Logbuch

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30.10.2008, Singapur In Singapur

Sind schon 2 Wochen da, aber immer wenn ich mich vor den Computer setzen will, das Wireless Internet anwerfe, über unser Leben hier zur Zeit berichten will, immer genau dann kommt eben dieses dazwischen. Das Leben hier!
Ich muss dann ganz dringend von der Risho auf den blitzblank gefegten Schwimmsteg der one15marina hüpfen und schnell ein paar Züge im eleganten 200 Meter Pool mit Blick auf die Singapore Skyline machen. Finn ist schon da, nachdem wir die Schule am Morgen in Windeseile abgespult haben (das Druckmittel "Swimmingpool gestrichen wenn Schulleistung unterm Hund" wirkt Wunder!).
Und der fesche, braungebrannte Langhaarige mit Schwimmbrille, der da durch das Pool krault ist doch mein Ehemann! Wollte der nicht nur schnell Duschen gehen?
Nachdem wir also ausgiebig geschwommen sind geht's wieder auf die Risho und nachdem Essengehen in Singapur eine der wichtigsten und billigsten Angelegenheiten ist, müssen wir uns rasch fertig machen, um mit dem Shuttle Bus in die City zu fahren.
Und wenn wir dann im ausgedehnten Foodcourt einer Shopping Mall eines der hunderten von Gerichten ausprobiert haben, zahlt es sich kaum aus gleich wieder in die Marina zu fahren. Also ab in das Mass Rapid Transportation System, die U-Bahn, und ab nach... na was mach ma heute?
In den ersten Tagen sind wir nur durch die Orchad Road, sozusagen die Mariahilfer Straße von Singapur gestreift. Wobei der Vergleich mehr als hinkt.
Man könnte Singapur als einzig große Shopping City bezeichnen. Denn Shoppen ist auch für die Singaporians eine Hauptbeschäftigung, liegt vielleicht auch daran, dass es so unerträglich heiß ist und die Shopping Hallen so wunderbar airconditioned sind! Ja, die Malls sind unglaublich. Paläste des Konsums, wobei Palast wirklich untertrieben ist. Lichtdurchflutete Hallen mit Springbrunnen, jede Ecke architektonisch ausgenützt und designt. Alles glänzt sauber, und voller Erstaunen entdeckt Finn einen Putzmann, der gerade penibelst mit einem eigens konstruierten Schaber einen am Marmorboden klebenden Kaugummi abkratzt. Kaugummiausspucken oder irgendwas nicht in den Mistkübel werfen kann empfindlich teuer sein. So an die 300 Euro ist da die Untergrenze!
Deswegen ist in Singapur auch alles extrem sauber. Selbst die Toiletten wirken als würde sie nie jemand benützen. Aber es sind mehr als genug Leute hier!
Es wimmelt und wuselt, aber irgendwie läuft alles wie geschmiert.
Die Singporians sind zurückhaltend, freundlich, hilfsbereit und sprechen Singlish-eine Art Englisch, die man eigens studieren muss um sie zu verstehen.
Aber irgendwie kommt man doch zusammen und sobald es um's Essen geht, blüht selbst der distanzierteste Einheimische auf.
Essen ist - nach Shoppen oder sogar vor dem Shoppen - das Wichtigste in Singapur.
Man kann überall Essen und überall isst man!
In den Shopping Malls gibt es Foodcourts und auf der Straße in den verschieden Stadtvierteln zahllose Food Stands. Je nach Viertel isst man dann eben Chinesisch, Thai, Malaysisch, Indisch, indisch moslemisch, moslemisch malaysisch, indonesisch...
Manchmal stehen wir schon ziemlich ratlos vor dem unglaublichen Nahrungsangebot und zeigen einfach auf irgendwas mit dem Finger (was übrigens sehr unhöflich ist in Singapur, aber man verzeiht uns offensichtlich...) und solange keine Eingeweide oder Fischköpfe drinn schwimmen, genießen wir jedes Gericht!
Meinen Männern hat vor allem Little India den Kopf verdreht. Ich kann's verstehen, die Inderinnen sind eine Augenweide! Jede Generation trägt mit Begeisterung den traditionellen Schmuck und die wertvollen Saris und Tücher. In jeder Ecke lauert ein anderes Bollywood Starlet und lässt unseren Neunjährigen Finn über den gewissen Unterschied etwas intensiver nachdenken... Zum Lichterfest erglänzt das ganze Viertel in den wunderschönen, bunten indischen Farbtönen. Jedes Mädchen und jede Frau lässt sich die Hände für dieses wichtige Fest mit Hennatatoos verzieren.
So klein kann ein Baby gar nicht sein, dass nicht ein roter Punkt seine Stirn ziert.
Das soll aber nicht heißen, dass die Inder nicht ausgesprochen modern sind. Wenn ich Englisch verstehe in Singapur; dann wird es sicher von einem indischen Singaporianer gesprochen!
Die ganze Stadt ist extrem modern und clean. Alles funktioniert perfekt und reibungslos. Es gibt hier kein "hinter den Kulissen", zumindest scheint es mir so!
Im Damenklo gibt es immer ein Mini-Pissoir für die kleinen Jungs, die noch nicht alleine ins Männerklo gehen.
Die U-Bahntickets sind Plastikkarten, die man aus dem Automaten holt und nach der Fahrt dort wieder einschiebt. Damit jeder sie auch wirklich recyclet ist auf der Karte ein Pfand, das man dann zurückbekommt.
In Singapur kann man sich auch nicht vor die U-Bahn werfen, zumindest nicht in der Station. Plastikwände bzw. Türen trennen die Trasse bzw die einfahrende U-Bahn von den wartenden Fahrgästen.
Servietten gibt es nirgends, dafür in jedem Foodcourt kleine Waschbecken zum Händewaschen. Haben uns einmal gefreut, als wir einen Foodstand entdeckten auf dessen Sitzbänkchen kleine Päckchen mit Taschentüchern lagen. Haben uns gemütlich hingesetzt, gegessen und die Taschentücher reichlich benutzt. Blöd war nur, dass die Singaporianer, die sich so ihren Platz reserviert hatten, wortlos mit ihrem Essen neben uns standen bis wir fertig waren.
Man kritisiert nämlich hier nicht, weil sonst könnte einer das Gesicht verlieren und so seinen Status und sein Ansehen.
Mit dem größten Riesenrad (The Flyer!) der Welt und anderen Superlativen wird klar, dass es hier wichtig ist, der Beste zu sein. Und der schnellste und der am meisten profitierende. Man darf sich also nicht wundern, wenn man es nicht schafft aus der U-Bahn auszusteigen weil die Einsteigenden einen zurückdrängen.
Oder einmal sah ich in Chinatown eine extrem lange Warteschlange vor einem Shop und auf die Frage, was es denn so besonderes zu kaufen gäbe, meinte eine der Wartenden - Keine Ahnung, aber es muss was Tolles sein!
Abgesehen von diesen kleinen Kratzern, sind die Leute hier aber durchaus liebenswürdig und vor allem sehr straight und korrekt. Ein indischer Kellner meinte, als wir unser Essen bestellten wir sollten nur 2 Gerichte bestellen, das wäre wirklich ausreichend für uns drei! Er hatte recht!
Interessant war aber das Familienkarten Angebot im Modern Art Museum.
Eine Okkasion, nur 25 Singapore Dollar zu dritt!
Nützen wir es nicht, zahlen wir pro Erwachsener 10 Dollar und für Finn 5 Dollar.
Hehe..also doch nicht gar so perfekt......
Unsere Marina ist ja auch ein Bild der Perfektion mit einem kleinen Kratzer.
Wunderbare Anlagen für die Schiffe, Gärten, Pools, Duschen wie aus
einem Philip Stark Designbuch - blöderweise dürfte der Architekt vergessen haben, die Stufen von der Marina zum Marinagebäude mit all den Nobelrestaurants zu planen. Und so sind da nun billige Alutreppen eiligst eingefügt worden. Hoffentlich war das für den ehrgeizigen Singaporianer nicht ein Grund für Selbstmord!
Auch kursiert hier die Geschichte von einem franzosischen Geschäftsmann, der in Singapur das Management einer Firma übernahm und bei seinem Antritt einige Arbeiter kündigte. Die kamen aber nach wie vor ohne gebraucht oder bezahlt zu werden zur Arbeit. Sie konnten einfach zu Hause nicht ihr Gesicht verlieren! Schließlich fand der Franzose dann in einer anderen Firma für sie einen Job!
Und so vergehen hier die Tage und wir genießen das Leben und fallen abends mit rauchenden Füßen todmüde ins Bett, wobei: heute Abend müssen wir ins Indische Viertel zum Lichterfest und jetzt muss ich ins Pool… 34 Grad Außentemperatur!
Vielleicht schauen wir vorher noch nach Chinatown und ich trau mich endlich die Hühnerfüße zu kosten! Gestern war übrigens Nationalfeiertag und
Finns 9. Geburtstag - statt beflaggten Straßenbahnen gab's Eiscreme, sitzend im Marinapool mit Blick auf… eh schon wissen.
So ich muss los...
... Muss jetzt nach einigen Stunden doch noch einen kleinen Nachtrag machen. Singapur ist voller Überraschungen.
Waren heute in Chinatown und da steht der letzte Wiener Würstelstand vor dem Äquator. Käsekrainer und Bratwürstl vom feinsten. Mit Semmerl und Senf.
Habe die Hühnerfüsse doch verschoben. War eh nicht besonders hungrig, nachdem wir am Nachmittag beim Ikea die Fleischbällchen verkostet haben. Ja! Beim Ikea!!!!!!
Das Lichterfest haben wir dann ausgelassen und kurz war ich versucht, bei einem traditionellen Massagesalon einzukehren um meine wieder einmal rauchenden Füße von Minifischen anknabbern zu lassen. Ist hier ganz normal.. man sitzt mit den Füßen in einem Becken und die Fischlein knabbern begeistert an den Zehen herum. Oder man setzt sich auf eine Art wackelnder Klodeckel und kriegt eine Ganz-Körper-Durchschüttelung. Oder ich nehme einfach einen Löffel "Bird Nest Extract" (gehärteter Vogelspeichel), um mich wieder zu erfrischen.
Oder pulverisierte Seegurke aus der Apotheke in Chinatown.
Gähn…aber das nächste mal probier ich sicher die Hühnerfüße...

Fotos

 

14.10.2008, gegenüber von Singapur

Kurzinfo von der Risho Maru:

"Sind jetzt gegenüber von Singapur und werden übermorgen die 10 sm in unsere Singapur-Marina machen, da werden wir wieder einen neuen Bericht schreiben…"

02.10.2008, Bali, Indonesien Bali oder Wer will schon ein Moskito sein?

Fährt man in Bali mit dem Auto, wird man früher oder später Hinduist oder Buddhist oder Angehöriger irgendeiner Religion, die an Wiedergeburt glaubt.
So wie sich die Einheimischen hier in das Verkehrsgeschehen stürzen - unter dem Motto "kein Blick zurück" müssen sie sehr überzeugt davon sein, dass es mehrere Leben gibt, die auf sie warten. Ich gewöhne mich hier langsam an winkende Kleinkinder, die auf den Schultern ihrer mopedfahrenden Väter sitzen, die einen gerade haarsträubend schnell in einer Kurve überholen. Der Vater trägt Helm, das ist Pflicht in Indonesien, ebenso die hinter ihm sitzende Mutter, nur das Kleinkind auf den Schultern und das Baby in Mamas Armen müssen sich auf Papas Fahrkünste verlassen. Geht es sich mal nicht aus, fährt der Schwächere in den Graben, was natürlich bei den engen Bergstrassen hier blöd ausgehen kann.
Vishnu, Brahma, Shiva - Götter gibt es genug, ist auch gut so, denn Menschen gibt es hier überall. Kein Flecken Balis ist unbewohnt oder unbewirtschaftet. Überall in den Berghängen sieht man Dächer im Sonnenlicht leuchten, die vielen Terrassen der Reisfelder glitzern, Mandarinenbäume im Hochland, dazwischen Felder von blassblauen Hortensienblüten. Und überall Tempel! Jedes kleinste Anwesen oder Häuschen hat seinen Haustempel, denn die Geister der Verstorbenen bringt man nach Hause, nachdem man sie in allen wichtigen Tempeln den Landes weihen ließ.
Jedes Dorf besitzt auch mindestens 3 Tempel, die vor allem in den Vollmondnächten zu Leben erwachen. Da spielt dann das örtliche Gamelan Orchester auf und die Altäre des Tempels biegen sich unter den Opfergaben, die die wunderschön gekleideten Frauen bringen. Die Rituale ihrer Religion haben die Hindus voll in den Alltag eingebaut. Egal ob kleines Bauerndorf oder großer Touristenort. Zweimal täglich werden Opfergaben gebracht. Da wandelt eine balinesische Schönheit (manche eher im Minirock als im Sarong) durch die Straßen, mit einem Holzteller voller "offerings". Minikörbe, geflochten aus Bananenblättern, gefüllt mit gekochtem Reis, Blüten, Crackern, manchmal sogar Zuckerln und immer einem brennenden Räucherstäbchen. Sie legt die kleinen Kunstwerke in die kleinen Straßentempel, zu den Hausaltären, vor Shops, vor die Laundry, auf die Stufen der Restaurants, vor die Bakery, auf den Strand, die Platzwahl ist höchst unterschiedlich und zahlreich. Bin schon mehrmals draufgestiegen - möchte nicht wissen, ob der Zorn der Hindugötter schon auf mir lastet und ich damit rechnen muss als Trampeltier wiedergeboren zu werden.
Die Frauen hier sind auffallend hübsch und immer am arbeiten.
Kinder, Küche, Tempel und zum Drüberstreuen noch im kleinen Familienbetrieb kochen und servieren oder Souvenirs verkaufen, nebenbei noch ein bisschen Laundry für die Touristen und Früchte verkaufen am Markt.
Die Männer sieht man viel herumsitzen. Patriarchat, steht im Reiseführer
"Lonely Planet" - ich dachte immer, das heißt die Frauen kümmern sich um den Haushalt bzw. um die Kinder und der Mann bringt das Geld.
Ahh! Geld!
Eines ist einem hier bald klar - man zahlt nie den angeschriebenen oder gesagten Erstpreis. Eher die Hälfte. Bei guter Verhandlungstaktik ein Drittel. Und das ist dann immer noch das 3 fache des Normalpreises. Und zumindest für Touristen gilt: auf jeden Fall über's Ohr hauen. Wobei in diesem Fall die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau durchwegs funktioniert!
Ich bin inzwischen Handelsspezialistin und mein Kopfrechnen wurde sehr aufgefrischt durch die Schnellkontrolle sämtlicher Rechnungen. Macht man auf Fehler aufmerksam, wird man verschlossen angelächelt. Und merkt, wie fremd man ist. Am besten ist man ebenso unverschämt und lächelt freundlich dazu. Bloß kein lautes Wort oder böses Auge, denn wie gesagt: es gibt ein Leben danach und da büßt man dann dafür!
Nach einigen erschöpfenden Verhandlungen und entnervenden Betrügereien war es eine Wonne auf den alten Tempelpriester Yuli in Jagaraga zu treffen.
Der kleine Tempel Pura Dalem, der Wassergöttin geweiht, steht an einer ländlichen Straße im Norden Balis. Yuli lud uns ein ihn zu besichtigen, seine Tochter reichte uns Sarongs, um unserer Beine zu bedecken, und dann nahmen wir Platz im Schatten der verträumten Tempelanlage. Yuli erzählte und erzählte über Hinduismus , über den einen Gott und seine vielen Manifestationen in dieser Religion, über sein Leben als ehemaliger Dorfschullehrer, seine Liebe zu seinen 3 Frauen - selbstverständlich liebte er sie hintereinander, musste 2 sterben sehen und keine gebar ihm einen Sohn - und über seine Freuden und Leiden.
Als wir ihn bei der Verabschiedung darauf ansprachen, was wir ihm denn für seine Zeit bezahlen sollten, meinte er gleichmütig, wir könnten etwas für seinen Tempel spenden - wenn wir wollen.
Auf die Wiedergeburt angesprochen erklärte er uns lächelnd aber bestimmt, er bemühe sich ein guter Mensch zu sein, denn als Moskito wolle er nicht wiedergeboren werden.
Sich bemühen ein guter Mensch zu sein... das klingt nach einem guten Plan - denke ich mir - klatsch!
Wer diese Gelse wohl war?

