlich nach 16 Tagen tuckern wir in die Westbucht von Flores, einem herrlich
geschützten Naturhafen (das will ich hören), mit Schlammgrund
(mein Herz hüpft vor Freude), einem netten Fischerdorf, Menschen
und anderen Segelbooten!
Wir wandeln durch einen andere Welt, als wir endlich Indonesien unter
unseren Seemannsbeinen spüren. Kompletter Szenenwechsel. Kulissen
völlig ausgetauscht. Asien. Spinnenartige Auslegerkanus, Dschunkenartige
Transportboote, Straßenrestaurants, hinter deren Glasfronten seltsame
Speisen in Schüsseln dargeboten werden. Fischköpfe. Satespieße.
Gebackene Eier. Flaschenartiges Gemüse. Bunte Farbenpracht, staubige
Straßen, lachende Gesichter, dreckige Rinnsale, wahnsinnige Mopedfahrer,
verwesender Fisch, Kleinbusse knallbunt ohne Türen, eine Moschee,
Frauen mit Kopftüchern, Duft von Gewürz-Zigaretten
Mädls in knallengen Jeans, lästige Souvenierverkäufer und
- siehe da - eine Espresso Bar Lounge.
Und genau da sitze ich und ess griechischen Käse und Zaziki und es
ist mir wurscht, dass ich eigentlich irgendwas Indonesisches essen sollte
in irgendeiner kleinen Tschumsen an der Straße. Ich schlürfe
gierig den Cafe Latte statt eines ungezuckerten "kopi" vom Straßenverkäufer.
Denn ich war 16 Tage auf See, ich bin 40 geworden, durch die Torresstrait
gesegelt, auf einem Riff gesessen und hab die Sterne angefleht.
Und wenn ich da jetzt so sitze und der Muezzin ruft, die Sonne heiß
herunterbrennt, die Risho sicher vor Anker liegt und hinter ihr die spitzen
Vulkane Komodos ragen, dann frag ich mich, so ganz still, heimlich und
ein bisschen ängstlich, wie das dann wohl wirklich sein wird in einem
Jahr in Wien beim Elternsprechtag oder im Stau oder beim Billa...
Einmal Torresstrait und nicht
zurück!
Aus dem Logbuch von Skipper Pete
Ich bin heute früh schon
um fünf Uhr dreißig aufgestanden, denn die letzten 16 Tage
auf See haben das Zeitgefühl vollkommen durcheinander gebracht. Immer
noch im Rhythmus der Nachtwachen alle zwei Stunden zu wechseln.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang und der Muezzin ruft sein Gebet in
den Morgen von der Insel Flores in Indonesien.
Die Gerüche der Insel steigen mir in die Nase, und ich spüre
ein sanftes Willkommen im Indischen Ozean. Ja der Pazifik liegt hinter
uns und eine vollkommen andere Welt breitet sich vor uns aus. Die beiden
Ozeane sind in dieser Breite mit der geschichtsträchtigen Torresstrait
verbunden. Und genau von dieser möchte ich berichten. Wie schwierig
muss in vergangenen Zeiten das passieren dieser Meerenge gewesen sein
ohne GPS und Radar, das wird uns jetzt, wo sie hinter uns liegen, so richtig
klar. Es gibt viele Geschichten von Stürmen, Riffen und Strömungen
bis zu 6 kn, und wir haben erfahren, dass auch mit heutigen Mitteln diese
Meerenge nicht einfach zu befahren ist.
Am 9. September segelten wir von Port Moresby mit 20 kn Wind aus SE in
Richtung Bramble Cay los. Bramble Cay ist eine Leuchtturminsel an der
nordöstlichen Einfahrt der Straße.
Ein Tag, eine Nacht, ein Tag.
10.9. 16h30 Bramble Cay an Steuerbord. Gebe den nächsten Wegpunkt
in das GPS ein, ziehen die Segel dichter und wechseln von Raumschotkurs
auf Halbwindkurs. Wir kommen in die Abdeckung der ersten Riffe, die See
wird flacher, von drei Meter auf eineinhalb. Speed 7-8 Kn, Kurs 235°
21h00 Pos S 09°24 450 E 143°50 353 Das Leuchtfeuer von der Insel
Stepheus ist zu erkennen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, zahlreiche
Fischerboote kreuzen unseren Kurs. Ein Tanker in zwei Seemeilen an Backbord.
Und da noch einer, und was ist das nur für ein Schiff? Na der macht
uns keine großen Probleme, denn hier in diesem Seeabschnitt sind
wohl die ganzen Crews in Bereitschaft.
Der Wind legt auf 30 Kn zu, binden zwei Reffs ins Großsegel,die
See bleibt recht stabil.
2h40 Eines der Fischerboote kommt uns sehr nahe, ist mit Arbeitslichtern
so stark beleuchtet, dass ich seine Positionslichter nicht erkennen kann.
Strahle meine Segel mit dem Scheinwerfer an, damit er erkennen kann, dass
wir unter Segel sind - keine Änderung .Alex versucht ihn auf UKW
zu rufen, es meldet sich ein anderes Schiff. Dann dreht er endlich ab.
Es regnet leicht, und die Sicht ist auch nicht gerade gut.
5h Im Great North Channel müssen wir hart am Wind Segeln, dennoch
machen wir guten Speed.
Gut für uns, denn das Zeitfenster bis Horn Island ist knapp, wollen
es bis zum Nachmittag schaffen, um mit der Strömung zwischen den
Inseln einzulaufen. Es gebe noch die Möglichkeit bei einer der Inseln
in Lee zu Ankern, aber wir haben uns entschieden durch die Nacht zu gehen.
Ob es so viel angenehmer ist, bei 30-35 Kn auf einem nicht wirklich geschützten
Platz zu ankern, weiß ich nicht. Schlaflose Nächte kennen wir
ja bereits.
Im Morgengrauen sehen wir auf einem der Riffe hoch oben ein etwa 120 Meter
langes Schiffswrack - sehr aufbauend. Jetzt spüren wir, dass wir
beide diese Nacht kein Auge zugemacht haben. Finn kommt gerade aus seiner
Koje und ist begeistert von dem Schiff hoch oben auf den Felsen . Schön,
dass er sich so sicher auf der Risho fühlt ,er kann wirklich bei
jedem Wetter schlafen, der kleine Seebär.
10h Acker Shoal an Steuerbord. Endlich wieder Halbwindkurs und wir machen
8-9 kn Speed das ist gut so Kurs bis Twin Islands 238°
Können mit einlaufender Strömung zwischen Horn und Thursday
Island durchsegeln.
15h Ankern in Lee von Horn-Island , vollkommen geschützt, wir haben's
geschafft, wir sind fast durch, durch die berüchtigte Torresstrait.
Müde aber stolz erwarten wir den Australischen Custom and Immigration
an Bord . Die Behörden sind sehr freundlich. Und wir merken, dass
sie Erfahrung mit nervlich angespannten Seglern haben. Einer der Beamten
gibt uns noch den Tipp, hier nicht baden zu gehen, denn es gibt Krokodile.
Ich versuche mit dem Fernglas welche in den ufernahen Mangroven zu entdecken
und merke, dass ich nicht mehr scharf sehen kann - einfach viel zu müde,
oder stimmt es tatsächlich, dass ich in wenigen Tagen 50 werde?
Morgen müssen wir früh los, um mit der Strömung die letzten
30 Seemeilen durch die Torresstraße zu segeln. Die Garnetpassage
liegt hinter uns, wir segeln mit 20 kn Wind in der Arafura See. Jetzt
nehmen wir uns in die Arme, wir haben die Torresstraße bezwungen
das ist doch was oder?
|
| 12.08.2008,
nach Torres Strait |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind sicher durch die
Torres Strait und auf dem Weg nach Indonesien, Tanimbar Islands.
Torres Strait war Adrenalin pur - 40 Knoten Wind und tausende Riffe, Schiffe,
Fischer, Tanker in der Nacht... rahhhhh... Wurden dann für einen
Tag in Australien ein und ausklariert und dank flexibler Beamter (ja,
diese Wortkombination gilt hier tatsächlich... ) mussten wir die
250 Dollar Gebühr nicht bezahlen und durften unser Gemüse und
Obst behalten.
Also, 4-5 Tage Segeln, Asien wir kommen! Australien machen wir bei der
2. Runde (was hab ich da gerade geschrieben?!... )"
|
| 31.07.2008,
Louisiaden |
Vanuatu
Teil 3
Die Leute aus Vanuatu
Martha mit Schubkarre, Eric
mit Fischernetz, Charly im Mangrovenbaum, Stanley im Auslegerkanu, Sara
mit Gemüsekorb. Die Leute von Vanuatu. Im Kokoshain, am Dschungelweg,
auf der Vulkanstrasse, beim Rockkonzert, in der Markthalle, der Küchenhütte,
dem Gemeinschaftshaus.
Schon wieder 900 Seemeilen weiter geistern mir ihr Lächeln, ihre
kühlen Hände, ihre freundlichen Augen immer noch im Kopf herum.
In Vanuatu herrscht das Prinzip "Freundlichkeit" dem Fremden
gegenüber, dem Anderen, dem Neuen. Kann man ja von zu Hause im Westen
nicht gerade behaupten.
