| Datum / Position |
Text |
| 02.07.2010,
Wien |
Gefühlsblase
Numero 5
Schulschluss!!!! Der Finn hat das erste Jahreszeugnis seines Lebens in der
Hand und ist der Held seiner Schule. Ein Erstklasser blickte ihn heute nach
der Zeugnisverteilung im Gang an, wo Finn gerade mit stolzen Eltern stand,
und hauchte: "Bist du der, der E-Gitarre gespielt hat?"
Ist er. Der Finn hatte nämlich seinen ersten Rockgitarristen Auftritt.
Man feierte das Musikfest der Singschule. Alle waren sie da, die Omis und
Mamis, Papas und Geschwister und lauschten den holpernd bis fließenden
Variationen ihrer Sprösslinge auf Klavier (Alle meine Entlein) und
Blockflöte (Fuchs du hast die Gans gestohlen), Triangeln waren fest
im Einsatz und einige Geigen sangen noch nicht ganz wie im Himmel. Und dann
passierte es. Nach konzentrierten 50 Minuten betrat der letzte "Act"
die Bühne. Ein 4. Klassler. Mit Sommersprossen und T-Shirt à
la Red Hot Chili Peppers drehte er am Verstärker und mit dem ersten
Akkord seines elektrische Ruders wummerten die Schallwellen wie noch nie
durch den sommerschwülen Turnsaal der VS Cottagegasse. Die Omis erwachten,
die Opis regulierten die Hörgeräte, die Eltern staunten. Und schlagartig
war klar: Hier wurde einem der Grössten die Ehre erwiesen. Jimi Hendrix
lebt! Der 4. Klassler ließ sich vom allgemeinen Aufruhr nicht aus
der Ruhe bringen und geigte, was das Zeug hielt. Selbst die Singschul Lehrerin
schwang zaghaft die Hüften im ungewohntenTakt. Die Schulkollegen erwachten
aus ihrem "Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach" Dämmerschlaf
und sprangen auf ihre eingeschlafenen Füße.
Die Erstklasser wussten endlich, was sie sich zum guten Zeugnis wünschten.
Nur zwei reagierten seltsam auf diesen fulminaten Auftritt. Zwei, die, an
die Sprossenwände gelehnt, sich die Tränen der Rührung aus
den Augen wischten. Hendrix und Tränen? Finn hatte gewusst, warum er
seinen Eltern den Zutritt zum Konzert nur nach langem Betteln erlaubt hatte.
"Ihr seid sowas von uncool" schnaubte er und gönnte seinem
Schulfreund, den Verstärker zu tragen.
Das Ruder gab er nicht aus der Hand und Fragen wie "Wann gründest
du deine eigene Band?" oder "Kannst du mir das auch beibringen?"
beantwortete er nicht. Welcher Rockstar gibt schon Gitarrenstunden? Das
mit der eigenen Band könnte bald klappen. Einige Klavierjungs überlegen
auf Schlagzeug umzusteigen und die Blockflöten Mädels denken an
Gesangsstunden.
Angeblich sind heut im Musikhaus Tinter die E-Gitarren restlos ausverkauft.
Und die Bewohner der Gersthoferstraße schliessen trotz Hitzewelle
die Fenster. Denn es hat den Anschein, als ob in der Gegend ein Jimi Hendrix
eingezogen ist.
|
| 02.06.2010,
Wien |
Gefühlsblase Nummer 4
Und schon wieder viel zu lange nicht geschrieben. Schreiben tu ich aber
dennoch genug zur Zeit! Die aufmerksamen Fans werden ja inzwischen wissen,
dass ich die neue Kolumnistin im Magazin OCEAN7 bin unter der Devise "OCEAN
Woman berichtet". Im DELUXE Magazin des Wirschaftsblattes erscheint
diesen Monat auch eine Rishomaru Story und jetzt gerade so zwischen Gefühlsblase
und Kolumnengedanken ziehe ich mir die (wirklich tollen) Fotos unserer
Multivisions Show rein und überlege, was für Stories wir euch
bei unseren Vorträgen zum besten geben werden.
Das alles ist ganz schön viel Arbeit, aber auch ganz schön.
Außer dass man zwischendurch leichte Sehnsuchtattacken überwinden
muss, blickt man auf Ozeanwellen, Lagunengeglitzer, ferne Menschen und
Länder.
So wie in Wien inzwischen doch der Frühling eingezogen ist (oder
so etwas in der Art) hat sich bei uns still und heimlich der Alltag eingeschlichen.
Jetzt lassen wir uns auch per U Bahn durch die Gegend schippern, schauen
an manchen Tagen genau so grantig wie der Rest, jammern ab und an über
da Wetter und freuen uns sehr auf die Wochenenden. Da hauen wir dann nämlich
meistens ab. Waren Klettern auf der Hohen Wand, Paddeln am Ottensteiner
Stausee und - man höre und staune - Segeln auf der Alten Donau! Die
nette Dame bei der Segelschule fragte nach Finns Segelvorkenntnissen.
"29000 sm rund um die Welt", meinte sein stolzer Vater. Jetzt
darf er den Grundschein überspringen und sich ab seinem 14. Lebensjahr
den A Schein holen.
Oder wir gehen Radfahren. Was letzen Sonntag in ein wahres Abenteuer ausartete.
Fuhren wir guten Mutes bei bedecktem Himmel los, mussten wir am Berg stoppen
und wurden so nass, wie zuletzt bei der Überfahrt nach Neuseeland
oder beim Monsunregen in Indonesien. Wir standen dann irgendwann oben
in Pötzleinsdorf unter einer Veranda, neben uns 4 Herrschaften auf
dem Weg zu einem Sonntagsbrunch. Alle waren recht aufgeregt. Es donnerte
und schüttete und wahre Sturzbäche flossen die Straßen
hinab. Einer der distinguierten Herren zitierte Asterix auf Latein und
murmelte, was das doch jetzt für ein schönes Abenteuer wäre,
das hier im Trockenen stehen und warten und nicht weiterkönnen. Die
Dame in der Gruppe zog ihren trockenen Frühlingsmantel fröstelnd
enger und blickte mitleidig auf die drei an der Hausmauer lehnenden waschelnassen
Gestalten. Aber die drei sahen irgendwie heiter aus! Lachten und irgendwas
brabbelte der ungefähr 10 jährige Junge von Monsun und Indonesien.
Die Frau neben ihm - den Sommersprossen nach zu schließen offensichtlich
seine Mutter - meinte, es wäre klug, sich die Geldtasche und die
Autoschlüssel in die Unterhose zu stecken. Was der Mann - offensichtlich
der Vater - prompt tat. Dann blickte der Kapitän, pardon Mann, in
den Himmel und statuierte "Das schaut nach kurzer Regenpause aus
-wir wagen es." Und die drei Verrückten fuhren los, genau dorthin
wo sich die nächste graue Wand aufbaute. Aber - sieh an - tatsächlich
regnete es exakt 20 Minuten nicht. Die Herrschaften warteten wohl zu lange
und als sie tropfend beim Brunch ankamen, wird sich die Frühlingsmanteldame
wohl gedacht haben "Woher wusste der Typ, dass es eine Regenpause
geben würde?"
Naja, das ist zum Beispiel eines von den Dingen, die man gut kennenlernt
auf einer Weltumsegelung: das Wetter. Mit dem Schiff wäre der Peter
am Morgen nicht losgesegelt. Aber mit dem Rad! Und es war ja keine Nachtfahrt
geplant. Und Regen hin oder her -es war doch ein bisschen Abenteuer an
diesem trüben Sonntag!
Die Schuhe stehen heute noch mit Zeitungspapier ausgestopft am Balkon.
"Wenigstens war es kein Salzwasser, dann könnten wir sie nämlich
wegschmeißen" meinte der Junior Kapitän und widmete sich
weiter seinem Sternenzerstörer. Na bitte, wenigstens ein guter Grund
nicht am Boot zu leben! Stinkschuhe. Ich musste aber kontern, denn am
Schiff hätten wir die Crocs angehabt und die stinken nie. Weil am
Schiff kann man nämlich ganzjährig Crocs anziehen, und zumindest
auf unserer Route hatten wir nie kalte Füße. Kann man sich
das vorstellen... GANZJÄHRIG keine kalten Füße?!!!! Ich
denk da jetzt lieber nicht weiter und geh schreiben. Und für meinen
Schüler geh ich schnell kochen.
Wieder so eine Fertigkeit vom Weltumsegeln. Schnell muss es gehen. Wer
will schon bei Wellengang lange in der Kombüse stehen? Oder im Alltag
in der Küche? Hey, vielleicht sollte ich ein Schnell-Kochbuch schreiben,
dann hätten die Leute mehr Zeit zum Radeln und Abenteuererleben.
Aber ein Risiko bleibt: man könnte sich kalte Füße holen!
|
| 26.01.2010,
Wien |
Gefühlsblase Numero Dreieieieieiei
So, der Jänner ist da!
Also die Ferien waren wirklich
vom Feinsten. Zuerst weihnachtliche Steiermark mit allem Christkindl,
Truthahn, Vanillekipferl Drum und Dran. Danach Mondsee bei Peters Schwester
Andrea, mit Sivesterfeuerwerk und frühlingshaften Spaziergängen.
Und die VERAS waren auch da. Schon komisch Segelfreunde so fernab des
Schiffes zu treffen. Zuerst erkennt man sich ja kaum hinter all den Daunenjacken,
Wollmützen und Schalverkleidungen. Etwas bleicher, aber haarfarbmässig
weniger ausgebleicht. Aber dennoch voller Witz und Charme genossen wir
unsere Berliner Michi und Britta.
Zuletzt hatten wir einen stürmischen Abend im Roten Meer, versteckt
hinter dem Riff verbracht. Und Jetzt saßen wir im gemütlichen
Haus von Andrea vor dem Kaminfeuer, und rieben uns die vom Spaziergang
über den Berg nach St.Wolfgang schmerzenden Haxn.
Dass die beiden die rapide Lebensveränderung vom Segelabenteurer
zum Stadtindianer gut überstanden hatten, war klar, natürlich
jammerten wir ein bisschen über graues Wetter und frühes Aufstehen,
aber im Grunde waren wir alle lebensfroh und heiter. Andreas Freunde dürften
wohl etwas überrascht gewesen sein, als ihnen gleich 2 Weltumseglerpaare
vorgestellt wurden, dann saßen diese Abenteurer halb verschlafen
vor dem Fernseher und schauten Robin Hood.
Michael meinte, wir machten keinen besonders aufregenden Eindruck, aber
so war das eben, wenn man zu Hause keinen Fernseher hatte, wir alle mussten
doch einiges nachholen! Wir haben übrigens nach wie vor keinen im
Haus. Sind da wirklich froh! Es geht uns nichts ab, was man nicht auch
im Internet finden könnte. Und brauch ich ein bisserl das "vorm
Fernseher abhängen", vor allem wenn ein Berg Bügelwäsche
droht, dann hocken wir drei wie auf der Risho zu dritt vor dem Computerbildschirm
und schauen eine DVD.
Aber ich war fleißig, wenn auch nicht gerade homepagemäßig,
was mir ein eingefleischter Logbuchfan zurückhaltend vorwarf. Mea
Culpa - aber ich hab eine super Ausrede!
Das Risho Maru Buch ist fertiggeschrieben. Die Rohfassung liegt vor mir
im Computer und wartet darauf, durchgearbeitet zu werden. Der Verlag wartet
auch darauf, also kann ich getrost weiterhin ein schlechtes Gewissen pflegen!
Der Peter sitzt vor dem Berg von Fotos und versucht Ordnung zu machen.
Alle Videos sind auch bereits gesichtet und das machte echt Spaß
und furchtbares Fernweh!
Welches wir mit Wochenendausflügen kurzfristig vertreiben! Der Finn
lernt gerade Schifahren und von Loosenheim bis zur Hinteralm wackeln die
Pisten von seinem Enthusiasmus und Herzklopfen.
Mir sind vor allem die Zehen eingefroren, und ich frage mich, wie ein
derart umständlicher, kalter, aufwendiger Sport es soweit bringen
konnte. Kalte Ohren, taube Finger, nach einer Stunde die Sehnsucht, meine
Zehen in warmen Sand zu stecken. Aber dann plötzlich kam die Sonne
hervor und der weiße Schnee glitzerte wie verrückt. Die weißgepolsterten
Äste streckten sich in den blitzblauen Himmel und die Sonne wärmte
meine Nasenspitze und ich dachte "Schon, schön. Mhmm!"
Gut ist natürlich auch, die Seenomaden, Wolf und Doris, nicht weit
weg zu wissen. Da rufen wir uns alle paar Tage an, jammern ein bisserl,
blödeln, bauen uns auf und das Leben sieht schon wieder besser aus.
Und die Ehrnhofers natürlich mit Kind und Kegel, die wie ein Wirbelwind
daherfegen und stets voll Energie und Aktion sind. Der Hari, der bereits
die ersten Risho Maru Lieder kennt und ganz wunderbar per Schlagzeug begleitet.
Und zum Dinner kommt, um über Leben, Liebe und Computer Auskunft
zu geben. Natürlich war für Finn der Besuch bei Onkel Isi in
Röhrabrunn das Highlight in den ersten Tagen des Neuen Jahres. Modellzüge
soviele das Herz begehrt! Wir saßen im entzückenden schwedischen
Saltettl im Wintergarten, aßen Szegediner Gulasch und sprachen über
Gott und die Filmwelt. Und jetzt ist da wieder so ein Montag, ich bin
beim 3. Capucciono - eine Leidenschaft, die selbst nach unserer Reise
unverändert anhält. Wobei ich natürlich mit neuer Espressomaschine
vom Christkind - nein keiner George Clooney mäßigen, sondern
einer hundsnormalen, die man noch auf den Ofen stellen muss - meine Kaffeesucht
nicht gerade überwinden werde. Macht ja nix! Hab ja festgestellt,
den besten Kaffee der Welt gibt es in Italien und den zweitbesten in Wien.
Das ist ein unglaublich großer Trost! An grauen Montagen und bei
Rohfassungen, die bearbeitet werden wollen.
Mist, der Kaffee ist aus... na gut, dass ich jetzt nicht am Pazifik bin.
Andererseits dort hätt ich jetzt sicher keine kalten Füße.
So long. PAF
|
| 14.12.2009,
Wien |
Gefühlsblase Numéro
deux
Hab gerade Rumkugeln gekugelt und ein Lebkuchenhaus fertig verziert. Wie
jedes Jahr - das Lebkuchenhaus, jaja auch in den Tropen, wurde weihnachtlich
gebacken und geziert, genascht und aufs Christkind gewartet. Das Lebkuchenhaus
bog sich zwar meist in der Luftfeuchtigkeit durch und blieb nur mit Zahnstochern
fixiert stehen. In Tobago, auf den San Blas Inseln, in Neuseeland und
in Thailand. Das Lebkuchengewürz hatte ich für all diese Jahre
mitgenommen. All die Jahre...
Und, ehrlich gesagt, dachte ich früher immer, wie furchtbar öde
so ein Weihnachten in den Tropen seid würde, und jetzt stelle ich
mit Schrecken fest, dass ich so gar nicht weihnachtlich eingestellt bin,
obwohl ich Schneeflocken vor dem Fenster sehe und Glitzerschmuck in den
Straßen.
Was ist bitte los?
Vielleicht liegt es daran, dass ich seit einer Woche die Wohnung nur sporadisch
verlassen habe, da sich sowohl Captain als auch Junior Captain die Grippe
eingefangen haben. Noch ist kein Rüssel gewachsen, aber eine Woche
flach zu liegen, fiel den beiden auch nicht gerade leicht.
Peter ging einige Abende zu Bett, als müsste er sich für eine
Nachtwache auf der Überfahrt nach Neuseeland bereitmachen: Mütze,
Schal, Pullover, dicke Fließhose. Die Nachtwachen übernahm
dann doch ich - Aspirin lösend, Essigpatscherl machend und Wasser
bringend. Machte ich gerne, weil ich auch froh war, nicht auf einer Überfahrt
zu sein , einfach nur in der Wohnung, mit Hausarzt vor der Tür und
Apotheke nebenan. Sicher, das war gut. Bis zu dem Augenblick, wo ich beim
Buchschreiben das Kapitel Thailand begann. Vor einem Jahr saßen
wir dort am Strand in Tropenwärme und aßen Curry. Die Sonne
versank pink im Indischen Ozean und das Leben war leicht. Sicher hab ich
das Bauchweh vor dem Roten Meer nicht vergessen. Aber es war dennoch leicht.
Werde jetzt nicht anfangen herumzusudern, aber, ehrlich gesagt, die Kälte
und die Dunkelheit hierzulande macht uns ordentlich zu schaffen. Früher,
vor der Reise, war das auch nervig, aber jetzt, mit dem Wissen dass da
irgendwo draußen die Sonne scheint und man barfuß unterwegs
ist, nein ich darf nicht daran denken. Weihnachten in den Tropen... wie
herrlich das war. Da sieht man wieder: so eine Reise verändert einen
schon sehr!
Aber ich sollte wirklich die positiven Seiten hervorheben.
Zum Beispiel: das Lebkuchenhaus steht starr und still, und die Butter
ist nicht salzig, ranzig.
Die ersten Schneeflocken auf der Nase waren echt schön, wenn auch
echt kalt. Der Finn fragt, ob es Strumpfhosen für Kinder gibt, und
ich habe kapituliert und trage jetzt doch Strumpfhosen unter der Hose.
Tja. Die Seenomaden machen ein Hüttenfest, und die Veras aus Berlin
treffen wir nach Weihnachten zum Schifahren. Und mit Laura von den Sabbaticals
haben wir geskyped. Sie frieren sich den Popo in Boston ab, nachdem sie
gerade ihr Schiff in Australien eingewintert haben.
Ian von der Afriki bleibt ein Jahr auf den Kanarischen Inseln. Und Jasper
und Astrid von der Antares heizen den Dieselofen auf der Antares in Amsterdam.
Der Peter und der Finn schneuzen sich im Duett und ich geh zum DM Taschentücher
kaufen.
Das Leben geht weiter. Und ich werde nicht sudern, ich werde nicht sudern,
oh nein, ... oh nein, oh nein, ... oh du Fröhliche...
SCHÖNE WEIHNACHTEN AN ALLE DA DRAUSZEN!
OB IN TIROL, PALMAS, BERLIN, FIJI, NIEDERÖSTERREICH, NEUSEELAND,
TÜRKEI, SALZBURG, THAILAND!
DAS CHRISTKIND FINDET ÜBERALLHIN - DAS WISSEN WIR GANZ SICHER!!!!!!
|
| 23.11.2009,
Wien |
Ode
an den Blinden Passagier oder "Gefühlsblase Nr. 1"
Die diese Homepage die letzten
5 Jahre brav studiert haben, dürften in die Geheimnisse der Risho
Maru recht gut eingeweiht sein.
Aber doch, passend zur langsam näherrückenden Christkindlzeit
hier noch eine Enthüllung!
All die Jahre hatten wir einen Blinden Passagier an Bord! Der war gestern
sonntags ganz offiziell bei uns zum Frühstück .
Denn, wie es so ist, bleiben Blinde Passagiere - sind sie gute Blinde
Passagiere - verborgen. Sie haben sich ihr Plätzchen am jeweiligen
Schiff ausgesucht, und dank der herrvorragenden Computerfortschritte kann
dieses Plätzchen durchaus ein Virtuelles sein.
Unseren blinden Passagier vermuteten wir immer in der Segelkammer. Weiß
nicht so genau warum. Der Peter hatte mal erwähnt, dass derjenige
einmal sogar ganz offiziell auf der Risho geweilt hatte und wegen eklatantem
Platzmangel in die Segelkammer ausgewichen war, was ihm wirklich keinerlei
Probleme machte, nein sogar mit einer stillen Freude erfüllte, da
er eine eigene Kajüte ganz für sich hatte. Gebettet auf Sturmfok,
Ersatzgenua, Gennaker und kuschelweichem Spinnaker träumte er von
den Ozeanen dieser schönen Welt. Und sieh an, seine Träume erfüllten
sich und dieses Schiff, diese Risho Maru, die ihm offensichtlich viel
Freude in sein Leben gebracht hatte, segelte um die Welt.
Er, der Blinde Passagier, zurückhaltend und bescheiden wie er von
Natur aus ist, wollte nicht aufdringlich sein und übernahm die Segelkammer,
wie gewohnt. Denn der Platzmangel war auf einem Wohnschiff noch größer
als auf einem Urlaubsschiff. Zwar war sein Plätzchen eng geworden,
waren zu den Ersatzsegeln noch Taue, Segelstoff, Neoprenanzüge dazugekommen,
aber dafür, wenn er schnell und heimlich seinen Kopf aus der Segelkammer
steckte, sprühte ihm die Gischt des Atlantiks ins Gesicht oder ein
fliegender Fisch aus dem Pazifik brachte Abwechslung in sein tägliches
Mahl. Es wurde schon recht ruppig an manchen Tagen , da vorne und durch
die Fugen des Segelkammerdeckels drückte sich manchesmal etwas Salzwasser,
befeuchtete sein Haupt. Wellen trommelten Südseerhythmen auf dem
Lugdeckel, aber es war die Südsee! Der Blinde Passagier schlich sich
in so mancher Tropennacht an den Strand, atmete dann Landduft ein, schnappte
sich ein paar Kokosnüsse und andere Südseegeheimnisse, und kaum
graute der Morgen war er wieder in seinem Nest und freute sich auf das,
was noch vor ihm lag.
Regelmäßig schickte er unverfängliche Mails an die Crew
der Rishomaru, erzählte vom Wiener Winter, den ungeliebten Punschstandeln,
der nervigen Fussballmeisterschaft, aber auch von der Apfelernte im Garten
der Eltern oder seinem VW Golf der leider zwischen zwei Kotflügel
eingequetscht nach 20 Jahren seinem Abschied nahm.
Der Blinde Passagier war natürlich über die Vorgänge auf
der Rishomaru stets besten informiert. Er wusste, dass Webmaster Hari
Guzzi-Fan ist, dass Neuseeland beinahe zur zweiten Heimat der Rishos wurde,
dass Finn mehr und mehr vom Kleinkind zum großen Buben heranwuchs,
aber auch dass Internetcafes in Sri Lanka Mangelware waren.
Und dass die Weltumsegler sich schon bei ihm melden würde, wäre
der erste Ankommensstress abgeklungen. Er hatte recht. Mit sehr schlechtem
Gewissen wählten wir endlich seine Nummer, wobei er ja irgendwie
doch immer mit uns in Verbindung gewesen war . Ein sonntägliches
Frühstück wurde fixiert.
Seine erste Frage galt dem Schiff, bevor er noch den Milchschaumturm (kreiert
mit dem Milchschäumer aus Neuseeland - ob er von dem auch wusste?
aber sicher!) auf seinem Cappuccino lobte. Das Schiff, war es wohlbehalten
in der Marina, alle Kojen gut eingewintert, auch die Segelkammer?
Natürlich, alles bestens. Die paar Riffkratzer halb so schlimm. Gehört
dazu, meint der blinde Passagier, wusste er doch genau von den Gefahren
und Abenteuern dieser Reise. Die Kratzer, das sind so wie bei uns die
Falten!
Und dann löffelte er seinen Milchschaum und irgendwie sah man ihm
an, dass er bereit wäre für die nächste Runde.
Denn wenn er auch ein Blinder Passagier war, war er nicht blind für
die Schönheiten dieser Welt!
Und weil er uns so treu gewesen ist und bald das Christkind kommt, werden
wir ihm einen Wunsch erfüllen, unserem Wulf, den wir sehr gerne auf
der Risho als Blinden Passagier hatten! Und auch gern beim Frühstück
in Gersthof!
Er wünscht sich "Gefühlsblasen" der Rishomaru Crew
auf der etwas vereinsamten Homepage. Gefühlsblasen aus dem alten
Wien, aus den Hirnen der Heimgekehrten Weltenbummler. Ist notiert! Wird
gemacht.
Und hier die erste dieser Serie!
"Gefühlsblase Nr.
1" - Sonntag, 22. November
Hab Halsweh. Waren wunderbar
mit den Ehrnhofers auf der Hohen Wand wandern. Das tat ziemlich gut, auch
wenn der Hüttenwirt 3 Stunden für unsere Schnitzel brauchte
und wir die schönsten Sonnenstunden in der staubigen Gaststube saßen.
Hoffentlich krieg ich nicht die Schweinegrippe. Fängt die nicht auch
mit Halsweh an? Kann man sich die in staubigen Almhütten einfangen.
Oder hab ich mir nach dem Klogang die Hände nicht ordentlich gewaschen?
Seit ich täglich die Zeitung hier lese, fühl ich mich ziemlich
bedroht. Von sämtlichen Grippen und anderen Katastrophen. Das Leben
in Wien ist laut Zeitung offensichtlich gefährlicher als eine Fahrt
durch den Golf von Aden. Dem Finn ist das wurscht. Hat einen Einser auf
die Matheschularbeit. Und ich machte mir 4 Jahre Sorgen um seinen Schuleinstieg
in Wien! Inzwischen mach ich mir eher Sorgen um den Schuleinstieg der
Eltern der Schüler, die im nächsten Herbst ein Gymnasium besuchen.
Am Tag der offenen Tür eines Gymnasiums in unserer Nachbarschaft
bewunderte ich die Direktorin ob ihrer Geduld und ihres Durchhaltevermögens,
als sie Fragen der zukünftigen Schülereltern beantwortete. Ich
fühlte mich wie im Kindergarten. Ich, umgeben von dreijährigen
Eltern. Die Direktorin stellte klar, dass mit einem Dreier im Jahreszeugnis
der Eintritt in ein erwünschtes Gymnasium schwer bis unmöglich
sein würde. Darauf Frage einer Mutter "Kann man mit einem Dreier
in das Gymnasium seiner Wahl eintreten?" - "Nein. Kann man nicht."
- "Und wenn das Kind 2 Dreier hat und eine Legastheniebescheinigung?"
- "Nein. Kann man nicht" - "Das dachte ich mir" feindlicher
Ausruf der Mutter. Die Direktorin schluckte und versuchte den Eltern klarzumachen,
sich bitte für die Hausaufgaben der Kinder auch im Gymnasium noch
zu interessieren.
Ein Handy klingelte. Der Mann neben mir schaltete irgendwas an der Tastatur
herum. Sein Gymnasiumsanwärter-Sohn saß neben ihm. 5 Minuten
später läutete das Handy wieder. Diesmal hob er ab.
Die Direktorin schluckte und erklärte freudig, das seit 2 Jahren
statt Latein, Französisch in der Dritten Klasse angeboten wird.
"Und was ist mit Chinesisch und Russisch?" fragte der Handy
Vater. Inzwischen spielte sein Gymnasiumsanwärter-Sohn ein Computerspiel
am iPhone. Der Finn flüsterte mir ins Ohr "Die ist nett die
Direktorin. Ich mag da in die Schule gehen." "Dieser Schauspielkurs,
hat das was mit Theater zu tun?" fragte eine Mutter mit Kleinkind
am Schoß. "Ja, mit Theater." - "Bei unserer Kleinen
ist es zwar erst in ein paar Jahren so weit, aber wir wollen uns gut informieren"
dabei tätschelte sie das Gymnasiumsanwärter-Kleinkind , das
gerade mit Mamas Handy den Schultisch demolierte.
Peter stand mit glasigem Blick neben mir. Ich glaub, er war gerade in
der Südsee. Wir trotteten in den Keller der Schule, wo gerade die
Schulband sich abdröhnte. Gar nicht schlecht die Jungs und Mädls.
Wirkten ganz normal. Die Schule musste gut sein, denn die Lehrer dürften
die Eltern gut im Griff haben.
Vielleicht sollte ich eine Schule für Eltern von Schülern gründen?
Mit Russisch und Chinesisch als Wahlfach und Schauspiel- und Harvard-Vorbereitungsseminaren,
einem wöchentlich geblocktem Modul für BWL und Jus. Dann könnten
die Schüler in Ruhe ihr Schulleben genießen und Englisch und
Latein lernen, und Bass spielen in der Schulband.
So, ich geh jetzt eine Runde in den Park, joggen. Aber vorher informiere
ich mich über Zwischenfälle in Parks im 18. Bezirk in den letzen
2 Wochen. Sicher ist sicher. Aber im Notfall kann der Peter mich ja mit
dem GPS am Handy orten, wenn ich einen Notruf aussende.
Ach was, ich lass das Handy zu Hause. Gegen Schweinegrippeviren haben
sie da ja noch nix eingebaut, oder doch?
|
| 20.11.2009,
Wien |
Seit
19.11.2009 ist die Ausgabe 11-12/2009 des Magazins Ocean
7 im Handel, da drinnen ist von uns die 10 Seiten Story "Wie es
ist, Weltumsegler zu sein".
|
| 21.09.2009,
Wien |
In
Wien und rundherum
Der 2. Monatstag der Heimkehr
ist gerade vorbeigegangen. Draußen grau und grauslich. Uiuiuiuiu.
Das ist, was wir gar nicht hier mögen, aber natürlich haben
wir es erwartet und natürlich mögen wir es trotzdem nicht. Das
graue, kalte, Wiener Wetter! Suder, suder, suder... Schluss damit!
Ich schreib jeden Tag am Vormittag schön brav am PAF Buch, das ja
bitte unbedingt ein Bestseller werden soll. Was haben wir für grandiose
Abenteuer erlebt! Gerade war ich wieder mal dabei, den Pazifik zu überqueren.
Na der Autopilot geht mir hier sicher nicht ab. Aber sonst so richtig
alles. Das laue Lüftchen, die Blumen der Südsee, das Licht.
Am Wochenende haben wir unsere lieben Seenomaden abgeholt in Slowenien.
Da schien die Sonne wenigstens, die Bora blies und wir schliefen wohlig
auf der Nomad, die schon das 2. Mal die Welt umsegelte und die jetzt zu
Hause ist, wie unsere Risho. Der Risho haben wir natürlich in Italien
auch einen Besuch abgestattet.
Da steht sie, der schöne Schwan an Land. Riecht so gut und heimelig
wie immer. Der Kurt war auch da und hat auf seinem Schiff gearbeitet.
Sonne schien. Richtige Marinastimmung wie in Neuseeland.
Die Seenomaden Doris und der Wolf sind braun und fesch, und wir haben
versucht, ihnen die Heimfahrt ein bisserl zu versüßen. Neapolitaner
Schnitten, Ö1, Erzählungen von bunten Herbsttagen in den Bergen.
Der Wolf hat sich dann am ersten Tag in Wien gleich drei paar Bergschuhe
gekauft!
Und noch am selben Abend trafen sich in einem Wiener Beisel gleich 5 Paar
Weltumsegler. Die Uhurus, die Idemos, die Cocos, die Seenomaden und wir
schauten sich wissend an, nippten am Apfelsaft gespritzt und plauderten
möglichst locker, alle die Sorgen und Bauchwehs außer Acht
lassend, die das Landleben nun einmal bringt. Gemeinsam sind wir stark!
Bei den PAFs zu Hause unterhielt sich Finn blendend mit seiner Ex Babysitterin
Lisa, die er in punkto Schuhgröße schon weit überholt
hat. Vielleicht überraschen wir die beiden demnächst beim Candlelight
Dinner und habens dann auch kapiert, dass der Junge groß geworden
ist.
Der Finn geht ja in die Schule und zwar mit größtem Vergnügen.
Noch immer! Er hat diese ganze Umstellung wohl am besten geschafft. Ich
hab mir die größten Sorgen gemacht, da sagt mir jetzt der junge
Mann "Mama, geh weg, ich mach meine Aufgabe allein, du bist nicht
mehr meine Lehrerin" So schnell geht's. Warte auf den Tag, wo er
mich aus der Wohnung schickt, weil seine Freundin zu Besuch kommt.
Der Peter und ich sind verschnupft und suchen jeden Tag die noch wärmeren
Jacken heraus. Hoffe es wird nicht noch kälter, ich kann doch nicht
jeden Tag mit Angora Schiunterwäsche verbringen!
Schifahren! Der erste Schnee ist uns hier ja auf die Nase gerieselt und
am Semmering war alles angezuckert und der Finn fand das voll schön.
Überall rundherum um Wien, in alle Himmelsrichtungen verstreut, warten
Familie und Verwandte allwochenendlich auf uns. Überall sind wir
eingeladen, werden verwöhnt, bekocht, bemuttert.
Vielleicht sieht man uns eine gewisse Müdigkeit, Verwirrtheit an,
die das plötzliche Stadtleben mit sich bringt.
Aber auch in der Stadt sorgt man für uns. Die Karin Graser kam mit
einer Willkommensschlagoberstorte mit Spritzkerze, die Betty mit Kopfmassagegerät,
die uns das Leben versüßen sollen, die Ama machte 3 Riesengläser
Mariellenmarmelade, und der Hari lichtet für uns nach wie vor den
Computerdschungel. Die Ehrnhofers haben uns schon mehrmals kulinarisch
und seelisch in ihrem schönen Heim in Seebarn versorgt.
Der Finn hat endlich sein Bett- und der Beweis ist erbracht, dass, selbst
wenn man eine Weltumsegelung geschafft hat, man noch lange kein Ikea Spezialist
ist. Der Peter fuhr 3 Mal wegen Falschkäufen hin. Für Drehstuhl
Rune war der Drehteil Jule nur für Junioren bestimmt und der Lattenrost
Ture nur für Senioren. Peter hätte Dörre nehmen müssen,
der wiederum lag falsch beim Junior Snorre. Naja. Man lernt ein Leben
lang, oder? Haben dann doch herausgefunden, wie man den Gratis Familycard
Kaffee bei den neuen Automaten im Restaurant macht. Und irrtümlich
Teelichter mit grausigem Vanille Duft gekauft. Passen aber gut zu den
neuen Ikea Gläsern - leider mit leicht Rosa Stich - lagen irrtümlich
bei den Farblosen.
Manchmal frag ich Peter, wo er das Schiff geparkt hat und er sagt dann,
das Auto steht da und da. Viel Musik erschallt in unseren vier Wänden,
die Nachbarn freut's, sie meinen es ist wieder so, wie es mal war. Aber
ist es wirklich so?
Hm. Nein, Leute, ist es nicht. Aber das war nun wirklich zu erwarten.
Und wir schaffen das, wir sind stark, wenn auch verschnupft, und wir arbeiten
daran, unsere Reise bald allen da draußen in Ton und Bild und Buch
zu zeigen. Denn der Pazifik ist wirklich wunderschön und das Licht
der Südsee sowieso. Und manchmal, wenn dann im Türkenschanzpark
die Sonne auf die goldgelben Blätter scheint, dann fühlt man
sich ein bisserl mehr angekommen in diesem alten, neuen Zuhause.
Eure PAFs
|
| 24.09.2009,
Wien |
Es
gibt jetzt einen Menüpunkt FAQ
(Frequently Asked Questions) mit Antworten auf die Fragen, die Ihr immer
schon mal stellen wolltet! |
| 17.09.2009,
Wien |
Hier
der Beitrag über PAF, der am 14.9.09 im Ö3-Wecker gelaufen ist:
PAF_im_OE3_Wecker_20090914.mp3 |
| 14.09.2009,
Wien |
PAF
in Wien oder Wir sind nämlich neu in Österreich
Wir sind wieder zu Hause in
Wien.
Die Welcome Party in der Stella in Italien war LEGENDÄR!!!!!!.
Mit Pauken (Peters Neffe) und Trompeten (Peters Bruder), mit Bildern und
Plakaten geschmückte Anlegestelle (Peters Nichten), mit gedeckten
Tischen und Weltumseglermenu (Organisation: Mama und Schwester von Alex),
mit professionellen Filmkameras (Alex Bruder) und allem Tam Tam wurden
wir angefeiert. Sogar ein Feuerwerk wies uns den Weg zur Anlegestelle.
Mit Küssen, Liebe und Geschenken wurden wir überhäuft und
auf Armen getragen.
Überraschungsgäste erwiesen uns die Ehre (Der König von
Kartagena!!!), man machte uns die Heimkehr schmackhaft mit Tiroler Speck
und Kaas, Milka Schokos, Sachertorte, H und M Gutscheinen, Wien Stadtplan,
Geschenktem Kurierabo, Wiener U-Bahnfahrscheinen, zahlreichen selbstgemachten
Mariellenmarmeladen .
Peters Schwester Karin zückte ihr gerade zu unglaublich grandioses
Geschenk für uns: PAFs Abenteuergeschichten von der Homepage, gebunden,
mit allen Fotos und Blauwasserartikeln!!! (Ja, Leute! Ich sitze bereits
täglich und schreibe das Buch "PAF und die Abenteuer einer Weltumsegelung"!)
Ein bisserl hatte das ganze Fest etwas von einer großen Hochzeit.
Familienmitglieder trafen sich erstmals. Freunde lernten Familien kennen
und umgekehrt. Mit jedem redet man nur ca. 5 Minuten - aber das lässt
sich ja schon bald nachholen!
Neue Babys drückten wir an uns (Ilvy die Süße und Fabian
den Charmanten), über ehemalige Babys staunten wir, weil sie bereits
in die Schule gingen oder die Risho unsicher machten.
Buben waren junge Männer geworden, Mädels junge Frauen, hie
und da ein Schopf etwas grauerer Haare, aber vorwiegend Lachen, Freude,
Begeisterung.
Es war sooooooooooo schön!!!
Der Finn versteckte sich zwar ob des Rummels bei der Einfahrt hinter dem
Mast - soviel Verwandtschaft auf einem Haufen gab es ja schon lange nicht
und, meine Güte, es ist halt soooooo peinlich im Mittelpunkt zu stehen!
Wir schwebten auf Wolken, feierten die Nacht durch und den Vormittag.
Dann Abschiede - aber keine langen mehr! Wir sehen uns wieder und zwar
bald! Herrlich!
Die Risho wurde tagsdarauf herausgehoben. On the Hard. Die Taschen gepackt,
Dank vieler leerer Autos aus Wien und aus dem Rest Österreichs schafften
es alle unsere Sachen in die Gersthoferstraße. Und wir bis in die
Steiermark (Danke Franz und Hiroko).
Mehrtägiger Zwischenstopp in der Steiermark bei meiner Mama, Schwammerlsuchen,
Würstlessen, Leberkäse für Finn, Opipiknödl, eingeladen
in wunderschönen Gärten zum Essen, spazieren in Wald und Wiese,
der ach sooo grünen Steiermark.
Beim Spar in Peggau bei der Trafik wollten wir dann eine SIM Karte fürs
Wertkartenhandy. "Hamma nicht. Vielleicht aufd Graz oder bei da Post"
- "Okay Danke, wissen Sie, wir sind nämlich neu in Österreich"
entschlüpfte es mir. Das Fräulein umrahmt von Kleiner Zeitung
und Steirerkrone starrte Peter und mich etwas irritiert an: "Aha."
Aja Kleine Zeitung - als waschechte, frischgebackene steirische Weltumseglerin
krönte man mich zur Steirerin des Tages und die nette Frau Carmen
von der Redaktion schrieb einen schönen Artikel über uns. Wir
sind berühmt! (Danke Margit!)
Aber selbst Berühmtheiten müssen wieder ins Alltagsleben zurück
und so borgte uns Schwägerin Synnova ihren Kangoo (Danke! Danke!
Danke!) und wir machten uns auf nach Wien.
Wieder Zwischenstopp - diesmal in Ternitz beim Franz, um das absolut endgültige
Ende dieser Reise noch ein bisserl hinauszuzögern. Selbstgebackenen
Apfelkuchen in allen Variationen unter dem Nussbaum genossen, und schließlich
doch ab auf die Südautobahn.
Wien hatte beschlossen, uns in seiner schönsten Pracht mit schimmerndem
Abendlicht zu begrüßen. So als wollte es sagen: "OK, ihr
kommt zwar jetzt nicht per Schiff und ich bin keine Südseeinsel,
aber ich bin wunderschön und bereit euch wieder aufzunehmen, und
ihr brauchts nicht einmal zum Zoll und zur Immigration und Marina könnts
euch auch sparen. Also machts keinen Spompanadln und schauts euch den
Ankerplatz in der Gersthoferstraße an!"
Da waren wir dann. Die Sonne wurde von den Gebäuden verschluckt,
in der Dämmerung kam zufällig unser Nachbar Karl per Rad daher
und traute seinen Augen nicht, als er sich dem Haus näherte! Die
Segler waren tatsächlich wieder da! Prosecco!
So saßen wir also am ersten Tag in Wien nach 4 Jahren im Wohnzimmer
unserer Nachbarn Karl und Andrea und stießen auf unsere Rückkehr
an!
Am nächsten Tag wusste Gersthof bescheid - von der Trafikantin bis
zum Fleischhauer - die Schölers sind wieder da!
Und bis heute haben wir erst ein Mal in der Wohnung gekocht. Jeden Abend
lädt uns jemand zum Essen, es gab schon Lammkeulchen bei Barbara
und Klaus, Hühnerkeulchen in Seebarn bei Karin und Mario, Grill in
Pötzleinsdorf bei Franzi, Maccheroni bei unserem Webmaster Hari,
Heurigen da, Kebab dort. Natürlich Burenhäutl beim CA Würstelstand
und Fleischbällchen beim Ikea auf der Suche nach einem Bett für
Finn, Kalbseintopf bei Kurt und Ani, Gartenfest beim Patenonkel Isi, Frühstück
mit Nichten und Tanten beim Rathaus, viele Telefonate, viele Geschichten,
viele Begegnungen.
Und die Schule?
Der Finn geht seit einer Woche in die 4a und seine Direktorin hat ein
Segelboot am Neusiedlersee.
Seine Lehrerin findet er sehr nett, es gibt da den Ali, den Bernhard,
die Barbara, die Hanna, den Osman - alle aus seiner Klasse.
Ich hab schon die falschen Schulbücher eingebunden und vergessen
das Mitteilungsheft zu unterschreiben - auch den Notproviant für
einen möglichen Strahlenalarm muss ich erst besorgen (vielleicht
nehm ich die alten Datteln und Erdnüsse aus unserer Rettungsinsel).
Ich denke zur Elternvertreterin werden sie mich nicht wählen.
Finn scheint zufrieden, außer heute war es ihm peinlich, weil einige
Schüler sein Interview im Ö3 Wecker gehört hatten. Wir
nicht, übrigens. Haben den Sender nicht gefunden...
Wir schaffen das! Irgendwann und mit etwas Geduld aus unserer Umgebung.
Das Dickicht der Handyanbieter haben wir überwunden und sind nun
dabei im Nummernzirkus.
Dass wir mit einer Stereoanlage sowas von out sind, haben wir bei der
Babs gesehen, die nur mehr mit Handy und 2 Boxen Musik hört, oder
mit Computer und einem Bassverstärker oder einem Photoapparat und
3 Kopfhörern und dazu einem Drucker oder irgendwie so. Irgendwann
werden wir uns da auch auskennen.
Manches ist wie immer, anders nicht. Die einen haben sich verändert,
die anderen nicht.
4 Jahre und ein paar zerquetschte. Der Blick zum Horizont fehlt, die gute
Luft, die Ruhe.
Aber ein neues Abenteuer beginnt. Wir sind bereit.
Sch
. mein Handy macht gerade Fotos von mir!!! Und verbündet
sich mit unserer Stereoanlage. Hilfe!!!
Bleibt uns treu, ihr lieben Leser!
Abenteuer aus dem Alltag der PAFs in Wien werden auf der Page weiterhin
geschrieben!
Und bald gibt es die Daten für unsere Bilder-Reise-Show mit eigener
Musik!
Ja, und das Buch ist in Arbeit - ich hab das viele Lob für meine
Stories als Stärkung für dieses Unterfangen!
Und bitte nicht beleidigt sein, wenn wir uns beim einen oder anderen noch
nicht gerührt haben - ihr wisst doch:
WIR SIND NÄMLICH NEU IN ÖSTERREICH!!!!!!
Fotos
|
| 08.08.2009,
Kroatien |
Der Hari war da!
Natürlich nicht allein.
Die feurige Italienerin, mit der er um die Ecke in Medulin kurvte und
lässig vor dem Café parkte, in dem wir aufgeregt auf ihn gewartet
hatten, ja diese Italienerin durften wir endlich nach all den Weltumseglungsjahren
live sehen. Sie ist eine Schönheit. Sie heißt Muzzi und ist
eine Guzzi. Vom Feinsten, schwarzglänzend und strahlend ebenso wie
ihr Besitzer Hari.
Wer Hari ist, weiß wohl inzwischen jeder Risho Maru Homepage Gast
- kurze Erinnerung - er ist unser hochverehrter Webmaster, zuvor aber
schon jahrelang Malaspina Schlagzeuger mit Feuer und in den letzten Jahren
enger Vertrauter in allen Dingen, die auf dieser Reise vor sich gingen.
Nach meiner Mutter war er der nächste, der erfuhr, dass der Pazifik
heil überquert, Neuseeland erreicht, die Kurslinie gequert war. Und
immer war er da für uns, übernahm Geschichten und Fotos, montierte
sie ins Netz, lobte, freute sich, spornte an und verbesserte sicher viele
Rechtschreibfehler.
Da stieg er also aus dem Guzzi-Sattel, in richtig cooler Lederkluft, lüftete
den Spezial-Sonnenvisier-Helm und es war tatsächlich Hari! Eine der
Hauptattraktionen für uns ist ja: wie werden sich nach 4 Jahren alle
verändert haben, gleichgeblieben sein, weitergekommen sein? Wie schauen
sie aus? Was ist in den vier Jahren passiert?
Kein Wunder also, dass wir uns erst mal bei einem Drink gegenseitig anschauten
und immer grinsen mussten. Dann saßen wir auf der Risho, die unser
Webmaster das erste Mal live erlebte, über die er schon so viel gelesen
hatte und die er in sämtlichen Bildeinstellungen auf die Homepage
gescannt hatte.
Und dann redeten wir 3 Tage durch, gingen bisserl segeln, bisserl essen,
bisserl surfen, aber vor allem wurde geredet, erzählt, gelacht, musiziert,
geträumt.
Und wir entdeckten Hari neu, sahen seine Perspektiven, hörten seine
Ideen und Pläne und stellten fest: der Mann hat sich verändert,
der Mann hat auch eine Reise durchgemacht.
Und dieser Hari ist für uns durch unseren engen Kontakt auf dieser
Weltreise zu einem wahren Freund geworden. Das fühlt sich ziemlich
gut an! Jetzt so kurz vor dem Heimkommen, vor dem Risho-Zurücklassen.
Und diese Unsicherheit, die natürlich langsam bei uns aufzukeimen
beginnt. Da tut es wirklich gut zu wissen: einer wie er freut sich auf
uns, auf gemeinsame Pläne und Abenteuer.
Hari ist schon wieder unterwegs mit seiner Guzzi und hat spontan beschlossen,
uns auch in der Marina Stella in Italien zu empfangen. Jaja, Italien und
diese Italienerinnen - die haben es ihm wirklich angetan!
So wie Gott sie schuf
Nacktsegler in Kroatien
In La Stovo passierte es. Die
ganze Weltumsegelung lang hatten wir es nirgends erlebt, gesehen. Und
dann schließt man den Kreis, quert die eigene Kurslinie und da fällt
es einem wie Schuppen von den Augen. Man ist tatsächlich wieder in
Heimatgewässern und es ist nicht der schöne Zikadengesang, der
Duft der Zedern, es sind nicht die lieblichen kroatischen Hügel,
die grantigen Kroaten, die feurigen Cevapcici, die einen zurückholen
- oh nein, es sind die Nackerten im Mittelmeer.
Wenn sie an den Stränden liegen, fallen sie einem Segler natürlich
nicht auf, weil wir ja nie an Badestrände gehen, haben unseren ja
immer mit dabei.
Nein, es sind die Segelnden bzw. Motorenden, die uns ins Auge stechen
- oder soll ich sagen baumeln?
Schlaftrunken taumle ich des Morgens an Deck (wohlbemerkt: bekleidet)
und blicke in die sanfte Morgensonne. Ah, da macht sich schon ein Segelboot
auf den Weg, sie haben gerade den Anker gelichtet und verlassen die Ankerbucht.
Dafür müssen sie aber unser Schiff passieren, was ansich kein
Problem ist und des öfteren vorgekommen ist in den letzten Jahren.
Meist winkt man sich dann zu oder auch nicht. Wie man will. Ich will diesmal
nicht. Die auf dem Segelboot dagegen schon. Fröhlich winken sie mir
zu, passieren die Risho im vorgegeben, korrekten Abstand, nicht zu nah,
aber dennoch - ich krieg meine Winkehand nicht hoch. Vielmehr flüchte
ich in den anderen Rumpf. Was ist passiert? Dieses lockere, heitere, deutschbeflaggte
Segelboot schien doch sympathisch, sind wir etwa unter die Morgenmuffel
gegangen, Frau Schöler?
Nein. Sind wir nicht. Aber ich mag vor und nach dem Morgenkaffee keinem
spitternackten Unbekannten zuwinken, der am Steuer seines Charterbootes,
mit einer Tasse Kaffee bekleidet, steht. Seinen Frau im Eva Kostüm
hat gerade den Anker in gebückter Haltung verstaut, richtet sich
auf, als sie mich sieht, und winkt heiter.
Aus dem Küchenrumpf-Fenster bemerke ich noch, ihnen verblüfft
nachsehend, dass sie beleidigt sind, weil die Ösis so unkameradschaftlich
sind.
Nach 2 Wochen Kroatien-Segeln weiß ich jetzt, man gehört offensichtlich
nicht dazu, ist man nicht nackt an Bord. In eine vollbesetzte Ankerbucht
nackt einzufahren, ist hier normal. Danach legt man sich nackt in die
pralle Sonne an Bord.
Nur einmal auf dieser ganzen Reise sah ich ein ähnliches Bild.
Robben auf Galapagos die ein Segelschiff gekapert hatten und es sich im
Cockpit in der Mittagssonne gemütlich gemacht hatten. Sie glänzten
wenigstens schwarz in der Sonne und nicht rosa.
Es ist grauenhaft!!!!!!!!
Natürlich kenne ich den Genuss nackt baden zu gehen und in einsamen
Buchten haben wir das dann und wann auch praktiziert, Aber nirgends auf
der Welt in all den Ankerbuchten, zwischen all den Segelbooten aus allen
Nationen, sah ich Segler nackt in eine Bucht oder sogar einen Hafen einlaufen.
Oder ein Manöver nackt zu fahren, wie das italienische Paar auf einem
Riesenkatamaran als eine graue Gewitterwolke mit Sturmböen nahte
und sie dreimal umankerten, beide völlig unbekleidet.
Der Riesenbusen der Frau verwickelte sich beinahe in die Ankerkette, während
ihr Ehemann vor sich hin baumelte
ach lassen wir das. Man könnt
ja einfach wegsehen - aber irgendwie glaubt man es einfach nicht.
Warum ist das nur in Kroatien im Mittelmeer so? Warum sind es meist Österreicher
und Deutsche auf Charteryachten? Warum sind es besonders die Leute mit
ausladendem Körperformat?
Warum?
Wenn's mir nicht so grausen tät, würd ich ja eine Umfrage starten.
In der Bucht von Nacktschiff zu Nacktschiff per Dinghy fahren und Interwiews
machen.
Aber dann müsste ich diese Leute aus der Nähe sehen, und ich
will die Eindrücke unserer letzten Weltumseglungswochen auf der Risho
nicht beeinträchtigen.
Vielleicht mach ich das nächstes Jahr und verpflichte Frau Spira,
mich zu begleiten.
Die tät sich freuen.
Und ich befürchte die Nacktsegler auch!
|
| 09.07.2009,
Vieste, Italien |
Wir
haben unsere Kurslinie gekreuzt!
Die Position N 41 Grad 53 E 016 Grad11 - somit ist die Welt offiziell von
der Risho umrundet! Aber wir haben beschlossen: gefeiert wird in der Stella
in Italien, da sind wir ja losgestartet und wollen diesen besonderen Moment
mit Familie und Freunden feiern!
Hier also alles nötige
für den Tag der Tage!
Wann:
Ankunft 15. August - Samstag und zufällig mein grmfter Geburtstag
(Alex)
Um 12 Uhr werden wir an der Flussbiegung erscheinen und vor dem Restaurant
"Al Fiume Stella" festmachen.
Die Adresse:
Ristorante Al Fiume Stella s.r.l.
Via dell Isolino, 1
33050 Precenicco (Ud) / Norditalien
Tel. +39 0431 587705
www.ristorantealfiumestella.com
Das Restaurant befindet sich zwischen Latisana und Grado, direkt am Fluss
Stella und gegenüber liegt die Marina Stella. Hier auch noch eine
Skizze zur weiteren Orientierung:
www.ristorantealfiumestella.com/winter/deu_dove_siamo.php
|
| 29.06.2009,
Griechenland |
"Wie
werden die das aushalten?"
Der Hari, unser hochgeschätzter
Webmaster, hat uns die Anregung gegeben, etwas über unseren derzeitigen
Seelenzustand zu schreiben. Nach 4 Jahren Segeln, Abenteurern, Reisen
und Entdecken, werden wir in 4 Wochen und 15 Tagen in der Stella Marina
in Italien einlaufen und, tja, unsere Reise beenden!
Wie werden die das zu Hause aushalten? fragen sich Familie, Freunde, Nachbarn,
Bekannte, Unbekannte.
Wie werden die mit dem Alltag umgehen, dem Verkehr, der Arbeit, der Weltwirtschaftskrise,
der Computersucht, den Handys, dem Fernsehen, der Schule, dem Wetter,
richtigen Schuhen, dem festen Boden unter den Füßen?
Mhmmm. Genau. Schwer zu sagen.
Eines wissen wir aber und zwar: Worauf wir uns freuen!
Auf unsere riesige Wohnung (verglichen zur Risho!), ein großes,
breites Bett, ein eigenes Zimmer (der Finn), eine Badewanne (die Alex),
zuhausegebliebene Gitarren (der Peter), die Modelleisenbahn vom Onkel
Isi, Kaffeetrinken im Zaubergarten von der Ama, die neue Nichte Ilvy,
Radlfahren, Wandern, Klettern, Österreich entdecken, ein Schnitzel
essen, steirische Äpfel, Butter ohne Salz, eine Wiener Melange, Theatergehen,
Jazzkonzerte, Kino, Würstelstand, Buchhandlungen, Wochenendbesuche,
Fritattensuppe, Schnittlauchbrot.
So ist das.
Interessanterweise haben wir jetzt fast die gleichen Fragen wie bei unserer
Abfahrt vor 4 Jahren. Wie wird alles werden?
Aber was nützt es, jetzt können wir nix machen. Außer
Heimsegeln und die letzten Seemeilen füllen mit Erinnerungen, Vorsätzen,
vielen Gedanken.
Wie werden die das aushalten? Das haben sich auch viele bei unserer Abfahrt
gefragt! Das Leben am Schiff, die Ozeane, die Abenteuer, die Gefahren,
die Enge zu dritt. Hat doch alles gut geklappt! Und jetzt fahren wir nicht
in die Fremde! Sondern ganz viele warten auf uns und freuen sich, dass
wir heimkommen! Und das ist wunderschön. Wir fühlen uns erwartet
- und was kann es besseres geben nach einem großen Abenteuer!
PS: Am Samstag, dem 15. August,
werden wir in der Stella Marina (Nähe Latisana bei Lignano) in Italien
einlaufen. Für alle, die vorbeikommen wollen, werden wir demnächst
auf der Homepage Anfahrtsplan und Adresse bekanntgeben!
PPS: Was uns alles abgehen
wird, fragt da jemand? Uhhh... das kann lang werden - wie wärs wenn
ma uns im September in Wien auf eine Melange treffen (oder zwei oder drei
)?
|
| 14.06.2009,
Griechenland |
Ferien
in Griechenland
Darf man nach 4 Jahren Weltumsegelung
überhaupt von soetwas wie Ferien sprechen? Oder ist das etwa vermessen?
Ist es nicht. Denn eines steht fest, eine Weltumsegelung ist nicht mit
Ferien gleichzusetzen. Und unser derzeitiges Griechenlandsegeln bestärkt
mich sehr in dieser Feststellung.
Innerhalb eines knappen Monats sind wir von Simi, im Süden der Türkei
über die Inselns des Dodekanes, über die südlichen Kykladen
zu den mittleren Kykladen nach Egina bei Athen gesegelt, flott durch den
Korinthkanal und jetzt sitz ich da in Trizonia im Golf von Patras und
denke mir, ich hätte doch einen griechischen Kaffee trinken sollen.
Wie ich es jeden Tag tu, nachdem wir ein paar Stunden gemütlich gesegelt
sind, von einem Ankerplatz zum nächsten. Da hüpft man dann ins
kristallklare Wasser, freut sich an der griechischen Landschaft, geht
dann ein bisserl spazieren, kauft ein paar Tomaten für den nächsten
Tag und blättert im griechischen Hafenhandbuch um zu entscheiden,
sollen wir morgen 10 sm segeln oder vielleicht doch 20. Diese Art von
Segeln ist eine echte Umstellung für mich. Noch vermisse ich weder
die Wetterfenster des Pazifik noch den Gegenwind des Rotes Meeres oder
die Squalls in der Karibik, aber ich denke bereits ein bisserl wehmütig
an unsere überall in der Welt verstreuten Segelfreunde.
Und ich höre aus unseren Dreiergesprächen Sätze wie, "Heute
riecht's hier ein bisserl wie in Neuseeland", "Schau, Mama,
da ist einen Inderin im Sari", "Palmen gefallen mir besser in
der Südsee als in Griechenland", "Da gibt's einen Carrefour
wie in Noumea", "Soll ich die Degung Musik aus Bali einlegen?"
Der Finn, das Weltenkind, holt sich seine sämtlichen Lebensbezüge
aus dieser Reise. Die Menschen, von denen er spricht, leben, wie er, am
Boot, oder auf so fernen Eilanden wie sich die meisten gar nicht vorstellen
können. Wobei auch Wien für ihn ein fernes Eiland ist. Ich fürchte,
für mich inzwischen auch. Aber das gehört wohl in eine andere
Geschichte.
Bleiben wir in Griechenland. In dem Augenblick als in Simi der Duft des
Bergtees von den umliegenden Hügeln um meine Nase strich, die blitzblauen
Fensterläden der weißgekalkten Häuser in der Sonne leuchteten,
der Retsina harzig meinen Gaumen kitzelte wusste ich wieder wie sehr ich
dieses Land liebte.
Simi ist speziell. Ein Schmuckkästchen-Dorf schmiegt sich in eine
kleine Bucht, natürlich Touristen und Souvenirshops zu Genüge,
aber eben auch das gewisse Etwas. Man will verweilen und einfach irgendwo
verborgen unter einem Bougainvillenstrauch auf einem entzückenden,
aber unbequem typischen Holzsesselchen sitzen. Neben einem maunzt eine
verstruppte Katze und setzt sich malerisch auf eine gekalkte Eingangsstufe.
Jeder Blick ein Foto für einen Jahreskalender mit dem Titel "Griechische
Impressionen". Sowenig oft Bilder in Büchern über Reisziele
der Realität entsprechen so sehr tun sie es in Griechenland. Da schaut
es sogar noch griechischer aus als auf den Kalenderblättern.
Von den 12 Inseln des Dodekanes besuchten wir Nisiros - bemerkenswert,
weil ich dort das erste mal Moped fuhr - nämlich ich alleine am Steuer!
Dass in Nisiros nix los ist, war gut für meine noch etwas nervösen
Fahrkünste. Das allerschönste aber an Nisiros war, dass wir
auf Lex und Margot trafen, die mit ihrem Wharram Kat Tikka auf dem Weg
zum Peloponnes waren. Ebenso ewige Freunde und Bayern wie Otti und Conny,
schlossen wir uns zusammen und der gelbe Pfitschipfeil Tikka war ab jetzt
immer an Rishos Seite!
Es folgte Astipalaia mit vielen Windmühlen und keinem Internetcafé.
Die erste Kykladeninsel, Amorgos, war schön wie alle anderen, mit
dem Unterschied dass dort vor einigen Jahren "The Big Blue"
von Luc Besson gedreht wurde und wir Jean Reno, hineingequetscht in seinen
Fiat 500 fast über die rumpelige Küstenstraße kurven und
in der gleißenden griechischen Sonne schwitzen sehen konnten.
Die Big Blue Ägäis vor unseren Augen klapperten wir noch Paros,
Serifos, Sifnos, Kithnos, Kea und wie sie alle heißen ab. Auf Serifos
sammelten wir, wie die Bienen, wilden Thymian, Finn rebelte vernügt,
Peter heuschnupfte weniger vergnügt.
Dann Athen - Risho blieb im Stadthafen von Egina, keine Fährenstunde
von Piräus entfernt, denn die Marinapreise Athens schlagen fast die
der spanischen Küste!
Warum Athen? Warum nicht - und zufällig wohnt dort meine Tante Annelies,
ihr Mann der Platon und deren Sohn Michael mit griechischer Göttin,
äh, Gattin Grisoula. Annelies war leider in Österreich auf Urlaub,
aber der Rest der Familie verwöhnte uns grandios griechisch gastfreundlich.
Und der Finn sah die Akropolis und fragt sich heute noch wie die alten
Griechen diese Mordshitze ausgehalten haben und ob die Baugerüste
original griechisches Altertum sind...
Die erste Hitzewelle des Jahres verfolgte uns noch durch den Korinth Kanal
(Finn fand den Panama Kanal spannender)
und schließlich bis
zum Orakel von Delphi, wo wir eine Wiener Krankenschwester namens Barbara
trafen, die uns weissagte, dass die Ringbahn in Wien jetzt anders fährt,
aber am Rathausplatz noch immer Opern gespielt werden und die Kurzparkzone
Gersthof noch nicht erreicht hat. Wo wir wieder beim fernen Eiland Wien
sind.
Hier in Trizonia nahm ein Tiroler Mittelmeersegler unsere Leinen entgegen.
Er meinte, er müsse mir den Palstek Knoten erklären und fragte,
ob wir zum Wasserholen eh Kanister an Bord hätten. "Ja, und
wir haben auch die Welt umsegelt" hab ich dann nicht geantwortet.