Ubud - wenn einer eine Reise tut!

Finn sitzt in seiner Koje und packt. Wir verreisen! Das mag jetzt für manchen Leser da draußen etwas vermessen klingen und die Frage heraufbeschwören,.was haben die denn seit 3 ½ Jahren gemacht?
Natürlich, natürlich, wir sind Reisende, aber Landurlaub ist für Seemänner immer was besonderes! Risho Maru ist gut eingeankert in Lovina, einer schönen Bucht im Norden Balis und mehrere befreundete Segler haben versprochen ein Auge auf unser Heim zu haben und den Basilikum zu gießen.
Finns Aufregung ist groß! Für die 2 Nächte und 3 Tage hat er seinen Rucksack randvoll gepackt. Man weiß ja nie, könnten ja irgendwo in der Einöde verloren gehen - wobei das in Bali doch etwas schwierig sein dürfte.
Wir haben Ubud als Ziel auserkoren. Die schöne alte Handwerksstadt im Hochland der Insel. Eingebettet zwischen Reisfeldern bildet sie einen der Hauptanziehungspunkte für Touristen. Hier geht's nicht um Strand und Palmen sondern um Kultur! Schnitzereien, Batik, Galerien, Tänze - los geht's.
Wir kommen spätnachts an, nachdem wir uns durch den elenden Verkehr des Südens gequält haben. Lassen das Auto irgendwo in der Innenstadt geparkt um auf Hotelsuche zu gehen. Wir wandeln auf Kopfsteinpflaster durch eine ruhige Seitengasse, ein heimeliges Café mit dem Namen "Cafe d'artiste" lädt zum verweilen ein, aber zuerst wollen wir unser Schlafstätte finden. Es regnet leicht, es ist angenehm warm, es duftet intensiv nach Blüten und Feuchtigkeit. Peter entdeckt in einer Minigasse ein schwach beleuchtetes Schild "Sama Cottages". Wir gehen einen schmalen Weg durch einen verwunschönen Tropengarten. Vogelgeräusche wie von einer Meditations CD. Am Ende des Weges ist ein kleines Haus, auf der Veranda ein Schreibtisch "Office", über dem Schreibtisch hängt eine kleine Trommel mit einem hölzeren Schlegel "Bitte klopfen!" Nach einigen Minuten erscheint ein kleiner Mann in balinesischer Tracht und lächelt uns freundlich an. Zimmer sind frei, er zeigt sie uns. Wir betreten einen kleinen, feinen Bungalow, im traditionellen Stil erbaut. Spitzes Holzdach, Veranda, Ventilator, Holzbetten und ein schlichtes Badezimmer.
Parken können wir vor der Tür. Wir bleiben!
Es ist für uns immer seltsam nicht auf dem Schiff zu schlafen. Finn kriegt kaum die Augen zu und ich gönne mir schließlich mit Peter auf der Terrasse noch ein einschläferndes Bitang Bier. Wir schlafen etwas unruhig, und erwachen als ich vor unserer Tür das Klingen von Teetassen höre. Finn ist sofort putzmunter und erkundet die Lage - Mama Tee ist da! Und so sitzen wir auf unserer Terrasse im Garten und trinken Tee, und der Kellner kommt im Sarong und serviert ein köstliches Frühstück. Finn holt weitere Erkundigungen ein und entdeckt das Swimmingpool! Meine Güte, gleich nach dem Frühstück ins Wasser! Seltsam… das haben wir doch eh jeden Tag... aber halt nicht in einem "Resort" erklärt der Finn, denn jedes Hotel ist für ihn ein Resort. Und so schwimmen PAF im Swimmingpool, das ca. so groß ist wie die Rishomaru und genießen das normale Touristendasein!
Der Tag vergeht mit Stadterkundigungen, Blicken auf Reisfelder, Stöbern in wunderbaren Buchgeschäften, Essen in einem kleinen Warung, und Schauen, Schauen. Ubud, eine tolle Stadt! Am Abend gehen wir zu einem Feuertanz.
In einem Tempel erleben wir die Geschichte von Rama, der seine schöne Sita aus den Klauen des Bösewichts Rawana mit Hilfe einer Affenarmee befreit. Die Affen sind ein Chor von etwa 30 halbnackten Männern, die das acapella Orchester bilden. Sita ist eine wunderschöne in Gold und Brokat gekleidete, anmutige Tänzerin, ihr Prinz Rama (ebenfalls eine Frau, inzwischen wissen wir ja, wer hier die meiste Arbeit hat...) hat viele Prüfungen zu bestehen, bevor er Sita wieder zurückbekommt. Alles findet nur bei Kerzenlicht statt und ist spannend und mystisch und derart aufregend, dass Finn gleich 2 Mal dringend auf's Klo muss!
Auf dem Heimweg stoppen wir noch auf einen Imbiss in einem Lokal, es spielt die ortsansässige Reggae Band. Bob Marley auf Indonesisch! Ihr zahllosen Hindugötter helft! Schließlich finden wir wieder unser "zu Hause" nach einem nächtlichen Spaziergang durch die stille Stadt.
Morgens nochmal Frühstück im Tropenparadiesgarten und auf geht es weiter ins Hochland zum Pura Besakih - dem wichtigsten Tempel der Hindus auf Bali.
Perfekt am Fuße des 3000er Vulkans Gunung Agung angelegt, mit Blick auf Reisfelder und Meer. Natürlich die üblichen lästigen Händler, aber selbst die können den Zauber dieses Ortes nicht brechen. Ketut, unser Guide ist ein Glücksgriff, er erklärt uns alles und verzieht selbst bei unseren dümmsten Fragen nicht das Gesicht. Oder wer von euch weiß warum die weißen Kühe heilig sind?
Weil sie einst den Baby Söhnen eines Gottes, der seine Frau verlor, als Amme diente. Abends kehren wir erschöpft aber glücklich von unserer "Reise" zurück und der Finn stellt fest " jetzt ist alles irgendwie so neu auf der Risho!"
Und die Moral von der Geschicht' - man kann nie zu viel verreisen nicht!!

Skipper Pete
Flauten, starke Strömungen und viel zu viele Menschen

Bali-Lovina Beach Pos: S 08°10,35 E 115°01,22 Temp. 32°, Flaute
Wollen in den nächsten Tagen Richtung Singapur aufbrechen. Über 900 Seemeilen ist die Strecke, machen uns schon Sorgen, dass wir viel motoren müssen. An Deck stehen einige Zusatzkanister Diesel um durch die Flauten zu kommen. Bali ist schön und die Menschen hier sind etwas entspannter als auf den Inseln zuvor. Das Hochland mit seinen Tempeln, Tänzen, Reisfeldern hat uns sehr gefallen. Mit Indonesien selbst tun wir uns noch schwer, denn die vielen, vielen Menschen überall sind schon gewöhnungsbedürftig. Überall kommt einer angelaufen und will irgendetwas verkaufen. Es ist nicht möglich, irgendwo einfach nur zu stehen oder zu sitzen. Wir ziehen uns dann auf die Risho zurück und selbst da kommen Auslegerboote und wollen Wäsche waschen, Schiff putzen, Diesel verkaufen. Die Preise sind allgemein niedrig aber sobald sie für Touristen sind, verzehnfachen sie sich.
Das wichtigste Wort ist "bargain bargain" (Handeln oder vielmehr feilschen). Das nervt schon gewaltig, vor allem wenn ich das Gefühl habe die Leute wollen einen immer betrügen.
Das Problem ist, dass es zu viele Menschen gibt. Da kommen auf einen Touristen hunderte Einheimische. Das muss unweigerlich auf beiden Seiten zu Spannungen führen.
Da ist Bali ,die letzte Insel in Indonesien die (noch) hinduistisch ist, etwas einfacher für uns zu verstehen.
Vielleicht auch weil wir gerade zur Zeit des moslemischen Ramadan auf den anderen Indonesischen Inseln waren. Beten - Fasten - Beten - Fasten und die ganze Nacht übers Megaphon die Gesänge des Muezzin - das geht irgendwann auf's Gemüt. Unlängst sagte mir ein Moslem ganz stolz neben seinen halb verhungerten elf Kinder - das seien seine und er wäre natürlich ein Held. Das Ganze mit hämischem Blick auf unseren einzigen Sohn (seine Frau hat er erst gar nicht erwähnt). Ich sagte ihm, dass es besser wäre, er hätte nur eines, und das hätte die Möglichkeit eine gute Ausbildung zu bekommen. Sind dann gleich abgehauen - ist nicht so gut angekommen. Es ist nicht einfach die Mentalität der Leute zu verstehen, aber wir wissen natürlich, als Gast hier wollen wir uns bemühen, uns zurechtzufinden und die Spielregeln zu erlernen. Keine Frage, es ist sehr interessant hier zu sein.
Habe mir ein Buch über den Islam gekauft, hab mich auch bemüht, diese Religion zu verstehen . Dass hier ein Gewaltpotenzial gärt, sollte man nicht wegdenken, denn selbst auf dem UKW rief erst gestern jemand den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen auf, und es ist auch erstaunlich, dass vier Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bali durch Moslemische Fanatiker die Drahtzieher noch immer frei herumlaufen. Der Westen ist Feindbild und Wunschbild zugleich, denn wenn ich mir die Tausenden von Werbeplakaten so ansehe, weiß ich nicht recht, ob es NY ist oder Indonesien. Im Pazifik waren die Menschen für uns herzlicher und liebenswürdiger - vielleicht tun wir uns deswegen schwerer.
Aber genau das macht ja unsere Reise so spannend, dass es eben solche Extreme gibt. Die Welt ist bunt, vielfältig, und oft bitter und süß zugleich - eben Yin und Yang.

Fotos

 