In Port Vila, der quirrligen Hauptstadt Vanuatus auf der bergigen Insel
Efate, herrscht Stadtgetümmel. Viele Autos, Hotels, Restaurants,
Supermärkte - vom chinesischen Ramschmarkt bis zum australischen
Durschnittssupermarkt. Alles da. Mit unserer Ankunft fällt die Netzeröffnung
des Handyanbieters Digicell zusammen. Die amerikanische Großfirma
lässt sich nicht lumpen. Man sponsert ein Rockkonzert für die
Leute von Vanuatu. Werbewirksam flimmert über die Großbildleinwände
ein Werbefilm für den Handyanbieter. Buschmänner mit Handy,
Kokospflücker mit Handy, Fischer mit Handy, fröhlich im Wasser
tobende Jugendliche mit Handy (wobei ich keinen einzigen Vanuaten je im
Meer schwimmen gesehen habe...).
Als wir auf der nördlich gelegenen Insel Malakula in Port Sandwich
Stopp machen und gemütlich durch malerische Palmgärten zum Hauptdorf
spazieren, trinken wir kalte Limonade im kleinen Store. Auch hier Handywerbung,
nur gibt es keinen Empfang, erklärt uns ein netter Einwohner und
schwenkt sein nagelneues Handy vor unseren Nasen. Dann begleitet er uns
zur örtlichen Bäckerei. Ein palmblattgedeckter Schuppen mit
einem großen gemauerten Ofen.
In einer hölzernen Schale rastet der Teig für Baguette und Sandwichbrot.
Ungefähr um 14 Uhr gibt es Brot meint Bäcker David und verspricht,
es dann gleich zum Schiff zu paddeln. Um 19 Uhr klopft es an die Bordwand.
Bread is ready!
Inselzeit. Zeit ist bei den Leuten von Vanuatu ein sehr dehnbarer Begriff.
In der Früh beim ersten Morgengrauen wird schon gepaddelt, gekocht
(über offenem Feuer), gegangen (Autos gibt es ganz selten, außer
in Port Vila).
Irgendwann zu Mittag geht man in den Garten. Die Gärten liegen oft
einige Kilometer vom Dorf entfernt, gegen Abend kommen dann die Leute
aus den Gärten, bepackt mit Gartenwerkzeug, Scheibtruhen voller Gemüse
oder einfach geflochtenen Taschen über dem Rücken: Taro, Bananen,
Island Cabbage (Spinat).
Abendessen köchelt schon über dem Feuer, in einfachen, immer
blitzblank gescheuerten Alutöpfen. Vor der Kochhütte befindet
sich ein großer Tisch, darauf Teller, Töpfe, Pfannen, einfaches
geblümtes emailiertes Essgeschirr.
Die Frauen sorgen für höchste Sauberkeit in und um alle Hütten.
Schlafhütte mit Matten und Tüchern, auf manchen Inseln gibt
es auch schon richtige Häuser. Aber immer ist die Küchenhütte
vom Haus getrennt. In Port Sandwich lerne ich Sara kennen, ich bewundere
ihren schönen Blumengarten und den qualmenden Erdofen. Sie zeigt
mir ihr zu Hause, stellt mit ihre Kinder vor und verspricht mir Gemüse
für den nächsten Tag. Im Schlafhaus - einem richtigen Haus aus
Beton - sitzen ein ganzer Haufen Leute vor dem modernen Videogerät
und bewundern Celine Dion in einem Life Konzert! Nebenan brutzeln die
Brotfrüchte am offenen Feuer. Im Palmenhain stehen einige Kühe
und grasen neben den immer Kokosnuss fressenden Schweinen. Im Hauptdorf
gibt es eine große Schule - von den Katholiken geführt. Ja,
das stabilste und schönste Gebäude ist tatsächlich die
Kirche! Neben den Bildern der Leidensstationen Jesu hängen Bilder
von Sanddrawings. In Port Vila im Museum malte einer der Guides für
uns in den Sand eine dieser Zeichnungen. Man darf nicht absetzen mit dem
Finger, und es ist die hohe Kunst, ein symmetrisches Bild zu gestalten.
Der Guide singt die ganze Zeit während er zeichnet die Geschichte
zur Zeichnung. Im Kulturzentrum in der Hauptstraße Port Vilas werden
dafür Kurse angeboten. Ein Schuljunge kniet vor einem Holztablett
mit Sand und malt den Schmetterling. " My Grandma showed it to me"
murmelt er und rückt seinen Billabong Short zurecht.
Wir sitzen einige Zeit in der Kirche in Malakula, Schüler lugen neugierig
durch die Tür und grinsen uns an. Das hier ist eine Bording School,
nur am Wochenende geht man nach Hause. Neben der Glocke, die alle zum
Gottesdienst ruft, steht eine riesige traditionelle Schlitztrommel mit
Holzschlegel. Doppelt hält besser! Was hätten die gestrengen
Missionare der Kolonialzeiten wohl dazu zu sagen?
Unser Bäcker führt uns weiter durch das Dorf. Zeigt uns das
Krankenhaus. Im Aufnahmezimmer eine Liegebett aus dem 2. Weltkrieg. Diese
Krankenzimmer sind aus dem Stoff, aus dem man Albträume macht. Alle
Gebäude wirken leer und verlassen. Möchte hier auch nicht krank
sein. Nur in der Geburtenstation sitzen ein paar Frauen - eine hochschwanger
- am Gang am Boden und knabbern Zuckerrohrstangen.
Als ich einige Stunden später wieder auf unserem Schiff bin, sehe
ich den Überfluss der Dinge, die mich hier an Bord umgeben umso deutlicher.
Nicht eine Sorte Mehl, nein, Roggen-, Weizen-, Maismehl. Nicht ein Gewürz,
wie Salz oder Zucker, nein, Oregano, Paprika, Soja, Kümmel, Muskat...
Ich schlürfe meinen heißen Tee, esse ein paar Kokoskeks und
denke darüber nach wie es möglich wäre, unsere beiden Welten
zu einer perfekten zu verbinden. In welcher Einfachheit regiert statt
Überfluss, die aber doch Sicherheit und Stabilität gewährt.
Gibt es nicht. Vielleicht doch, irgendwo. Oder vielleicht sollte ich einfach
versuchen, so zu leben.
In Luganville auf der Insel Espirito Santo, wieder einige Meilen nördlicher,
liegen wir vor dem Resort Aore Island. Klares Wasser, schöner Sandstrand,
gepflegtes Restaurant mit Drinks und Mittagsmenü und schmucken kleinen
Wohnhütten. Weiße Leintücher zum Trocknen an der Sonne.
Hübsche Angestellte im Blumenkleid. Geführt von einem Australier.
Der Taxibootfahrer spricht 4 sprachen: Beslama, Englisch, Französisch,
Japanisch. In der Haupstadt der Insel wandern wir an staubigen Chinesensupermärkten
vorbei zum großen Gemüsemarkt und kaufen dort in Bananenblätter
eingewickelte Minitomaten.
Dann setzen wir uns ins Anemoro Café und essen Hamburger. Jaja,
die beiden Welten! Die australische Chefin lässt ihren Blick über
die gut besetzen Tische schweifen. White skin kommt hier zum Mittagessen.
Wieder im Taxiboot lachen und blödeln wir mit den Angestellten des
Resorts.
Sie erzählen uns vom Million Dollar Beach, gleich bei der Einfahrt
nach Luganville. Die Amerikaner waren hier im 2. Weltkrieg um Raum abzustecken
gegen die Japaner. Dort glitt dann die luxuriöse Begleityacht der
Amerikaner auf eine falsch platzierte Unterwassermine und das Schiff sank
mit Mannschaft und teurer Fracht. Noch heute werden alte Colaflaschen
an die Strände gespült. Finn tauchte eine-schweres Glas mit
Prägung 1940! Sammlerstück! Sonst erzählen noch die in
Grashügeln versteckten Bunker Kriegsgeschichten, und der eine oder
andere alte Jeep. Was nahmen sich die Vanuaten aus der ganzen Geschichte?
einige gründeten den John Frum Kult, eine Religion, in der Kapital
das wichtigste ist. Wer Besitz hat, ist der König, wer Geld bringt
der Kaiser. Aber die meisten Leute von Vanuatu wissen, das Glück
bedeutet, das Essen im Garten zu haben und dafür nichts bezahlen
zu müssen. Und dann zu arbeiten wenn man will. Und da kommt dann
wieder die Zeit ins Spiel. Einmal besuchten uns einige Einheimische mit
ihrem Kanu. Wir fragten, ob sie ein paar Paw Paw (Papayas) für uns
hätten
Sie meinten: "Klar, im Dorf." - "Sollen
wir morgen so um 9 Uhr kommen um sie zu holen? Wäre das ok? Oder
ist 10 Uhr besser?" fragte Peter an. Da erwiderte Eric, der Fischer,
verwundert: "Sure. Why not? You can it Paw Paws anytime!"
Fotos
Kapitän
Pete
Auf dem Weg in
den Indischen Ozean
Meilen um Meilen nähern
wir uns jetzt der Torres-Straße, die Seestraße zwischen Australien
und Papua Neuguinea. Westlich davon liegt die Arafura See und der Indische
Ozean, das bedeutet für uns, dass wir nach mehr als einem Jahr den
Pazifik verlassen. Wir denken an die schöne Zeit, die wir hier verleben
durften, an die wundervollen Eindrücke und Geschichten, die wir erfuhren
.Von Panama bis Papua Neuguinea so viele unterschiedliche Lebensweisen
und Kulturen, die wir entdeckt haben. Eines aber verbindet diese Inseln
mit einem unsichtbaren Band, das ist die Lebensfreude, die auch heute
noch auf den meisten Inseln des Pazifiks zu finden ist. Keine Frage, dass
das Leben auf so manchem Atoll nicht ganz so einfach ist, aber die meisten
Menschen spüren schon, dass die Natur, in der sie leben, und die
Kraft, die sie daraus tanken, eine ganz besondere ist. Wir lernten so
viel von den Menschen, dass ich mich oft fragte, ob es nicht Zeit wäre,
von diesen Menschen in unserer Gesellschaften zu lernen. Denn die Schulbildung,
die sie bekommen, ist gut sowie sie ist, doch wird sie immer unsere westliche
Denkensweise mittransportieren. Und das ist der Punkt: Der weiße
Mann irrt manchmal gewaltig. Wir haben gelernt und versucht, etwas näher
an den Rhythmus der Natur zu kommen, haben erfahren, dass genau dies die
Freiheit bedeutet, nach der wir uns sehnen. Zeit hat ihr ganz besonderes
Tempo hier im Pazifik, und wir haben einiges von unserer Lebensweise aufgeben
müssen, um dieses Zeitverständnis zu verstehen.