Unserer Seglerfreunde sind weit weg und gegenseitig schreiben wir uns
wehmütige E- Mails. Bereits 2 Boote haben ihre Kurslinie gekreuzt
und den Flieger nach Hause gebucht. In Österreich freuen sich die
Kinder auf die Ferien und auf der Risho geht eine große Reise mit
Ferien langsam zu Ende. In nur wenigen Wochen kreuzen sich auch unsere
Kurslinien und wir werden das sicher nicht geheim halten!
Nein ich werde jetzt nicht an die Südsee denken, sondern endlich
meinen griechischen Kaffee machen. Ah, der Finn hat ihn schon gemacht.
Ich werde ihm beizeiten mal erklären, was eine Wiener Melange ist
- dem Weltenkind!
Fotos
|
|
22.05.2009, Griechenland
|
Zwei gute Nachrichten und eine
nicht so gute
Es gibt eine gute Nachricht
für alle fernwehigen Risho-Maru-Home-Page-blinde-Passagiere-Fans.
Türkei ist traumhaft schön und nicht weit weg. Für uns
fast wie zu Hause - Mittelmeer!
Sooooo blau das Mittelmeer und alles runderherum so urlaubsmäßig
mediterran.
Einer der Hauptgründe, die Türkei zu besuchen, waren Otti und
Conny, unsere Lieblingsbayern, die - ebenso Abenteurer wie wir - sich
vor 4 Jahren von Deutschland loslösten und ohne Lottogewinn und fixen
Job den Schritt wagten, ein neues Leben in der Türkei zu beginnen.
Und sie sind nicht 25 und gerade fertig mit dem Studium - sondern eher
umgekehrt - und dabei, die Türkei zu studieren. Was alles bisher
passierte, schiefging, den Bach runter und rauf floss, sollte man sich
von ihnen persönlich erzählen lassen. Sehr, sehr amüsant
- vor allem die Geschichte, als sie ihr (heute sehr putziges) Häuschen
im Olivenhain renovierten und feststellten , dass nix funktionierte, schiefe
Türen, schiefe Wände, undichte Dusche, manchmal kein Wasser
und kein Strom und ein richtig frischer türkischer Winter vor dem
Holzofen mit Holz, das man nicht hübsch gebündelt im Baumarkt
kauft, sondern selbst sammeln geht. (Als Conny vor einiger Zeit ihre Tochter
in München besuchte und im Obi an der Kasse vor Begeisterung aufstöhnte
als sie die schön präparierten Anzündholzpaketchen sah,
wunderte sich ihre Tochter noch ein bisschen mehr über ihre schräge,
aber ausgesprochen liebenswerte Frau Mama).
Unserer Tage in der Türkei waren wohl geordnet - was recht selten
vorkommt, reist man als Fahrtensegler. Wir radelten jeden Tag vom Minihafen
in Selimije zu Otti und Conny, genossen heiße (dichte) Dusche, die
große, schattige Terrasse, den Duft nach wildem Tymian und die Olivenbäume
vor der Nase. Aber vor allem die positive und fröhliche Präsenz
der beiden machte aus jedem gemeinsam verbrachten Tag ein Vergnügen.
Und natürlich Connys unglaubliche Kuchenvariationen - zum Zeitpunkt
unseres Besuchses gab es saftigen Weinkuchen, duftenden Rumkuchen, cremigen
Apfelkuchen und auch eine Art Topfenschnitte zu verkosten. Peter und Otti
palaverten stundenlang über Schiffe, und Finn genoss das Dasein als
Landkind mit Katze füttern, Garten gießen, Schildkröte
entdecken und einfach Herumchecken.
Schließlich startete Ottis jährlich organisierte Multihull
Regatta in Marmaris und wir gesellten uns zu der fröhlichen bis ehrgeizigen
Truppe, als sie in Seliminye stoppte.
Otti und Conny stachen aus den deutschen Regattateilnehmern heraus wie
zwei bunte Hunde und ließen alle ihre Türkei Connections spielen,
um die Angereisten bei Laune zu halten.
Man muss schon sehr beliebt in einem Ort sein, um einen tanzenden Bürgermeister
aufbringen zu können! Oder köstliche Festmale in fast jedem
Regatta Stopover, Führungen durch Gulet Schiffsbau Werften und, last
but not least, jeden Tag frisches Brot ans Schiff, in der kleinen Bucht
Dirsek sogar gebacken im Ofen direkt am Steg und ans Boot geliefert von
Otti persönlich!
Die Regatta näherte sich ihrem Ende, wir segelten als Fotografen
Berichterstatter am Rande des Feldes mit und tanzten am Abend mit der
fröhlichen Truppe türkische Tänze. Der Koch tanzte auch
mit. Und als Conny zu später Stunde eine Art Hüft-Bauchtanz-Variation
zum Besten gab, riss es auch den ernsthaftesten Regattasegler aus dem
Wirsthausstuhl!
Am letzten gemeinsamen Vormittag wurde das Weltumsegelungs Schiff Risho
Maru von den Regatta Seglern fleißig begutachtet. Einige der Teilnehmer
rückten sogar mit ihren verborgenen Fahrtensegler Träumen heraus.
Wir fühlten uns richtig prominent!
Das wurde auch noch durch eine andere Tatsache unterstützt. Ist man
mit Otti und Conny in ihrer neuen Heimat unterwegs - egal per Fuss oder
Auto - man kommt sich vor wie die Queen!
Von überall wird hergewunken, gegrüßt, gelächelt.
Und das beste daran: kaum wusste der kleine Ort, dass wir Freunde der
beiden sind, wurden wir umso mehr gehegt und gepflegt!
Es ist schon schön zu sehen, wie die zwei ihren Traum verwirklichen.
Laut eigenen Aussagen zwar nicht ganz so wie sie dachten, aber was soll's!
Man wünscht sich vom Universum Äpfel und bekommt Orangen geschenkt!
So spielte eben das Leben.
Und nun gibt es noch die 2. gute Nachricht für alle Daheimgeblieben:
Otti und Conny haben ein schnuckeliges Gästezimmer zu vermieten!
Für jeden, der kommen mag. Wir können so ein Unterfangen nur
empfehlen . Natürlich sind wir wohl etwas subjektiv eingestellt,
aber ich frage mich ernsthaft, wer würde nicht gerne seinen Schlummertrunk
auf einer Terrasse im gemütlichen Korbstuhl mit Blick aufs Meer genießen,
umgeben von Rosmarinstöcken, Stille und ins-unwirkliche-Abendlicht-getauchten
Olivenhainen? Für uns war es Entspannung, Meditation und auch viel
Fröhlichkeit in einem. Ahh und dieser Rumkuchen... wobei das indische
Kokoscurry nach Art des Hauses auch nicht zu verachten war.
Wir haben inzwischen von den beiden Abschied genommen (und natürlich
fest versprochen, bald wieder einzutrudeln per Schiff oder per Flugzeug
- wie auch immer... ) und segeln langsam die südlichen Kykladen entlang
Richtung Peloponnes. Griechenland. Mhmmm.
Dass es kleine Differenzen zwischen Griechen und Türken gab und gibt,
ist uns klar - so unterschiedlich sind diese Länder und Menschen.
Aber jedes Land für sich lässt unser Herz aufgehen. Auch wenn
beide keinen anständigen Cappuccino mit Milchschaum fabrizieren können,
ich bin ja flexibel wie das Universum - das mit dem Capuccino war übrigens
die nicht so gute Nachricht - und schenk mir einen türkischen oder
eben jetzt einen griechischen Kaffee ein, schmeckt eh gleich - ups, sagt
das bloß nicht den Türken oder den Griechen...
Wer hat Lust auf ein bisschen Leben in der Türkei bekommen? Schaut
nach auf Otti und Connys Homepage www.kraft-schoepfen-am-meer.de
Fotos
|
|
30.04.2009, Finike, Türkei
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind gut in der Türkei
angekommen, in Finike. Unglaublich schön hier, genießen die
netten Leute und das herrliche Klima. Auf dem 3000m Berg hinter dem Meer
liegt Schnee... wir haben ganz schön gestaunt beim einlaufen!"
|
|
27.04.2009,
Mittelmeer
Breite: 33° 27' N
Länge: 31° 42' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Wir segeln wieder im
Mittelmeer - in heimischen Gewässern! Kurs auf Finike an der türkischen
Küste. Autsch, es ist saukalt - vor allem in den Nächten - Erinnerungen
an Segeln in Neuseeland! Hatten heute Nacht 15 Grad - jajajajaja, wir
wissen eh, das ist sozusagen Frühsommer zu Hause... Aber wir sind's
halt nicht mehr gewöhnt - allen anderen Seglern geht's auch so. Teilweise
erkannten wir uns in der Marina in Suez gar nicht, weil man sich erstmals
mit langen Jeans und Sweater verhüllte!
Pyramiden waren alt und
touristenumschwärmt, aber das Museum in Kairo ein Highlight! Dieser
Tutenchamun, a Waunsinn! Sogar seine Zehen hatten eigens gefertigte goldene
Zehenkuppen!
Hatten hohen Besuch auf der Risho! Franz und Hiroko kamen aus Österreich
auf Spontanbesuch! Verbrachten 2 wunderbare Tage mit ihnen, und sie durften
gleich erleben, was Segler so tun, wenn sie in der Marina sind: Wäsche
waschen, Diesel holen, Supermarkt ausforschen... wahre Freunde!
Dank der beiden futtern wir auf dieser Überfahrt Ungarische Salami
und Knabbernossi, in der Nachtwache halten uns Maoam Kaugummis bei Laune!
Herrlich! Danke! Türkei wir kommen! Ezmek! Ali! Oetzlan!
Bussi
PAF"
|
|
20.04.2009, Ismailya Yachtclub,
Ägypten
|
Bericht der Skipperin
Afriki, Antares und das Rote Meer oder Freundschaft ist stärker
als der Südwind
Ich denke gerade sehr fest
darüber nach, was mir vom Roten Meer in meinem Herzen und Hirn bleiben
wird.
Wetter. Wetterfenster. Wetter-Gribfiles. Wieviele Seemeilen noch?
Unser unglaublicher Tanz mit den Delfinen.
Radio Afriki. Unser No Name Net. SSB Frequenz 8182. 10 Uhr local time.
Host: Ian von Afriki
Music: Peter von der Risho Maru
Teilnehmende Schiffe: Afriki, Antares, Rishomaru - mit special friends
Njord, Kika, Helen Kate
Freundschaft, die stärker ist als der Südwind.
Abende voller Lachen.
Freundliche Positionslichter in der Nacht, bekannte Segel am Horizont
bei Tag.
Wetterbesprechungen voller banger Hoffnung.
Routenplanung voller Zick Zacks.
Lagerfeuer in der sudanesischen Wüstenbucht.
Gemeinsames Kaffetrinken am Steg in Port Galib.
Das Muh Game oder auch Kuhhandel genannt.
Wir starteten als Konvoi in Thailand - gewappnet gegen die Piratenbrut
des Golf von Aden und hier in Suez feiern wir gemeinsam unsere Ankunft,
unsere Bezwingung des Roten Meeres.
Aus guten Bekannten sind echte Freunde geworden.
Durch dick und dünn.
Haben Diesel geteilt, aufeinander gewartet, gegenseitig ausgeholfen, füreinander
gekocht.
Und es tatsächlich geschafft, uns immer noch zu mögen und das
Unausweichliche, die Trennung, immer mehr hinauszuzögern.
Denn Afriki segelt zurück nach Canada, Antares nach Amsterdam und
Rishomaru nach Italien.
Natürlich steht da immer noch der Plan, gemeinsam nach Kreta zu segeln.
Aber dann ist Schluss - wahrscheinlich. Aber wer weiß dass schon?
Amsterdam ist nicht aus der Welt, Canada wollten wir immer schon sehen.
Und in Wien ist jeder gerne willkommen!
Aber es tut doch weh.
Denn wir wissen jetzt schon, wir werden von dieser Zeit schwärmen.
Wir waren frei, wir hatten Zeit, wir waren offen, flexibel, verrückt.
Antares das sind: Jasper und Astrid mit ihrem kleinen Marijn - ein lässiges
Surferpaar wie es im Bilderbuch steht. Marijn , der 3 jährige Seglerbub,
der Interessierten auf die Frage, woher er den komme, gerne die Auskunft
gibt: "From Antares!" Ein Sternenkind also!
Afriki: Ian, der coole, kanadische Single Hand Sailor mit vorzugsweise
weiblicher Crew. Wobei in unserem Konvoi Hugh, der Südafrikaner,
auf der Afriki mithalf und alle mit selbstgespeertem Fisch versorgte.
Und wir, die Risho Marus. Peter, der in den letzten 3 Monaten fast täglich
ein neues No Net Name Intro auf Radio Afriki improvisierte. Alex, die
zum Best Chocolate Brownies Cook of the Century gekürt wurde und
Seglerjunge Finn, der sich bevorzugt mit Hardrock niederschweißt
, mit Jasper Rage-against-the-Machine CDs austauscht und mit Ian die Mädls
auskundschaftet.
Es war gut das Rote Meer. Irgendwann werd ich auch das Wetter-Bauchweh
vergessen haben, eigentlich jetzt schon. Und, zugegeben, wer kann schon
sagen mit Südwind in Suez eingelaufen zu sein? Im Roten Meer nie
gegenan gekreuzt zu haben und beim schlimmsten Nordwind gemütlich
am Ankerplatz gelegen zu sein?
Es war ein gutes Gefühl, Antares und Afriki so nahe zu haben.
Ein bisschen können wir den Abschied noch hinauszögern. Vielleicht
Kreta, aber vielleicht auch nur eine gemeinsame Taxitour zu den Pyramiden.
Oder ein letzter gemeinsamer Abend mit guten Freunden, gemeinsamen Erinnerungen,
gemeinsamen Zukunftssorgen und Träumen.
Aber es tut jetzt schon weh, ziemlich sogar.
To split up this group would
really be a sin
Each of us is the yang to the other boat's ying
But there was talk of taking off
While the others made a stop
It's nice to see friendship is stronger than a southwind
(Ian on Radio Afriki, April 2009)
Bericht des Skippers
This is your captain speaking
Das Rote Meer ist für
uns sanft geblieben. Bei unserem letzten längeren Stopp wegen Starkwindes
in Port Ghalib zeigte es sich jedoch von seiner rauhen Seite. Wir hatten
gut geplant, deswegen waren wir rechzeitig im sicheren Hafen eingelangt.
Andere Yachten mussten nach sechzig Seemeilen umdrehen, denn wenn einmal
der Nordwind bläst, ist es auch für die best höhenlaufende
Yacht nicht mehr lustig oder vielmehr unmöglich gegenan zu gehen,
da ist es besser kehrt zu machen und die mühsam erkämpften Meilen
wieder zurückzusegeln. Mit Wetterbeobachtung, Gribfiles und ein wenig
Feingefühl lagen wir richtig. Und die Wahrscheinlichkeit, im nördlichen
Teil des Roten Meeres auf keine nördlichen Winde zu treffen, ist
so groß wie auf einen nicht Bakschisch verlangenden Ägypter
zu treffen!
Wir hatten Glück, Flaute aus Nord und Südwind - also motorten
wir die letzten 300sm durch. Wir lieben es, am Meer und auf dem Ozean
zu sein, aber 30 kn Gegenwind bei kurzer steiler See - na des brauchma
net.
Rückblickend war der Sudan und Eritrea der schöne Teil für
uns. Interessante, freundliche Menschen, sehr fischreiches Meer und aufregende
Wüstenlandschaften. Haben die Zeit dort sehr genossen. So haben wir
uns auch von den Strapazen und Aufregungen mit den Piraten im Golf von
Aden erholt. Wie wir erfahren mussten, ist es nicht allen Seglern so gut
ergangen. Eine französische Yacht wurde überfallen, der Skipper
bei der Befreiungsaktion erschossen. Sind sehr froh, dass wir in unserer
Gruppe keinerlei Schwierigkeiten hatten.
In Ägypten ist es mühsam, die Beamten sind unglaublich korrupt.
Unser Pilot für den Suezkanal steckte einfach meine Sonnenbrille
in seine Tasche. Da ich von anderen Seglern wusste, dass stehlen anscheinend
üblich ist, ließen wir ihn nicht aus den Augen. So konnte ich
mein Eigentum zurückfordern, er gab sie mir gelangweilt wieder, und
am Ende der Fahrt wollte er doch tatsächlich noch ohne Skrupel extra
50 Dollar für seinen mühevollen Job, sechs Stunden an Deck zu
sitzen und in die Luft zu schauen, bedient zu werden und unser WC anzupinkeln.
Auch der Mann am Eingangstor der Marina will natürlich jedes Mal
die Reisepässe sehen, interessanterweise hält er sie verkehrt
rum. Er kann nicht lesen. Dann begutachtet er alle Stempel ca. 20 min
lang und murmelt "Money, Money" vor sich hin. Erst als ich seinen
Chef ausfindig mache und mich beschwere, ist dieses Spiel für zwei
Tage beendet. Das Ägyptische Museum in Kairo entschädigte uns
allerdings für viele solcher mühsamen Begegnungen. Es ist einfach
fantastisch, und die Pyramiden sind auch imposant. Am Weg nach Hause (auf
die Risho Maru) bekamen wir dann noch Islamunterricht. Muhamet, unser
Taxidriver, konnte uns aber überhaupt nicht bekehren. Seine Ansichten
sind so weit weg von uns, wie die Erde vom Jupiter. Ja, sogar noch weiter...
Vor uns liegt demnächst das Mittelmeer, und was das bedeutet, können
wir uns noch gar nicht richtig vorstellen. Irgendwann in ein paar Wochen
kreuzen wir unsere Kurslinie, die wir vor mehr als vier Jahren noch recht
ahnungslos besegelten und das bedeutet dann wohl: wir haben's geschafft,
wir haben die Welt umsegelt. Aber bis dahin liegen noch einige Abenteuer
vor uns, und wir hoffen natürlich, dass alles gut läuft bis
dahin!
Skipper Pete
Fotos
|
|
14.04.2009,
Port Suez, Ägypten
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Haben
es geschafft! Sind gut in Port Suez gelandet! Hatten unglaubliches Schwein
mit dem Wetter - Wind aus Süd und Flaute aus Nord (mehr kann man
sich nicht erträumen im Roten Meer)! Ankern im Suez Yachtclub gleich
am Eingang des Kanals und warten auf den Bootsvermesser - vielleicht geht
es morgen schon weiter! Einen Tag motort man dann mit einem Piloten an
Bord durch den Kanal und stoppt in Ismailia, der Marina mitten in einem
See, noch ca 30 sm vom Mittelmeer entfernt. Dort werden wir ordentlich
verschnaufen und uns Kairo und die Pyramiden anschauen - praktisch, Schulexkursion
für Asterix-und-Kleopatra-Fan Finn!
Sind sehr glücklich, das Rote Meer so easy überstanden zu haben.
Kein Starkwind-Aufkreuzen, Sturmsegel blieb immer eingepackt! Die wenigen
Stopps, die wir hatten, waren wunderschön und entspannend! Sind noch
immer mit unseren Freunden von Antares und Afriki unterwegs. Haben uns
gegenseitig ziemlich ins Herz geschlossen und heute wird mit Sekt und
der letzten aus Italien mitgebrachten Rotweinflasche gefeiert! Sind mächtig
stolz auf uns! Europa wir kommen!
Alles Liebe
die euphorischen PAFs"
|
|
04.04.2009, Ägypten
Breite: 24° 09' N
Länge: 35° 41' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Ankern auf Sand im Dolphin
Reef. Nomen est Omen, unglaublich!!! Sind gerade mit 30-40 Delfinen geschwommen
und geschnorchelt!
Wir, die PAFs, inmitten von Delfinen: neugieriges gegenseitiges Beäugen,
Spielen, Tändeln, Nach- und Davonschwimmen! Ich liebe diese Viecher!
Finn war natürlich von den Socken! Was für ein Erlebnis, für
immer in unseren Herzen und Hirnen eingebrannt. Und was die Wiedergeburt
betrifft, liebe Hinduisten - ich will ein Delfin werden! Peter bleibt
beim Pelikan (werd' ihn schon noch umstimmen), beim Finn ist es klar oder?
Del-Finn!
Tausend Delfinbussis nach Hause, die sehr glücklichen, begeisterten,
ausgefrorenen PAFs"
|
|
29.03.2009, Sudan
Breite: 20° 38' N
Länge: 37° 13' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Hängen immer noch
fest. Haben aber den Ankerplatz in einer sehr kurzen Windpause gewechselt.
Sind jetzt in einem Marsa, das ist eine in die Wüste geschnittene
Bucht am Festland. Ganz toll! An Land unendliche Steppenwüste mit
Gebüsch und Geröll. In der Ferne die hohen Wüstenberge
des Sudan. Am Strand Kamele!!! Machen am Abend Lagerfeuer (Kameldung brennt
wunderbar) mit unseren Seglerfreunden - noch 4 Schiffe sind da - und grillen
Fisch. Die Wüste hat wirklich etwas Magisches, besonders wenn die
Sonne ganz langsam versinkt und dieses Licht die ganze Szenerie sehr unwirklich
scheinen lässt. Bin begeistert! Sind heute einfach in die Wüste
gewandert - barfuß! Nichts weit und breit! Osterhase kommt erst
in Ägypten - Eier sind ausgegangen..."
|
|
25.03.2009, Sudan
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Mehr
als die Hälfte des Roten Meeres geschafft. Und der Nordwind macht
mit 30 Knoten seinen Einstand! Haben uns gut hinter dem Riff der Taila
Inseln im Sudan versteckt und warten auf Flaute oder Leichtwind. Mit uns
unsere liebsten Seglerfreunde - fad wir es da nicht! Aber kalt! Wolldecken
und Neuseelandpyjama sind herausgeräumt und tagsüber grad mal
23 Grad... bibber... Port Sudan war superlässig - werden Bericht
schicken, aber erst aus Ägypten. Internetcafés sind auf dem
netten Sandinselchen vor uns nicht zu finden, nur viele Muscheln und Schildkrötenskelette.
Igeln uns hier ein, Finn macht brav Schule und die Eltern schlafen sich
aus! Ägypten liegt keine 180 sm mehr vor uns. Lassen uns hier aber
Zeit - schönstes Schnorcheln und Fischen überhaupt, und zu früh
im Mittelmeer ist auch kein Zuckerschlecken!
Alles bestens PAF"
|
|
18.03.2009, Eritrea
Breite: 17° 18' N
Länge: 39° 03' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Alles paletti bei uns,
passieren gerade die Küste Eritreas, morgen kommen wir im Sudan an.
Nur mehr wenige Meilen und wir haben die erste Hälfte des Roten Meeres.
Winde noch ganz gut, nicht gar zu stark von vorn. Jeden Tag Fisch an der
Angel, Thuna oder Mahi Mahi, unglaublich. Pelikane, Delphinschulen - wirklich
schön hier! Internetcafé liegt in weiter Ferne... und Bordmail
sehr mühsam."
|
| 09.03.2009,
Aden, Yemen |
Uligamo
auf den Malediven oder Allah sei dank
Hallo, Leute, wir sind wieder
im Netz! Zumindest zeitweise, denn Internetcafés in Yemen sind
langsam und selten.
Aber hier in Aden gibt es die Aden Mall - ein Shoppingcenter! Riesengroß
mit westlichem Supermarkt und einer Cappuccinobar.
Aber langsam, langsam. Zuletzt haben wir uns ja aus Sri Lanka gemeldet,
zwar ohne Beweisfotos, aber ein Internetcafé zu finden, von dem
man auch noch Fotos wegschicken kann, ist wirklich etwas zuviel verlangt,
ihr verwöhnten Westler, da draußen!
Nach 4 Tagen Segeln von Sri Lanka erreichten wir Uligamo, die nördlichste
Insel der Malediven. Leider sind wir furchtbar verwöhnt von der Südsee
mit deren Lagunen und dem türkisen, glitzerweißen Sandgenuss
im Palmenhain. Bedenke ich aber, dass ich in wenigen Monaten nur mehr
träumen darf von Paradiesen wie den Malediven, nämlich dann,
wenn ich die Wohnungstür in der Gersthoferstraße aufsperre
und mein erster Blick vom Minibalkon in den grauen Hinterhof fällt,
sollte ich mich doch etwas zusammenreißen und die Malediven in mein
Herz schließen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, allen Seglerkollegen
geht es wie mir.
Wobei, wenn ich gerade jetzt aus der Luke auf das schäbige, sandige
Aden blicke, wird die Erinnerung an Uligamo umso zauberhafter!
Hier wie dort sind die Moslems zu Hause.
Wobei auf den Malediven eher gemäßigt. Natürlich, die
Frauen tragen in Uligamo Kopftuch und lange (eng anliegende, bunte) Kleider.
Nach einigen Tagen und einem tollen Fußballspiel der Segler gegen
die Einheimischen lockerte sich die Stimmung abrupt und die Mädels
des Dorfes luden die Seglermädels zum Völkerballspiel ein. Fühlte
mich sehr unelegant in Crocs und Surferhose, verglichen zu den zarten
Fatima-Schönheiten in Schleiern und Stöcklschuhen. Sie verpassten
uns noch dazu eine ordentliche sportliche Abreibung!
Auch die Jungs hatten das Nachsehen. Fußball bei 36 Grad im Schatten
muss man doch von klein auf gewohnt sein! Und von Schatten keine Rede
- das Fussballfeld lag mitten in der prallen Sonne!
Flugs wurde ein gemeinsames Fest organisiert. Am Strand. Die Einheimischen
brachten Kartoffelcurry, Melanzanisalat, Kokosnussdip und gebratenen Fisch,
die Segler Schokokuchen, Linsen mit Speck, Kartoffelsalat und Krautfleckerl.
Die Einheimischen futterten den Schokokuchen, die Segler meine Krautfleckerl
(Danke Tante Jolesch für das Rezept!). Ein paar junge Mädels
waren da, aber keine der anderen Frauen des Dorfes, sowohl aber alle Männer.
Allah sei Dank für diese ungerechte Aufteilung.
Dass die halbe Insel Uligamo von einem Investor aufgekauft wurde und gerade
ein Resort dort entsteht, lässt für die Zukunft Schlimmes befürchten.
Vor allem, ein Stacheldrahtzaun zweiteilt die Insel nun. Was die Einheimischen
dazu sagen? Tja, gut und schlecht das Ganze. Gut, weil der Investor einen
sicheren Hafen für die Fischer finanziert, schlecht, weil es plötzlich
für einen Teil der Heimat heißt: Zutritt für Fremde (damit
sind die Einheimischen gemeint) verboten.
Was aber wirklich erstaunlich war, die Stimmung auf dem Strandfest. Ein
großes Lagerfeuer, einige einheimische Jungs trommelten und sangen,
und nach einiger Zeit tanzten alle Segler, Fatimas, Skipper und Resortarbeiter
wie die wilden zu den erdigen Trommelgesängen der Malediven.
Wilde Stimmung ohne Alkohol, ohne Drogen, ohne Lautsprecher oder irgendwas.
Mhmm. Darüber dachte ich dann lange nach. Vielleicht mach ich ein
Trommelseminar für erschöpfte Karrierewestler im Waldviertel
mit Lagerfeuer und Krautfleckerl. Dazu ungesüßten Schwarztee.
Wer will, kann ein Kopftuch tragen. Handys sind aber erlaubt, die Jugendlichen
auf Uligamo hatten ohne Ausnahme jeder eins. Auch die Mädels. "Um
Facebook zu checken" erzählte mir die bildschöne Shalaia.
Sie und ihre Freundinnen sind übrigens glühende Fans der deutschen
Fußballnationalmannschaft.
Michael Ballack ist hier hoch im Kurs und lässt die Fatimas schwach
werden! Muss doch glatt nachschauen, wie der ausschaut!
Bevor wir uns weiter aufmachten den Indischen Ozean zu überqueren,
tanzten wir noch eine Runde mit den Mantarochen hier und beobachteten
die Sonne, wie sie hinter der zukünftigen Resortinsel versank.
Unser Partystrand, von dem uns am nächsten Tag unsere Inselfreunde
zum Abschied winkten, wird in wenigen Monaten nur mehr für zahlende
Gäste zur Verfügung stehen - mit Alkohol, Lautsprechern und
vielleicht sogar ein paar Drogen.
In Piratengewässern -
Wer ist der Pirat?
In unserem Wikingerkonvoi (Antares,
Helen Kate, Kika und Afriki) ging es also weiter über den Indigo.
Die letzte große Ozeanüberquerung! 13 Tage später landeten
wir sicher im Yemen.
Ich kann allen bestätigen, es ist kein gutes Gefühl, in so einer
Gegend zu segeln.
Jedes Fischerboot wirkt verdächtig, am Funk auf 16 hört man
Tanker, die Kriegsschiffe mit Mayday anrufen, E-Mails nervöser Segler
treffen täglich an Bord ein. Dort Speedboote, da gekidnappte Tanker,
dort unbeleuchtete Frachtschiffe. Die erste Hälfte am Indischen Ozean
verlief ganz angenehm. Wir segelten in Sichtweite mit unseren Freunden,
einmal näherte sich mit rasanter Fahrt ein Großfischerboot.
Etwas zu nahe für meinen Geschmack betrachteten uns die in Kaftane
gehüllten Figuren und verlangten nach Alkohol. Finn und ich winkten
fröhlich, Peter schaute kapitänsmäßig streng, mein
Herz raste. Sie entfernten sich wieder. 10 Minuten später wieder
ein Schiff. Schauen, winken, lächeln, abweisen. Gut, dass die anderen
Segler in der Nähe waren.
Als wir uns dem berühmten Korridor näherten, wurde es panisch
am Funk. Der Korridor wurde von den United War Coalitions eingerichtet
- eine Art militärisch überwachte Wasserstraße, die halbwegs
sicher ist vor Piraten.
Komischerweise wurden aber gerade dort in den letzten 2 Wochen 3 Tanker
gekidnappt. Natürlich bei vielen mehr wurde selbiges verhindert.
Und dazwischen all die Segler, die ins Mittelmeer wollen.
Uns reichte eine Nacht dort.
Was war geschehen? Wir segelten nichts ahnend vor uns hin, plötzlich
hörte ich am Funk einen panischen Mayday call eines griechischen
Tankerkapitäns an ein amerikanisches Kriegsschiff.
"I see five suspicious targets on the radar. The position of the
targets is..." Zuerst dachte ich, verflixt, diese Piraten sind genau
auf unserer Position!
Jasper von der "Antares" erreichte den Tanker dann über
sein AIS System, und als dieser schließlich doch an die Funke ging,
stellte sich heraus, dass wir die "targets" waren! Man hielt
uns für Piraten!
Der Tanker schaltete übrigens dann wieder seine Positionslichter
ein. Man stelle sich vor: ein riesiges Schiff, ohne Lichter, irgendwo
in der Nacht, mit bis zu 25 Knoten Geschwindigkeit unterwegs. Ganz normal
im Korridor. Angeblich halten die dort guten Ausguck. Kann man nur hoffen.
Wir drehten ab und nahmen Kurs auf die yemenitische Küste. Die Überlegung
war: Wenn die Piraten eh alle im Korridor sind, hat man an der Küste
wahrscheinlich seine Ruhe oder wird zumindest nicht von einem Containerschiff
überrollt.
Am Morgen in Landnähe empfingen uns freundliche Yemenitische Fischer.
Thunfische wurden gegen Kekse getauscht. Shrimps gegen Zigaretten.
Kurz vor Al Mukalla erschreckte uns ein nächtlicher Besuch, der sich
ohne Licht der Risho Maru auf wenige Meter nährte. Als Peter den
Scheinwerfer auf sie richtete, starrten uns 3 vermummte Gestalten mit
Maschinenpistolen an. Klassisch, dachte ich mir, Herz in der Hose (glücklicherweise
sonst nix...). Ich reichte Peter die Signalpistole, gab unserem Konvoi
bescheid, versteckte den Computer und dachte mir: das ist gar nicht witzig,
wie schön wäre es jetzt im grauen Hinterhof in der Gersthoferstraße.
Unsere Schiffe rückten eng zusammen, die Typen rückten ab. Den
Rest der Nacht saß ich senkrecht in der Koje. Im Hafen von Al Mukalla
stellte sich heraus, es war eine Patrouille der nahen Ölfirma - sie
meldeten sich nicht auf Funk, weil sie kein Englisch können. Willkommen
im Golf von Aden!
Al Mukalla war dann Orient pur. Dreckig, exotisch, Burkas, Riesenfladenbrote,
Kebab, Muezzin (nach 10 Moscheen hörte ich auf zu zählen).
2 Tage fuhren wir ins Inland, durch das Wadi Hadramout, ein fruchtbares
Tal, mit zahllosen uralten Städten aus Lehm. Mit den Ziegenhirtinnen
und den engen Gassen sah es aus wie in einem österlichem Jesus-Film
(Sorry Allah!). Unser stolzer Guide führte uns zum Haus eines gewissen
Bin Laden. Lange verstorbener Vater eines anderen, ziemlich gewissenlosen,
Bin Laden. Etwas beklommen machten wir Fotos, der Guide war glücklich.
Tags darauf sahen wir das Manhattan der Wüste: Shaban. Turmhohe Lehmbauten,
in den engen Gassen zahlose Souvenirverkäufer. Sandig und müde
landeten wir wieder im Hafen und waren ehrlich gesagt froh in Europa geboren
worden zu sein.
Jetzt in Aden versuchen wir mal all diese Eindrücke zu verdauen.
Die Augen der Burka Trägerinnen sind freundlich, im öffentliche
Klo in der Shopping Mall lüften die Damen ihre Schleier und haben
darunter bildhübsche Gesichter. Schminken sich wie alle Frauen auf
der Welt die Augen nach, tratschen und kichern. Ich lache sie an, sie
lachen zurück. In den Straßen aber vergeht mir das Lachen.
Die Männer starren mich an oder ignorieren mich, wenn ich etwas frage.
Am ersten Tag in Aden landete ein Stein auf mir, aus dem Nirgendwo.
Lange Hosen, Langarm-T-Shirt und Kappe am Kopf reichen offensichtlich
nicht.
Müsste ich als Europäerin hier leben, früher oder später
würde ich mich auch hinter der Burka verstecken, um in Frieden gelassen
zu werden.
Ich versuche das mit dem Stein zu vergessen und denk an den Herrn Nestroy,
der sagte: "Es gibt überall gute und schlechte Leut'."
Für die Zukunft Yemens hoffe ich: mehr Gute.
Fotos Sri
Lanka, Malediven
und Yemen
|
| 01.03.2009,
Al Mukalla, Yemen |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind gut in Al Mukalla
gelandet. War alles ganz schön aufregend. Unbeleuchtete Tanker, sehr
interessierte Fischer, nächtliche Militärpatroullien (auch ohne
Licht). Uff! Konvoi perfekt, werden auch Strecke nach Aden gemeinsam bewältigen.
Hier tiefster Orient. Frauen in Burka, wenn man sie ueberhaupt sieht,
Kebab an jedem Eck, deckengroße Fladenbrote und köstliche Datteln.
Und alles unglaublich dreckig. Aber die Kulisse: vor den Wüstenbergen
die maurischen Gebäude - Tausend und eine Nacht!
Salamaleikum
PAF"
|
| 27.02.2009
Breite: 14° 52' N
Länge: 50° 30' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Noch 82 sm bis Al Mukalla,
Jemen, vorrausichtlicher Landfall: 28 2. acht Uhr früh! Der Indische
Ozean zeigt sich von der sanften Seite, 10 kn Wind. Jetzt schon 1312 sm
(11 Tage) seit den Malediven gesegelt. Ursprünglichen Plan geändert,
segeln jetzt an der Jemenitischen Küste entlang - im Korridor zu
viel Aufregung bezüglich der Piraten - da fahren sogar Tanker unbeleuchtet
daher, die spinnen total. Die Wahrscheinlichkeit von einem unbeleuchteten
Tanker überrollt zu werden ist für uns höher als von einem
Piraten aus Somalia geentert zu werden. Außerdem zahlreiche Kriegsschiffe
(Funkkontakt) und Hubschrauber, alle vollkommen nervös. An der Küste
kein Schiffsverkehr. Die jemenitischen Fischer deuten uns, dass es die
richtige Entscheidung ist.
Segeln im Konvoi mit 4 Seglern (Nationalitäten: Kanada, Norwegen,
Holland und England) immer auf Sichtkontakt - eine Super-Truppe. Bis jetzt
sind wir nur freundlichen Fischern begegnet. Seegebiet entlang der Küste
absolut fischreich. Delfinschulen (100-200 Delfine!), springende Mantarochen
- einfach phantastisch. An Bord alles ok. Jeden Tag frischen Fisch. Keine
Sorge, wir werden da gut durchkommen.
Eure Glücksritter Peter, Alex und Finn"
|
| 18.02.2009
Breite: 11° 04' N
Länge: 64° 43' E
|
Funkmail von der Risho Maru:
"Durchqueren
den Indischen Ozean. In einer Woche sind wir in Jemen, Al Mukalla.Werden
durch den militärisch eingerichteten Korridor der Handelsschiffahrt
im Golf von Aden segeln, zumindest am Rande, wegen der Piratengefahr.
Alle Segler sind in Gruppen organisiert und hoffen, so sicher durchzusegeln.
In unserer Nähe 3 befreundete Segelboote, sozusagen unser Konvoi!
Sind in Verbindung mit der Deutschen Fregatte Rheinland Pfalz, aber -
nur zur Beruhigung aller zu Hause gebliebenen - die Piratenangriffe richten
sich durchwegs an die großen Tanker und Kargoschiffe! Zur Zeit sehr
guter Wind, sind flott unterwegs, aber rauhe See, ziemliches Gewackel!"
|
| 09.02.2009,
Sri Lanka |
Sri
Lanka: Chaos und Schönheit oder Warum der Finn nicht einschlafen
kann
In Sri Lanka unterwegs zu sein
bedeutet Chaos. Und erstaunlicherweise entwächst diesem Chaos nach
einigem hin und her die allerschönste Ordnung. Am besten ist, man
plant gar nichts.
Hier kam mir auch erstmals der Gedanke vielleicht wäre es gut, überhaupt
nie irgendwas zu planen.
Aber irgendwie ist es in uns drinnen, in uns zivilisierten Westlern.
Zum Beispiel, dass es fixe Abfahrtszeiten, fixe Preise, ordentliche Jobs
gibt. Das gibt es hier alles nicht. Und dennoch schaffen wir es, gut und
bequem zu reisen und viel zu sehen.
Ach ja, wir dachten uns einen Driver zu engagieren, und mit ihm touristisch
per Auto durch die Landschaft zu gondeln wäre einfach zu wenig indisch,
besser Sri Lankisch!! Recht hatten wir, denn allein die Fahrten mit den
diversen Öffis, wie Zug oder Expressbus, waren ein Erlebnis, Peter
wusste das schon. Vor 30 Jahren hatte er per Rucksack die Insel erreicht
und war jetzt sozusagen auf alten Spuren unterwegs.
Wir ließen die Risho gesichert an der Boje im schwer bewachten,
gegen böse Tiger Tamilen abgeriegelten Militärhafen, packten
die nach Bilge-Muffel duftenden Rucksäcke und bestiegen den ersten
Zug nach Columbo.
Die Fahrt dorthin führte am Strand entlang, an wunderschönen
Häusern mitten im Dschungel. Wir stoppten an Zugstationen, die ohne
Umbauten in einem Film aus dem Jahre 1920 mitspielen könnten. Die
Menschen im Zug lachten uns an, die draußen winkten fröhlich,
die Kinder johlten.
Ein Einheimischer setzte sich zu uns, erzählte seine Lebensgeschichte
und wollte dann Geld dafür. Das ist ziemlich typisch hier. Man(n)
erfindet wirklich die unglaublichsten Jobs um an Geld zu kommen.
Dieser Herr hatte sogar etwas Deutsch gelernt um uns glaubhaft zu machen,
er hätte in Stuttgart gearbeitet (wir trafen auf unserem Trip noch
einige, die in Berlin, Wien, Duisburg und Köln gewesen waren). Als
wir freundlich lächelnd nicht passend reagierten, beschloss er, heute
Geburtstag zu haben, wir durften raten, wie alt er geworden war und schließlich
schlug er vor, wir sollten doch etwas Geld für die Geburtstagsfeier
beisteuern. Interessant war auch ein anderer Typ, der uns in Kandy, im
Hochland, zum falschen Bus brachte, um vom Busfahrer eine fette Provision
zu kassieren, wobei der Busfahrer dann wieder einen Teil des Fahrtgeldes
einbehielt, als wir draufkamen, dass wir im falschen Bus saßen und
ausstiegen.
Wieder zurück in Kandy trafen wir wieder genau auf denselben "Helfer",
der ohne mit der Wimper zu zucken uns wieder einen falschen Bus anbot.
Und so wimmelte es von Clodmillos - so nennen wir diese Art von Geschäftsmännern
seit wir den Prototyp auf den San Blas Inseln kennenlernen durften.
Aber das tat unserer Reisefreude keinen Abbruch, trafen wir doch weit
mehr nette und hilfsbereite Menschen.
Und der Finn fragt mal wieder eine seiner berühmten Fragen: "Du,
Mama, gibt es in Österreich auch Clodmillos?"
Ich antwortete ihm ausweichend, indem ich ihn drauf aufmerksam machte,
dass man in Österreich sicher nicht so Auto fährt wie hier.
Nur damit er sich zu Hause nicht allzu sehr wundert.
Eine Fahrbahn, eine Gegenfahrbahn, es kommt aber schon vor, dass einem
eine Reihe Fahrzeuge auf 3 Spuren entgegenkommt. Ich hab das dann den
Busfahrern überlassen und gar nicht mehr aus dem Fenster geschaut.
Nicht planen und nicht aus dem Fenster schauen. Andere Länder andere
Sitten!
Und außerdem gibt es ja eh die Wiedergeburt! Die Kühe stehen
hier auf der Straße bis die Autofahrer ihnen freundlich zurufen
doch abzuhauen. Hunde dürften auch sehr angesehene Menschen gewesen
sein, es gibt sie überall, und oft weicht ein Bus sehr riskant aus,
weil ein Hund sich mitten auf der Straße gemütlich sonnt.
Kandy im Hochland empfing uns mit empfindlicher Kälte (15 Grad -
meine Güte was sind wir verweichlicht...). Mit kalten Füssen
saßen wir vor dem offenen Kaminfeuer und freuten uns über die
köstliche Kanne Tee zum Aufwärmen!
Tee! Wenn, dann hier! Unser Zug ratterte an den wunderschönen Plantagen
vorüber, Flüsse, Wasserfälle, Kräuter, Blumen, Sonne.
Wie auch immer, ob BOP oder BOPF, ... hier muss man zum Teetrinker werden
und einer bleiben - 5 Kilo Tee sind auf der Risho gut verstaut!
Kaschim, unser sehr liebenswürdiger Tuktuk-Fahrer (Tuk Tuk oder Bemo
ist ein Gefährt auf 3 Rädern mit einem Viertaktmotor) kutschierte
uns durch die Plantagen, die Hügel, an den romantisch gelegenen Süßwassersee
in Nuara Aylia, zum verwinkelten, streng riechendem Markt der kleinen
Stadt.
Trockenfische neben Rindfleischblutwurst, Säcke mit Chillischoten
neben tropfenden Innereien. Scharf ist hier sowieso alles. Sogar die Erdnüsse,
frisch am Markt gekauft - eine Chilliorgie! Das unverdächtig wirkende
Snacksemmerl im Zug sorgt für verätzte Geschmacksknöspchen!
4 Tage durchstreifen wir den Süden Sri Lankas, sind erschöpft,
begeistert, todmüde, verdreckt, überwältigt. Am letzten
Tag, bevor wir mit dem schnellsten Expressbus Sri Lankas wieder nach Galle
rasen, rumpeln wir noch per Jeep durch den Nationalpark Yala.
Unsere erste Safari! Wilde Elefanten, eine ganz Herde mit einem 2 Wochen
alten Baby passieren die Straße direkt hinter uns. Andächtige
Stille auf beiden Seiten, neugieriges Beäugen, Elefantenauge, Menschenauge.
Dann verschwinden sie im geräuschvollen Dschungel. Krokodile, Wasserbüffel,
Pfaue, Mungos, grasgrüne Singvögel - Bienenfresser genannt -
und eine Landschaft zum Träumen. Aber zum Albtraümen als der
Tsunami vor einigen Jahren hier Unheil brachte. Das Wasser kam bis einen
Kilometer ins Landesinnere, die Elefanten und Büffel waren eine halbe
Stunde zuvor zur Verwunderung der Parkguides ins Landesinnere geflüchtet.
Und was macht der Finn? Er hat den Kopf nur mehr voll mit den Mädls.
Ach die Inderinnen, die er schon seit Singapur so vereehrt! Sie sind wirklich
bildschön in ihren bunten Saris mit ihrem wunderschönen Lächeln
und den armdicken Zöpfen!
Und sie lieben ihn! Überall ruft man ihm nach "Hello Baby, hello!"
Was ihn natürlich etwas beleidigt, denn welches Baby hat dieselbe
Schuhgröße wie Mama?
Die Schulmädchen in ihren blütenweißen Uniformen kichern
ganz furchtbar, wenn er vorbeigeht (die sind mir zu jung, sagt er), die
alten Frauen strahlen ihn an (die sind mir zu alt, sagt er). Die holden
Schönen dazwischen lassen ihn am Abend nur ganz schwer einschlafen
(Mama, gibt es in Wien auch Inderinnen? hofft er).
Wie sooft frage ich mich, wie sehr hat Finn diese Reise geprägt,
wieviel wird bleiben, wenn er sich ab September eingliedert in das Leben
in Österreich?
Jetzt gerade in diesem Augenblick, wir sind bereits auf den Malediven
und ankern im türkisen Lagunenwasser, hat er Religionsunterricht
in unserem Küchenrumpf.
Hanna, vom Segelboot Njord unterrichtet ihn. Sie ist Dänin und hat
große Freude wieder mal ihren Lehrerberuf auszuüben.
Unterricht natürlich auf Englisch. Man spricht über Hinduismus
und Islam. Letzteres als Vorbereitung für das Rote Meer, voriges
als Erläuterung nach Sri Lanka und Bali. Gerade hat sie gesagt wie
begeistert sie ist, dass Finn auch Englisch liest. Mein stolzes Mutterherz
hüpft olympische Höchstsprünge!
Alle haben wir uns in Sri Lanka verliebt. Peter schon bei seiner ersten
Reise , ich jetzt und der Finn wohl für immer. So wie in Vanuatu
waren auch hier wieder die Menschen die größte Überraschung.
Herzlich, fröhlich, humorvoll, charmant.
Da war Masir, der muslimische Guesthousebesitzer in Kandy. Er servierte
uns eine Schale scharfe Chillischoten in Sojasauce und wünschte und
ein gutes, langes Leben! Aibuana!
Und am letzten Abend essen wir himmlisch indisch in Indian Hut in Galle.
Unser Tuk Tuk Driver drückt uns beim Aussteigen, nachdem er uns nach
Hause gebracht hat, warmes Naanbrot in die Hand.
"You have honey on the boat?"
"Yes."
"Put honey on the Naan Bread and give it to Baby for eat. Is very
healthy."
"Baby" Finn verschlingt es begeistert zum Frühstück
und eines ist ihm klar: Nicht nur die Inderinnen sind toll, auch das indische
Essen ist vom feinsten.
Und wieder einen Lektion gelernt: Liebe geht durch den Magen, Baby!
|
| 04.02.2009,
Sri Lanka |
Ein
Tag auf dem Indischen Ozean
Captain's Speech
Rückblick auf den 24 01.2009
2h nachts: Alexandra weckt mich auf, meine Wache beginnt. Kurzer Rundgang
mit der Taschenlampe, an Deck alles ok. Stelle den Wecker, bin noch etwas
trübe im Kopf, da hilft Musik. I-Pod an das Ohr, höre zero7,
denke an Thailand, das wir vor sechs Tagen verlassen haben. So eine Überfahrt
ist gut, um all das erlebte noch einmal zu durchdenken.
3h15: Alexandra muss leider aufstehen. Binden ein Reff ins Großsegel,
der Wind hat zugelegt, 25 kn. Alles ok, sie taumelt wieder in die Koje.
5h30: Es wird hell, bringe beide Angeln aus. Ist die beste Zeit zum Fischen.
8h; Finn weckt Mama Er macht heute das Frühstück: Müsli,
Cornflakes, Tee und unser herrliches Bord- Brot beleben die Sinne.
9h: Logbucheintragung - Datum, Uhrzeit, Barometerstand, Wetter und kurze
Texteintragung, und die Position, die ist am wichtigsten. Etwa 148 Seemeilen
seit gestern 9h, es lauft ganz gut. "Fisch, Fisch!" Finn ruft
mich an die Angel. Schnell an Deck, doch leider ist der Gummistropp ab.
Dann ein Ruck und ich weiß, der Köder ist ab - Sch
..
Stahlvorfach durchgebissen, wohl ein Hai oder ein großer Barracuda.
Finn spult die Leine ein, neuer Köder und wieder zurück in den
Ozean.
10h: Funkrunde - Ian aus Kanada leitet die Runde, es werden Positionen
ausgetauscht und Neuigkeiten erzählt. Ingwill von der Helen Kate
ist seit mehreren Tagen krank, hat sich in Thailand einen Darmvirus geholt.
Wir sprechen ihr Mut zu, und es werden Tipps für ihre Heilung gegeben.
Sechs Boote sind auf dem Weg, Boote aus Kanada, Norwegen, Dänemark,
Holland, eine bunte Runde. Wir versuchen ein Sicherheitsnetz für
den Golf von Aden und das Rote Meer aufzubauen. Jeder von uns kennt die
Geschichten über die Piraten in dieser Region, und wir wollen da
gemeinsam durch.
11h: Nachrichten der Deutschen Welle auf 6075 kHz. Barack Obama wurde
gestern angelobt, höre einige Auszüge seiner Rede.
12h: Erreiche die Airmailstation Bombay über Funk, bekomme meine
Gribfiles rein: Wetter und Windprognose für die nächsten fünf
Tage. Fünfzehn Knoten Wind und meist klarer Himmel, das sieht gut
aus.
Schule ist aus und zu Mittag gibt es Fladenbrot mit Eiaufstrich. Finn
ist gerne der Koch, und er macht seine Sache prima. Alex und ich versuchen
jetzt zu ruhen und vielleicht ein wenig Schlaf zu bekommen. Für Finn
ist Asterix angesagt, er muss nur alle zehn Minuten einen Rundblick machen,
wir hören im Halbschlaf: "Die Noo, die Noo
Normannen .
Asterix und die Normannen, ach so, alles klar. Alle 20 Minuten ertönt
trotzdem die Eieruhr für einen Rundblick. Langsam kommen wir der
Südostspitze Sri Lankas näher, und da ist mit erhöhtem
Schiffsverkehr zu rechnen. Auf der Seekarte ist ein Schiffsverkehr-Trennungsgebiet
eingezeichnet, na die Fischer halten sich sicher nicht daran. Positionseintragung
auf hoher See alle fünf Stunden, das genügt, in Landnähe
öfter.
16h30: Rundgang über das Schiff, alles wird kontrolliert: Fallen,
Taue, Blöcke usw. Kleine Reparatur an der Steuerbord-Winsch, das
Kugellager macht mir schon länger Probleme, bis ins Mittelmeer soll
es noch halten.
Fisch, Fisch! Der Gummistropp spannt ganz durch. Beim Einholen der Leine
erkenne ich einen fetten Wahoo. Die kämpfen wenig, sind schnell erschöpft
und daher leichter einzuholen. Habe den Fisch längsseits, und mit
einem guten Zug bringe ich ihn auf den Lattenrost vor dem Großmast.
Mit dem Messer ein Stich zwischen Kiemen und Augen und nach zwei, drei
Zuckungen ist der Fisch tot. Das geht nach vier Jahren so schnell, dass
ich kein großes Problem mehr damit habe. Filetieren und der Rest
geht über Bord. Heute Abend gibt es frischen Fisch.
Noch 96 Seemeilen nach Galle Harbour. Lese das Hafenhandbuch und im Laptop
hab ich noch einige Revierberichte aus dem Internet raufgeladen. War mit
20 Jahren in Sri Lanka, ob sich da viel geändert hat
?
19h: Sonnenuntergang im Indigo, wunderschön, genießen die Abendstimmung.
Der Fisch schmeckt hervorragend. Das wird mir richtig fehlen in Österreich.
Der Rest der Filets wird in Streifen geschnitten, eingesalzen, eingelegt
und morgen zum Trocknen in die Sonne gehängt, das schmeckt dann so
wie Tiroler Speck - na fast so... Tauschen noch einige Gutenachtgeschichten
aus während die Nacht dunkler wird um uns herum. Tausend Sterne erhellen
den Himmel, nur der Mond lässt sich noch Zeit, in etwa drei Stunden
werden wir ihn sehen. Das Siebengestirn direkt über uns. Ich lausche
Jacques Brel - La Cathédrale. In dem Song geht es um seine Pazifiküberquerung,
er war auch Segler. Wind konstant NNE 15 kn, Welle eineinhalb Meter, wir
schweben.
21h23: Ein Schiff in Sicht, Positionslicht Rot an unserer Backbordseite,
alles ok, hält Kurs auf die Malacca Street.
Blicke kurz in die Koje, die beiden schlafen wohlig eingerollt. Ich denke:
welch ein Glück habe ich mit ihnen über den Indigo zu segeln.
Skipper Pete
P.S. Sind vor vier Tagen in
Sri Lanka angekommen, demnächst mehr davon...
|
| 26.01.2009,
Galle, Sri Lanka |
Kurzinfo von der Risho Maru:
"Nach 7 Tagen herrlichem
Segeln sind wir gut in Galle, einer Hafenstadt im südlichen Sri Lanka,
eingelaufen!"
|
| 19.01.2009,
kurz vor dem Sombrero Channel bei den Nicobaren |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind
on the road to Sri Lanka. Alles bestens an Bord, schönes Segeln!
Werden an die 8 oder 9 Tage unterwegs sein."
|
| 09.01.2009,
Thailand |
Auf
einem anderen Planeten
Irgendwie habe ich immer wenn
Besuch von zu Hause kommt das Gefühl, auf einem anderen Planeten
zu leben. Dem Planeten Risho Maru, kreisend im Segleruniversum, viele
Lichtjahre von Alltagswelten entfernt. Für den Besuch sehen wir vielleicht
auch aus wie Außerirdische. Oder der Besuch für uns? Andrea,
Peters Schwester und Tini, Peters Nichte entstiegen dem Flugzeug aus München
dickverpackt in Hüllen, die man Winterjacke, Pullover und Jeans nennt,
an den Füßen seltsame Geräte, die den ganzen Fuß
fast bis zum Knie verhüllen und Stiefel genannt werden.
Tini zerrte hinter sich eine Art Stoffhund auf Rädern, Doggengröße
und sie stieß schnaufend Worte aus " Alles für euch...
jeder... was... mitgeben... Sch... Koffer." Andrea ging nach hinten
gebeugt, auf Grund eines überdimensionalen Segelsacks - nicht mit
einem Spinnaker gefüllt oder einer Sturmfock, nein, nein. Auch sie
schnaufte erschöpft "Für euch
hoffe, ihr könnt
mir was zum anziehen... Zahnbürste borgen."
Song, unser Taxifahrer, hatte endlich das Wort Tourist auf englisch verstanden.
Er schaute die beiden neugierig an und lächelte sein Buddhalächeln:
"Tourist?"
In Nai Harn angekommen, packte Peter zuerst das Dinghy mit dem Gepäck
und ließ die beiden Neuankömmlinge mit Finn am Strand zurück.
Da standen sie, die bleichen Winterfüße im warmen Sand an einem
Dezember Donnerstag vormittag und blickten auf die Wellen, die die Felsen
am Strand umspülten. Vor ihnen das Kind der außerirdischen
Verwandtschaft: Finn, braungebrannt, barfuß, mit Hut, fleckiger
Seglerhose, Sommersprossen im Gesicht, grinsend "Kaum Schwell - gut
zum Anlegen hier, das Massama Curry im Lokal ist schon scharf, kennst
du Rage against the Machine, Tini?"
Andrea und Tini schälten sich auf der Risho Maru zu allererst aus
ihren Winterschichten und gingen schwimmen. Wir nicht. Nur Finn folgte
etwas widerwillig. Wer immer am Meer lebt und in der Südsee im Türkiswasser
schwamm, wird wählerisch. Seltsam diese Außerirdischen, dachten
die beiden und Andrea fragte, wo ich die Wäsche bügelte. Sie
sei so glatt. Bügeln? Gibt es auf diesem Planeten nicht. An die Luft
hängen - aushängen.
Zusammengequetscht saßen wir im Cockpit und aßen am Minicampingtisch
Baguette und Camembert. Dazu Schwarztee mit Limette. Die anderen Sterne
des Segleruniversums schwebten in gutem Abstand um uns. "Das sind
die Espis, da hinten Afriki und vorne Antares und Njord" sagte Finn
und berichtete Freund Yannik per Funkgerät von den Neuankömmlingen.
Wie Raubtiere stürzten wir uns auf die mitgebrachten Weihnachtskekse,
gebacken von den Frauen aus Andreas Turngruppe. Wir sind wohl die einzigen
Österreicher, die am 25. Dezember noch Weihnachtskekse sehen und
essen wollen. Anderer Planet eben. Als unsere erschöpften Gäste
schliefen, blätterte ich durch ein Magazin mit demTitel Woman. Seltsame
Galaxie dieses Österreich schoss es mir durch den Kopf, ein hässlicher
Mann names Lugner, Yoga am Pferd, eine Winterjackenausstellung, Starmaniacs,
Advent Shopping.
Am Abend saßen wir in unserem Stammlokal am Strand. Sonnenuntergang.
Die Seglerfreunde um unsere Gäste platziert, plauderten über
falsch genähte Segel, kaputte Klopumpen, Wassermacherteile, während
hinter ihren Köpfen die Sonne als "Gluatmugl" zischend
in das Meer eintauchte. Alles Rosa, orange, pink. Die Jetlag-Augen von
Andrea und Tini glänzten im unwirklichen Glanz des Augenblicks. Wenige
Minuten später färbte die scharfe Kokosmilch-Chicken-Soup mit
Lemongras die noch etwas blassen Wangen der beiden ebenso rosa wie die
letzten Strahlen der Sonne den indischen Ozean.
" So schön" wisperte Tini. "So scharf" keuchte
Andrea.
Vor dem Schlafengehen wurde noch mal Weihnachten gefeiert. Ein Geschenkeregen
prasselte auf uns nieder. Steirische Weihnachten mit Honigkerzen, Marzipan,
Tannengrün, Strohgestirn.
Tini und Andrea staunten als die Außerirdischen bei Mannerschnitten
und Aspirin C Brause aufjohlten, Milkaschoko ebenso wie Kletzenbrot in
sich hineinstopften, Kernöl schnupperten und den Sanddornlikör
aus dem Garten Haring (auch eine ganz spezielle Galaxie!) nicht nur verkosteten,
sondern austranken. Auf unserem Planeten spürte ich beim Auspacken
all dieser wunderbaren Geschenke ganz stark das Gefühl, dass da draußen
ganz viele Leute an uns denken und sich freuen, uns bald wieder zu sehen.
Gutes Gefühl. Danke.
Natürlich wollten wir unsere Gäste voll und ganz bei uns aufnehmen
und in die Geheimnisse und Eigenheiten des Segleralls einweihen. So segelten
wir natürlich ein Stück, um ihnen unsere Fortbewegungsart näher
zu bringen. Sie mochten es, glaube ich, denn beide saßen begeistert
am Steuer und selbst auf einem sehr wackeligen Ankerplatz wurden sie nicht
griesgrämig.
Tini schlief sich in Rishos beruhigendem Bauch aus dem Alltagstress, Andrea
ihres Zeichens Volksschullehrerin, interessierte sich für die Schulbildung
ihres außerhalb des üblichen Schulsystems kreisenden Neffen.
Was sind Frühlingsboten - keine Ahnung, aber die Commodo Warane in
Rinca fressen einmal im Monat ein Rind. 7 mal 8? 56. Weißt du, dass
in Opua in der Schule alle den Haka Tanz lernen müssen? Gibt es bei
dir schlimme Buben in der Klasse?
Die Leistungsüberprüfung, von der Bordlehrerin erbeten, fiel
gut aus - für Schüler und Bordlehrerin.(glaube, die Bordlehrerin
war um einiges nervöser). Finn freute sich täglich auf Schule
mit einer echten Lehrerin. Viel besser als mit dir, Mama, du bist viel
strenger!
Und die echte Lehrerin schien Freude zu haben mit ihrem willigen und begeisterten
außerplanetarischen Neffen.
Die Abende verbrachten wir mit den beiden entweder in unserem Stammlokal
inklusive perfektem Sonnenuntergang oder bei einem Drink im Nobelresort
mit Blick auf die sich im Meer spiegelnden Lichter der kitschigsten Weihnachtsbäume
der Welt. Die Tage verstrichen bei vielen Gesprächen und ein bisschen
Sightseeing. Buddha ehrten wir mit dem Anzünden von Räucherstäbchen
und die Souvenierläden mit dem Einkauf günstiger Perlenketten.
Tini, Schauspielerin von Beruf, klapste buddhistischen Mönchen freundschaftlich
auf die Schulter für ein Foto und versank beinahe im Boden, als sie
sah, dass die Thaifamilie nach uns sich vor den Mönchen hinkniete
und sie ehrte. Naja, Dezenz ist Schwäche und, soweit ich mich erinnern
kann, für den Schauspielerberuf sowieso nicht erwünscht! Andrea
indessen ging auf Tuchfühlung mit einem netten Elefanten, der sich
für einige Ananasscheiben gerne herzen ließ.