10.09.2008, Lombok, Indonesien Warane, Warungs und Was der Finn so treibt

Unsere Riffbekanntschaft steckt mir noch in den Knochen. Klar. Oder ist es normal, dass ich bei Annäherung an Riffpassagen Schweißausbrüche, Atemnot und den hysterischen Blick auf den Tiefenmesser bekomme? Dabei sollte ich mir denken: Wahnsinn! Risho Maru ist sicher das einzige Schiff, das man unbeschadet bis auf einige Kratzer auf Korallenköpfe aufbocken kann.
Leicht entnervt kam mir also die meditative Landschaft Rincas sehr entgegen. Sanfte Savannenhügel, bestückt mit wenigen Palmen und einigen Komodo Waranen. Die gibt es nämlich auch auf Rinca und nicht nur auf Komodo, und Finn meinte, die sollten dann wohl ordnungshalber Rinca Warane heißen. Die Einheimischen sagen sowieso "Dragon", genau so ausgesprochen wie geschrieben. In Finns Lesebuch Funkelsteine für die 3. Klasse gibt es ein ganze Seite über die Komodowarane plus Foto!
Haben dann gleich ein Foto mit Finn plus Komodo, pardon, Rinca Waran gemacht. Schon seltsam, wenn man dort gerade ist, worüber das österreichische Lesebuch so begeistert schreibt. Seltsam? Nicht für Finn.
Wir sehen einen Kinofilm und der spielt in New York - Finn: "Ah schau, Mama, Manhattan, da waren wir doch in diesem großen Park".
Oder der grandiose Film "Whalerider" - über Maoris in Neuseeland.
Finn: "Das ist doch in Keri Keri gedreht bei diesem Surfbeach" und "He, die lügen, dieses Haus steht doch in Te Puia und nicht bei diesem Beach" oder "Rahhh der Haka Tanz! Hab ich gehasst in der Schule."
Aber zurück nach Rinca."Da schaut's ein bisserl aus wie auf Galapagos, Mama." Ich muss Finn recht geben. Irgendwie hab ich mir Indonesien tropischer vorgestellt, Reisfelder und so… haben wir jetzt auch endlich, in Lombok!
Aber Rinca und Komodo sind knochentrocken, beheimaten dafür Tiere wie die Riesenechsen, Wasserbüffel und Seeadler.
Gegen oder ohne den Wind kriechen wir mit nicht sehr hilfreicher Gegenströmung Richtung Westen. Apropos kriechen. Ich mach mit Finn Sachkunde. Thema: Verkehr. Beschreibe deinen Schulweg und seine gefährlichsten Hindernisse. Ähh... Also zuerst vom Steuerbordrumpf aus meiner Koje über das Mitteldeck, Hindernis: vom Mast abstehender Baum, dann Abstieg in den Backbordrumpf, rechts einbiegen bis zum Küchentisch, Achtung: Olivenölflasche im Regal unter dem Tisch steht gefährlich an der Kante. Geschafft. Lehrerin etwas grantig zweng übermäßiger Hitze. Schüler etwas abgelenkt wegen hinter ihm auf Matratze der Küchenkoje stehendem, gestern erbautem Lego-Resort, mit indonesischen Tuk Tuk Booten.
Nenne Verkehrswege, die du kennst. Finn: "Highways in Kalifornien, Avenues in Neuseeland" Wer regelt den Verkehr und schreibt Verkehrssünder auf? Policeman. Auf deutsch bitte...!
"Wale!"ruft der Peter. Wir stürzen an Deck und sehen noch die majestätischen Schwanzflossen über dem Wasser glitzern. Der Wal - männlicher Artikel - Namenwort. Wir ankern im Norden Lomboks und freuen uns, dass die Insel so grün aussieht hinter ihren schwarzen Vulkanstränden. Der Muezzin ruft. Oder besser die Muezzins. Es ist Ramadan, der heilige Monat, und Essen gibt es für die Moslems nur zwischen 3 und 4 Uhr Früh. Ahaa… lah… alllaaaa... ich lese aus dem Lonely Planet vor über den Islam in Indonesien und was im Ramadan alles nicht erlaubt ist. Sex zum Beispiel. Nicht erlaubt. Finn: "Sex? Wie diese zwei Warane auf Rinca, denen wir dabei alle zugeschaut haben." Genau. "Kann ich Musik hören gehen, haben wir genug Strom?" Klar. Dröhn. Finn hört "Rage against the machine", Hardrock. Aber er mag auch Blues, vor allem seit er sein erstes Soloriff auf der Gitarre bezwungen hat. Oder Naio, den Reggae Musiker aus Vanuatu. " Ich mag den Bass bei Reggae so und der Naio hat so ein lustiges Englisch".
Endlich im Westen Lomboks. Tropenwald, Reisfelder, freundliche Menschen. Wir gehen essen in eines der zahlreichen Warungs. Kleine Garküchen an der Straße. Scharfes, aber perfektes Essen. Finn futtert sein Mie Goreng mit Begeisterung. "Das ist gut... viel besser als das fade Lablab in Vanuatu."
Am nächsten Tag in der Schule. Evi hat 24 Euro. Sie kauft 3 Leberkäs Semmeln. Eine kostet 3 Euro. Wieviel Euro hat sie noch nachdem sie bezahlt hat?
"Mama, was sind Leberkäs Semmeln?"
Nach der Schule Auflug ins Dorf. Mit dem Motorrad! Ich sitze mit Finn auf einem Motorrad, beide klammern wir uns an den jungen indonesischen Motorradtaxler. Keine Sturzhelme. Rein in die Kurve! Was bin ich für eine verantwortunglslose Mutter! Raus aus der Kurve! Da überholt uns in Rauschefahrt ein anderes Moped, mit Jungfamilie auf dem Sattel. Die Mutter hält den Saugling schön locker über dem Auspuffrohr. "Das war super!" strahlt im Dorf ein fast Neunjähriger, der mir bis zur Nasenspitze geht und meine Schuhgröße trägt (37!).
"In Österreich wäre das nicht erlaubt!" sag ich.
Finn:"Echt? Wieso nicht?"
Und zum Abschluss wieder einer dieser schönen, südostasiatischen Sonnenuntergänge - rosa, pink ,türkis.
Risho schaukelt sanft am Ankerplatz, der Muezzin ruft in der Ferne und aus Finns Koje tönt es: " Du, Mama, da hab ich einen netten Song in meinem Gitarren Liederbuch entdeckt. Land der Berge. Kennst du den?"

Fotos Pazifik und Indonesien

 

01.09.2008, Flores, Indonesien Die lange Reise nach Indonesien oder Jubeltage und ein Albtraum

Wo war ich stehengeblieben - ach ja beim Funkspruch aus den Louisiaden Papua Neuguinea. Und jetzt sind wir in Flores in Indonesien! Und all dies in nur wenigen Wochen…
Fangen wir bei den Louisiaden an. Einsam, einsam, diese Riffinseln. Nix los. Aber die wenigen Einheimischen freundlich und tauschfreudig. Grünzeug für Flip Flops, geschnitzter Hai für Taucherbrille. Das Wetter - elend. Ein Sonnentag - sonst Regen und düster - Licht wie im November in Wien. Es zieht uns nach Port Moresbey, der Hauptstadt Papa Neuguineas.
Dort erwartet uns der Royal Yachtclub mit allem was das Segelherz manchmal gar so begehrt. Warme Dusche, Laundry, gutes Clubrestaurant, relaxte Bar.
Port Moresbey selbst - eher grauslich. Überall rote Spuckschlieren von den Betelnuss Kauern auf der Straße, am Gehweg. Müll säumt die Straßen. Einheimische, die uns anstarren als wären wir aus purem Gold. Dennoch probiert Peter die Betelnuss und muss sich gleich hinsetzen. Wie 10 Bier auf einmal. Komisch hier nuckeln das Zeug schon die Babys!
Ich verzieh mich lieber mit Wireless Internet, Gin Tonic und Erdnüssen in die Yachtclub-Bar. Mhmm, wie schön ist es manchmal so ganz westlich verwöhnt zu sein... Hier sind natürlich die meisten Gäste Australier oder sagen wir, wie es ist: weiß. Das Personal ist "Papa "(ganz dunkel) oder "Guinea" (etwas heller schattiert). Bin froh, dass ich Maria und ihren Mann John kennenlerne. Beide hier geboren. Finn tobt mit ihren Söhnen am Spielplatz. Maria erklärt mir die verschiedenen Hautschattierungen der Menschen ihres Landes, und wer wo wohnt, und ob mehr polynesisch (hell wie Maria) oder schwarz (wie ihr Mann John). Maria erzählt mir von ihrem Alltag und er unterscheidet sich nicht wirklich von dem einer berufstätigen Mutter in Österreich. Dennoch, hinter den gesicherten Zäunen der Marina liegt eine Welt, die so fremd, so bedrückend wirkt, dass ich kaum glauben kann als mir Maria vom kühlen, kultivierten Hochland Papua Neuguienas erzählt. Viel zu kurz erleben wir das Land. Können eigentlich gar nichts davon erzählen.
Mit Bauchweh sehe ich auf einem der Großbildfernseher Sturmwarnungen für die Torres Strait. Die Vorstellung, dass mir in einem Jahr die Windverhältnisse sowas von wurscht sind und ich mich dann eher informiere, ob am Lerchenfeldergürtel noch immer Baustelle und Stau ist, scheint mir gerade sehr verlockend.
Nachdem der Wind von Sturm auf Starkwind fällt - was gleich Normalwind in der Torresstrait ist - legen wir ab.
Wie das so ist, wenn einem ein üppig beleuchtetes Fischerboot-Ungetüm mitten in der Nacht zwischen zwei Riff Inseln entgegensteuert, hinter einem ein Riesentanker Platz begehrt, über einem ein Squal mit 30 Knoten Wind Stimmung macht?
Toll, wenn man mehr Adrenalin in sein Alltagsleben pumpen will!
Aber echt nicht lustig , wenn man einfach nur in den Indischen Ozean will, ohne groß aufzufallen! Als es dann endlich hell wird, müssen wir auch noch hart an den Wind gehen und es beginnt zu regnen. Um uns versinken die Riffe im schönsten Allerheiligen Nebel. Nur so ein schnuckeliges Tanker Wrack zeigt einem, dass man lieber links bleiben sollte, will man keinen Ärger!
Thursday Island sieht dann bezaubernd aus, und die australischen Beamten sind flexibel! Nach einer Nacht geht's schon weiter. Segeln, segeln, segeln.
Und dann der 15. August. So, wie ich mir das ausgedacht habe mit den unterschiedlichen Zeitzonen und Datumsgrenzen, funktioniert das leider nicht. Ich werde am 2 .Tag in der Arafurasee 40. Ob ich will oder nicht. Bin eh so müde, dass ich wahrscheinlich wie 50 aussehe! Und mich wie 80 fühle. Meine Männer feiern mich dennoch und das Iridium Telefon läuft heiß und interessanterweise hat diesmal keine meiner lieben Freundinnen zu Hause in Austria meinen Geburtstag vergessen! Biester! Dennoch ein Jubeltag - wer segelt schon an so einem wichtigen Geburtstag nach Indonesien! Und in Bali gibt es doch die besten, faltenglättenden Spas der Welt!
Irgendwann am 5. Tag erscheint Indonesien am Horizont. Ausschauen tut es wie auf den Louisiaden. Tanimbar Islands, der Wind ist so stark und der Ankerplatz so schlecht, dass wir nicht an Land gehen können...
Aber unsere Segelfreunde Yara - an unserer Seite - laden zum Geburtstagskaffee.

Schokokuchen und Muschelkette mit Blick auf Indonesien.

Weiter, segle weiter Schiffchen... Segeln, Segeln, Segeln - aber wie toll! Leichte Brise, Spinnaker und flache See hinter Timor und Flores.
Aber diesmal rauben uns nicht Squals den Schlaf - nein, nein, am Nachthimmel prangen alle Sternlein und ein satter Mond - sondern die zahllosen Fischerboote. Irgendwann kommen wir dann drauf, dass diese Boote immer einen großen Bogen um uns machen! Zumindest in der Nacht - tagsüber kommen sie ganz nahe um zu schauen. Wir werden fröhlich auf Indonesisch angefunkt und sogar Musik wird für uns durch das VHF Radio gespielt. Und dann wird es plötzlich stundenweise windlos. Nach 12 Tagen auf See kann das schon etwas nerven - vor allem, wenn man geplant hatte, nach 8 Tagen fröhlich am Sandstrand zu toben.
Zu spät erreichen wir eine Ankerbucht auf Flores. Peter und ich wollen am liebsten umdrehen und weitersegeln. Es ist zappendüster, man sieht nix, Yaras, die schon im der Bucht sind, sprechen von vielen Fischernetzen. Aber wir wollen doch so gerne schon indonesischen Boden berühren...
...das geht dann auch in Erfüllung wenn auch ganz anders als erwartet.
Mit Schritttempo tasten wir uns voran. Aber, oje... Es gibt einen Rumser und… tja… wir sitzen am Riff.
Die nächsten Stunden des bangen Wartens auf Hochwasser sind wohl das schlimmste, das ich je auf der Risho Maru erlebt habe. Sollte die augenblickliche Flaute sich in Wind wandeln, sitzen wir in der...
Peter handelt wie ein richtiger Kapitän. Wir sind uns beide unseres Fehlers bewusst, aber, wo ich nur Heulen und Zähneklappern kann, ist er am Werken. Bringt einen Anker aus, sichert die Ruder mit Fendern, checkt das Unterwasserschiff mit Dinghi und Taschenlampe. Als gegen 2 Uhr Früh Wind aufkommt und eine kleine Welle Risho auf dem Riff knirschen lässt, blicke ich zum Sternenhimmel und bete.
Bitte lieber Gott, bitte Papa, bitte irgendwer da oben, liebes Universum, liebes Kalb im Mond…
Es gibt einen Ruck. "Wir schwimmen!" Peter spannt den Anker, Risho dreht sich und langsam gleiten wir in das tiefe Wasser, keine 2 Meter hinter uns. Wir waren tatsächlich auf der Riffkante gesessen. Strömung, schlechte Seekarte? Wie auch immer, bei Nacht fährt man nicht in eine Bucht ein. Wir haben es beide gespürt und haben nicht auf unserer Eier bzw Eierstöcke gehört. Dennoch: Danke Universum oder wer immer das da oben war! Wir segeln wieder! Nix is g'schehn!
Wir flüchten augenblicklich aus der Bucht, Fischernetze hin oder her, erst im offenen Wasser kann ich wieder atmen. Was für ein Albtraum das war.
Wie herrlich es sein muss, wenn die größte Aufregung der Woche ein Elternsprechtag ist...
Und weiter, weiter, weiter....Segeln, Flaute, Motor, Spinnaker, Fischerboot, Eieruhr, 20 Minuten, müde, müde..aber da! Jubeltag!
Der Peter wird in der sanften Flores See 50!

Schokokuchen, Muschelkette mit Blick auf Indonesien!

Indonesien sieht ziemlich spektakulär aus - zumindest von See. Unglaublich viele schmauchende Vulkankegel, sogar einen feuerspeienden haben wir in der Nacht gesehen! Wir haben den 14. Tag auf See.
Endlich nach 16 Tagen tuckern wir in die Westbucht von Flores, einem herrlich geschützten Naturhafen (das will ich hören), mit Schlammgrund (mein Herz hüpft vor Freude), einem netten Fischerdorf, Menschen und anderen Segelbooten!
Wir wandeln durch einen andere Welt, als wir endlich Indonesien unter unseren Seemannsbeinen spüren. Kompletter Szenenwechsel. Kulissen völlig ausgetauscht. Asien. Spinnenartige Auslegerkanus, Dschunkenartige Transportboote, Straßenrestaurants, hinter deren Glasfronten seltsame Speisen in Schüsseln dargeboten werden. Fischköpfe. Satespieße. Gebackene Eier. Flaschenartiges Gemüse. Bunte Farbenpracht, staubige Straßen, lachende Gesichter, dreckige Rinnsale, wahnsinnige Mopedfahrer, verwesender Fisch, Kleinbusse knallbunt ohne Türen, eine Moschee, Frauen mit Kopftüchern, Duft von Gewürz-Zigaretten
Mädls in knallengen Jeans, lästige Souvenierverkäufer und - siehe da - eine Espresso Bar Lounge.
Und genau da sitze ich und ess griechischen Käse und Zaziki und es ist mir wurscht, dass ich eigentlich irgendwas Indonesisches essen sollte in irgendeiner kleinen Tschumsen an der Straße. Ich schlürfe gierig den Cafe Latte statt eines ungezuckerten "kopi" vom Straßenverkäufer.
Denn ich war 16 Tage auf See, ich bin 40 geworden, durch die Torresstrait gesegelt, auf einem Riff gesessen und hab die Sterne angefleht.
Und wenn ich da jetzt so sitze und der Muezzin ruft, die Sonne heiß herunterbrennt, die Risho sicher vor Anker liegt und hinter ihr die spitzen Vulkane Komodos ragen, dann frag ich mich, so ganz still, heimlich und ein bisschen ängstlich, wie das dann wohl wirklich sein wird in einem Jahr in Wien beim Elternsprechtag oder im Stau oder beim Billa...