Am Strand in Tanna, Vanuatu, traf ich eine Frau, die fischte. Auf meine
Frage "How is the fishing today?" meinte sie: "If I catch
some fish I go home, if I catch no fish I go home too!" Dieser
Ozean gibt sein eigenes Tempo vor, das haben wir auch gelernt, und jede
Meile ist ein Stück Erfahrung mehr.
Der Pazifik ist einer
der faszinierendsten und aufregendsten Erdteile dieses Planeten - das
steht für uns fest. Und auf Ile de Casy in Neu Caledonien wanderten
wir auf die höchste Erhebung der Insel, und dort auf einem von Seglern
errichteten Steinhaufen haben wir unseren persönlichen Stein gelegt.
Damit gaben wir das Versprechen, eines Tages wiederzukehren, in unseren
so geliebten Pazifik.
|
| 17.07.2008,
Louisiaden |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind nach 6 Tagen gut
in den Louisiaden gelandet. Hier türkise Lagune, Kokospalmen, weiße
Strände - wieder mal Fototapete!
Das Segeln, naja, der Westpazifik ist nicht umsonst als schwierig bekannt...
viele Gewitter, Regen, hohe Wellen, aber wenigstens der Wind und die Welle
von hinten! Eine gewaltige Steigerung! Und die letzten 80 Seemeilen hat
sich ein müder Albatros auf unsere Solarpanele gesetzt und alles
vollgesch... naja, der Bursche war wirklich fix und fertig. Peter hat
neben ihm unseren Windpiloten immer wieder mal eingestellt - der Albi
hat ihn nur müde angeschaut. Hat wohl gemerkt, dass wir auch nicht
ganz fit waren...
Die Risho dafür umsomehr, selbst einen Squal mit 50 Knoten segelte
sie ohne Segel mit Speed 6 ab. Und natürlich der Finn: Immer fröhlich
und gut ausgeschlafen! Der Segelstar von heute und morgen!
So, jetzt aber ab in die Koje, schnarch..."
|
| 07.07.2008,
Inselwelt Vanuatus |
Sind
unterwegs in der schönen Inselwelt Vanuatus. Und da denk ich mir, eine
Geschichte sollte schon seit langem erzählt werden. Und zwar diese:
Wer ist Hari?
Dem geehrten Risho Maru Homepage
Publikum sollte er bereits seit 3 Jahren wohlbekannt sein. Hari ist der
Mann hinter der Homepage.
Aber ehrlich gesagt. Hari ist viel mehr.
Erstens ist er einer unserer besten Freunde. Einst rettete er uns aus
einer prekären Notsituation, als unser Malaspina Ex Schlagzeuger
beschloss, 3 Tage vor der Weltpremiere doch lieber nicht mitzuspielen.
Hari sprang ein. Und blieb.
Bis heute ist er unser Lieblingsschlagzeuger, wenn auch zur Zeit gemeinsames
Musizieren ausfällt. Dass er freiwillig anbot, unsere Homepage zu
betreuen war ein großes Glück! Wahrscheinlich würde ich
jetzt noch versuchen, den Bericht über die Kanarischen Inseln verzweifelt
auf die Seite zu laden und die Fotos, welche Fotos?
Und so kriegt Hari regelmäßig Post von PAF aus allen Ecken
dieser schöner Welt. Und ich fiebere jedesmal auf seine Antwort,
denn eines ist klar: Er ist der erste, der die Berichte liest, der erste
der die Fotos betrachtet.
Lobt er uns sind wir fröhlich, sagt er gar nix sind wir beunruhigt.
Gefällt's ihm nicht? Dass er so nebenbei auch noch ein Arbeits-,
Liebes-, Motorradleben führt vergessen wir dann manchmal...Rechtschreibfehler
bessert er dezent aus! Danke! Er, meine Mutter und Peters Schwester Andrea
sind die ersten, die erfahren, dass der Ozean gut überquert, die
Crew wohlauf, die Insel sicher erreicht ist.
Wir versuchen, diesem zurückhaltenden Burschen immer ein bisschen
was herauszulocken über sein Leben, und freuen uns dann mit ihm über
die neuerworbene Guzzi (eine rassige Italienerin - für alle nicht
Motorradkenner), das Hardrock Konzert mit eigener Band am Wochenende oder
die verschlungenen Wege der Liebe. Und natürlich sein neues Heim,
das er zurzeit wohlüberlegt und begeistert einrichtet!
Bis jetzt konnten wir ihn noch nicht auf die Risho Maru locken - weder
die schönen Insulanerinnen aus französisch Polynesien (er spricht
übrigens perfekt Französisch!) noch die heißen Motorradstrecken
Neuseelands ließen ihn weich werden. Andererseits: wie sollten wir
ihn mit unseren Abenteuergeschichten überraschen, wenn er selbst
dabei wäre? Vielleicht ist das sein Hintergedanke...
Aber wir geben die Hoffnung nicht auf - selbst Segler - wird er es sich
wohl nicht nehmen lassen, im Mittelmeer einige Meilen mit der Risho in
die Heimat zu segeln..., wobei wir mal überlegen müssen, wo
wir seine Guzzi auf der Risho unterbringen....aber das wäre schon
wieder eine nette Geschichte, die erzählt werden müsste... und
Hari wäre dabei... und das würde uns sehr freuen... und er könnte
mir dann endlich persönlich erklären, wie das mit der Homepage
funktioniert!
PS: Ja, Hari, das ist auch
eine wichtige Story, die definitiv auf die Homepage gehört! Keine
Tricks! Alex
Fotos
|
| 24.06.2008,
Vanuatu |
Vanuatu
oder "Zeit, was ist das?"
1. Teil: Tanna - Am Rande
des brodelnden Vulkans
Ich träume. Sehe lachende,
dunkle Augen, Fliegen ,Feuerfunken. Und einer sagt was von Nemaka, dem
Geist der Pflanzen. Es ist heiß, die Wolldecke aus Neuseeland liegt
wie Blei auf mir, als ich mitten in der Nacht erwache. Ich muss an die
Luft. Draußen eine leichte Brise, Tropendüfte, Rauch, an Land
tiefe Dunkelheit. Ein Grollen. Ich blicke auf den Berg der sich rechts
von mir gegen den Sternenhimmel abzeichnet: Mount Yasur. Er grollt. Er
ist der Vater, für manche noch heute. Manchmal bringen die Leute
ein Schwein zu ihm und werfen es hinab in seinen kochenden Schlund. Noch
heute. "Aber natürlich meinen sie damit Jesus" fügte
Jerry, unser Vulkan Guide an. Es verging eine kurze aber eindeutige Zeitspanne
vor dieser christlichen Beifügung. Da sahen wir uns an und er war
sich nicht sicher, ob diese white skin vor ihm das verstehen kann. Ich
grinste, er grinste. Wer auch immer das ist - ich finde es toll - sage
ich. Dann beugte Jerry sich hinab und hob eine Handvoll schwarze Vulkanerde
auf. Captain Cook wollte von den Eingeborenen wissen, wie das Land hier
heiße und um diese Frage zu unterstreichen berührte er die
Erde.
Sie, die Einwohner, wunderten sich und sagten "Mbtanna - das ist
Erde". "Tanna" verstand Cook, und so erhielt diese Insel
ihren Namen.
Wir sind in Vanuatu und trotz vieler Erzählungen über diese
Inseln sind wir nicht vorbereitet auf die aus Matten und Palmblättern
gefertigten Hütten, die offenen Feuer, die neugierigen Kinder, die
scheuen, freundlichen Menschen. Das hier ist kein Freilichtmuseum für
"wie man einst in Tanna lebte" das ist Tanna. Das ist Port Resolution,
ein kleines Dorf in einer ruhigen Bucht, Schweine die frei herumlaufen,
Küchenhütten, Schlafplätze auf einfachen Matten, nackte
Kinder, lästige Fliegen. Das ist der Süden von Vanuatu. Es gibt
einen Yachtclub, eine Holzhütte mit Holztischen. Als wir eintrudeln
sitzen dort zwei einheimische Mädels und machen Musik. Die eine auf
einer Kiste mit einem Bambusrohr, das mit einem Seil an der Kiste befestigt
ist - der Bass - und die andere mit einer einsaitigen Gitarre. Sie nennen
sich Stringband und lachen, ein schönes Lachen. Stanley kommt. Er
ist der Checker im Dorf und organisiert unsere Fahrt per Truck in den
Hauptort Lenakel am anderen Ende der Insel.
Off Road Drive - 2 Stunden lang auf der Ladefläche des Trucks. Quer
durch den Dschungel auf einer Art Weg, durch einen Fluss, vorbei am Vulkan,
ins Gebüsch, auf einen Berg, hinunter den Hügel, vorbei an Hütten,
durch Dörfer.