Verwirrend war für die beiden sicher die Tatsache, dass auf unserem
Planeten Internet und Handy zweitrangig ist, wo man die Wäsche waschen
kann und wo die Ersatzschiffsschraube zu kriegen ist, jedoch absoluten
Vorrang hat. Wo für sie ein hiesiger Supermarkt Fremdland ist, ist
er für uns inzwischen ganz klar durchschaubar. Pulvermilch statt
echter, Butter mit Salz hält länger, Vollkornmehl ist schwer
zu kriegen aber doch, gekühltes Gemüse wird schneller schlecht,
Süßwasser heißt Sparen, die Verkäuferin an der Kasse
faltet nicht die Hände um uns anzubeten, sondern sie bedankt sich.
Drachenfrucht schmeckt nach Kiwi, Mangos sind ein Traum, Lemongras nur
als Suppengewürz und zum Auszuzeln, aber nicht zum essen. Der bunte
Papageienfisch schmeckt wie Forelle, Limetten sind Vitamine pur. Schwimmen
in der Nacht ist was für Greenhorns, Aussteigen aus dem Dinghy ist
manchmal tricky (dies bescherte Andrea eine vor allem feuchte, aber doch
fröhliche Silvesternacht).
Tini tanzte beim Schnorcheln mit den Oktopussen in Raya, Andrea mit dem
Moped auf den Hügeln um Nai Harn. Wir alle schwangen auf der Risho
um Mitternacht das Tanzbein zu Wiener Blut, um das Jahr 2009 willkommen
zu heißen. Um uns leuchtete der Himmel im Schein der zahllosen Feuerwerke
und unzählbar viele Lampions stiegen vom Strand auf und umkreisten
unseren Privatplaneten Risho Maru.
So kurz die beiden da waren, so schnell passten sie sich dem Seglerleben
an. Duschen im Meer, Klo unter Sternen, Schlafen nach einigen Anpassungschwierigkeiten
in der engen Kabine recht gut. Nasser Popo nach dem Dinghyfahren normal,
frisch gebackenes Brot auf der Risho ebenso.
Gelassen, offen , fröhlich - meine angeheiratete Verwandtschaft ist
einfach perfekt. Finn genoss Tante und Cousine in vollen Zügen. Schmusen,
erzählen, lernen, blödeln, lachen.
Eine wunderbare Zeit - viel zu schnell vorbei und unvergesslich. Für
die beiden hoffentlich auch, und nicht nur wegen der Schlepperei. Nach
einer Woche im Segelerall standen die beiden wieder ihn ihren Stiefeln
am Flughafen, die Taschen wieder randvoll gepackt, Geschenke natürlich,
aber auch vieles, um die Risho ein bisschen leichter zu machen für
den Rest der Strecke.
Und jetzt sind die beiden wohlbehalten wieder zu Hause. Tini probt für's
Theater, Andrea rüstet sich wieder für ihre im Schulsytem kreisenden
Erstklassler. Vielleicht aber denken sie ab und zu an diesen manchmal
schauckeligen Planeten Rishomaru, an das Lemongras in der Kokosmilch,
das Pink der untergehenden Sonne und an ihre außerirdische Verwandtschaft,
die sich langsam aber sicher der heimatlichen Galaxie wieder annähert
und sich auf ihre Familie freut!
Fotos
|
| 16.12.2008,
Thailand |
Es
weihnachtet sehr...
Und schon sind wir in Thailand.
Die Zeit rennt. Weihnachten naht - kaum zu überhören in jedem
Supermarktradio! Stille Nacht auf Thai, Malaysisch, Chinesisch! Riesige
Plastiktannenbäume mit Gummibröselschneebelag vor den Shopping
Malls, Rentiere zwischen asiatischen Reistöpfen, glitzernde Girlanden
über getrocknetem Fisch-Knabbergebäck. Natürlich wird auch
auf der Risho die vorweihnachtliche Zeit gefeiert. Der Finn spielt ganz
wunderbar die größten Weihnachtshits auf der Gitarre und Seglerfreunde
kommen in den Genuss eines Adventsingens bei uns an Bord mit finnischen
Cornflakesweihnachtskeksen.
Nach dem ersten Adventsonntag verabschiedeten wir uns von Malaysien, Lankawi
und Bobby Schenk. Herr Schenk ist am Blauwasser Segler Himmel ein Fixstern.
Die von ihm noch nicht gehört haben, werden sich nach dieser Story
wundern, was Segler so tun wenn keiner zuschaut!
Jetzt liegen wir in der entspannten Nai Harn Bucht im Süden von Phuket
und sind eines von 5 österreichischen Schiffen in der Bucht. Man
merkt, die Heimat naht, man spricht hier viel deutsch, kann Schnitzel
essen und, wer will, findet die Köchin dazu unter den zahllosen Thaigirls.
Und gestern waren wir beim Thai Boxen und im Carrefour Käse kaufen.
Aber alles der Reihe nach!
Zurück nach Lankawi und
Vorhang auf für:
Kart Fahren mit Bobby Schenk
Bobby Schenk, sozusagen der
Harrison Ford der Fahrtensegler legt sich voll ins Zeug, aber nicht mit
Vollzeug! Sein Fortbewegungsvehikel ist kein schnittiges Segelboot oder
ein leichtfüßiger Katamaran - oh nein - es bewegt sich auf
vier Rädern und ist fest verbunden mit dem Land! Ein Kart Wagen!
Sicher nicht so majestätisch wie so manche Yacht, aber blitzschnell,
weil sein Fahrer im knallorangen Rennoverall genau weiß, wie er
die Kurven kratzt und die restlichen Mitfahrer (alles Segler) stehen lässt.
Grinsend stülpt er sich seinen Helm vom verschwitzen Haupt und freut
sich wie ein Schneekönig, dass seine Fahrtzeit von den anderen nicht
annähernd erreicht wurde! Hihi!
Die Segler, darunter mein Ehemann, wirken etwas irritiert, schien doch
bislang das Kart fahren eher als nette Nachmittagsbeschäftigung und
ganz und gar nicht als Rennsport. Aber Kart fahren mit Bobby Schenk, wie
könnte das langweilig sein mit einem Mann, der mehrmals die Welt
umsegelte - in alle möglichen Richtungen - einen Pilotenschein besitzt
und nicht so aussieht, als würde er demnächst so etwas langweiliges
wie den Ruhestand antreten. Ebenso seine Frau Carla, so wie Carl nur mit
a, meint sie bei der Vorstellung. Also an Carl denkt man sicher nicht
wenn man diese Frau sieht, eher an Meryl Streep! Ihr trockener Humor,
ihre blitzenden Augen, ihre schlanke Gestalt lassen mich überlegen,
ob Segeln der Schlüssel zu ewiger Jugend sein könnte! Die beiden
sind wirklich beeindruckend und es würde mich nicht wundern, wären
sie nächstens dabei, Kite Surfen zu lernen. Oder haben sie das schon
längst abgehakt?
Carla war zwar nicht beim Kart fahren, aber beim Fitnesstraining. Als
ich ihr zur Vorweihnachtszeit einen Strohstern schenke, meint sie fröhlich
"Ich hab ja nie eine Ahnung, wann diese Feiertage sind, manchmal
zu Hause in München geh ich zum Friseur und will einen Termin für
einen bestimmten Tag und dann klären mich die dort auf, dass da Weihnachten
ist!" Eine Seefrau wie sie im Bilderbuch steht!
Und so verbringen wir also den Tag mit Kart Fahren und über's Segeln
wird nur marginal geredet, was sehr selten unter Seglern ist. Und ich
finde eine ausgesprochen erfrischende Abwechslung. Das Traumpaar, Harrison
Schenk und Carla Streep! Ich bin ja eher ein Kinofan, vielleicht lese
ich jetzt aber doch endlich mein erstes Segelbuch!
Geschrieben hat Bobby Schenk davon ja einige und dass die beiden keine
Abenteurer ausgelassen haben, ist ziemlich offensichtlich. Ich geh jetzt
wieder Segeln. Meryl hat ausgedient, Carla ist das neue Idol!
Nach diesem Intermezzo, an
das ich gerne zurückdenke, weil es immer herrlich ist Leute zu treffen,
die anderes im Sinn haben als zu rasten und zu rosten, ging es also auf
nach Thailand.
Kurz vor dem Wegsegeln kam mir im Yachtclub ein Werbemagazin für
Phuket in die Hände. "Phuket im Dezember!" Stand da in
großen Lettern über einem ernüchternden Foto. Man sah
rot angeröstete Leiber in Liegestühlen zu Hauf an einem Strand
liegen, der auch in Lignano sein könnte. Zwei Thai-Masseurinnen mühten
sich gerade mit zwei gewaltigen Fleischbergen im Vordergrund des Bildes
ab. Es stellte sich heraus, der Artikel war nicht zynisch gemeint, sondern
pries Phuket und seine vielen Freizeitmöglichkeiten in höchsten
Tönen. Schluck.
Wir beruhigten uns mit der Tatsache, dass wir immer noch nach Malaysien
zurücksegeln können, sollte es uns gar nicht gefallen.
Der erste Ankerplatz Kho Lipe machte uns ein für alle mal klar, hier
blüht der Tourismus. Erstmals flüchteten wir nach nur wenigen
Stunden, um schnell wieder zum angeblich weniger überlaufenen Festland
Thailands zu segeln. Der Wind, der seit Monaten auf sich warten lassen
hatte, frischte genau an diesem Tag auf und zwar mit einem wunderschönen
Dreh gegen uns. Wir landeten müde und entnervt am bislang schönsten
Ankerplatz Thailands (wussten wir zu diesem Zeitpunkt zwar nicht, aber
irgendwie ahnten wir es) Ko Bulan, ein Stiller Fjord, Affen am Strand,
Urwaldgeräusche in der Nacht. Aber wie der Mensch auf der Risho Maru
so ist, war es dann doch ein bisserl gar einsam dort und wir segelten
weiter nach Kho Muk, einer Insel, die berühmt ist wegen der Emerald
Cave. Diese Höhle erreicht man nur indem man durch einen stockdunklen
Gang schnorchelt, durch stockdunkles Wasser mit den bollernden Geräuschen
der Brandung im Hintergrund, die durch die Felswände unheimlich verstärkt
wurden. Für mich der Stoff aus dem Albträume sind und deshalb
berichtet Peter von drinnen: Eine Öffnung nach oben ließ Licht
in die Höhle und mit Glück sogar emeraldblaues Licht, wenn der
Himmel diese Farbe wiederspiegelte.
Resorts gibt es in Thailand offensichtlich an jedem freien Strand, was
aber in diesem Fall schön war. Wir saßen und dinierten fein
am Sandstrand. Fackeln beleuchteten unsere köstlichen Thai Gerichte:
Green Curry mit Shrimps, Yellow Curry mit Huhn, und "Beef with Garlic,
Ginger and Pepper". Also diesmal hat der Weihnachtsspeck an unseren
Hüften sicher nicht mit Weihnachtskeksen zu tun!
Oder vielleicht saugt Adrenalin das Fett eh wieder ab. Bei der Heimfahrt
mit dem Dinghy, besser beim Ablegen vom Strand (natürlich im Stockdunklen)
stiegen drei Megawellen in das Dinghy ein. Nur durch Peters wohlwissendes
Surfergefühl schafften wir es, nicht wie viele andere kopfüber
am Strand zu landen, dafür aber waschelnass auf der Risho. Abenteuer
selbst nach einem romantischen Candlelight Dinner!
Am nächsten Tag durchstreiften wir die Insel, vom Westresort zum
Südresort. Dazwischen lag ein Thaidorf auf Stelzen, wiederaufgebaut
nach der Tsunamikatastrophe. An den Bäumen auf den umliegenden Hügeln,
die als Evakuierungs Zone im Notfall gekennzeichnet sind, hingen schwarze
Becher, die Bäume waren angeschnitzt und weißer Saft tropfte
in die Gefäße. Dieser wird später gesammelt, mit Wasser
gekocht und nach einigen anderen Prozeduren von Frauen mit den Füßen
platt getreten und zum Trocknen aufgehängt. Gummiherstellung!
Leider mussten wir weiter, da die Offiziellen in Thailand es nicht gerne
sehen, klariert man nicht nach mindestens einer Woche im Land ein. Und
so landeten wir schließlich in Phuket, Ao Chalong. Seglertreff,
zahllose Schiffe, am Ufer Seglerlokale und, wie wir beim Abendspaziergang
feststellten, Bars mit sehr willigen Damen! Vielleicht nicht ganz der
richtige Ort für einen neunjährigen Finn, aber Ilse von der
Esperanza meinte, ist schon gut so, geht er nicht ganz blauäugig
in die Welt hinaus. Abgesehen davon fand er die Mädls eh schiach.
Nichts gegen die bezaubernden Inderinnen seiner süßen Träume!
Und gestern waren wir dann beim Thai Kickboxen. Zuerst, als wir vor Beginn
des Kampfes durch die rotlichtigen Straßen des Kata Beach wandelten,
dachte ich mir, also das ist definitiv nicht der Platz für Kinder.
Bis ich dann all die Kinder der Thailand Urlauber hier sah. Vom Baby bis
zum 12 jährigen. Vielleicht bin ich wirklich ein bisschen realitätsfern
und will meinen Sohn vor dieser bösen Welt zu sehr beschützen
- was am Segelboot durchaus gut geht.
Thaiboxen mit Anurak
Beim diesem Thai Box Kampf
handelte es sich laut Aussagen unseres Taxifahrers Zong um eine Art Meisterschaft.
Ich fürchtete mich schon etwas, da ich mir das ganze unendlich langweilig
vorstellte, vor allem auch für Finn. Aber weit gefehlt. Da saß
ich nun und schnellte aus meinem Sitz sobald ein Kampf sich in der 5.
Runde seinem Höhepunkt entgegensteigerte. Man könnte sagen:
die Fetzen flogen! Finn war sprachlos und dann völlig aus dem Häuschen!
Ab Altersgruppe 7 bis zu den ganz großen Superprofis faszinierten
diese Kämpfer mit unglaublicher Schnelligkeit, Präzision und
einem, ich muss es zugeben, nicht ungeringem Touch von Brutalität.
Das ganze wurde von aufputschender Live Musik untermalt - traditionelle
Klänge mit Trommeln und Schalmeien - und dann noch das immer wieder
aufwallende Thai Staccato der anfeuernden Fans. Zwischen den Kämpfen
wurden auf einer Breitleinwand Videos von kaum bekleideten Tanzgirls gezeigt.
Ich schielte zu Finn und überlegte, ob es jetzt angebracht wäre,
ihm die Augen zuzuhalten, aber nachdem ein 10 jähriger Kämpfer
seinen Gegner gerade mit einer Mischung aus buddhistischer Konzentration
und akrobatischem Beinballett zur Schnecke gemacht hatte, war mir klar:
he can take it! Mit offenem Mund saß Finn da und ich dachte, besser
so als irgend ein vertrotteltes Computer Brutalo Game, das ihn im Moment
nicht interessiert. Die richtige Welt hier draußen scheint spannender
zu sein und ihm mehr Spaß zu machen.
Anurak, ein schielender Muskel-Thai, katapultierte seinen Gegner M16 in
der 3. Runde aus dem Ring, Rod, der einizige Engländer, machte deutlich,
dass er mehr boxt als kickt, nicht nur uns, sondern vor allem seinem völlig
erledigten Gegner Wasanlek. Dann stürzte sich Supergolf ins Geschehen,
glatzig und Idealbesetzung für einen Berufskiller. Sein Gegner Pechmai,
mit leichtem Schwimmreifen, machte ihm aber ein für alle mal klar:
Aussehen ist nicht alles!
Ich merke, ich steigere mich wieder rein! Als dann der Ticketverkäufer
die ersten Wetten entgegen nahm, war ich knapp daran auch einen Hunderter
zu zücken, sah aber dann die großen Augen meines Sohnes und
hatte mich gleich wieder im Griff!
Wow! What a night!
Heute sitzen wir wieder brav
auf der Risho. Gut, dass Sonntag ist und wir keine Schule machen müssen.
Finn sitzt in seiner Koje und malt. Supergolf im K.O. und Rod, den sommersprossigen
Box Briten.
Natürlich ist hier in Nai Harn der Strand auch von Resorts gesäumt,
aber erstaunlich wenige Touristen tummeln sich hier.
Wir haben genug zu tun. Unser Taxifahrer Zong kann nicht verstehen, warum
wir lieber 5 mal zum Segemacher und zu den Marinegeschäften fahren
als zum Elefantentrail und der Urwaldtour. Risho kriegt eine neue Fock,
um den Gegenwinden des Roten Meeres zu trotzen und auch sonst gibt es,
wie immer, genug zu checken und zu machen. Und natürlich heute wieder
ein Adventsingen, der 3. Advent. Bald kommen Tante Andrea und Cousine
Tini und die beiden sind das schönste Weihnachtsgeschenk für
uns!
Weihnachten! Schneechaos in Österreich und hier lacht die Sonne schelmisch
vom Himmel und das Wasser ist lau und seidig. Sicher viele Touristen hier,
und viele ziemlich grauselige Gestalten dabei, aber diese Sonnenuntergänge
Thailands, das satte Grün der Inseln, das Essen! Und wir haben ja
unsere Risho, unseren fixen Strand sozusagen, ohne Liegestühle und
Souvenirverkäufer.
Und es gibt den Carrefour mit richtigem Käse! Eine Italian Bakery
und eine French Boulangerie am Strand! Auch Biojogurt aus dem Schwarzwald
ist zu kriegen.
Manchmal ist Tourismus doch ganz fein...
PS Übrigens Willkommen
Ilvy! Gratulation an die frischgebackenen Eltern Dave und Synnova!
Fotos
|
| 27.11.2008,
Malaysia |
Die
Straße von Malaka und bald kommt der Nikolaus!
Wir sind in Lankawi, letzte
malayische Insel vor Thailand und bald kommt der Nikolaus!
Lieber Nikolaus, dem Murl, unserem Diesel Außenborder kannst du
einen dicken Gabensack bringen! Duftendes Motoröl, schneeflockenzarte
Zahnbürstenreinigung vom Kapitän, vielleicht eine weihnachtliche
Prise UB40 Ölspray!
Segeln in der Malakastraße kann man selten, wenn, dann meist in
der Nacht. Nur, wer will schon unbeleuchtete Fischerboote über den
Haufen fahren, Fischernetze um die Rümpfe gewickelt bekommen oder
von wahnwitzigen Schlepptransporten und ihrem sehr dicken Stahlschleppseil
eingefangen werden? Es reicht auch schon, einen Baumstamm zwischen die
Rümpfe zu kriegen! Auch die Gewitter mit gruseligen Blitzen sind
einfach in der Nacht noch um einiges unheimlicher.
Also schlossen wir uns den Yachten Esparanza (Wiener und Vorarlbergerin!)
und Vera (2 echte Berliner) an. Um die 78 sm Tagesetappen zu schaffen,
war Tagwache um 4 Uhr früh angesetzt.
Gähn! Die 2 Stunden bis zum Sonnenaufgang passten wir wie die Haftelmacher
auf, um nicht doch noch einen Fischer zu überfahren. Tagsüber
schmolzen wir dann in der Affenhitze und wichen den schwarzen Gewitterfronten
aus. Einst war die Straße von Malaka ein richtiges Piratengewässer,
heute haben die Yachten am meisten Angst vor den Blitzen!
Das beste an der Strecke waren mal wieder die Stopps - Malayische Marinas
- wunderschön und billig.
In Port Dickson mussten wir wegen Gegenwind eine Woche bleiben (ach wie
schrecklich, gut dass sie wenigstens einen traumhaften Pool hatten). Der
Finn lernte Billard spielen und sah seine heißgeliebten Hardrockgruppen
auch mal auf MTV!
Eine Nacht verbrachten wir dann doch vor Anker in einer sehr unruhigen
Bucht voller Felsen. Beim Ablegemanöver, natürlich stockdunkel,
kaum Wind, stoppte plötzlich der Motor. Nichts ging mehr!
Die Strömung drückte uns bedrohlich in die Bucht und Peter (Kopf
noch beim Motor) staunte nicht schlecht als ich in 2 Minuten allein Großsegel
und Genua gesetzt hatte und wir langsam aber doch unter Segel ausliefen.
Finn war aufgewacht und riet seinen total entnervten Eltern doch zu schauen,
ob wir in ein Fischernetz geraten waren. Ein Blick auf den Propeller reichte
- ein schwarzes (!) T-Shirt hatte sich fest um die Schraube gewickelt
und blockierte alles. Unser Finn - langsam aber sicher gibt es an Bord
einen 2. Kapitän! Und der 1. Kapitän war an diesem Tag sehr
stolz auf seine flotte, umsichtige Crew!
Nach diesem Schreck kam uns Georgetown nur gar zu recht.
Ahh! Georgetown! Was für ein Städtchen! Little India sieht aus
wie aus dem Film, dem indischen Bollywood Film natürlich, mit seinen
herrlich grimassierenden Schauspielern und bunten Musicaleinlagen.
Und ein bisschen französischen Film gibt es auch. Ich saß in
Catherine Deneuves Sessel aus dem Film "Indochine" im "Blauen
Haus". Diese Gebäude ist ca. 200 Jahre alt und gilt als Vorzeigestück
für den Feng Shui Stil.
Überhaupt überraschte uns Georgetown mit seinen vielen alten
Kolonialhäusern. Meist verfallen, aber das macht das Ganze umso bezaubernder.
Meist mit kleinen chinesischen Bars im Erdgeschoß, die Tiger Bier
anbieten, indischen Filmen im Fernsehen (Finn kennt jetzt alle Bollywoodstars
und kriegt von den schönen Inderinnen nach wie vor rote Backen) und
wirklich sehr entspannten Locals.
Nicht umsonst gibt es in Georgetown eines der größten Jazzfestivals
Asiens! Passt sehr gut zu dieser relaxten, bunten Stadt!
Letztendlich konnten wir uns losreißen und motorsegelten nach Lankawi
(ganz zaghaft rührte sich nämlich der NO Monsun!). Die Hauptstadt
Kuah ist so richtig "schiach"! Aber alles ist zollfrei und man
kauft günstig Bier, Kondome und Schokolade - genau in der Reihenfolge
angeboten!
Milka, Toblerone, Rittersport! Ahhh! Was für ein wunderbarer Adventkalender
das werden wird!
Die Insel umrundeten wir mit einem schrottreifen Auto der malayischen
Marke "Saga", das zu Finns unbändiger Freude mit Holzlenkrad,
Rennpedalen, einem riesigen Auspuff und auf Grund dessen einem "leiwanden
Spruch" ausgestattet war. Röhr!!!!!!
Im Norden der Insel auf einem wunderschönen Strand wurde gerade ein
indisches Musical gedreht!
Und im Westen besuchten wir die Krokodilfarm mit springenden Krokodilen!
Im Süden gab's dann einen echten Touristenstrand und wir saßen
zwischen zahllosen Australiern und fühlten uns wie in Lignano!
Abends ging's noch zum Nightmarket, mit Drachenfrüchten, stinkigen
Durians, indischen Samosas und Trockenfischen als Knabbergeback. Wir testeten
Thailändische Crêpes - so scharf, dass man 3 Stunden später
seine Lippen noch immer nicht spürt.
Lebkuchengewürz fand ich nicht, aber einige Bestandteile davon! Mal
sehen, wie die Vanillekipferl mit Cashewkernen schmecken!
So, lieber Nikolaus, mach dich auf die Socken! Auf der 3. Thailändischen
Insel von rechts findest du die Risho am 6. Dezember und zu Weihnachten
sind wir in Phuket! Der Finn spielt gerade sehr anständig "Leise
rieselt der Schnee" auf der Gitarre und blickt dabei auf den Hausberg
von Lankawi!
Mit österreichischer Seilbahn übrigens! Da fahren wir morgen
hinauf, der Bua muss doch langsam an die Berge gewöhnt werden!
Fotos
|
| 30.10.2008,
Singapur |
In
Singapur
Sind schon 2 Wochen da, aber
immer wenn ich mich vor den Computer setzen will, das Wireless Internet
anwerfe, über unser Leben hier zur Zeit berichten will, immer genau
dann kommt eben dieses dazwischen. Das Leben hier!
Ich muss dann ganz dringend von der Risho auf den blitzblank gefegten
Schwimmsteg der one15marina hüpfen und schnell ein paar Züge
im eleganten 200 Meter Pool mit Blick auf die Singapore Skyline machen.
Finn ist schon da, nachdem wir die Schule am Morgen in Windeseile abgespult
haben (das Druckmittel "Swimmingpool gestrichen wenn Schulleistung
unterm Hund" wirkt Wunder!).
Und der fesche, braungebrannte Langhaarige mit Schwimmbrille, der da durch
das Pool krault ist doch mein Ehemann! Wollte der nicht nur schnell Duschen
gehen?
Nachdem wir also ausgiebig geschwommen sind geht's wieder auf die Risho
und nachdem Essengehen in Singapur eine der wichtigsten und billigsten
Angelegenheiten ist, müssen wir uns rasch fertig machen, um mit dem
Shuttle Bus in die City zu fahren.
Und wenn wir dann im ausgedehnten Foodcourt einer Shopping Mall eines
der hunderten von Gerichten ausprobiert haben, zahlt es sich kaum aus
gleich wieder in die Marina zu fahren. Also ab in das Mass Rapid Transportation
System, die U-Bahn, und ab nach... na was mach ma heute?
In den ersten Tagen sind wir nur durch die Orchad Road, sozusagen die
Mariahilfer Straße von Singapur gestreift. Wobei der Vergleich mehr
als hinkt.
Man könnte Singapur als einzig große Shopping City bezeichnen.
Denn Shoppen ist auch für die Singaporians eine Hauptbeschäftigung,
liegt vielleicht auch daran, dass es so unerträglich heiß ist
und die Shopping Hallen so wunderbar airconditioned sind! Ja, die Malls
sind unglaublich. Paläste des Konsums, wobei Palast wirklich untertrieben
ist. Lichtdurchflutete Hallen mit Springbrunnen, jede Ecke architektonisch
ausgenützt und designt. Alles glänzt sauber, und voller Erstaunen
entdeckt Finn einen Putzmann, der gerade penibelst mit einem eigens konstruierten
Schaber einen am Marmorboden klebenden Kaugummi abkratzt. Kaugummiausspucken
oder irgendwas nicht in den Mistkübel werfen kann empfindlich teuer
sein. So an die 300 Euro ist da die Untergrenze!
Deswegen ist in Singapur auch alles extrem sauber. Selbst die Toiletten
wirken als würde sie nie jemand benützen. Aber es sind mehr
als genug Leute hier!
Es wimmelt und wuselt, aber irgendwie läuft alles wie geschmiert.
Die Singporians sind zurückhaltend, freundlich, hilfsbereit und sprechen
Singlish-eine Art Englisch, die man eigens studieren muss um sie zu verstehen.
Aber irgendwie kommt man doch zusammen und sobald es um's Essen geht,
blüht selbst der distanzierteste Einheimische auf.
Essen ist - nach Shoppen oder sogar vor dem Shoppen - das Wichtigste in
Singapur.
Man kann überall Essen und überall isst man!
In den Shopping Malls gibt es Foodcourts und auf der Straße in den
verschieden Stadtvierteln zahllose Food Stands. Je nach Viertel isst man
dann eben Chinesisch, Thai, Malaysisch, Indisch, indisch moslemisch, moslemisch
malaysisch, indonesisch...
Manchmal stehen wir schon ziemlich ratlos vor dem unglaublichen Nahrungsangebot
und zeigen einfach auf irgendwas mit dem Finger (was übrigens sehr
unhöflich ist in Singapur, aber man verzeiht uns offensichtlich...)
und solange keine Eingeweide oder Fischköpfe drinn schwimmen, genießen
wir jedes Gericht!
Meinen Männern hat vor allem Little India den Kopf verdreht. Ich
kann's verstehen, die Inderinnen sind eine Augenweide! Jede Generation
trägt mit Begeisterung den traditionellen Schmuck und die wertvollen
Saris und Tücher. In jeder Ecke lauert ein anderes Bollywood Starlet
und lässt unseren Neunjährigen Finn über den gewissen Unterschied
etwas intensiver nachdenken... Zum Lichterfest erglänzt das ganze
Viertel in den wunderschönen, bunten indischen Farbtönen. Jedes
Mädchen und jede Frau lässt sich die Hände für dieses
wichtige Fest mit Hennatatoos verzieren.
So klein kann ein Baby gar nicht sein, dass nicht ein roter Punkt seine
Stirn ziert.
Das soll aber nicht heißen, dass die Inder nicht ausgesprochen modern
sind. Wenn ich Englisch verstehe in Singapur; dann wird es sicher von
einem indischen Singaporianer gesprochen!
Die ganze Stadt ist extrem modern und clean. Alles funktioniert perfekt
und reibungslos. Es gibt hier kein "hinter den Kulissen", zumindest
scheint es mir so!
Im Damenklo gibt es immer ein Mini-Pissoir für die kleinen Jungs,
die noch nicht alleine ins Männerklo gehen.
Die U-Bahntickets sind Plastikkarten, die man aus dem Automaten holt und
nach der Fahrt dort wieder einschiebt. Damit jeder sie auch wirklich recyclet
ist auf der Karte ein Pfand, das man dann zurückbekommt.
In Singapur kann man sich auch nicht vor die U-Bahn werfen, zumindest
nicht in der Station. Plastikwände bzw. Türen trennen die Trasse
bzw die einfahrende U-Bahn von den wartenden Fahrgästen.
Servietten gibt es nirgends, dafür in jedem Foodcourt kleine Waschbecken
zum Händewaschen. Haben uns einmal gefreut, als wir einen Foodstand
entdeckten auf dessen Sitzbänkchen kleine Päckchen mit Taschentüchern
lagen. Haben uns gemütlich hingesetzt, gegessen und die Taschentücher
reichlich benutzt. Blöd war nur, dass die Singaporianer, die sich
so ihren Platz reserviert hatten, wortlos mit ihrem Essen neben uns standen
bis wir fertig waren.
Man kritisiert nämlich hier nicht, weil sonst könnte einer das
Gesicht verlieren und so seinen Status und sein Ansehen.
Mit dem größten Riesenrad (The Flyer!) der Welt und anderen
Superlativen wird klar, dass es hier wichtig ist, der Beste zu sein. Und
der schnellste und der am meisten profitierende. Man darf sich also nicht
wundern, wenn man es nicht schafft aus der U-Bahn auszusteigen weil die
Einsteigenden einen zurückdrängen.
Oder einmal sah ich in Chinatown eine extrem lange Warteschlange vor einem
Shop und auf die Frage, was es denn so besonderes zu kaufen gäbe,
meinte eine der Wartenden - Keine Ahnung, aber es muss was Tolles sein!
Abgesehen von diesen kleinen Kratzern, sind die Leute hier aber durchaus
liebenswürdig und vor allem sehr straight und korrekt. Ein indischer
Kellner meinte, als wir unser Essen bestellten wir sollten nur 2 Gerichte
bestellen, das wäre wirklich ausreichend für uns drei! Er hatte
recht!
Interessant war aber das Familienkarten Angebot im Modern Art Museum.
Eine Okkasion, nur 25 Singapore Dollar zu dritt!
Nützen wir es nicht, zahlen wir pro Erwachsener 10 Dollar und für
Finn 5 Dollar.
Hehe..also doch nicht gar so perfekt......
Unsere Marina ist ja auch ein Bild der Perfektion mit einem kleinen Kratzer.
Wunderbare Anlagen für die Schiffe, Gärten, Pools, Duschen wie
aus
einem Philip Stark Designbuch - blöderweise dürfte der Architekt
vergessen haben, die Stufen von der Marina zum Marinagebäude mit
all den Nobelrestaurants zu planen. Und so sind da nun billige Alutreppen
eiligst eingefügt worden. Hoffentlich war das für den ehrgeizigen
Singaporianer nicht ein Grund für Selbstmord!
Auch kursiert hier die Geschichte von einem franzosischen Geschäftsmann,
der in Singapur das Management einer Firma übernahm und bei seinem
Antritt einige Arbeiter kündigte. Die kamen aber nach wie vor ohne
gebraucht oder bezahlt zu werden zur Arbeit. Sie konnten einfach zu Hause
nicht ihr Gesicht verlieren! Schließlich fand der Franzose dann
in einer anderen Firma für sie einen Job!
Und so vergehen hier die Tage und wir genießen das Leben und fallen
abends mit rauchenden Füßen todmüde ins Bett, wobei: heute
Abend müssen wir ins Indische Viertel zum Lichterfest und jetzt muss
ich ins Pool
34 Grad Außentemperatur!
Vielleicht schauen wir vorher noch nach Chinatown und ich trau mich endlich
die Hühnerfüße zu kosten! Gestern war übrigens Nationalfeiertag
und
Finns 9. Geburtstag - statt beflaggten Straßenbahnen gab's Eiscreme,
sitzend im Marinapool mit Blick auf
eh schon wissen.
So ich muss los...
... Muss jetzt nach einigen Stunden doch noch einen kleinen Nachtrag machen.
Singapur ist voller Überraschungen.
Waren heute in Chinatown und da steht der letzte Wiener Würstelstand
vor dem Äquator. Käsekrainer und Bratwürstl vom feinsten.
Mit Semmerl und Senf.
Habe die Hühnerfüsse doch verschoben. War eh nicht besonders
hungrig, nachdem wir am Nachmittag beim Ikea die Fleischbällchen
verkostet haben. Ja! Beim Ikea!!!!!!
Das Lichterfest haben wir dann ausgelassen und kurz war ich versucht,
bei einem traditionellen Massagesalon einzukehren um meine wieder einmal
rauchenden Füße von Minifischen anknabbern zu lassen. Ist hier
ganz normal.. man sitzt mit den Füßen in einem Becken und die
Fischlein knabbern begeistert an den Zehen herum. Oder man setzt sich
auf eine Art wackelnder Klodeckel und kriegt eine Ganz-Körper-Durchschüttelung.
Oder ich nehme einfach einen Löffel "Bird Nest Extract"
(gehärteter Vogelspeichel), um mich wieder zu erfrischen.
Oder pulverisierte Seegurke aus der Apotheke in Chinatown.
Gähn
aber das nächste mal probier ich sicher die Hühnerfüße...
Fotos
|
| 14.10.2008,
gegenüber von Singapur |
Kurzinfo von der Risho Maru:
"Sind jetzt gegenüber
von Singapur und werden übermorgen die 10 sm in unsere Singapur-Marina
machen, da werden wir wieder einen neuen Bericht schreiben
"
|
| 02.10.2008,
Bali, Indonesien |
Bali
oder Wer will schon ein Moskito sein?
Fährt man in Bali mit
dem Auto, wird man früher oder später Hinduist oder Buddhist
oder Angehöriger irgendeiner Religion, die an Wiedergeburt glaubt.
So wie sich die Einheimischen hier in das Verkehrsgeschehen stürzen
- unter dem Motto "kein Blick zurück" müssen sie sehr
überzeugt davon sein, dass es mehrere Leben gibt, die auf sie warten.
Ich gewöhne mich hier langsam an winkende Kleinkinder, die auf den
Schultern ihrer mopedfahrenden Väter sitzen, die einen gerade haarsträubend
schnell in einer Kurve überholen. Der Vater trägt Helm, das
ist Pflicht in Indonesien, ebenso die hinter ihm sitzende Mutter, nur
das Kleinkind auf den Schultern und das Baby in Mamas Armen müssen
sich auf Papas Fahrkünste verlassen. Geht es sich mal nicht aus,
fährt der Schwächere in den Graben, was natürlich bei den
engen Bergstrassen hier blöd ausgehen kann.
Vishnu, Brahma, Shiva - Götter gibt es genug, ist auch gut so, denn
Menschen gibt es hier überall. Kein Flecken Balis ist unbewohnt oder
unbewirtschaftet. Überall in den Berghängen sieht man Dächer
im Sonnenlicht leuchten, die vielen Terrassen der Reisfelder glitzern,
Mandarinenbäume im Hochland, dazwischen Felder von blassblauen Hortensienblüten.
Und überall Tempel! Jedes kleinste Anwesen oder Häuschen hat
seinen Haustempel, denn die Geister der Verstorbenen bringt man nach Hause,
nachdem man sie in allen wichtigen Tempeln den Landes weihen ließ.
Jedes Dorf besitzt auch mindestens 3 Tempel, die vor allem in den Vollmondnächten
zu Leben erwachen. Da spielt dann das örtliche Gamelan Orchester
auf und die Altäre des Tempels biegen sich unter den Opfergaben,
die die wunderschön gekleideten Frauen bringen. Die Rituale ihrer
Religion haben die Hindus voll in den Alltag eingebaut. Egal ob kleines
Bauerndorf oder großer Touristenort. Zweimal täglich werden
Opfergaben gebracht. Da wandelt eine balinesische Schönheit (manche
eher im Minirock als im Sarong) durch die Straßen, mit einem Holzteller
voller "offerings". Minikörbe, geflochten aus Bananenblättern,
gefüllt mit gekochtem Reis, Blüten, Crackern, manchmal sogar
Zuckerln und immer einem brennenden Räucherstäbchen. Sie legt
die kleinen Kunstwerke in die kleinen Straßentempel, zu den Hausaltären,
vor Shops, vor die Laundry, auf die Stufen der Restaurants, vor die Bakery,
auf den Strand, die Platzwahl ist höchst unterschiedlich und zahlreich.
Bin schon mehrmals draufgestiegen - möchte nicht wissen, ob der Zorn
der Hindugötter schon auf mir lastet und ich damit rechnen muss als
Trampeltier wiedergeboren zu werden.
Die Frauen hier sind auffallend hübsch und immer am arbeiten.
Kinder, Küche, Tempel und zum Drüberstreuen noch im kleinen
Familienbetrieb kochen und servieren oder Souvenirs verkaufen, nebenbei
noch ein bisschen Laundry für die Touristen und Früchte verkaufen
am Markt.
Die Männer sieht man viel herumsitzen. Patriarchat, steht im Reiseführer
"Lonely Planet" - ich dachte immer, das heißt die Frauen
kümmern sich um den Haushalt bzw. um die Kinder und der Mann bringt
das Geld.
Ahh! Geld!
Eines ist einem hier bald klar - man zahlt nie den angeschriebenen oder
gesagten Erstpreis. Eher die Hälfte. Bei guter Verhandlungstaktik
ein Drittel. Und das ist dann immer noch das 3 fache des Normalpreises.
Und zumindest für Touristen gilt: auf jeden Fall über's Ohr
hauen. Wobei in diesem Fall die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau
durchwegs funktioniert!
Ich bin inzwischen Handelsspezialistin und mein Kopfrechnen wurde sehr
aufgefrischt durch die Schnellkontrolle sämtlicher Rechnungen. Macht
man auf Fehler aufmerksam, wird man verschlossen angelächelt. Und
merkt, wie fremd man ist. Am besten ist man ebenso unverschämt und
lächelt freundlich dazu. Bloß kein lautes Wort oder böses
Auge, denn wie gesagt: es gibt ein Leben danach und da büßt
man dann dafür!
Nach einigen erschöpfenden Verhandlungen und entnervenden Betrügereien
war es eine Wonne auf den alten Tempelpriester Yuli in Jagaraga zu treffen.
Der kleine Tempel Pura Dalem, der Wassergöttin geweiht, steht an
einer ländlichen Straße im Norden Balis. Yuli lud uns ein ihn
zu besichtigen, seine Tochter reichte uns Sarongs, um unserer Beine zu
bedecken, und dann nahmen wir Platz im Schatten der verträumten Tempelanlage.
Yuli erzählte und erzählte über Hinduismus , über
den einen Gott und seine vielen Manifestationen in dieser Religion, über
sein Leben als ehemaliger Dorfschullehrer, seine Liebe zu seinen 3 Frauen
- selbstverständlich liebte er sie hintereinander, musste 2 sterben
sehen und keine gebar ihm einen Sohn - und über seine Freuden und
Leiden.
Als wir ihn bei der Verabschiedung darauf ansprachen, was wir ihm denn
für seine Zeit bezahlen sollten, meinte er gleichmütig, wir
könnten etwas für seinen Tempel spenden - wenn wir wollen.
Auf die Wiedergeburt angesprochen erklärte er uns lächelnd aber
bestimmt, er bemühe sich ein guter Mensch zu sein, denn als Moskito
wolle er nicht wiedergeboren werden.
Sich bemühen ein guter Mensch zu sein... das klingt nach einem guten
Plan - denke ich mir - klatsch!
Wer diese Gelse wohl war?
Ubud - wenn einer eine Reise
tut!
Finn sitzt in seiner Koje und
packt. Wir verreisen! Das mag jetzt für manchen Leser da draußen
etwas vermessen klingen und die Frage heraufbeschwören,.was haben
die denn seit 3 ½ Jahren gemacht?
Natürlich, natürlich, wir sind Reisende, aber Landurlaub ist
für Seemänner immer was besonderes! Risho Maru ist gut eingeankert
in Lovina, einer schönen Bucht im Norden Balis und mehrere befreundete
Segler haben versprochen ein Auge auf unser Heim zu haben und den Basilikum
zu gießen.
Finns Aufregung ist groß! Für die 2 Nächte und 3 Tage
hat er seinen Rucksack randvoll gepackt. Man weiß ja nie, könnten
ja irgendwo in der Einöde verloren gehen - wobei das in Bali doch
etwas schwierig sein dürfte.
Wir haben Ubud als Ziel auserkoren. Die schöne alte Handwerksstadt
im Hochland der Insel. Eingebettet zwischen Reisfeldern bildet sie einen
der Hauptanziehungspunkte für Touristen. Hier geht's nicht um Strand
und Palmen sondern um Kultur! Schnitzereien, Batik, Galerien, Tänze
- los geht's.
Wir kommen spätnachts an, nachdem wir uns durch den elenden Verkehr
des Südens gequält haben. Lassen das Auto irgendwo in der Innenstadt
geparkt um auf Hotelsuche zu gehen. Wir wandeln auf Kopfsteinpflaster
durch eine ruhige Seitengasse, ein heimeliges Café mit dem Namen
"Cafe d'artiste" lädt zum verweilen ein, aber zuerst wollen
wir unser Schlafstätte finden. Es regnet leicht, es ist angenehm
warm, es duftet intensiv nach Blüten und Feuchtigkeit. Peter entdeckt
in einer Minigasse ein schwach beleuchtetes Schild "Sama Cottages".
Wir gehen einen schmalen Weg durch einen verwunschönen Tropengarten.
Vogelgeräusche wie von einer Meditations CD. Am Ende des Weges ist
ein kleines Haus, auf der Veranda ein Schreibtisch "Office",
über dem Schreibtisch hängt eine kleine Trommel mit einem hölzeren
Schlegel "Bitte klopfen!" Nach einigen Minuten erscheint ein
kleiner Mann in balinesischer Tracht und lächelt uns freundlich an.
Zimmer sind frei, er zeigt sie uns. Wir betreten einen kleinen, feinen
Bungalow, im traditionellen Stil erbaut. Spitzes Holzdach, Veranda, Ventilator,
Holzbetten und ein schlichtes Badezimmer.
Parken können wir vor der Tür. Wir bleiben!
Es ist für uns immer seltsam nicht auf dem Schiff zu schlafen. Finn
kriegt kaum die Augen zu und ich gönne mir schließlich mit
Peter auf der Terrasse noch ein einschläferndes Bitang Bier. Wir
schlafen etwas unruhig, und erwachen als ich vor unserer Tür das
Klingen von Teetassen höre. Finn ist sofort putzmunter und erkundet
die Lage - Mama Tee ist da! Und so sitzen wir auf unserer Terrasse im
Garten und trinken Tee, und der Kellner kommt im Sarong und serviert ein
köstliches Frühstück. Finn holt weitere Erkundigungen ein
und entdeckt das Swimmingpool! Meine Güte, gleich nach dem Frühstück
ins Wasser! Seltsam
das haben wir doch eh jeden Tag... aber halt
nicht in einem "Resort" erklärt der Finn, denn jedes Hotel
ist für ihn ein Resort. Und so schwimmen PAF im Swimmingpool, das
ca. so groß ist wie die Rishomaru und genießen das normale
Touristendasein!
Der Tag vergeht mit Stadterkundigungen, Blicken auf Reisfelder, Stöbern
in wunderbaren Buchgeschäften, Essen in einem kleinen Warung, und
Schauen, Schauen. Ubud, eine tolle Stadt! Am Abend gehen wir zu einem
Feuertanz.
In einem Tempel erleben wir die Geschichte von Rama, der seine schöne
Sita aus den Klauen des Bösewichts Rawana mit Hilfe einer Affenarmee
befreit. Die Affen sind ein Chor von etwa 30 halbnackten Männern,
die das acapella Orchester bilden. Sita ist eine wunderschöne in
Gold und Brokat gekleidete, anmutige Tänzerin, ihr Prinz Rama (ebenfalls
eine Frau, inzwischen wissen wir ja, wer hier die meiste Arbeit hat...)
hat viele Prüfungen zu bestehen, bevor er Sita wieder zurückbekommt.
Alles findet nur bei Kerzenlicht statt und ist spannend und mystisch und
derart aufregend, dass Finn gleich 2 Mal dringend auf's Klo muss!
Auf dem Heimweg stoppen wir noch auf einen Imbiss in einem Lokal, es spielt
die ortsansässige Reggae Band. Bob Marley auf Indonesisch! Ihr zahllosen
Hindugötter helft! Schließlich finden wir wieder unser "zu
Hause" nach einem nächtlichen Spaziergang durch die stille Stadt.
Morgens nochmal Frühstück im Tropenparadiesgarten und auf geht
es weiter ins Hochland zum Pura Besakih - dem wichtigsten Tempel der Hindus
auf Bali.
Perfekt am Fuße des 3000er Vulkans Gunung Agung angelegt, mit Blick
auf Reisfelder und Meer. Natürlich die üblichen lästigen
Händler, aber selbst die können den Zauber dieses Ortes nicht
brechen. Ketut, unser Guide ist ein Glücksgriff, er erklärt
uns alles und verzieht selbst bei unseren dümmsten Fragen nicht das
Gesicht. Oder wer von euch weiß warum die weißen Kühe
heilig sind?
Weil sie einst den Baby Söhnen eines Gottes, der seine Frau verlor,
als Amme diente. Abends kehren wir erschöpft aber glücklich
von unserer "Reise" zurück und der Finn stellt fest "
jetzt ist alles irgendwie so neu auf der Risho!"
Und die Moral von der Geschicht' - man kann nie zu viel verreisen nicht!!
Skipper Pete
Flauten, starke Strömungen und viel zu viele Menschen
Bali-Lovina Beach Pos: S 08°10,35
E 115°01,22 Temp. 32°, Flaute
Wollen in den nächsten Tagen Richtung Singapur aufbrechen. Über
900 Seemeilen ist die Strecke, machen uns schon Sorgen, dass wir viel
motoren müssen. An Deck stehen einige Zusatzkanister Diesel um durch
die Flauten zu kommen. Bali ist schön und die Menschen hier sind
etwas entspannter als auf den Inseln zuvor. Das Hochland mit seinen Tempeln,
Tänzen, Reisfeldern hat uns sehr gefallen. Mit Indonesien selbst
tun wir uns noch schwer, denn die vielen, vielen Menschen überall
sind schon gewöhnungsbedürftig. Überall kommt einer angelaufen
und will irgendetwas verkaufen. Es ist nicht möglich, irgendwo einfach
nur zu stehen oder zu sitzen. Wir ziehen uns dann auf die Risho zurück
und selbst da kommen Auslegerboote und wollen Wäsche waschen, Schiff
putzen, Diesel verkaufen. Die Preise sind allgemein niedrig aber sobald
sie für Touristen sind, verzehnfachen sie sich.
Das wichtigste Wort ist "bargain bargain" (Handeln oder vielmehr
feilschen). Das nervt schon gewaltig, vor allem wenn ich das Gefühl
habe die Leute wollen einen immer betrügen.
Das Problem ist, dass es zu viele Menschen gibt. Da kommen auf einen Touristen
hunderte Einheimische. Das muss unweigerlich auf beiden Seiten zu Spannungen
führen.
Da ist Bali ,die letzte Insel in Indonesien die (noch) hinduistisch ist,
etwas einfacher für uns zu verstehen.
Vielleicht auch weil wir gerade zur Zeit des moslemischen Ramadan auf
den anderen Indonesischen Inseln waren. Beten - Fasten - Beten - Fasten
und die ganze Nacht übers Megaphon die Gesänge des Muezzin -
das geht irgendwann auf's Gemüt. Unlängst sagte mir ein Moslem
ganz stolz neben seinen halb verhungerten elf Kinder - das seien seine
und er wäre natürlich ein Held. Das Ganze mit hämischem
Blick auf unseren einzigen Sohn (seine Frau hat er erst gar nicht erwähnt).
Ich sagte ihm, dass es besser wäre, er hätte nur eines, und
das hätte die Möglichkeit eine gute Ausbildung zu bekommen.
Sind dann gleich abgehauen - ist nicht so gut angekommen. Es ist nicht
einfach die Mentalität der Leute zu verstehen, aber wir wissen natürlich,
als Gast hier wollen wir uns bemühen, uns zurechtzufinden und die
Spielregeln zu erlernen. Keine Frage, es ist sehr interessant hier zu
sein.
Habe mir ein Buch über den Islam gekauft, hab mich auch bemüht,
diese Religion zu verstehen . Dass hier ein Gewaltpotenzial gärt,
sollte man nicht wegdenken, denn selbst auf dem UKW rief erst gestern
jemand den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen auf, und es ist auch
erstaunlich, dass vier Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bali
durch Moslemische Fanatiker die Drahtzieher noch immer frei herumlaufen.
Der Westen ist Feindbild und Wunschbild zugleich, denn wenn ich mir die
Tausenden von Werbeplakaten so ansehe, weiß ich nicht recht, ob
es NY ist oder Indonesien. Im Pazifik waren die Menschen für uns
herzlicher und liebenswürdiger - vielleicht tun wir uns deswegen
schwerer.
Aber genau das macht ja unsere Reise so spannend, dass es eben solche
Extreme gibt. Die Welt ist bunt, vielfältig, und oft bitter und süß
zugleich - eben Yin und Yang.
Fotos
|
| 10.09.2008,
Lombok, Indonesien |
Warane,
Warungs und Was der Finn so treibt
Unsere Riffbekanntschaft steckt
mir noch in den Knochen. Klar. Oder ist es normal, dass ich bei Annäherung
an Riffpassagen Schweißausbrüche, Atemnot und den hysterischen
Blick auf den Tiefenmesser bekomme? Dabei sollte ich mir denken: Wahnsinn!
Risho Maru ist sicher das einzige Schiff, das man unbeschadet bis auf
einige Kratzer auf Korallenköpfe aufbocken kann.
Leicht entnervt kam mir also die meditative Landschaft Rincas sehr entgegen.
Sanfte Savannenhügel, bestückt mit wenigen Palmen und einigen
Komodo Waranen. Die gibt es nämlich auch auf Rinca und nicht nur
auf Komodo, und Finn meinte, die sollten dann wohl ordnungshalber Rinca
Warane heißen. Die Einheimischen sagen sowieso "Dragon",
genau so ausgesprochen wie geschrieben. In Finns Lesebuch Funkelsteine
für die 3. Klasse gibt es ein ganze Seite über die Komodowarane
plus Foto!
Haben dann gleich ein Foto mit Finn plus Komodo, pardon, Rinca Waran gemacht.
Schon seltsam, wenn man dort gerade ist, worüber das österreichische
Lesebuch so begeistert schreibt. Seltsam? Nicht für Finn.
Wir sehen einen Kinofilm und der spielt in New York - Finn: "Ah schau,
Mama, Manhattan, da waren wir doch in diesem großen Park".
Oder der grandiose Film "Whalerider" - über Maoris in Neuseeland.
Finn: "Das ist doch in Keri Keri gedreht bei diesem Surfbeach"
und "He, die lügen, dieses Haus steht doch in Te Puia und nicht
bei diesem Beach" oder "Rahhh der Haka Tanz! Hab ich gehasst
in der Schule."
Aber zurück nach Rinca."Da schaut's ein bisserl aus wie auf
Galapagos, Mama." Ich muss Finn recht geben. Irgendwie hab ich mir
Indonesien tropischer vorgestellt, Reisfelder und so
haben wir jetzt
auch endlich, in Lombok!
Aber Rinca und Komodo sind knochentrocken, beheimaten dafür Tiere
wie die Riesenechsen, Wasserbüffel und Seeadler.
Gegen oder ohne den Wind kriechen wir mit nicht sehr hilfreicher Gegenströmung
Richtung Westen. Apropos kriechen. Ich mach mit Finn Sachkunde. Thema:
Verkehr. Beschreibe deinen Schulweg und seine gefährlichsten Hindernisse.
Ähh... Also zuerst vom Steuerbordrumpf aus meiner Koje über
das Mitteldeck, Hindernis: vom Mast abstehender Baum, dann Abstieg in
den Backbordrumpf, rechts einbiegen bis zum Küchentisch, Achtung:
Olivenölflasche im Regal unter dem Tisch steht gefährlich an
der Kante. Geschafft. Lehrerin etwas grantig zweng übermäßiger
Hitze. Schüler etwas abgelenkt wegen hinter ihm auf Matratze der
Küchenkoje stehendem, gestern erbautem Lego-Resort, mit indonesischen
Tuk Tuk Booten.
Nenne Verkehrswege, die du kennst. Finn: "Highways in Kalifornien,
Avenues in Neuseeland" Wer regelt den Verkehr und schreibt Verkehrssünder
auf? Policeman. Auf deutsch bitte...!
"Wale!"ruft der Peter. Wir stürzen an Deck und sehen noch
die majestätischen Schwanzflossen über dem Wasser glitzern.
Der Wal - männlicher Artikel - Namenwort. Wir ankern im Norden Lomboks
und freuen uns, dass die Insel so grün aussieht hinter ihren schwarzen
Vulkanstränden. Der Muezzin ruft. Oder besser die Muezzins. Es ist
Ramadan, der heilige Monat, und Essen gibt es für die Moslems nur
zwischen 3 und 4 Uhr Früh. Ahaa
lah
alllaaaa... ich lese
aus dem Lonely Planet vor über den Islam in Indonesien und was im
Ramadan alles nicht erlaubt ist. Sex zum Beispiel. Nicht erlaubt. Finn:
"Sex? Wie diese zwei Warane auf Rinca, denen wir dabei alle zugeschaut
haben." Genau. "Kann ich Musik hören gehen, haben wir genug
Strom?" Klar. Dröhn. Finn hört "Rage against the machine",
Hardrock. Aber er mag auch Blues, vor allem seit er sein erstes Soloriff
auf der Gitarre bezwungen hat. Oder Naio, den Reggae Musiker aus Vanuatu.
" Ich mag den Bass bei Reggae so und der Naio hat so ein lustiges
Englisch".
Endlich im Westen Lomboks. Tropenwald, Reisfelder, freundliche Menschen.
Wir gehen essen in eines der zahlreichen Warungs. Kleine Garküchen
an der Straße. Scharfes, aber perfektes Essen. Finn futtert sein
Mie Goreng mit Begeisterung. "Das ist gut... viel besser als das
fade Lablab in Vanuatu."
Am nächsten Tag in der Schule. Evi hat 24 Euro. Sie kauft 3 Leberkäs
Semmeln. Eine kostet 3 Euro. Wieviel Euro hat sie noch nachdem sie bezahlt
hat?
"Mama, was sind Leberkäs Semmeln?"
Nach der Schule Auflug ins Dorf. Mit dem Motorrad! Ich sitze mit Finn
auf einem Motorrad, beide klammern wir uns an den jungen indonesischen
Motorradtaxler. Keine Sturzhelme. Rein in die Kurve! Was bin ich für
eine verantwortunglslose Mutter! Raus aus der Kurve! Da überholt
uns in Rauschefahrt ein anderes Moped, mit Jungfamilie auf dem Sattel.
Die Mutter hält den Saugling schön locker über dem Auspuffrohr.
"Das war super!" strahlt im Dorf ein fast Neunjähriger,
der mir bis zur Nasenspitze geht und meine Schuhgröße trägt
(37!).
"In Österreich wäre das nicht erlaubt!" sag ich.
Finn:"Echt? Wieso nicht?"
Und zum Abschluss wieder einer dieser schönen, südostasiatischen
Sonnenuntergänge - rosa, pink ,türkis.
Risho schaukelt sanft am Ankerplatz, der Muezzin ruft in der Ferne und
aus Finns Koje tönt es: " Du, Mama, da hab ich einen netten
Song in meinem Gitarren Liederbuch entdeckt. Land der Berge. Kennst du
den?"
Fotos Pazifik
und Indonesien
|
| 01.09.2008,
Flores, Indonesien |
Die
lange Reise nach Indonesien oder Jubeltage und ein Albtraum
Wo war ich stehengeblieben
- ach ja beim Funkspruch aus den Louisiaden Papua Neuguinea. Und jetzt
sind wir in Flores in Indonesien! Und all dies in nur wenigen Wochen
Fangen wir bei den Louisiaden an. Einsam, einsam, diese Riffinseln. Nix
los. Aber die wenigen Einheimischen freundlich und tauschfreudig. Grünzeug
für Flip Flops, geschnitzter Hai für Taucherbrille. Das Wetter
- elend. Ein Sonnentag - sonst Regen und düster - Licht wie im November
in Wien. Es zieht uns nach Port Moresbey, der Hauptstadt Papa Neuguineas.
Dort erwartet uns der Royal Yachtclub mit allem was das Segelherz manchmal
gar so begehrt. Warme Dusche, Laundry, gutes Clubrestaurant, relaxte Bar.
Port Moresbey selbst - eher grauslich. Überall rote Spuckschlieren
von den Betelnuss Kauern auf der Straße, am Gehweg. Müll säumt
die Straßen. Einheimische, die uns anstarren als wären wir
aus purem Gold. Dennoch probiert Peter die Betelnuss und muss sich gleich
hinsetzen. Wie 10 Bier auf einmal. Komisch hier nuckeln das Zeug schon
die Babys!
Ich verzieh mich lieber mit Wireless Internet, Gin Tonic und Erdnüssen
in die Yachtclub-Bar. Mhmm, wie schön ist es manchmal so ganz westlich
verwöhnt zu sein... Hier sind natürlich die meisten Gäste
Australier oder sagen wir, wie es ist: weiß. Das Personal ist "Papa
"(ganz dunkel) oder "Guinea" (etwas heller schattiert).
Bin froh, dass ich Maria und ihren Mann John kennenlerne. Beide hier geboren.
Finn tobt mit ihren Söhnen am Spielplatz. Maria erklärt mir
die verschiedenen Hautschattierungen der Menschen ihres Landes, und wer
wo wohnt, und ob mehr polynesisch (hell wie Maria) oder schwarz (wie ihr
Mann John). Maria erzählt mir von ihrem Alltag und er unterscheidet
sich nicht wirklich von dem einer berufstätigen Mutter in Österreich.
Dennoch, hinter den gesicherten Zäunen der Marina liegt eine Welt,
die so fremd, so bedrückend wirkt, dass ich kaum glauben kann als
mir Maria vom kühlen, kultivierten Hochland Papua Neuguienas erzählt.
Viel zu kurz erleben wir das Land. Können eigentlich gar nichts davon
erzählen.
Mit Bauchweh sehe ich auf einem der Großbildfernseher Sturmwarnungen
für die Torres Strait. Die Vorstellung, dass mir in einem Jahr die
Windverhältnisse sowas von wurscht sind und ich mich dann eher informiere,
ob am Lerchenfeldergürtel noch immer Baustelle und Stau ist, scheint
mir gerade sehr verlockend.
Nachdem der Wind von Sturm auf Starkwind fällt - was gleich Normalwind
in der Torresstrait ist - legen wir ab.
Wie das so ist, wenn einem ein üppig beleuchtetes Fischerboot-Ungetüm
mitten in der Nacht zwischen zwei Riff Inseln entgegensteuert, hinter
einem ein Riesentanker Platz begehrt, über einem ein Squal mit 30
Knoten Wind Stimmung macht?
Toll, wenn man mehr Adrenalin in sein Alltagsleben pumpen will!
Aber echt nicht lustig , wenn man einfach nur in den Indischen Ozean will,
ohne groß aufzufallen! Als es dann endlich hell wird, müssen
wir auch noch hart an den Wind gehen und es beginnt zu regnen. Um uns
versinken die Riffe im schönsten Allerheiligen Nebel. Nur so ein
schnuckeliges Tanker Wrack zeigt einem, dass man lieber links bleiben
sollte, will man keinen Ärger!
Thursday Island sieht dann bezaubernd aus, und die australischen Beamten
sind flexibel! Nach einer Nacht geht's schon weiter. Segeln, segeln, segeln.
Und dann der 15. August. So, wie ich mir das ausgedacht habe mit den unterschiedlichen
Zeitzonen und Datumsgrenzen, funktioniert das leider nicht. Ich werde
am 2 .Tag in der Arafurasee 40. Ob ich will oder nicht. Bin eh so müde,
dass ich wahrscheinlich wie 50 aussehe! Und mich wie 80 fühle. Meine
Männer feiern mich dennoch und das Iridium Telefon läuft heiß
und interessanterweise hat diesmal keine meiner lieben Freundinnen zu
Hause in Austria meinen Geburtstag vergessen! Biester! Dennoch ein Jubeltag
- wer segelt schon an so einem wichtigen Geburtstag nach Indonesien! Und
in Bali gibt es doch die besten, faltenglättenden Spas der Welt!
Irgendwann am 5. Tag erscheint Indonesien am Horizont. Ausschauen tut
es wie auf den Louisiaden. Tanimbar Islands, der Wind ist so stark und
der Ankerplatz so schlecht, dass wir nicht an Land gehen können...
Aber unsere Segelfreunde Yara - an unserer Seite - laden zum Geburtstagskaffee.
Schokokuchen und Muschelkette
mit Blick auf Indonesien.
Weiter, segle weiter Schiffchen...
Segeln, Segeln, Segeln - aber wie toll! Leichte Brise, Spinnaker und flache
See hinter Timor und Flores.