Einmal Torresstrait und nicht zurück!
Aus dem Logbuch von Skipper Pete

Ich bin heute früh schon um fünf Uhr dreißig aufgestanden, denn die letzten 16 Tage auf See haben das Zeitgefühl vollkommen durcheinander gebracht. Immer noch im Rhythmus der Nachtwachen alle zwei Stunden zu wechseln.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang und der Muezzin ruft sein Gebet in den Morgen von der Insel Flores in Indonesien.
Die Gerüche der Insel steigen mir in die Nase, und ich spüre ein sanftes Willkommen im Indischen Ozean. Ja der Pazifik liegt hinter uns und eine vollkommen andere Welt breitet sich vor uns aus. Die beiden Ozeane sind in dieser Breite mit der geschichtsträchtigen Torresstrait verbunden. Und genau von dieser möchte ich berichten. Wie schwierig muss in vergangenen Zeiten das passieren dieser Meerenge gewesen sein ohne GPS und Radar, das wird uns jetzt, wo sie hinter uns liegen, so richtig klar. Es gibt viele Geschichten von Stürmen, Riffen und Strömungen bis zu 6 kn, und wir haben erfahren, dass auch mit heutigen Mitteln diese Meerenge nicht einfach zu befahren ist.
Am 9. September segelten wir von Port Moresby mit 20 kn Wind aus SE in Richtung Bramble Cay los. Bramble Cay ist eine Leuchtturminsel an der nordöstlichen Einfahrt der Straße.
Ein Tag, eine Nacht, ein Tag.
10.9. 16h30 Bramble Cay an Steuerbord. Gebe den nächsten Wegpunkt in das GPS ein, ziehen die Segel dichter und wechseln von Raumschotkurs auf Halbwindkurs. Wir kommen in die Abdeckung der ersten Riffe, die See wird flacher, von drei Meter auf eineinhalb. Speed 7-8 Kn, Kurs 235°
21h00 Pos S 09°24 450 E 143°50 353 Das Leuchtfeuer von der Insel Stepheus ist zu erkennen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, zahlreiche Fischerboote kreuzen unseren Kurs. Ein Tanker in zwei Seemeilen an Backbord. Und da noch einer, und was ist das nur für ein Schiff? Na der macht uns keine großen Probleme, denn hier in diesem Seeabschnitt sind wohl die ganzen Crews in Bereitschaft.
Der Wind legt auf 30 Kn zu, binden zwei Reffs ins Großsegel,die See bleibt recht stabil.
2h40 Eines der Fischerboote kommt uns sehr nahe, ist mit Arbeitslichtern so stark beleuchtet, dass ich seine Positionslichter nicht erkennen kann. Strahle meine Segel mit dem Scheinwerfer an, damit er erkennen kann, dass wir unter Segel sind - keine Änderung .Alex versucht ihn auf UKW zu rufen, es meldet sich ein anderes Schiff. Dann dreht er endlich ab. Es regnet leicht, und die Sicht ist auch nicht gerade gut.
5h Im Great North Channel müssen wir hart am Wind Segeln, dennoch machen wir guten Speed.
Gut für uns, denn das Zeitfenster bis Horn Island ist knapp, wollen es bis zum Nachmittag schaffen, um mit der Strömung zwischen den Inseln einzulaufen. Es gebe noch die Möglichkeit bei einer der Inseln in Lee zu Ankern, aber wir haben uns entschieden durch die Nacht zu gehen. Ob es so viel angenehmer ist, bei 30-35 Kn auf einem nicht wirklich geschützten Platz zu ankern, weiß ich nicht. Schlaflose Nächte kennen wir ja bereits.
Im Morgengrauen sehen wir auf einem der Riffe hoch oben ein etwa 120 Meter langes Schiffswrack - sehr aufbauend. Jetzt spüren wir, dass wir beide diese Nacht kein Auge zugemacht haben. Finn kommt gerade aus seiner Koje und ist begeistert von dem Schiff hoch oben auf den Felsen . Schön, dass er sich so sicher auf der Risho fühlt ,er kann wirklich bei jedem Wetter schlafen, der kleine Seebär.
10h Acker Shoal an Steuerbord. Endlich wieder Halbwindkurs und wir machen 8-9 kn Speed das ist gut so Kurs bis Twin Islands 238°
Können mit einlaufender Strömung zwischen Horn und Thursday Island durchsegeln.
15h Ankern in Lee von Horn-Island , vollkommen geschützt, wir haben's geschafft, wir sind fast durch, durch die berüchtigte Torresstrait. Müde aber stolz erwarten wir den Australischen Custom and Immigration an Bord . Die Behörden sind sehr freundlich. Und wir merken, dass sie Erfahrung mit nervlich angespannten Seglern haben. Einer der Beamten gibt uns noch den Tipp, hier nicht baden zu gehen, denn es gibt Krokodile. Ich versuche mit dem Fernglas welche in den ufernahen Mangroven zu entdecken und merke, dass ich nicht mehr scharf sehen kann - einfach viel zu müde, oder stimmt es tatsächlich, dass ich in wenigen Tagen 50 werde?
Morgen müssen wir früh los, um mit der Strömung die letzten 30 Seemeilen durch die Torresstraße zu segeln. Die Garnetpassage liegt hinter uns, wir segeln mit 20 kn Wind in der Arafura See. Jetzt nehmen wir uns in die Arme, wir haben die Torresstraße bezwungen das ist doch was oder?

 

12.08.2008, nach Torres Strait

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind sicher durch die Torres Strait und auf dem Weg nach Indonesien, Tanimbar Islands.
Torres Strait war Adrenalin pur - 40 Knoten Wind und tausende Riffe, Schiffe, Fischer, Tanker in der Nacht... rahhhhh... Wurden dann für einen Tag in Australien ein und ausklariert und dank flexibler Beamter (ja, diese Wortkombination gilt hier tatsächlich... ) mussten wir die 250 Dollar Gebühr nicht bezahlen und durften unser Gemüse und Obst behalten.
Also, 4-5 Tage Segeln, Asien wir kommen! Australien machen wir bei der 2. Runde (was hab ich da gerade geschrieben?!... )"

 

31.07.2008, Louisiaden Vanuatu Teil 3
Die Leute aus Vanuatu

Martha mit Schubkarre, Eric mit Fischernetz, Charly im Mangrovenbaum, Stanley im Auslegerkanu, Sara mit Gemüsekorb. Die Leute von Vanuatu. Im Kokoshain, am Dschungelweg, auf der Vulkanstrasse, beim Rockkonzert, in der Markthalle, der Küchenhütte, dem Gemeinschaftshaus.
Schon wieder 900 Seemeilen weiter geistern mir ihr Lächeln, ihre kühlen Hände, ihre freundlichen Augen immer noch im Kopf herum. In Vanuatu herrscht das Prinzip "Freundlichkeit" dem Fremden gegenüber, dem Anderen, dem Neuen. Kann man ja von zu Hause im Westen nicht gerade behaupten.
In Port Vila, der quirrligen Hauptstadt Vanuatus auf der bergigen Insel Efate, herrscht Stadtgetümmel. Viele Autos, Hotels, Restaurants, Supermärkte - vom chinesischen Ramschmarkt bis zum australischen Durschnittssupermarkt. Alles da. Mit unserer Ankunft fällt die Netzeröffnung des Handyanbieters Digicell zusammen. Die amerikanische Großfirma lässt sich nicht lumpen. Man sponsert ein Rockkonzert für die Leute von Vanuatu. Werbewirksam flimmert über die Großbildleinwände ein Werbefilm für den Handyanbieter. Buschmänner mit Handy, Kokospflücker mit Handy, Fischer mit Handy, fröhlich im Wasser tobende Jugendliche mit Handy (wobei ich keinen einzigen Vanuaten je im Meer schwimmen gesehen habe...).
Als wir auf der nördlich gelegenen Insel Malakula in Port Sandwich Stopp machen und gemütlich durch malerische Palmgärten zum Hauptdorf spazieren, trinken wir kalte Limonade im kleinen Store. Auch hier Handywerbung, nur gibt es keinen Empfang, erklärt uns ein netter Einwohner und schwenkt sein nagelneues Handy vor unseren Nasen. Dann begleitet er uns zur örtlichen Bäckerei. Ein palmblattgedeckter Schuppen mit einem großen gemauerten Ofen.
In einer hölzernen Schale rastet der Teig für Baguette und Sandwichbrot.
Ungefähr um 14 Uhr gibt es Brot meint Bäcker David und verspricht, es dann gleich zum Schiff zu paddeln. Um 19 Uhr klopft es an die Bordwand. Bread is ready!
Inselzeit. Zeit ist bei den Leuten von Vanuatu ein sehr dehnbarer Begriff.
In der Früh beim ersten Morgengrauen wird schon gepaddelt, gekocht (über offenem Feuer), gegangen (Autos gibt es ganz selten, außer in Port Vila).
Irgendwann zu Mittag geht man in den Garten. Die Gärten liegen oft einige Kilometer vom Dorf entfernt, gegen Abend kommen dann die Leute aus den Gärten, bepackt mit Gartenwerkzeug, Scheibtruhen voller Gemüse oder einfach geflochtenen Taschen über dem Rücken: Taro, Bananen, Island Cabbage (Spinat).
Abendessen köchelt schon über dem Feuer, in einfachen, immer blitzblank gescheuerten Alutöpfen. Vor der Kochhütte befindet sich ein großer Tisch, darauf Teller, Töpfe, Pfannen, einfaches geblümtes emailiertes Essgeschirr.
Die Frauen sorgen für höchste Sauberkeit in und um alle Hütten. Schlafhütte mit Matten und Tüchern, auf manchen Inseln gibt es auch schon richtige Häuser. Aber immer ist die Küchenhütte vom Haus getrennt. In Port Sandwich lerne ich Sara kennen, ich bewundere ihren schönen Blumengarten und den qualmenden Erdofen. Sie zeigt mir ihr zu Hause, stellt mit ihre Kinder vor und verspricht mir Gemüse für den nächsten Tag. Im Schlafhaus - einem richtigen Haus aus Beton - sitzen ein ganzer Haufen Leute vor dem modernen Videogerät und bewundern Celine Dion in einem Life Konzert! Nebenan brutzeln die Brotfrüchte am offenen Feuer. Im Palmenhain stehen einige Kühe und grasen neben den immer Kokosnuss fressenden Schweinen. Im Hauptdorf gibt es eine große Schule - von den Katholiken geführt. Ja, das stabilste und schönste Gebäude ist tatsächlich die Kirche! Neben den Bildern der Leidensstationen Jesu hängen Bilder von Sanddrawings. In Port Vila im Museum malte einer der Guides für uns in den Sand eine dieser Zeichnungen. Man darf nicht absetzen mit dem Finger, und es ist die hohe Kunst, ein symmetrisches Bild zu gestalten. Der Guide singt die ganze Zeit während er zeichnet die Geschichte zur Zeichnung. Im Kulturzentrum in der Hauptstraße Port Vilas werden dafür Kurse angeboten. Ein Schuljunge kniet vor einem Holztablett mit Sand und malt den Schmetterling. " My Grandma showed it to me" murmelt er und rückt seinen Billabong Short zurecht.
Wir sitzen einige Zeit in der Kirche in Malakula, Schüler lugen neugierig durch die Tür und grinsen uns an. Das hier ist eine Bording School, nur am Wochenende geht man nach Hause. Neben der Glocke, die alle zum Gottesdienst ruft, steht eine riesige traditionelle Schlitztrommel mit Holzschlegel. Doppelt hält besser! Was hätten die gestrengen Missionare der Kolonialzeiten wohl dazu zu sagen?
Unser Bäcker führt uns weiter durch das Dorf. Zeigt uns das Krankenhaus. Im Aufnahmezimmer eine Liegebett aus dem 2. Weltkrieg. Diese Krankenzimmer sind aus dem Stoff, aus dem man Albträume macht. Alle Gebäude wirken leer und verlassen. Möchte hier auch nicht krank sein. Nur in der Geburtenstation sitzen ein paar Frauen - eine hochschwanger - am Gang am Boden und knabbern Zuckerrohrstangen.
Als ich einige Stunden später wieder auf unserem Schiff bin, sehe ich den Überfluss der Dinge, die mich hier an Bord umgeben umso deutlicher. Nicht eine Sorte Mehl, nein, Roggen-, Weizen-, Maismehl. Nicht ein Gewürz, wie Salz oder Zucker, nein, Oregano, Paprika, Soja, Kümmel, Muskat...
Ich schlürfe meinen heißen Tee, esse ein paar Kokoskeks und denke darüber nach wie es möglich wäre, unsere beiden Welten zu einer perfekten zu verbinden. In welcher Einfachheit regiert statt Überfluss, die aber doch Sicherheit und Stabilität gewährt. Gibt es nicht. Vielleicht doch, irgendwo. Oder vielleicht sollte ich einfach versuchen, so zu leben.
In Luganville auf der Insel Espirito Santo, wieder einige Meilen nördlicher, liegen wir vor dem Resort Aore Island. Klares Wasser, schöner Sandstrand, gepflegtes Restaurant mit Drinks und Mittagsmenü und schmucken kleinen Wohnhütten. Weiße Leintücher zum Trocknen an der Sonne. Hübsche Angestellte im Blumenkleid. Geführt von einem Australier. Der Taxibootfahrer spricht 4 sprachen: Beslama, Englisch, Französisch, Japanisch. In der Haupstadt der Insel wandern wir an staubigen Chinesensupermärkten vorbei zum großen Gemüsemarkt und kaufen dort in Bananenblätter eingewickelte Minitomaten.
Dann setzen wir uns ins Anemoro Café und essen Hamburger. Jaja, die beiden Welten! Die australische Chefin lässt ihren Blick über die gut besetzen Tische schweifen. White skin kommt hier zum Mittagessen. Wieder im Taxiboot lachen und blödeln wir mit den Angestellten des Resorts.
Sie erzählen uns vom Million Dollar Beach, gleich bei der Einfahrt nach Luganville. Die Amerikaner waren hier im 2. Weltkrieg um Raum abzustecken gegen die Japaner. Dort glitt dann die luxuriöse Begleityacht der Amerikaner auf eine falsch platzierte Unterwassermine und das Schiff sank mit Mannschaft und teurer Fracht. Noch heute werden alte Colaflaschen an die Strände gespült. Finn tauchte eine-schweres Glas mit Prägung 1940! Sammlerstück! Sonst erzählen noch die in Grashügeln versteckten Bunker Kriegsgeschichten, und der eine oder andere alte Jeep. Was nahmen sich die Vanuaten aus der ganzen Geschichte? einige gründeten den John Frum Kult, eine Religion, in der Kapital das wichtigste ist. Wer Besitz hat, ist der König, wer Geld bringt der Kaiser. Aber die meisten Leute von Vanuatu wissen, das Glück bedeutet, das Essen im Garten zu haben und dafür nichts bezahlen zu müssen. Und dann zu arbeiten wenn man will. Und da kommt dann wieder die Zeit ins Spiel. Einmal besuchten uns einige Einheimische mit ihrem Kanu. Wir fragten, ob sie ein paar Paw Paw (Papayas) für uns hätten
Sie meinten: "Klar, im Dorf." -
"Sollen wir morgen so um 9 Uhr kommen um sie zu holen? Wäre das ok? Oder ist 10 Uhr besser?" fragte Peter an. Da erwiderte Eric, der Fischer, verwundert: "Sure. Why not? You can it Paw Paws anytime!"