Kinder laufen dem Truck schreiend nach - Bye, bye, bye, bye.
In Lenakel gibt es eine Hafenmole, und ein Geschäft und einige Häuser,
die sogar aus Beton gebaut sind. Wir melden uns bei Polizei, Immigration
und Quarantäne, die freundlichsten Beamten der Welt. Wir haben Hunger.
Wir kaufen Kokosbrot und Maniokchips und Mandarinen im örtlichen
Supermarket. Pulvermilch, Zwiebel, einige Corned Beef gibt es hier auch
noch. Wir warten eine Stunde auf Stanley, er ist verschwunden. Aber keiner
der Einheimischen am Truck sucht ihn wirklich. Wird schon wieder auftauchen.
Lasst uns einfach ein bisschen auf der staubigen Hauptstraße von
Lenakel auf und ab fahren. Irgendwann kommt Stanley dahergelatscht mit
einem Paket Zucker unter'm Arm. Wir, die Touristen, begrüßen
ihn überschwänglich, die anderen wundern sich über uns.
Irgendwie scheinen wir hier auf einem anderen Planeten gelandet. Zeit.
Was ist das?
Was, das sowieso vorbeigeht, egal ob man dabei mitmacht oder nicht.
Mount Yasur, der Vater, grollt als wir am Nachhauseweg an ihm vorüberrumpeln.
Jaja, wir kommen und werden uns vorstellen, Yasur!
Hier im heißen Sand am Fuße des Vulkans oder auf der "Straße",
überall kommen uns immer wieder Menschen entgegen. Irgendwo mitten
im Dschungel. Überall wird gegangen. Es gibt ja auf dieser Seite
der Insel nur dieses eine Auto. Und Sprit ist sowieso unglaublich teuer.
Was sind schon 2 Stunden in die Schule oder eine Stunde durch den Dschungel
nach Hause. Es ist so anders hier und doch irgendwie tief in mir rührt
sich was, das sagt, da waren wir auch mal.
Vor langer Zeit, 60, 70 Jahren in Österreich hatte doch auch nicht
jeder ein Auto und wer weiß, bei den heimatlichen Benzinpreisen
sind wir da in einigen Jahren tatsächlich wieder!
Die Menschen von Port Resolution und den umliegenden Dörfern haben
Gärten angelegt. Taro, Snakebeans, Christophinen, Brotfrucht und
die Paw paw, die Papaya.
Essen wird ins Feuer gelegt zum rösten, garen tut alles im Erdofen.
Es gibt keinen Einbauherd , keinen Kühlschrank, außer dem im
Yachtclub, die haben ja auch einen Laptop. Ich denk an den Erdkeller meines
Großvaters auf seiner Jagdhütte. Rupp Käsle und Brot.
Mit dem Truck bleiben wir bei einem gigantischen Baumhaus stehen. Darunter
einige Tische mit Wurzeln, das ist kawa, wird hier wie Tee getrunken und
macht schön taub und müde. Frauen dürfen auf Tanna nicht
mittrinken. Frauen haben mindestens 3-7 Kinder, arbeiten Tag aus, Tag
ein im Garten, in der Hütte. Die Dörfer blitzen vor Sauberkeit,
alles gerächt und gejätet, das Geschirr geschrubbt. Matten und
Körbe werden aus Pandanussfasern geflochten.
In der kleinen Markthütte tausche ich einen Schlafsack und Kinderkleidung
gegen zwei Körbe. Alle Mamas, die die Körbe hergestellt haben,
müssen da sein, es wir beraten, meine Ware beäugt. Sandra, eine
peace corps Arbeiterin, übersetzt Beslama (einen der vielen Landessprachen)
in Englisch. Die Frauen reden untereinander in ihrer Stammessprache, schauen
mich an, schauen die Körbe an, kichern, den Schlafsack, mich, die
Kindersachen, Sandra, mich, Schlafsack. Kicher. Und... Blong yu!
"Belong to you" übersetzt Sandra. Die Körbe sind mein.
Doch zurück zu Yasur. Er rumpelte einige Tage später schon von
Morgen an. Nichts wie rauf! Per Truck ging es durch den spätnachmittäglichen
Dschungel. Wir wollten den Einbruch der Dunkelheit am Vulkan erleben.
Wir stapften die 200 Höhenmeter zum Krater durch schwarzen Lavasand.
Wruuummmm! Lavabrocken flogen im hohen Bogen durch die Luft.
Yasur grollte und stieß eine atompilzähnliche Rauchwolke aus.
Am Kraterrand angekommen starrten wir fasziniert in die Tiefe. Glutfetzen,
Rauch, Schwefeldämpfe. Guide Jerry erzählt, dass 2 Frauen Lablab
(Tarowurzeln mit Spinat und Huhn) über ihrem Erdofen garten und plötzlich
gesellte sich ein Schwein zu ihnen und bat, ob es sich am Feuer wärmen
dürfte. Sie stimmten zu, es war eine kalte, regnerische Nacht. Da
saß das Schwein bei ihnen und plötzlich begann es zu wachsen
und bedeckte das Feuer und die Frauen, das Lablab und die Brote, die sie
gerade buken. Und aus dem Schwein wurde Yasur und die zwei Krater in seinem
Schlund sind die beiden Frauen.
Yasurs heißer Atem blies uns ins Gesicht. Über uns wurden glühende
Lavabrocken in den Abendhimmel geschleudert. Je dunkler es wurde, umso
wütender wurde Yasur, so als wolle er uns zeigen, wer hier der Vater
ist. Ich war mir plötzlich auch gar nicht mehr sicher, ob die wissenschaftlichen
Erklärungen in Finns Kinderlexikon unter V wie Vulkan ganz ausreichend
sind für dieses Schauspiel. Denn warum braucht die Lava vom Erdkern
bis zum Augenblick, da sie aus dem Schlund gestoßen wird, genau
9 Monate? Warum zuckte Jerry, unser Guide, der diesen Vulkan doch schon
ewig kennt bei jeder Eruption derart zusammen? Ein dumpfer Aufprall eines
Lavabrockens einige Meter hinter uns machte klar, dass die Windrichtung
nicht günstig für uns stand. Ich wollte gerade ansetzen um vorzuschlagen,
vielleicht das Feld zu räumen, da gab Jerry nervös das Zeichen
zum Aufbruch. Vor einigen Jahren fiel einem Japanischen Vulkanologen eines
dieser Lavastücke auf die Brust. Auf der Stelle tot. Durchgebrannt.
Wir stolperten im Dunkeln mit unseren lächerlichen Stirnlampen den
Berg hinunter. Die Lavaspritzer kamen gefährlich nahe und ich dankte
dem Vater Yasur, oder wem auch immer, als wir wieder im Auto saßen
und durch den dampfenden Dschungel rumpelten, für seine Nachsicht
uns gegenüber. Nirgends sonst kann man so nahe an einen Vulkanrand,
unsere kanadischen Segelfreunde schütteln den Kopf über die
nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Peter dachte an seinen ersten
Vulkangang auf den gesicherten Wegen rund um den Stromboli und den aufregenden
Blick auf die Glut durch ein Fernglas.
Quietschend stoppte der Wagen vor einer Fackel, die in die Strasse ragte.
Im Hinterholz sah man einige Kerzen, die eine Kawa-Bar beleuchteten. Unser
Fahrer holte sich eine Flasche des Gesöffs. Für uns gab es nix
mehr. Die Scheinwerfer unseres Autos teilten die dunkle Nacht, über
uns flatterten Flughunde, auf der Straße immer wieder Menschen,
Familien auf dem Weg wohin auch immer.
Im Dorf in der offene Kirchen singende Kinder bei Kerzenlicht. Vor dem
Gute-Nacht-Sagen fragte ich Jerry noch: "Wie das hier ist mit dem
Zauber' auf Tanna ? Ich hab davon gelesen. Is it good magic?"
- "Nein, ganz schlecht" meinte er. Aber um gute Geister anzulocken
gibt es unter allen Bewohnern Tannas einen wichtigen Vorsatz: ein guter
Mensch muss man sein. Das hilft um den bösen Zauber fernzuhalten.
Kirche gehen hilft auch, fügt Jerry nach einer etwas zu langen Pause
hinzu.
Wir grinsten uns an.
Ich träume wieder. Von guten Geistern, guten Menschen und dass die
Frauen Kawa trinken bis zum umfallen. Gud nät, Tanna. Slip, Yasur!
2. Teil: Erromango - Was
passiert, wenn man in Vanuatu einen Jodler anstimmt?
Wo ich geh und steh - ich sitze
auf geflochtenen Pandanussmatten in einem palmblattbedeckten offenen Haus
tuat mir mei Herz so weh, neben mir sitzen Belinda, Prucilla, Rachel,
Rose, Rona und Pamela in ihren Blumenkleidern und halten sich vor lachen
die Hände vors Gesicht,
ich hab grad angefangen
einen typisch alpenländischen Jodler zu singen.
um mei Steiermark - das
ist hier die Dillon Bay auf Erromango-Vanuatu!
ja glaubt's ma's g'wiss
- die glauben mirs, glaub ich zumindest
Wo des Büchserl
knallt - Rose 6 Monate altes Baby George knallt zwar nicht aber kreischt
begeistert
Und wo der Gamsbock fallt
- wenn hier was fällt, dann Schweine, aber im Augenblick rösten
nur Brotfrüchte neben der Küchenhütte Prucillas.
Wo mei lieber Herzog
Johann is - kein Kommentar
Holareodulio - Pamela fällt
die Kinnlade runter.
Diriadulio - Rachel starrt mich entgeistert aus ihren ca 107 Jahre alten
Augen an.