Aber diesmal rauben uns nicht Squals den Schlaf - nein, nein, am Nachthimmel
prangen alle Sternlein und ein satter Mond - sondern die zahllosen Fischerboote.
Irgendwann kommen wir dann drauf, dass diese Boote immer einen großen
Bogen um uns machen! Zumindest in der Nacht - tagsüber kommen sie
ganz nahe um zu schauen. Wir werden fröhlich auf Indonesisch angefunkt
und sogar Musik wird für uns durch das VHF Radio gespielt. Und dann
wird es plötzlich stundenweise windlos. Nach 12 Tagen auf See kann
das schon etwas nerven - vor allem, wenn man geplant hatte, nach 8 Tagen
fröhlich am Sandstrand zu toben.
Zu spät erreichen wir eine Ankerbucht auf Flores. Peter und ich wollen
am liebsten umdrehen und weitersegeln. Es ist zappendüster, man sieht
nix, Yaras, die schon im der Bucht sind, sprechen von vielen Fischernetzen.
Aber wir wollen doch so gerne schon indonesischen Boden berühren...
...das geht dann auch in Erfüllung wenn auch ganz anders als erwartet.
Mit Schritttempo tasten wir uns voran. Aber, oje... Es gibt einen Rumser
und
tja
wir sitzen am Riff.
Die nächsten Stunden des bangen Wartens auf Hochwasser sind wohl
das schlimmste, das ich je auf der Risho Maru erlebt habe. Sollte die
augenblickliche Flaute sich in Wind wandeln, sitzen wir in der...
Peter handelt wie ein richtiger Kapitän. Wir sind uns beide unseres
Fehlers bewusst, aber, wo ich nur Heulen und Zähneklappern kann,
ist er am Werken. Bringt einen Anker aus, sichert die Ruder mit Fendern,
checkt das Unterwasserschiff mit Dinghi und Taschenlampe. Als gegen 2
Uhr Früh Wind aufkommt und eine kleine Welle Risho auf dem Riff knirschen
lässt, blicke ich zum Sternenhimmel und bete.
Bitte lieber Gott, bitte Papa, bitte irgendwer da oben, liebes Universum,
liebes Kalb im Mond
Es gibt einen Ruck. "Wir schwimmen!" Peter spannt den Anker,
Risho dreht sich und langsam gleiten wir in das tiefe Wasser, keine 2
Meter hinter uns. Wir waren tatsächlich auf der Riffkante gesessen.
Strömung, schlechte Seekarte? Wie auch immer, bei Nacht fährt
man nicht in eine Bucht ein. Wir haben es beide gespürt und haben
nicht auf unserer Eier bzw Eierstöcke gehört. Dennoch: Danke
Universum oder wer immer das da oben war! Wir segeln wieder! Nix is g'schehn!
Wir flüchten augenblicklich aus der Bucht, Fischernetze hin oder
her, erst im offenen Wasser kann ich wieder atmen. Was für ein Albtraum
das war.
Wie herrlich es sein muss, wenn die größte Aufregung der Woche
ein Elternsprechtag ist...
Und weiter, weiter, weiter....Segeln, Flaute, Motor, Spinnaker, Fischerboot,
Eieruhr, 20 Minuten, müde, müde..aber da! Jubeltag!
Der Peter wird in der sanften Flores See 50!
Schokokuchen, Muschelkette
mit Blick auf Indonesien!
Indonesien sieht ziemlich spektakulär
aus - zumindest von See. Unglaublich viele schmauchende Vulkankegel, sogar
einen feuerspeienden haben wir in der Nacht gesehen! Wir haben den 14.
Tag auf See.
Endlich nach 16 Tagen tuckern wir in die Westbucht von Flores, einem herrlich
geschützten Naturhafen (das will ich hören), mit Schlammgrund
(mein Herz hüpft vor Freude), einem netten Fischerdorf, Menschen
und anderen Segelbooten!
Wir wandeln durch einen andere Welt, als wir endlich Indonesien unter
unseren Seemannsbeinen spüren. Kompletter Szenenwechsel. Kulissen
völlig ausgetauscht. Asien. Spinnenartige Auslegerkanus, Dschunkenartige
Transportboote, Straßenrestaurants, hinter deren Glasfronten seltsame
Speisen in Schüsseln dargeboten werden. Fischköpfe. Satespieße.
Gebackene Eier. Flaschenartiges Gemüse. Bunte Farbenpracht, staubige
Straßen, lachende Gesichter, dreckige Rinnsale, wahnsinnige Mopedfahrer,
verwesender Fisch, Kleinbusse knallbunt ohne Türen, eine Moschee,
Frauen mit Kopftüchern, Duft von Gewürz-Zigaretten
Mädls in knallengen Jeans, lästige Souvenierverkäufer und
- siehe da - eine Espresso Bar Lounge.
Und genau da sitze ich und ess griechischen Käse und Zaziki und es
ist mir wurscht, dass ich eigentlich irgendwas Indonesisches essen sollte
in irgendeiner kleinen Tschumsen an der Straße. Ich schlürfe
gierig den Cafe Latte statt eines ungezuckerten "kopi" vom Straßenverkäufer.
Denn ich war 16 Tage auf See, ich bin 40 geworden, durch die Torresstrait
gesegelt, auf einem Riff gesessen und hab die Sterne angefleht.
Und wenn ich da jetzt so sitze und der Muezzin ruft, die Sonne heiß
herunterbrennt, die Risho sicher vor Anker liegt und hinter ihr die spitzen
Vulkane Komodos ragen, dann frag ich mich, so ganz still, heimlich und
ein bisschen ängstlich, wie das dann wohl wirklich sein wird in einem
Jahr in Wien beim Elternsprechtag oder im Stau oder beim Billa...
Einmal Torresstrait und nicht
zurück!
Aus dem Logbuch von Skipper Pete
Ich bin heute früh schon
um fünf Uhr dreißig aufgestanden, denn die letzten 16 Tage
auf See haben das Zeitgefühl vollkommen durcheinander gebracht. Immer
noch im Rhythmus der Nachtwachen alle zwei Stunden zu wechseln.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang und der Muezzin ruft sein Gebet in
den Morgen von der Insel Flores in Indonesien.
Die Gerüche der Insel steigen mir in die Nase, und ich spüre
ein sanftes Willkommen im Indischen Ozean. Ja der Pazifik liegt hinter
uns und eine vollkommen andere Welt breitet sich vor uns aus. Die beiden
Ozeane sind in dieser Breite mit der geschichtsträchtigen Torresstrait
verbunden. Und genau von dieser möchte ich berichten. Wie schwierig
muss in vergangenen Zeiten das passieren dieser Meerenge gewesen sein
ohne GPS und Radar, das wird uns jetzt, wo sie hinter uns liegen, so richtig
klar. Es gibt viele Geschichten von Stürmen, Riffen und Strömungen
bis zu 6 kn, und wir haben erfahren, dass auch mit heutigen Mitteln diese
Meerenge nicht einfach zu befahren ist.
Am 9. September segelten wir von Port Moresby mit 20 kn Wind aus SE in
Richtung Bramble Cay los. Bramble Cay ist eine Leuchtturminsel an der
nordöstlichen Einfahrt der Straße.
Ein Tag, eine Nacht, ein Tag.
10.9. 16h30 Bramble Cay an Steuerbord. Gebe den nächsten Wegpunkt
in das GPS ein, ziehen die Segel dichter und wechseln von Raumschotkurs
auf Halbwindkurs. Wir kommen in die Abdeckung der ersten Riffe, die See
wird flacher, von drei Meter auf eineinhalb. Speed 7-8 Kn, Kurs 235°
21h00 Pos S 09°24 450 E 143°50 353 Das Leuchtfeuer von der Insel
Stepheus ist zu erkennen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, zahlreiche
Fischerboote kreuzen unseren Kurs. Ein Tanker in zwei Seemeilen an Backbord.
Und da noch einer, und was ist das nur für ein Schiff? Na der macht
uns keine großen Probleme, denn hier in diesem Seeabschnitt sind
wohl die ganzen Crews in Bereitschaft.
Der Wind legt auf 30 Kn zu, binden zwei Reffs ins Großsegel,die
See bleibt recht stabil.
2h40 Eines der Fischerboote kommt uns sehr nahe, ist mit Arbeitslichtern
so stark beleuchtet, dass ich seine Positionslichter nicht erkennen kann.
Strahle meine Segel mit dem Scheinwerfer an, damit er erkennen kann, dass
wir unter Segel sind - keine Änderung .Alex versucht ihn auf UKW
zu rufen, es meldet sich ein anderes Schiff. Dann dreht er endlich ab.
Es regnet leicht, und die Sicht ist auch nicht gerade gut.
5h Im Great North Channel müssen wir hart am Wind Segeln, dennoch
machen wir guten Speed.
Gut für uns, denn das Zeitfenster bis Horn Island ist knapp, wollen
es bis zum Nachmittag schaffen, um mit der Strömung zwischen den
Inseln einzulaufen. Es gebe noch die Möglichkeit bei einer der Inseln
in Lee zu Ankern, aber wir haben uns entschieden durch die Nacht zu gehen.
Ob es so viel angenehmer ist, bei 30-35 Kn auf einem nicht wirklich geschützten
Platz zu ankern, weiß ich nicht. Schlaflose Nächte kennen wir
ja bereits.
Im Morgengrauen sehen wir auf einem der Riffe hoch oben ein etwa 120 Meter
langes Schiffswrack - sehr aufbauend. Jetzt spüren wir, dass wir
beide diese Nacht kein Auge zugemacht haben. Finn kommt gerade aus seiner
Koje und ist begeistert von dem Schiff hoch oben auf den Felsen . Schön,
dass er sich so sicher auf der Risho fühlt ,er kann wirklich bei
jedem Wetter schlafen, der kleine Seebär.
10h Acker Shoal an Steuerbord. Endlich wieder Halbwindkurs und wir machen
8-9 kn Speed das ist gut so Kurs bis Twin Islands 238°
Können mit einlaufender Strömung zwischen Horn und Thursday
Island durchsegeln.
15h Ankern in Lee von Horn-Island , vollkommen geschützt, wir haben's
geschafft, wir sind fast durch, durch die berüchtigte Torresstrait.
Müde aber stolz erwarten wir den Australischen Custom and Immigration
an Bord . Die Behörden sind sehr freundlich. Und wir merken, dass
sie Erfahrung mit nervlich angespannten Seglern haben. Einer der Beamten
gibt uns noch den Tipp, hier nicht baden zu gehen, denn es gibt Krokodile.
Ich versuche mit dem Fernglas welche in den ufernahen Mangroven zu entdecken
und merke, dass ich nicht mehr scharf sehen kann - einfach viel zu müde,
oder stimmt es tatsächlich, dass ich in wenigen Tagen 50 werde?
Morgen müssen wir früh los, um mit der Strömung die letzten
30 Seemeilen durch die Torresstraße zu segeln. Die Garnetpassage
liegt hinter uns, wir segeln mit 20 kn Wind in der Arafura See. Jetzt
nehmen wir uns in die Arme, wir haben die Torresstraße bezwungen
das ist doch was oder?
|
| 12.08.2008,
nach Torres Strait |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind sicher durch die
Torres Strait und auf dem Weg nach Indonesien, Tanimbar Islands.
Torres Strait war Adrenalin pur - 40 Knoten Wind und tausende Riffe, Schiffe,
Fischer, Tanker in der Nacht... rahhhhh... Wurden dann für einen
Tag in Australien ein und ausklariert und dank flexibler Beamter (ja,
diese Wortkombination gilt hier tatsächlich... ) mussten wir die
250 Dollar Gebühr nicht bezahlen und durften unser Gemüse und
Obst behalten.
Also, 4-5 Tage Segeln, Asien wir kommen! Australien machen wir bei der
2. Runde (was hab ich da gerade geschrieben?!... )"
|
| 31.07.2008,
Louisiaden |
Vanuatu
Teil 3
Die Leute aus Vanuatu
Martha mit Schubkarre, Eric
mit Fischernetz, Charly im Mangrovenbaum, Stanley im Auslegerkanu, Sara
mit Gemüsekorb. Die Leute von Vanuatu. Im Kokoshain, am Dschungelweg,
auf der Vulkanstrasse, beim Rockkonzert, in der Markthalle, der Küchenhütte,
dem Gemeinschaftshaus.
Schon wieder 900 Seemeilen weiter geistern mir ihr Lächeln, ihre
kühlen Hände, ihre freundlichen Augen immer noch im Kopf herum.
In Vanuatu herrscht das Prinzip "Freundlichkeit" dem Fremden
gegenüber, dem Anderen, dem Neuen. Kann man ja von zu Hause im Westen
nicht gerade behaupten.
In Port Vila, der quirrligen Hauptstadt Vanuatus auf der bergigen Insel
Efate, herrscht Stadtgetümmel. Viele Autos, Hotels, Restaurants,
Supermärkte - vom chinesischen Ramschmarkt bis zum australischen
Durschnittssupermarkt. Alles da. Mit unserer Ankunft fällt die Netzeröffnung
des Handyanbieters Digicell zusammen. Die amerikanische Großfirma
lässt sich nicht lumpen. Man sponsert ein Rockkonzert für die
Leute von Vanuatu. Werbewirksam flimmert über die Großbildleinwände
ein Werbefilm für den Handyanbieter. Buschmänner mit Handy,
Kokospflücker mit Handy, Fischer mit Handy, fröhlich im Wasser
tobende Jugendliche mit Handy (wobei ich keinen einzigen Vanuaten je im
Meer schwimmen gesehen habe...).
Als wir auf der nördlich gelegenen Insel Malakula in Port Sandwich
Stopp machen und gemütlich durch malerische Palmgärten zum Hauptdorf
spazieren, trinken wir kalte Limonade im kleinen Store. Auch hier Handywerbung,
nur gibt es keinen Empfang, erklärt uns ein netter Einwohner und
schwenkt sein nagelneues Handy vor unseren Nasen. Dann begleitet er uns
zur örtlichen Bäckerei. Ein palmblattgedeckter Schuppen mit
einem großen gemauerten Ofen.
In einer hölzernen Schale rastet der Teig für Baguette und Sandwichbrot.
Ungefähr um 14 Uhr gibt es Brot meint Bäcker David und verspricht,
es dann gleich zum Schiff zu paddeln. Um 19 Uhr klopft es an die Bordwand.
Bread is ready!
Inselzeit. Zeit ist bei den Leuten von Vanuatu ein sehr dehnbarer Begriff.
In der Früh beim ersten Morgengrauen wird schon gepaddelt, gekocht
(über offenem Feuer), gegangen (Autos gibt es ganz selten, außer
in Port Vila).
Irgendwann zu Mittag geht man in den Garten. Die Gärten liegen oft
einige Kilometer vom Dorf entfernt, gegen Abend kommen dann die Leute
aus den Gärten, bepackt mit Gartenwerkzeug, Scheibtruhen voller Gemüse
oder einfach geflochtenen Taschen über dem Rücken: Taro, Bananen,
Island Cabbage (Spinat).
Abendessen köchelt schon über dem Feuer, in einfachen, immer
blitzblank gescheuerten Alutöpfen. Vor der Kochhütte befindet
sich ein großer Tisch, darauf Teller, Töpfe, Pfannen, einfaches
geblümtes emailiertes Essgeschirr.
Die Frauen sorgen für höchste Sauberkeit in und um alle Hütten.
Schlafhütte mit Matten und Tüchern, auf manchen Inseln gibt
es auch schon richtige Häuser. Aber immer ist die Küchenhütte
vom Haus getrennt. In Port Sandwich lerne ich Sara kennen, ich bewundere
ihren schönen Blumengarten und den qualmenden Erdofen. Sie zeigt
mir ihr zu Hause, stellt mit ihre Kinder vor und verspricht mir Gemüse
für den nächsten Tag. Im Schlafhaus - einem richtigen Haus aus
Beton - sitzen ein ganzer Haufen Leute vor dem modernen Videogerät
und bewundern Celine Dion in einem Life Konzert! Nebenan brutzeln die
Brotfrüchte am offenen Feuer. Im Palmenhain stehen einige Kühe
und grasen neben den immer Kokosnuss fressenden Schweinen. Im Hauptdorf
gibt es eine große Schule - von den Katholiken geführt. Ja,
das stabilste und schönste Gebäude ist tatsächlich die
Kirche! Neben den Bildern der Leidensstationen Jesu hängen Bilder
von Sanddrawings. In Port Vila im Museum malte einer der Guides für
uns in den Sand eine dieser Zeichnungen. Man darf nicht absetzen mit dem
Finger, und es ist die hohe Kunst, ein symmetrisches Bild zu gestalten.
Der Guide singt die ganze Zeit während er zeichnet die Geschichte
zur Zeichnung. Im Kulturzentrum in der Hauptstraße Port Vilas werden
dafür Kurse angeboten. Ein Schuljunge kniet vor einem Holztablett
mit Sand und malt den Schmetterling. " My Grandma showed it to me"
murmelt er und rückt seinen Billabong Short zurecht.
Wir sitzen einige Zeit in der Kirche in Malakula, Schüler lugen neugierig
durch die Tür und grinsen uns an. Das hier ist eine Bording School,
nur am Wochenende geht man nach Hause. Neben der Glocke, die alle zum
Gottesdienst ruft, steht eine riesige traditionelle Schlitztrommel mit
Holzschlegel. Doppelt hält besser! Was hätten die gestrengen
Missionare der Kolonialzeiten wohl dazu zu sagen?
Unser Bäcker führt uns weiter durch das Dorf. Zeigt uns das
Krankenhaus. Im Aufnahmezimmer eine Liegebett aus dem 2. Weltkrieg. Diese
Krankenzimmer sind aus dem Stoff, aus dem man Albträume macht. Alle
Gebäude wirken leer und verlassen. Möchte hier auch nicht krank
sein. Nur in der Geburtenstation sitzen ein paar Frauen - eine hochschwanger
- am Gang am Boden und knabbern Zuckerrohrstangen.
Als ich einige Stunden später wieder auf unserem Schiff bin, sehe
ich den Überfluss der Dinge, die mich hier an Bord umgeben umso deutlicher.
Nicht eine Sorte Mehl, nein, Roggen-, Weizen-, Maismehl. Nicht ein Gewürz,
wie Salz oder Zucker, nein, Oregano, Paprika, Soja, Kümmel, Muskat...
Ich schlürfe meinen heißen Tee, esse ein paar Kokoskeks und
denke darüber nach wie es möglich wäre, unsere beiden Welten
zu einer perfekten zu verbinden. In welcher Einfachheit regiert statt
Überfluss, die aber doch Sicherheit und Stabilität gewährt.
Gibt es nicht. Vielleicht doch, irgendwo. Oder vielleicht sollte ich einfach
versuchen, so zu leben.
In Luganville auf der Insel Espirito Santo, wieder einige Meilen nördlicher,
liegen wir vor dem Resort Aore Island. Klares Wasser, schöner Sandstrand,
gepflegtes Restaurant mit Drinks und Mittagsmenü und schmucken kleinen
Wohnhütten. Weiße Leintücher zum Trocknen an der Sonne.
Hübsche Angestellte im Blumenkleid. Geführt von einem Australier.
Der Taxibootfahrer spricht 4 sprachen: Beslama, Englisch, Französisch,
Japanisch. In der Haupstadt der Insel wandern wir an staubigen Chinesensupermärkten
vorbei zum großen Gemüsemarkt und kaufen dort in Bananenblätter
eingewickelte Minitomaten.
Dann setzen wir uns ins Anemoro Café und essen Hamburger. Jaja,
die beiden Welten! Die australische Chefin lässt ihren Blick über
die gut besetzen Tische schweifen. White skin kommt hier zum Mittagessen.
Wieder im Taxiboot lachen und blödeln wir mit den Angestellten des
Resorts.
Sie erzählen uns vom Million Dollar Beach, gleich bei der Einfahrt
nach Luganville. Die Amerikaner waren hier im 2. Weltkrieg um Raum abzustecken
gegen die Japaner. Dort glitt dann die luxuriöse Begleityacht der
Amerikaner auf eine falsch platzierte Unterwassermine und das Schiff sank
mit Mannschaft und teurer Fracht. Noch heute werden alte Colaflaschen
an die Strände gespült. Finn tauchte eine-schweres Glas mit
Prägung 1940! Sammlerstück! Sonst erzählen noch die in
Grashügeln versteckten Bunker Kriegsgeschichten, und der eine oder
andere alte Jeep. Was nahmen sich die Vanuaten aus der ganzen Geschichte?
einige gründeten den John Frum Kult, eine Religion, in der Kapital
das wichtigste ist. Wer Besitz hat, ist der König, wer Geld bringt
der Kaiser. Aber die meisten Leute von Vanuatu wissen, das Glück
bedeutet, das Essen im Garten zu haben und dafür nichts bezahlen
zu müssen. Und dann zu arbeiten wenn man will. Und da kommt dann
wieder die Zeit ins Spiel. Einmal besuchten uns einige Einheimische mit
ihrem Kanu. Wir fragten, ob sie ein paar Paw Paw (Papayas) für uns
hätten
Sie meinten: "Klar, im Dorf." - "Sollen
wir morgen so um 9 Uhr kommen um sie zu holen? Wäre das ok? Oder
ist 10 Uhr besser?" fragte Peter an. Da erwiderte Eric, der Fischer,
verwundert: "Sure. Why not? You can it Paw Paws anytime!"
Fotos
Kapitän
Pete
Auf dem Weg in
den Indischen Ozean
Meilen um Meilen nähern
wir uns jetzt der Torres-Straße, die Seestraße zwischen Australien
und Papua Neuguinea. Westlich davon liegt die Arafura See und der Indische
Ozean, das bedeutet für uns, dass wir nach mehr als einem Jahr den
Pazifik verlassen. Wir denken an die schöne Zeit, die wir hier verleben
durften, an die wundervollen Eindrücke und Geschichten, die wir erfuhren
.Von Panama bis Papua Neuguinea so viele unterschiedliche Lebensweisen
und Kulturen, die wir entdeckt haben. Eines aber verbindet diese Inseln
mit einem unsichtbaren Band, das ist die Lebensfreude, die auch heute
noch auf den meisten Inseln des Pazifiks zu finden ist. Keine Frage, dass
das Leben auf so manchem Atoll nicht ganz so einfach ist, aber die meisten
Menschen spüren schon, dass die Natur, in der sie leben, und die
Kraft, die sie daraus tanken, eine ganz besondere ist. Wir lernten so
viel von den Menschen, dass ich mich oft fragte, ob es nicht Zeit wäre,
von diesen Menschen in unserer Gesellschaften zu lernen. Denn die Schulbildung,
die sie bekommen, ist gut sowie sie ist, doch wird sie immer unsere westliche
Denkensweise mittransportieren. Und das ist der Punkt: Der weiße
Mann irrt manchmal gewaltig. Wir haben gelernt und versucht, etwas näher
an den Rhythmus der Natur zu kommen, haben erfahren, dass genau dies die
Freiheit bedeutet, nach der wir uns sehnen. Zeit hat ihr ganz besonderes
Tempo hier im Pazifik, und wir haben einiges von unserer Lebensweise aufgeben
müssen, um dieses Zeitverständnis zu verstehen.
Am Strand in Tanna, Vanuatu, traf ich eine Frau, die fischte. Auf meine
Frage "How is the fishing today?" meinte sie: "If I catch
some fish I go home, if I catch no fish I go home too!" Dieser
Ozean gibt sein eigenes Tempo vor, das haben wir auch gelernt, und jede
Meile ist ein Stück Erfahrung mehr.
Der Pazifik ist einer
der faszinierendsten und aufregendsten Erdteile dieses Planeten - das
steht für uns fest. Und auf Ile de Casy in Neu Caledonien wanderten
wir auf die höchste Erhebung der Insel, und dort auf einem von Seglern
errichteten Steinhaufen haben wir unseren persönlichen Stein gelegt.
Damit gaben wir das Versprechen, eines Tages wiederzukehren, in unseren
so geliebten Pazifik.
|
| 17.07.2008,
Louisiaden |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind nach 6 Tagen gut
in den Louisiaden gelandet. Hier türkise Lagune, Kokospalmen, weiße
Strände - wieder mal Fototapete!
Das Segeln, naja, der Westpazifik ist nicht umsonst als schwierig bekannt...
viele Gewitter, Regen, hohe Wellen, aber wenigstens der Wind und die Welle
von hinten! Eine gewaltige Steigerung! Und die letzten 80 Seemeilen hat
sich ein müder Albatros auf unsere Solarpanele gesetzt und alles
vollgesch... naja, der Bursche war wirklich fix und fertig. Peter hat
neben ihm unseren Windpiloten immer wieder mal eingestellt - der Albi
hat ihn nur müde angeschaut. Hat wohl gemerkt, dass wir auch nicht
ganz fit waren...
Die Risho dafür umsomehr, selbst einen Squal mit 50 Knoten segelte
sie ohne Segel mit Speed 6 ab. Und natürlich der Finn: Immer fröhlich
und gut ausgeschlafen! Der Segelstar von heute und morgen!
So, jetzt aber ab in die Koje, schnarch..."
|
| 07.07.2008,
Inselwelt Vanuatus |
Sind
unterwegs in der schönen Inselwelt Vanuatus. Und da denk ich mir, eine
Geschichte sollte schon seit langem erzählt werden. Und zwar diese:
Wer ist Hari?
Dem geehrten Risho Maru Homepage
Publikum sollte er bereits seit 3 Jahren wohlbekannt sein. Hari ist der
Mann hinter der Homepage.
Aber ehrlich gesagt. Hari ist viel mehr.
Erstens ist er einer unserer besten Freunde. Einst rettete er uns aus
einer prekären Notsituation, als unser Malaspina Ex Schlagzeuger
beschloss, 3 Tage vor der Weltpremiere doch lieber nicht mitzuspielen.
Hari sprang ein. Und blieb.
Bis heute ist er unser Lieblingsschlagzeuger, wenn auch zur Zeit gemeinsames
Musizieren ausfällt. Dass er freiwillig anbot, unsere Homepage zu
betreuen war ein großes Glück! Wahrscheinlich würde ich
jetzt noch versuchen, den Bericht über die Kanarischen Inseln verzweifelt
auf die Seite zu laden und die Fotos, welche Fotos?
Und so kriegt Hari regelmäßig Post von PAF aus allen Ecken
dieser schöner Welt. Und ich fiebere jedesmal auf seine Antwort,
denn eines ist klar: Er ist der erste, der die Berichte liest, der erste
der die Fotos betrachtet.
Lobt er uns sind wir fröhlich, sagt er gar nix sind wir beunruhigt.
Gefällt's ihm nicht? Dass er so nebenbei auch noch ein Arbeits-,
Liebes-, Motorradleben führt vergessen wir dann manchmal...Rechtschreibfehler
bessert er dezent aus! Danke! Er, meine Mutter und Peters Schwester Andrea
sind die ersten, die erfahren, dass der Ozean gut überquert, die
Crew wohlauf, die Insel sicher erreicht ist.
Wir versuchen, diesem zurückhaltenden Burschen immer ein bisschen
was herauszulocken über sein Leben, und freuen uns dann mit ihm über
die neuerworbene Guzzi (eine rassige Italienerin - für alle nicht
Motorradkenner), das Hardrock Konzert mit eigener Band am Wochenende oder
die verschlungenen Wege der Liebe. Und natürlich sein neues Heim,
das er zurzeit wohlüberlegt und begeistert einrichtet!
Bis jetzt konnten wir ihn noch nicht auf die Risho Maru locken - weder
die schönen Insulanerinnen aus französisch Polynesien (er spricht
übrigens perfekt Französisch!) noch die heißen Motorradstrecken
Neuseelands ließen ihn weich werden. Andererseits: wie sollten wir
ihn mit unseren Abenteuergeschichten überraschen, wenn er selbst
dabei wäre? Vielleicht ist das sein Hintergedanke...
Aber wir geben die Hoffnung nicht auf - selbst Segler - wird er es sich
wohl nicht nehmen lassen, im Mittelmeer einige Meilen mit der Risho in
die Heimat zu segeln..., wobei wir mal überlegen müssen, wo
wir seine Guzzi auf der Risho unterbringen....aber das wäre schon
wieder eine nette Geschichte, die erzählt werden müsste... und
Hari wäre dabei... und das würde uns sehr freuen... und er könnte
mir dann endlich persönlich erklären, wie das mit der Homepage
funktioniert!
PS: Ja, Hari, das ist auch
eine wichtige Story, die definitiv auf die Homepage gehört! Keine
Tricks! Alex
Fotos
|
| 24.06.2008,
Vanuatu |
Vanuatu
oder "Zeit, was ist das?"
1. Teil: Tanna - Am Rande
des brodelnden Vulkans
Ich träume. Sehe lachende,
dunkle Augen, Fliegen ,Feuerfunken. Und einer sagt was von Nemaka, dem
Geist der Pflanzen. Es ist heiß, die Wolldecke aus Neuseeland liegt
wie Blei auf mir, als ich mitten in der Nacht erwache. Ich muss an die
Luft. Draußen eine leichte Brise, Tropendüfte, Rauch, an Land
tiefe Dunkelheit. Ein Grollen. Ich blicke auf den Berg der sich rechts
von mir gegen den Sternenhimmel abzeichnet: Mount Yasur. Er grollt. Er
ist der Vater, für manche noch heute. Manchmal bringen die Leute
ein Schwein zu ihm und werfen es hinab in seinen kochenden Schlund. Noch
heute. "Aber natürlich meinen sie damit Jesus" fügte
Jerry, unser Vulkan Guide an. Es verging eine kurze aber eindeutige Zeitspanne
vor dieser christlichen Beifügung. Da sahen wir uns an und er war
sich nicht sicher, ob diese white skin vor ihm das verstehen kann. Ich
grinste, er grinste. Wer auch immer das ist - ich finde es toll - sage
ich. Dann beugte Jerry sich hinab und hob eine Handvoll schwarze Vulkanerde
auf. Captain Cook wollte von den Eingeborenen wissen, wie das Land hier
heiße und um diese Frage zu unterstreichen berührte er die
Erde.
Sie, die Einwohner, wunderten sich und sagten "Mbtanna - das ist
Erde". "Tanna" verstand Cook, und so erhielt diese Insel
ihren Namen.
Wir sind in Vanuatu und trotz vieler Erzählungen über diese
Inseln sind wir nicht vorbereitet auf die aus Matten und Palmblättern
gefertigten Hütten, die offenen Feuer, die neugierigen Kinder, die
scheuen, freundlichen Menschen. Das hier ist kein Freilichtmuseum für
"wie man einst in Tanna lebte" das ist Tanna. Das ist Port Resolution,
ein kleines Dorf in einer ruhigen Bucht, Schweine die frei herumlaufen,
Küchenhütten, Schlafplätze auf einfachen Matten, nackte
Kinder, lästige Fliegen. Das ist der Süden von Vanuatu. Es gibt
einen Yachtclub, eine Holzhütte mit Holztischen. Als wir eintrudeln
sitzen dort zwei einheimische Mädels und machen Musik. Die eine auf
einer Kiste mit einem Bambusrohr, das mit einem Seil an der Kiste befestigt
ist - der Bass - und die andere mit einer einsaitigen Gitarre. Sie nennen
sich Stringband und lachen, ein schönes Lachen. Stanley kommt. Er
ist der Checker im Dorf und organisiert unsere Fahrt per Truck in den
Hauptort Lenakel am anderen Ende der Insel.
Off Road Drive - 2 Stunden lang auf der Ladefläche des Trucks. Quer
durch den Dschungel auf einer Art Weg, durch einen Fluss, vorbei am Vulkan,
ins Gebüsch, auf einen Berg, hinunter den Hügel, vorbei an Hütten,
durch Dörfer.
Kinder laufen dem Truck schreiend nach - Bye, bye, bye, bye.
In Lenakel gibt es eine Hafenmole, und ein Geschäft und einige Häuser,
die sogar aus Beton gebaut sind. Wir melden uns bei Polizei, Immigration
und Quarantäne, die freundlichsten Beamten der Welt. Wir haben Hunger.
Wir kaufen Kokosbrot und Maniokchips und Mandarinen im örtlichen
Supermarket. Pulvermilch, Zwiebel, einige Corned Beef gibt es hier auch
noch. Wir warten eine Stunde auf Stanley, er ist verschwunden. Aber keiner
der Einheimischen am Truck sucht ihn wirklich. Wird schon wieder auftauchen.
Lasst uns einfach ein bisschen auf der staubigen Hauptstraße von
Lenakel auf und ab fahren. Irgendwann kommt Stanley dahergelatscht mit
einem Paket Zucker unter'm Arm. Wir, die Touristen, begrüßen
ihn überschwänglich, die anderen wundern sich über uns.
Irgendwie scheinen wir hier auf einem anderen Planeten gelandet. Zeit.
Was ist das?
Was, das sowieso vorbeigeht, egal ob man dabei mitmacht oder nicht.
Mount Yasur, der Vater, grollt als wir am Nachhauseweg an ihm vorüberrumpeln.
Jaja, wir kommen und werden uns vorstellen, Yasur!
Hier im heißen Sand am Fuße des Vulkans oder auf der "Straße",
überall kommen uns immer wieder Menschen entgegen. Irgendwo mitten
im Dschungel. Überall wird gegangen. Es gibt ja auf dieser Seite
der Insel nur dieses eine Auto. Und Sprit ist sowieso unglaublich teuer.
Was sind schon 2 Stunden in die Schule oder eine Stunde durch den Dschungel
nach Hause. Es ist so anders hier und doch irgendwie tief in mir rührt
sich was, das sagt, da waren wir auch mal.
Vor langer Zeit, 60, 70 Jahren in Österreich hatte doch auch nicht
jeder ein Auto und wer weiß, bei den heimatlichen Benzinpreisen
sind wir da in einigen Jahren tatsächlich wieder!
Die Menschen von Port Resolution und den umliegenden Dörfern haben
Gärten angelegt. Taro, Snakebeans, Christophinen, Brotfrucht und
die Paw paw, die Papaya.
Essen wird ins Feuer gelegt zum rösten, garen tut alles im Erdofen.
Es gibt keinen Einbauherd , keinen Kühlschrank, außer dem im
Yachtclub, die haben ja auch einen Laptop. Ich denk an den Erdkeller meines
Großvaters auf seiner Jagdhütte. Rupp Käsle und Brot.
Mit dem Truck bleiben wir bei einem gigantischen Baumhaus stehen. Darunter
einige Tische mit Wurzeln, das ist kawa, wird hier wie Tee getrunken und
macht schön taub und müde. Frauen dürfen auf Tanna nicht
mittrinken. Frauen haben mindestens 3-7 Kinder, arbeiten Tag aus, Tag
ein im Garten, in der Hütte. Die Dörfer blitzen vor Sauberkeit,
alles gerächt und gejätet, das Geschirr geschrubbt. Matten und
Körbe werden aus Pandanussfasern geflochten.
In der kleinen Markthütte tausche ich einen Schlafsack und Kinderkleidung
gegen zwei Körbe. Alle Mamas, die die Körbe hergestellt haben,
müssen da sein, es wir beraten, meine Ware beäugt. Sandra, eine
peace corps Arbeiterin, übersetzt Beslama (einen der vielen Landessprachen)
in Englisch. Die Frauen reden untereinander in ihrer Stammessprache, schauen
mich an, schauen die Körbe an, kichern, den Schlafsack, mich, die
Kindersachen, Sandra, mich, Schlafsack. Kicher. Und... Blong yu!
"Belong to you" übersetzt Sandra. Die Körbe sind mein.
Doch zurück zu Yasur. Er rumpelte einige Tage später schon von
Morgen an. Nichts wie rauf! Per Truck ging es durch den spätnachmittäglichen
Dschungel. Wir wollten den Einbruch der Dunkelheit am Vulkan erleben.
Wir stapften die 200 Höhenmeter zum Krater durch schwarzen Lavasand.
Wruuummmm! Lavabrocken flogen im hohen Bogen durch die Luft.
Yasur grollte und stieß eine atompilzähnliche Rauchwolke aus.
Am Kraterrand angekommen starrten wir fasziniert in die Tiefe. Glutfetzen,
Rauch, Schwefeldämpfe. Guide Jerry erzählt, dass 2 Frauen Lablab
(Tarowurzeln mit Spinat und Huhn) über ihrem Erdofen garten und plötzlich
gesellte sich ein Schwein zu ihnen und bat, ob es sich am Feuer wärmen
dürfte. Sie stimmten zu, es war eine kalte, regnerische Nacht. Da
saß das Schwein bei ihnen und plötzlich begann es zu wachsen
und bedeckte das Feuer und die Frauen, das Lablab und die Brote, die sie
gerade buken. Und aus dem Schwein wurde Yasur und die zwei Krater in seinem
Schlund sind die beiden Frauen.
Yasurs heißer Atem blies uns ins Gesicht. Über uns wurden glühende
Lavabrocken in den Abendhimmel geschleudert. Je dunkler es wurde, umso
wütender wurde Yasur, so als wolle er uns zeigen, wer hier der Vater
ist. Ich war mir plötzlich auch gar nicht mehr sicher, ob die wissenschaftlichen
Erklärungen in Finns Kinderlexikon unter V wie Vulkan ganz ausreichend
sind für dieses Schauspiel. Denn warum braucht die Lava vom Erdkern
bis zum Augenblick, da sie aus dem Schlund gestoßen wird, genau
9 Monate? Warum zuckte Jerry, unser Guide, der diesen Vulkan doch schon
ewig kennt bei jeder Eruption derart zusammen? Ein dumpfer Aufprall eines
Lavabrockens einige Meter hinter uns machte klar, dass die Windrichtung
nicht günstig für uns stand. Ich wollte gerade ansetzen um vorzuschlagen,
vielleicht das Feld zu räumen, da gab Jerry nervös das Zeichen
zum Aufbruch. Vor einigen Jahren fiel einem Japanischen Vulkanologen eines
dieser Lavastücke auf die Brust. Auf der Stelle tot. Durchgebrannt.
Wir stolperten im Dunkeln mit unseren lächerlichen Stirnlampen den
Berg hinunter. Die Lavaspritzer kamen gefährlich nahe und ich dankte
dem Vater Yasur, oder wem auch immer, als wir wieder im Auto saßen
und durch den dampfenden Dschungel rumpelten, für seine Nachsicht
uns gegenüber. Nirgends sonst kann man so nahe an einen Vulkanrand,
unsere kanadischen Segelfreunde schütteln den Kopf über die
nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen. Peter dachte an seinen ersten
Vulkangang auf den gesicherten Wegen rund um den Stromboli und den aufregenden
Blick auf die Glut durch ein Fernglas.
Quietschend stoppte der Wagen vor einer Fackel, die in die Strasse ragte.
Im Hinterholz sah man einige Kerzen, die eine Kawa-Bar beleuchteten. Unser
Fahrer holte sich eine Flasche des Gesöffs. Für uns gab es nix
mehr. Die Scheinwerfer unseres Autos teilten die dunkle Nacht, über
uns flatterten Flughunde, auf der Straße immer wieder Menschen,
Familien auf dem Weg wohin auch immer.
Im Dorf in der offene Kirchen singende Kinder bei Kerzenlicht. Vor dem
Gute-Nacht-Sagen fragte ich Jerry noch: "Wie das hier ist mit dem
Zauber' auf Tanna ? Ich hab davon gelesen. Is it good magic?"
- "Nein, ganz schlecht" meinte er. Aber um gute Geister anzulocken
gibt es unter allen Bewohnern Tannas einen wichtigen Vorsatz: ein guter
Mensch muss man sein. Das hilft um den bösen Zauber fernzuhalten.
Kirche gehen hilft auch, fügt Jerry nach einer etwas zu langen Pause
hinzu.
Wir grinsten uns an.
Ich träume wieder. Von guten Geistern, guten Menschen und dass die
Frauen Kawa trinken bis zum umfallen. Gud nät, Tanna. Slip, Yasur!
2. Teil: Erromango - Was
passiert, wenn man in Vanuatu einen Jodler anstimmt?
Wo ich geh und steh - ich sitze
auf geflochtenen Pandanussmatten in einem palmblattbedeckten offenen Haus
tuat mir mei Herz so weh, neben mir sitzen Belinda, Prucilla, Rachel,
Rose, Rona und Pamela in ihren Blumenkleidern und halten sich vor lachen
die Hände vors Gesicht,
ich hab grad angefangen
einen typisch alpenländischen Jodler zu singen.
um mei Steiermark - das
ist hier die Dillon Bay auf Erromango-Vanuatu!
ja glaubt's ma's g'wiss
- die glauben mirs, glaub ich zumindest
Wo des Büchserl
knallt - Rose 6 Monate altes Baby George knallt zwar nicht aber kreischt
begeistert
Und wo der Gamsbock fallt
- wenn hier was fällt, dann Schweine, aber im Augenblick rösten
nur Brotfrüchte neben der Küchenhütte Prucillas.
Wo mei lieber Herzog
Johann is - kein Kommentar
Holareodulio - Pamela fällt
die Kinnlade runter.
Diriadulio - Rachel starrt mich entgeistert aus ihren ca 107 Jahre alten
Augen an.
Diraduliö - Rona verlässt das palmenbedeckte Frauenhaus um kurz
später mit ihren Schwestern Lian und Leiwin wieder zu erscheinen.
Diriaduhulio - Sydney, der 80 jährige Urgroßvater von Rose,
nähert sich dem Frauenhaus, das ist hier noch niemals passiert.
Holareodulio - (eine Oktave höher!) - Rona legt mit besorgt Blick
auf mich die aufgerollten Pandanussstreifen auf die Seite.
Holarehoduliö - Rachels ca 250 Jahre alte Mutter Kurua erscheint
erstmalig seit Jahren ohne ihr Vormittagsnickerchen beendet zu haben.
Hola RiaRiaRia Ria Ri- Die Schulkinder, die gerade aus der Schule kommen
stimmen begeistert ein RiaRiaRiaRiaRia.
Diri... aaaa... dulio!!!!! - das Dorf ist in Aufruhr, Schweine rasen durch
das Frauenhaus, Männer lassen ihr Tagewerk - das Sandelholz zuschneiden
- liegen, Fischer holen ihre Netze ein.
Hul-iiiiii-ooooooo!!!!! Prucilla
angelt in Windeseile eine geröstete Brotfrucht aus der Glut, bricht
sie auf und reicht sie mir eilig auf einem Bananenblatt.
"Hanggri?" (Anmerkung
des Übersetzers: Beslama für hungry, hungrig)
Port Vila - Die Hauptstadt
Vanuatus
Stadtgetümmel
Wir segelten aus Erromango
eine Nacht nach Efate, Port Vila.
Aus Gewohnheit kochte ich heißen Tee, legte das Ölzeug bereit
und den dicken Fleecepullover. Peter betrachtete mich seltsam von der
Seite, sagte aber nix.
Oder grinste er vielleicht doch ein bisschen?
Jedenfalls, 12 Stunden später hatten wir unsere erste, gemütliche
Tradewind Segelei seit langem hinter uns. Nur Sternenhimmel, Mond, plätscher,
plätscher... Soviel zum Segeln! Und kein Wort mehr!
Sowenig wir das simple Leben auf Tanna und Erromango erwartet hatten,
sowenig waren wir auf die Landeshauptstadt Port Vila vorbereitet.
Autos, Smog, Supermärkte, Cafés, Kino, Surf Shops, Resorts,
Luxushotel - alles da, keine 70 Seemeilen von frei laufenden Schweinen,
nackten Kindern und tauschfreudigen Einheimischen entfernt. Seltsam.
Wir schlenderten zum riesigen Frischmarkt. Hier tauschte keiner Angelhacken
gegen Bananenstaude. Oder T-Shirt gegen 3 Kokosnüsse.
Körbe gibt es gegen Vatu Scheine.
Yasur, kein Vater sondern Ausflugsziel, Pandanussmatten zum Aufhängen
im heimatlichen Wohnzimmer!
Flexibel wie wir sind, stürzten wir uns ins Kleinstadtgetümmel,
genossen Cafe Latte und Eiscreme, frische Baguette und Steaks aus dem
Supermarkt. Westler!
Und hängen hier an einer Mooringboje beim Yachtclub.
Haben schon das Musikfest "Fête de la Musique" erlebt,
eine "Kino unter Sternen"-Nacht, das geschlossene Nationalmuseum
besucht, das lokale Bier "Tuscan" probiert. Und bleiben noch
einige Zeit. Es ist angenehm hier und wir nehmen uns Zeit für Schreiben,
Schule, Putzen, Waschen. Bordalltag im Hafen.
Rüsten uns für den nächsten Schlag zu den Lousiaden, nach
Port Moresbey und die Torres Strait. Aber alles mit der Ruhe, denn es
ist wieder tropisch heiß geworden! Und räumen die warmen Sachen
weg! Der Sommer hat begonnen und Finn freut's auch - bald sind Ferien!
Fotos
|
| 03.06.2008,
Neukaledonien |
Dilemma mit Folgen und Her
mit den knusprigen Baguettes!
Bon Appetit. Könnte mal wieder über das Essen schreiben. Ich
weiß nicht was unsere geehrten Leser so von uns denken, wenn ich
immer wieder über Essen, Kaffeetrinken und andere leibliche Genüsse
schreibe. Wahrscheinlich, dass wir rund und g'sund heimkommen werden!
Wäre wohl auch so, hätten wir nicht immer wieder mal zu segeln
und würden so schön unser Idealgewicht halten.
Denn Segeln ist Sport! Hat die letzte Überfahrt auch wieder mal bewiesen,
über die ich mich diesmal nicht auslassen werde, sondern anschließend
den Captain und sein Logbuch zu Wort kommen lasse. Denn diese Überfahrt
hab ich bereits aus meinem Seglerinnengedächtnis gestrichen. Ist
auch besser so. Könnte natürlich sagen, jawohl, wieder um einen
Erfahrung reicher, aber ehrlich gesagt, naja, obwohl war doch eine unglaubliche
Erfahrung, wenn auch etwas an der Grenze oder eigentlich war es gar nicht
so schlimm, eigentlich ganz nett, ein bisserl Sturm und Welle, aber sonst?
Kann mich nicht erinnern, gut so...
Also schreibe ich - wie das bei Gedächtnislücken so ist - vom
Vorher und vom Nachher!
Vorher war gut, wenn auch etwas angespannt, wie immer vor Überfahrten.
An der Funke hängen, Wetterberichte inhalieren und so tun, als wäre
es ganz normal, eine Woche über einen Ozean zu segeln. Ist es natürlich
auch unter den Seglern hier. Aber wehe man erzählt das einem Segelfremden
da kommen dann meist Einwände und man denkt sich, bin ich total verrückt
geworden, das zu machen!
Aber, wie es eben so ist, trifft man als Segler vor allem auf Segler oder
Segelbegeisterte und so kommt man gar nicht in diese verzwickte Situation.
In Opua warteten wir also auf das berühmte Wetterfenster - was für
ein Wort - irgendwann werde ich diesen Ausdruck auch aus meinem Gedächtnis
streichen...
Finn war glücklich. Er ging in die Opua Primary School und verlor
sein Herz an seine Lehrerin Mrs Young. Die Schule begeisterte ihn von
Anfang an.
Als ich nach der ersten Stunde vorsichtig anfragte, ob ich ihn wieder
mitheimnehmen sollte (oh Gott, was bin ich für eine Glucke), sah
er mich verzagt an und ich wollte ihn schon beim Arm packen und ins traute
Heim schleifen, aber der 143cm große 8 einhalbjährige sprach:
"Mama, ich will auch eine Schuluniform wie die anderen und zwar jetzt"
Äh. Also das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich versprach,
dass ich mich darum kümmern werde und er verschwand in Classroom
2 ohne sich noch einmal umzudrehen. Peter heulte. Also tröstete ich
nicht meinen Sohn sondern meinen Gatten, der ob der großen "erster-Schultag-Aufregung"
an seine eher grausigen Schulanfänge denken musste und mit seinem
Sohn mitlitt, der aber keine Sekunde litt. In der "Morning Tea"-Pause
brachte ich Finn Jause und wollte sichergehen, ob er nicht doch lieber..."Mama
ein Wahnsinn, das ist so toll, die haben gerade Dinosaurier Woche!"
Und so hatten wir plötzlich kinderfreie Vormittage, schlenderten
planlos durch die Marina bis plötzlich...das berühmte Wetterfenster
aufging. Finn weigerte sich von einem Tag auf den anderen die Schule zu
verlassen. Es war Wochenende und er wollte wegen des Ukuleletages und
der netten Mrs. Young unbedingt noch einige Tage der nächsten Woche
die Schule besuchen. Na gut sagten wir, das Kind ist glücklich, fahren
wir mit dem nächsten Fenster.
Alle Segler um uns machten sich bereit loszusegeln und am Sonntag war
die Marina zu Hälfte geleert. Blöderweise war auch noch die
Rede vom besten Wetterfenster seit Jahren
wir kauten Fingernägel
und holten Finn von der Schule ab. Schließlich hieß es am
Dienstag: das Wetterfenster hält und hält, fahre wer fahren
will. Mittwoch wurde zu Finns letztem Schultag und das verzieh er uns
fast nicht, aber wir wollten los. Mittwoch morgen dann meinte Winfried
der Wettermann, weg mit euch, ein Tief kommt, aber es sollte sich für
euch ausgehen.
Oh nein, genau das, was man nicht braucht, ein Dilemma...
Und wir segelten los, und wir segelten in das Tief, und mein Sohn schwärmt
noch immer von Mrs. Young und - was mich schließlich doch versöhnte
- das nächste Wetterfenster öffnete sich erst 3 Wochen später,
und da sitze ich jetzt aber bereits in Noumea und schmiere mir Camembert
auf mein Knusperbaguette.
Finn hätten die weiteren 3 Wochen Schule sicher viel Freude gemacht,
aber auch so hat er viel gelernt, liebt Englisch, liest englisch fast
besser als Deutsch und macht englisches homework am allerliebsten. Und
das allerbeste: "Schulklasse" ist für ihn nicht mehr eine
vage Schreckensvision. Natürlich musste ich ihm versichern, dass
sich auch in Österreich eine nette Mrs. Young finden würde!
Falls wer eine kennt, bitte melden!
Und nun zu "Nacher".
Wir landeten in Ile de Pins, einem Tropentraum. Puderzuckerstrand, Traumlandschaft,
Türkiswasser. Wir leckten unsere Wunden, ich durfte auch krank werden
und huste mir jetzt noch die Seele aus dem Leib.
Macht nix. Wir sind ja da. Und die Wahrscheinlichkeit eher Passatwinde
in Zukunft zu haben als Gegenwinde ist hoch.
Wir verbrachten die Tage mit Strandläufen, Lagerfeuer, Marktgehen,
Land kennenlernen. Endlich wieder Bananen, die wie Bananen schmecken und
Passionsfrüchte vom Baum. Natürlich ein Thunfisch an der Angel,
als wir nach Noumea rauschten. Dass nirgends das Paradies ist, wissen
wir ja und spürten die sozialpolitischen Spannungen zwischen den
Ureinwohnern, Kanaken genannt und den Franzosen am eigenen Leib, als an
einem quirligen Markttag Tränengas von der Polizei in die Menge geschossen
wurde, um die Menge aufzulösen.
Am Tag darauf verdrückten wir uns etwas deprimiert ins Centre Culturel
Tjibaou.
Dort wurden diese schon ewig herrschenden Spannungen vom berühmten
Architekten Renzo Piano künstlerisch verarbeitet.
Das grandiose Kulturzentrum mit seinen silbern in der Sonne funkelnden
Holztürmen versöhnte uns wieder etwas.
Wir lernten über das Leben der Kanaken, über ihren etwas skurrilen
Ursprung. Und zwar wurde ein Zahn von einem Geist auf einen Felsen gesetzt
und begann unter der Wärme des Mondes(!) zu verfaulen. Die Teile,
die ins Wasser fielen, wurden zu Aalen (Zeichen der Fruchtbarkeit) und
Schlangen (die es heute noch gibt und zwar sehr giftige!), die Teile,
die am Felsen blieben, zu Eidechsen und Pflanzen. Und so konnte der erste
mytische Mensch Tea Kanake sein Volk gründen. Pflanzen leiteten immer
das Leben der Kanaken, die Banane - die Weiblichkeit, die Taroknolle -
die aus Respekt nie geschnitten sondern nur gebrochen wurde, die Pinien
- die den Weg zum Haus des Chefs zeigen, die Cölus Gräser -
die jedes Haus beschützen und die Seerose - die man nicht respektlos
berühren darf, will man nicht böse Geister an Land ziehen.
Da musste ich gleich an den Hollunderbaum denken, der sich oft an steirische
Bauenrhöfe schmiegt und vor bösen Geistern schützt!
Wir saßen auf einem kleinen Bankerl mit Blick auf den Pazifik und
die Holztürme und wir spürten den wunderbaren Zauber der Kunst.
Und die Franzosen? Die hübschesten Frauen seit langem spazieren hier
durch die Straßen, geschmackvolle Geschäfte neben zahllosen
chinesischen Ramschläden.
Guter Wein, die knusprigen Baguettes und natürlich der Käse...
Durch dick und dünn, das passt wirklich zur Rishomaru Besatzung!
Noch sind wir dünn und vielleicht nach ein paar Wochen Schnabulieren
hier ein bisserl dick und eines ist klar: durch alles sind wir bisher
gut durchgekommen und das wird sich auch nicht ändern!
Und nun lasset den Captain zu Wort kommen!
Die Überfahrt NZ - New
Caledonia
Auszüge aus dem Logbuch des Kapitäns
14.5 .2008
Wettervorhersage für den 14.5.: SW 10 kn
Das Wetterfenster bringt für die nächsten sechs Tage Winde aus
SSE zu E 15-20 Kn. Danach dreht er auf NE, ein Tief zieht heran.
Die meisten Boote, die wir kennen, haben NZ bereits vor drei Tagen in
Richtung Fiji , Vanuatu und New Caledonia verlassen.
Entscheiden heute noch, uns anzuhängen, obwohl es knapp werden könnte.
Winfried unser Wettermann meint "mit dem Kat könntet ihr das
schaffen". Rechnen mit 150 Meilen am Tag im Schnitt .Sollte sich
ausgehen.
Distanz 770 sm bis Ile de Pins auf New Caledonia.
13h30 Pos: 34°59 S und 174°07 E mit 7,4 kn Speed, Kurs 335°.
Tagsüber hält der Wind gut, gegen Abend verlieren wir die Sicht
auf NZ. Auf bald NZ, war eine schöne Zeit. Bei so einer Überfahrt
ist genug Zeit, über die letzten Monate nachzudenken und alles nochmals
in Gedankenbildern ablaufen zu lassen. In der Nacht Sternenhimmel, schalten
den Motor später dazu. Wind hat auf 5 kn abgeflaut. Alle Systeme
laufen gut, mache einen Kontrollgang übers Schiff.
Habe in Opua ein Solarblinklicht entdeckt mit einer Reichweite von mehr
als 5 sm, schaltet sich zusätzlich zum Positionslicht automatisch
bei Dämmerung ein.
15.5. 2008
8h Pos: 33°35 S und 173°33 E, 3/8 bedeckt, Temp: 12°, Baro:
1023
Haben in der Früh den Spi gesetzt, fühle mich schwach, habe
mir in Opua eine ordentliche Grippe von Finn geholt.
Finn geht es schon recht gut, hustet nur noch schrecklich.
Keine Lust zum Fischen, keinen Appetit auf Fisch. Versuche zu schlafen,
gelingt mir nicht. Müssen uns nach so langer Zeit an Land wieder
an die Schiffsbewegungen gewöhnen. Machen gutes Tempo und in der
Nacht klart es wieder auf. Squalls (Regenwolken mit häufig starken
Böen) sind keine zu sehen. Der Ozean leuchtet, eine wunderschöne
Nachtfahrt.
16.5. 2008
8h Pos: 31°40 S und 172°30 E, 5/8 bedeckt, Temp:14°, Baro:
1021
Zu Mittag sind heftige Squalls durchgezogen, Spi geborgen und Groß
gerefft. Wind dreht mehr auf E 15-20 kn, 8-9 kn Fahrt.
Windrad direkt an die Batterien geschalten, brauchen mehr Strom für's
Radar. Segelyacht Yara in Hörweite auf UKW. Plaudern und geben Position
durch. Glaube Fieber zu haben, aber Alex weigert sich eines zu ertasten.
Ich kann sie verstehen, denn ich hoffe auch, dass ich noch fit bleibe.
Kann auch in meiner Ruhezeit keinen Schlaf finden. Alex macht tagsüber
schon mehr Wachzeiten als ich. Eine richtig gute Seefrau ist sie geworden.
In der Nacht viel Arbeit an Deck. Segel reffen, dann wieder ausbinden.
Es ist nicht ganz so kalt wie wir erwartet haben: 15 Grad. Auf dem Radar
sind die Squalls sehr gut zu erkennen. Und das ist recht gut, denn da
steckt oft Wind mit mehr als 30-35 kn drinnen.
17.5.2008
8h Pos: 29°22 S 171°15 E, 7/8 bedeckt, Temp:19°c Baro: 1020
Wellenhöhe 2,5- 3 Meter
Wettervorhersage bringt uns früher den NE Wind, Sch
Heute E 25 Kn am 18.8 NE 25 am 19.8 NW 20, das Tief in der Tasman See
ist doch schneller gezogen. Na da müssen wir durch. Setzen alles
an Segel was möglich ist. Müssen Tempo machen.
Gegen 16h zwei Reffs im Groß, 9 Kn Speed.
Habe starke Kopfschmerzen, Nase total zu und starker Husten. Nein kein
Fieber!
Es geht also noch, muss gehen. Alex ist tapfer, lässt sich ihre eigene
Müdigkeit kaum anmerken, aber ich sehe es in ihren Augen. Finn ist
sehr cool, weiß ganz genau, was jetzt Sache ist, beschäftigt
sich die meiste Zeit alleine. Tut ihm vielleicht auch gut nach den aufregenden
Tagen in NZ und in der Schule in Opua. Die Risho läuft viel ruhiger
mit den zwei Reffs im Groß. Könnten schneller segeln, aber
wir fühlen uns so viel besser. Heute das erste mal zwei Stunden Tiefschlaf
aus Erschöpfung.
Noch 370 Meilen bis Ile de Pins.
18.5 2008
8h Pos: 27°04 S 169°54 E, 8/8 bedeckt, Temp: 20° Baro: 1017
Welle 3 -3,5 Meter
Genua geborgen, laufen nur mit Fock und zwei Reffs im Groß, 7-8
kn Fahrt.
Wellen stürzen über das Vordeck. Blöder Winkel, habe entdeckt,
dass beim vorderen Netz eine Verankerung gebrochen ist. Muss auf's Vordeck;
mit Leinen kann ich das Netz wieder gut sichern; dauert eine Ewigkeit.
Die Wellen stürzen über mich und jeder Handgriff ist mühsam.
Erstaunlich, dass nicht das Netz gerissen ist, aber die Metallverankerung
ist gebrochen. Werde in Zukunft alles mit Leinen fixieren. James Wharram
hat absolut recht, so viel wie möglich mit Tauen zu sichern. Das
Ölzeug ist sehr gut, haben uns neue Jacken in NZ gekauft.
Meine Stirnhöhle wird kurz mit Seewasser gespült, ansonst bleibe
ich recht trocken. Alex kocht eine heiße Misosuppe mit Utongnudeln,
das wärmt perfekt.
8h: Groß geborgen, nur unter Fock 7-8 kn Fahrt, Wind hat zugelegt
30-35 kn.
3h30: Liegen beigedreht mit Sturmfock und backgestelltem Ruder, Wind 40
kn, Wellen total konfus, sind zu erschöpft um weiterzusegeln.
Ruhe im Schiff, kein Schlagen mehr auf der Bordwand, lege mich vollkommen
erschöpft nieder, schlafe drei Stunden im Tiefschlaf. Nach fünf
Stunden kaum Abdrift, da Strömung nach Norden setzt. Das erste Mal
nach drei Tagen kann ich Alex in die Arme schließen, ich merke wie
erschöpft auch sie ist.
19.5.2008
8h Pos: 25°30 S 168°37 E, 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1014
Laut Winfried soll der Wind heute von NE auf SW drehen.
Auf der Funke mit Wolf und Doris (Nomade) geplaudert, sind auf dem Weg
zu den Lousiaden, hat richtig gut getan die beiden zu hören - wirkt
besser als die homöopathischen Kugerln.
13h: der Wind dreht immer mehr auf N. Segeln hart am Wind
16h: ganz erstaunlich, in den letzten zwei Stunden drei sehr heftige Squalls
und der Wind hat jedesmal danach ein Stück mehr Richtung Westen gedreht.
Haben die Segel bereits auf Steuerbord. Jetzt kommen die Wellen auch noch
von der anderen Seite. Die Risho tanzt wild herum, aber wir können
wieder segeln.
20.5.2008
8h Pos: 24°05 S 167°56 E 7/8 bedeckt, Temp: 24° Baro: 1012
Wellenhöhe
will sie nicht mehr beurteilen, kommen aus zwei
Richtungen, brechen auch immer wieder ordentlich. Risho geht es gut, bekommt
nur öfters eine gegen den Rumpf geknallt. Unser Cockpit ist erstaunlich
trocken. Noch 84 sm bis Ile de Pins, müssen Fahrt reduzieren um morgen
Früh anzukommen. Finden jetzt wieder etwas mehr Schlaf, verbringen
die meiste Zeit unter Deck, denn es regnet seit gestern. Hören auf
der Funke, dass einige Schiffe gut auf Fiji und Vanuatu angekommen sind.
Na die meisten sind vor drei Tagen los. Wir haben es auch bald geschafft,
noch eine Nacht durchhalten und dann gehe ich in Krankenstand.
21.5.2008
Land in Sicht!!!!!!!
8h Pos: 22°50 S 167°23 E, 4/8 Bedeckung, Temp: 23° Baro: 1013
Ein wunderbares Gefühl, wir haben noch 7 sm bis zum Ankerplatz.
Segeln durch die Riffpassage,
das Wasser ist sofort ruhig, keine Wellen mehr, herrlich. Die Insel riecht
wunderbar, freue mich das erste mal wirklich, dass wir ankommen.