Fotos

Kapitän Pete
Auf dem Weg in den Indischen Ozean

Meilen um Meilen nähern wir uns jetzt der Torres-Straße, die Seestraße zwischen Australien und Papua Neuguinea. Westlich davon liegt die Arafura See und der Indische Ozean, das bedeutet für uns, dass wir nach mehr als einem Jahr den Pazifik verlassen. Wir denken an die schöne Zeit, die wir hier verleben durften, an die wundervollen Eindrücke und Geschichten, die wir erfuhren .Von Panama bis Papua Neuguinea so viele unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen, die wir entdeckt haben. Eines aber verbindet diese Inseln mit einem unsichtbaren Band, das ist die Lebensfreude, die auch heute noch auf den meisten Inseln des Pazifiks zu finden ist. Keine Frage, dass das Leben auf so manchem Atoll nicht ganz so einfach ist, aber die meisten Menschen spüren schon, dass die Natur, in der sie leben, und die Kraft, die sie daraus tanken, eine ganz besondere ist. Wir lernten so viel von den Menschen, dass ich mich oft fragte, ob es nicht Zeit wäre, von diesen Menschen in unserer Gesellschaften zu lernen. Denn die Schulbildung, die sie bekommen, ist gut sowie sie ist, doch wird sie immer unsere westliche Denkensweise mittransportieren. Und das ist der Punkt: Der weiße Mann irrt manchmal gewaltig. Wir haben gelernt und versucht, etwas näher an den Rhythmus der Natur zu kommen, haben erfahren, dass genau dies die Freiheit bedeutet, nach der wir uns sehnen. Zeit hat ihr ganz besonderes Tempo hier im Pazifik, und wir haben einiges von unserer Lebensweise aufgeben müssen, um dieses Zeitverständnis zu verstehen.
Am Strand in Tanna, Vanuatu, traf ich eine Frau, die fischte. Auf meine Frage "How is the fishing today?" meinte sie: "If I catch some fish I go home, if I catch no fish I go home too!"
Dieser Ozean gibt sein eigenes Tempo vor, das haben wir auch gelernt, und jede Meile ist ein Stück Erfahrung mehr.
Der Pazifik ist einer der faszinierendsten und aufregendsten Erdteile dieses Planeten - das steht für uns fest. Und auf Ile de Casy in Neu Caledonien wanderten wir auf die höchste Erhebung der Insel, und dort auf einem von Seglern errichteten Steinhaufen haben wir unseren persönlichen Stein gelegt. Damit gaben wir das Versprechen, eines Tages wiederzukehren, in unseren so geliebten Pazifik.

 

17.07.2008, Louisiaden

Funkmail von der Risho Maru:

"Sind nach 6 Tagen gut in den Louisiaden gelandet. Hier türkise Lagune, Kokospalmen, weiße Strände - wieder mal Fototapete!
Das Segeln, naja, der Westpazifik ist nicht umsonst als schwierig bekannt... viele Gewitter, Regen, hohe Wellen, aber wenigstens der Wind und die Welle von hinten! Eine gewaltige Steigerung! Und die letzten 80 Seemeilen hat sich ein müder Albatros auf unsere Solarpanele gesetzt und alles vollgesch... naja, der Bursche war wirklich fix und fertig. Peter hat neben ihm unseren Windpiloten immer wieder mal eingestellt - der Albi hat ihn nur müde angeschaut. Hat wohl gemerkt, dass wir auch nicht ganz fit waren...
Die Risho dafür umsomehr, selbst einen Squal mit 50 Knoten segelte sie ohne Segel mit Speed 6 ab. Und natürlich der Finn: Immer fröhlich und gut ausgeschlafen! Der Segelstar von heute und morgen!
So, jetzt aber ab in die Koje, schnarch..."

 

07.07.2008, Inselwelt Vanuatus Sind unterwegs in der schönen Inselwelt Vanuatus. Und da denk ich mir, eine Geschichte sollte schon seit langem erzählt werden. Und zwar diese:

Wer ist Hari?

Dem geehrten Risho Maru Homepage Publikum sollte er bereits seit 3 Jahren wohlbekannt sein. Hari ist der Mann hinter der Homepage.
Aber ehrlich gesagt. Hari ist viel mehr.
Erstens ist er einer unserer besten Freunde. Einst rettete er uns aus einer prekären Notsituation, als unser Malaspina Ex Schlagzeuger beschloss, 3 Tage vor der Weltpremiere doch lieber nicht mitzuspielen. Hari sprang ein. Und blieb.
Bis heute ist er unser Lieblingsschlagzeuger, wenn auch zur Zeit gemeinsames Musizieren ausfällt. Dass er freiwillig anbot, unsere Homepage zu betreuen war ein großes Glück! Wahrscheinlich würde ich jetzt noch versuchen, den Bericht über die Kanarischen Inseln verzweifelt auf die Seite zu laden und die Fotos, welche Fotos?
Und so kriegt Hari regelmäßig Post von PAF aus allen Ecken dieser schöner Welt. Und ich fiebere jedesmal auf seine Antwort, denn eines ist klar: Er ist der erste, der die Berichte liest, der erste der die Fotos betrachtet.
Lobt er uns sind wir fröhlich, sagt er gar nix sind wir beunruhigt. Gefällt's ihm nicht? Dass er so nebenbei auch noch ein Arbeits-, Liebes-, Motorradleben führt vergessen wir dann manchmal...Rechtschreibfehler bessert er dezent aus! Danke! Er, meine Mutter und Peters Schwester Andrea sind die ersten, die erfahren, dass der Ozean gut überquert, die Crew wohlauf, die Insel sicher erreicht ist.
Wir versuchen, diesem zurückhaltenden Burschen immer ein bisschen was herauszulocken über sein Leben, und freuen uns dann mit ihm über die neuerworbene Guzzi (eine rassige Italienerin - für alle nicht Motorradkenner), das Hardrock Konzert mit eigener Band am Wochenende oder die verschlungenen Wege der Liebe. Und natürlich sein neues Heim, das er zurzeit wohlüberlegt und begeistert einrichtet!
Bis jetzt konnten wir ihn noch nicht auf die Risho Maru locken - weder die schönen Insulanerinnen aus französisch Polynesien (er spricht übrigens perfekt Französisch!) noch die heißen Motorradstrecken Neuseelands ließen ihn weich werden. Andererseits: wie sollten wir ihn mit unseren Abenteuergeschichten überraschen, wenn er selbst dabei wäre? Vielleicht ist das sein Hintergedanke...
Aber wir geben die Hoffnung nicht auf - selbst Segler - wird er es sich wohl nicht nehmen lassen, im Mittelmeer einige Meilen mit der Risho in die Heimat zu segeln..., wobei wir mal überlegen müssen, wo wir seine Guzzi auf der Risho unterbringen....aber das wäre schon wieder eine nette Geschichte, die erzählt werden müsste... und Hari wäre dabei... und das würde uns sehr freuen... und er könnte mir dann endlich persönlich erklären, wie das mit der Homepage funktioniert!

PS: Ja, Hari, das ist auch eine wichtige Story, die definitiv auf die Homepage gehört! Keine Tricks! Alex

Fotos

 

24.06.2008, Vanuatu Vanuatu oder "Zeit, was ist das?"

1. Teil: Tanna - Am Rande des brodelnden Vulkans

Ich träume. Sehe lachende, dunkle Augen, Fliegen ,Feuerfunken. Und einer sagt was von Nemaka, dem Geist der Pflanzen. Es ist heiß, die Wolldecke aus Neuseeland liegt wie Blei auf mir, als ich mitten in der Nacht erwache. Ich muss an die Luft. Draußen eine leichte Brise, Tropendüfte, Rauch, an Land tiefe Dunkelheit. Ein Grollen. Ich blicke auf den Berg der sich rechts von mir gegen den Sternenhimmel abzeichnet: Mount Yasur. Er grollt. Er ist der Vater, für manche noch heute. Manchmal bringen die Leute ein Schwein zu ihm und werfen es hinab in seinen kochenden Schlund. Noch heute. "Aber natürlich meinen sie damit Jesus" fügte Jerry, unser Vulkan Guide an. Es verging eine kurze aber eindeutige Zeitspanne vor dieser christlichen Beifügung. Da sahen wir uns an und er war sich nicht sicher, ob diese white skin vor ihm das verstehen kann. Ich grinste, er grinste. Wer auch immer das ist - ich finde es toll - sage ich. Dann beugte Jerry sich hinab und hob eine Handvoll schwarze Vulkanerde auf. Captain Cook wollte von den Eingeborenen wissen, wie das Land hier heiße und um diese Frage zu unterstreichen berührte er die Erde.
Sie, die Einwohner, wunderten sich und sagten "Mbtanna - das ist Erde". "Tanna" verstand Cook, und so erhielt diese Insel ihren Namen.
Wir sind in Vanuatu und trotz vieler Erzählungen über diese Inseln sind wir nicht vorbereitet auf die aus Matten und Palmblättern gefertigten Hütten, die offenen Feuer, die neugierigen Kinder, die scheuen, freundlichen Menschen. Das hier ist kein Freilichtmuseum für "wie man einst in Tanna lebte" das ist Tanna. Das ist Port Resolution, ein kleines Dorf in einer ruhigen Bucht, Schweine die frei herumlaufen, Küchenhütten, Schlafplätze auf einfachen Matten, nackte Kinder, lästige Fliegen. Das ist der Süden von Vanuatu. Es gibt einen Yachtclub, eine Holzhütte mit Holztischen. Als wir eintrudeln sitzen dort zwei einheimische Mädels und machen Musik. Die eine auf einer Kiste mit einem Bambusrohr, das mit einem Seil an der Kiste befestigt ist - der Bass - und die andere mit einer einsaitigen Gitarre. Sie nennen sich Stringband und lachen, ein schönes Lachen. Stanley kommt. Er ist der Checker im Dorf und organisiert unsere Fahrt per Truck in den Hauptort Lenakel am anderen Ende der Insel.
Off Road Drive - 2 Stunden lang auf der Ladefläche des Trucks. Quer durch den Dschungel auf einer Art Weg, durch einen Fluss, vorbei am Vulkan, ins Gebüsch, auf einen Berg, hinunter den Hügel, vorbei an Hütten, durch Dörfer.
Kinder laufen dem Truck schreiend nach - Bye, bye, bye, bye.
In Lenakel gibt es eine Hafenmole, und ein Geschäft und einige Häuser, die sogar aus Beton gebaut sind. Wir melden uns bei Polizei, Immigration und Quarantäne, die freundlichsten Beamten der Welt. Wir haben Hunger. Wir kaufen Kokosbrot und Maniokchips und Mandarinen im örtlichen Supermarket. Pulvermilch, Zwiebel, einige Corned Beef gibt es hier auch noch. Wir warten eine Stunde auf Stanley, er ist verschwunden. Aber keiner der Einheimischen am Truck sucht ihn wirklich. Wird schon wieder auftauchen. Lasst uns einfach ein bisschen auf der staubigen Hauptstraße von Lenakel auf und ab fahren. Irgendwann kommt Stanley dahergelatscht mit einem Paket Zucker unter'm Arm. Wir, die Touristen, begrüßen ihn überschwänglich, die anderen wundern sich über uns.
Irgendwie scheinen wir hier auf einem anderen Planeten gelandet. Zeit. Was ist das?
Was, das sowieso vorbeigeht, egal ob man dabei mitmacht oder nicht.
Mount Yasur, der Vater, grollt als wir am Nachhauseweg an ihm vorüberrumpeln. Jaja, wir kommen und werden uns vorstellen, Yasur!
Hier im heißen Sand am Fuße des Vulkans oder auf der "Straße", überall kommen uns immer wieder Menschen entgegen. Irgendwo mitten im Dschungel. Überall wird gegangen. Es gibt ja auf dieser Seite der Insel nur dieses eine Auto. Und Sprit ist sowieso unglaublich teuer. Was sind schon 2 Stunden in die Schule oder eine Stunde durch den Dschungel nach Hause. Es ist so anders hier und doch irgendwie tief in mir rührt sich was, das sagt, da waren wir auch mal.
Vor langer Zeit, 60, 70 Jahren in Österreich hatte doch auch nicht jeder ein Auto und wer weiß, bei den heimatlichen Benzinpreisen sind wir da in einigen Jahren tatsächlich wieder!
Die Menschen von Port Resolution und den umliegenden Dörfern haben Gärten angelegt. Taro, Snakebeans, Christophinen, Brotfrucht und die Paw paw, die Papaya.
Essen wird ins Feuer gelegt zum rösten, garen tut alles im Erdofen. Es gibt keinen Einbauherd , keinen Kühlschrank, außer dem im Yachtclub, die haben ja auch einen Laptop. Ich denk an den Erdkeller meines Großvaters auf seiner Jagdhütte. Rupp Käsle und Brot.
Mit dem Truck bleiben wir bei einem gigantischen Baumhaus stehen. Darunter einige Tische mit Wurzeln, das ist kawa, wird hier wie Tee getrunken und macht schön taub und müde. Frauen dürfen auf Tanna nicht mittrinken. Frauen haben mindestens 3-7 Kinder, arbeiten Tag aus, Tag ein im Garten, in der Hütte. Die Dörfer blitzen vor Sauberkeit, alles gerächt und gejätet, das Geschirr geschrubbt. Matten und Körbe werden aus Pandanussfasern geflochten.
In der kleinen Markthütte tausche ich einen Schlafsack und Kinderkleidung gegen zwei Körbe. Alle Mamas, die die Körbe hergestellt haben, müssen da sein, es wir beraten, meine Ware beäugt. Sandra, eine peace corps Arbeiterin, übersetzt Beslama (einen der vielen Landessprachen) in Englisch. Die Frauen reden untereinander in ihrer Stammessprache, schauen mich an, schauen die Körbe an, kichern, den Schlafsack, mich, die Kindersachen, Sandra, mich, Schlafsack. Kicher. Und... Blong yu!
"Belong to you" übersetzt Sandra. Die Körbe sind mein.
Doch zurück zu Yasur. Er rumpelte einige Tage später schon von Morgen an. Nichts wie rauf! Per Truck ging es durch den spätnachmittäglichen Dschungel. Wir wollten den Einbruch der Dunkelheit am Vulkan erleben.
Wir stapften die 200 Höhenmeter zum Krater durch schwarzen Lavasand. Wruuummmm! Lavabrocken flogen im hohen Bogen durch die Luft.
Yasur grollte und stieß eine atompilzähnliche Rauchwolke aus.
Am Kraterrand angekommen starrten wir fasziniert in die Tiefe. Glutfetzen, Rauch, Schwefeldämpfe. Guide Jerry erzählt, dass 2 Frauen Lablab (Tarowurzeln mit Spinat und Huhn) über ihrem Erdofen garten und plötzlich gesellte sich ein Schwein zu ihnen und bat, ob es sich am Feuer wärmen dürfte. Sie stimmten zu, es war eine kalte, regnerische Nacht. Da saß das Schwein bei ihnen und plötzlich begann es zu wachsen und bedeckte das Feuer und die Frauen, das Lablab und die Brote, die sie gerade buken. Und aus dem Schwein wurde Yasur und die zwei Krater in seinem Schlund sind die beiden Frauen.
Yasurs heißer Atem blies uns ins Gesicht. Über uns wurden glühende Lavabrocken in den Abendhimmel geschleudert. Je dunkler es wurde, umso wütender wurde Yasur, so als wolle er uns zeigen, wer hier der Vater ist. Ich war mir plötzlich auch gar nicht mehr sicher, ob die wissenschaftlichen Erklärungen in Finns Kinderlexikon unter V wie Vulkan ganz ausreichend sind für dieses Schauspiel. Denn warum braucht die Lava vom Erdkern bis zum Augenblick, da sie aus dem Schlund gestoßen wird, genau 9 Monate? Warum zuckte Jerry, unser Guide, der diesen Vulkan doch schon ewig kennt bei jeder Eruption derart zusammen? Ein dumpfer Aufprall eines Lavabrockens einige Meter hinter uns machte klar, dass die Windrichtung nicht günstig für uns stand. Ich wollte gerade ansetzen um vorzuschlagen, vielleicht das Feld zu räumen, da gab Jerry nervös das Zeichen zum Aufbruch. Vor einigen Jahren fiel einem Japanischen Vulkanologen eines dieser Lavastücke auf die Brust. Auf der Stelle tot. Durchgebrannt. Wir stolperten im Dunkeln mit unseren lächerlichen Stirnlampen den Berg hinunter. Die Lavaspritzer kamen gefährlich nahe und ich dankte dem Vater Yasur, oder wem auch immer, als wir wieder im Auto saßen und durch den dampfenden Dschungel rumpelten, für seine Nachsicht uns gegenüber. Nirgends sonst kann man so nahe an einen Vulkanrand, unsere kanadischen Segelfreunde schütteln den Kopf über die nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Peter dachte an seinen ersten Vulkangang auf den gesicherten Wegen rund um den Stromboli und den aufregenden Blick auf die Glut durch ein Fernglas.
Quietschend stoppte der Wagen vor einer Fackel, die in die Strasse ragte. Im Hinterholz sah man einige Kerzen, die eine Kawa-Bar beleuchteten. Unser Fahrer holte sich eine Flasche des Gesöffs. Für uns gab es nix mehr. Die Scheinwerfer unseres Autos teilten die dunkle Nacht, über uns flatterten Flughunde, auf der Straße immer wieder Menschen, Familien auf dem Weg wohin auch immer.
Im Dorf in der offene Kirchen singende Kinder bei Kerzenlicht. Vor dem Gute-Nacht-Sagen fragte ich Jerry noch: "Wie das hier ist mit dem ‚Zauber' auf Tanna ? Ich hab davon gelesen. Is it good magic?" - "Nein, ganz schlecht" meinte er. Aber um gute Geister anzulocken gibt es unter allen Bewohnern Tannas einen wichtigen Vorsatz: ein guter Mensch muss man sein. Das hilft um den bösen Zauber fernzuhalten. Kirche gehen hilft auch, fügt Jerry nach einer etwas zu langen Pause hinzu.
Wir grinsten uns an.
Ich träume wieder. Von guten Geistern, guten Menschen und dass die Frauen Kawa trinken bis zum umfallen. Gud nät, Tanna. Slip, Yasur!