Diraduliö - Rona verlässt das palmenbedeckte Frauenhaus um kurz
später mit ihren Schwestern Lian und Leiwin wieder zu erscheinen.
Diriaduhulio - Sydney, der 80 jährige Urgroßvater von Rose,
nähert sich dem Frauenhaus, das ist hier noch niemals passiert.
Holareodulio - (eine Oktave höher!) - Rona legt mit besorgt Blick
auf mich die aufgerollten Pandanussstreifen auf die Seite.
Holarehoduliö - Rachels ca 250 Jahre alte Mutter Kurua erscheint
erstmalig seit Jahren ohne ihr Vormittagsnickerchen beendet zu haben.
Hola RiaRiaRia Ria Ri- Die Schulkinder, die gerade aus der Schule kommen
stimmen begeistert ein RiaRiaRiaRiaRia.
Diri... aaaa... dulio!!!!! - das Dorf ist in Aufruhr, Schweine rasen durch
das Frauenhaus, Männer lassen ihr Tagewerk - das Sandelholz zuschneiden
- liegen, Fischer holen ihre Netze ein.
Hul-iiiiii-ooooooo!!!!! Prucilla
angelt in Windeseile eine geröstete Brotfrucht aus der Glut, bricht
sie auf und reicht sie mir eilig auf einem Bananenblatt.
"Hanggri?" (Anmerkung
des Übersetzers: Beslama für hungry, hungrig)
Port Vila - Die Hauptstadt
Vanuatus
Stadtgetümmel
Wir segelten aus Erromango
eine Nacht nach Efate, Port Vila.
Aus Gewohnheit kochte ich heißen Tee, legte das Ölzeug bereit
und den dicken Fleecepullover. Peter betrachtete mich seltsam von der
Seite, sagte aber nix.
Oder grinste er vielleicht doch ein bisschen?
Jedenfalls, 12 Stunden später hatten wir unsere erste, gemütliche
Tradewind Segelei seit langem hinter uns. Nur Sternenhimmel, Mond, plätscher,
plätscher... Soviel zum Segeln! Und kein Wort mehr!
Sowenig wir das simple Leben auf Tanna und Erromango erwartet hatten,
sowenig waren wir auf die Landeshauptstadt Port Vila vorbereitet.
Autos, Smog, Supermärkte, Cafés, Kino, Surf Shops, Resorts,
Luxushotel - alles da, keine 70 Seemeilen von frei laufenden Schweinen,
nackten Kindern und tauschfreudigen Einheimischen entfernt. Seltsam.
Wir schlenderten zum riesigen Frischmarkt. Hier tauschte keiner Angelhacken
gegen Bananenstaude. Oder T-Shirt gegen 3 Kokosnüsse.
Körbe gibt es gegen Vatu Scheine.
Yasur, kein Vater sondern Ausflugsziel, Pandanussmatten zum Aufhängen
im heimatlichen Wohnzimmer!
Flexibel wie wir sind, stürzten wir uns ins Kleinstadtgetümmel,
genossen Cafe Latte und Eiscreme, frische Baguette und Steaks aus dem
Supermarkt. Westler!
Und hängen hier an einer Mooringboje beim Yachtclub.
Haben schon das Musikfest "Fête de la Musique" erlebt,
eine "Kino unter Sternen"-Nacht, das geschlossene Nationalmuseum
besucht, das lokale Bier "Tuscan" probiert. Und bleiben noch
einige Zeit. Es ist angenehm hier und wir nehmen uns Zeit für Schreiben,
Schule, Putzen, Waschen. Bordalltag im Hafen.
Rüsten uns für den nächsten Schlag zu den Lousiaden, nach
Port Moresbey und die Torres Strait. Aber alles mit der Ruhe, denn es
ist wieder tropisch heiß geworden! Und räumen die warmen Sachen
weg! Der Sommer hat begonnen und Finn freut's auch - bald sind Ferien!
Fotos
|
| 03.06.2008,
Neukaledonien |
Dilemma mit Folgen und Her
mit den knusprigen Baguettes!
Bon Appetit. Könnte mal wieder über das Essen schreiben. Ich
weiß nicht was unsere geehrten Leser so von uns denken, wenn ich
immer wieder über Essen, Kaffeetrinken und andere leibliche Genüsse
schreibe. Wahrscheinlich, dass wir rund und g'sund heimkommen werden!
Wäre wohl auch so, hätten wir nicht immer wieder mal zu segeln
und würden so schön unser Idealgewicht halten.
Denn Segeln ist Sport! Hat die letzte Überfahrt auch wieder mal bewiesen,
über die ich mich diesmal nicht auslassen werde, sondern anschließend
den Captain und sein Logbuch zu Wort kommen lasse. Denn diese Überfahrt
hab ich bereits aus meinem Seglerinnengedächtnis gestrichen. Ist
auch besser so. Könnte natürlich sagen, jawohl, wieder um einen
Erfahrung reicher, aber ehrlich gesagt, naja, obwohl war doch eine unglaubliche
Erfahrung, wenn auch etwas an der Grenze oder eigentlich war es gar nicht
so schlimm, eigentlich ganz nett, ein bisserl Sturm und Welle, aber sonst?
Kann mich nicht erinnern, gut so...
Also schreibe ich - wie das bei Gedächtnislücken so ist - vom
Vorher und vom Nachher!
Vorher war gut, wenn auch etwas angespannt, wie immer vor Überfahrten.
An der Funke hängen, Wetterberichte inhalieren und so tun, als wäre
es ganz normal, eine Woche über einen Ozean zu segeln. Ist es natürlich
auch unter den Seglern hier. Aber wehe man erzählt das einem Segelfremden
da kommen dann meist Einwände und man denkt sich, bin ich total verrückt
geworden, das zu machen!
Aber, wie es eben so ist, trifft man als Segler vor allem auf Segler oder
Segelbegeisterte und so kommt man gar nicht in diese verzwickte Situation.
In Opua warteten wir also auf das berühmte Wetterfenster - was für
ein Wort - irgendwann werde ich diesen Ausdruck auch aus meinem Gedächtnis
streichen...
Finn war glücklich. Er ging in die Opua Primary School und verlor
sein Herz an seine Lehrerin Mrs Young. Die Schule begeisterte ihn von
Anfang an.
Als ich nach der ersten Stunde vorsichtig anfragte, ob ich ihn wieder
mitheimnehmen sollte (oh Gott, was bin ich für eine Glucke), sah
er mich verzagt an und ich wollte ihn schon beim Arm packen und ins traute
Heim schleifen, aber der 143cm große 8 einhalbjährige sprach:
"Mama, ich will auch eine Schuluniform wie die anderen und zwar jetzt"
Äh. Also das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich versprach,
dass ich mich darum kümmern werde und er verschwand in Classroom
2 ohne sich noch einmal umzudrehen. Peter heulte. Also tröstete ich
nicht meinen Sohn sondern meinen Gatten, der ob der großen "erster-Schultag-Aufregung"
an seine eher grausigen Schulanfänge denken musste und mit seinem
Sohn mitlitt, der aber keine Sekunde litt. In der "Morning Tea"-Pause
brachte ich Finn Jause und wollte sichergehen, ob er nicht doch lieber..."Mama
ein Wahnsinn, das ist so toll, die haben gerade Dinosaurier Woche!"
Und so hatten wir plötzlich kinderfreie Vormittage, schlenderten
planlos durch die Marina bis plötzlich...das berühmte Wetterfenster
aufging. Finn weigerte sich von einem Tag auf den anderen die Schule zu
verlassen. Es war Wochenende und er wollte wegen des Ukuleletages und
der netten Mrs. Young unbedingt noch einige Tage der nächsten Woche
die Schule besuchen. Na gut sagten wir, das Kind ist glücklich, fahren
wir mit dem nächsten Fenster.
Alle Segler um uns machten sich bereit loszusegeln und am Sonntag war
die Marina zu Hälfte geleert. Blöderweise war auch noch die
Rede vom besten Wetterfenster seit Jahren
wir kauten Fingernägel
und holten Finn von der Schule ab. Schließlich hieß es am
Dienstag: das Wetterfenster hält und hält, fahre wer fahren
will. Mittwoch wurde zu Finns letztem Schultag und das verzieh er uns
fast nicht, aber wir wollten los. Mittwoch morgen dann meinte Winfried
der Wettermann, weg mit euch, ein Tief kommt, aber es sollte sich für
euch ausgehen.
Oh nein, genau das, was man nicht braucht, ein Dilemma...
Und wir segelten los, und wir segelten in das Tief, und mein Sohn schwärmt
noch immer von Mrs. Young und - was mich schließlich doch versöhnte
- das nächste Wetterfenster öffnete sich erst 3 Wochen später,
und da sitze ich jetzt aber bereits in Noumea und schmiere mir Camembert
auf mein Knusperbaguette.
Finn hätten die weiteren 3 Wochen Schule sicher viel Freude gemacht,
aber auch so hat er viel gelernt, liebt Englisch, liest englisch fast
besser als Deutsch und macht englisches homework am allerliebsten. Und
das allerbeste: "Schulklasse" ist für ihn nicht mehr eine
vage Schreckensvision. Natürlich musste ich ihm versichern, dass
sich auch in Österreich eine nette Mrs. Young finden würde!
Falls wer eine kennt, bitte melden!
Und nun zu "Nacher".
Wir landeten in Ile de Pins, einem Tropentraum. Puderzuckerstrand, Traumlandschaft,
Türkiswasser. Wir leckten unsere Wunden, ich durfte auch krank werden
und huste mir jetzt noch die Seele aus dem Leib.