Es war ein anstrengender Törn, aber beim Anblick der Tropeninsel
ist das alles schon vergessen. Dieser Törn geht zu hundert Prozent
an Alex und Finn.
Die nächsten vier Tage genießen wir voll, ich gebe auch Ruhe.
Laut meinem Admiral muss ich auch mal am Nachmittag in die Koje. Ein Kapo
sollte fit sein, keine Frage, auch bei einer so guten Crew. Ich liebe
die beiden!
Fotos
|
| 25.05.2008,
Neukaledonien |
Funkmail von der Risho Maru:
"Nach 6 Tagen sehr anstrengendem
Segeln sind wir im sommerlichen Neukaledonien gelandet. Zur Zeit im Süden
auf der zauberhaften Ile de Pins! In NZ ist es uns einfach zu kalt geworden
und wir sind bei recht gutem Wetter weg, aber leider in ein zu schnell
ziehendes Tief geraten. Viel, Viel Wind und Regen und große Wellen,
und erstmals haben wir beigedreht, um ein bisschen schlafen zu können.
Erschwerend kam dazu, dass Peter eine schwere Verkühlung aus NZ mitgenommen
hatte und die so richtig zum Ausbruch kam! Also wurden wir ordentlich
durchgebeutelt und die Ankunft in Neukaledonien war dadurch doppelt so
schön. Hier absolut Tropen mit Frankreich vermischt. Herrliche Baguettes,
Croissants, liabe Leut, bonjour, oui oui, bonne nuit! Natürlich Pinien
und blaue Lagunen, aber vor allem Wärme! Herrliches Klima, tagsüber
an die 25 Grad, abends schön zum Zudecken mit viel Sternenhimmel
und Lagerfeuer am einsamen Strand."
Anmerkung
des Webmasters: unter Bilder gibt es jetzt auch
ein paar Risho Maru Videos (powered by YouTube)
|
| 27.04.2008,
Neuseeland |
Und
es herbstelt
Ich versuche ein echter Kiwi
zu sein. Segler sind ja als ausgesprochen anpassungsfähig bekannt.
Also denke ich mir, dass es nach 5 Monaten an einem Platz ja wohl wirklich
kein Problem sein sollte, sich den heimischen Gebräuchen und Traditionen
anzuschließen. Aber, leider, leider. Ich schaffe es nicht. Mir ist
einfach kalt.
Das Thermometer zeigt hier in der Koje abends um 9 Uhr 13 Grad an. Das
ist mir zu kalt. Ich finde es hat zu herbsteln begonnen und das finden
auch die anderen internationalen Leidensgenossen hier in der Marina in
Whangarei. Aber nicht so die Kiwis. Sie laufen immer noch in T-Shirt,
kurzen Hosen und bevorzugt barfuß herum.
Dem Finn ist auch heiß, aber das gilt nicht. Hat er doch einen BMX
Track entdeckt und düst stundenlang seine Runden, verschwitzt und
im T-Shirt.
Seit wir auf der Risho leben bin ich noch niemals dermaßen bekleidet
vor dem Schirm gesessen. Dicke Trainingshose, 2 Langarm T-Shirts, eine
Fleecejacke, und zusätzlich stecke ich in meinem kuscheligen Daunen
Schlafsack. Hinter mir brennt eine Petroleumlampe, verbreitet viel Gestank
und wenig Wärme. Heiße Dusche in der Marina hilft ein bisserl,
Teetrinken ganz viel, heiße Schoko mit Rum am besten.
Warum ist den Kiwis nicht kalt?
Vielleicht weil sie von Engländern abstammen? Aber was ist mit den
Maoris? Die kamen doch aus dem tropischen Polynesien dahergesegelt und
müssen einen Kälteschock erlitten haben als sie hier ankamen.
Aber auch sie laufen hier hochsommerlich herum. Viele Kinder barfuß.
Manchmal denke ich mir, wir - die Besucher - stehen in einer anderen Klimazone.
Am Abend saßen wir gestern in Rewas Yachtclub und aßen Pizza.
Mir war saukalt und wir sprachen mit Michael, Segler und Architekt. Er
zog sich gerade die Kapuze seines Faserpelzsweaters über den Kopf,
als er uns erklärte, das die Kiwis Hausisolierungen und Wärmedämmungen
jeder Art nicht anwenden.
Schotter, Sand, Boden drauf, ein paar Bretterwände, einfache Fenster.
Fertig ist das Durchschnittshaus. Oder Yachtclubrestaurant. Wir schoben
unseren Tisch unauffällig Richtung offenem Kamin, die Kellnerin im
Spaghettiträger T-Shirt lächelte uns mitleidig an.
"Oh, another drop of rain" bemerkt die Dame an der Supermarktkasse.
Draußen schüttet es aus Kübeln. "Keeps our farmers
happy!" bemerkt die alte Dame hinter uns in Sommerkleid und Flip
Flops.
Vielleicht fragt sich einer von euch da draußen, warum wir dann
noch hier sind, keine Woche Segeln Richtung Norden ist doch wieder die
süße Südsee. Gute Frage. Könnte ich beantworten mit:
Noch zu früh, es könnte sich noch ein Zyklon in diese Gewässer
verirren.
Was ja stimmt, aber es ist da noch was.
Freunde.
Das Schönste und Erstaunlichste an unserer Reise - und viele Segler
stimmen da mit uns überein - sind die Menschen, die man trifft. Und
manchmal ist es ganz egal, ob man sich nur kurz wo aufhält. Wie zum
Beispiel damals die vier Wochen in den Tuamotus bei Valo und Gaston, unserer
polynesischen Gastfamilie.
In Neuseeland waren wir nun 5 Monate und haben Bande geknüpft, die
wohl auf ewig in unserer Erinnerung sein werden. Vielleicht, ja hoffentlich
sieht man sich wieder.
Wendy und Martin, unsere Zahntechniker in Auckland, kennengelernt über
Katja aus dem Marina-Laden in Opua. Beide unkomplizierte, liebenswürdige,
erfrischende Menschen. Dieses Gefühl von, ich kenn die seit ewig,
so als wären wir gemeinsam in die Mittelschule gegangen.
Als wir vor einigen Tagen noch für ein bisserl Stadtatmosphäre
in Auckland waren, fror ich erbärmlich in der typischen wunderschönen,
aber kalten Kiwiwohnung. Mit großer Sehnsucht träumte ich von
einem heißen Bad, als Wendy beiläufig sagte "Hey guys,
take a bath, feel at home, you want some tea?" Und so nahm die Familie
Schöler mit größtem Genuss seit 3 Jahren ihr erstes knallheißes
Vollbad!
Oder Schelm und Isabelle. In der Norsand Marina liefen wir uns über
den Weg. Die beiden bauen dort einen Wharram Kat und so kam man ins plaudern.
Tag für Tag wuchs unsere Freundschaft und jetzt nach 5 Wochen ist
es schwer sich vorzustellen, sie nicht mindestens einmal die Woche zum
Musikmachen, Plaudern oder gemeinsam Kochen zu treffen.
Ihnen verdanken wir auch ein wunderbares Badeerlebnis (vielleicht verbindet
sie das mit Martin und Wendy?). Als es vor einer Woche mal wieder einen
Tag regnete und kalt war entführten sie uns in ein Schwefelbad. Und
wenn jetzt einer dabei an Loipersdorf oder ähnliche Thermalbäder
denkt, weit gefehlt! Wir fuhren mit Schelms Toyota Bus eine Stunde ins
Inland, kaum mehr Häuser zu sehen (was aber in Neuseeland eh normal
ist), nur grüne regenverhangene Hügel und Schafe. Am Ende einer
rumpeligen Schotterstrasse stoppten wir vor einem geschlossenen Backpacker
Hotel. In einem alten Wohnwagen saß ein Maori, neben ihm zwei Hunde,
und wies uns den Weg zu den Bädern.
Wir kamen zu einem alten Gemäuer mit 5 großen hölzernen
Freiluft Pools. Die Umkleidekabinen erinnerten mich an die alte Turnhalle
in meinem Heimatort, vor allem der Geruch! Holz und verschwitzte Socken!
Die Bäder wirkten zwar alt, aber sauber und gepflegt. Wir stiegen
in das warme, weiche, schlammige Wasser und genossen es. Auf unsere Häupter
prasselte der Regen und der Schwefelgeruch verflüchtigte sich - ich
denke, weil wir eben sehr anpassungsfähig sind!
Den ganzen Nachmittag badeten wir, einmal kamen 3 Maoris, dann ein Kiwipärchen,
und schließlich ein alter Japaner. Hochbetrieb auf neuseeländisch!
Vielleicht haben die armen, frierenden, polynesischen Segler wegen der
zahlreichen Thermalquellen nicht gleich wieder den Rückzug angetreten!
Die frierenden österreichischen Segler jedenfalls waren glücklich!
Nur einem hat der Ausflug nicht gut getan. Mein Lieblingsbikini wir wohl
nie wieder nicht schwefelig riechen!
Mit Antonio, unserem italienischen Freund, verbinden uns keine Badegenüsse,
dafür aber kulinarische! Erst kürzlich brachte er uns wieder
Parmesan aus Italien vorbei.
Er hat sich übrigens einen Katamaran gekauft und wird für einige
Zeit mit seiner Familie segeln gehen. Ob das was mit uns zu tun hat?
Oft denke ich mir, hätten wir diese Reise nicht angetreten, wieviele
Orte wären uns für immer fremd geblieben und vor allem wieviele
Menschen, die heute soviel für uns bedeuten, hätten wir nie
getroffen.
Die oben genannten, aber auch Valo und Gaston aus Tuao, John aus Suwarow,
Kyra, die Wienerin in Kartagena, Gidi aus Wiesbaden, all unsere Seglerfreunde!
Und Teri. Klar, er ist nur ein Auto (sagt das bloß nicht dem Finn!).
Teri unser treuer Kumpane über die gewundenen, neuseeländischen
Straßen, die Nächte mit ihm (eng aber unvergesslich), sein
Blau, strahlend und charmant, sein Blubbern beim Heißlaufen.
Er trägt seit kurzem ein "For Sale" Schild im Rückfenster.
Denn bald sind wir wieder "nur" mit Schiff unterwegs. Noch einige
Schoten ausgetauscht, der neue Autopilot kalibriert und Finn tobt sich
noch die letzten Wochen mit seinem Flybike aus.
Finn ist ein großer Junge geworden! Hat die Weite Neuseelands genützt
und ist in die Höhe geschossen. Abends nach dem Biken klemmt er sich
die Gitarre unter den Arm und fetzt los.
Dass man einen Fernsehfilm nicht auf fast forward schalten kann, weiß
er seit wir bei Wendy und Martin gewohnt haben, und Schelm hat ihm gezeigt,
wie man einen Hobel ansetzt, Antonios Töchter ließen ihn über
den kleinen Unterschied nachdenken und Teri will er am Liebsten mitnehmen.
Und so geht ein Reiseabschnitt langsam, aber sicher zu Ende. Wir werden
noch die letzten Wochen hier genießen, und ich werde versuchen,
der Kälte wie ein Kiwi ins Gesicht zu sehen!
Oder ich kauf mir morgen doch die Opossum Socken
sollen herrlich
warm halten!
Fotos
|
| 18.03.2008,
Neuseeland |
"You
look like sailors" oder Frau der Fliegen
Ostern naht und diesmal werde
ich meinen Ostereier-Gselchten-Striezel-Gelüsten freien Lauf lassen.
Werde sogar eine Ostereiersuche veranstalten! Alle landrattischen Feierlichkeiten
begehen, wie Schokohasen einkaufen im großen Supermarkt, Autofahren
zum Osterkonzert in der Innenstadt und natürlich Osternesterl basteln
aus echtem Gras, das gleich hinter der Risho wächst.
Ja wir sind mal wieder "On the Hard"! Die Risho ist aufgebockt
auf zwei schweren Eisenträgern und erinnert mich, wie jedesmal zu
solchen Gelegenheiten, an einen an Land gesetzten Schwan.
Peter trägt wieder den "in Antifouling und Farbe getunkter Overall"
Grunge Stil, ich das Haute-Couture-Gemisch aus Aceton-Flecken-Fetzen-Jeans
und Ex -T-Shirt-Kopftuch über traditioneller Marina-Anklatsch-Frisur.
"You look like sailors" sagte uns gestern bei einem Blueskonzert
in einer typischen Kiwibar ein netter Neuseeländer. Dabei hatten
wir uns echt rausgeputzt, aber die Wahrheit lässt sich eben schwer
übertünchen. Tünchen, das hat Peter die letzten Tage bis
zum Exzess gemacht - in unserem Navigationsrumpf. Alles in weiß.
Im Klartext hieß und heißt das, wir leben mal wieder in einem
Rumpf - schlafen, essen, whatever darin. Was eng ist, aber zumindest ist
das Wetter stabil,... sorry,
war kurz abwesend um Handlangerdienste
zu erfüllen. Leiste gegen Rumpf halten und mit Bleistift kennzeichnen,
oder Farbflecken mit Terpentin von Leiste putzen, oder Klebeband von Decksfläche
abziehen (blau und pickig wie die lästigen Pickerl vom Supermarkt
mitten auf dem schönsten Stück Geschirr).
Jetzt sitze ich wieder da in unserem angeräumten Küchenrumpf,
eingeklemmt zwischen Finns Pirates-of-the-Caribbean-Schultasche und Peters
Gitarre. Vor mir ein zitterndes Fliegenbein. Was? Unser Nachbar, ein netter
Kiwi mit etwas vernachlässigtem Schiff und freundlichem Hund, winkt
mir durch die Luke zu, so von Schiff zu Schiff. Weiß der überhaupt,
dass all die Fliegen in unserem Rumpf von seinem Hund oder besser dessen
eh schon wissen
angezogen werden? Ich winke freundlich zurück.
Immer schön freundlich bleiben, müssen ja noch einige Zeit nebeneinander
verbringen, und immerhin hat er der Werftleitung nicht verraten, dass
wir das Antifouling staubtrocken abgeschliffen haben, anstatt vorsichtig
und feucht, um die Natur zu schonen. Wie kam ich da jetzt drauf?... Natürlich,
das zitternde Fliegenbein. Ich bin grausam und ich hoffe und bitte jeden
Tag, dass das Universum mich nicht dafür bestrafen wird, dass ich
dieses klebrige Fliegenfangband in unserem Küchenrumpf, eben fast
vor meiner Nase, gerade jetzt aufgehängt habe. Es steht drauf: kein
Gift, also zumindest verstoße ich nicht gegen Kiwi Umweltgesetze,
aber die armen Fliegen! Sie bleiben picken und zittern sich dann zu Tode,
außer ich knall ihnen eines mit dem Gasanzünder über die
Birne - was ich gerne tu, denn ich hasse diese Viecher noch mehr als die
Ameisen, die gleich an unserem ersten Tag auf dem Trockenen eine wunderschöne
kilometerlange Strasse durch meine Küche, mein Gemüse, mein
Brot gebaut haben. Habe auch sie ausgerottet. Mit kleinen Ködern
aus klebriger Masse, die verführerisch nach irgendetwas riechen,
das Ameisen mögen. Vergiftet leben sie noch so lange, dass sie all
ihre Babys in ihren Nestern mitvergiften und so ganze Großfamilien
zu Grunde gehen. Universum verzeih mir, lass mich bitte nicht als Fliege
oder Ameise wiedergeboren werden. Es ist die Werft, die mich so werden
ließ! In 2-3 Wochen bin ich wieder ich, nett, zuvorkommend, tierlieb,
naturinteressiert. Aber im Augenblick geht's halt gerade nicht.
Finn tritt zunehmend in das "Grosser-Junge-Alter" ein und hängt
Plakate über seine Küchen/Schlaf Koje: "Staff only / Closed",
was sich auf die beengte Platzsituation auch nicht gerade positiv auswirkt.
Manchmal flüchte ich in die Laundry und treffe auf andere staubige
Seefrauen. "Sind ja eh nur mehr 3 Wochen bei dir" hör ich
dann von so mancher, die schon einige Monate hier verbringt.
Der absolute Pluspunk ist das spätsommerlich österreichische
Klima. Man kann ohne zu schmelzen 3 Tage lang die Außenrümpfe
waschen und polieren. Unser Nachbar/Hundefreund hat mich gelobt: "Looks
better everyday!" - "Oh thank you, but, you know, the flies..."
- "Oh yes, the flies, what a pain
see you tomorrow..."
Und weg is er
...und ich muss auch weg. Peter braucht das Stromkabel, um den Rumpf zu
schleifen und neues Schleifpapier, ich glaub das grüne
was
klebt da eigentlich auf meinem Rücken?... ich hasse Fliegen
Nichts desto trotz
Frohe Ostern!
Schmatz, mampf, Staff only and closed!
Fotos
|
| 27.02.2008,
Neuseeland |
Hobbits,
Cappuccino und Sardinen
Besuch, Besuch, Besuch! Nachdem
Dave und Synnova sich richtung Südinsel abgeseilt hatten, reiste
Egger an.
Pardon, Christine Egger, seit 8 gemeinsam überstandenen Jahren Gymnasium
im Stift Rein kurz "Egger" genannt. Ich war damals noch "Haring".
Beide träumten wir von der großen weiten Welt: Wien.
Und Wien ist weit weg von Übelbach und Deutschfeistritz, unseren
damaligen steirischen Wohnorten.
Eine unserer Lieblingsideen war eine Boutique zu gründen (Egger studierte
damals Mode) und ich sollte dort als Sängerin auftreten.
Heute ist Egger Filmausstatterin und ich segle um die Welt. Interessant.
Aber unsere Wege trennten sich nie und so stand sie nach 3 (!) tägiger
Anreise in Auckland am Flughafen. Fest klebte die ersten Tage der I-Pod
an ihren Ohren, bis sie schließlich nach einigen herrlichen Segeltagen
in der Bay of Island, die Welt, die sie umgab, in sich rein ließ.
Man kann ihr ja keinen Vorwurf machen. Ein Segelboot ist für jemand
der erstmals damit reist wohl eine Art Gefängnis mit schöner
Aussicht.
Mit unseren ersten Strandbesuchen kippte Egger aber in den Zauber. Ich
denke es passierte, als wir über dicke Wiesenpolster einem Traumstrand
entgegenkugelten.
Kristallklares Wasser, Muscheln am Strand, blau, grün umgibt einen.
Himmel, Hügel, Sonne.
Einige Tage Segeln und dann schnürten wir Surfboard und Campingausrüstung
auf unseren guten alten "Teri" und ab ging es zur Erforschung
des Nordlandes.
Egger hatte eine Liste mit Fixpunkten im Gepäck - von einer Freundin,
die einst Neuseeland bereiste, zusammengestellt.
Ich hatte ein Magazin namens "Cafe". Hier in Neuseeland herrscht
nämlich geradezu ein fanatischer Kaffeehauskult . In dem oben genannten
Magazin wurde alles über Kaffee abgehandelt, was man immer schon
wissen wollte. Vom besten Coffeshop der Ostküste, bis zum bekanntesten
Kaffeeröster des Nordlandes. Barista-Seminaren (Barista ist die Frau
gleich hinter der Bar, die den Kaffee macht - natürlich gibt es auch
den Baristo!) konnte man beiwohnen und der jährliche Barista-Wettbewerb
war ausführlich beschrieben. Außerdem trinkt man hier nicht
einfach - vor allem guten - Kaffee, nein, hier schmückt man denselben
auch mit unglaublichen Milchschaumtürmen. Gemälde werden dann
mit Kakao oder Zimt in den Schaum ge..., ge
, wie eigentlich gemacht?
Wie auch immer, in meinem Cafémagazin wurden die besten Caféshops
der Nordinsel beschrieben - na einen besseren Reiseführer konnte
man ja wohl nicht finden! So rumpelten wir mit dem ab und an heißlaufenden
"Teri" die Schotterstraßen zur Nordspitze Neuseelands
entlang, erblickten Landschaften, die ein Fantasy Maler nicht besser schaffen
hätte können. Immer wieder flackerten vor meinen Augen Szenen
aus der "Herr der Ringe" Trilogy auf. Eine weite, hügelige
Landschaft, ein blitzblauer See, 3 riesige Baüme - und schon sehe
ich, wie die Bäume lebendig werden und majestätisch auf uns
zuschreiten. Gut, dass das "Waterline" Cafe auf uns wartete
sonst wäre ich noch ganz in diese Weite versunken und einfach irgendwo
sitzen geblieben um zu schauen. Schauen. Das kann man hier wirklich lernen.
Die Egger hat dann ihr Notizbücherl geschnappt und gezeichnet.
Immer seltener mit I-Pod. Das Rauschen des Pazifiks im Ohr, den Duft der
Weiden in der Nase, den frischen Wind im Haar. Und dann Cappuccino mit
Schoko Caramel Tarte auf den Lippen. Wow, Sommer in Neuseeland!
Dann ging's natürlich ans Campen. Großzügig überließen
wir unserem Gast das 2 Personen Zelt und quetschten uns in unseren Teri.
Sardinenfeeling. Hab ich übrigens schon erwähnt, das Finn mir
bis zur Schulter geht und 35 Kilo hat? Und dass Kinder sich im Schlaf
ihren Platz einfordern ohne Rücksicht auf Verluste?
Als wir in unserer ersten Nacht ca 2 Millionen Moskitos im Auto hatten
und einen ausgestreckten Finn, dachte ich kurz daran, die Insel per Segelboot
zu bereisen.
Aber die häufigen Sturmwarnungen hielten mich dann doch ab.
Egger meint, das stete Klatschen unserer Handflächen auf die angelaufenen
Autoscheiben ließen sie sehr an einen erst kürzlich ausgestatteten
Psychothriller denken.
Ab uns zu sah man eine schlaffe Hand die Scheibe runtergleiten. Das war
ich, erschöpft vom Kampf gegen die Vampire der Nacht.
Am nächsten Morgen dankten wir sämtlichen Chemikern Neuseelands
für die Erfindung des Antirepellant "Bushmann 80 Deet".
Was immer diese 80 Deet bedeuten eines ist sicher: Tod den Moskitos! Wir
kamen mit wenigen glimpflichen Stichen davon.
Ab dieser Nacht fürchtete ich mich vor jeder folgenden. Denn laut
Eggers Empfehlungsliste sollten noch irgendwo die blutrünstigen Sandfliegen
auf uns tapfere Camper warten. Aber nichts dergleichen geschah! Wir erlebten
wunderbare, kühle, manchmal laue Nächte - kein Gelsenvieh -
gar nix. Vielleicht waren die 2 Millionen einfach genug für eine
Saison Neuseeland. Oder die Viecher waren Campen - am Neusiedlersee!
Nach dem umwerfenden Cape Reinga (trafen dort am windumtosten Leuchtturm
einen typischen Kiwi - ein in Linz aufgewachsener, seit 7 Jahren in Auckland
lebender, türkischer Automechaniker) ging's an die Ostküste
- Matakana war unser Ziel.
Stand weder auf Eggers Reiseliste noch in meinem Cafe Magazin, aber im
"Kia Ora".
In der Laundry der Marina von Opua liegen alle möglichen und unmöglichen
Zeitungen auf. Besonders grauenhaft - womens weekly - mit Geschichten
aus dem Leben der Neuseeländerinnen.
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: als ich das erste mal in der Marina
Laundry saß, hatte ich gerade eine Woche hartes Segeln hinter mir
und fand eine warme Laundry mit Kaffemaschine und Tratschzeitung äußerst
ansprechend. Dann entdeckte ich Matakana. In einem Reisemagazin namens
"Kia Ora" (Guten Tag) schrieb jemand über diese kleine
Stadt. An der Ostküste gelegen, inmitten von Weinbergen, gespickt
mit ansprechenden Cafés und Sehenswürdigkeiten und menschenleeren
Stränden.
Ich hütete die Zeitschrift wie meinen Augapfel und im richtigen Augenblick
legte ich sie Egger auf ihre Reiseunterlagen. Ich hätte mich in meiner
alten Freundin sehr geirrt, hätte ich nicht gewusst, das sie anbeißen
würde. "Da müssen wir hin!"
Die Männer waren schnell überredet - Marinas gab es dort einige
und auch ein altes Kino. Wir knatterten also mit Teri durch die sonnendurchflutete
Landschaft, stoppten mal hie mal da, genossen die stürmische Goat
Island, den wilden Strand, und landetet schließlich in Matakana.
Das hielt was es versprach. Schmucke Häuschen, nette Shops, Fish
und Chips in Zeitungspapier serviert und dann Kino!
"A Death and a Funeral" trug zur schon guten Stimmung bei und
unser Campground mit Blick aufs Meer und abendlichem Lagerfeuer war perfekt.
Selbst der grauenhafte Löskaffee am morgen - zubereitet in der Gemeinschaftsküche
des Campingplatzes - konnte mich nicht abbringen, Matakana für immer
und ewig in mein Herz zu schließen.
Auckland war nächster Stopp, bei Martin und Wendy. Wieder typische
Kiwis.
Er, deutscher Zahntechniker, seit 2 Jahren in Neuseeland, sie - Zahntechnikerin
aus Irland seit 7 Jahren in Neuseeland. Mit Kind, Kegel und Egger fielen
wir ein, wurden fröhlich aufgenommen, bekocht und verwöhnt.
Lernten Brandon kennen (eingeborener Kiwi mit Hang zum europäischen)
und dessen Freundin Marian (Griechin in London aufgewachsen- seit 5 Jahren
in Neuseeland).
Aber wir waren ja auf der Suche nach dem Land der Hobbits und nicht nach
Großstadt und Skytower (was uns Rishos aber doch recht verlockend
schien...), also bogen wir links ab und landeten in Coromandel.
Coromandel, mein Cafemagazin hatte es als Schwerpunkt gewählt (Jippiii!),
war einst eine richtige Hippiekolonie. Im schön feucht dampfenden
tropischen Regenwald dieser Halbinsel wuchs (und wächst) nicht nur
Petersilie gut und die Lehmerde eignete sich hervorragend zum Töpfern.
Ein Paradies für Aussteiger schien entdeckt.
Barry Brickel, Töpfer, Menschenfreund und Naturschützer, hatte
in den 70igern begonnen einen kleinen Zug in den Regenwald zu bauen um
seinen Lehm besser transportieren zu können. Wer hätte ahnen
können, dass dieser Minizug eines Tages zur absoluten Touristenattraktion
werden würde? Heute transportiert er täglich soviele Leute,
das die Neuseeländischen Bahnlinien vor Neid erbleichen.
Aber irgendwie ist auf Coromandel (oder in ganz Neuseeland?) alles so
verschlafen, dass selbst Touristenattraktionen unanstrengend wirken. Ja
sicher der, Zug war voll, aber die Töpferwerkstatt, der Skulpturengarten,
der Regenwaldwalk
verstaubt, schief, verschnörkelt, romantisch
Blumenkind und Grasgeflüster.
Zugfan Finn kam auf seine Rechnung und Egger und ich zu unserem Café,
gleich um's Eck im Wald. Tibetische Gebetsfahnen, Kräutergarten,
Algendrink und indische Hintergrundmusik. Natürlich guter Cappuccino
- wie angekündigt!
An der Küste fanden wir dann die Hobbit Gegenden. Endlose Weiden,
Schafe, Strände. Der Hot Water Beach mit seinen heißen Quellen
unter dem Sand, in die man sich einbuddeln kann, schien uns bei 28 Grad
Außentemperatur nicht sehr einladend. Also wanderten wir die Küste
entland zur Cathedral Cove-einem Meisterwerk der Natur am weißen
Pazifikstrand. Schauen. Mehr kann man nicht. Staunen und schauen und sich
wundern, dass es sowas wirklich gibt und es nicht computeranimiert ist.
Der Campground war mal ausnahmsweise rappelvoll, in der Gemeinschaftsküche
kochten Deutsche, Kiwis, Maoris, Franzosen und ich.
Seltsam anderen Leute in die Töpfe zu sehen. Fast ein bisschen zu
intim, schien es mir als die zwei Backpackerinnen aus Köln ihren
Fisch nach 20 Minuten in der Pfanne endlich wendeten. Interessant auch
die Dame aus England, die ihre Spaghetti in - aus dem Boiler entnommenes-
heißes Wasser legte und abwartete. Oder die beiden jungen Herren
unbestimmter Herkunft, die eine Dose mit etwas - ebenfalls unbestimmter
Herkunft - direkt am Gaskocher erwärmten. Oder die junge Mutter die
eine bereits dickgebutterte Scheibe Toast in den (Gemeinschafts)Toaster
quetschte. Yack!
Ich reduzierte meine Kochtätigkeit auf Nudeln weichkochen und flüchtete
dann zu unserem Plätzchen. Da die Kiwis angeblich nicht so gerne
in der Küche stehen, gibt es ja unglaublich viele wirklich gute Fertiggerichte.
Meine Favoriten dabei: Dips und Pestos biologisch und wirklich köstlich.
Wieder eine gelsenfreie, meeresrauschende Nacht und Teri zuckelte mit
uns nach Rotorua.
Rotorua und Umgebung ist das Land in dem laut Maoris die beiden Feuergöttinen,
Te Pupu und Te Hoata, Pause einlegten, Atem schöpften und so Geysire
zum dampfen brachten. Warum sie so erschöpft waren? Einer der berühmtesten
Maori Häuptlinge - Warandumurukaka... oder so ähnlich, hatte
sich im Weg geirrt und war ein bisserl zu sehr Richtung Südinsel
gewandert und zwar zu den Gletschern dort. Natürlich war ihm, dem
sonnenverwöhneten Polynesier saukalt und nachdem all seine Kumpels
erfroren waren, lag er im Schnee und rief die Feürgöttinen um
Hilfe an. Die beiden zischen von den Südseeinsel unter dem Pazifik
nach Neuseeland, machten in Rotorua Pause, atmeten ordentlich durch (Geysire)
und brachten Wärme zu ihrem Anführer (Vulkane!). Es schüttet
als wir durch das sagenumwobenen Te Puia in Rotorua wanderten. Was das
ganze Tal aber umso mystischer machte. Überall stieg Wasserdampf
auf, Schlammlöcher blubberten, heiße Seen kochten.
In einem dieser Kochseen wurde uns traditionellerweise ein Maiskolben
gegart und im Gemeinschaftshaus (ob die auch Gemeinschaftküchen hatten?
Rahhhh...) wurde ein Begrüßungstanz zum Besten gegeben. Ja
ja, touristisch, touristisch. Aber die Kriegstänze der Maoris sind
grandios. Kraftvoll, erschreckend, witzig, herausgetreckte Zungen, Machogebärden
um den Neuankömmling abzuschrecken oder herauszufinden mit wem man
es zu tun hat.
Memme oder Meister! Aber letztendlich
was ist schon der große
Unterschied zu einem Schuhplattler? Oder einer fetzigen Polka oder dem
Erzherzog Johann Jodler, der wirklich allen Österreichern im Ausland
die Tränen in die Augen treibt?
(zumindest wenn ich in singe, äh
Eigenlob
naja)
Egger wünschte sich dann die Art Deco Stadt Napier. Über unendliche
Hügel, menschenleer und voller Kiefern und Schafe erreichten wir
abends den Campingplatz. Dort hoppelten Hasen herum und die Gemeinschaftsküche
gehörte mir allein. Dennoch, nichts, gar nichts toppt das Reisen
per Risho Maru. Sicher ab und zu schlechtes Wetter, das einen schlecht
schlafen lässt. Aber schlafe ich etwa gut, wenn mein 8 jähriger
Sohn mich als Polster und Matraze verwendet? In der Gemeinschaftsküche
kein Flaschenöffner zu finden ist, dafür aber Fischköder
im Gemeinschaftskühlschrank und vergessene Bacon und Eggs Reste in
der Gemeinschaftspfanne. Not macht erfinderisch. Wir machten ein Picknick
direkt am Strand, Blick auf das abendlich erleuchtete Napier, schwarzer
Lavasand, organischer Kichererbsen Dip mit sundried tomatoes, dazu Cornchips
und Bier (mit Drehverschluss). Wilder Lavendel- und Rosmarienduft von
den Sträuchern neben unserem Schlafauto ließ mich schließlich
doch gut schlafen.
Napier war nett. Egger schloss sich einer Führung an mit dem Titel
"The Art Deco Tour" und wir machten uns auf, um für Teris
Ventilator einen neuen Schalter zu finden. Teri wurde nämlich auf
Grund zu geringer Kühlung in letzter Zeit öfters heiß.
Peter - Schlimmeres gewohnt (siehe Autopilotreparatur mitten am Pazifik)
ging in den nächsten Autoshop, kaufte ein paar Zangen und anderes
Zeug und reparierte Teri in 15 Minuten. Danke Captain!
Was noch? Natürlich endlose Weiten durchfahren, ganz nah am Film
Set der Häuser der Hobbits in Mahemahe vorbeigefahren, konnte die
Crew aber nicht zum Sightseeing überreden. Die wollten an die hochgelobte
Westküste. Nach einigen sicher erwähnenswerten, aber schon fast
langweilig schönen Zwischenstopps erreichten wir dann die kleine
Halbinsel Cornwallis und machten uns vergeblich auf die Suche nach einem
Campingplatz. Erstmals fanden wir keine Unterkunft! Einfach keine Touristen
unterwegs in dieser Gegend meinte der Herr hinter der Kasse im General
Store. Aha. Wir tranken- köstlichen
was wohl - und grübelten.
Da fiel mein Blick auf die Tageszeitung und die Wettervorhersage für
die nächsten Tage. Regen!!!
Uiuiuui. Nicht gut. Denn Teri ist zwar tapfer und halbwegs verlässlich,
aber leider etwas undicht, was tagsüber halb so schlimm ist, aber
wir schlafen ja auch drinnen.
Auch Egger schien etwas bedrückt beim Gedanken bei Sturmböen
und Regenschauern allein in ihrem 2 Personen Zelt zu sitzen.
Auckland war praktisch nur eine Stunde entfernt, natürlich gäbe
es da Campingplatze, Motels und dergleichen, aber eben auch unserer Freunde
Martin und Wendy, die - wie wir uns versicherten - mehrmals betont hatten,
wir könnten jederzeit kommen und bleiben solange wir wollten. Nun
ja, wir waren 3 Tage zu früh in Auckland. Sollten wir anfragen oder
war das ein bisserl peinlich und frech? Wir, das heißt ich (nach
einer sehr undemokratischen Wahl), rief an und Martin meinte im Berliner
Dialekt "keen Probleem". Und so fielen wir wieder ein, besetzen
Schlafzimmer und Dachboden und Küche. Die beiden nahmen es neuseeländisch
gelassen, Wendy machte köstlichen Cream Cheese Cake und Martin warf
Steaks vom deutschen Fleischer auf den Kohle-Grill. Ich kochte Risho Maru
Kost. Fladenbrote gefüllt, Spinatlasagne, Curry. Brandon und Marian
kamen vorbei zum quatschen und wieder verging ein fröhlicher Abend
unter waschechten Kiwis. Sicher eines der gastfreundlichsten Völker
dieser Erde!
Die Regentage füllten wir mit Museumsbesuchen, Großstadtfeeling
und Kinogehen.
Egger die zuerst etwas enttäuscht gewesen war, dass sie ihre letzten
Urlaubstage in der nicht sehr hobbitmäßigen Großstadt
Auckland verbrachte, stellte fest, wie erfüllend Planlosigkeit sein
kann.
Und wie sehr man ein Land kennenlernt, indem man mit seinen Menschen lebt,
isst und blödelt. Am letzten Tag stand sie am Flughafen, ohne I-Pod,
braungebrannt, erholt. Neuseeland, das Zauberland. Nicht nur für
uns.
Ach ja, für uns. Hatte ich nicht erwähnt, dass wir knapp davor
waren hier zu bleiben? Ach nein? Die Reise hier zu beenden und Neuseeland
zu erobern?
Oh... Noch nicht, nein, nein, es geht noch nicht, vielleicht kommen wir
zurück, hierher ins Land der verwirklichten Träume, aber zuerst
werden wir unseren Traum zu Ende segeln bis ins Mittelmeer. Dort, wo diese
Reise begann. Denn die Hobbits gibt es überall und wir wollen sie
finden und necken und hoffen, dass sie uns irgendwo zur Ruhe kommen lassen.
Mal sehen. Aber zuerst lockt wieder die Südsee, Neukaledonien, Vanuatu,
Australien. Übrigens... haben die dort guten Cappuccino?
Der Kapitän und sein Schiff
this is your captain speaking
Zweieinhalb Jahre, und mehr
als die Hälfte einer Weltumsegelung liegen hinter uns, und unserem
schwimmenden Zuhause Risho Maru. Dass wir unser Schiff mögen haben
wir schon öfters geschrieben, aber was macht wirklich ein gutes Schiff
aus?
Die Fahrten-Seglerszene hat sich ordentlich verändert. Die Boote
von heute sind länger und viel exklusiver als noch vor fünfzehn
Jahren. Damals war die Durchschnittsgröße 9-11 Meter, heute
ist sie 13-15 Meter. Das bedeutet aber auch, dass die Leute viel mehr
Geld für das Schiff ausgeben müssen als geplant.
Zwei drei Meter länger bedeutet oft doppelt soviel Kosten. Viele
der Boote haben
Waschmaschinen, Mikrowelle, Flachbildschirm und Unmengen an Elektronik
an Bord, und das meiste ist nach zwei Jahren nicht mehr brauchbar, denn
die Tropen fordern einfache Dinge. In einer Segelzeitschrift habe ich
einen Werbetext für ein klassisches Segelboot gefunden, der mir persönlich
sehr gut gefällt:
Because the things that made you fall in love with sailing were not Flat
Screen TVs Microwaves and Watermakers.
In diesem Punkt haben wir also mit der Risho kein Problem. Sie ist ein
einfaches Schiff. Übrigens schreibe ich gerade auf unserem dritten
Laptop, die zwei alten sind schrottreif gefeuchtet (wie gut, dass wir
auch unsere Papierseekarten haben, denn auch wir benützen Elektronik).
Das GPS ist eine der besten Entwicklungen für den Fahrtensegler,
keine Frage, es ermöglicht in Reviere vorzudringen, die mit der Astronomischen
Navigation nur schwer zu realisieren wären. Ich erinnere mich zurück
an die Tuamotus mit den Riffpassagen und Strömungen. Jeder Meter
zählt. Bernard Moitessier - für mich einer der größten
Fahrtensegler - hat dort sein Schiff auf ein Riff gesetzt, ohne GPS.
Also die Entwicklungen im Segelsport sind ohne Frage sehr gut, für
alle, die ein Stück sicherer über die Ozeane wollen. Aber ist
das Abenteuer noch das gleiche? In Auckland besuchten wir das "Maritime
Museum" und haben die alten Wakas (polynesische Doppelrumpf-Kanus)
bewundert, mit denen Polynesien besiedelt wurde. Es gibt ein Revival dieser
Boote. Vereinzelt und zaghaft wird in Polynesien an diesen Booten wieder
gebaut, dies ist wohl die Sehnsucht der Menschen nach den einfachen aber
spektakulären Dingen im Leben. James Wharram, der Designer unserer
Risho Maru (sie nennt sich eine Narai 4) und vieler anderer schöner
Boote, war inspiriert von diesen Wakas. Ich habe viele Details auf diesen
Booten entdeckt, die auch in den Wharram Katamaranen stecken. Viele Menschen,
die wir auf den Inseln getroffen haben, wussten sofort, dass unser Schiff
seine Wurzeln in Polynesien hat. Und es macht schon einen großen
Unterschied, ob man mit einem einfachen Schiff kommt oder mit einer Millionenyacht
ankert. Die Menschen sind nicht blöd, sie wissen natürlich gleich,
bei wem sie mehr Geld verlangen können. Deswegen hatten wir auf vielen
Plätzen, vor denen andere Segler gewarnt hatten, eine gute Zeit.
Die Locals, die mit ihrem Einbaum angepaddelt kommen und sich vielleicht
an der Reling einer dieser Yachten anhalten dürfen, überlegen
in Sekunden, ob das Bund Bananen nicht doch lieber für das dreifache
verkauft werden könnte. Viele Segler erwarten eine ursprüngliche
Insel mit Einsamkeit und keine Touristen, die eingeborenen Mädchen
sollten in Palmröckchen angepaddelt kommen, aber einkaufen wollen
dann alle im Mega Supermarkt, und wehe, wenn es nicht das gleiche wie
daheim gibt. Grübelrundrumraaaaaaaaaaaaa. Also Leute, das geht wohl
wirklich nicht, das ist ein glatter Kurzschluss.
Zurück zu unserem Boot. Wir haben vor einem Jahr angefangen, viele
Dinge noch mehr zu vereinfachen, alles, was wir nicht länger als
bis dahin verwendeten, flog von Bord (in die Mülltonne natürlich)
oder wurde verschenkt. Viele Handgriffe sind noch vereinfacht, um bei
schlechtem Wetter weniger Stress zu haben. Wir haben mehr Zeit für
uns, die Menschen, die Gegend und das Meer.
In ein paar Tagen wird die Risho wieder an Land gestellt, dann gibt es
wieder Arbeit. Die eine oder andere Reparatur ist notwendig nach der Saison
im Pazifik. Wir werden die Risho pflegen, denn das hat sie sich wirklich
verdient, die 22 Jahre alte Dame, und, wenn alles gut geht, schaffen wir
den Rest der Seemeilen auch noch so gut wie die zweieinhalb Jahre bisher.
In diesem Sinne - keep it simple!
Euer Capo Pete
Fotos
|
| 16.01.2008,
Neuseeland |
Wie
es ist, eine Antipode zu sein.
Antipode - seltsames Wort.
Alonso, der König von Cartagena (eingefleischte Logbuch Leser wissen
sofort von welch ehrenwerter Persönlichkeit ich spreche, die anderen
schauen schnell nach) betitelte uns in seinem höchst charmanten Weihnachtsmail
als Antipoden. Wir, die "Gegenfüssler", die auf der anderen
Seite der Erde Lebenden.
Das sind wir zur Zeit tatsächlich - für all die zu Hause Seienden
- zu Hause in Austria. Denn unser Zuhause ist ja zur Zeit die Risho, denn
oft rutscht einem raus, wenn man gerade irgendwo herumspaziert im neuseeländischen
Regenwald... gemma wieder nach Hause? Oder im New World Supermarkt
ach, jetzt hamma die Kühltasche zu Hause vergessen! Wirklich ganz
auf der anderen Seite fühlt man sich, wenn man als einziger in der
Marina und wahrscheinlich in Neuseeland die 4. Adventkerze am Adventkranz
anzündet und "Ihr Kinderlein kommet" singt.
Oder zu Weihnachten mit Bruder David, Schwägerin Synnova, Kapitän
und Schiffsjungen in einem Rumpf gequetscht "Stille Nacht" singt
und dabei die Sprühkerzen am neuseeländischen Nadelgehölz
unter Kontrolle hält.
Da sind wir dann wohl auch für die Kiwis echte Antipoden. Die Weihnachten
mit ein paar Bierchen und wenigen Geschenken ohne Christkind und mit wenig
Santa Claus begehen. David und Synnova, fröhlich und immer guter
Dinge - die beste Crew, die man sich wünschen kann. Sie schleppten
einen Schalenkoffer nur mit Geschenken für uns von Wien über
Bangkok nach Auckland. Übernahmen die Küchenkoje samt Küchen-
und Einkaufsdienst. Alle, die die beiden kennen, können sich denken,
dass kulinarisch nur auf höchstem Niveau gegrillt, gewokt und gebraten
wurde. Was natürlich nicht ausschloss, dass wir beim Barbecue am
Steg am Boden sitzend unser Bierchen schlürften und die Vorspeise,
Halumi Käse im Speckmantel, mit den Fingern aßen. Ist doch
auch irgendwie antipodisch reizvoll, oder?
Den Schalenkoffer konnten wir wegen Platzmangel nicht unter dem Christbaum
öffnen. An Deck war gerade genug Platz! Finn brach vor Überwältigung
in Tränen aus, als er das Geschenk seines Patenonkels Isidor aufmachte.
Eine Märklin Eisenbahn samt Schienen! Wagons in der Größe
von Zündholzschachteln, tropensicher verpackt in einer eigens gebauten
stoßsicheren Kiste!
Ama, die so vermisste, hatte Risho Maru T-Shirts geschickt! Und Mannerschnitten
und Suchard Schoko und Kernöl! Dave und Synnova wussten, als sie
unsere blitzenden Augen und geifernden Münder sahen, dass der echte
Steirische Marillenschnaps und die 15 Zotter Schokos genau die richtige
Wahl gewesen waren.
Dass sie Amas selbst gemischten, vor Blüten und Samen nur so strotzenden,
Wintertee aus der Heimat nach Neuseeland geschmuggelt hatten, wurde ihnen
erst bei der ersten Tasse bewusst. Eh wurscht, die Sauerklee, Sauerampfer,
Löwenzahn, Mellisse gibt es da ja auch! Ach das Christkind!
Die Parties nahmen kein Ende! Tags darauf waren wir bei unserem italienischen
Freund Antonio im Beach-Haus eingeladen. Antonio - auch eine ziemliche
Antipode!
Eingewandert vor 10 Jahren als Philosophie-Professor, jetzt Herr über
mehrere Rinderfarmen.
Es gab Anti(poden)pasti aller Art, Parmiggiano, Pecorino, Risotto, Vino
und natürlich Panetone Kuchen. Antonios Schwiegereltern samt Familie
waren aus Venedig angereist und verbreiteten Dolce Vita! Mama Mia!
Um 4 Uhr Nachmittag lagen wir wieder angeduselt und angegessen in den
Kojen - gut, dass es draußen nieselte!
Nächster Termin: Seglergrillfest im Yachtclub, dann Barbecue im Häuschen
am Berg eines Freundes, zu guter letzt Einladung auf das Nachbarschiff
"Lady Jane" zu einem musikalischen Sundowner. Synnova machte
ihren irischen Wurzeln alle Ehre und Jim, der irische Schiffseigner, freute
sich über Klänge aus der Heimat. Die Festivitäten flauten
schließlich nach einigen Tagen ab. Ein Van für unsere Gäste
wurde gefunden und schon war Silvester da. Stegfest. Antipoden im Speckmantel.
Walzer um Mitternacht. Linsensuppe für alle!
Dave und Synnova bereiteten sich in Outdoorläden für das Leben
in der Wildnis vor. Krafttraining für Onkel Dave inklusiveTrainer
Finn.
Da Risho Maru noch fest vertäut und vor Lady Jane eingeparkt in der
Marina lag, heuerten wir auf einem alten Gaffelschoner als Crew für
das berühmte Tall Ship Race in Russel an. Antonio, unser Italiener,
war zufällig der Kapitän und so wurde der Tag zu einem italienisch-neuseeländisch-nautischem
Vergnügen. "Caliph" pflügte ihre 26 Tonnen durch die
flache See und wäre sicher Erste geworden, hätten wir nicht
beschlossen, das ganze italienisch anzugehen und eine kleine Champagner-Thunfisch-Risotto
Pause einzulegen. Im Bootclub Russel gab's dann noch ein traditionelles"Hangi"
- Essen der Maoris aus einem riesigen Erdofen. Kumari Süßkartoffel,
köstliches neuseeländisches Lamm, Kürbis, Huhn und Krautblätter.
Dazu natürlich das Tui Bier, benannt nach dem Tui Vogel, der klingt
wie eine Blockflöte - bemerkte die immer musikalische Synnova. Sie
und Dave begaben sich dann in ihren Bus "Frodo" um ihre Erforschung
der Nordinsel fortzusetzen. Nach den vielen Festtagen und Festtagsbesuchern
kehrt nun wieder Alltag auf der Risho ein - ja naürlich gibt es den
auch für Antipoden! Schule für Finn, Bootspflege für Peter
und was so anfällt für mich, die Antipode äh... Admiralin.
Happy 2008, mates!
Fotos
|
| 21.12.2007,
Neuseeland |
Alle
Jahre wieder...
kommt das Christkind
zu uns auf die Risho Maru. Wobei es - das Christkind - in unserem Fall
ja ziemlich flexibel sein muss. Was wiederum eine durchaus gute Eigenschaft
ist, um zu segeln, um sich wo neu zu organisieren, um ein Land kennenzulernen.
Neuseeland - überwältigend vom ersten Moment an als wir an unserem
blitzblauen Ankunftsmorgen in der Bay of Island einliefen!
Und fast 3 Wochen später noch immer. Dabei haben wir praktisch noch
nix gesehen außer die Marina und das Umland in ca. 40 km Entfernung.
Aber wie heißt es so schön - und dabei zitiere ich mich selber
- am besten lernt man ein Land bei einer herrlich schaumigen Tasse Capuccino
in einem netten Café kennen. Und davon gibt es hier genügend!
In jedem Nest gibt es einen netten Coffeshop mit wirklich gutem Kaffee.
Natürlich trinke ich hier den "Flat white" - das ist ein
kleiner Cafe Latte. Und um auf das Christkind zurückzukommen, ich
wünsche mir wieder einmal einen Milchschäumer. Meinem aus Panama
hat unsere stürmische Überfahrt nicht gut getan. Und da man
hier alles kriegt, träume ich von einem echten italienischen Milchschäumer,
mechanisch zu betätigen um nie wieder von Batterien abhängig
zu sein, die eben - kommt es hart auf hart - für Taschenlampen, Kurzwellenradios
und elektrische Zahnbürsten aufgebraucht werden.
Neuseeland - jawohl, alles gibt es hier!
Waren natürlich gleich am 2. Tag unserer Ankunft im Supermarkt. Genannt
"New World". Nomen est omen nach einem Jahr in den spärlichen
und teuren Supermärkten Französisch Polynesiens. Lübecker
Marzipan. Vollkornbrot. Marzipankartoffel. Italienische Salami. Lindt
Schokolade. Beglückt stand ich vor dem Butterregal. Nicht die nette
salzige tropische Einheitsbutter im Viertel- oder Halbkilopackerl, oh
nein! Butteriche - oder wie heißt die Mehrzahl von Butter? Buttern
aller Art!
Meine Güte, sogar ohne Salz, und das - Oh du glückliches Österreich
- ist hier absolute Ausnahme.
Interessanterweise bekam ich gerade im Supermarkt meine erste Lektion
zum Thema Neuseeländisch Englisch. Ich fragte unschuldig nach Eiern.
Eggs. Die Verkäuferin sah mich verwundert an. Eggs? What do you mean?
Naja Eier. Eier, halt. Eggs? Sie zog einen Lehrling zur Beratung bei und
alle beide betrachteten uns staunend und rätselten über unser
Begehr. Eggs, you know, from chicken. Gack, gack, gack
(ich wusste
meine Schauspielausbildung würde sich mal bezahlt machen) "Oh,
iggs!" Iggs? Willkommen in Kiwi Land, mate!
Und zum Abschied sagt man nicht gerade leise "Cheers!"
Neuseeländisch Englisch klingt irgendwie schottisch oder irisch oder
manchmal sogar außerirdisch? Einmal zahlte ich an der Kasse in einem
Hardwarestore und der Herr an der Kasse hielt mir einen netten Vortrag.
Worüber? Keine Ahnung. Ich konnte kein Wort verstehen, außer
vielleicht mate, wobei mate eher den Herrn gilt und er mich vielleicht
doch mit Babe angesprochen hatte. Zu guter Letzt drückte er mir strahlend
eine Karte in die Hand und als ich die von ihm verlangten 40 Dollar aus
meiner Geldtasche kramte, dämmerte mir, dass ich gerade überredet
worden war, Mitglied des Fly Buy Shopping Clubs zu werden.
Neuseeland - Easy going.
Warum? Wo kann man innerhalb von 3 Tagen ein Auto inklusive gültigem
Pickerl um 500 Euro kaufen, das auch noch fährt. Es am selben Tag
bei der Post in 3 Minuten für 10 Euro anmelden. Keine Wartezeit,
kein Kaufvertrag nötig, einfach nur Registrierungsnummer, die hinter
der Windschutzscheibe hängt, herzeigen. Der Rest steht wohl im Computer.
Eine Woche später kriegt man die neuen Papiere in die Marina geschickt.
Und so sind wir stolze Besitzer eines himmelblauen Subaru Combi Allrad,
Baujahr 89. Surfbretter passen rein und Surfwellen gibt es hier genug.
"Dude" ist also unser neues Familienmitglied. Und nach 2 Wochen
fährt unser Dude noch immer wie geschmiert.
Übrigens jubelt Peter, weil die Bürokraten offensichtlich noch
nicht bis nach Neuseeland vorgedrungen sind. Wir lernen einige Kiwis,
echte und zugewanderte kennen. Die bestätigen Peters Eindruck mit
einer Einschränkung: Immigration! Will man einwandern, wird es etwas
härter.
Aber wer hier arbeiten will, eine gute Ausbildung hat, nicht gar zu alt
ist und gut englisch spricht, ist willkommen. Vor allem Handwerker werden
gesucht. Und ehrlich gesagt, wandelt man hier durch die Straßen,
sieht man viel verwirklichte Träume. Da das Weingut eines Seglers
aus Kalifornien, dort der Coffeshop einer Deutschen aus Köln, da
ein Hotel Austria eines Innnsbruckers, hier eine Friseurin aus Spanien,
dort eine Schweizerin, die Bootszubehör verkauft. Viele Segler bleiben
hier hängen und viele haben schon vor ihrer Anreise geplant hier
zu bleiben. Arbeitslosenrate: so gut wie nicht vorhanden. Jobs: genug.
Möglichkeiten: alle. Man muss nur wollen. Und man hat das Gefühl,
hier wird gewollt. Die Leute sind sehr freundlich, hilfsbereit, fit. Natürlich,
Ausnahmen bestätigen die Regel und Jammerer gibt es immer und überall.
Der Gesamteindruck ist toll und sehr ungewohnt.
Neuseeland - Traum aller Kapitäne und Schiffsbastler.
Hier gibt es seit den Kanarischen Inseln wieder mal alles, was ein Schiff
so braucht. Wirklich alles. Und das gleich neben der Marina.
Unser erster und absolut dringendster Einkauf war ein neuer Gasofen. Unser
15 Jahre alter Plastimo Schrotthaufen fabrizierte mehr Rost als Essen
in letzter Zeit. Manchmal beides in ungesunder Mischung. Und so wurde
ich zum Hausmütterchen und freute mich unbändig über meinen
neuen stainless steel Cooker.
Silbernd stand er da in unserer Küche, blitzte, strahlte, bereit
für sämtliche kommende Festmahle. Ich strahlte mit, nur der
Kapitän starrte grimmig vor sich hin. What's up, mate?
"Die Küche gehört ausgemalt, bevor der Dave und die Synnva
kommen". Ich musste zugeben, dass der etwas abgewohnte Küchenrumpf
neben dem Mercedes von Gasofen natürlich ziemlich abstank. Und mein
Ehegatte setzte sich einfach in den Kopf für seinen Schwager mit
Ehegattin, die uns zu Weihnachten beehren würden, sollte alles perfekt
sein. Und er begann zu malen. Und da kam das Tief und es begann zu regnen.
Also lebten sie in einem Rumpf zu dritt, die Küche: Baustelle. Draußen
Regen und 35 Knoten Wind.
Wir sind Helden, ich weiß, aber irgendwie war das dann doch ein
bisserl besch... Aber heute ist ein guter Tag. Alles fertig und nach 2
Tagen fast trocken. Und bildschön. Jetzt haben wir noch 10 Tage um
den Farbgeruch aus dem Rumpf zu kriegen, hoffe ja, dass sich die Sonne
bald blicken lässt.
Ansonsten vergehen die Tage mit Besuchen in Hardwarestores, anderen Marinas,
Yanmar Motorenshop, Ship Chandlern. Risho Maru bekommt eine all inclusive
Spezialverwöhnung. Hat sie sich aber wirklich verdient!
Neuseeland - back in Civilization!
Wir haben also ein Auto und auch ein Handy, und jeden Tag grünen
Salat, und waren beim Friseur, und können morgen zum Frühstück
Schwarzbrot mit salzloser Butter essen. Gezähmtes Seglerpack. Kalt
ist es. 18 Grad. Meine Mama hat mich am Telefon ausgelacht. Kalt? Minus
5 Grad ist kalt, lieb Töchterlein!
Ich hab meinen Faserpelz an, außer wenn die Sonne scheint, dann
natürlich T-Shirt. Zurzeit aber hängt ein fettes Tief über
der Nordinsel und, ehrlich gesagt, ist mir das wirklich sowas von wurscht.
Auch dieser Hurricane in Fiji geht mich nix an. Die Risho liegt sicher
in der Marina, draußen heult der Wind mit Sturmstärke und ich
räkle mich in der Koje und überlege, was man alles braucht um
Vanillekipferl zu backen. Denn alle Jahre wieder, kommt das Christkind.
Mal nach Tobago, mal zu den San Blas Inseln. Diesmal nach Opua und vielleicht,
liebes Christkind, kriegst du hier sogar einen echten Nadel-Christbaum...
wenn du mir einen Milchschäumer bringst...ok, mate? Cheers!
Fotos
|
| 30.11.2007,
Bay of Islands, Neuseeland |
Neuseeland
wir kommen oder Go Risho Go!
Minerva Riff: meine Güte,
wäre ich jetzt gerne irgendwo in der Südsteiermark, hügelig,
eine nette Buschenschank, Wetter sowas von egal, ob Wind, Regen, Sturm,
sowas von wurscht. Aber nein. Ich sitze im Minerva Riff. Sicher, sicher,
wieviele können behaupten, da gewesen zu sein? Ein Riff mitten in
der großen Weite des Pazifiks. Ein Riffkranz, geschlossen, nur mit
einer kleinen Einfahrt, drinnen flaches Wasser mit Sandgrund. Ah, grandios,
einzigartig, fantastisch... jaja wenn ich's von der Couch aus in "Universum"
sehe.
Im Augenblick geht's mir nicht besonders. Mit uns noch 9 ausgewählte
Boote harren der Dinge im Minerva Riff oder besser des Wetters, um gut
nach Neuseeland zu kommen. Low Pressure dort, High Pressure da, tralala!
Ja und so zur Draufgabe bildet sich auch noch der erste Zyklon der Saison
in Australien. Na super. 750 Seemeilen vor uns.
Dort dann Mekka: Opua! Die vor 2 Wochen starteten kamen in so richtig
schlechtes Wetter, obwohl vorausgesagt wurde "no storms and no gales".
Natürlich verstehe ich, dass man mehr als 4 Tage nicht voraussagen
kann, ich verstehe es , aber es macht mich verrückt.
Ahh
Südsteiermark, ein Weinderl, dann mit dem Auto nach Hause
ins Betterl...
Tag 1: Es geht los. Das Wetterfenster
hat sich geöffnet. Kein Blick zurück. Hart, hart am Wind, also
Wind fast von vorne und natürlich auch die Wellen. Aber laut Wettermann
Winfried soll es besser werden.
Risho knallt in die Wellen, stoppt, zieht wieder an, wird schneller, verlangsamt
wieder. Das ganze Schiff wird so richtig durchgeschüttelt. Und wir
natürlich auch. Der Autopilot ächzt. Wenn der nur durchhält.
Er muss, ist unser Ersatzpilot und funkelnagelneu, erst 3 Mal im Einsatz.
Was kann da schon sein?
3 Stunden später:
Der Autopilot ist kaputt. Ich glaub es einfach nicht. Peter tut was er
kann, es hilft nichts, Elektrik durchgebrannt. Dass Risho sich seit einer
Stunde alleine durch die Wellen steuert, ist mir noch gar nicht aufgefallen.
Naja, reiner Zufall, ein Schiff das selber steuert, lächerlich. Peter
macht mich drauf aufmerksam, alle großen Segler segelten ohne Autopilot
oder Windfahne. Das Steuer wurde festgeklemmt und mit Hilfe des Besamsegels
segelten die Schiffe auf Kurs. Das, was Risho eben gerade tut. Das gute
ist Risho geht mit dem Wind und behält immer die höchste Höhe.
Beim Autopilot mussten wir das immer neu eintippen. Abgesehen davon haben
wir ja auch noch den Franzl, unseren verlässlichen Windpiloten. Warum
hänge ich immer so am Wunder der Elektronik? Vielleicht weil ich
750 Meilen von der Küste weg bin?
Tag 2: Risho go Risho go. Ich
liege in meiner Koje und kann mein Glück nicht fassen, dass dieses
grandiose Schiff sich einfach selber steuert. Wir sind nicht besonders
schnell, aber kommen gut voran. Haben Segel reduziert, weil es uns körperlich
weh tut, wenn Risho in die ein oder andere Welle knallt. Die ersten 2
Nächte habe ich wegen der sehr unruhigen (echt untertrieben) Schiffsbewegungen
kaum (ziemlich untertrieben) geschlafen.
Außerdem ist es saukalt geworden. Hab in der Nachtwache meinen dicken
Fleece und eine Trainingshose unter meinem Ölzeug an, natürlich
dicke Socken und Stiefel. Auch meine Wollmütze liegt bereit.
Peter sieht ziemlich erledigt aus. Allen Seglern geht es so. 2 Mal täglich
gibt es eine Funkrunde auf dem SSB Radio. Da treffen sich alle Schiffe,
die in Minerva gestartet sind auf dem Netz, Ryan von der Kuhlula ist der
Master of Ceremony. Ein Sicherheits- und sich-gegenseitig-Aufbaunetz.
Natürlich wird Wetter ausgetauscht. Der Zyklon aus Australien hat
jetzt schon einen Namen. Juma. Zieht langsam nach Südost. O Mann,
ich will es gar nicht hören. Was gibt es heute bei unseren Surferboys
zum essen? Ryan segelt mit 2 Freunden um die Welt, um die perfekte Welle
zu finden. Natürlich haben sie sonst auch noch eine Mission. Alle
drei sind Riffforscher und forschen im Auftrag ihrer kanadischen Universität.