2. Teil: Erromango - Was passiert, wenn man in Vanuatu einen Jodler anstimmt?

Wo ich geh und steh - ich sitze auf geflochtenen Pandanussmatten in einem palmblattbedeckten offenen Haus
tuat mir mei Herz so weh, neben mir sitzen Belinda, Prucilla, Rachel, Rose, Rona und Pamela in ihren Blumenkleidern und halten sich vor lachen die Hände vors Gesicht,
ich hab grad angefangen einen typisch alpenländischen Jodler zu singen.
um mei Steiermark - das ist hier die Dillon Bay auf Erromango-Vanuatu!
ja glaubt's ma's g'wiss - die glauben mirs, glaub ich zumindest
Wo des Büchserl knallt - Rose 6 Monate altes Baby George knallt zwar nicht aber kreischt begeistert
Und wo der Gamsbock fallt - wenn hier was fällt, dann Schweine, aber im Augenblick rösten nur Brotfrüchte neben der Küchenhütte Prucillas.
Wo mei lieber Herzog Johann is - kein Kommentar

Holareodulio - Pamela fällt die Kinnlade runter.
Diriadulio - Rachel starrt mich entgeistert aus ihren ca 107 Jahre alten Augen an.
Diraduliö - Rona verlässt das palmenbedeckte Frauenhaus um kurz später mit ihren Schwestern Lian und Leiwin wieder zu erscheinen.
Diriaduhulio - Sydney, der 80 jährige Urgroßvater von Rose, nähert sich dem Frauenhaus, das ist hier noch niemals passiert.
Holareodulio - (eine Oktave höher!) - Rona legt mit besorgt Blick auf mich die aufgerollten Pandanussstreifen auf die Seite.
Holarehoduliö - Rachels ca 250 Jahre alte Mutter Kurua erscheint erstmalig seit Jahren ohne ihr Vormittagsnickerchen beendet zu haben.
Hola RiaRiaRia Ria Ri- Die Schulkinder, die gerade aus der Schule kommen stimmen begeistert ein RiaRiaRiaRiaRia.
Diri... aaaa... dulio!!!!! - das Dorf ist in Aufruhr, Schweine rasen durch das Frauenhaus, Männer lassen ihr Tagewerk - das Sandelholz zuschneiden - liegen, Fischer holen ihre Netze ein.

Hul-iiiiii-ooooooo!!!!! Prucilla angelt in Windeseile eine geröstete Brotfrucht aus der Glut, bricht sie auf und reicht sie mir eilig auf einem Bananenblatt.

"Hanggri?" (Anmerkung des Übersetzers: Beslama für hungry, hungrig)

Port Vila - Die Hauptstadt Vanuatus
Stadtgetümmel

Wir segelten aus Erromango eine Nacht nach Efate, Port Vila.
Aus Gewohnheit kochte ich heißen Tee, legte das Ölzeug bereit und den dicken Fleecepullover. Peter betrachtete mich seltsam von der Seite, sagte aber nix.
Oder grinste er vielleicht doch ein bisschen?
Jedenfalls, 12 Stunden später hatten wir unsere erste, gemütliche Tradewind Segelei seit langem hinter uns. Nur Sternenhimmel, Mond, plätscher, plätscher... Soviel zum Segeln! Und kein Wort mehr!
Sowenig wir das simple Leben auf Tanna und Erromango erwartet hatten, sowenig waren wir auf die Landeshauptstadt Port Vila vorbereitet.
Autos, Smog, Supermärkte, Cafés, Kino, Surf Shops, Resorts, Luxushotel - alles da, keine 70 Seemeilen von frei laufenden Schweinen, nackten Kindern und tauschfreudigen Einheimischen entfernt. Seltsam.
Wir schlenderten zum riesigen Frischmarkt. Hier tauschte keiner Angelhacken gegen Bananenstaude. Oder T-Shirt gegen 3 Kokosnüsse.
Körbe gibt es gegen Vatu Scheine.
Yasur, kein Vater sondern Ausflugsziel, Pandanussmatten zum Aufhängen im heimatlichen Wohnzimmer!
Flexibel wie wir sind, stürzten wir uns ins Kleinstadtgetümmel, genossen Cafe Latte und Eiscreme, frische Baguette und Steaks aus dem Supermarkt. Westler!
Und hängen hier an einer Mooringboje beim Yachtclub.
Haben schon das Musikfest "Fête de la Musique" erlebt, eine "Kino unter Sternen"-Nacht, das geschlossene Nationalmuseum besucht, das lokale Bier "Tuscan" probiert. Und bleiben noch einige Zeit. Es ist angenehm hier und wir nehmen uns Zeit für Schreiben, Schule, Putzen, Waschen. Bordalltag im Hafen.
Rüsten uns für den nächsten Schlag zu den Lousiaden, nach Port Moresbey und die Torres Strait. Aber alles mit der Ruhe, denn es ist wieder tropisch heiß geworden! Und räumen die warmen Sachen weg! Der Sommer hat begonnen und Finn freut's auch - bald sind Ferien!

Fotos

 

03.06.2008, Neukaledonien

Dilemma mit Folgen und Her mit den knusprigen Baguettes!

Bon Appetit. Könnte mal wieder über das Essen schreiben. Ich weiß nicht was unsere geehrten Leser so von uns denken, wenn ich immer wieder über Essen, Kaffeetrinken und andere leibliche Genüsse schreibe. Wahrscheinlich, dass wir rund und g'sund heimkommen werden! Wäre wohl auch so, hätten wir nicht immer wieder mal zu segeln und würden so schön unser Idealgewicht halten.
Denn Segeln ist Sport! Hat die letzte Überfahrt auch wieder mal bewiesen, über die ich mich diesmal nicht auslassen werde, sondern anschließend den Captain und sein Logbuch zu Wort kommen lasse. Denn diese Überfahrt hab ich bereits aus meinem Seglerinnengedächtnis gestrichen. Ist auch besser so. Könnte natürlich sagen, jawohl, wieder um einen Erfahrung reicher, aber ehrlich gesagt, naja, obwohl war doch eine unglaubliche Erfahrung, wenn auch etwas an der Grenze oder eigentlich war es gar nicht so schlimm, eigentlich ganz nett, ein bisserl Sturm und Welle, aber sonst? Kann mich nicht erinnern, gut so...
Also schreibe ich - wie das bei Gedächtnislücken so ist - vom Vorher und vom Nachher!
Vorher war gut, wenn auch etwas angespannt, wie immer vor Überfahrten. An der Funke hängen, Wetterberichte inhalieren und so tun, als wäre es ganz normal, eine Woche über einen Ozean zu segeln. Ist es natürlich auch unter den Seglern hier. Aber wehe man erzählt das einem Segelfremden… da kommen dann meist Einwände und man denkt sich, bin ich total verrückt geworden, das zu machen!
Aber, wie es eben so ist, trifft man als Segler vor allem auf Segler oder Segelbegeisterte und so kommt man gar nicht in diese verzwickte Situation.
In Opua warteten wir also auf das berühmte Wetterfenster - was für ein Wort - irgendwann werde ich diesen Ausdruck auch aus meinem Gedächtnis streichen...
Finn war glücklich. Er ging in die Opua Primary School und verlor sein Herz an seine Lehrerin Mrs Young. Die Schule begeisterte ihn von Anfang an.
Als ich nach der ersten Stunde vorsichtig anfragte, ob ich ihn wieder mitheimnehmen sollte (oh Gott, was bin ich für eine Glucke), sah er mich verzagt an und ich wollte ihn schon beim Arm packen und ins traute Heim schleifen, aber der 143cm große 8 einhalbjährige sprach: "Mama, ich will auch eine Schuluniform wie die anderen und zwar jetzt" Äh. Also das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich versprach, dass ich mich darum kümmern werde und er verschwand in Classroom 2 ohne sich noch einmal umzudrehen. Peter heulte. Also tröstete ich nicht meinen Sohn sondern meinen Gatten, der ob der großen "erster-Schultag-Aufregung" an seine eher grausigen Schulanfänge denken musste und mit seinem Sohn mitlitt, der aber keine Sekunde litt. In der "Morning Tea"-Pause brachte ich Finn Jause und wollte sichergehen, ob er nicht doch lieber..."Mama ein Wahnsinn, das ist so toll, die haben gerade Dinosaurier Woche!"
Und so hatten wir plötzlich kinderfreie Vormittage, schlenderten planlos durch die Marina bis plötzlich...das berühmte Wetterfenster aufging. Finn weigerte sich von einem Tag auf den anderen die Schule zu verlassen. Es war Wochenende und er wollte wegen des Ukuleletages und der netten Mrs. Young unbedingt noch einige Tage der nächsten Woche die Schule besuchen. Na gut sagten wir, das Kind ist glücklich, fahren wir mit dem nächsten Fenster.
Alle Segler um uns machten sich bereit loszusegeln und am Sonntag war die Marina zu Hälfte geleert. Blöderweise war auch noch die Rede vom besten Wetterfenster seit Jahren… wir kauten Fingernägel und holten Finn von der Schule ab. Schließlich hieß es am Dienstag: das Wetterfenster hält und hält, fahre wer fahren will. Mittwoch wurde zu Finns letztem Schultag und das verzieh er uns fast nicht, aber wir wollten los. Mittwoch morgen dann meinte Winfried der Wettermann, weg mit euch, ein Tief kommt, aber es sollte sich für euch ausgehen.
Oh nein, genau das, was man nicht braucht, ein Dilemma...
Und wir segelten los, und wir segelten in das Tief, und mein Sohn schwärmt noch immer von Mrs. Young und - was mich schließlich doch versöhnte - das nächste Wetterfenster öffnete sich erst 3 Wochen später, und da sitze ich jetzt aber bereits in Noumea und schmiere mir Camembert auf mein Knusperbaguette.
Finn hätten die weiteren 3 Wochen Schule sicher viel Freude gemacht, aber auch so hat er viel gelernt, liebt Englisch, liest englisch fast besser als Deutsch und macht englisches homework am allerliebsten. Und das allerbeste: "Schulklasse" ist für ihn nicht mehr eine vage Schreckensvision. Natürlich musste ich ihm versichern, dass sich auch in Österreich eine nette Mrs. Young finden würde! Falls wer eine kennt, bitte melden!
Und nun zu "Nacher".
Wir landeten in Ile de Pins, einem Tropentraum. Puderzuckerstrand, Traumlandschaft, Türkiswasser. Wir leckten unsere Wunden, ich durfte auch krank werden und huste mir jetzt noch die Seele aus dem Leib.
Macht nix. Wir sind ja da. Und die Wahrscheinlichkeit eher Passatwinde in Zukunft zu haben als Gegenwinde ist hoch.
Wir verbrachten die Tage mit Strandläufen, Lagerfeuer, Marktgehen, Land kennenlernen. Endlich wieder Bananen, die wie Bananen schmecken und Passionsfrüchte vom Baum. Natürlich ein Thunfisch an der Angel, als wir nach Noumea rauschten. Dass nirgends das Paradies ist, wissen wir ja und spürten die sozialpolitischen Spannungen zwischen den Ureinwohnern, Kanaken genannt und den Franzosen am eigenen Leib, als an einem quirligen Markttag Tränengas von der Polizei in die Menge geschossen wurde, um die Menge aufzulösen.
Am Tag darauf verdrückten wir uns etwas deprimiert ins Centre Culturel Tjibaou.
Dort wurden diese schon ewig herrschenden Spannungen vom berühmten Architekten Renzo Piano künstlerisch verarbeitet.
Das grandiose Kulturzentrum mit seinen silbern in der Sonne funkelnden Holztürmen versöhnte uns wieder etwas.
Wir lernten über das Leben der Kanaken, über ihren etwas skurrilen Ursprung. Und zwar wurde ein Zahn von einem Geist auf einen Felsen gesetzt und begann unter der Wärme des Mondes(!) zu verfaulen. Die Teile, die ins Wasser fielen, wurden zu Aalen (Zeichen der Fruchtbarkeit) und Schlangen (die es heute noch gibt und zwar sehr giftige!), die Teile, die am Felsen blieben, zu Eidechsen und Pflanzen. Und so konnte der erste mytische Mensch Tea Kanake sein Volk gründen. Pflanzen leiteten immer das Leben der Kanaken, die Banane - die Weiblichkeit, die Taroknolle - die aus Respekt nie geschnitten sondern nur gebrochen wurde, die Pinien - die den Weg zum Haus des Chefs zeigen, die Cölus Gräser - die jedes Haus beschützen und die Seerose - die man nicht respektlos berühren darf, will man nicht böse Geister an Land ziehen.
Da musste ich gleich an den Hollunderbaum denken, der sich oft an steirische Bauenrhöfe schmiegt und vor bösen Geistern schützt!
Wir saßen auf einem kleinen Bankerl mit Blick auf den Pazifik und die Holztürme und wir spürten den wunderbaren Zauber der Kunst.
Und die Franzosen? Die hübschesten Frauen seit langem spazieren hier durch die Straßen, geschmackvolle Geschäfte neben zahllosen chinesischen Ramschläden.
Guter Wein, die knusprigen Baguettes und natürlich der Käse...
Durch dick und dünn, das passt wirklich zur Rishomaru Besatzung!
Noch sind wir dünn und vielleicht nach ein paar Wochen Schnabulieren hier ein bisserl dick und eines ist klar: durch alles sind wir bisher gut durchgekommen und das wird sich auch nicht ändern!
Und nun lasset den Captain zu Wort kommen!