Macht nix. Wir sind ja da. Und die Wahrscheinlichkeit eher Passatwinde
in Zukunft zu haben als Gegenwinde ist hoch.
Wir verbrachten die Tage mit Strandläufen, Lagerfeuer, Marktgehen,
Land kennenlernen. Endlich wieder Bananen, die wie Bananen schmecken und
Passionsfrüchte vom Baum. Natürlich ein Thunfisch an der Angel,
als wir nach Noumea rauschten. Dass nirgends das Paradies ist, wissen
wir ja und spürten die sozialpolitischen Spannungen zwischen den
Ureinwohnern, Kanaken genannt und den Franzosen am eigenen Leib, als an
einem quirligen Markttag Tränengas von der Polizei in die Menge geschossen
wurde, um die Menge aufzulösen.
Am Tag darauf verdrückten wir uns etwas deprimiert ins Centre Culturel
Tjibaou.
Dort wurden diese schon ewig herrschenden Spannungen vom berühmten
Architekten Renzo Piano künstlerisch verarbeitet.
Das grandiose Kulturzentrum mit seinen silbern in der Sonne funkelnden
Holztürmen versöhnte uns wieder etwas.
Wir lernten über das Leben der Kanaken, über ihren etwas skurrilen
Ursprung. Und zwar wurde ein Zahn von einem Geist auf einen Felsen gesetzt
und begann unter der Wärme des Mondes(!) zu verfaulen. Die Teile,
die ins Wasser fielen, wurden zu Aalen (Zeichen der Fruchtbarkeit) und
Schlangen (die es heute noch gibt und zwar sehr giftige!), die Teile,
die am Felsen blieben, zu Eidechsen und Pflanzen. Und so konnte der erste
mytische Mensch Tea Kanake sein Volk gründen. Pflanzen leiteten immer
das Leben der Kanaken, die Banane - die Weiblichkeit, die Taroknolle -
die aus Respekt nie geschnitten sondern nur gebrochen wurde, die Pinien
- die den Weg zum Haus des Chefs zeigen, die Cölus Gräser -
die jedes Haus beschützen und die Seerose - die man nicht respektlos
berühren darf, will man nicht böse Geister an Land ziehen.
Da musste ich gleich an den Hollunderbaum denken, der sich oft an steirische
Bauenrhöfe schmiegt und vor bösen Geistern schützt!
Wir saßen auf einem kleinen Bankerl mit Blick auf den Pazifik und
die Holztürme und wir spürten den wunderbaren Zauber der Kunst.
Und die Franzosen? Die hübschesten Frauen seit langem spazieren hier
durch die Straßen, geschmackvolle Geschäfte neben zahllosen
chinesischen Ramschläden.
Guter Wein, die knusprigen Baguettes und natürlich der Käse...
Durch dick und dünn, das passt wirklich zur Rishomaru Besatzung!
Noch sind wir dünn und vielleicht nach ein paar Wochen Schnabulieren
hier ein bisserl dick und eines ist klar: durch alles sind wir bisher
gut durchgekommen und das wird sich auch nicht ändern!
Und nun lasset den Captain zu Wort kommen!
Die Überfahrt NZ - New
Caledonia
Auszüge aus dem Logbuch des Kapitäns
14.5 .2008
Wettervorhersage für den 14.5.: SW 10 kn
Das Wetterfenster bringt für die nächsten sechs Tage Winde aus
SSE zu E 15-20 Kn. Danach dreht er auf NE, ein Tief zieht heran.
Die meisten Boote, die wir kennen, haben NZ bereits vor drei Tagen in
Richtung Fiji , Vanuatu und New Caledonia verlassen.
Entscheiden heute noch, uns anzuhängen, obwohl es knapp werden könnte.
Winfried unser Wettermann meint "mit dem Kat könntet ihr das
schaffen". Rechnen mit 150 Meilen am Tag im Schnitt .Sollte sich
ausgehen.
Distanz 770 sm bis Ile de Pins auf New Caledonia.
13h30 Pos: 34°59 S und 174°07 E mit 7,4 kn Speed, Kurs 335°.
Tagsüber hält der Wind gut, gegen Abend verlieren wir die Sicht
auf NZ. Auf bald NZ, war eine schöne Zeit. Bei so einer Überfahrt
ist genug Zeit, über die letzten Monate nachzudenken und alles nochmals
in Gedankenbildern ablaufen zu lassen. In der Nacht Sternenhimmel, schalten
den Motor später dazu. Wind hat auf 5 kn abgeflaut. Alle Systeme
laufen gut, mache einen Kontrollgang übers Schiff.
Habe in Opua ein Solarblinklicht entdeckt mit einer Reichweite von mehr
als 5 sm, schaltet sich zusätzlich zum Positionslicht automatisch
bei Dämmerung ein.
15.5. 2008
8h Pos: 33°35 S und 173°33 E, 3/8 bedeckt, Temp: 12°, Baro:
1023
Haben in der Früh den Spi gesetzt, fühle mich schwach, habe
mir in Opua eine ordentliche Grippe von Finn geholt.
Finn geht es schon recht gut, hustet nur noch schrecklich.
Keine Lust zum Fischen, keinen Appetit auf Fisch. Versuche zu schlafen,
gelingt mir nicht. Müssen uns nach so langer Zeit an Land wieder
an die Schiffsbewegungen gewöhnen. Machen gutes Tempo und in der
Nacht klart es wieder auf. Squalls (Regenwolken mit häufig starken
Böen) sind keine zu sehen. Der Ozean leuchtet, eine wunderschöne
Nachtfahrt.
16.5. 2008
8h Pos: 31°40 S und 172°30 E, 5/8 bedeckt, Temp:14°, Baro:
1021
Zu Mittag sind heftige Squalls durchgezogen, Spi geborgen und Groß
gerefft. Wind dreht mehr auf E 15-20 kn, 8-9 kn Fahrt.
Windrad direkt an die Batterien geschalten, brauchen mehr Strom für's
Radar. Segelyacht Yara in Hörweite auf UKW. Plaudern und geben Position
durch. Glaube Fieber zu haben, aber Alex weigert sich eines zu ertasten.
Ich kann sie verstehen, denn ich hoffe auch, dass ich noch fit bleibe.
Kann auch in meiner Ruhezeit keinen Schlaf finden. Alex macht tagsüber
schon mehr Wachzeiten als ich. Eine richtig gute Seefrau ist sie geworden.
In der Nacht viel Arbeit an Deck. Segel reffen, dann wieder ausbinden.
Es ist nicht ganz so kalt wie wir erwartet haben: 15 Grad. Auf dem Radar
sind die Squalls sehr gut zu erkennen. Und das ist recht gut, denn da
steckt oft Wind mit mehr als 30-35 kn drinnen.
17.5.2008
8h Pos: 29°22 S 171°15 E, 7/8 bedeckt, Temp:19°c Baro: 1020
Wellenhöhe 2,5- 3 Meter
Wettervorhersage bringt uns früher den NE Wind, Sch
Heute E 25 Kn am 18.8 NE 25 am 19.8 NW 20, das Tief in der Tasman See
ist doch schneller gezogen. Na da müssen wir durch. Setzen alles
an Segel was möglich ist. Müssen Tempo machen.
Gegen 16h zwei Reffs im Groß, 9 Kn Speed.
Habe starke Kopfschmerzen, Nase total zu und starker Husten. Nein kein
Fieber!
Es geht also noch, muss gehen. Alex ist tapfer, lässt sich ihre eigene
Müdigkeit kaum anmerken, aber ich sehe es in ihren Augen. Finn ist
sehr cool, weiß ganz genau, was jetzt Sache ist, beschäftigt
sich die meiste Zeit alleine. Tut ihm vielleicht auch gut nach den aufregenden
Tagen in NZ und in der Schule in Opua. Die Risho läuft viel ruhiger
mit den zwei Reffs im Groß. Könnten schneller segeln, aber
wir fühlen uns so viel besser. Heute das erste mal zwei Stunden Tiefschlaf
aus Erschöpfung.
Noch 370 Meilen bis Ile de Pins.
18.5 2008
8h Pos: 27°04 S 169°54 E, 8/8 bedeckt, Temp: 20° Baro: 1017
Welle 3 -3,5 Meter
Genua geborgen, laufen nur mit Fock und zwei Reffs im Groß, 7-8
kn Fahrt.
Wellen stürzen über das Vordeck. Blöder Winkel, habe entdeckt,
dass beim vorderen Netz eine Verankerung gebrochen ist. Muss auf's Vordeck;
mit Leinen kann ich das Netz wieder gut sichern; dauert eine Ewigkeit.
Die Wellen stürzen über mich und jeder Handgriff ist mühsam.
Erstaunlich, dass nicht das Netz gerissen ist, aber die Metallverankerung
ist gebrochen. Werde in Zukunft alles mit Leinen fixieren. James Wharram
hat absolut recht, so viel wie möglich mit Tauen zu sichern. Das
Ölzeug ist sehr gut, haben uns neue Jacken in NZ gekauft.
Meine Stirnhöhle wird kurz mit Seewasser gespült, ansonst bleibe
ich recht trocken. Alex kocht eine heiße Misosuppe mit Utongnudeln,
das wärmt perfekt.
8h: Groß geborgen, nur unter Fock 7-8 kn Fahrt, Wind hat zugelegt
30-35 kn.
3h30: Liegen beigedreht mit Sturmfock und backgestelltem Ruder, Wind 40
kn, Wellen total konfus, sind zu erschöpft um weiterzusegeln.