Und wo immer sie anlanden, säubern sie 100 Meter Strand von Schwemmgut
wie Plastik und Blech. Lässige Typen und Ryans fröhliche Surferstimme
täglich zu hören ist Balsam. Bei ihnen gibt es Curry aus der
Dose. Bei uns Chinesische Instant Nudelsuppe. Mehr schaff ich in der Kombüse
einfach nicht. Alles fliegt mir um die Ohren. Appetit hab ich eh keinen,
Finn aber geht's blendend. Der genießt, dass es viele Chips, Brezel,
Cornflakes und Soletti gibt.
Tag 3: Es bläst. 30-35
Knoten? Wir haben keinen Windmesser, aber es ist viel Wind. Es ist sehr
rauh, es ist sehr nass, es ist sehr kalt. Wie konnte ich nur zustimmen
nach Neuseeland zu segeln? War ich von Sinnen? Betrunken? Risho crasht
in die See, Wellen überspülen das Vordeck. Peter bindet ein
Reff in das Großsegel und setzt unser kleinstes Vorsegel. Dennoch
machen wir ordentlich Tempo. Risho schafft es aber immer wieder doch gut,
in die hohen Wellenberge zu gleiten. Nur hin und wieder kommt ihr einer
in die Quere. Dann wird alles um uns zur Waschmaschine. Aber wir sind
auf Direktkurs nach Opua. Das baut auf.
Ich hab seit 2 Tagen das gleiche Gwand an, bin zu müde um mich umzuziehen.
Kraft wird für Segelwechsel und Mahlzeitenzubereiten gebraucht. Wenn
nur kein Segel reißt, oder sonst irgendwas. Ach wird schon nix sein.
Tag 4: Wir haben einen Riss
im unteren Teil des Großsegels. Rahhh. Halb so schlimm. Schlecht
gespannt beim Reffen. Segeln jetzt mit 2 Reffs, sind trotzdem sehr schnell.
Funkrunde mit Ryan. "Yaras" haben einen riesigen Riss im Großsegel
und den ganzen Tag genäht, segeln jetzt mit 2 Reffs. "Symi"
ebenfalls ein Riss im Groß. Versuchen mit Klebeband zu flicken.
"Kuhlulas" Kühlschrank ist kaputt - bei der Kälte
wirklich sehr wurscht. "Afrikis" elektrischer Autopilot is gebrochen,
sie segeln aber gut mit der Windfahne. "Nordic" hat eine Welle
ins Cockpit und in das Schiff abbekommen, Computer überflutet und
alle Seekarten - aber alles funktioniert noch. Und Zyklon Juma kann sich
laut Computervorschau noch nicht entscheiden wohin mit all seinen Winden
und so weiter.
Ich hab heute Socken gewechselt. Sensationelle Odeur. Aber knapp geschlagen
vom Duft der Socken meines angetrauten Ehegatten. Dass ich das Fußpuder
zufällig in ein Regal gelegt habe und es somit gleich finden und
verwenden konnte, war wohl ein Geschenk der Götter. Finn liest aus
lauter Langeweile sein erstes Buch freiwillig. Auch eine Art der Schulerziehung.
Ach ja, habe heute ein Brot gebacken. Bin stolz auf mich.
Tag 5: Wasser in der Bilge!
Ich bin schon derart übermüdet, dass ich bereits Rettungsszenarien
erdenke, welches Schiff in der Nähe uns retten kann und wie es ist,
wenn ein Hubschrauber der Coastguard einen abseilt.
Peter wagt einen Blick in die Segelkammer und weiß bescheid. Undichter
Lugdeckel hat einige Kübel Meerwasser in die Segelkammer plätschern
lassen. Peter dichtet alles mit Segeltuch extra ab. Gut, wir haben also
kein Leck, ich kann beruhigt schlafen gehen. Bekleidungsstatus: 3 Fleecepullis,
2 dicke Trainingshosen, Tante Friedas dicke Stricksocken und drüber
Krampussocken, von meiner Mama sehr vorausschauend nach Bora Bora mitgebracht.
Stirnband, Galapagos-Wollmütze, Südwester und Ölzeugkapuze.
Ich sehe aus wie das Michelinmännchen. Aber mir ist warm. Nach 2
Jahren in den Tropen und übermüdet fühlen sich selbst die
15 Grad im Wind wie Minus 5 an. Schiffe, die vor uns sind, melden flachere
See und weniger Wind.
Haben heute Schnelle Spaghetti gegessen: eine Dose Tomaten über einer
Packung Spaghetti (gekocht natürlich!), Olivenöl und viel Salz
und das letzte Eck Parmesan. Nachspeise eine Dose Ananas. Positive Nachricht
zu Tag: Zyklon Juma hat sich verabschiedet - gibt es nicht mehr - kommt
vor bei Computerprognosen.
Tag 6: Die Nacht war zum Kotzen.
Wellen kreuz und quer, Gegenströmung bis zu einem Knoten, Wind, Wind,
Wind
bitte wo segeln die anderen in flacher See und weniger Wind?
Habe 3 Schokoriegel gegessen. Und 5 Löffel Nutella. Meine Socken
haben bereits wieder den Duft von... naja, nicht Chanel 5 auf jeden Fall.
Meine Haare kleben salzig am Kopf, meine Lidränder sind rot. Na wenigstens
sieht Peter mit fast Vollbart und Augenringen auch nicht gerade zum Anbeißen
aus. Finn geht's blendend. Er hat gut geschlafen und verlangt nach etwas
Abwechslung beim Frühstück. Mama - Pancakes wären gut!
Ich raffe mich auf und - siehe da - mit einigen zuckerigen Pancakes im
Leibe sieht das Leben schon besser aus.
Spätnachmittag:
Nicht zu glauben, der Wind hat nachgelassen und kommt nicht mehr von vorne,
und die Wellen schmiegen sich in langen Hügeln um unsere Risho. Franzl,
die Windfahne, wird eingestellt und ich gleite in einen - den ersten seit
6 Tagen - wunderbaren Kuschelschlaf. Vor allem jubelt mein Herz. Morgen
kommen wir an! Neuseeland, du Land der langen weißen Wolke, noch
bist du nur ein Wunschtraum am Horizont. Mekka wir kommen!
Nacht zum 7. Tag:
Ab Mitternacht teilen wir uns die Wachen stündlich. Schiffe sind
zu sehen, wir sind in Küstennähe.
Auch das erste Lichtsignal in der Ferne. Ich bin todmüde und unglaublich
aufgeregt. Peter schläft tief und fest, Spannungsabfall. Ich lass
ihn schlafen und rieche in die kalte Nacht hinein. Ist da schon sowas
wie Landgeruch? Wie wird Neuseeland ausschauen, was erwartet uns in den
ersten Sonnenstrahlen?
So wie beim Minerva-Riff haben nur wenige Menschen die Chance das zu erleben,
was ich gerade erlebe. Die Landsehnsucht nach einigen Tagen auf See. Und
dann der große Augenblick. Peter steht im Morgengrauen an Deck.
"Land in Sicht" flüstert er. Ergriffen, Überwältigt.
Ich folge seinem Blick und sehe im ersten roten Morgenlicht die kleinen
Inselchen der Bay of Island und dann den langen Küstenstrich der
Nordinsel. Der Duft von Erde und Harz in der Luft. Wir haben es geschafft.
Tag 7: Wir tuckern in die geschützte
Bay of Island. Strahlender Himmel, grüne Hügel. Eine Mischung
aus Salzkammergut und Südsteiermark. Wunderschöne Holzhäuser
auf den Hügeln, überall Segelboote, kleine Orte in versteckten
Buchten. Segeln in diesen Breiten ist wie Kinderkriegen. Wenn das Kind
mal da ist, ist das Kriegen vergessen. Mein Herz macht einen Sprung. Was
für ein unglaublich schönes Land. Und wir sind hier mit unserem
Segelboot. Aus den Tropen in Tonga in den schönsten österreichischen
Mai gesegelt.
Ein letztes Mal noch die Funkrunde. Auch Ryan, der Surferboy, ist überwältigt.
Gleich morgen gibt es einen Surfritt auf den Wellen. Mir reicht's mal
für's erste. Bin schon mit einem Cappucino im General Store zufrieden.
Peter gönnt seiner Risho eine ordentliche Süßwasserdusche
und Finn tobt mit anderen Seglerkindern über die Stege der Marina.
Es ist perfekt hier. Als ich abends nach einer 10 minütigen Heißwasserdusche
im Marinabadezimmer heimschlendere, betrachte ich die schlanken Masten
unseres Schiffes. Risho Maru ist nicht das größte Schiff hier,
aber sie wirkt sehr stabil, kompakt und sicher. Ich gehe ganz nah an ihren
Steuerbordrumpf und drück ihr einen Kuss auf den Bug. "Danke,
Risho"
Gern geschehen
Fotos
|
| 08.11.2007,
Tonga |
Schiffsmeldungen
vom Captain - Eine nicht einfache Entscheidung
Wir sind nicht richtig entspannt.
Hocken viel an der SSB Funke, hören dieses Netz und dann ein anderes.
Laufen ins Internet und downloaden diverse Wetterinfos. Tja, wer hätte
das gedacht, aber die Zyklonseason sitzt uns im Nacken und anderseits
sind in Neuseeland die Frühjahrsstürme im Gang. Ausgangspunkte
für eine Reise nach Neuseeland sind Tonga (wo wir uns derzeit befinden)
oder Fiji, Vanuatu und New Caledonia. Es gibt den Weg nach Neuseeland,
den Weg nach Australien oder den Weg in den Norden, z.B. Gilbert oder
Phönix Inseln, die am Äquator und somit außerhalb der
Zugbahn eines möglichen Zyklons liegen.
Wir haben uns für Neuseeland entschieden. Erstens weil wir es gerne
entdecken würden, und zweitens, weil in ein paar Monaten - wenn die
Zyklone schlafen gehen - wir die Möglichkeit haben, wieder zu den
tropischen Inseln zurückzusegeln, um mehr Zeit für Vanuatu Neukaledonien
und Fiji zu haben.
Was ein Wetterfenster ist haben wir schon erklärt . So ein Fenster
geht dann auch irgendwann wieder zu, wenn es draußen zuviel bläst
und dann wartet man auf das nächste und hofft, dass dieses etwas
besser ist als das erste.
Wir stehen in Kontakt zu anderen Seglern, die beim ersten Wetterfenster
losgesegelt sind, und die haben geschrieben, dass die Fahrt alles andere
als lustig war. Trägt auch nicht gerade zur Erleichterung bei.
Gestern sollten wir mit dem zweiten Fenster lossegeln, doch in letzter
Minute haben wir und ein paar andere Segler entschieden, es nicht zu nehmen.
Der Grund ist ein Tief, das aus der Tasmansee langsam nach Osten zieht.
Die Vorhersagen beruhen auf Computermodellen, denn die meisten Segler
brauchen zwischen sieben und zwölf Tage, je nach Boot und Geschwindichkeit.
Und eine Vorhersage länger als fünf Tage ist meist Spekulation.
Beim jetzigen Fenster hätten wir vor dem Tief Neuseeland erreichen
können, es wäre perfekt gewesen. Doch dieses Tief zieht nun
schneller als der Computer es errechnet hat. Wären wir vor 2 Tagen
ausgelaufen, wäre es sich noch ausgegangen, aber da hingen wir noch
bei 0 Wind in der Hapai Gruppe und erreichten schließlich Tongas
Hauptsadt Nukualova an einem Sonntag. Der nächste Tag war ein weiterer
Feiertag. Keine Möglichkeit also international auszuchecken, was
aber gemacht werden muss. 2 Tage zu spät dran, die Chance das Tief
im falschen Augenblick zu erreichen stieg somit beträchtlich. Was
hätte das Tief bedeutet? Vierzig Knoten aus N (das wäre noch
nicht so übel, doch auf der Südhalbkugel drehen sich die Winde
aus dem Tief im Uhrzeigersinn (zyklonal) und dann hätten wir den
Wind mit der selben Stärke auf die Nase und das wäre sehr unangenehm
zumal die Wellen dann von beiden Seiten kämen.
Naja, das bedeutet jetzt alles nochmal von vorne. Lauschen, beobachten,
überlegen, mit anderen Seglern beratschlagen - das kann schon an
die Nerven gehen. Vorteil, wir sind jetzt schon in unserem Ausgangshafen
und das Fenster so knapp zu verpassen, das wird nicht mehr geschehen.
Aber anderseits ist es auch ein Lernprozess und eins ist sicher: wir erreichen
Neuseeland auch mit dem Rest der Segler die mit uns noch hier warten.
Und noch ein Vorteil: Was werden wir noch hier in Nukualofa, auf Tongatapu
entdecken? Die Menschen sind auf jeden Fall überwältigend. Freundlich,
hilfsbereit. Kein schlechter Platz um festzuhängen.
|
| 22.10.2007,
Tonga |
Was
ist Topfglück?
oder
Was man tun muss um ein richtiger Blauwassersegler zu werden!
Natürlich muss man ein
Schiff haben, das schwimmt und halbwegs segelt mit all dem Drum und Dran
von Funkgerät, Gps, Wassertanks, Seekarten, elektronisch oder nicht,
was man eben alles so braucht um irgendwo anzukommen. Bisserl Erfahrung
schadet nicht. Manche sagen ohne einmal zuvor als Crewmitglied einen Ozean
überquert zu haben, sollte man solch eine Reise nicht starten. Andere
kommen auf die Idee, mal Reisen zu wollen, Schiff bietet sich an, machen
schnell einen Kurs und ab geht's.
Motor, wenn er funktioniert oder man weiß, wie man ihn repariert,
ist auch sehr angenehm.
Schokolade lebenswichtig wie das EPIRB.
Gut, aber wie so oft im Leben, lernt man beim Tun. Und da kann man sich
auf einiges gefasst machen. Oder weiß irgendeiner von euch Seglergreenhorns
da draußen, was ein "Potluck Dinner" ist? Ha! Ertappt!
Dem will ich mich heute widmen, denn es scheint mir, dass dieses Ereignis
unwiderruflich mit dem Dasein eines Blauwasserseglers verbunden ist.
Pot-Topf, Luck-Glück, Dinner-Abendessen. Aja, Englisch kann auch
nicht schaden.
Was passiert nun bei einem Potluck Dinner?
Man kommt also zum Beispiel auf der Vavau Gruppe in Tonga an. Ein Traum
für Segler. Zahlreiche kleine Inselchen, nach Nummern sortiert (zumindest
für die Blauwassersegler...), gruppieren sich um den Hauptort Neiafu.
Flachwassersegeln zu den einzelnen Eilanden, natürlich für jeden
ein Genuss, weil hoher Seltenheitswert auf einer Besegelung der großen
Ozeane mit ihren schmucken Wellen.
Also zuckelt man gemütlich oder in Schräglage flott zu seinem
Ankerplätzchen und - siehe da - an der Funke ertönt folgende
einladende Stimme "To all boats on anchorage 16 - tonight there is
a potluck! Start at 6 o'clock on the beach!"
Der durchschnittliche Blauwassersegler begibt sich jetzt mal in die Kombüse
und checkt deren Inhalt.
Glücklicherweise ist der kleine Hauptort Neiafu mit einem guten Gemüsemarkt
bestückt, aber die Bohnen, seit Panama in der Bilge, würden
sich doch auch anbieten? Bohnensalat. Berüchtigt, weil vor allem
Amerikaner damit herzhafte Salate fabrizieren. Man sollte vielleicht kontrollieren,
wieviele amerikanische Flaggen in der Bucht zu sehen sind. Ok. Viele.
Na gut, dann greife ich eben auf den allseits beliebten Nudelsalat zurück.
Oder doch nicht?
Beim letzten Potluck gab's vier fast identische Nudelsalate und keine
Kuchen. Ich mach einen Kuchen. Andererseits ist Gail von "Fifth Season"
heute da und sie macht immer diese köstlichen konditormäßigen
Cinnamon Rolls .Na abstinken möchte ich dann auch nicht mit einem
schlichten Bananenbrot, obwohl der Reifegrad der Banane sehr dafür
sprechen würde. Was gibt es eigentlich noch?
Ist ein Barbecue geplant? Ist. Fleisch haben wir keines, weil das Versorgungsschiff
aus Fiji nicht da war und die 3 Hühnerhaxen in der Tiefkühle
im Minimarkt nicht gerade appetitlich aussahen.
Laura, meine Freundin auf Sabbatical 3, hat noch Hamburger in ihrem Freezer
und Gesche von der "Yara" bringt Würstchen. Mhmm. Wird
wohl wieder mein allseits beliebtes Fladenbrot werden. Mit einem Dip.
Aber leider ist kein Thunfisch mehr zu finden. Aber die verrosteten Sardinendosen
aus Galapagos sehen mich strafend an. Hast du uns vergessen? Warum nimmst
du uns nie? Liebst du uns nicht mehr? Okay!!! Also ein Dip aus Sardinen,
die blöderweise in Tomatensoße liegen. Also Sardinen abtropfen,
zerkleinern, mayonnaisieren, Salz, Kräuter, fertig ist der neuerfundene
Dip, dazu noch Limette, ab in ein Töpfchen.
Mal sehen, ob dieser Pot luck hat und geleert wird! Ob es allen Seglern
in der Bucht gerade so geht? Was könnte ich noch ankriegen beim Stranddinner?
Dazu kommt noch, dass man keine Dosen mit Fleisch nach Neuseeland einführen
sollte, und Neuseeland ist das nächste Ziel vieler Schiffe. Also
könnte man denken, dass einiges an Fleischdosigem ankommt. Andererseits
gibt es viel frisches Obst.
Abends blickt man dann auf den improvisierten Büffettisch und wundert
sich. 2 riesige Tupperwareschüsseln (absolutes Muss für den
zukünftigen Blauwassersegler - Tupperware!!!) mit Obstsalat, Falafel
von einer Norwegerin aus Linsen gemacht (Linsen dürfen auch nicht
nach Neuseeland) und Couscous mit Bohnen (amerikanische Variation).
Ian, unser kanadischer Freund, hat schnell noch 3 Fische harpuniert also
gibt es köstlich gegrillten Fisch. Das gemeinsam fabrizierte Büffet
ist gut, Finn und andere Seglerkids stürzen sich auf die wenig einfallsreiche
Gabe eines englischen Seglerpärchens - einen riesigen Topf Popcorn.
Nachspeise: Cinnamonrolls. Das nennt man Luck für die Kids!
Apropo Kids!
Seglerkids werden ja von allen Seiten verwöhnt. Jedes Elternpaar
findet innerhalb kürzester Zeit heraus, ob irgendwo ein Kinderschiff
eingelaufen ist. Irgendjemand hatte die Idee eine Kinderflagge zu erfinden
(Also für zukünftige kinderreiche Blauwassersegler - die Kinderflagge!)
Besonders nett ist es, wenn sich jemand ohne Kinder was für die Kinder
einfallen lässt. So wie Ron, von der "Nautilus" Eines Tages
tönte es auf der Funke: "Dienstag Piraten-Party für groß
und klein im Zauberwald auf Anchorage 30!" Wow! Da freute sich nicht
nur Klein! Zwar schüttet es am Dienstag aus Kübeln, aber kaum
ein Segler ist terminmäßig verplant (Also für zukünftige
Blauwassis - Terminkalender zu Hause lassen)) und so stieg die Party 3
Tage später. Was gut war, die Vorbereitungen kostümmäßig
nahmen mehr Zeit in Anspruch als geplant. Denn wer hat schon ein fix und
fertiges Piratenkostüm an Bord? Aber eine der wichtigsten Eigenschaften
des Blauwasserseglers ist wohl sein Improvisationstalent!
Die Spannung stieg also ins Unerträgliche als gegen 14 Uhr die ersten
Schiffe in die 30er Partybucht einliefen, mit Knallraketen und Piratenflaggen
und ziemlich wüsten Typen an Bord.
Finn lag beim Ankermanöver am Vordeck und drohte den Feinden vom
Nachbarschiff mit seinem gefährlichen Schwert (ein hölzerner
Schöpfer von den Indianern auf den San Blas Inseln).
Ich stand mit Pyjamahose, Fetzenhemd und rotem Kopftuch der Kuna Frauen
am Steuer und drohte mit einer Rumflasche. Der Captain beobachtete hoch
oben im Besam Mast, dreckverschmierte Hose, Machete griffbereit, die Umgebung
- aber natürlich ruhte ein Auge auf den Korallenstöcken unter
unseren piratischen Kielen. Die Meute aller Schiffe versammelte sich dann
zur Schatzsuche am Strand, und dank Rons Drohung, jeder müsse eine
Flasche Rum mitbringen, der nicht als Pirat erschien, erschienen alle
in wunderbaren Maskeraden - mit Rum! Wobei mich das Gefühl beschlich,
die Drohung wäre keineswegs nötig gewesen!
So sah man natürlich kleine Piraten herumwuseln und den Schatz suchen,
aber die wahre Augenweide waren wohl die Eltern. Man sah riesige Ohrringe
aus Alufolie baumeln, Grillzangen und Karabiner als Captain Hook's Ersatzarm,
Jack Sparrow wäre ver- und erblasst! Und die Piratenqueens Anne Bonney
und Mary Reade wären begeistert gewesen von dem hohen Aufkommen an
piratischen Weibsstücken. Ann von der "Magnum" erschien
in sexy T-Shirt und Sonnenbrillen "I am the boats slut!" tönte
sie und ihr bösartiges Grinsen ließ einem das Blut in den Adern
gefrieren. Improvisation ist alles!
Ron, der "Master of Ceremony", hatte fein geplant, und der Partyplatz
im Zauberwald, nahe den Klippen der Ostküste des Eilands, war perfekt
ausgesucht und vorbereitet. Mit riesiger Piratenflagge, Steingrillplatz,
Sitzgelegenheiten aus allem was der Wald hergab. Die Kinder hatten den
Goldschatz gefunden (Schokolade aus Südamerika! Und Goldbärchen!),
die Großen wurden zu Kindern als es ans Spielen ging. Brezelschnappen,
Rührdichnicht-Anschleichen und, besonders prominent, "Das Känguru"!
Jeder wurde zu einem Tier und musste zu einer Band tanzen, die wiederum
nur aus menschlichen Instrumenten kreiert wurde. Ich war gemeinsam mit
Ellen von der "Rasa manis" zur Trompete geworden, Ian zupfte
den imaginären Bass, Peter trommelte das unsichtbare Schlagzeug.
Toller Sound. Improvisation zeichnet den Fahrtensegler wirklich aus! Aus
nichts mache was. Kann ganz schön hilfreich sein, sitzt man mit irgendeinem
Problem mitten am Ozean.
Das gemeinsame Potluck Büffet hatte Höhepunkte, wie Knoblauch-
und Curry/Ei Butter, gegrillten Snapper, Hühnchenfilets mit Bohnenpaste,
franzosischem Kartoffel-Sardinensalat, Fladenbrot mit Ei-Aufstrich und
mein Bananenbrot war heiß begehrt - hatte doch sonst niemand an
was Süßes gedacht!
Langsam senkte sich die Sonne in den Pazifik, die Klippen und der Himmel
wurden pink, rosa, türkis und bald blinkten die Sterne auf diese
seltsame Truppe von Menschen, die man der Spezies der Blauwassersegler
zuordnet. Um 22 Uhr ging alles nach Hause. Müde. Denn eigentlich
heißt es Sailors Midnight-und zwar um 21 Uhr. Aber ab und zu kann
jeder mal über die Stränge schlagen! Piraten, Ahoi!
Fotos
|
| 03.10.2007,
Tonga |
Intermezzo
in Samoa, ein Königreich für ein Kipferl oder "Unter Seglern"
Jeder hat heutzutage seinen
Blog. Ich bewege mich ja nur unter Seglern und da schreibt man täglich
bis wöchentlich an seinem Blog. Habe heute im tonganischen Neiafu
kurz auf unsere Homepage geschaut und siehe da, wir sind ja noch in Suwarrow,
dabei sind wir schon seit einer Woche in Tonga und haben zwischendurch
Samoa besucht. Also unser Blog ist hinten nach. Hab mich dann eindringlich
mit der Blogschreiberin unterhalten und sie hinter den Schreib- bzw. Navigationstisch
ihrer Koje geschickt. Täglich, wöchentlich mahnte ich sie eindringlich,
sie wollte zurückreden mit, aber überall gibt's kein Internet...
nananana das ist ja wohl die faulste Ausrede überhaupt. Also sitzt
sie jetzt da unten und muss blöcken äh blogen oder so.
Samoa. Mhmm. Ich muss noch etwas vor Samoa schreiben, etwas, was mich,
abgesehen von der Blogerei, zur Zeit sehr beschäftigt. Das Wetter.
Oder besser "Das Wetterfenster" .
Lebt man zu Hause in Wien, geht's ja vor allem um schönes oder schiaches
Wetter. Niemand würde sagen "Wir warten das nächste Wetterfenster
ab und dann gehen wir auf die Rax spazieren." Da würde man wahrscheinlich
ewig warten. Hier unter Seglern ist das Wetterfenster das Ding. Man spricht
darüber, wartet darauf, hat es verpasst oder geht ins Internetcafe
um es zu finden. Das Wetterfenster bestimmt des Seglers Alltag und Zukunft.
Zum Beispiel kommt man nach einem schönen Wetterfenster, das einem
4 tolle Segeltage bescherte, von Suwarow in Samoa an. Man genießt
in Apia, der Hauptstadt Western Samoas, die zu Ehren der polynesischen
Sportolympiade ganz neu errichtete Marina. Zumindest wenn man einen Katamaran
hat - mit nur 90 cm Tiefgang. Unsere Freunde auf der "Sabbatical
3" mit 2,5 Metern Tiefgang wurden mitten in der Nacht von seltsamen
Reibegeräuschen aufgeweckt. Als sie auf den Tiefenmesser schauten,
stellten sie fest, dass sie 0,00 m unter dem Kiel hatten. Panik. Glücklicherweise
stieg die Tide gegen Morgen wieder und ihr Schiff schwamm wieder.
Nicht gerade, was man von einer funkelnagelneuen Marina erwartet. Auch
die Angestellten bewiesen samoanische Gelassenheit. Zwei von ihnen düsten
tagtäglich per Superdinghy durch die Marina, einmal knallten sie
dabei auf unser Ruder. Statt einer Entschuldigung freuten sie sich über
den unerwarteten Stopp und plauderten mit uns über "far away
Austria". Naja, man soll nicht so sein, die Marina ist die erste
auf Samoa und die Angestellten hatten noch nie die Möglichkeit, eine
Marina zu betreuen. Finn und Freund Yannic freuten sich über das
Baggerschiff, das die etwas zu seicht geratenen Stellen der Marina von
7 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags geräuschvoll ausbaggerte. Unserer
fast gestrandeten Freunde auf der "Sabbatical 3" wunderten sich
über die dabei erscheinenden Korallenblöcke, hatte man ihnen
doch versichert, die Marina sei auf Schlick und Sand erbaut und ihr Schiff
deswegen sicher nicht am Rumpf beschädigt.
Wir gingen indes ins Internetcafe und suchten nach unserem Wetterfenster.
Samoa ist schön, aber es liegt leider genau nördlich von Tonga
und will man nach Tonga, muss man nach Südost, was wiederum genau
die Richtung des schönen frischen Passats ist. Segeln ist nicht gerade
angenehm, wenn der Wind von vorn kommt, also musste uns das Wetterfenster
Wind von der Seite bringen - NO Wind in unserem Fall. Allmorgendlich wurde
also der Wettersender auf dem SSB Funkradio gehört, die Wetterlage
mit allen anderen Seglern am Steg diskutiert, Wettergribfiles verglichen,
das Internet mit seinen vielen Wettersites befragt.
Sorry Samoa. Natürlich werde ich mich nicht nur an die Wetternachrichten
erinnern, denke ich an dich, du wunderschöne, eigenwillige Insel.
Die Männer tragen Lava Lavas. Das sind Röcke aus festem Stoff,
die zu sämtlichen Anlässen in den Farbtönen braun, dunkelblau,
weinrot und schwarz getragen werden, drüber geht schon mal ein Batman
T-Shirt oder das Hawai Blumen Hemd.
Apia, die Hauptstadt, ist etwa so groß wie das Zentrum Korneuburgs
oder Hartbergs. Die Markthalle ist aufregend. In Palmblattkörben
werden Tarowurzeln und Kochbananen angeboten. Viele Kürbisse gibt
es und Mangos und natürlich Papayas, Tomaten und dann ist Schluss.
Dafür gibt es Kava. Die Wurzel des Pfefferstrauches, gerieben, getrocknet,
das Nationalgetränk der Samoaner und, wie wir jetzt wissen, auch
der Tonganer. Dazu braucht man eine geschnitzte Holzschale, die auf kleinen
Stützen steht und ein samoanisches Haus symbolisiert. Die Wurzeln
werden wie Tee aufgegossen und per Kokosnussbecher getrunken. Mir wird
recht schlecht davon, aber die Samoaner schwören darauf. Hilft das
Leben zu Leben. Vielleicht hab ich ja was bei der Zubereitung falsch gemacht
oder ich leb das Leben eh gut!
Wiedermal knatterten wir mit einem Leihwagen um die Insel. Die Häuser
sind offen. Eine viereckige Plattform mit zahlreichen Stützen, nach
oben zum Dach verbunden. Keine Wände, wenn's regnet werden Matten
aus geflochtenen Pandanussblättern heruntergerollt oder einfach Plastikplanen
wie aus dem Baumarkt. Keine Privatsphäre. Man soll nicht in die Häuser
blicken, kommt man vorbei. Na klar. Trotzdem erhaschen wir beim vorbeifahren
so manche Privatheit. Einladende Sofas, flimmernde Fernsehapparate, Küchenecke,
Grossmutter, Kinder, Enkelkinder - alle zusammen.
Aber teilweise natürlich, hinter den traditionellen Häusern,
die modernen. Wände, Vorhänge vor den Fenstern, Tür zu.
Gute Ruh.
Im Süden der Insel traumhafte Sandstrände , türkises Wasser
und am Strand die berühmten Fales. Kleine Strandhäuschen für
die Touristen. Meist Teenager aus Neuseeland und Australien. Ein bisserl
wie Campen in Griechenland, nur viel weniger los. Wir rumpeln weiter und
kommen nach "Mango City" ein kleiner Ort, an jedem Haus ein
kleiner Stand mit Mangos. Die Preise sind plötzlich exorbitant.
Naja so oft kommen die Touris hier wohl nicht vorbei. Wasserfälle,
wunderschöne tropische Zauberorte, gibt es hier in Hülle und
Fülle. An einem der berühmten fahren wir vorbei und enden in
einer Sackgasse. Ein kleiner Ort am Ende der steilen, kurvigen, zum Strand
führenden Straße. Schweine rennen herum. Es stinkt nach Schwein.
Man schlachtet gerade Schwein. Alle starren uns an und der Chief begrüßt
uns und fragt , was den los sei. Freundlich erklärt er uns, dass
wir offensichtlich am Wasserfall vorbeigefahren sind und dass er 10 Jahre
in Amerika gelebt hat. Im kleinen Laden kaufen wir seltsames Cola. Alle
starren uns an. Die Kinder winken uns fröhlich zu, die Alten sitzen
in ihren offenen Häusern, zu denen wir uns nicht schauen trauen,
weil man das ja nicht soll. Sehr fremd hier. Irgendwie bin ich froh, wieder
in Apia einzufahren. Wir gehen dann Abendessen in ein von Neuseeländern
geführtes Lokal. Essen Tortilla Wraps, Chicken Salad und Steak, und
als Dessert Capuccino und Tiramisu. Und das alles an einem Tag. Ich denke
an die Dame mit den ausgefransten Dauerwellen im seltsamen Shop in diesem
kleinen Schweine-Dorf, und an den dicken Chief und daran, dass in Samoa
die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen verzeichnet ist. Aber
weiter komm ich nicht, mir fällt wieder das Wetterfenster ein. Wir
eilen ins Internetcafe und siehe da - es ist im Anschwirren. Schade, denke
ich, erst eine Woche in Samoa, zu kurz, um wirklich ein Gefühl für
das Leben hier zu bekommen, um Leute kennenzulernen, um all die schönen
Plätze hier zu besuchen. Aber so ist es eben, dieser Zwiespalt. Das
Wetterfenster wäre ideal um einen guten, schnellen Segeltörn
nach Tonga zu haben und, fährt man nicht jetzt, kann es passieren,
dass man 2 Wochen in Apia hängt. Was wiederum nicht schlecht wäre,
um Land und Leute besser kennen zulernen. Aber dann hat man immer dieses
Gefühl in der Magengrube, wann kommt das nächste Wetterfenster,
und man rennt tagtäglich ins Internetcafe und findet doch keine Muße.
Also, Samoa, adieu!
Und schon schossen wir nach Tonga. Etwas ruppig die Angelegenheit, aber
alles wäre halb so schlimm, hätte ich die Vorderluke des Küchenrumpfs
ordnungsgemäß verschlossen. Dem war leider nicht so, und so
platschen einige deftige Wellen nicht nur über Deck sondern auch
in die Kuchl. Vor allem auf die unter dem Fenster gelegenen Matratzen
der Gästekoje. Halleluja. Ich steckte 1 Stunde kopfüber in der
Bilge und brachte 5 Kübel Salzwasser zu Tage und eine Übelkeit,
die mich 2 Tage nicht losließ. Die durchweichten Matratzen wiederum
stanken nach 2 Tagen wie ein alter, nasser Hund, was meinen angeschlagenen
Zustand nicht gerade verbesserte. Aber das Wetterfenster hielt durch bis
vor die Tore des Königreiches Tonga. Kaum waren wir sicher im geschützten
Hafen Neiafu angelangt, zog der Himmel zu und es schüttete aus Kübeln.
Das tut es jetzt seit einer Woche. Interessanter Zustand für uns
Sonnenverwöhnte. Grauer Himmel, kühle 22 Grad. Neiafu - das
muss man jetzt wohl anmerken - ist "der" Seglertreff. Hier trifft
sich alles, was nach Neuseeland unterwegs ist. Aus diesem Grund ist man
hier auch seglerfreundlich ausgestattet. Es gibt zahllose Cafes und Lokale,
meist von Neuseeländern geführt, ein Schweizer Grillrestaurant
und - unglaublich aber wahr - einen österreichischen Bäcker!
Schwarzbrot mit Körndln, Roggenbrot wie vom Auer, Zimtschnecke, Schokokipferl.
Was das für uns bedeutet, weiß wohl nur der, der einst fern
der Heimat weilte.
Das erste Frühstück in Neiafu wurde im Logbuch vermerkt. 3 Minuten
Ei, Mohnweckerl mit Butter und Marmelade, dazu ein deftiges Käsbrot.
Ein Königreich im wahrsten Sinne des Wortes!
Die Tonganer sind entspannt bis zu Benommenheit. Überall laufen Schweine
herum. Waren dann wegen der grandiosen Chorgesänge in der Kirche.
Römisch-katholisch hier, es saßen dennoch ein ganzer Haufen
Segler verschiedenster Nationen und weniger Religionen bei den Tangoanern,
die zu Feier des Tages über ihre schwarzen Lava Lavas Bastmatten
trugen. Der Pfarrer dürfte sich der vielen neuen Gesichter bewusst
gewesen sein und flocht in den englischen Teil seine Predigt ein "It
is easy to love somebody, who is far away." Passendes Thema für
all die anwesenden Segler. Dann sang die ganze Gemeinde einen Happy Birthday
Song für einen kleinen Jungen und alle applaudierten!
Im grauen Nieselregen beschlossen wir, eine kleine Wanderung auf den Hausberg
von Neiafu zu machen, und Finn schaffte es irgendwie, im Schweinemist
zu landen. Der Geruch schlug den der nassen Matratzen um Längen.
Überhaupt wird es Zeit nach Neuseeland zu kommen. Unsere miefenden
Kopfpölster sollten auch mal dringend ausgetauscht werden. 2 Jahre
sind für sämtliche Bordutensilien recht anspruchsvoll. Die einzige
Risho fühlt sich wie ein Fisch im Wasser. Gestern ist mein Lieblingsbrotmesser
abgebrochen - Rostschaden! Und das bei dem vielen Brot, das wir gerade
hier verzwicken. Natürlich werden wir noch viel Zeit in Tonga verbringen,
weil die Wetterfenster nach Neuseeland werden erst Ende Oktober aktuell.
Was nicht heißen soll, dass nicht schon alle und jeder davon spricht.
Wir sind hier unter Seglern!
Und während es draußen nieselt und die Wolken tief hängen,
macht sich die "Blogerin" langsam auf den Weg ins Internetcafe
oder besser, sie macht sich auf den Weg ins langsame Internetcafe. Und
das ist keine Ausrede!
Es bedarf es schon einiger Capuccinos, um seine Mails zu lesen und die
ein bis zwei Stunden zu überbrücken. Aber was macht das schon,
wir sind entspannt und passen uns den Tonganern an. Das Wetterfenster
hat noch Zeit, die ersten Neuseeländischen Tratschzeitschriften laden
ein, um das nächste Ziel society-mäßig zu erkunden. Ab
und zu ein Schokokipferl und morgen sicher wieder Schwarzbrot.
He, wo ist die Blogerin hin? Das gibt's doch nicht, die ist doch glatt
zum österreichischen Bäcker abgebogen, wegen der himmlischen
Salzstangerl! Seglerpack!
Fotos
Samoa
Fotos
Tonga
|
| 20.09.2007,
Suwarrow |
Wer
ist Tom Neale? oder Tausche Cola gegen Tomaten!
Wer Tom Neale ist fand ich
auf der 4 tägigen (übrigens herrlichen!) Überfahrt von
Bora Bora nach Suwarrow heraus. Übrigens, wo ist Suwarrow - man kann
es sich ergoogeln! Meine Schwester Sol fand auf diesem Weg sogar heraus,
dass irgendjemand einen Popsong über Suwarrow geschrieben hat. Was
erstaunlich ist, denn dieses kleine Atoll liegt mitten im Pazifik, rechts
und links 500 sm Wasser, sonst nix.
Wie also kommt Suwarrow zu solcher Berühmtheit?
Was mich wieder zu Tom Neal bringt. Er war ein ziemlich schräger
Neuseeländer, der sich in den 50er Jahren in den Kopf setzte, eine
Zeitlang allein auf einem Atoll überleben zu wollen. Abgeschiedener
als Suwarrow ging es ja dann wohl nicht.
Damals fuhr da überhaupt nur auf Anfrage mal ein Transportschiff
von Rarotonga auf den Weg nach Manihiki vorbei, dies wiederum sind Inseln
die zu den Cook Islands gehören, so wie Suwarrow auch.
Tom, ein Reisender sein Leben lang, wollte nach einigen Jahren als Erntehelfer,
Aushilfsmechaniker, Hilfsarbeiter in Tahiti, Moorea und Rarotonga was
neues kennenlernen. Durch Zufall brachte ihn der Versorgungsdampfer "Tiare"
eines Freundes auf Kurzbesuch nach Suwarrow. Dort saßen einige deprimierte
Küstenwachenmänner, die nur nach Hause wollten. Tom jedoch war
von den Socken.
Und jetzt, wo ich selber durch die aufregende Riffpassage gesegelt bin
und unser Anker in das kristallklare Wasser vor der kleinen Halbinsel
Anchorage Island platschte, verstehe ich ihn.
Wir wollten 3 Tage bleiben, nach 14 Tagen schafften wir es widerwillig
zu fahren. In meiner Nachtwache Richtung Suwarrow las ich also in der
"Bibel" vieler Blauwassersegler:Tom Neals "An Island to
oneself", Toms 5 Jahre (mit Unterbrechungen) im Paradies (mit Tücken).
Nach dieser Lektüre tatsächlich dieses Eiland zu betreten war,
wie wenn man plötzlich mitten in seinem Lieblingsfilm steht. Viel
verändert hat sich in den letzten 50 Jahren hier nicht. Tom ist natürlich
nicht mehr unter uns, sondern irgendwo eingegangen in die ewigen Atollgründe,
aber die jetzigen Inselbewohner schlossen wir sofort in Herz. Und ich
habe so das Gefühl, sie auch uns.
John lebt hier 6 Monate im Jahr mit seiner Frau Veronica und seinen 4
Söhnen Jeremia (11), Jonathan (9), Giovanni und Augustino (beide
5 Jahre). John ist Ranger des Nationalparks und spielt grandios Rocksongs
auf seiner Stahlsaitengitarre. Er führt die Segler im Atoll von einer
Insel zur anderen und entfacht jeden Abend ein Lagerfeuer.
Die von den Seglern selbstgefangenen Fische werden gegrillt und erst gegessen,
nachdem John dem Universum und Gott, dafür gedankt hat, dass alle
Segler sicher hier ankamen und dass es noch genug Fisch zum futtern gibt.
Seine Frau Veronica bäckt ihre berühmten Coconutpancakes und
freut sich ihrerseits über die Nudelsalate, Schokokuchen und Obstvariationen
der Segelfrauen. Die Buben freuen sich über die Seglerkinder, spielen
mit ihnen Haie füttern und Kokospalme raufklettern. Morgensport ist
eine Wanderung um die Hauptinsel, nach einer Stunde ist man nassgeschwitzt
und kriegt in Johns Haus eine Kokosnuss zum trinken. Dabei erzählt
er von Tom Neale und alle betrachten dessen alte, vergammelte Wohnhütte.
Natürlich liegt das berühmte Buch in der kleinen Inselbibliothek
auf. John weiß so manch unbekannte Schnurre über "good
old Tom".
Zum Beispiel, dass dieser eine samoanische Frau hatte und einige Kinder,
die tunlichst nicht im Kultbuch erwähnt werden. Was wäre schon
ein Abenteurer mit Familie, die zu Hause auf ihn wartet? War aber so!
Ja ja Tom, irgendwann kommt die Wahrheit ans Licht!
Aber was soll's - leicht war das Leben im Paradies hier sicher nicht.
Tom Neale lebte vor allem von Kokosnüssen und Fisch.
Apropos Fisch. Meine morgendlichen Schwimmrunden um die Risho fing ich
erst gar nicht an. Beim ersten Mal kam ich bis zur Schwimmleiter, dann
steuerte ein 2 Meter Black Dip Shark gemütlich an mir vorbei. Rahhhh...
Seine Freunde sah ich dann als ich bibbernd an der Reling stand und meine
Männer zu mir gerufen hatte. Sicher, die Black Dip Sharks sind harmlos,
aber selbst Peter bewaffnete sich immer mit unserem Deckschrubb-Besen,
wenn er die Ankerkette von den Korallenstöcken befreite, um die sie
sich gewickelt hatte.
Mit einiger Überredungskunst von Seiten Peters und einem eigens für
mich angefertigtem Hai-Stecken (das halbe Paddel unseres Dinghys) traute
ich mich dann im seichten Wasser nahe der Riffkante zu schnorcheln.
Die Leute, die"Findet Nemo" gezeichnet haben, müssen sich
hier die Anregungen geholt haben! Bunte Korallenstöcke, von blau
bis gelb, umgeben von entzückenden Korallenfischen. Da plötzlich
eine Schildkröte, dort ein imposanter Igelfisch mit den erschrockenen
Augen von Bambi. Engelsfische, zauberhaft und grazil, und hie und da ein
gruselige Muräne. Überall dicke Grouper (sehen aus wie große
Barsche), die nur darauf warteten, von uns gegessen zu werden. Natürlich
ist Fischen mit der Harpune verboten. Um den Fischbestand zu schonen und
um die Haie nicht anzulocken. Vom seichten Korallenriff konnte man gut
zur steil abfallenden Riffkante sehen. Manchmal trauten wir uns dorthin
- so wie der kleine Nemo - um uns geschwind wieder hinter den sanften
Korallenlandschaften zu verstecken. Die Haie sahen wir aus der Ferne.
Unheimlichr Beobachter, grauschimmernd in der blauen Tiefe.
Nachmittags brach dann das Jadgfieber unter den Seglern aus. Dinghys rasten
über die Lagune mit Angeln im Schlepptau. So manch fetter Grouper
ging an den Haken. Peter und ich hatten diesmal keine Zeit für solche
Dinge, wir mussten zur Musikprobe. Gail, eine illustre Amerikanerin, hatte
zum Lagerfeuer eine Livemusic-Party im Sinn.
Am Strand zu Probe versammelten sich 4 Gitarristen, 2 Percussionisten
und eine Harfinistin! Gar nicht schlecht bei nur 10 Segelbooten in der
Bucht!
Gail, hatte tatsächlich ein Harfe an Bord und sang mit glockenklarer
Stimme von Moonriver bis Wonderful World zu ihrem bezaubernden Instrument.
Peter und ich legten einige Jazznummern hin und dann wurde an gemeinsamen
Songs gearbeitet -natürlich Let it be, House of Rising Sun, Drunken
Sailor.
Der Auftritt war ein Erfolg, das Publikum sang mit, John dankte mit Tränen
in den Augen den Musikern - weder hatte er je eine Harfe zuvor gesehen
noch gehört noch konnte er glauben, dass Peter und ich nicht berühmt
sind in Österreich (Zitat bitteschön!). Dann nahm er seine Gitarre
und knallte uns einen Rocksong hin, coole Stimme, coole Riffs - vielleicht
war da zuvor irgendein Popsänger hergesegelt und hatte sich einiges
von John abgeschaut, um dann den Suwarrow Popsong zu schreiben? Der Abend
endete mit einer extensiven Percussion-Session. Johns Buben trommelten
auf allem was sie zwischen die Finger kriegen konnten, Finn bearbeitete
die afrikanische Trommel der Norwegerin Ingrid und Peter schlug sich an
einem hohlen Baumstamm die Finger wund. Ich hatte mich für eine leere
Erdnussdose entschieden, blechern und markant rundete ich die wilden Inselklänge
ab.
Nachdem wir 3 Tage in Suwarrow geplant hatten, gingen uns die Vorräte
nach einer Woche auch aus. Natürlich gab es genug Spaghetti und Reis
an Bord und auch die ca. 20 Dosen südamerikanischer Bohnen lagen
noch unangetastet in der Bilge.
Auch die anderen 10 Segelboote in der Bucht waren länger als geplant
geblieben. Nichtsdestotrotz fanden abends Potluck parties statt - d.h.
jeder bringt etwas mit zum Essen. Fisch gab's ja genug! Und Musik!
Lustig wurde es dann, als wir zu tauschen anfingen - zwei Dosen Cola gegen
2 Dosen Tomaten oder Chips gegen 2 Tassen Mehl. Tom Neale hätte uns
wahrscheinlich alle nicht gepackt. Er sehnte sich nach Fleisch. Und das
nach fast einem Jahr. Er hatte eine Dose Rindfleisch dabei - extra für
Weihnachten aufgespart und haderte damit sie aufzumachen. Auch freundete
er sich mit einer Salzwasser-Ente an, und die Freundschaft war so zwischen
"ich liebe dich" oder "ich esse dich". Die Ente konnte
letztendlich entfliehen und wir beschlossen, uns auch auf den Weg zu machen.
John blies uns einen traurigen Gruß auf einer Conchmuschel und schon
lag Suwarrow achtern aus.
Wie ein Traum oder... wie ein melancholischer Popsong!
Buchtipp für euch: Tom
Neale, Meine Trauminsel, Rowohlt Verlag ISBN 3499112728
Für etwaige Nebenwirkungen übernehmen wir keine Haftung
Fotos
|
| 19.08.2007,
Gesellschaftsinseln, Südsee |
Vom
Lachen und vom Weinen
Meine Mutter - kurz Ama genannt
- und meine Schwester Sol sind heute abgeflogen.
Bora Bora, die schönste Insel der Welt, zeigt sich sensibel und umhüllt
sich mit einer dicken, grauen Wolkendecke, die Regentropfen platschen
auf unsere tränennassen Gesichter. Salzig vermischt sich mit süß.
Immer ein bisschen Salz in den Kuchen, dann wird er besonders gut, seltsame
Gedanken tanzen in meinem Hirn. Peter sagte, als wir alle in der Abflughalle
standen und mit fröhlichem Gelächter versuchten, unsere Traurigkeit
zu überspielen. "He Leute, sollten wir nicht noch irgendetwas
Wichtiges bereden?" Da weinten dann alle. Finn bitterlich an mich
gedrückt. "Die Ama muss dableiben, ich will nach Wien zu meinen
Zügen". Schluck. Autsch. Das sitzt.
Vor drei Wochen mitten an Flugfeld von Raiatea, man stelle sich das mal
in Schwechat vor, aber hier ist das normal - also mitten am Flugfeld lagen
wir uns in den Armen. Heulend, natürlich Freudentränen!
Sol und Ama hatten die 40 Stunden Flug gut geschafft, nur das Gepäck
war noch auf Sightseeingtour in New York. Aber der Optimismus liegt in
meiner Familie. Die beiden plumpsten entspannt in ihre Kojen und hatten
Freude an ihren Emergency Täschchen von Tahiti Nui Air. Unterhöschen
aus Papier, Deo in Fingerhutgröße, Kinderzahnbürste und
ein XXX Large, Marke "Formlos" T-Shirt der Fluglinie Nui. Dazu
150 Euro Entschädigung für das Ärgernis und als kleine
Anzahlung für Ersatzwäsche (musste die beiden aber darauf hinweisen,
das damit bei den Preisen hier gerade die Hälfte eines Stringtangas
zu bekommen ist).
Macht nix. Die beiden hüpften gleich ins Wasser, verkosteten den
Brie vom Carrefour und lernten bei einem spontanen Sundowner unser Nachbarschiff
Magnum samt Crew kennen.
Ohne mein Wissen feierten sie um 3 Uhr früh eine kleine Jetlag Party
in der Kombüse (praktischerweise waren dort auch ihre Schlafkojen)
mit Cola und Keksen. Um 5 schliefen sie dann ein, um gegen 6 Uhr Besuch
von Finn zu bekommen. Um 7 30 fand ich alle drei an Deck, in warme Pullis
gehüllt, denn der Wind hatte sehr aufgefrischt und eine fette Regenwolke
hing über dem Regenwald, der wiederum von einem prachtvollem Regenbogen
überspannt wurde.
"A Traum da" schmachtete meine Schwester. Dabei lagen wir noch
in der Marina, die zwar außergewöhnlich schön ist, aber
auch in Italien sein könnte.
Das Gepäck kam drei Tage später an und brachte eine verfrühte
Weihnachtsbescherung auf die Risho Maru. Nicht nur hatten die beiden unsere
Bestellliste vollständig besorgt, nein, auch Extras wie Mannerschnitten,
Kernöl (wenn das in New York aufgeflogen wäre...), Mickeymousebücher,
Asterixhefte, Jolly Farbstifte, Fenistilcreme, Lego, Schulzeug, Bücher,
Geschenke vom Rest der Familie, Himbeersaft von Mautner Markhof (das hätte
Ausnahmezustand in Washington ausgelöst...) kramten sie nach und
nach aus ihren Reisetaschen, bis nur mehr ein kleiner Haufen persönlicher
Kleidungstücke und Kosmetika übrigblieb. Wir lachten und drückten
uns und wollten die Zeit anhalten.
Abenteurer allesamt mieteten wir eine Auto und umrundeten Raiatea, auch
die Heilige Insel genannt. wegen ihrer vielen Maraes - Tempelstätten.
Fast zu Ehren unserer Gäste wurde die neue Markthalle des Hauptortes
eröffnet - mit polynesischem Tanz, Gesang, und mit in Palmblätter
gewickelten Trommlern. Ein Buffet stand bereit und riesige Tabletts mit
ungewöhnlichen polynesischen Spezialitäten an alle verteilt
- gratis-Brot und Spiele fürs Volk und uns. Denn Touristen gab es
da kaum.
Ama nuckelte per Strohalm mit Blumekranz im Haar verzückt an einer
eisgekühlten Kokosnuss.
"A Wahnsinn diese Insulaner". Sol, eingefleischte (oder ausgefleischte?)
Vegetarierin, naschte an Kokoskuchen, Brotfruchtschnitte und Guaven-Jelly.
Südseedamen in Baströckchen wedelten ihre Popos und am Heimweg
entlehnte ich zum Entsetzten meiner Mutter eine Brotfrucht aus Nachbars
Garten. Nach dem legendären Brotfrucht Oil Down in Kokosmilch schliefen
die beiden wie Babys, bereit für den nächsten Tag, den ersten
Segeltag in der Südsee!
Über die flache Lagune von Raiatea flitzten wir zur Nachbarinsel
Tahaa. Ca eine Stunde segeln, Flachwasser, unsere Gästinnen hielten
sich wacker. Sol am Steuer. Ama vorne am Steuerbordbug, auf ihrem seit
Griechenland und der Karibik schon auserkorenem Lieblingsplatz. (Dazu
muss angemerkt werden, dass Finns Ama Omi uns überall nachreist und
selbst Starkwinde mit Bravour meistert - sind ihr sogar lieber als "...die
blöde Fliegerei!" Wer die Omama auf dem Apfelbaum kennt, der
kann sich ungefähr ein Bild davon machen, was Finn für ein Riesenglück
hat mit seiner Ama - und ich mit meiner Mama - und Peter mit seiner Schwiegermutter!)
Die nächsten Tage verbrachten wir hinter dem Riff und auf den dazugehörigen
Motus, den kleinen, kitschigen Palmeninseln, kitschiger als es jeder Südseekalender
erlaubt!
Selbst eine eintägige Regenfront konnte die Stimmung an Bord nicht
trüben. Finn ließ sich von Ama vorlesen, lernte Onkel Fritz
Witze von Sol, schnorchelte mit der Omi um die Korallenstöcke, hüpfte
mit der Tante vom Vorschiff ins Wasser. Peters Steirisch wurde aufgefrischt
und Ama's Fähigkeiten als Kosmetikerin kamen mir zugute. Sie färbte
mir die Wimpern und schnitt mir die Haare.
Sol rockte für und mit Finn und Peter an der Gitarre und die Abende
vergingen mit gutem Essen und wilden Spielnächten bei Rummy und Stich
ansagen. Abends kippten die beiden todmüde ins Bett und morgens weckte
mich der Kaffeeduft aus der Kombüse. Die Zeit anhalten. Aber wie?
Natürlich verflogen die Tage. Auf der Risho herrschte Lachen, Blödeln,
Entspannen, Reden, Erzählen - alles Dinge, die nicht zu bezahlen
sind, rauscht da gerade durch mein heute etwas benommenes Hirn. Wir trafen
unsere Segelfreunde Mark und Laura und auch sie schlossen Sol und Mama
ins Herz. Vorgestern auf unserer Geburtstagsparty für drei (ich,
Peter und Sol) beschenkten sie auch die beiden und luden sie ein, sie
in den Maine zu besuchen! Spontan waren auch Yaras mit Finns Freund Yannik
und Ron von der Nautilus plus Anhang zum Fest erschienen, und Sol und
Ama wurden an diesem Abend Teil unseres Abenteuers. Es tat uns gut, dass
sie einige unserer Freunde hier kennenlernen konnten, damit sie verstehen,
dass Segeln nicht nur einsames über die Meere Gleiten und Entdecken
fremder Länder ist, sondern auch große Nähe mit Menschen,
die man erst 2 Jahre oder vielleicht sogar erst 2 Monate kennt. Menschen,
die offen sind zu entdecken, zu plaudern, zuzuhören und Freundschaft
zu schließen.
Und Segeln ist eben auch Abschied nehmen. Nicht nur von Österreich
und dem "Zu Hause" in Wien, sondern von Freunden, Familie, neuen
Freunden auf Atollen, neuen Freunden auf Segelbooten,
Und so standen wir dann eben heute in dieser Abflughalle und dachten,
was es noch Wichtiges gäbe zu sagen und irgendwie kriegt man gar
nix mehr raus, weil man so traurig ist und die traurigen Augen von Ama
und Sol sieht und den wimmernden Finn an sich kleben hat und sich denkt:
"Warum mach ich das, warum bin ich nicht zu Hause. Und dann sagt
die Ama auf einmal, mit tränennassen Augen: "Ich beneide euch"
und die Sol "Das war der schönste Urlaub meines Lebens"
und man winkt dem Flugzeug nach, geht auf's Schiff und beginnt alles durchzuputzen,
nur um nicht weinen zu müssen.
Finn hat gerade im Schlaf geseufzt und auch mir drückt's die Tränen
raus. Heute ist es schlimm, das Abenteurer sein, aber übermorgen
wird's besser werden. Und gerade in diesem Moment meldet sich Laura am
Funk, ob es uns wohl gut geht, ob wir wohl nicht zu traurig sind, dass
sie unsere Familienbande so toll findet und sie sich freuen, uns bald
wieder zu sehen. Laura und Mark. Wir kennen sie seit 2 Monaten.
Die Gesellschaftsinseln
Tahiti oder "Her mit
dem Smog!"
Alle schimpfen über Papeete.
Die Polynesier finden Papeete schmutzig, die Franzosen zu laut, die Deutschen
zu hektisch, die Amerikaner zu stressig, die Engländer fahren gar
nicht hin, wenn sie nicht müssen. Uns hat's gefallen. Ja ja, die
Österreicher könnte man sagen, aber ehrlich, es war toll.
Nach den ruhigen Dörfern auf Galapagos, dem Stillen Ozean, den verschlafenen
Marchesas, den zurückgezogenen Tuamotus, wie herrlich war es doch
da gleich hinter der Marina Tahina, neben dem Mc Donalds auf der Hauptstraße
inklusive Kreisverkehr zu spazieren und einen Schwall Abgase gemischt
mit Autogedröhne einzusaugen. Verkappte Stadtkinder, das sind wir
wohl, stürzten uns ins Getümmel der Innenstadt, wie Dürstende
in der Wüste auf ein eiskaltes Cola.
Herrlich endlich mal zwischen mehr als einem Supermarkt wählen zu
können, Ramschgeschäfte zu durchwühlen, Hinano Vahinen
T-Shirts zu probieren, Cafe au lait plus Croissant und Baguette zu schlemmen
und einfach gemütlich dem Getöse der großen Markthalle
direkt beim Busbahnhof zu lauschen. Das einzige, was uns vom Kaufrausch
zurückhielt, war das etwas hoch gelegene Preisniveau. Mount Everest
Höhe könnte man sagen. Macht nix, wir genossen.
Schon war ein Auto gemietet und wir machten uns auf die Reise nach Teahupoo
um "die Welle" zu sehen. Dort wellenreiten die Superstars und
sieht man die Welle, wird einem Angst und Bange.
Die kleinen Nachwuchsdudes üben am Strand in "medium" Wellen
und man kann gut verstehen, warum der letzte World Champion aus Tahiti
kommt. Dann steuerten wir unser keuchendes Mount Everest Vehikel auf den
höchsten Punkt der Insel und fühlten uns plötzlich wie
zu Hause. Sanfte Hügel, Kühe, Nadelgehölz - würde
man nicht um sich den blauen Pazifik sehen, wäre man versucht, Vergleiche
mit der lieblichen Ramsau in der Steiermark zu ziehen.
Alle anderen Sehenswürdigkeiten waren geschlossen, denn wir sind
in europäischen Gefilden und da ist Montags nicht nur der Friseur
sondern auch die Museen zu. Also stoppten wir bei einem Straßenverkäufer
und betrachteten seltsames Obst und Gemüse. Taro - eine Art Kartoffelrübe
in klumpigen Bünden zusammengefasst und Lychees mit einem knallrotem
stacheligem Mantel. Als die Verkäuferin mir eine Kostprobe abschälte,
erklangen Trommeln. Neugierig, wie wir eben sind, folgten wir den Klängen,
die uns hinter einigen Häuserreihen auf eine große Wiese führten.
Dort tanzten 30 Polynesier. Die Band, mehrere Trommler, Gitarristen, Steinklopfer,
Kokosnussrassler, Ukulelenmeister. Wir setzten uns unter eine Kokospalme
und lauschten, bis eine Dame uns aufforderte, diesen Platz zu räumen.
Wollten sie keine Zuschauer? Doch, aber es könnte uns eine Kokosnuss
auf den Kopf fallen, lachte sie charmant und erklärte gleich, man
würde in einer Woche am großen Tanzwettbewerb in Papeete mitmachen.
Natürlich wären dann alle traditionell gekleidet und geschminkt
, mit wallenden Haaren und Blütenkränzen. Konnte sie ahnen,
wie schön es für uns war, ihre Leute in Alltagskleidung zu sehen,
Girlies im Cosmopolitan Look, die Arme erhebend zu Bewegungen, die schon
ihre Urururgroßmütter gemacht hatten? Oder eine Dame mittleren
Alters in Hausschürze und Flip Flops selig in den Himmel lächelnd.
Auch der langhaarige Surferdude mit Tatooverzierung und Wollmütze
versuchte etwas linkisch die Götter zu preisen. Wir wünschten
gutes Gelingen für den Kontest und fuhren in den Sonnenuntergang.
Tahiti - Perle der Südsee - schön asphaltiert, anrüchiges
New York für alle Motubewohner, Häuser sprießen überall
aus dem Boden, da die Gärten traumhaft gepflegt, dort verwahrloste
Hunde in Seitengassen. Ja, sicher, warum nicht? Gibt es doch überall
diese Gegensätze, warum sollen die Girlies und Dudes hier traditionell
leben, damit die Touristen glücklich sind?
Bei einem Kleinlaster auf einem staubigen Parkplatz halten wir und essen
zu Abend. Die Dame im "Truck" (mit Blume im Haar) steht hinter
dampfenden Töpfen und lächelt fröhlich. Es gibt Chinesisches
Rindfleisch mit Gemüse, Poisson Cru - roher Thunfisch in Kokosmilch
- oder Steaks mit Fritten. Natürlich Baguette und Hinano Bier - das
mit der hübschen Dame drauf.
Tahiti, Papeete! Sante!
Moorea -Typisches Besucherschicksal
Wir hatten viel Gesellschaft
auf den Gesellschaftsinseln und mussten deswegen seit langem wieder einmal
einen Zeitplan einhalten. Und so fiel Moorea irgendwie durch den Rost.
Leider. Denn schon am Ankerplatz von Tahiti aus bewunderten wir die exaltierte
Form dieser Südseeinsel.