Die Überfahrt NZ - New Caledonia
Auszüge aus dem Logbuch des Kapitäns

14.5 .2008
Wettervorhersage für den 14.5.: SW 10 kn
Das Wetterfenster bringt für die nächsten sechs Tage Winde aus SSE zu E 15-20 Kn. Danach dreht er auf NE, ein Tief zieht heran.
Die meisten Boote, die wir kennen, haben NZ bereits vor drei Tagen in Richtung Fiji , Vanuatu und New Caledonia verlassen.
Entscheiden heute noch, uns anzuhängen, obwohl es knapp werden könnte. Winfried unser Wettermann meint "mit dem Kat könntet ihr das schaffen". Rechnen mit 150 Meilen am Tag im Schnitt .Sollte sich ausgehen.
Distanz 770 sm bis Ile de Pins auf New Caledonia.
13h30 Pos: 34°59 S und 174°07 E mit 7,4 kn Speed, Kurs 335°.
Tagsüber hält der Wind gut, gegen Abend verlieren wir die Sicht auf NZ. Auf bald NZ, war eine schöne Zeit. Bei so einer Überfahrt ist genug Zeit, über die letzten Monate nachzudenken und alles nochmals in Gedankenbildern ablaufen zu lassen. In der Nacht Sternenhimmel, schalten den Motor später dazu. Wind hat auf 5 kn abgeflaut. Alle Systeme laufen gut, mache einen Kontrollgang übers Schiff.
Habe in Opua ein Solarblinklicht entdeckt mit einer Reichweite von mehr als 5 sm, schaltet sich zusätzlich zum Positionslicht automatisch bei Dämmerung ein.

15.5. 2008
8h Pos: 33°35 S und 173°33 E, 3/8 bedeckt, Temp: 12°, Baro: 1023
Haben in der Früh den Spi gesetzt, fühle mich schwach, habe mir in Opua eine ordentliche Grippe von Finn geholt.
Finn geht es schon recht gut, hustet nur noch schrecklich.
Keine Lust zum Fischen, keinen Appetit auf Fisch. Versuche zu schlafen, gelingt mir nicht. Müssen uns nach so langer Zeit an Land wieder an die Schiffsbewegungen gewöhnen. Machen gutes Tempo und in der Nacht klart es wieder auf. Squalls (Regenwolken mit häufig starken Böen) sind keine zu sehen. Der Ozean leuchtet, eine wunderschöne Nachtfahrt.

16.5. 2008
8h Pos: 31°40 S und 172°30 E, 5/8 bedeckt, Temp:14°, Baro: 1021
Zu Mittag sind heftige Squalls durchgezogen, Spi geborgen und Groß gerefft. Wind dreht mehr auf E 15-20 kn, 8-9 kn Fahrt.
Windrad direkt an die Batterien geschalten, brauchen mehr Strom für's Radar. Segelyacht Yara in Hörweite auf UKW. Plaudern und geben Position durch. Glaube Fieber zu haben, aber Alex weigert sich eines zu ertasten. Ich kann sie verstehen, denn ich hoffe auch, dass ich noch fit bleibe. Kann auch in meiner Ruhezeit keinen Schlaf finden. Alex macht tagsüber schon mehr Wachzeiten als ich. Eine richtig gute Seefrau ist sie geworden.
In der Nacht viel Arbeit an Deck. Segel reffen, dann wieder ausbinden. Es ist nicht ganz so kalt wie wir erwartet haben: 15 Grad. Auf dem Radar sind die Squalls sehr gut zu erkennen. Und das ist recht gut, denn da steckt oft Wind mit mehr als 30-35 kn drinnen.

17.5.2008
8h Pos: 29°22 S 171°15 E, 7/8 bedeckt, Temp:19°c Baro: 1020
Wellenhöhe 2,5- 3 Meter
Wettervorhersage bringt uns früher den NE Wind, Sch…
Heute E 25 Kn am 18.8 NE 25 am 19.8 NW 20, das Tief in der Tasman See ist doch schneller gezogen. Na da müssen wir durch. Setzen alles an Segel was möglich ist. Müssen Tempo machen.
Gegen 16h zwei Reffs im Groß, 9 Kn Speed.
Habe starke Kopfschmerzen, Nase total zu und starker Husten. Nein kein Fieber!
Es geht also noch, muss gehen. Alex ist tapfer, lässt sich ihre eigene Müdigkeit kaum anmerken, aber ich sehe es in ihren Augen. Finn ist sehr cool, weiß ganz genau, was jetzt Sache ist, beschäftigt sich die meiste Zeit alleine. Tut ihm vielleicht auch gut nach den aufregenden Tagen in NZ und in der Schule in Opua. Die Risho läuft viel ruhiger mit den zwei Reffs im Groß. Könnten schneller segeln, aber wir fühlen uns so viel besser. Heute das erste mal zwei Stunden Tiefschlaf aus Erschöpfung.
Noch 370 Meilen bis Ile de Pins.

18.5 2008
8h Pos: 27°04 S 169°54 E, 8/8 bedeckt, Temp: 20° Baro: 1017
Welle 3 -3,5 Meter
Genua geborgen, laufen nur mit Fock und zwei Reffs im Groß, 7-8 kn Fahrt.
Wellen stürzen über das Vordeck. Blöder Winkel, habe entdeckt, dass beim vorderen Netz eine Verankerung gebrochen ist. Muss auf's Vordeck; mit Leinen kann ich das Netz wieder gut sichern; dauert eine Ewigkeit. Die Wellen stürzen über mich und jeder Handgriff ist mühsam. Erstaunlich, dass nicht das Netz gerissen ist, aber die Metallverankerung ist gebrochen. Werde in Zukunft alles mit Leinen fixieren. James Wharram hat absolut recht, so viel wie möglich mit Tauen zu sichern. Das Ölzeug ist sehr gut, haben uns neue Jacken in NZ gekauft.
Meine Stirnhöhle wird kurz mit Seewasser gespült, ansonst bleibe ich recht trocken. Alex kocht eine heiße Misosuppe mit Utongnudeln, das wärmt perfekt.
8h: Groß geborgen, nur unter Fock 7-8 kn Fahrt, Wind hat zugelegt 30-35 kn.
3h30: Liegen beigedreht mit Sturmfock und backgestelltem Ruder, Wind 40 kn, Wellen total konfus, sind zu erschöpft um weiterzusegeln.
Ruhe im Schiff, kein Schlagen mehr auf der Bordwand, lege mich vollkommen erschöpft nieder, schlafe drei Stunden im Tiefschlaf. Nach fünf Stunden kaum Abdrift, da Strömung nach Norden setzt. Das erste Mal nach drei Tagen kann ich Alex in die Arme schließen, ich merke wie erschöpft auch sie ist.

19.5.2008
8h Pos: 25°30 S 168°37 E, 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1014
Laut Winfried soll der Wind heute von NE auf SW drehen.
Auf der Funke mit Wolf und Doris (Nomade) geplaudert, sind auf dem Weg zu den Lousiaden, hat richtig gut getan die beiden zu hören - wirkt besser als die homöopathischen Kugerln.
13h: der Wind dreht immer mehr auf N. Segeln hart am Wind
16h: ganz erstaunlich, in den letzten zwei Stunden drei sehr heftige Squalls und der Wind hat jedesmal danach ein Stück mehr Richtung Westen gedreht. Haben die Segel bereits auf Steuerbord. Jetzt kommen die Wellen auch noch von der anderen Seite. Die Risho tanzt wild herum, aber wir können wieder segeln.

20.5.2008
8h Pos: 24°05 S 167°56 E 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1012
Wellenhöhe… will sie nicht mehr beurteilen, kommen aus zwei Richtungen, brechen auch immer wieder ordentlich. Risho geht es gut, bekommt nur öfters eine gegen den Rumpf geknallt. Unser Cockpit ist erstaunlich trocken. Noch 84 sm bis Ile de Pins, müssen Fahrt reduzieren um morgen Früh anzukommen. Finden jetzt wieder etwas mehr Schlaf, verbringen die meiste Zeit unter Deck, denn es regnet seit gestern. Hören auf der Funke, dass einige Schiffe gut auf Fiji und Vanuatu angekommen sind. Na die meisten sind vor drei Tagen los. Wir haben es auch bald geschafft, noch eine Nacht durchhalten und dann gehe ich in Krankenstand.

21.5.2008
Land in Sicht!!!!!!!
8h Pos: 22°50 S 167°23 E, 4/8 Bedeckung, Temp: 23° Baro: 1013
Ein wunderbares Gefühl, wir haben noch 7 sm bis zum Ankerplatz.

Segeln durch die Riffpassage, das Wasser ist sofort ruhig, keine Wellen mehr, herrlich. Die Insel riecht wunderbar, freue mich das erste mal wirklich, dass wir ankommen.
Es war ein anstrengender Törn, aber beim Anblick der Tropeninsel ist das alles schon vergessen. Dieser Törn geht zu hundert Prozent an Alex und Finn.
Die nächsten vier Tage genießen wir voll, ich gebe auch Ruhe. Laut meinem Admiral muss ich auch mal am Nachmittag in die Koje. Ein Kapo sollte fit sein, keine Frage, auch bei einer so guten Crew. Ich liebe die beiden!

Fotos

 

25.05.2008, Neukaledonien

Funkmail von der Risho Maru:

"Nach 6 Tagen sehr anstrengendem Segeln sind wir im sommerlichen Neukaledonien gelandet. Zur Zeit im Süden auf der zauberhaften Ile de Pins! In NZ ist es uns einfach zu kalt geworden und wir sind bei recht gutem Wetter weg, aber leider in ein zu schnell ziehendes Tief geraten. Viel, Viel Wind und Regen und große Wellen, und erstmals haben wir beigedreht, um ein bisschen schlafen zu können. Erschwerend kam dazu, dass Peter eine schwere Verkühlung aus NZ mitgenommen hatte und die so richtig zum Ausbruch kam! Also wurden wir ordentlich durchgebeutelt und die Ankunft in Neukaledonien war dadurch doppelt so schön. Hier absolut Tropen mit Frankreich vermischt. Herrliche Baguettes, Croissants, liabe Leut, bonjour, oui oui, bonne nuit! Natürlich Pinien und blaue Lagunen, aber vor allem Wärme! Herrliches Klima, tagsüber an die 25 Grad, abends schön zum Zudecken mit viel Sternenhimmel und Lagerfeuer am einsamen Strand."