Ruhe im Schiff, kein Schlagen mehr auf der Bordwand, lege mich vollkommen
erschöpft nieder, schlafe drei Stunden im Tiefschlaf. Nach fünf
Stunden kaum Abdrift, da Strömung nach Norden setzt. Das erste Mal
nach drei Tagen kann ich Alex in die Arme schließen, ich merke wie
erschöpft auch sie ist.
19.5.2008
8h Pos: 25°30 S 168°37 E, 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1014
Laut Winfried soll der Wind heute von NE auf SW drehen.
Auf der Funke mit Wolf und Doris (Nomade) geplaudert, sind auf dem Weg
zu den Lousiaden, hat richtig gut getan die beiden zu hören - wirkt
besser als die homöopathischen Kugerln.
13h: der Wind dreht immer mehr auf N. Segeln hart am Wind
16h: ganz erstaunlich, in den letzten zwei Stunden drei sehr heftige Squalls
und der Wind hat jedesmal danach ein Stück mehr Richtung Westen gedreht.
Haben die Segel bereits auf Steuerbord. Jetzt kommen die Wellen auch noch
von der anderen Seite. Die Risho tanzt wild herum, aber wir können
wieder segeln.
20.5.2008
8h Pos: 24°05 S 167°56 E 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1012
Wellenhöhe
will sie nicht mehr beurteilen, kommen aus zwei
Richtungen, brechen auch immer wieder ordentlich. Risho geht es gut, bekommt
nur öfters eine gegen den Rumpf geknallt. Unser Cockpit ist erstaunlich
trocken. Noch 84 sm bis Ile de Pins, müssen Fahrt reduzieren um morgen
Früh anzukommen. Finden jetzt wieder etwas mehr Schlaf, verbringen
die meiste Zeit unter Deck, denn es regnet seit gestern. Hören auf
der Funke, dass einige Schiffe gut auf Fiji und Vanuatu angekommen sind.
Na die meisten sind vor drei Tagen los. Wir haben es auch bald geschafft,
noch eine Nacht durchhalten und dann gehe ich in Krankenstand.
21.5.2008
Land in Sicht!!!!!!!
8h Pos: 22°50 S 167°23 E, 4/8 Bedeckung, Temp: 23° Baro: 1013
Ein wunderbares Gefühl, wir haben noch 7 sm bis zum Ankerplatz.
Segeln durch die Riffpassage,
das Wasser ist sofort ruhig, keine Wellen mehr, herrlich. Die Insel riecht
wunderbar, freue mich das erste mal wirklich, dass wir ankommen.
Es war ein anstrengender Törn, aber beim Anblick der Tropeninsel
ist das alles schon vergessen. Dieser Törn geht zu hundert Prozent
an Alex und Finn.
Die nächsten vier Tage genießen wir voll, ich gebe auch Ruhe.
Laut meinem Admiral muss ich auch mal am Nachmittag in die Koje. Ein Kapo
sollte fit sein, keine Frage, auch bei einer so guten Crew. Ich liebe
die beiden!
Fotos
|
| 25.05.2008,
Neukaledonien |
Funkmail von der Risho Maru:
"Nach 6 Tagen sehr anstrengendem
Segeln sind wir im sommerlichen Neukaledonien gelandet. Zur Zeit im Süden
auf der zauberhaften Ile de Pins! In NZ ist es uns einfach zu kalt geworden
und wir sind bei recht gutem Wetter weg, aber leider in ein zu schnell
ziehendes Tief geraten. Viel, Viel Wind und Regen und große Wellen,
und erstmals haben wir beigedreht, um ein bisschen schlafen zu können.
Erschwerend kam dazu, dass Peter eine schwere Verkühlung aus NZ mitgenommen
hatte und die so richtig zum Ausbruch kam! Also wurden wir ordentlich
durchgebeutelt und die Ankunft in Neukaledonien war dadurch doppelt so
schön. Hier absolut Tropen mit Frankreich vermischt. Herrliche Baguettes,
Croissants, liabe Leut, bonjour, oui oui, bonne nuit! Natürlich Pinien
und blaue Lagunen, aber vor allem Wärme! Herrliches Klima, tagsüber
an die 25 Grad, abends schön zum Zudecken mit viel Sternenhimmel
und Lagerfeuer am einsamen Strand."
Anmerkung
des Webmasters: unter Bilder gibt es jetzt auch
ein paar Risho Maru Videos (powered by YouTube)
|
| 27.04.2008,
Neuseeland |
Und
es herbstelt
Ich versuche ein echter Kiwi
zu sein. Segler sind ja als ausgesprochen anpassungsfähig bekannt.
Also denke ich mir, dass es nach 5 Monaten an einem Platz ja wohl wirklich
kein Problem sein sollte, sich den heimischen Gebräuchen und Traditionen
anzuschließen. Aber, leider, leider. Ich schaffe es nicht. Mir ist
einfach kalt.
Das Thermometer zeigt hier in der Koje abends um 9 Uhr 13 Grad an. Das
ist mir zu kalt. Ich finde es hat zu herbsteln begonnen und das finden
auch die anderen internationalen Leidensgenossen hier in der Marina in
Whangarei. Aber nicht so die Kiwis. Sie laufen immer noch in T-Shirt,
kurzen Hosen und bevorzugt barfuß herum.
Dem Finn ist auch heiß, aber das gilt nicht. Hat er doch einen BMX
Track entdeckt und düst stundenlang seine Runden, verschwitzt und
im T-Shirt.
Seit wir auf der Risho leben bin ich noch niemals dermaßen bekleidet
vor dem Schirm gesessen. Dicke Trainingshose, 2 Langarm T-Shirts, eine
Fleecejacke, und zusätzlich stecke ich in meinem kuscheligen Daunen
Schlafsack. Hinter mir brennt eine Petroleumlampe, verbreitet viel Gestank
und wenig Wärme. Heiße Dusche in der Marina hilft ein bisserl,
Teetrinken ganz viel, heiße Schoko mit Rum am besten.
Warum ist den Kiwis nicht kalt?
Vielleicht weil sie von Engländern abstammen? Aber was ist mit den
Maoris? Die kamen doch aus dem tropischen Polynesien dahergesegelt und
müssen einen Kälteschock erlitten haben als sie hier ankamen.
Aber auch sie laufen hier hochsommerlich herum. Viele Kinder barfuß.
Manchmal denke ich mir, wir - die Besucher - stehen in einer anderen Klimazone.
Am Abend saßen wir gestern in Rewas Yachtclub und aßen Pizza.
Mir war saukalt und wir sprachen mit Michael, Segler und Architekt. Er
zog sich gerade die Kapuze seines Faserpelzsweaters über den Kopf,
als er uns erklärte, das die Kiwis Hausisolierungen und Wärmedämmungen
jeder Art nicht anwenden.
Schotter, Sand, Boden drauf, ein paar Bretterwände, einfache Fenster.
Fertig ist das Durchschnittshaus. Oder Yachtclubrestaurant. Wir schoben
unseren Tisch unauffällig Richtung offenem Kamin, die Kellnerin im
Spaghettiträger T-Shirt lächelte uns mitleidig an.
"Oh, another drop of rain" bemerkt die Dame an der Supermarktkasse.
Draußen schüttet es aus Kübeln. "Keeps our farmers
happy!" bemerkt die alte Dame hinter uns in Sommerkleid und Flip
Flops.
Vielleicht fragt sich einer von euch da draußen, warum wir dann
noch hier sind, keine Woche Segeln Richtung Norden ist doch wieder die
süße Südsee. Gute Frage. Könnte ich beantworten mit:
Noch zu früh, es könnte sich noch ein Zyklon in diese Gewässer
verirren.
Was ja stimmt, aber es ist da noch was.
Freunde.
Das Schönste und Erstaunlichste an unserer Reise - und viele Segler
stimmen da mit uns überein - sind die Menschen, die man trifft. Und
manchmal ist es ganz egal, ob man sich nur kurz wo aufhält. Wie zum
Beispiel damals die vier Wochen in den Tuamotus bei Valo und Gaston, unserer
polynesischen Gastfamilie.
In Neuseeland waren wir nun 5 Monate und haben Bande geknüpft, die
wohl auf ewig in unserer Erinnerung sein werden. Vielleicht, ja hoffentlich
sieht man sich wieder.
Wendy und Martin, unsere Zahntechniker in Auckland, kennengelernt über
Katja aus dem Marina-Laden in Opua. Beide unkomplizierte, liebenswürdige,
erfrischende Menschen. Dieses Gefühl von, ich kenn die seit ewig,
so als wären wir gemeinsam in die Mittelschule gegangen.
Als wir vor einigen Tagen noch für ein bisserl Stadtatmosphäre
in Auckland waren, fror ich erbärmlich in der typischen wunderschönen,
aber kalten Kiwiwohnung. Mit großer Sehnsucht träumte ich von
einem heißen Bad, als Wendy beiläufig sagte "Hey guys,
take a bath, feel at home, you want some tea?" Und so nahm die Familie
Schöler mit größtem Genuss seit 3 Jahren ihr erstes knallheißes
Vollbad!
Oder Schelm und Isabelle. In der Norsand Marina liefen wir uns über
den Weg. Die beiden bauen dort einen Wharram Kat und so kam man ins plaudern.
Tag für Tag wuchs unsere Freundschaft und jetzt nach 5 Wochen ist
es schwer sich vorzustellen, sie nicht mindestens einmal die Woche zum
Musikmachen, Plaudern oder gemeinsam Kochen zu treffen.