Dramatisch senkte sich die Sonne hinter Moorea und an klaren Tagen wurden
aus den dunklen hohen Bergen dunkelgrüne Wände. Die zwei kurzen
Tage, die wir dort verbrachten, reichten um uns einzugestehen,da hätten
wir mehr entdecken können. Die Opunohu Bay war Cooks erster Ankerplatz,
und von dort aus fuhr er eine Bucht nördlicher mit einem Langschiff,
dem damaligen Dinghy, und erforschte die später nach ihm genannte
Cooks Bay. Wir ankerten stets nahe dem Riff, natürlich türkises
Wasser, am Strand Palmenträume. Aber die wahre Schönheit liegt
auf Moorea in den Bergen. Dicke Regenwolken wanden sich um die Spitzen
und ließen nur ab und zu die ganze Höhe des Gebirges hervorblitzen.
Zum Wandern war keine Zeit. Leider. Next time!
Huhaine - die Lüsterne
Frau oder ist sie doch nur schwanger?
Im kristallklaren Wasser ankerten
wir gleich beim Hauptdorf Fare. Sorry für dieses schwelgerische Beiwort
- es ist eben so, dass 90 Prozent der Ankerplätze in Französisch
Polynesien kristallklar sind. Ist nicht nur schön sondern auch gut
so, man sieht dann die schlimmen Korallenköpfe besser, die so gerne
Ankerketten fressen oder modisch um sich schlingen!
Fare - gewonnen! Der schönste Ort der Gesellschaftsinseln! Bingo!
Man sitzt in malerischen Bars am Strand, geht in geschmackvolle Souvenierläden
shoppen, blickt vom Internetcafe auf die blaue Lagune, sieht alten Damen
beim Angeln zu und feuert die zahllosen Ruderer der Insel bei ihren Wettkämpfen.
Wir wagten sogar selber einen Ritt mit einem Auslegerkanu. Mein Captain
ging dabei baden - mehr darf ich darüber aber nicht schreiben...
hihihi...
Sogar der einzige Supermarkt ist eine Augenweide. Eine Weinauswahl wie
in einem Gourmetladen, französischer Käse - appetitlich angerichtet,
Blüten an der Kasse, die man sich nehmen und hinters Ohr stecken
kann. Dann geht man ins "centre artisiana" und sieht blumenbekränzten
Vahinen beim basteln von Muschelketten zu. Vorher stärkt man sich
mit Poisson Cru im "Truck", so göttlich ,dass man für
immer dort sitzenbleiben will.
Und wie ist das jetzt mit der lüsternen Frau? Wir haben einige Ankerplätze
besucht, sind mit dem Auto um die Insel gedüst, sahen traumhafte
Lagunen in allen Blauschattierungen und die kitschigsten Motus = Palmeninselchen
der Welt.
Aber die Form der Hügel dieser Insel ließ sich nicht eindeutig
bestimmen. Unser Freund Mario war eindeutig für lüsterne Frau
und beschrieb die Position so, dass ich unserem Sohn Finn kurz die Ohren
zuhalten musste. Mir kam sie eher schwanger vor. Wobei das eine das andere
ja nicht ausschließt!! Mario brauchte dringend Abkühlung und
stürzte sich von der Brücke, die Huahine Nui und Huhaine Iti
verbindet. Die Dorfjugendlichen, die sich so den Nachmittag vertrieben
johlten ihm zu. Gut, dass ihn einer zurückhielt kurz vor dem 2. Sprung
- ein Sportboot fuhr unter der Brücke durch! Meinem Captain Peter
fiel dafür ein Papayabaum auf den Kopf, beim Papaya pflücken.
Was man alles so erleben kann in der Südsee! Als wir einen Hinweis
auf eine Vanillefarm sahen, bogen wir kurzerhand ein. Das war ein Fehler.
Drei verwirrte amerikanische Touristen kamen uns entgegen und beschwerten
sich, dass sie seit einer halben Stunde versuchten irgendjemand zu finden,
der ihnen eine Tour gibt. So musste ich mit meinem mageren Wortschatz
die Initiative ergreifen. Schließlich kam aus der Vanilleplantage
ein halbnackter Polynesier in Gummistiefeln geschossen und beschimpfte
mich, dass ich gefälligst auf einen Guide warten sollte. Dann führte
er mich (wahrscheinlich hätte er mich gerne an den Haaren hingezerrt!)
in ein kleines Kämmerchen, starrte mich mit wahnsinnigen Augen an
und zeigte mit seinem erdbeschmutzen Finger auf ein Bild, das an der fleckigen
Wand hing. Es war ein Foto von ihm und darunter stand "Guide".
Während wir schleunigst ins Auto flüchteten und mit quietschenden
Reifen abfuhren, riefen wir den Amerikanern zu dasselbe zu tun. Die blickten
uns nur verständislos nach, später fiel mir ein, ich hatte sie
auf französisch angesprochen. Hätte nicht gedacht das mein Französich
in Extremsituationen spontaner und besser wird.
Ob es nun Vanille auf Huhaine gibt, weiß ich nicht, aber dass dort
so manch anderes Kraut gut gedeiht, scheint nach diesem Erlebnis doch
ganz offensichtlich.
Raiatea die "Heilige
Insel" und Tahaa die "Vanilleinsel"
Uturoa, der Hauptort von Raiatea
ist nun wirklich hässlich. Aber wieder bestätigte sich eines.
Man sollte nie aufgeben, Gefallen an einem Ort, einer Insel, einem Land,
einem Menschen zu finden. Der erste Eindruck war trashig. Seltsame Supermärkte
und Krimskrams-Souvenir-Geschäfte durchwegs von chinesischen Polynesiern
geführt. Ein bisschen staubige Westernstadt, nur an der Wasserfront
aus dem Nichts einige großzügige Bauten mit Balkonen und ausladenden,
ungemütlichen Restaurants. Natürlich direkt an der Anlegestelle
der großen Kreuzfahrtschiffe. Dahinter ein Palmengarten mit Seerosenteich
und kleinen palmblattgedeckten Hütten, alle fest verschlossen. Für
Kreuzfahrttouristen verwandelt sich dieser verlassene Platz in ein traditionelles
Dorf mit Souvenirshops, Tänzerinnen und Blumenkränzen. Nur wenige
Stunden lang, dann werden die Läden wieder geschlossen. Mehrmals
fuhren wir per Autostop von der Marina in den Ort und lernten nette Einheimische
kennen, und so wussten wir auch Bescheid, dass die neue Markthalle eröffnet
werden sollte. Natürlich waren wir dabei, Kreuzfahrtschiff war keines
da. Brot und Spiele fürs Volk.
Vor der Halle gab es Reden und Gesänge, dann Tänze und Spiele.
Danach wurde der neue Markt besichtigt. Zu kaufen gab es nichts, Gemüse
und Früchte waren kunstvoll arrangiert, wie ein barockes Stilleben.
Dort die größte Tarowurzel, da die dicksten Pampelmusen. Stolz
wurde ausgestellt und bewundert. Nach einer Stunde durfte man sich nehmen,
was man wollte. Am köstlichsten schmeckten die kleinen Babybananen.
Vor der Halle war inzwischen das große Buffet eröffnet und
eine kräftige Dame, in blumige Pareos gewickelt, drückte uns
eine Platte voller Köstlichkeiten in die Hand. "Mangez!"
So futterten wir uns durch Guavengelee, Kokosnussschnitte, Brotfruchtkuchen,
Ananasjelly und zahlose, uns unbekannte Speisen.
Zuerst etwas schüchtern drängten wir uns schließlich mit
den Einheimischen um den Getränkestand und wurden mit eisgekühltem
Kokosnusswasser direkt aus der Nuss belohnt. Wasser, jawohl, denn als
Südseereisende wissen wir nun, dass die Mich aus den geschabten Kokosnüssen
gepresst wird - und traumhaft gut schmeckt...
Utuora war zwar nicht schöner geworden, aber es schmeckte gut und
die Menschen verschönerten es mit ihrem Temperament, ihren Farben
und ihrem Lachen.
Raiatea zu entdecken wurde unser nächstes Ziel.
Taputapuatea. Zungenbrecher. Taputapuatea - der heiligste Ort der Heiligen
Insel. Ein Marae, eine Tempelstätte, wuchtige Steinplatten ragen
aus der gepflegten Anlage. Steinpodeste, dazwischen ein seltsamer Steinfrosch.
Niemand war hier. Der Platz gehörte uns, und fast könnten wir
den Geist dieser Stätte spüren, die Zeremonien erahnen, die
hier stattfanden. Stille bis auf das ferne Getöse des Riffs. Die
Bäume hier sind heilig, und die Vögel auf ihnen Götterboten.
Und die Kokosnusskrabben, die schüchtern aus ihren Löchern lugen,
wie die Maulwürfe in Europa? Sind sie auch heilig oder schmecken
sie einfach zu gut?
Wieder einmal folgten wir einem Hinweisschild einer Vanillefarm. 2. Versuch,
mal sehen, ob alle Farmbesitzer verrückt sind. Der Garten vor den
Plantagen - zauberhaft schön, zwei Hunde begrüßten uns
und ein junger Mann winkte freundlich. Tour gäbe es heute keine mehr,
aber wir könnten in der Boutique einkaufen. Dort fand ich auch eine
Broschüre über Vanille. Vom Heiraten war da die Rede. Vanille,
eine Orchideenart, wächst wie ein Weinstock auf Holzstangen und braucht
lange bis sie endlich blüht .Dann in den wenigen Stunden der Blüte,
meist nur eine Nacht lange, müssen die weiblichen Blüten mit
den männlichen künstlich bestäubt "verheiratet"
werden. Hat das geklappt, hat es einige Monate später längliche
grüne Schoten, die in der Sonne getrocknet werden und dann die bekannte
schwarze Farbe annehmen. Der Vanilleduft hing schwer in der Luft. Wen
wundert's, dass mancher drauf auffallend reagiert? Der junge Mann wirkte
freundlich, aber doch etwas benebelt, als er seine Produkte vorstellte:
Vanilleessenz, Vanillehonig, Vanilleschoten, Vanillebadesalz, Vanille
Vanille, komisch, plötzlich fühlte ich mich so leicht...
Raiatea, die Wohninsel, die Untouristische, weil roh und ungezähmt,
mit ausgedehntem Riffgürtel und wilden Stränden aus grobem,
weißem Sand,. Endlos lange muss man ins Meer waten bis das Wasser
zumindest an die Kniescheiben reicht. Kleine, stille Orte, mit noch kleineren
"magasins" in denen man Milchpulver, Kartoffel und Baguette
kaufen kann. Ein heftiger tropischer Schauer jagte von den Bergen, die
ehemalige Vulkankegel sind, schon spannte sich ein Regenbogen vom Land
ins Meer.
Wie lange dauert es um Unbekanntes ins Herz zu schließen? Eine Autofahrt
lang!
Tahaa, war nun wirklich die Vanilleinsel und guten Mutes betrat ich den
zauberhaften Garten von Alain um eine Tour bei ihm zu bekommen. Nichts
zu machen, alles ausgebucht. Aber Alain wirkte sehr nett, die Vanilledünste
dürften seine Sinne noch nicht erobert haben.
So ließen wir es eben bleiben und trösteten uns im außergewöhlich
schickem Yachtclub Taravan mit MahiMahi a la Vanille, Fisch vom Feinsten
mit Vanille von der Vanilleinsel.
Tahaa umsegelten wir zweimal und ankerten vor den vielen Motus und erforschten
sie. Das Südsee-Special eines Gartenmagazins ist nichts dagegen.
Kokosnüsse knackten wir selber, wenn auch schweißgebadet vor
Anstrengung. Ein spitzer in den Sand getriebener Holzpflock dient dazu,
die äußerste Schale der Kokosnuss zu entfernen. Leichter gesagt
als getan. Peter brauchte für die erste Nuss fast eine halbe Stunde,
nach und nach ging's besser und seine Bestzeit war schließlich 5
Minuten. Und dann genossen wir die sanfte Kühle des Coconutwaters
am Palmenstrand. In der Ferne sahen wir die Sonne hinter Bora Bora versinken
und wussten das wir bereit waren für die schönste Insel des
Pazifik.
Bora Bora oder Was kriegt
man für 3000 Dollar die Nacht?
Das Blau der Lagune von Bora
Bora ist berühmt und keine Frage, blauer geht es wohl nicht. Wir
ankerten hinter dem Motu Toopua in knappen 2 Metern Tiefe (wie schön
einen Katamaran zu haben!) und stiegen von der Badeleiter in einen Swimmingpool.
Türkises schwimmbadblau, aber ohne Chlorgeruch, nur etwas salzig.
Mit dem Dinghy ging's zum Riff und dort im bauchtiefen Wasser standen
wir und mussten aufpassen, nicht auf Stachelrochen zu steigen, so umschwirrten
sie uns. Unter Wasser wirken diese eleganten Tiere wie seltsame Vögel,
mit ihren Augen blicken sie einen abschätzend an. Am Rückweg
zum Schiff sehen wir ein Tauchboot mit Resortgästen, 30 Leute stehen
im Wasser und blicken per Schnorchel nach unten. Mehr als verschiedene
Beinpaare können sie wohl nicht sehen! Im Pass Teavanui, dem einzigen
Durchbruch des Riffes, tauchten wir und sahen Haie, bunte Korallenfische
und riesige Igelfische, die uns mit Glupschaugen anglotzen und offensichtlich
gerne gefüttert werden wollen. Dann kamen wieder die Tauchboote und
wir mussten die Mooringboje räumen. Man merkt hier lebt der Tourismus.
Bora Bora hat im Umfang keine 32 km, aber dafür sind Küste und
Motus mit insgesamt 15 Resorts
bestückt. Von weiten sehen die kleinen grasgedeckten Pfahlbautenhüttchen
herzig aus. Im türkisen Wasser stehen sie und die Hauptgebäude
mit Restaurants, Bars und Shops sind geschmackvoll versteckt.
Irgendjemand erzählte mir, eine Nacht im Hüttchen kostet zwischen
1000 und 3000 Dollar. Ich überlegte mir, was man für 3000 Dollar
kriegen kann. Ein Hüttchen mit Aircondition, einen weißen kuscheligen
Bademantel, jeden Tag frische Handtücher, Zimmerservice, hoffentlich
ist da noch Essen und Trinken dabei! Wer hier Urlaub macht, dem ist der
Preis egal, meint mein Captain.
Einmal schlichen wir uns per Hintereingang oder besser per Hinterstrand
in das Bora Bora Nui Resort und Spa. Alles wie im Film oder in der Seifenoperserie
oder im Hochglanzmagazin, fehlte nur der eine oder andere Star. Alles
ist unglaublich schön und gepflegt.
Der Hinterstrand, an dem wir landeten, hatte dunkelgrauen Sand und die
toten Kokoskrabben verbreiteten Verwesungsdüfte. Hier, keine 100
Meter entfernt, perlweißer Sand, keine tote Krabbe, überhaupt
kein Getier, nur dicke, fette Goldfische in den künstlichen Seerosenteichen.
Ein wunderschöner Swimmingpool. Ohne sichtbaren Rand scheint er mitten
ins Meer zu fließen. Türkisblau mit leichtem Chlorduft. Man
grüsste uns freundlich, als wir im großzügig mit Holzschnitzereien
verziertem Restaurant standen, einem von mehreren natürlich. Die
Bar blankpoliert, der Barkeeper ebenfalls. Schön beleuchtete Billardtische
aus Mahagoni. Alles bereit für ein Spiel, oder für ein "Elle
Decoration"-Fotoshooting. Seltsam, mitten in einem "Traumhotels
der Südsee"-Buch zu stehen.
Wir wandelten durch die schönen Gärten zurück zu unserem
Hinterstrand, stiegen zwischen Miniseegurken in unser Dinghy und ruderten
zu unserem Schiff, das im Türkis schwamm und Wärme, Geborgenheit
und Ruhe ausstrahlte. 3000 Dollar. Für glänzende Sauberkeit,
künstliche Perfektion, Südseeträume eines Fimproduzenten.
"Otemanu" wachte über uns, als die Sonne im Meer versank.
Der Meeresvogel, letzte Zinne eines gewaltigen Vulkans, Bora Boras Wahrzeichen.
Die Natur hier im Blau ist überwältigend, das Wasser am Morgen
wie Glas.
Nur die Shuttleschiffe mit den Resortgästen brachten alles zum Wanken.
Nicht nur unser Schiff, auch diese Insel, die mit Vaitape, den weitaus
hässlichsten Hauptort Französisch Polynesiens hat. Dessen Straßen
von verwahrlosten Gärten gesäumt sind, weil die Einheimischen
nach den Gartenerarbeiten in den Resorts wohl scheinbar keine Muße
finden, den eigenen Garten zu pflegen. Die Verkäufer in den Geschäften
wirken genervt. Ein japanisches Pärchen will seine schwarzen Perlen
röntgen lassen, um die Qualität zu sichern. Überall kriegt
man hier die berühmten schwarzen Perlen, in allen Variationen, auf/unter/in
Muscheln, an Lederbändern, Silberbroschen, Goldkettchen.
Deprimiert gingen wir durch die staubigen Straßen, vorbei am riesigen
Public Parking Platz.
Schicke Geländewagen statt Palmen. Dreck liegt in den Kanälen
an den Straßenrändern. Sogar ein toter Aal. Doch wieder retteten
die Menschen hier unsere Laune.
Per Autostop sahen wir uns die Insel an, plauderten mit Stubenmädchen,
Köchinnen, Installateuren, Tischlern, Tourguides. Freundliche Menschen,
die nicht zu wanken schienen.
Bora Bora , die schönste Insel des Pazifiks - vom Segelboot aus betrachtet
sicher!
Fotos
|
| 22.07.2007,
Südsee |
Hilfe
die Ehrnhofers kommen!
Da standen wir also im Morgengrauen
am Flughafen in Papeete, Blumen in der Hand, Aufregung im Herzen. Karin,
Mario, Jannis und Nella sollten gerade gelandet sein. Komisch nur, dass
eigentlich keine Fluggäste mehr aus dem Terminal strömen. Naja
mit Kind und Kegel dauert es halt seine Zeit, beruhigen wir unsere Nerven.
35 Stunden Flug. Mit einjährigem und vierjähriger. 3-stündige
Anfahrt zum Urlaub am Bauernhof in der Steiermark würde andere Eltern
wohl schon an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen. Endlich errät
der Zollbeamte, warum ich ihn so nervös fixiere und lässt mich
durch die Milchglasschiebetür huschen. 2 Jahre hatten wir uns nicht
gesehen, fast täglich geschrieben, Fotos gesendet und dennoch auf
diesen Anblick war ich nicht vorbereitet.
Baggage claim. Sch
Eine schlanke Blondine knallt gerade zornig ihre
Baggage Zettelchen einer Südseedame auf den für verlorene Gepäckstücke
gewappneten Schreibtisch. Karin!
Hinter ihr der erschöpfte Gatte mit rothaarigem Wonneproppen am Arm.
Mario und Jannis!
Ein blondes in rosa gehülltes Engelchen/Bengelchen stellt sich mir
in den Weg und tönt weinviertlerisch: "Bist du die Alex"
- Nella! Im ganzen Durcheinandner umarmen wir uns, ich packe es nicht,
dass sie alle wirklich da sind, sie packen es nicht dass die große
blaue Tasche mit allen Kindersachen und Geschenken offensichtlich noch
in New York ist.
Karins erste Worte nach 2 jähriger Trennung werden wohl in die Annalen
unserer Freundschaft eingehen "Die Kuh ist weg" Wenige Stunden
später liegt Karin gut gebettet fast in den Armen eines feschen Südseedoktors
im örtlichen Krankenhaus und lässt sich Traubenzucker verabreichen.
Auch eine Art, Land und Leute kennen zu lernen! So gut die Kinder den
ganzen Flug und die Aufregung gemeistert hatten, so schlecht ging es der
Mama. Schlafentzug, nix gegessen, verlorene Tasche, einfach alles nicht
so gelaufen wie gewünscht! Kreislauf ade! Tja - das ist das Leben
- eben auch in der schönen Südsee!
Nach einigen Tagen ist Ruhe auf der Risho eingekehrt - naja Ruhe ist vielleicht
übertrieben, aber Karins Augen sprühen wieder wie üblich,
und es ist so, als wären wir nie getrennt gewesen.
Die Tasche taucht nach 2 Tagen wieder auf, nur die Kuh bleibt verschwunden
- ach ja, das war Jannis' Schmuse-Einschlaf-Tuch, jetzt wohl irgendwo
in der kinderreichen Verwandtschaft der Putzfrauen von Tahiti Air gut
aufgehoben. Jannis schläft trotzdem gut, auch wenn der Ankerplatz
von "spiegelglatt" zu "äußerst wackelig"
geworden ist. Marammu - der Südwind ist auf Besuch. Pech für
unsere Ehrnhofers. Eine Woche sitzen wir im quirligen Tahiti fest. Zuviel
Wind und Welle für einen sanften Kindertörn.
Nella wundert sich, warum es in der Südsee nicht so aussieht wie
im Reiseführer. Sicher Tahiti ist schön, aber eben nicht der
typische Südseetraum mit Motus und Palmenhain. Wir machen das beste
daraus, fahren um die Insel, sogar in luftige Höhen - ein bisserl
wie in der Ramsau - meint Mario als eine Regenböe sich im waldigen
Hochland entlädt. Dennoch, ab und zu lassen sich unsere Gäste
schon verzaubern, als Trommelwirbel uns auf eine Wiese lockt und 40 Insulaner
dort Südseetänze proben. Oder als Seerosen auf einem kleinen
Fluss am Ozean die umliegende Landschaft märchenhaft werden lassen.
Endlich schaffen wir es nach Moorea, wo es einen Tag wie aus Kübeln
schüttet.
Fahrtensegler nehmen dergleichen gelassen hin, sammeln Regenwasser und
verziehen sich zum gemütlichen Abhängen in die Koje. Südseeurlauber
Karin und Mario blicken enttäuscht zum Himmel. Nella hat sich schon
gut eingewöhnt, freut sich über die randvollen Wasserkübeln
zum Pritscheln. Jannis kräht fröhlich vor sich hin und hält
die Oldies auf Trab, indem er begeistert über das nasse Deck krabbelt.
Abends, wenn die Bande schläft, hocken wir bei einem Fläschen
Rotwein und reden, reden, reden. Vertraut und nah. Gut, das es so ist
wie immer.
Einige Tage später sind wir endlich in Huhaine. Fast 6 Jahre zuvor
war es das unerreichte Urlaubstraumziel von Karin und Mario. Jetzt sind
sie endlich da. Mario sucht in den Hügeln der grünen Insel nach
den angeblichen Umrissen der "Lüsternen Frau" während
er Jannis füttert, Karin hilft Nella in den Rüschenbikini, bevor
sie sich in die türkisen Fluten stürzt und ihrem persönlichen
Traumstrand entgegenschwimmt. Und dann irgendwo auf Huhaine, Blick auf
die blaue Lagune, Palmen und Inselchen, irgendwo plötzlich passiert
es. Mario springt mit Einheimischen von einer Brücke. Nein, nein
kein verzagter Jungvater, sondern ein Abenteurer, der von der einzigen
Verbindung zwischen Huahine nui und Huaine iti freiwillig und mutig in
die korallenbestückte Tiefe stürzt.
Karin lässt Kinder Kinder sein und gönnt sich am Strand liegend
eine Pina Colada an einem normalen Dienstag Nachmittag. Mit roter Blume
im Haar.
Endlich angekommen in der Südsee!
Die Tage verfliegen, schon sind wir in Tahaa, umrunden die Vanilleinsel
und endlich kommen wir zum Traummotu, schlürfen aus Kokosnüssen,
suchen Kokoskrabben, sehen die Sonne neben dem fernen Bora Bora untergehen.
Nella und Finn, Sand bis hinter die Ohren, reden darüber, wer in
wen noch verliebt ist und ob Heirat noch in Frage steht. Jannis steht
erstmals allein an Deck der sanft schaukelnden Risho und lässt für
Brotfrucht in Kokosmilch jedes Kindergläschen links außen.
Mario kann noch immer nicht glauben, wie schwer Kokosnüsse aufgehen
und Karin lässt jede Pina Colada stehen für frische Kokosmilch
mit einem Schuss Kokosrum, per Strohalm aus der grünen Kokosnuss
geschlürft.
Dass es am nächsten Tag mal wieder schüttet, ist jedem ziemlich
egal. Wo Regenwald da Regen, bemerkt Karin entspannt und legt mit Jannis
ein After Breakfast Schläfchen ein. Und Mario sieht die Reise nicht
mehr als Urlaub, sondern als Miterleben eines Teils einer Weltumsegelung.
Wir liegen in unseren Kojen. Es ist früher Morgen, Jannis kriegt
Flaschchen, Nella plappert, Finn schlüpft rasch an Deck. Sie werden
uns fehlen - die vier. Aber wir wissen, diese Freundschaft ist für
immer, durch dick und dünn, durch Regen und Sonnenschein, Sturm und
Flaute, egal ob in der Südsee oder in Seebarn bei Korneuburg. Danke
dass ihr da wart!
Fotos
|
| 24.06.2007,
Matariva, Toau Atoll |
Leben
im Atoll
Wir sitzen in der kleinen Kirche
und Valentine spricht über Gott. "Can you find paradise on earth?"
Die Frage richtet sich an uns. 10 ratlose Segleraugenpaare blicken sie
an. Ratlos, weil jedem auf der Zunge liegt "Natürlich, genau
hier, auf eurer kleinen Insel Matariva im Atoll Toau - aber alle wissen
wir, das ist nicht, was Valentine hören will und was man in einer
kleinen Kirche vor einigen gläubigen Einheimischen verlautbart.
Glücklicherweise antwortete Valentines Stiefvater etwas verärgert:
"Certainement non! Au ciel, avec Dieu" Ungläubiges Seglerpack!
Valentine lacht. Sie kann nichts erschüttern. Valentine - kurz Valo
- ist ein Schatz. Sie hat uns auf ihrer kleinen Insel aufgenommen wie
alte Freunde, an den wogenden Busen gedrückt, uns eingebunden in
die Familien, in die Arbeit, in ihr Leben.
Und heute ist eben Sonntag und da wird gebetet und man freut sich, wenn
die Segler, die an den Moorings in der schönen Bucht liegen, mitmachen.
Gaston, Valos Ehemann, sitzt in der Kirche nahe der Tür und lächelt
seine enthusiastische Ehefrau liebevoll an. Vor 15 Jahren kam er zum Fischen
hierher, aus Papeete, mit Valos Bruder und blieb. Er liebt das Leben hier.
Er taucht 15 Meter ohne Probleme und wird unter Wasser mit seiner Harpune
zum Fisch. Einmal beobachteten wir eines seiner Jagdmanöver - in
mindestens 10 Metern Tiefe, legte er sich flach auf den Meeresboden und
schlich sich an einen Papageienfisch an. Der Fisch merkte sein Unglück
erst als der Harpunenpfeil in ihm steckte. Alles nur mit Taucherbrille.
Oder wenn es Lobster gibt im Restaurant, macht Gaston Nachtschicht. Dann
läuft er barfuß über das Riff und fängt die überraschten
Lobster, die sich im Mondlicht aus dem Wasser wagen mit der bloßen
Hand und wirft sie ins Boot, das sein Neffe Moana neben dem Riff fährt.
Einmal fiel ihm beim Fällen einer Kokosnusspalme, der halbe Baum
auf den kleinen Zeh. Der Zeh war unrettbar zerquetscht, zufällig
war ein Segelboot mit Arzt da, amputierte den Zeh und hatte große
Mühe, die Wunde zu vernähen - denn zäh wie Leder war die
Haut an Gastons Füßen!
Ich lese heute aus der englischen Bibel. Hat die eigentlich ein Inhaltsverzeichnis?
Ich finde weder Matthäus noch Johannes und Valo lacht sich beinahe
schief! " First time Alex? Hm?"
Violette, Valos Mutter, sitzt still und in sich gekehrt. Ihr ganzes Leben
hat sie hier verbracht auf diesem Atoll. Ihr erster Mann starb früh,
konnte sehr tief tauchen. Doch viele, die das können, sterben jung.
Violette ist krank, Krebs, aber sie will nicht mehr nach Papeete ins Krankenhaus.
Da stirbt sie gleich, sie will hier sein, in ihrem Zuhause, in der Lagune
mit den glitzernden Blautönen, mit dem Duft der Hibiskus- und Tiare
Blüten ihres Gartens und ihrer Arbeit nachgehen. Kokosnussmilch aus
den Kokosraspeln pressen. Jetzt betet Violette, sagt Valo. Alles ist still
und lauscht dem Gemurmel der Mutter. Ein berührender Augenblick.
Ich blicke aus der offenen Kirchentür - draußen Palmen und
türkises Wasser, Risho Maru liegt ruhig an der Mooringboje.
Wieder einmal sage ich mir, dass man mutig sein muss um weiter zu kommen,
um Neues zu sehen und zu lernen. Dann kommt man zum Beispiel hierher,
wird belohnt mit Eindrücken, die einen nie verlassen werden und Menschen,
die sich einem tief ins Herz eingraben. Valo nimmt mich nach der Kirche
zur Seite
"Alex, could you help me today, I have 4 boats for the Restaurant,
10 people. You can eat tonight with the family!" Da bin ich sofort
dabei. Ich bin verantwortlich für den Tischschmuck, was heißt,
duftige Hibiskus- und Tiare Blüten zu sammeln.
Der große Gemeinschaftstisch wird dekoriert, gedeckt mit schönem
Porzellan, in den Weingläsern stecken weiße Servietten und
auf jedem Teller liegt eine duftende Tiareblüte. Das Restaurant ist
klein. Besteht nur aus einer heimeligen Küche mit 3 Fenstern, die
in den Garten blicken, und einer Tür auf die hölzerne überdachte
Veranda. Die Seitenwände sind traditionell aus geflochtenen Palmmatten
errichtet. Die Veranda ragt ins Wasser - auf Pfählen - man blickt
auf 3 bunte Korallenstöcke, gut besucht von gelben, blauen und gestreiften
Korallenfischen.
"Napoleon ist da!" ruft Finn. Alle laufen zum Steg des Restaurants.
Valo hat einige Fischabfälle mit. Napoleon, der Fisch, sieht aus
wie aus einem Zeichentrickfilm. Ein Meter lang, dick, schillernd grün
mit ausgebeultem Kopf, ahnlich dem Hut seines Namensvetters. Er kommt
täglich um sich leicht verdientes Futter abzuholen! Apropos, auch
Peter verdient sich sein Futter - weniger leicht aber doch. Er repariert
den altertümlichen Generator der Großmutter. Sie hat seit einigen
Tagen keinen Strom mehr. Finn ist mit den beiden Hunden Balu und Nicki
(nach Seglern benannt!) unterwegs zu den Regenwassertanks um Wasserflaschen
anzufüllen. Mit einer Schubkarre bringt er sie dann zum Küchenfenster,
wo Valo ihm seine wichtige Fracht abnimmt und im Kühlschrank einkühlt.
Eisgekühltes Regenwasser! Schon mal probiert?
Überhaupt gibt es auch hier wieder einiges Neues zu probieren. Zum
Beispiel die Kava Frucht. Großer Baum, viele Blätter, kleine
Früchte, die wie Lychees schmecken und geschält werden wie ein
Ei.
Oder Beading, der Trend in New York, Cartagena, Panama und Tuao! Keine
neue Yogatechnik! Man nehme alles, woraus man eine Kette basteln kann:
Minimuscheln, Schneckenhäuser, Glassteinchen, Pflanzensamen und -
in unserem Fall hier - Haiknochen und schwarze Perlen.
Stundenlang sitzen wir gemeinsam mit anderen Seglern auf der Veranda und
basteln. Blick auf die Traumlagune. Kaffeetasse in Griffnähe. Valo
hat alles, was man braucht, sogar einen kleinen Bohrer zum Durchbohren
der schwarzen Perlen, die sie selber züchtet.
Übrigens Auster möchte ich keine sein. Zumindest nicht auf einer
Perlenfarm. Valo zeigt uns eines Tages wie das funktioniert. Die Auster
wir mit 2 Jahren aus dem Wasser geholt, wo sie an Plastikgirlanden heranwächst
- was ja noch ganz gemütlich ist.
Dann wird sie mit einer Spezialzange aufgestemmt, ein Keil zwischen ihre
Schalen gesteckt und mit der Präzision eines Nervenchirurgen pflanzt
ihr Valo einen Nucleus - eine kleine, aus Muschel geschnitzte, Kugel -
ein. Eine von 10 stirbt dabei wegen irgendeiner Infektion, erzählt
mir Vivi, eine mitleidige schwedische Seglerin. Nach weiteren 2 Jahren
wird sie wieder aufgestemmt und die Perle wird geerntet. Der Nucleus ist
nun von einer dunkelschillernden Perlenschicht umschlossen. Farbtöne
von Schwarz, Grau, Aubergine oder Grün.
Sicher schön, aber lieber sind mir dennoch die Gaischis - die natürlichen
Perlen - die ohne Nucleus entstehen und ganz und gar nicht perfekt sind.
Eher aussehen wie ein bereits gekauter Kaugummi, natürlich ein ganz
kleiner und aus Perlmutt.
Austern. Wird schon einen Grund haben, warum es heißt "...
verschlossen wie eine Auster
"
Die ersten Gäste kommen. Peter schneidet aus dem Thunfisch Sashimi.
Gaston grillt Lobster über dem Feuer, ich wälze Papageienfischfilets
in Kokosette und backe sie heraus. Valo plaudert fröhlich mit den
etwas steifen Amerikanern, die Engländer nippen vergnügt an
ihrem Rum mit Kokosmilch und Limette. Der französische Einhand-Segler
Eduard , sonst verschwiegen wie ein Grab, kommt richtig in Fahrt bei der
Vorspeise: poisson cru - roher Fisch mit Zwiebel und Limette in Kokosmilch.
Wer Kokos nicht mag, ist hier verloren.
Schließlich sitzen alle zu Tisch, Gäste und Familie (zu der
wir heute zählen) und genießen butterweiche Sashimi, Thunfischsteak,
Coconutbrot und zuletzt die Salzburger Nockerl der Pazifik: ein traumhafter
Coconut Pie.
Arbeit gibt es genug auf einem Atoll, wie sich herausstellt. Am Tag nach
unserem opulenten Mahl stehen wir am klapprigen Holzsteg bereit. Gaston
nimmt uns mit zum Kopra machen auf ein Motu. Wir glühen zu Finns
Freud per 150 PS Outborder über die flache Lagune, gefährlich
knapp an Korallenköpfen und Riffen vorüber.
Unser Arbeitsplatz: Das kleine Trauminselchen Paquai (übersetzt:
Allein) mitten in der türkisen Lagune mit schmucken Kokospalmwäldchen
und langgestreckter Sandbank.
Peter tropft der Schweiß in die Augen, neben ihm ein Haufen Kokosnüsse,
bereits aufgebrochen. Er nimmt eine nach der anderen und schabt sie mit
einem speziellen Eisenhacken aus. Finn sammelt die Kokosnussstücke
ein und legt sie auf Matten aus geflochtenen Palmblättern in die
Sonne zum trocknen. Ich hocke im Sand und flechte die besagten Palmmatten.
Zuerst rechts, alle zwei nach oben, dann nach unten, dann eine drüber,
eine auslassen, oder doch zwei?
Ilse, ihres Zeichens Vorarlbergerin und Seglerin, kauert neben mir und
flucht: "Verdammt, da hab ich ganz unten einen Fehler gemacht."
Na wenigstens ist sie schon ganz oben, ich hab noch nicht mal richtig
angefangen!
5 große Säcke Kopra sind die Ausbeute des Tages. Früh
am nächsten Morgen liegt ein Arbeitsschiff in der Bucht, Kopra und
Fisch werden abgeholt.
Fisch landet im Carrefour, einem französischen Riesensupermarkt in
Papeete, aus dem Kopra wird Öl und Seife gemacht. "For the Resorts
in Bora Bora, but I dont like the smell" meint Valo. Ein Deodorant
von Nivea als kleines Mitbringsel von Yachties hingegen findet sie herrlich!
Und so vergehen die Tage und wir wachsen mit unseren Aufgaben.
Mein erstes Coconut Brot wird sehr gelobt. Auch das poisson cru machen
überlässt mit Valo bereitwillig. Finn angelt seinen ersten Fisch
selber mit eigenhändig zugeschnittenen Ködern.
Gaston lobt Peters harpunierten Papageienfisch, auch wenn es ihn gleichzeitig
vor Lachen schüttelt, weil Peter dem Fisch die Harpune genau durch
die Augen geschossen hat und diese ungläubig dreinblickend rechts
und links herunterbaumeln.
Ilse bastelt die schönsten Armbänder, aber alle Seglerinnen
tragen meine erste und einzige Schmuck-Kreation, ein Lederbändchen
mit einer einzelnen schwarzen Perle. Gaston betrachtet ungläubig
einen österreichischen Bildkalender: Mariazell im Winter. Ich blicke
auf die rotglühende Lagune. Matariva bei Sonnenuntergang. Jedem sein
Paradies!
Fotos
|
| 29.05.2007,
Ua Pou, Marquesas |
Die
zauberhaften Marquesas - Mythos, Alm und Menschenfresser
Hiva Oa, Nuku Hiva, Ua Pou
- diese Namen! Natürlich passen sie zu den heiligen Stätten,
die mitten im Dschungel liegen, überwuchert, aus schwarzem Lavastein
gebaut, riesige Bühnen oder Altäre. Dazwischen die steinernen
Tikis, die einen ernst aus riesengroßen Glupschaugen betrachten.
Alles dampft vor Feuchtigkeit, wächst, windet sich über runde
Steine und seltsame Bauten. Überall Blüten in pink, weiß,
gelb, so über diesen seltsamen, mystischen Ort verteilt, als würde
jemand die Aufgabe übernommen haben, diesen Ort für einige kitschige
Werbe-Tourismusaufnahmen auszustatten. Platsch! Erschrocken drehen wir
uns nach allen Seiten. Finn endeckt die kindskopfgroße Brotfrucht
auf der Erde vor einem seltsamen Tiki-Stein-Fisch oder -Hund gelandet.
Sie blutet - die Frucht - weiß, milchig.
Opfergabe, schießt es mir durch den Kopf - noch besser: Menschenopfer
- diese Marquesians waren doch Menschenfresser, oder? Ansich ein friedliches
Volk, aber ab und zu wurden die Götter verwöhnt und da musste
dann jemand aus dem Nachbarland herhalten oder ein besiegter Feind, dessen
beste Teile (fragt mich nicht welche...) speziell mariniert genossen wurden.
Apropos, Brotfrucht in Kokosmilch gekocht, eine echte Spezialität
- also rein in das Plastiksackerl, die Götter mögen den Raub
verzeihen! Weiter tuckern wir mit unserem Pick up Truck, rund um die Insel
Nuku Hiva. 4 Segelboote in einem Auto. Besser gesagt die Crews - Peter,
ich und Finn sitzen mit der Besatzung der "Vera" im Freien hinten
auf der Ladefläche.
Hatte ich vergessen zu erwähnen, dass es beim Besuch der heiligen
Tikistätte schüttete? Das war gut so - wir waren zwar waschelnass,
aber dafür verschont von den Gelsen - erst DIE würden das Regenwald-Haus
in Wien so richtig authentisch machen! Natürlich ist in der Südsee
nicht alles so wie im Werbeprospekt oder Südseekalender. Die Bilder
stimmen, aber das Drumherum - unmöglich es einzufangen. Allein der
Geruch dieser Inseln, Kokos, zerplatzte, gärende Mangos auf weichem
Dschungelboden, wieder Kokos oder Kopra (getrocknetes Kokos) oder Kokosöl?
Ich weiss nicht, überall hängt dieser einzigartige Geruch in
der Luft, egal ob hier mitten im Gehenk oder bei der Kirchenfeier am Sonntag.
Oder der Duft der Tiare Blüte, sie gleicht einem weißen Stern
und ist das Symbol für die Südsee.
Blüten werden hier hinterm Ohr getragen. Egal ob im Supermarkt, Büro,
Auto, am Dienstag, oder Samstag oder Donnerstag. Man trägt Blume
- ja natürlich auch Mann! Und Finn bringt mir beim allmorgendlichen
Landgang gleich meine Blüte!
Auch heute trage ich, passend zur roten Regenjacke, eine rote Hibiskusblüte
im Haar.
Frag mich nur, warum sie mich so kitzelt - rahhh... Ameisenalarm!
Ja als Südseeanfänger hat man viel zu lernen! Zum Beispiel dass
"chemin" Weg heißt und nicht Straße und deswegen
der Pick Up gerade steckengeblieben ist.
Aber hier fährt alles mit 4 Wheel drive - also kein Problem! Bei
20 km/h hat man viel Zeit zum Betrachten der Landschaft und schon trommeln
wir wie besessen auf das Dach des Wagens - stehen bleiben - Mangos! Am
Straßenrand hängt ein dicker Zweig Mangos direkt auf die Ladefläche,
Ernten ist angesagt. Gleich daneben gibt es Papayas, leider keine Pampelmusen
- die kriegen wir aber später auf einer Pampelmusen Farm, mit einer
Staude Bananen. Der dicke Franzose Luc, dem dies alles gehört, trocknet
Bananen im Ganzen und wickelt sie dann in Palmblätter. Das köstliche
Päckchen wäre sicher in jedem österreichischen Reformhaus
der Renner! Weiter rumpeln wir bergauf die kurvige Straße entlang,
immer wieder blicken wir in tiefe Täler, dahinter der blaue Pazifik.
Trommeln! Im Gebüsch am Straßenrand haben wir Chilischoten
entdeckt (also man kann sich unser Fahrtempo ca. ausmalen... ) und darüber
ein Carambolen Baum mit reifen Früchten. Ja es sind die Sternfrüchte,
die es einzeln verpackt sonst nur beim Billa gibt. Hier hängen ca.
30, wir pflücken und beißen rein. Säuerlich, süß,
ein bisserl Stachelbeere. Wahnsinn! Und nicht nur Verzierung einer Nachspeise
, sondern Nachspeise selbst!
Der "chemin" biegt wieder in eine Straße ein und wir sind
plötzlich von dichten Nadelwäldern umgeben. Zedern? Föhren?
Irgendeine Mischung, entstanden in den unglaublichen Klimazonen dieser
Insel. Auf 1200 Meter - Nebel! Es ist saukalt - für unsere Begriffe
(20Grad?). Mama, wir fahren durch eine Wolke! Für Finn ist die Sensation
dieser Inseln eindeutig das Pick up Truck fahren. Oder welcher Siebenjährige
würde nicht gerne auf einer Autoladefläche stehend durch die
Berge fahren? Und wieder geht's bergab! Wir blicken auf ein Tal, das sofort
auch eine Hochalm sein könnte! Nadelwälder, dazwischen grüne
Wiesen mit Bächen und sogar Kühe und Pferde grasen hier und
dort. Verrückt!
Noch fröstelt mich, doch 10 Minuten später rinnt mir der Schweiß
über den Rücken. Neue Klimazone! Hier gibt es wieder Bananen
und sogar Avocadobäume.
Wir biegen wieder in einen chemin und besuchen ein kleines Dorf, da es
dort angeblich eine 5 Meter hohe Tiki Figur anzusehen gibt. Die Einheimischen
haben sich im Gemeinschaftshaus versammelt. Man zeigt uns freundlich den
Weg und meint so an die 15 Minuten Gehzeit. Die Tikis finden wir nicht
, aber wir lernen Julie kennen. Sie erklärt uns, sie wäre noch
nie bei den Tikis gewesen, irgendwelche Alten wussten mal den Weg, aber
die Tikis hätte schon lange keiner mehr besucht.
Sie zeigt uns dafür eine der örtlichen Wasserpippen, schmeckt
wie Hochquellwasser, ist wohl auch sowas ähnliches.
Und so rumpelt der Seglertransporter (ca 10 Personen pro Wagen hier ziemlich
illegal legal) weiter, wieder richtung AusgangshafenTaiohae Bay, eine
große Bucht im Süden von Nuku Hiva.
Müde plumpsen wir mit unseren Früchten ins Dinghy. Morgen heißt
es früh aufstehen zum Baguette holen! Der Bäcker hat nur von
5-8 Uhr Früh geöffnet und um 7 Uhr sind meistens die Schokocroissants
ausverkauft.
Und so schaukelt die Risho uns gegen 21 Uhr (Sailor's Midnight!) in den
Schlaf.
Mama?
Ja Finn,
Gibt es jetzt noch Menschenfresser?
Nein!
Sicher nicht?
Sicher nicht,Schatzi!
Mama, wie schmeckt ein Feind?
Aus! Jetzt wird geschlafen.
Gute Nacht,Papa
Gute Nacht Finn !
Gute Nacht Mama!
Gute Nacht Finn Boy!
Ein Tag auf der Risho Maru
- auf mehrfachen Wunsch zahlreicher Fans!
Na gut, Leute, ihr wollt also
den Alltag auf der Risho Maru kennenlernen? Unser tägliches Leben?
Das, was wir so den ganzen Tag machen?
Ich muss euch enttäuschen. Alltag gibt es nicht.
Haaaalt! Der Captain meldet sich zu Wort "Wie wäre es mit einem
Tag der Pazifiküberquerung. Auf diesen langen Strecken haben wir
so etwas änliches wie Alltag, oder?"
"Alle Tage haben wir Schule! Ist das auch Alltag?" kräht
Finn aus seiner Koje.
OK. Na gut.
Ein Tag auf der Risho Maru
auf dem Pazifik.
7:00 Ich liege komatös
in meiner Koje. Um 5 Uhr hab ich mich niedergelegt nach meiner Nachtwache.
Finn ist das wurscht, er ist jetzt munter und hat Hunger.
Ich krieche aus der Koje und schaue an Deck , ob mein Göttergatte
wohlauf ist. Ich sehe auf seiner Brust bewegen sich die Eieruhren rhythmisch
zu seinen tiefen Atemzügen. Noch eine Minute und Rriiiiiiiing! Guten
Morgen, mein Süßer!
Grumel Peter erhebt sich schlaftrunken, 15 Minuten Schlaf, blickt in die
Runde und begibt sich zur ersten Tätigkeit des neuen Tages - nicht
was ihr denkt - er wirft die Angeln aus. Morgenzeit ist Fischer's Zeit,
oder?
7:30 Frühstück. Wie
alle eifrigen Risho Maru Fans wissen, gibt es Eierspeise. Nein, heute
sogar Spiegelei. Dazu selbstgebackenes Brot, Marmelade, Tee. Nach diesem
unglaublichen Kraftaufwand hänge ich erschöpft im Cockpit. Peter
ist auf den Beinen und hängt unser Ölzeug in die Morgensonne,
auch die Kuscheldecke und die feuchten Sitzpölster. Finn und ich
machen die Küche wieder klar, putzen Zähne, machen uns hübsch
für den neuen Tag auf See (viel Sonnencreme! leichte Bekleidung,
Sonnenbrille)
8:30 Ich knete Brotteig und
stelle ihn zum "Gehen" an ein windgeschütztes Platzerl
in der Sonne. Dann gehe ich die Früchte durch. "Wie geht es
den Orangen?" Nicht gerade alltäglich diese Frage - naja vielleicht
nicht in Österreich, aber am Schiff doch. Für unsere Pazifiküberquerung
haben wir unter anderem einen großen Sack Orangen mitgenommen. Die
gehören kontrolliert - welche sind reif, matschig, faul
ebenso
werden zumindest alle 2-3 Tage Kartoffel, Tomaten, Gurken, Zwiebel kontrolliert.
Gegessen wird, was weg muss. Kürbis hält am längsten, davon
essen wir noch auf Nuku Hiva!
9:30 Peter ist an der Funke,
ich höre mit. Wir haben mit befreundeten Schiffen, die auf der gleichen
Route segeln, eine Funkrunde bzw ein Sicherheitsnetz organisiert. Positionen
werden durchgegeben, Wetternews, wie die Nacht war, ob alles in Ordnung
ist, ein Fisch an der Angel, ob ihr auch die Thunfisch Fischerboote gesehen
habt?
10:00 Peter geht schlafen.
Finn und ich machen Schule "light". Das, was ich hier schreibe,
klingt ja alles ganz gemütlich, wäre man damit in seiner Wohnung
in Wien oder sonstwo. Das spielt es aber nicht. Wir sind auf einem Schiff
und es wackelt und spritzt. Außerdem schlafen wir im Durchschnitt
nur an die 4 Stunden pro Tag - den Rest döst man vor sich hin. Nach
einigen Tagen ist alles, was man macht, gleichzusetzen mit einer erschöpfenden
Gleichgewichtsaufgabe. Versucht mal zwei Stunden nur auf einem Bein durch
eure Wohnung zu hüpfen, nach einer durchgemachten Nacht, und alles
Alltägliche zu erledigen.
Also Schule "light" .Schönschreiben lasse ich ausfallen!
Rechnen geht gut, Finn schreibt die Zahlen unmerklich verwackelt. Dann
wird viel gelesen und es werden Sachkundebücher angesehen. Manchmal
bin ich sehr müde. Einmal bat ich Finn, mir die Geschichte vom Osterhasen
aus seiner Lese Fibel 1. Klasse vorzulesen. Als ich aufwachte las er mir
gerade Donald Duck auf Hoher See vor.
Finn ist cool. Das muss ich wirklich sagen. Er nimmt diese 19 Tage hin,
wie sie sind. Genießt die vielen Geschichten, die wir ihm erzählen
und die zahllosen Spiele, die wir mit ihm spielen. Baut den Panamakanal
aus Lego und lässt die Playmobilmänner Marinas errichten. Einmal
am Tag gibt es Austoben für ihn - so gut das eben geht! Er ist diszipliniert,
geht nicht an die Reling, und lässt sich einen Kübel Seewasser
über den Kopf schütten.
Bin ja neugierig, was er uns als 18-jähriger für Neurosen vorhalten
wird!
12:00 Mittagessen.
Es gibt frisches Brot und Salat oder Pastete aus der Dose oder Eiaufstrich
oder Thunfischmayonnaise. Nach dem Mittagessen fallen mir die Augen zu.
Finn geht Lego spielen, Peter macht seinen täglichen Schiffinspektionsrundgang
- alles passt. Da und dort wir poliert, entrostet, geschraubt, kontrolliert.
13:30 Ich döse, weil richtig
schlafen tagsüber können weder Peter noch ich. Ich lausche dem
Gemurmel von Finn und Peter. Sie haben ihren Spielenachmittag eröffnet.
Uno, Pokern, Cartagena und Schach.
Ich wandle in die Küche und backe einen schnellen Kuchen. Es tut
der Crew gut, wenn es nach Zimt und Schoko duftete und zum Nachmittagstee
warme
Tarte au chocolat gibt.
15:00 Tägliche Waschung!
Für jeden 2-3 Kübel Seewasser. Danach fühle ich mich fit
und frisch.
15:30 Fisch! Angeln werden
reingeholt, nicht jeden Tag, aber doch immer öfter beißt ein
Fisch an, Dorade Thunfisch, Goldmakrele oder Wahoo. Peter filetiert inzwischen
wie ein Küchenmeister.
16:00 Es gibt die tägliche
Vorlesestunde von Frau Kammerschauspieler. Man liest: Tom Sawyers Abenteuer.
Kapitel 5, Tom und Becky in der Höhle.
17:00 Funkrunde. Positionen
werden wieder durchgegeben, der Tag besprochen, alles ok. Yannik auf der
"Yara" ist fad, seine Eltern wollen nicht öfter als 100
mal pro Tag Uno spielen, wir überlegen, in Fatu Hiva eine Uno Olympia
steigen zu lassen. Was kocht's ihr heute? Was? Die haben Steaks - es lebe
die Riesenkühltruhe!
18:00 Abendessen. Heute gibt
es die berühmten Fischfinger - panierte Fischstückchen - für
Finn die Chicken Mc Nuggets des Meeres. Dazu Reis und Limette. Gibt es
keinen Fisch, gibt es Spaghetti putanesca, Gemüselasagne, Kartoffel-Käse
Auflauf, Kürbiscremesuppe, Krautfleckerl - Essen auf See ist wichtig,
man freut sich auf die Mahlzeiten und genießt sie sehr. Peter nascht
Schokolade, ich mag lieber Cracker, Finn Keksi - auf See ist alles erlaubt!
19:00 Finn geht schlafen, Gutenachtgeschichten,
Augen fallen zu. Ein Tag auf See ist anstrengend - man muss das erleben,
um es zu glauben!
20:00 ich richte alles für
die Nacht her. Ölzeug, gemütliches Gwandl, Taschenlampen. Natürlich
ist es nicht kalt draußen, aber der ständige Wind und die Feuchtigkeit,
gemeinsam mit der Übermüdung, erhöhen das Kuschelbedürfnis
sehr!
20:30 Ich gehe schlafen. Peter
übernimmt die erste Wache, Er hört i-Pod oder spielt Gitarre,
schaut Sterne und kontrolliert alle 15 Minuten, ob Schiffe in der Nähe
sind. Die Eieruhren stehen für den 15 Minuten Schlaf bereit.
01:00 Wachwechsel. Peter fällt
in die Koje, ich mache mir einen Tee und knabber ein paar Cracker zum
Aufwachen. Die Hundswache. Von 1 Uhr bis 5 Uhr früh - von vielen
gehasst, ich mache sie gerne. Ich lese viel, werde ich müde, muss
irgendeine fetzige Nummer per i-Pod herhalten. Bin ich sehr erschöpft,
schlafe ich mit den Eieruhren am Busen! Rrinnnng alle 15 Minuten!
Wir wechseln unsere Wachen alle 3-4 Stunden ab, je nachdem, wie es uns
geht, auch mal länger. Ist man fit, lässt man den anderen schlafen.
Um 5 Uhr krabbelt Peter verschlafen aus der Koje und schickt mich ins
Bett.
7:00 Finn hat Hunger und ein
neuer Tag beginnt.
He, das klingt doch richtig
alltäglich, oder? Hab ich noch was vergessen? Natürlich gehen
wir zwischendurch aufs Klo, arbeiten an der Segelstellung, schauen auf's
Meer hinaus, sind grantig oder lustig, streiten oder blödeln, haben
Sex, putzen die Küche und polieren die Winchen. Und wundern uns,
dass die Welt garnicht mehr so riesengroß scheint. 19 Tage Segeln
und man hat den größten Ozean überquert. Die Tage vergehen
schnell auf See. Selbst die anstrengenden Nächte. Auch die nicht
so guten Tage.
Ist man angekommen, hat man diese Zeit schnell vergessen, ein bisschen
wie die Geburt eines Kindes, meint meine Segelfreundin Laura. Man hält
dieses wunderhübsche Kind im Arm, betrachtet dieses Wunder oder in
unserem Fall die überwältigende Landschaft Fatu Hivas und stürzt
sich in neue Abenteuer.
19 Tage, wäre mal interessant zu überlegen, was ich an 19 Tagen
in Wien so gemacht habe - im Alltag.
Für Auskünfte und Beschwerden wenden Sie sich bitte an www.rishomaru.com!
Fotos
|
| 06.05.2007,
Fatu Hiva, Marquesas |
Die
Herausforderung oder Mein Mann der Held
Es ist stockfinstere Nacht.
Mitten am Pazifik. Ich sitze am Steuer. Bergfest. Haha. Da feiert man
die erste geschaffte Hälfte über den großen See (1500
sm von 3000 sm im Gesamten!). Mit Champagner und so on. In unserem Falle
ist der Autopilot ausgefallen, weil die Verbindungsstange zum Ruder abgebrochen
ist. Autopilot ausgefallen? Was das heißt? Das heißt Handsteuern.
Das heißt Tag und Nacht am Steuer. Und das für eine Woche.
Abwechselnd zu zweit. Ziemlich unwitzig und diese Vorstellung löst
in mir leichte bis mittelschwere Panik aus. Ich blicke zum wolkenverhangenem,
schwarzen Himmel. Da, ein Stern blinkt mutig hervor! Bitte Stern mach,
dass Peter recht hat, wenn er sagt: morgen Nachmittag haben wir wieder
einen Autopiloten.
Und er hat recht. Mein Mann der Held. Das muss wirklich gesagt werden.
Die Anspannung ist extrem. Peter verlegt am nächsten Tag ein Kabel
neu, bastelt aus alten Autopilot Verankerungen eine Ersatzlösung.
Die nächsten drei Tage sind hart für ihn. Immer bricht etwas,
hält dem hohen Druck durch die Wellen nicht stand. Peter bleibt dran,
er tüftelt und sagt nur "Ich steuere sicher nicht 1500 sm per
Hand." Nach vier Tagen halten die Verankerungen, da gibt der Autopilot
selber den Geist auf. Ich kann's nicht glauben. Möchte jetzt lieber
in der Steiermark Eierpecken und G'selchtes essen und romantisch ins Osterfeuer
starren. Peter stellt unseren Windpiloten Franzl ein. Der hat uns schon
nach Teneriffa gesteuert. Eher nebenbei, rein aus Neugier, schraubt Peter
den Autopiloten auf. Und siehe da - nur ein Splint ist gebrochen - eine
Art Haarnadel. 5 Minuten später surrt der Pilot wieder und Franzl
darf ruhen.
Mir drückt's die Tränen raus. Irgendwie ist das alles hier heraußen
sehr anstrengend, hart und warum können wir nicht, wie alle anderen,
einfach gemütlich da hinüber flutschen ?
Da rauscht etwas und unser heißgeliebtes Gennaker Leichtwindsegel
liegt in zerfetzten Streifen unter Rishos Bügen. Gebrochener Block
am Masttop.
Peter kappt die Taue, hinweg schöner leichter Stoff! Das tut weh,
aber wir haben einen wunderschönen Blister in der Karibik erworben
- der kommt jetzt voll zum Einsatz.
Irgendwie sieht am nächsten Tag der Windanzeiger am Mast komisch
aus, oder hat der Wind gedreht? Nein, ein fetter, müder Vogel durfte
sich drauf ausgeruht haben. Verbogen. Und schon baumle ich der Mastspitze
entgegen.
War mir lieber als Peter hinaufzuhiefen. 12 Meter über dem Pazifik.
Grausam.
Ostereiersuchen und anschließend ein gemütlicher Osterspaziergang.
Ich will nach Hause. Finn fragt: Wieso?
Aber trotz allem - wir fliegen! Als zieht etwas die Risho Maru da hinüber,
in die unbekannte Südsee, die ich mir so gar nicht vorstellen kann
zwischen Nachtwachen und Segelwechsel und Durcheinander Wellen.
Wir sind schnell. Noch 5 Tage. Etwas piepst. Schei
. Der Autopilot.
Eine Schraube ist locker und abgebrochen. Peter schickt mich ans Steuer
und nach 5 Minuten geht's mit neuer Schraube weiter. Noch 4 Tage. Dunkle
Wolken schon in der Früh. Den ganzen Tag wenig Wind aus allen Richtungen.
10 Mal Spinnaker gesetzt und wieder runter, 30 Mal die anderen Segel.
Ich bin so müde, Peter auch. Schließlich schalten wir den Motor
ein, lassen Segel Segel sein, kuscheln uns erschöpft zusammen und
weinen ein bisserl, und dann spielen wir Uno und Pokern. Finn gewinnt.
"Grande serviert, Mama!"
Zum Sonnenuntergang wieder schöner Himmel und sanfte Brise, Blister
hinauf, ganz sanft mit funkelndem Sternenhimmel durch die Nacht. Noch
2 Tage.
Die haben's in sich. Wellen knallen gegen die Risho. Ich liege hellwach
mit bangem Herzen in der Koje. Draußen jagt uns der Wind die letzen
Meilen Richtung Fatu Hiva. Wird der Autopilot das packen? Aber eigentlich
ist das jetzt auch schon wurscht. 2 Tage Handsteuern, was wäre das
schon? Die Wellen am letzen Morgen wirken riesig. Finn sagt: "Wie
am Atlantik , Mama." Er hat recht. Wir glühen durch die See,
Risho will ankommen im Tageslicht und sie schafft es mitten ins schönste
Nachtmittagslicht.
Eine Landschaft erhebt sich vor uns, die uns den Atem stocken lässt.
Grüne Bergspitzen, dazwischen Felsengesichter. Fatu Hiva.
Und die Conclusio? Eine Herausforderung - nicht nur für uns, stellt
sich heraus. In der Bucht liegen ungefähr 15 Schiffe. Jedes zweite
hat Spinnaker verloren, zerrissen oder lieber nicht mehr gesetzt. Mehr
als die Hälfte der Schiffe hatten Probleme mit dem Autopilot. 2 Boote
mit gebrochenen Vorstagen. Eine Ozeanüberquerung ist anstrengend,
nicht nur für uns, vor allem die Schiffe müssen einiges aushalten.
Also wie war das jetzt mit gemütlich hinüberflutschen? Unsere
Fahrt war normal, schnell - 19 Tage - ein guter Schnitt. Unsere Risho
ein gutes Schiff.
"Eine Nacht handgesteuert!" klage ich mein Leid einer Französin.
Sie lacht mir ins Gesicht. "Wir steuern alles immer mit der Hand
- Autopilot können wir uns nicht leisten." Ihre beiden Kinder,
7 und 4 Jahre alt, grinsen mich vergnügt an."30 tage haben wir
gebraucht, war OK!"
Ich gehe in mich. Was lehrt mich der Pazifik? "Schätzchen -
alles Ansichtssache! Wie haben dir eigentlich die phosphoreszierenden
Delphine gefallen in einer deiner Nachtwachen? Und hat der 145 cm Wahoo
geschmeckt? Oder waren die Doraden besser? Wie gefällt dir der Südhimmel
über mir, kennst du die Sternbilder? "
Mon cher pacifique, gib mir noch ein paar tausend Seemeilen und den Indischen
Ozean - dann, ja, dann, ich spüre es, dann werde ich es genießen,
die Überfahrten und - das bleibt jetzt aber unter uns -"cooler"
sein. Sag's bloß nicht weiter. "Versprochen meine Liebe, ich
kenn doch meine Pappenheimer!"
Ich blicke auf die grünen Bergspitzen und der Autopilot ist weit,
weit weg. Was war da eigentlich überhaupt? Wir sind doch super hinübergeflutscht,
lässiger Wind, nur 2 Regentage, die schönen Nächte.