Anmerkung des Webmasters: unter Bilder gibt es jetzt auch ein paar Risho Maru Videos (powered by YouTube)

27.04.2008, Neuseeland Und es herbstelt…

Ich versuche ein echter Kiwi zu sein. Segler sind ja als ausgesprochen anpassungsfähig bekannt. Also denke ich mir, dass es nach 5 Monaten an einem Platz ja wohl wirklich kein Problem sein sollte, sich den heimischen Gebräuchen und Traditionen anzuschließen. Aber, leider, leider. Ich schaffe es nicht. Mir ist einfach kalt.
Das Thermometer zeigt hier in der Koje abends um 9 Uhr 13 Grad an. Das ist mir zu kalt. Ich finde es hat zu herbsteln begonnen und das finden auch die anderen internationalen Leidensgenossen hier in der Marina in Whangarei. Aber nicht so die Kiwis. Sie laufen immer noch in T-Shirt, kurzen Hosen und bevorzugt barfuß herum.
Dem Finn ist auch heiß, aber das gilt nicht. Hat er doch einen BMX Track entdeckt und düst stundenlang seine Runden, verschwitzt und im T-Shirt.
Seit wir auf der Risho leben bin ich noch niemals dermaßen bekleidet vor dem Schirm gesessen. Dicke Trainingshose, 2 Langarm T-Shirts, eine Fleecejacke, und zusätzlich stecke ich in meinem kuscheligen Daunen Schlafsack. Hinter mir brennt eine Petroleumlampe, verbreitet viel Gestank und wenig Wärme. Heiße Dusche in der Marina hilft ein bisserl, Teetrinken ganz viel, heiße Schoko mit Rum am besten.
Warum ist den Kiwis nicht kalt?
Vielleicht weil sie von Engländern abstammen? Aber was ist mit den Maoris? Die kamen doch aus dem tropischen Polynesien dahergesegelt und müssen einen Kälteschock erlitten haben als sie hier ankamen. Aber auch sie laufen hier hochsommerlich herum. Viele Kinder barfuß. Manchmal denke ich mir, wir - die Besucher - stehen in einer anderen Klimazone. Am Abend saßen wir gestern in Rewas Yachtclub und aßen Pizza. Mir war saukalt und wir sprachen mit Michael, Segler und Architekt. Er zog sich gerade die Kapuze seines Faserpelzsweaters über den Kopf, als er uns erklärte, das die Kiwis Hausisolierungen und Wärmedämmungen jeder Art nicht anwenden.
Schotter, Sand, Boden drauf, ein paar Bretterwände, einfache Fenster. Fertig ist das Durchschnittshaus. Oder Yachtclubrestaurant. Wir schoben unseren Tisch unauffällig Richtung offenem Kamin, die Kellnerin im Spaghettiträger T-Shirt lächelte uns mitleidig an.
"Oh, another drop of rain" bemerkt die Dame an der Supermarktkasse. Draußen schüttet es aus Kübeln. "Keeps our farmers happy!" bemerkt die alte Dame hinter uns in Sommerkleid und Flip Flops.
Vielleicht fragt sich einer von euch da draußen, warum wir dann noch hier sind, keine Woche Segeln Richtung Norden ist doch wieder die süße Südsee. Gute Frage. Könnte ich beantworten mit: Noch zu früh, es könnte sich noch ein Zyklon in diese Gewässer verirren.
Was ja stimmt, aber es ist da noch was.
Freunde.
Das Schönste und Erstaunlichste an unserer Reise - und viele Segler stimmen da mit uns überein - sind die Menschen, die man trifft. Und manchmal ist es ganz egal, ob man sich nur kurz wo aufhält. Wie zum Beispiel damals die vier Wochen in den Tuamotus bei Valo und Gaston, unserer polynesischen Gastfamilie.
In Neuseeland waren wir nun 5 Monate und haben Bande geknüpft, die wohl auf ewig in unserer Erinnerung sein werden. Vielleicht, ja hoffentlich sieht man sich wieder.
Wendy und Martin, unsere Zahntechniker in Auckland, kennengelernt über Katja aus dem Marina-Laden in Opua. Beide unkomplizierte, liebenswürdige, erfrischende Menschen. Dieses Gefühl von, ich kenn die seit ewig, so als wären wir gemeinsam in die Mittelschule gegangen.
Als wir vor einigen Tagen noch für ein bisserl Stadtatmosphäre in Auckland waren, fror ich erbärmlich in der typischen wunderschönen, aber kalten Kiwiwohnung. Mit großer Sehnsucht träumte ich von einem heißen Bad, als Wendy beiläufig sagte "Hey guys, take a bath, feel at home, you want some tea?" Und so nahm die Familie Schöler mit größtem Genuss seit 3 Jahren ihr erstes knallheißes Vollbad!
Oder Schelm und Isabelle. In der Norsand Marina liefen wir uns über den Weg. Die beiden bauen dort einen Wharram Kat und so kam man ins plaudern. Tag für Tag wuchs unsere Freundschaft und jetzt nach 5 Wochen ist es schwer sich vorzustellen, sie nicht mindestens einmal die Woche zum Musikmachen, Plaudern oder gemeinsam Kochen zu treffen.
Ihnen verdanken wir auch ein wunderbares Badeerlebnis (vielleicht verbindet sie das mit Martin und Wendy?). Als es vor einer Woche mal wieder einen Tag regnete und kalt war entführten sie uns in ein Schwefelbad. Und wenn jetzt einer dabei an Loipersdorf oder ähnliche Thermalbäder denkt, weit gefehlt! Wir fuhren mit Schelms Toyota Bus eine Stunde ins Inland, kaum mehr Häuser zu sehen (was aber in Neuseeland eh normal ist), nur grüne regenverhangene Hügel und Schafe. Am Ende einer rumpeligen Schotterstrasse stoppten wir vor einem geschlossenen Backpacker Hotel. In einem alten Wohnwagen saß ein Maori, neben ihm zwei Hunde, und wies uns den Weg zu den Bädern.
Wir kamen zu einem alten Gemäuer mit 5 großen hölzernen Freiluft Pools. Die Umkleidekabinen erinnerten mich an die alte Turnhalle in meinem Heimatort, vor allem der Geruch! Holz und verschwitzte Socken! Die Bäder wirkten zwar alt, aber sauber und gepflegt. Wir stiegen in das warme, weiche, schlammige Wasser und genossen es. Auf unsere Häupter prasselte der Regen und der Schwefelgeruch verflüchtigte sich - ich denke, weil wir eben sehr anpassungsfähig sind!
Den ganzen Nachmittag badeten wir, einmal kamen 3 Maoris, dann ein Kiwipärchen, und schließlich ein alter Japaner. Hochbetrieb auf neuseeländisch!
Vielleicht haben die armen, frierenden, polynesischen Segler wegen der zahlreichen Thermalquellen nicht gleich wieder den Rückzug angetreten! Die frierenden österreichischen Segler jedenfalls waren glücklich!
Nur einem hat der Ausflug nicht gut getan. Mein Lieblingsbikini wir wohl nie wieder nicht schwefelig riechen!
Mit Antonio, unserem italienischen Freund, verbinden uns keine Badegenüsse, dafür aber kulinarische! Erst kürzlich brachte er uns wieder Parmesan aus Italien vorbei.
Er hat sich übrigens einen Katamaran gekauft und wird für einige Zeit mit seiner Familie segeln gehen. Ob das was mit uns zu tun hat?
Oft denke ich mir, hätten wir diese Reise nicht angetreten, wieviele Orte wären uns für immer fremd geblieben und vor allem wieviele Menschen, die heute soviel für uns bedeuten, hätten wir nie getroffen.
Die oben genannten, aber auch Valo und Gaston aus Tuao, John aus Suwarow, Kyra, die Wienerin in Kartagena, Gidi aus Wiesbaden, all unsere Seglerfreunde!
Und Teri. Klar, er ist nur ein Auto (sagt das bloß nicht dem Finn!).
Teri unser treuer Kumpane über die gewundenen, neuseeländischen Straßen, die Nächte mit ihm (eng aber unvergesslich), sein Blau, strahlend und charmant, sein Blubbern beim Heißlaufen.
Er trägt seit kurzem ein "For Sale" Schild im Rückfenster.
Denn bald sind wir wieder "nur" mit Schiff unterwegs. Noch einige Schoten ausgetauscht, der neue Autopilot kalibriert und Finn tobt sich noch die letzten Wochen mit seinem Flybike aus.
Finn ist ein großer Junge geworden! Hat die Weite Neuseelands genützt und ist in die Höhe geschossen. Abends nach dem Biken klemmt er sich die Gitarre unter den Arm und fetzt los.
Dass man einen Fernsehfilm nicht auf fast forward schalten kann, weiß er seit wir bei Wendy und Martin gewohnt haben, und Schelm hat ihm gezeigt, wie man einen Hobel ansetzt, Antonios Töchter ließen ihn über den kleinen Unterschied nachdenken und Teri will er am Liebsten mitnehmen.
Und so geht ein Reiseabschnitt langsam, aber sicher zu Ende. Wir werden noch die letzten Wochen hier genießen, und ich werde versuchen, der Kälte wie ein Kiwi ins Gesicht zu sehen!
Oder ich kauf mir morgen doch die Opossum Socken… sollen herrlich warm halten!

Fotos

 

18.03.2008, Neuseeland "You look like sailors" oder Frau der Fliegen

Ostern naht und diesmal werde ich meinen Ostereier-Gselchten-Striezel-Gelüsten freien Lauf lassen. Werde sogar eine Ostereiersuche veranstalten! Alle landrattischen Feierlichkeiten begehen, wie Schokohasen einkaufen im großen Supermarkt, Autofahren zum Osterkonzert in der Innenstadt und natürlich Osternesterl basteln aus echtem Gras, das gleich hinter der Risho wächst.
Ja wir sind mal wieder "On the Hard"! Die Risho ist aufgebockt auf zwei schweren Eisenträgern und erinnert mich, wie jedesmal zu solchen Gelegenheiten, an einen an Land gesetzten Schwan.
Peter trägt wieder den "in Antifouling und Farbe getunkter Overall" Grunge Stil, ich das Haute-Couture-Gemisch aus Aceton-Flecken-Fetzen-Jeans und Ex -T-Shirt-Kopftuch über traditioneller Marina-Anklatsch-Frisur.
"You look like sailors" sagte uns gestern bei einem Blueskonzert in einer typischen Kiwibar ein netter Neuseeländer. Dabei hatten wir uns echt rausgeputzt, aber die Wahrheit lässt sich eben schwer übertünchen. Tünchen, das hat Peter die letzten Tage bis zum Exzess gemacht - in unserem Navigationsrumpf. Alles in weiß. Im Klartext hieß und heißt das, wir leben mal wieder in einem Rumpf - schlafen, essen, whatever darin. Was eng ist, aber zumindest ist das Wetter stabil,... sorry,… war kurz abwesend um Handlangerdienste zu erfüllen. Leiste gegen Rumpf halten und mit Bleistift kennzeichnen, oder Farbflecken mit Terpentin von Leiste putzen, oder Klebeband von Decksfläche abziehen (blau und pickig wie die lästigen Pickerl vom Supermarkt mitten auf dem schönsten Stück Geschirr).
Jetzt sitze ich wieder da in unserem angeräumten Küchenrumpf, eingeklemmt zwischen Finns Pirates-of-the-Caribbean-Schultasche und Peters Gitarre. Vor mir ein zitterndes Fliegenbein. Was? Unser Nachbar, ein netter Kiwi mit etwas vernachlässigtem Schiff und freundlichem Hund, winkt mir durch die Luke zu, so von Schiff zu Schiff. Weiß der überhaupt, dass all die Fliegen in unserem Rumpf von seinem Hund oder besser dessen… eh schon wissen… angezogen werden? Ich winke freundlich zurück. Immer schön freundlich bleiben, müssen ja noch einige Zeit nebeneinander verbringen, und immerhin hat er der Werftleitung nicht verraten, dass wir das Antifouling staubtrocken abgeschliffen haben, anstatt vorsichtig und feucht, um die Natur zu schonen. Wie kam ich da jetzt drauf?... Natürlich, das zitternde Fliegenbein. Ich bin grausam und ich hoffe und bitte jeden Tag, dass das Universum mich nicht dafür bestrafen wird, dass ich dieses klebrige Fliegenfangband in unserem Küchenrumpf, eben fast vor meiner Nase, gerade jetzt aufgehängt habe. Es steht drauf: kein Gift, also zumindest verstoße ich nicht gegen Kiwi Umweltgesetze, aber die armen Fliegen! Sie bleiben picken und zittern sich dann zu Tode, außer ich knall ihnen eines mit dem Gasanzünder über die Birne - was ich gerne tu, denn ich hasse diese Viecher noch mehr als die Ameisen, die gleich an unserem ersten Tag auf dem Trockenen eine wunderschöne kilometerlange Strasse durch meine Küche, mein Gemüse, mein Brot gebaut haben. Habe auch sie ausgerottet. Mit kleinen Ködern aus klebriger Masse, die verführerisch nach irgendetwas riechen, das Ameisen mögen. Vergiftet leben sie noch so lange, dass sie all ihre Babys in ihren Nestern mitvergiften und so ganze Großfamilien zu Grunde gehen. Universum verzeih mir, lass mich bitte nicht als Fliege oder Ameise wiedergeboren werden. Es ist die Werft, die mich so werden ließ! In 2-3 Wochen bin ich wieder ich, nett, zuvorkommend, tierlieb, naturinteressiert. Aber im Augenblick geht's halt gerade nicht.
Finn tritt zunehmend in das "Grosser-Junge-Alter" ein und hängt Plakate über seine Küchen/Schlaf Koje: "Staff only / Closed", was sich auf die beengte Platzsituation auch nicht gerade positiv auswirkt. Manchmal flüchte ich in die Laundry und treffe auf andere staubige Seefrauen. "Sind ja eh nur mehr 3 Wochen bei dir" hör ich dann von so mancher, die schon einige Monate hier verbringt.
Der absolute Pluspunk ist das spätsommerlich österreichische Klima. Man kann ohne zu schmelzen 3 Tage lang die Außenrümpfe waschen und polieren. Unser Nachbar/Hundefreund hat mich gelobt: "Looks better everyday!" - "Oh thank you, but, you know, the flies..." - "Oh yes, the flies, what a pain… see you tomorrow..." Und weg is er…
...und ich muss auch weg. Peter braucht das Stromkabel, um den Rumpf zu schleifen und neues Sc