Ihnen verdanken wir auch ein wunderbares Badeerlebnis (vielleicht verbindet
sie das mit Martin und Wendy?). Als es vor einer Woche mal wieder einen
Tag regnete und kalt war entführten sie uns in ein Schwefelbad. Und
wenn jetzt einer dabei an Loipersdorf oder ähnliche Thermalbäder
denkt, weit gefehlt! Wir fuhren mit Schelms Toyota Bus eine Stunde ins
Inland, kaum mehr Häuser zu sehen (was aber in Neuseeland eh normal
ist), nur grüne regenverhangene Hügel und Schafe. Am Ende einer
rumpeligen Schotterstrasse stoppten wir vor einem geschlossenen Backpacker
Hotel. In einem alten Wohnwagen saß ein Maori, neben ihm zwei Hunde,
und wies uns den Weg zu den Bädern.
Wir kamen zu einem alten Gemäuer mit 5 großen hölzernen
Freiluft Pools. Die Umkleidekabinen erinnerten mich an die alte Turnhalle
in meinem Heimatort, vor allem der Geruch! Holz und verschwitzte Socken!
Die Bäder wirkten zwar alt, aber sauber und gepflegt. Wir stiegen
in das warme, weiche, schlammige Wasser und genossen es. Auf unsere Häupter
prasselte der Regen und der Schwefelgeruch verflüchtigte sich - ich
denke, weil wir eben sehr anpassungsfähig sind!
Den ganzen Nachmittag badeten wir, einmal kamen 3 Maoris, dann ein Kiwipärchen,
und schließlich ein alter Japaner. Hochbetrieb auf neuseeländisch!
Vielleicht haben die armen, frierenden, polynesischen Segler wegen der
zahlreichen Thermalquellen nicht gleich wieder den Rückzug angetreten!
Die frierenden österreichischen Segler jedenfalls waren glücklich!
Nur einem hat der Ausflug nicht gut getan. Mein Lieblingsbikini wir wohl
nie wieder nicht schwefelig riechen!
Mit Antonio, unserem italienischen Freund, verbinden uns keine Badegenüsse,
dafür aber kulinarische! Erst kürzlich brachte er uns wieder
Parmesan aus Italien vorbei.
Er hat sich übrigens einen Katamaran gekauft und wird für einige
Zeit mit seiner Familie segeln gehen. Ob das was mit uns zu tun hat?
Oft denke ich mir, hätten wir diese Reise nicht angetreten, wieviele
Orte wären uns für immer fremd geblieben und vor allem wieviele
Menschen, die heute soviel für uns bedeuten, hätten wir nie
getroffen.
Die oben genannten, aber auch Valo und Gaston aus Tuao, John aus Suwarow,
Kyra, die Wienerin in Kartagena, Gidi aus Wiesbaden, all unsere Seglerfreunde!
Und Teri. Klar, er ist nur ein Auto (sagt das bloß nicht dem Finn!).
Teri unser treuer Kumpane über die gewundenen, neuseeländischen
Straßen, die Nächte mit ihm (eng aber unvergesslich), sein
Blau, strahlend und charmant, sein Blubbern beim Heißlaufen.
Er trägt seit kurzem ein "For Sale" Schild im Rückfenster.
Denn bald sind wir wieder "nur" mit Schiff unterwegs. Noch einige
Schoten ausgetauscht, der neue Autopilot kalibriert und Finn tobt sich
noch die letzten Wochen mit seinem Flybike aus.
Finn ist ein großer Junge geworden! Hat die Weite Neuseelands genützt
und ist in die Höhe geschossen. Abends nach dem Biken klemmt er sich
die Gitarre unter den Arm und fetzt los.
Dass man einen Fernsehfilm nicht auf fast forward schalten kann, weiß
er seit wir bei Wendy und Martin gewohnt haben, und Schelm hat ihm gezeigt,
wie man einen Hobel ansetzt, Antonios Töchter ließen ihn über
den kleinen Unterschied nachdenken und Teri will er am Liebsten mitnehmen.
Und so geht ein Reiseabschnitt langsam, aber sicher zu Ende. Wir werden
noch die letzten Wochen hier genießen, und ich werde versuchen,
der Kälte wie ein Kiwi ins Gesicht zu sehen!
Oder ich kauf mir morgen doch die Opossum Socken
sollen herrlich
warm halten!
Fotos
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| 18.03.2008,
Neuseeland |
"You
look like sailors" oder Frau der Fliegen
Ostern naht und diesmal werde
ich meinen Ostereier-Gselchten-Striezel-Gelüsten freien Lauf lassen.
Werde sogar eine Ostereiersuche veranstalten! Alle landrattischen Feierlichkeiten
begehen, wie Schokohasen einkaufen im großen Supermarkt, Autofahren
zum Osterkonzert in der Innenstadt und natürlich Osternesterl basteln
aus echtem Gras, das gleich hinter der Risho wächst.
Ja wir sind mal wieder "On the Hard"! Die Risho ist aufgebockt
auf zwei schweren Eisenträgern und erinnert mich, wie jedesmal zu
solchen Gelegenheiten, an einen an Land gesetzten Schwan.
Peter trägt wieder den "in Antifouling und Farbe getunkter Overall"
Grunge Stil, ich das Haute-Couture-Gemisch aus Aceton-Flecken-Fetzen-Jeans
und Ex -T-Shirt-Kopftuch über traditioneller Marina-Anklatsch-Frisur.
"You look like sailors" sagte uns gestern bei einem Blueskonzert
in einer typischen Kiwibar ein netter Neuseeländer. Dabei hatten
wir uns echt rausgeputzt, aber die Wahrheit lässt sich eben schwer
übertünchen. Tünchen, das hat Peter die letzten Tage bis
zum Exzess gemacht - in unserem Navigationsrumpf. Alles in weiß.
Im Klartext hieß und heißt das, wir leben mal wieder in einem
Rumpf - schlafen, essen, whatever darin. Was eng ist, aber zumindest ist
das Wetter stabil,... sorry,
war kurz abwesend um Handlangerdienste
zu erfüllen. Leiste gegen Rumpf halten und mit Bleistift kennzeichnen,
oder Farbflecken mit Terpentin von Leiste putzen, oder Klebeband von Decksfläche
abziehen (blau und pickig wie die lästigen Pickerl vom Supermarkt
mitten auf dem schönsten Stück Geschirr).
Jetzt sitze ich wieder da in unserem angeräumten Küchenrumpf,
eingeklemmt zwischen Finns Pirates-of-the-Caribbean-Schultasche und Peters
Gitarre. Vor mir ein zitterndes Fliegenbein. Was? Unser Nachbar, ein netter
Kiwi mit etwas vernachlässigtem Schiff und freundlichem Hund, winkt
mir durch die Luke zu, so von Schiff zu Schiff. Weiß der überhaupt,
dass all die Fliegen in unserem Rumpf von seinem Hund oder besser dessen
eh schon wissen
angezogen werden? Ich winke freundlich zurück.
Immer schön freundlich bleiben, müssen ja noch einige Zeit nebeneinander
verbringen, und immerhin hat er der Werftleitung nicht verraten, dass
wir das Antifouling staubtrocken abgeschliffen haben, anstatt vorsichtig
und feucht, um die Natur zu schonen. Wie kam ich da jetzt drauf?... Natürlich,
das zitternde Fliegenbein. Ich bin grausam und ich hoffe und bitte jeden
Tag, dass das Universum mich nicht dafür bestrafen wird, dass ich
dieses klebrige Fliegenfangband in unserem Küchenrumpf, eben fast
vor meiner Nase, gerade jetzt aufgehängt habe. Es steht drauf: kein
Gift, also zumindest verstoße ich nicht gegen Kiwi Umweltgesetze,
aber die armen Fliegen! Sie bleiben picken und zittern sich dann zu Tode,
außer ich knall ihnen eines mit dem Gasanzünder über die
Birne - was ich gerne tu, denn ich hasse diese Viecher noch mehr als die
Ameisen, die gleich an unserem ersten Tag auf dem Trockenen eine wunderschöne
kilometerlange Strasse durch meine Küche, mein Gemüse, mein
Brot gebaut haben. Habe auch sie ausgerottet. Mit kleinen Ködern
aus klebriger Masse, die verführerisch nach irgendetwas riechen,
das Ameisen mögen. Vergiftet leben sie noch so lange, dass sie all
ihre Babys in ihren Nestern mitvergiften und so ganze Großfamilien
zu Grunde gehen. Universum verzeih mir, lass mich bitte nicht als Fliege
oder Ameise wiedergeboren werden. Es ist die Werft, die mich so werden
ließ! In 2-3 Wochen bin ich wieder ich, nett, zuvorkommend, tierlieb,
naturinteressiert. Aber im Augenblick geht's halt gerade nicht.
Finn tritt zunehmend in das "Grosser-Junge-Alter" ein und hängt
Plakate über seine Küchen/Schlaf Koje: "Staff only / Closed",
was sich auf die beengte Platzsituation auch nicht gerade positiv auswirkt.
Manchmal flüchte ich in die Laundry und treffe auf andere staubige
Seefrauen. "Sind ja eh nur mehr 3 Wochen bei dir" hör ich
dann von so mancher, die schon einige Monate hier verbringt.
Der absolute Pluspunk ist das spätsommerlich österreichische
Klima. Man kann ohne zu schmelzen 3 Tage lang die Außenrümpfe
waschen und polieren. Unser Nachbar/Hundefreund hat mich gelobt: "Looks
better everyday!" - "Oh thank you, but, you know, the flies..."
- "Oh yes, the flies, what a pain
see you tomorrow..."
Und weg is er
...und ich muss auch weg. Peter braucht das Stromkabel, um den Rumpf zu
schleifen und neues Sc |