Wir haben es geschafft. Die Marchesas. Fatu Hiva. Die Südsee. Wir
sind da.
Ankunft im Paradies
Marie Iris zieht mich in ihr
Haus. Ich krame in meinem Hirn nach den verblieben Resten meines Schulfranzösisch.
Auf dem hölzernen Küchentisch liegen melonengroße Grapefruits.
"Pamplemousse - très bien! Est-ce-que tu as du parfum pour
changer?" Ich habe nur Milchpulver und Kaffee, aber Lea, Marie Iris,
Thérèse, die Damen aus dem Dorf in der Jungfrauenbucht Hanavave
wollen ganz was anderes: Deos, Schmuck, Haartönung!
Schließlich tausche ich meine Flip Flops gegen eine riesige Staude
Bananen, Papayas, Limetten und natürlich die grandiosen Pampelmusen.
So was von einer Grapefruit hat es sicher im Paradies gegeben, wenn es
das Paradies gegeben hat!
Keine Kerne, irgendwo zwischen süß und göttlich. Wir sind
gerade das kleine Dorf durchwandert. Es liegt an einem Fluss, der sich
sanft über runde, dunkle Steine windet. Die Ufer gesäumt von
Mangobäumen, Bananen, Palmen, Papayas, Brotfruchtbäumen. Der
kleine Weg neben dem Fluss führt vorbei an den im Grün versteckten
Häusern der Einheimischen. Hühner rennen glücklich herum,
dazwischen schwarze Schweindln. Aber es riecht nach Blüten und reifen
Mangos und feucht und gut.
Wir schlürfen die Mangos am Straßenrand, neben einem Wasserhahn,
aus dem kristallklares Trinkwasser aus den hohen Bergen Fatu Hivas fließt.
Die Leute bitten uns in ihre Häuser, natürlich um Geschäfte
zu machen, sie verkaufen Tiki Figuren aus Stein, Tapas - auf Rinde gemalte
Bilder - und Pareos.
Aber so nebenbei erfahren wir morgen, Sonntag um 8 Uhr ist Messe und man
erwartet uns. Also stehen wir am Sonntag bereit, fesch gemacht und mischen
uns in der kleinen, hellgrün ausgemalten Kirche unters Volk.
"Mama, schau die Frau hat Tomatenschalen im Haar!" Finn kommt
aus dem Staunen nicht raus. Die Frauen sind alle bunt gekleidet und tragen
Blumen à la Südsee in den Haaren. Manche nur eine Einzelne
große hinter dem Ohr, andere ganze Gestecke, eingeknotet in die
dichten schwarzen Haare.
Die Messe ist auf Polynesisch, laut und fröhlich. Man singt begeistert
und auch ich stimme irgendwann in den Halleluja Chor ein! Begleitet werden
wir von Ukulele und Gitarre!
Don, einer der vielen Segler, die die Messe besuchen, meint "Jetzt
bin ich wirklich in der Südsee angekommen!" Eine einheimische
Dame fragt nach meinen Französischkenntnissen und ich nicke ihr zustimmend
zu. Sie will wissen, ob uns das Kirchenfest gefallen hat! In wenigen Tagen
sind wir Teil dieser kleinen Gemeinde. Sonntagnachmittag ist Fußballmatch.
Hanavave gegen Nachbarort Omoa - der Sieger geht zu den Meisterschaften
nach Tahiti. Natürlich sind wir dabei und feuern die Jungs an!
Es gibt ein "Magasin" - da kann man Käse und Dosenfutter
kaufen und einen Tatoo Shop. Sonst nix. Kathrin organisiert für die
Yachties einen Abend mit polynesischem Essen und Musik. Wir sitzen zu
15 an der improvisierten Tafel vor einem Einfamilienhaus und futtern:
Fisch und Huhn in Kokosmilch, Brotfrucht geröstet, Kochbananen eingelegt,
Salat mit Mangodressing und als Nachspeise die grandiosen Pampelmusen.
Franzosen, Amerikaner, Schweizer, Kanadier, Österreicher, Südafrikaner
und Polynesier an einem Tisch, schlemmend, plaudernd, lachend. Finn tobt
mit Segel- und Dorfkindern durch die Gärten. Sterne blinken hoch
über den Bergspitzen. Der Mond taucht alles in mystisches Licht.
Ukulelenklänge. Beseelt wandeln wir durch den stillen Ort zu unseren
Dinghies, Blumen im Haar, Wohlgefühl im Magen. Bonne nuit! Merci!
Nana! Mauruuru!
Fotos
|
| 27.04.2007,
Fatu Hiva, Marquesas |
Durchsage
von der Risho via Iridium-Handy:
"Geschafft! Nach 19 Tagen Überfahrt unter optimalen Bedingungen
(Wind und Wetter waren super) ist Fatu Hiva mit 4 Häusern am Strand
in Sicht: ein echter Südseetraum!" |
| 15.04.2007,
irgendwo zwischen Galapagos und Marquesas |
Durchsage von der Risho via
Iridium-Handy:
"Sind seit Ostersonntag
unterwegs! Starteten am Ostersonntag von den Galapagos Inseln (Isla Isabella)
Richtung Fatu Hiva (Marquesas)! Von den insgesamt 2890 Seemeilen fehlen
uns heute, am 15. April, noch 1750! Wir erreichen Spitzen-Etmale von 202
Seemeilen! Die Risho liegt super im Wasser und uns geht es gut! Wir fangen
jeden Tag frische Fische und genießen das Segeln im Pazifik!"
|
| 26.03.2007,
San Cristobal, Galapagos |
Premieren,
Taufen und furzende Robben
Also Panamacity ließen
wir nach 3 Wochen hinter uns - der Shopping Wahn war dort endgültig
ausgebrochen. Nachdem wir alles besorgt hatten, das wir gebraucht hatten,
begannen wir zu shoppen was wir immer schon mal haben wollten und schließlich,
was wir nie brauchen konnten. Davon ausschließen will ich meinen
heißgeliebten Milchschäumer. Ja lacht nur, ihr, die ihr jederzeit
einen Capuccino mit 5 cm Milchschaum trinken könnt! Das spielt es
hier nicht! Obwohl, jetzt schon!
Los ging's nach Galapagos. Zuerst machten wir Zwischenstopp auf den Las
Perlas. Inseln, kurz vor Panama - traumhaft einsam, wild, Wasser voller
Quallen wegen des trüben, planktonreichen Humboldstromes. Wellenreiten
musste dennoch sein, hatte ich doch mein gebrauchtes Wellenreitbrett in
der grandiosen Albrook mall in P City erstanden. Dieses Board kommt gleich
nach dem Milchschäumer! In Kalifornien hatte ich ja Blut geleckt
und hab erstmals auf dem Brettl eine Welle abgeritten.
Premiere! Ich kniete in der schäumenden Pazifikbrandung auf dem eigenen
Brett und versuchte dergleichen zu wiederholen. Übung macht den Meister
- ich werde von den Fortschritten berichten!
Dann ging's auf nach Galapagos. 900 sm, ca. eine Woche Segeln - Wetterprognosen
zu dieser Jahreszeit: wenig bis kein Wind - fröhliches Motoren war
vorauszusehen.
Wir hatten Glück - die ersten 4 Tage traumhaftes Segeln. Tag und
Nacht, auf Direktkurs. Die nächste Premiere nahte rasant. Sehr rasant.
Schockierend rasant.
Es war in einer meiner Nachtwachen, dass ich in der Ferne die Lichter
eines Schiffes sah. Kommt natürlich vor. Außerdem war ich beruhigt,
hatten wir doch in Panamacity etwas erstanden, das ich mir schon lange
wünschte und wir auch gut gebrauchen konnten - wie sich herausstellen
sollte. Ein Radar!
Ich schaltete den Kasten ein und siehe da! Ein netter Kollisionskurs sprang
mir in die Augen. Tanker gegen Risho. Schluck. Captain wurde geweckt und
wir beobachteten die Situation. Der Tanker kam sehr langsam näher
und seltsamerweise schien er parallel zu fahren. Ich blickte wieder auf's
Radar. Ohoh! Der Abstand zwischen uns verkleinerte sich plötzlich
in einem Affenzack. Peter stoppte unser Schiff, beleuchtete die Segel.
Dem Tanker schien das wurscht zu sein. Ich komme! Auf Kanal 16 meldete
sich niemand "Cargo Boat - here sailing vessel - do you see us?"
Stille. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Katastrophenfilm. Peter
startete den Motor, leitete eine Wende ein. Der Tanker zielte direkt auf
uns. 1 sm, 0,9 sm, 0,5 sm, 0,4 sm, 0,3 sm.
Scheiße was macht der? Ich konnte die Lichter der Brücke erkennen,
die Farbe des Schiffes. Ein Albtraum. Peter riß die weiße
Warnrakete aus der Verankerung und schoss sie ab. Feuerwerk, alles taghell.
Zu Silvester schön, hier grausig. Sekunden vergehen wie Stunden.
Der Tanker dreht endlich ab. Ich zittere am ganzen Körper, Peter
pfaucht mit brüchiger Stimme ins Funkgerät: "Cargo ship
are you crazy, didn't you see us?" Endlich meldet sich eine Stimme
"Oh yes, we see you. Go ahead!" Wir sehen das Heck des Tankers
von uns wegziehen. Schockiert sitzen wir im Cockpit. Das war knapp. An
Nachtruhe ist nicht mehr zu denken. Ein heftiges Gewitter bricht über
uns auch noch herein. So schön kann Segeln sein!
2 Tage später ist Finn endlich getauft! Freut euch ihr Tanten und
Onkel - der kleine Heide ist äquatorialgetauft - einen Kübel
Wasser über das Haupt direkt am 0 000° Meridian mit dem geweihten
Wasser der Südhalbkugel. Wir treten auch rasch wieder ein in den
Verein mit einigen sehr frischen Kübeln Pazifikwasser! Juchuu!
In der Nacht dümpeln wir vor der stockdunklen Isla Cristobal. In
der Nacht in den Hafen einzufahren scheint etwas sehr abenteuerlich. Im
schwarzen , öligen Flautenwasser plötzlich riesige helle Flecken.
Ausweichen geht sich nicht aus. Nix passiert, wir gleiten darüber.
Was war das? Irgendwer erzählt uns, es könnnte die Luftblase
eines Wals gewesen sein. Na servas. Endlich wird es hell.
Die Küste unserer ersten Galapagos Insel schimmert im Morgenlicht.
Hellgrüne Berge erheben sich dahinter. Es riecht nach Grün,
nach Tieren, nach wilder Natur.
Vor uns schleudert sich ein Mantarochen eineinhalb Meter in die Luft und
versinkt mit einem Riesenklatschen wieder im Wasser. Wir tuckern in die
Ankerbucht. Einige Segelboote, viele Fischer und Ausflugsboote, 2 Marineschiffe.
Dahinter die Häuser der kleinen Stadt. Und Geräusche vom Flughafen.
Müde sitzen wir in der Stille des Morgens und verdrücken Eierspeis.
Plötzlich ein Schnaufen unter dem Schiff - Robben! Als Finn über
die Reling späht, grinst ihn ein lustiges Hundegesicht an. Liebe
auf den ersten Blick!
Robben hier sind wie die Katzen in Griechenland - überall, im Lokal,
auf der Strandpromenade, im Dinghi, auf der Badeleiter, im Cockpit (wenn
man nicht aufpasst)! Sind ja süß , aber sie stinken zum Himmel.
Im gepflegten Schönbrunner Zoo fällt sowas ja nicht auf, aber
hier will man alles, bloß keine Robbe am Schiff. Die kleine Stadt
strotzt vor Bars und Lokalen und Souvenirläden. Unsere Inseltour
haben wir hinter uns - mit dem Pickup-Truck auf 700 Meter zu einem mit
Süßwasser gefüllten Vulkankrater. Kühe weiden. Es
riecht nach Alm und die Temperatur ist herrlich. Wir hüpfen wie die
Verrückten herum, freuen uns über die Nebelwolke, die immer
wieder den Kratersee einschmeichelt. Wie zu Hause! Unsere Guides schütteln
verwundert die Köpfe.
Dann geht's zu den Tortugas Gigantes mit ihren jugendlichen 80 Jahren.
Verrunzelte Greisengesicher mit Augen voller Weisheit. Und schließlich
die berühmten Leguane -Dinos mit Händen und Fingernägeln,
die zu einer Operndiva passen würden. Vom Berg hinunter geht's durch
die fruchtbare Zone, mit vielen Farmen voller Bananen, Guaven, Zitronen,
ja sogar Kamille wächst hier.
Wieder am Meer ist es ganz trocken und die Robben machen sich geruchsmäßig
wieder wichtig.
Wir relaxen, hier ist es ruhig und lässig. Surfer spazieren durch
die Gegend - hier ist eine der berühmtesten Surfwellen der Welt -
der Strand gespickt mit Felsen. Ich bevorzuge noch die sanften Beach Breaks
- wie die Robben.
Ups, was ist das für ein Schnaufen? Mist ich hab vergessen die Badeleiter
raufzuziehen! Haut ab ihr Biester, weg mit euch, mein Gott ihr stinkts
!
Fotos
|
|
Hinweis
des Webmasters (21.3.2007, 20:00):
Soeben
ist es passiert: die Rishomaru-Website ist nun auf einen anderen Server
übersiedelt. Sie ist aber, wie bisher, unter der Webadresse "www.rishomaru.com"
erreichbar. Solltet Ihr in Eurem Browser Bookmarks auf einzelne Seiten
gesetzt haben, wo in der Adresse "www.8ung.at/rishomaru" vorkommt,
dann müssen diese Bookmarks nun neu erstellt werden.
|
| 19.03.2007,
200 sm vor Galapagos |
Funkmail von der Risho Maru:
"Sind seit vier Tagen unterwegs nach Galapagos, trotz berüchtigtem
Flautengebietes segeln wir! Die leichte und schnelle Risho liebt die weiten,
sanften Wellentäler des Pazifik - a bisserl wie Schifahren im flachen
Hügelgebiet für Anfänger! Oder die Entdeckung der Langsamkeit!
Herrlich. Haben riesigen Thunfisch gefangen und gefuttert, Delphine waren
da und bei der Nachtwache: Herbert Grönemeyer, Johnny Guitar Watson
und Sternschnuppen! Werden voraussichtlich in 3 Tagen in St. Cristobal
- Galapagos ankommen - wo sind die Schildkröten?"
|
| 21.02.2007,
Panamakanal |
3 Geschichten
zum Panamakanal
Oh wie schön ist Panama!
Finnische Betrachtungen
In Colon war es wieder soweit.
Meine Oldies wurden etwas anstrengend. Der Papa hat Autoreifen an die
Reling gehängt, und die Mama hat in einer Segelzeitung die Geschichte
"Der Panamakanal - seine Tücken und Schleusen" sicher 100
mal gelesen! Beide waren ziemlich unansprechbar und ich war echt froh
als endlich unser Kanaltag da war.
Kein schlechter Tag für mich - Kühlbox voll mit Sprite und Coca
Cola. "Für die Linehander" hat die Mama mir eingeschärft.
Denen ging's echt gut bei uns. Als Jesus, Sam und Mike um 15 Uhr auf's
Schiff kamen. Gab's gleich einmal Schokokuchen. Einfach so. Das sollte
mir mal passieren! Dann haben alle auf den Lotsen gewartet, der kam ziemlich
zu spät, die Linehander hatten alle Thunfischsandwiches aufgegessen
und die Mama ihre Fingernägel.
Der Papa hat nix mehr geredet - für mich ein untrügliches Zeichen,
dass er ein bisserl nervös ist. Es ging los und ich dachte mir -
als vor, hinter und neben uns riesige Tanker zum Panamakanaleingang fuhren,
warum die Aufregung? Wenn die das schaffen, warum nicht die Risho? Als
wir dann die Riesengarage mit Beleuchtung wie im Baseballstadium in Baltimore
gesehen haben, hat der Lotse endlich mal zu telefonieren aufgehört.
Wir wurden mit einem anderen Katamaran und einer Monojacht zusammengehängt,
Seite an Seite und als Fünfmaran ging's in die Garage.
In der Riesengarage, hat die Mama dann gesagt: "Das ist wie eine
irre Oper hier". Sie hat ja auch gefunden, dass der Lotse wie ein
Opernsänger im Freizeitlook aussieht. Rosa Hemd und schicke Jeans.
Diese Mama!
Also überall viel Licht, und dann haben sich riesige Tore hinter
der Risho geschlossen. Oben auf der hohen Mauer der Garage sind Männer
gestanden und haben Leinen zur Risho runtergeschmissen, der Jesus, der
Mike und der Sam haben sie mit unseren Leinen verbunden und gespannt.
Kurz war es still. Und plötzlich haben die Schiffe angefangen hin-
und herzuziehen. Und dann hat mich die Mama ganz fest zu sich gedrückt
und hat gesagt "Schau die Strudel im Wasser, jetzt lassen sie das
Wasser in die Schleuse, das sind Turbulenzen, brauchst keine Angst haben".
Der Papa hat nix mehr gesagt. Nur der Jesus hat Kommandos gegeben. Und
die Mauern neben uns sind immer niedriger geworden, ganz oben angekommen
hab ich dann das Allertollste gesehen. Der Tanker vor uns hat keine Männer
gehabt, die die Leinen gehalten haben, sondern Lokomotiven! Silber glänzende
Lokomotiven. Da war die Angst ganz weg.
Wenn ich groß bin, werde ich Panamalokomotivführer!
Plötzlich ist die vordere Schleuse aufgegangen und wir sind gemeinsam
mit allen Schiffen in die nächste Riesengarage. Unser Lotse hat telefoniert
und mir erzählt, dass seine Tochter Geburtstag hat. Die Mama hat
dann gesagt, ich soll jetzt winken. Wie bitte? Wegen der Webcamera und
dann sehen uns alle in Österreich.
Also das glaub ich ja wirklich nicht, vielleicht war die Mama von allem
ein bisserl verwirrt. Ich hab gehofft das legt sich wieder, weil sie hat
ja heute noch Spaghetti kochen müssen für alle.
3. Schleuse. Ich bin langsam ein bisserl müde geworden, vom Winken.
Auch der Papa hat wieder geredet, mit dem Jesus. Und dann ist die Schleuse
aufgegangen und wir waren im Gatun See.
Da gibt's Brüllaffen! Die haben wir in der Früh gehört.
Wie echte Dinosaurier im Disneyland. Die sind aber ganz klein. Der Jesus
hat erzählt, die Männeraffen leben auf einer Insel und die Frauenaffen
auf einer anderen. Wenn die Männer die Frauen besuchen wollen, müssen
sie zu ihnen schwimmen. Wenn sie Pech haben werden sie dann von einem
Süßwasser Krokodil gefressen!
Bitte was kann so toll bei den Frauen sein, das man sich von einem Krokodil
fressen lassen würde? Die Mama und der Papa haben gekichert, als
ich sie gefragt habe. Hilfe!!! Die sind manchmal so kindisch!
Am nachsten Tag sind wir dann einige Stunden durch den Gatunsee gefahren.
Es war heiß und die Linehander haben Schinken-Käse-Sandwich
bekommen mit ganz viel Mayonnaise. Und Vanillekekse. Also von mir aus
können wir öfter durch den Panamakanal fahren. Kurz vor der
nächsten Schleuse hab ich mir das 2. Sprite genehmigt. Natürlich
hab ich die Mama gefragt, aber die war wieder total aufgeregt und hat
nur jaja gesagt. Und der Papa hat auch nix geredet. Eltern!
Also jetzt haben wir das ganze mal bei Tag gesehen. Kurz hab ich echt
Angst gekriegt, weil irgendwer gesagt hat, jetzt fahren wir mit der Risho
den Berg hinunter. Aber das geht doch nicht, da kippt sie doch um? Mama!
Sie hat mir das erklärt: Also das ist so, wie wenn man eine Badeente
in der vollen Badewanne hat und das Wasser auslässt. Die Ente schwimmt
immer gerade. Die Schiffe haben auch nicht mehr so gewackelt und der Lotse
hat wieder telefoniert. Bisserl fad die ganze G'schicht nach 3 Schleusen.
Wirklich toll waren nach wie vor die Lokomotiven. Jetzt hat man auch die
Schienen gesehen. Winken! Typisch Mama. Bitte sagt's, ihr habt uns gesehen,
sonst ist sie ganz enttäuscht! Endlich ist das letzte Schleusentor
aufgegangen und wir sind rausgetuckert. Dann war da eine große Brücke
- the Bridge of Amerika - und da war der Pazifik. Der Papa war ganz still.
"Ergriffen" hat die Mama gesagt, weil er hat der Risho schon
lange mal versprochen, dass er sie in den Pazifik bringt.
Und jetzt das allerbeste: Der Pazifik schaut gleich aus wie der Atlantik!
Das erinnert mich an mein erstes Buch, das ich gerade lese. "Oh wie
schön ist Panama" - da wollen der Tiger und der Bär nach
Panama, und als sie dort sind, schaut's aus wie zu Hause. Also hätten
wir ja gleich im Atlantik bleiben können?
Aber dann hätten wir die Brüllaffen nicht gehört, den Jesus
nicht kennengelernt und keinen telefonierenden Opernsänger, und natürlich
die Lokomotiven - die waren es absolut wert!
Euer Finn
PS: Danke an Anna von den Idemos
für das tolle Janosch Buch!
Der Panamakanal oder Eine
Oper in mehreren Akten
Libretto von Frau Kammerschauspielerin
Ouvertüre. Der Vorhang,
beziehungsweise die Schleusen haben sich noch nicht geöffnet. Nein,
man ist noch nicht mal in der Nähe des Eingangs zum Kanal. Und doch.
Spannung. Im kleinen Yachtclub in Colon fiebert, vibriert, wimmelt alles
wie in einem Ameisenhaufen, auf den man mit der flachen Hand geklopft
hat.
Der Impresario, Agent Tito, bringt einen zum Vorsprechen ins Büro
der Kanalbehörde. Höchst unterkühlt die Stimmung dort,
und die Aircondition.
Natürlich schafft unser Außenbordmotor acht Knoten. Wie alle
anderen Motoren aller Yachten, die diese Saison in den Pazifik wollen.
Acht Knoten. Acht Knoten? Acht Knoten!
Nächste Szene: Hafenkapitänsbüro, Immigration. Wir treten
möglichst unauffällig hinter Tito ein. Die 3 Haupdarsteller,
Beamte, lehnen mit ihren Sesseln an den fleckigen Wänden des kafkaesken
Büros. Man spricht spanisch. Wir lauschen.
Nächste Station: die Requisite, Titos Reifen und Leinenlager.
Am Abend trägt Risho Maru schwarz und wir sind im eingeweihten Club
der zukünftigen Panamakanaldurchquerer.
Wenige Tage später. Die Oper beginnt. Drei Linehander mit klingenden
Namen wie Jesus, Samuel und Michael betreten die Szene - unser Schiff.
Wenig später der Lotse. Acht Knoten. Selbstverständlich, vielleicht
noch ein Schokokuchen oder doch lieber ein leckeres Thunfischsandwich?
Der Lotse ist gut - vor allem gut angezogen. Rosa Hemd, Halstuch und schicke
Jeans. Opernsänger im Freizeitlook, passend zur Aufführung.
Riesige Tanker zeigen uns den Weg zur Kanaleinfahrt. Lichtdesign perfekt.
Die Sonne versinkt, und vor uns im gelben Flutlicht erhebt sich
die erste Schleuse. Noch 2 Segelboote sind da und wir hängen uns
längsseits aneinander. Jesus ist gut. Er hat alles fest im Griff,
auch seine Jünger. Peter steht am Steuer und lauscht den Kommandos
des Lotsen. Langsam setzt sich unser Segelschiff-Terzett in Bewegung und
gleitet hinter dem Tanker in die Schleuse.
Wie in einer Riesengarage fühlen wir uns. Weit oben Männer,
die Leinen auf unser Schiff werfen. Die Linehander spielen ihre Szene
gut und entschlossen. Wir sind im Netz. Die Schleuse schließt sich.
Kurz kehrt unheimliche Ruhe ein. Dann plötzlich durchfährt ein
unruhiges Ziehen die Schiffe, im Wasser Strudel die uns hin und her rücken.
Jesus ruft Kommandos, das Wasser kommt.! Wir steigen. Wir erheben uns.
Den Berg hinauf über den Kontinent. Mein Herz klopft bis zum Hals.
Ruhe. Das Schleusentor öffnet sich und wir gleiten im gleißenden
Scheinwerferlicht in die nächste Schleuse. Finn entdeckt die Lokomotiven,
die die Leinen des Tankers spannen. Kleine, silberne Gefährte, mit
blitzenden Lichtern. Die Geräusche, die uns umgeben, sind völlig
ungewohnt, unwiederbringlich, eine Szenerie wie aus der Oper eines verrückten
Regisseurs. Klaus Kinsky, als er sein Schiff uber den Berg hiefen ließ.
Genau das ist es, was mir nicht aus dem Kopf will. Ich bin absolut überwältigt.
Peter ist sprachlos. Das hier ist einfach großartig. Unvergesslich.
Die letze der 3 Schleusen öffnet sich und wir sind im stillen, großen,
Gatun See. Süße, samtige Glätte. Urwaldduft und Urwaldgeräusche.
Brüllaffen.
Ich koche Spaghetti für das gesamte Ensemble. Bin froh was zu tun,
weil Ruhe find ich heute keine. Nach einer kurzen Nacht mit schnarchendem
Jesus und Jüngern an Deck, schlürfe ich heißen Kaffee
mit Blick auf Baumstümpfe, die aus dem Gatun Lake ragen. Dieser See
ist ein riesiger Süßwasserstausee inmitten des undurchdringlichen
Dschungels.
Wir tuckern durch Wasserstraßen. Nahe der letzen 3 Schleusen passieren
wir massive Felswände. Der durchschnittene Kontinent. Mehr als 20
000 Tote waren der Preis.
Die letzten 3 Schleusen oder der letzte Akt: Miraflores Lock.
Das Ensemble ist inzwischen gut zusammengespielt. Alles läuft nach
Plan. Die letzte Schleuse gibt uns frei und wir nähern uns der Bridge
of Amerika.
Da liegt er, El Pacifico, still und ruhig.
Jesus hat seine Arbeit getan und er und seine Jünger treten ab. Der
Vorhang fällt. Das Publikum ist begeistert. Das Orchester ist verstummt.
Es kehrt Ruhe ein, doch die Bilder dieser Oper sind in uns. Für immer.
Die Wendung
this is your captain speaking
Die letzten Monate seit unserem
Aufenthalt in Curaçao haben uns gewandelt von einstigen Atlantiküberqueren
und Karibikseglern zu denen, die weiter nach Westen und in den Pazifik
wollen. Ja, wir haben uns entschieden, wir wollen weiter und das Abenteuer
Pazifik angehen. Zu tief sitzen in uns die vielen Bilder und Bücher,
die wir über die Südsee gesehen haben. Ab Curacau gibt es eine
Trennung zwischen den Seglern, die in der Karibik bleiben und denen, die
noch weiter in den Westen wollen.
Capo die Vela und die Küste Kolumbiens ist meist nur mehr One Way
möglich. Denn gegen den Passat wieder in den Karibischen Inselbogen
zurück zu segeln, bleibt nur wirklich harten Seglern überlassen.
Wir waren jedenfalls froh, diese Strecke bis Cartagena gut hinter uns
zu bringen. Und in Cartagena merken wir schon die ersten Spuren der Wandlung.
Da werden die ersten Pazifikkarten getauscht und Bücher über
Marquesas, Tuamotus, Societies und New Zealand studiert und begutachtet.
Und Seemeile um Seemeile nähert man sich immer mehr dem Panamakanal
- dem Tor zum Pazifik. Die San Blas Inseln sind der perfekte Stopp für
alle diejenigen, die gedanklich schon die Karibik verlassen haben und
sich mit der Vorbereitung der längsten Ozeanüberquerung auf
einer Reise um die Welt, entlang des Passatgürtels zu beschäftigen.
Diese Inselgruppe ist sicherlich ein Höhepunkt auf unserer Reise
und krönender Abschluß der Karibik, denn noch befinden wir
uns auf der anderen Seite. Und wieder gibt es Segler, die zurückbleiben
und doch noch nicht in den Pazifik wollen. Es gibt noch immer die Möglichkeit,
über Honduras und Belize, Kurs Kuba und Bahamas zurück zu gehen.
Es gibt auch manche, die schon mehrere Jahre hier in den San Blas Inseln
segeln. Ja, ja, jetzt kommen auch wieder die Geschichten über die
Südsee, soll ja so teuer sein, und die Inseln schauen ja sowieso
alle gleich aus, und dann noch die Ungewissheit mit dem El Nino Jahr -
wer weiß, wie schlimm das Segeln im Pazifik dieses Jahr denn werden
wird? Ich erinnere mich in diesen Momenten an die Zeit in Gibraltar zurück,
als wir auf den Wind warteten, der uns in den Atlantik tragen sollte.
Da gab es die gleiche Unruhe und gleiche Geschichten. Und alles nur, weil
die Ungewissheit an der Seele nagt. Wir haben uns an diese Unruhe gewöhnt,
lassen uns einfach dadurch nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen.
Denn wir sind gereift, haben auch gelernt, dass es ein Teil unseres Abenteuers
ist, diese Unruhe zu spüren. Und da gibt es diesen Wind, der uns
magisch weiterzieht.
Heute haben wir den 17. Februar und wir ankern bereits auf der Pazifikseite
des Panamakanals. Und einer der größten Augenblicke dieser
Reise liegt hinter uns. Als die letzte Schleuse sich öffnete und
der weite Pazifik vor uns lag, waren wir vollkommen überwältigt
von den Gefühlen, die wir in diesem Augenblick erlebten.
Still liegt er nun vor uns, und wir sind neugierig, was uns wohl hinter
diesem Horizont erwartet. Die vielen Geschichten, die wir gelesen und
gehört haben, liegen jetzt vor uns. Wir gehen es an, so, wie wir
den Atlantik besegelt haben. Wir werden viele neue Eindrücke erleben
und sehr, sehr viel mehr reifen.
So Long Capitano Pete!
Fotos
|
| 05.02.2007,
East Lemon Cays,San Blas |
Eine
kurze Geschichte über die Kokosnuss
Kuna Clomillo stand in seinem
Einbaum und lehnte leger an unserer Reeling. Er lud uns zum Sundowner
am Wochenende auf seiner Mini Insel ein. Und so nebenbei könnte er
für uns frisches Gemüse und Obst aus Panama besorgen. Wir schlugen
ein.
Auf der kleinen Insel gab es dann Samstag Shopping - Gurken, Tomaten,
Ananas, Papaya, Kraut, Kartoffel - nach 4 Wochen ohne Supermarkt auch
eine Art von Paradies. Unter den Kokospalmen wandelnd, schleppten wir
unsere vollen Körbe zum Dinghi. Ich fühlte mich beobachtet.
Finn ging neben mir und schlürfte begeistert Kokoswasser aus einer
Kokosnuss - mit Strohalm! Und Peter plauderte mit Christoph über
Macheten und wie man damit Kokosnüsse öffnet. Kokos! Das Lebenselixier
schlechthin hier auf diesen einsamen Archipelen!
Clomillo erklärte uns, dass die Indianer nur monateweise auf den
Inseln leben. Es gibt einen Besitzer, der unter der Bedingung, dass die
Kokospalmen gepflegt und geerntet werden, die Insel vermietet. Die einfachen
Hütten sind mit Palmenblättern gedeckt, es gibt meist nur offenes
Feuer, auf dem gekocht wird - in der Hütte natürlich.
Zum Sundowner hatte Clomillo extra die einzige Kühltruhe weit und
breit eingeschaltet - für das Panama Bier! Und in einem Gasofen wurde
frisches Kokosbrot gebacken. Keiner von uns wollte mehr auf sein Schiff
zum Abendessen.
Das hatte der weise Indianer Clomillo gut eingefädelt - "zufällig"
hatte er einen großen Topf Fischsuppe (Alles, was das Riff hergibt,
in Kokosmilch gedünstet, ahhhh..) und Kokosreis vorbereitet.
Einige Dollars verschwanden in seiner Unterhose, die Segler waren glücklich,
die Kinder tobten bis sie umfielen vor Müdigkeit.
Diesmal lächelten auch die Kunafrauen zufrieden - "zufällig"
waren auch recht viele Molas auf den Wäscheleinen gehangen. Ich habe
nun insgesamt 6 - zum Herschenken oder vielleicht doch für mich...
Da saßen wir also unter den blinkenden Sternen, die Palmen wogten
sanft im Passat, und ich fühlte mich wieder beobachtet. Ich blickte
nach oben zu den Kokosnüssen, die sich dunkel gegen den Sternenhimmel
abzeichneten
Clomillo folgte meinem Blick und meinte "Keine Sorge, die fallen
keinem auf den Kopf - zumindest keinem Kuna!" - "Wieso?"
fragte ich. - "Sie haben Augen!"
Fotos
|
| 03.01.2007,
San Blas |
Berliner auf San Blas oder
Ölzeug für den Weihnachtsmann!
Denkt euch, ich habe das Christkind
gesehen, es stieg aus einem Miniflugzeug, die Hände voller schwerer
Taschen und es roch so nach Äpfel und Nüssen.
Peters Schwester Andrea hatte sich auf den weiten Weg gemacht, um uns
mit ihrem Besuch auf den San Blas Inseln zu beglücken.
Da stand sie also, mit Strickjacke, dicken Jeans, Stiefletten an den Füßen.
Dazu muss man sagen, Porvenir, die Flughafeninsel der San Blas Inseln,
besteht aus 200 m Landebahn, 10 Palmen, Sandstrand, einem Mini-Museum,
2 windschiefen, bröckelnden Mini-Hotels, 20 Hängematten und
einem Lokal mit einem zahnlosen, tätowierten, glücklichen Kellner
(in einer Hängematte).
Welcome to Kuna Yala!
Andrea wirkte etwas echauffiert. Aber vielleicht wirken Menschen, die
aus dem winterlichen Europa kommen, auf sonnengebräunte Segler, die
seit fast 2 Jahren am Schiff leben, immer echauffiert. Oder es lag an
der Zwischenlandung der Panama Air auf einer palmenlosen menschenleeren
Insel, wo Andrea sich schon allein, auf ihrem Koffer sitzend, im Sand
Weihnachten feiern sah, bestaunt von ein paar krebsfangenden Kunas in
ihrem Einbaum. Kurz gesagt, Tränen flossen, aber versiegten, sobald
Andrea im Bikini auf der Risho Maru saß und indianisches Maisbrot
mit Streichkäse aus Cartagena futterte.
Mächtig stolz auf unseren Besuch von zu Hause segelten wir zu den
Lemon Cays, eine dieser 350 Eilande, mit Sandstrand und Palmen, wie eine
Fototapete aus den 70ern, die einst in den Wohnzimmern aus den 70er Jahren
die Wände schmückten. In unserer "Weihnachtsbucht"
hatten sich schon einige befreundete Schiffe eingefunden.
Andrea packte ihre großen Taschen aus - was für ein Weihnachtsabend!
Es gab zwar frischen Fisch mit Kokosreis und Kochbananen, aber die Weihnachten
waren steirisch, mit echtenTannenzweigen (!), es gab Vanillekipferl, Linzeraugen,
Lebkuchen, Mannerschnitten und Geschenke von zu Hause!
Die Schweizer kamen nur vorbei um bei uns zu riechen, auch Marita, eine
deutsche Seglerin, schloss die Augen und zerstach ihre Nase mit den Tannennadeln.
Danke Andrea fürs Schleppen, danke Mama fürs Mitschicken - Ihr
habt viele an diesem Abend sehr, sehr glücklich gemacht!
Währenddessen zockelte ein Dinghi durch die Bucht und niemand anderer
als der Weihnachtsmann saß drinnen. Finn war kritisch, kam bei uns
doch das Christkind, aber verwirrend war das alles schon. Und warum der
Weihnachtsmann rotes Ölzeug trug, ging ihm auch nicht aus dem Sinn.
Um nicht wehmütig zu werden, trafen wir uns am Strand und feierten
mit Gitarre, Geige und Stimme. Weihnachtlieder, eigene und irische Songs,
die Kunas saßen im Dunkeln und applaudierten. Dann bliesen sie ihre
Panflöten und hüpften einen Indianertanz. Wir hüpften mit
und baten um ein echt indianisches Weihnachtlied. Könnte ich euch
nur beschreiben wie "Stille Nacht Heilige Nacht" auf Kuna klingt!
Auf jeden Fall unvergesslich!
Am nächsten Morgen standen alle bei Tagensanbruch auf. Nicht um indianischen
Naturgottheiten zu huldigen, sondern um vor den unsäglichen Nonos
zu flüchten. Millimeterklein und bissig, unsere heimatlichen Gelsen
sind echte Charmeure dagegen. Zerstochen und verzweifelt kratzend wurde
der Anker gelichtet, und weg waren wir. Wohl einer der größten
Vorteile wenn man ein Segelboot hat.
Andrea blieb cool, bis sie die Coco Banderas Inseln näherkommen sah.
Postkartenidylle, Kalender-Kitsch-Fotos, alles nichts dagegen. Auch mir
stockte der Atem beim Anblick von weißem Sand , türkisem Wasser,
Palmen, die
ach schaut euch doch einfach die Fotos an, ich klinge
ja wie ein Promotion Manager fürs Aussteigen!
Am Abend dachte ich über Finn und seine zukünftigen Vorstellungen
von Urlaub am Meer nach. Konnte man das hier toppen? Andererseits scheint
das alles für ihn recht normal zu sein, vielleicht hat er seinen
Hype irgendwann mal beim Anblick von Sonnenschirmen am Strand von Lignano
oder einem Freibad in Wien. Who knows?
Andrea, ihres Zeichens Volkschullehrerin, lobte die Fortschritte in der
Bordschule und Finn hing an ihren Lippen, wenn sie von den schlimmen Buben
in ihrer Klasse erzählte. Ich lernte die neue Schreibschrift (nur
wer Kinder hat, wird das je interessieren) und kochte in der Bordküche
auf, um mit dem Vorurteil "Segler essen nur Dosenfutter" ein
für allemal aufzuräumen. Augustino, ein Kuna, lieferte für
ein paar Dollar Fisch frei Haus, pardon frei Schiff, und seine Frau packte
die schönsten Molas, eine Art Patchwork-Handarbeit, aus einem Plastikkübel.
Ich aß meine erste Riesenkrabbe, und das mehrere Stunden, denn das
Fleisch aus dem Tier rauszukriegen ist eine Kunst, die wohl nur die französischen
Segler richtig beherrschen. Man nehme einen Nussknacker und zerknacke
das Gebein - Peter suchte eine passende Zange einfach in seiner Werkzeugkiste.
Gut, dass die Krabbe schon in die ewigen Jagdgründe eingegangen war...
So perlten die Tage dahin, Andrea passte sich farblich immer mehr an die
Segler an, bis sie von diesen nicht mehr zu unterscheiden war. Das Wintergesicht
glättete sich und formte ein entspanntes Dauerlächeln!
Silvester rückte an und die Seglergemeinde wurde wieder rührig.
Das Problem war vor allem der Zeitpunkt des Jahreswechsel. 24 Uhr? Wer
von uns war das letzte Mal so lange aufgeblieben. Um sechs wird es hier
dunkel und das Gerücht hält sich hartnäckig, dass die meisten
von uns um 9 Uhr schlafen. Herbert von der "Yara" schlug vor,
mitteleuropäische Silvester zu feiern, gemütlich um 6 Uhr abends
karibischer Zeit anzustoßen und dann schlafen zu gehen.
Wir beschlossen dann doch durchzuhalten, aßen an Bord Krautfleckerl
und Linsensalat, und als es dunkel wurde, fanden sich alle um ein großes
Feuer am Strand ein. Die Kinder tobten bis Mitternacht, die Erwachsenen
plauderten und nickten zeitweise ein. War echt entspannt.
Punkt 0 Uhr tanzten Peter und ich einen Walzer im Mondschein am Palmenstrand
(klingt wieder nach Reisebüro...), und Andrea biss genüsslich
in einen Berliner. Nicht was ihr denkt, Leute! Beate von der "Bess"
hatte für uns die traditionellen "Berliner" gebacken -
in ihrer Heimatstadt isst man nämlich Krapfen zu Silvester statt
zum Fasching - aber nett sind sie trotzdem unsere deutschen Freunde!
Schönes Neues Jahr an euch alle, und nehmt euch nur einen guten Vorsatz:
Einmal im Monat ins Gästebuch der Risho Maru zu schreiben!
Fotos
|
| 08.12.2006,
Cartagena |
Der
König von Cartagena oder wie isst man eine "Guanabana"?
Ich stehe in der Kassaschlange
im Supermarkt "Caruffa" in Cartagena, im Stadtteil Manga. Ca
100 Meter vom Club Nautico entfernt der Seglertreffpunkt - zweng perfekter
Versorgung und Aircondition (nahe dem Gefrierpunkt). In meinem Einkaufswagen
Früchte, die ich noch niemals gesehen habe, Pitaya, Guanabana, Granadilla,
Zepote. Ich staune, man lächelt mich freundlich an.
Vor mir Jennifer Lopez' Nichte, hinter mir Shakiras Schwester. Ja, die
Columbianerinnen sind wirklich hübsch. Finn ist das (noch) wurscht,
er freut sich auf sein hitzebeständiges Überraschungsei - tropensicher.
2 Plastik-Ei-Hälften, eine mit Spielzeug, die andere mit Schokocreme
plus Löffel.
Peter unterhält sich angeregt mit dem König von Cartagena. Ach,
hatte ich den noch nicht erwähnt? Nun, seit dieser Bekanntschaft
sind wir in die erlauchten Kreise der Cartagena Society aufgestiegen!
Alonso (der wievielte eigentlich?), seines Zeichens Columbianer, aber
seit 20 Jahren Steirer mit Wohnsitz Graz, erfuhr durch Zufall von unserem
Aufenthalt in Cartagena. Durch meine steirischen Wurzeln waren wir uns
einige Male über den Weg gelaufen, zumeist im Theater meiner Mutter,
und kannten uns flüchtig (so unter Kollegen), das sollte sich aber
ändern!
Alonso plante also nichtsahnend seinen jährlichen Heimaturlaub in
den Columbianischen Bergen bei Medelin, als ihm zugetragen wurde, dass
wir in den Niederungen am Meer per Boot genau zur selben Zeit ankommen
würden. Hätten wir das was nun kam geplant, hätte es wohl
nie funktioniert.
Da stand Alonso nun in der Marina vor uns, hinter ihm das Auto mit Chauffeur
Gustavo, was Finn zur Frage inspirierte "Ist der Alonso ein König?"
Natürlich ist er, auch wenn das Auto seine Schwester für uns
organisiert hatte - ohne uns zu kennen, damit wir wirklich alles sehen
konnten! Danke!
Schon der erste Tag verlief königlich. Alonso führte uns durch
Cartagena, an die schönsten Plätze, und wir tauchten ein in
die Welt eines Garcia Marquez. Man stelle sich vor, eine Altstadt im Spanischen
Stil mit kolonialem Flair. Bunte Häuser, Holzbalkone mit farbenprächtigen
Blumen, die üppig über die Mauern fließen. Farben von
indigoblau bis rostbraun, goldgelb, lindgrün, alles passt zueinander,
Blumen, Hauseingänge, Torbögen, eine alte Frau mit Holzkarren,
auf dem kleine Babymangos drappiert sind - orange, grün, gelb. Wir
kommen zu den Portales des los dulces, unter Arkaden auf klapprigen Kommoden,
große Gläser mit Süßigkeiten. Bissweiche Nougatblumen,
Kokos-Taler mit Schokoladestückchen, zuckrige Tamarindenbällchen,
kandierte Orangenhäufchen mit Nussraspeln. Wieder fügt sich
alles farblich ineinander, und als in mir der Gusto nach etwas Saurem
aufkommt, führt uns Alonso mit königlicher Zielstrebigkeit an
einen kleinen Stand in der Nähe des alten Convents Pedro de Claver.
Dort erwartet mich eine Geschmacksentdeckung der anderen Art.
Grüne (!) Mangos, in Stifte geschnitten mit Salz und Limette. Das
muss man gegessen haben um es zu lieben, selbst Finn kann die Finger nicht
davon lassen. Und es geht/isst weiter... in einem kleinen Lokal an der
Straße genießen wir gebackenen Fisch mit Kokosreis und Patagonias
(frittierte Kochbananen). Zuvor eine Suppe mit Yukkas - einer Art Knolle,
die nach Süßkartoffel und Karotte schmeckt. Plötzlich
baumelt ein Korb vor unseren Gesichtern. Er landet fast direkt am Stand
eines fahrenden Orangenverkäufers - der nimmt sich ein paar tausend
Pesos heraus und legt dafür seine duftenden Schätze hinein.
Der Korb verschwindet wieder gen Himmel.
Alonso hat einen Termin für uns vereinbart. Bei Manuel. Manuel gehört
eines dieser bildschönen 500 Jahr alten Altstadthäuser und Alonso
findet, wir müssen diese Haus von innen sehen. Manuel erwartet uns,
und so trinken wir zum Sonnenuntergang Ron viejo auf der begrünten
Patio auf gepolsterten Steinbänken mit Blick über den Placa
San Diego. Rechts von uns die blitzblau ockergelbe Schule de Belles Artes,
links von uns erhaschen wir einen Blick in das edle Santa Clara Hotel
mit seinen rotbraunen Wänden und mattgoldenen Spiegeln und Lustern.
Manuels Haus könnte einem Elle Decorations Magazin entsprungen sein.
3 stöckig, blaue Wände, duftende uralte Balken, ein begrünter,
lauschiger Innenhof verbindet alle drei Etagen. In der Mitte das offene
luftige Wohnzimmer, im Kolonialstil mit Korbsesseln und quer durch den
Raum eine weiße, geknüpfte Hängematte. Knarzende Holzböden.
Stille. Fast. Von draußen hört man nur das Klingeln der Eisverkäufer
und das Geklapper der Pferdekutschen.
Vor dem Haus wurde am Tag zuvor eine Filmszene gedreht. "Liebe in
Zeiten der Cholera" von Marquez wird von Amerikanern verfilmt und
alles, was Hollywood Südamerikanisches hergibt, spielt mit. Manuels
Haus in Gelb mit prächtigen Balkonen in einer Nebenrolle!
Gustavo, unser Chauffeur, holt uns ab und bringt uns wieder in die Marina.
Auf der Risho kommt es zur Früchteverkostung! Alonso zeigt uns nicht
nur wie man diese Schönheiten isst, sonder weiß zu jeder Frucht
Geschichten. Die eine erinnert ihn an den Duft in der Küche seiner
Großmutter, die andere war immer seine Schuljause. Grinsend beobachtet
er uns, als wir betört an den Kernen der Guanabana Frucht lutschen.
Dann blickt er auf sein wunderschönes, illuminiertes Cartagena aus
einer für ihn neuen Perspektive - und zwar aus der Mitte des Hafens
von einem Schiff!
In den nächsten Tagen erleben wir mit unserem König noch die
berühmte, heißumkämpfte Festung La Felipe, mit unheimlichen,
verzweigten Geheimgängen, die unter die Lagune führen. Sehen
die Statue des Feldherrn Blas, der in mehreren Schlachten nacheinander
einen Arm, einen Fuß und ein Auge verlor - wird wohl nicht der Einzige
gewesen sein! Und im Kloster Popa treffe ich zwar nicht auf Jesuiten,
aber auf ein entzückendes Faultier.
Natürlich ist hier nicht alles wunderschön und pittoresk. Außerhalb
der Altstadt taucht man ein in das Leben fernab der Touristenattraktionen.
Menschen über Menschen drängen hier, es wir angeboten, gebettelt,
gefeilscht. Überall laute Musik. Radfahrer mit mobilen Verkaufsläden
bieten gefüllte Teigtaschen an. Eisgekühlter Saft in einer Glasbox
auf Rädern, zahllose Wasserverkäufer mit lauem Wasser in kleinen
Plastiktüten.
Der Abfall in den Straßen stinkt zum Himmel, die Autos fahren auf
einer einspurigen Fahrbahn vierspurig. Motorradfahrer bieten ihre Dienste
als Taxis an, jeder versucht ein paar Pesos in die Tasche zu kriegen.
Man steht am Straßenrand und vermietet sein Handy oder versucht,
mit Massageöl bewaffnet, Touristen zu entspannen. Alte Frauen sitzen
vor wackeligen Tischen und verkaufen einige Lutscher und vielleicht 2
Orangen als Draufgabe. Losverkäuferinnen rufen das große Glück.
Jemand setzt Peter eine Sonnenbrille auf, und ein kleiner, schmutziger
Bub hält mir die leere Hand vor das Gesicht.
Ich blicke durch die vielen offenen Türen und Fenster, kahle armselige
Räume, leere Sessel vor einem einsam laufenden Fernsehapparat, vor
einem Haus beruhigt eine alte Frau ein schreiendes Baby. Ein Computershop,
in dem ein Mann einen Bildschirm aus den 80ern repariert. Stickige, winzige
Friseursalons, eine Friseurin, die aus einer take-away-Box Kuttelsuppe
ist. Wir suchen ein Geschäft für Gasherde, wegen eines Ersatzteils.
Jeder hilft bei der Suche. Mit Händen und Füßen und immer
einem freundlichen Gruß auf den Lippen. Wir finden das Geschäft,
aber zur Zeit gibt es dort nur alte Videorekorder - aber die sind dafür
sehr günstig!
Wieder in der Altstadt zieht es uns zum Teatro Heredia. Spanischer Barock!
Ein Schmuckkästchen mit geschnitzten Logen in Samt und Seide. Ein
deutscher Chor singt Buxtehude. Danach sitzen wir noch benommen, fast
erschlagen von den vielen Eindrücken in einer indisch angehauchten
italienischen Bar. Die Besitzerin (vielleicht Shakiras Mutter?) spricht
perfekt deutsch und gießt uns chilenischen Wein ein. Gustavo, unseren
Chauffeur, haben wir schon lange heimgeschickt, also nehmen wir eine Kutsche
für die Heimfahrt. Wir rumpeln durch die Gassen, der Lärm der
Hufe hallt von den Wänden wider, am Placa Santa Domingo sitzen 2
schwarze Pantomimen und spielen Sklave am Sklavenmarkt. 3 Gitarristen
jaulen eine alte spanische Weise.
Soviele Erlebnisse, Schattierungen, Begegnungen, Bilder - manchmal scheint
mir, als lebten wir mehrere Leben gleichzeitig!
Wieder im Club Nautico. Penelope Cruz steht hinter der Bar und nickt uns
freundlich zu.
Buena Noche, Amigos!
Buena Noche, Chicca!
Fotos
|
| 16.11.2006,
Cartagena |
Jedem Kap sein Horn
Wir hatten also die Marina-Arbeiten
hinter uns gelassen und uns wieder in die schöne, große Spanish
Water Lagune verlegt. Auf Curaçao. Da war's dann nach 2 Wochen
wieder wie im Schrebergarten. Die Yacht vor uns ließ sich scheiden,
der Schoner neben uns beherbergte einen alten Seebären mit russischer
Freundin in den 20igern. Schräg neben uns ein Amerikaner, der im
Stringtanga jeden Morgen seine Ankerkette überprüft, und die
Holländer 3 Schiffe weiter badeten nackt im dreckigen Lagunenwasser
und duschten sich dann nackt am Heck ihres Schiffes bis wirklich jeder
ihre Körperausmaße kannte.
Die Sarifundi Marina, ein kleines Lokal, Treffpunkt aller Segler, die
frei ankern, organisierte Bingo, Domino und Yoganachmittage und natürlich
nicht zu vergessen: Montag und Donnerstag Happy Hour mit Fernsehen für
die Kids. Schrebergarten Idyll pur. Es war Zeit weiterzuziehen! Aber halt!
Unser nächstes Ziel war Cartagena in Columbien. "Cartagena?
Thats not a babyrace!" raunte der holländische Barmann mit blutunterlaufenen
Augen. "Gefahrliches Seegebiet, da kriegen viele eins über die
Hucke" Jochen , der Seebär mit russischen Connections lachte
hämisch (so hörte es sich zumindest für mich an). 6 Meter
Wellen, 40 Knoten Wind, Baumstammfelder, die Schiffe rammen, Gewitterstürme
und natürlich zerfetzte Segel. Das alles passiert, wenn man off shore
segelt. Bleibt man an der columbianischen Küste und nimmt die Chance
wahr, Pausen einzulegen und bei Schlechtwetter abzuwarten, wird man ausgeraubt
und vielleicht erschossen. Aha. Schöne Aussichten.
"Das Kap Horn der Karibik" zischte es aus vielen Mündern
in allen Sprachen, ängstliche Blicke wurden gewechselt, Strategien
überlegt, sollte der Sturm einen treffen. Ein Treibanker, nein besser
4. Ablaufen. Absaufen. Peter holte sich einstweilen die neuesten Wetter
Gripfiles und sagte: "Am Donnerstag segeln wir los." Und so
geschah es. 4 Segelboote verließen im Konvoi den geschützen
Hafen Curaçao und machten sich auf die weite, ungewisse Reise.
350sm. Wir hatten beschlossen, die Stopps an der Küste zu wagen.
Ein bekanntes Segelpärchen hatte erst wenige Monate zuvor darüber
einen Fahrtenbericht geschrieben. Das klang gut und vertrauenserweckend.
Außerdem waren wir zwischen Wet- und Dry-Season, die beste Zeit
um den Sprung nach Cartagena zu wagen. Nichtsdestotrotz war mir mulmig
zumute. Wie auch nicht? Finn war das egal, er hatte seine Freunde Yannik
und Elaisa im Konvoi und das bedeutete Party bei jedem Stopp.
Im Feuerschein einer Ölraffinerie ankerten wir im Süden Arubas,
und tagsdarauf scheinbar mitten im Meer an einem Steinhaufen. Eigentlich
2 Steinhaufen, verbunden mit einer Mauer. Hinter der Mauer eine Trosse
an der man seine Schiffsleine befestigt und ohne Anker mit 6 anderen Schiffen
dran hängt. Viel Fantasie braucht es da nicht um sich diverse Horrorszenarien
auszudenken. Mir fielen in dieser Nacht unzählige Möglichkeiten
ein, die Frage konzentrierte sich dann gegen 4 Uhr früh auf "Wo
könnte die Trosse zuerst reißen, und welches Schiff wird als
erstes am Felsen zerschellen, und wie kommt man da noch weg ohne das Tau
in den Motor zu kriegen?" Süße Traüme
Los Monjes,
so hieß dieser unsägliche Ort, ist übrigens bewohnt, von
einem venezuelanischen Militärtrupp, 25 Soldaten, die im ewig pfeifenden
Passat ihren Dienst absitzen. Willkommen in der Karibik!
Capo de Vela war die Alternative zum Steinhaufen. Eben dieses berühmt,
berüchtigte Cap. Franzosen, die schon 4 Tage auf den Los Monjes auf
besseres Wetter warteten winkten uns mitleidig, als wir die Leinen vom
Seil lösten. Alles lieber als noch eine Nacht hier! Kaum waren die
Inseln außer Sicht normalisierte sich das Wetter. Peter knurrte
nur "Hab ja gesagt: typischer Düseneffekt. Alles Hysteriker!"
Die Worte sollte ich in den nächsten Tagen noch öfter hören.
Wir umrundeten also das Kap Horn der Karibik fast mit Spinnaker - ein
Leichwindsegel. Ja fast, weil ganz trauten wir der Ruhe nicht, und nach
meiner Spinnakererfahrung am Atlantik hatte ich die Nase voll, tagelang
zu nähen.
Und schon nahte die nächste Gefahr! Die columbianische Küste.
Five Finger Bay, ein Naturschutzgebiet, fast schaut's aus wie in den Fjorden
in Norwegen, hohe, grün bewaldete Hügel, eine tiefe, friedliche
Bucht, Pelikane, Fischerhütten. Ob das liebe oder böse Fischer
sind? Ronaldo Garcia paddelte in seinem Einbaum zur Risho, zückte
ein Päckchen Visitenkarten - alle von Yachties. Wir plauderten angeregt.
Er spanisch, ich französisch, latein, italienisch. Tagsdarauf lud
Ronaldo uns zur Ortsbesichtigung ein und zeigte stolz sein Haus mit David
Beckham und Marilyn Monroe Posters an den Bretterwänden. "Wo
schlaft der Mann denn, Mama?" fragte Finn, und Ronaldo hängte
für ihn die Hängematte quer durch den Raum. Die Hälfte
des langen Strandes ist eingezäunt. Warum? Ein Dottore aus Santa
Martha hat sich ein Stück Nationalpark gekauft und feiert hier gerne
seine Geburtstage. Er hat einen Generator im extra dafür gebauten
Häuschen. Die Fischer: Gaslicht. Wer ist da jetzt der Bandit?
Wir genossen die angenehmen Tage hier, vom höchsten Berg Columbiens,
einem 6000, fegen die Fallwinde herunter und zerren an der Ankerkette.
Auch türmen sich riesige Gewitter in den Bergen. Natur pur. Draußen
auf See null Wind. Als sich das änderte ging es weiter. Eine laute
Nacht in einem Ferienort namens Rodadero. Trommelspieler und Gejohle bis
in die frühen Morgenstunden. Es ist Carneval in Columbien. Übrigens
das Land der schönen Frauen!
Wir bleiben an Bord - nicht nur um den Captain nicht in Versuchung zu
bringen, nein, nein, am nächsten Morgen sind wir um 4 Uhr früh
auf den Beinen oder besser gesagt Rümpfen. Dreaded Rio Maddalena!
Ein Fluss, dreckig und unheimlich, wälzt sich ins Meer, schwemmt
Baumstammfelder an und lässt bei starkem Wind die Wellen Rumba tanzen.
Wie eine braune Mauer im blauen Wasser kündigt sich der Gefürchtete
an. Ich kralle mich am Steuerrad fest. Peter und Finn haben Holzdienst
und schauen angestrengt in die Drecksuppe. 2 Baumstämme und 3 Kokosnüsse.
Das ist noch mal gutgegangen. Wir sind aber nicht mehr 4 Schiffe sondern
2. Der Konvoi hat sich ob der starken Fallböen geteilt. Die anderen
warten noch ab und werden im Ferienort zur Attraktion. Eingekeilt von
Tretbootfahrern und neugierigen Schwimmern, kann sich Gesche von der "Yara"
nur noch mit einem "F
off!!" retten. Und sie bereut es,
nicht mit uns rausgesegelt zu sein.
"Risho Maru" und die "Bess" liegen im stillen Wasser
einer Bucht hinter einem Riff. Die 40 Knoten Wind, die hier blasen, standen
aber nicht im Prospekt, bitte schön! Da die Bucht als anfällig
für Boardings (Banditen, die einfach auf das Schiff kommen ohne zu
fragen) und Robbery (Banditen, die ihren Job tun) bekannt ist, beschließen
wir, Nachtwachen einzulegen. Ich mach bei dem Windgeheule ohnedies kein
Auge zu. Die Schiffe wechseln alle 2 Stunden den Wachdienst. Nix passiert.
Bei dem Wind würd ich aber auch nicht arbeiten gehen. In der Früh
Flaute. Die einzigen, die uns quälen, sind wild um sich stechende
Sandfliegen und wir flüchten.
Cartagena ist praktisch vor unsere Nase, als ein Gewitter uns endlich
Wind bringt. Leider aus der falschen Richtung. Als wir die Lichter der
Stadt endlich neben uns sehen, ist es stockfinstere Nacht. Herrlich, genau
das, was ich liebe, wenn man in einen fremden Hafen einfährt. Auch
steht in unseren Hafenunterlagen, dass diese Einfahrt Boca Grande keine
Beleuchtung hat. Olli von der "Bess" mir Radar hinter uns, wir
vorne mit praktisch Null Tiefgang. Die Einfahrt soll flach sein, aber
kein Problem für Katamarane. Gemeinsam sind wir stark. Vor allem
Peter. Er sieht die beleuchtete Einfahrt als erstes. Ja - beleuchtet!
Uff! Langsam tuckern wir Richtung Marina. Jetzt erst sehe ich die wunderschöne
Skyline der Stadt. Fast ein bisserl wie Manhattan. Zu unserer Rechten
eine Madonna mit Kind mitten im Wasser, kitschig beleuchtet. Aus der Stadt
Trommelgeräusche. Karneval. Wir sind angekommen!
Fotos
|
| 25.10.2006,
Curaçao |
Marinatage
- Hundstage
Wir sind in der Marina. Am
Trockenen - on the hard. Nach einem Jahr im Wasser ein notwendiger Routine
Gesamtcheck.
Es ist heiß. 35 Grad in den Kajüten. Draußen knallt die
erbarmungslose Sonne vom blitzblauen karibischen Himmel. Ich wünsch
mich ins kühle Norditalien. Da trugen wir Pullis und lange Hosen,
um im Frühling vor eineinhalb Jahren das Schiff startklar zu machen.
Unter den Seglern am Gelände der Curaçao Marina herrscht Haute
Couture. Hässliche, abgetragene, verfärbte T-Shirts. Dazu fleckige,
unrettbar ruinierte Shorts, unmöglich ausgebeult.
Wenigstens sind wir nicht allein am Arbeiten. Marita und Frank neben uns
stehen um 5 Uhr 20 morgens auf, um ihr Deck neu zu streichen - sonst trocknet
die Farbe zu früh - heißt beim ersten Pinselstrich.
Unsere lieben Freunde Gesche und Herbert von der YARA sind da. Gut für
Finn, unseren Sohn. Mit seinem Freund Yannik gräbt er sich durch
die Marina. Verdreckt, aber glücklich und zufrieden.
Kann man von den Erwachsenen hier kaum behaupten. Obwohl, verdreckt stimmt.
Gesche hat einen einstmals weißen Sonnenhut auf und hängt kopfüber
hantierend in einer Segelkammer ihres Segelschiffs. Hochrotes Gesicht.
Schweißtropfen rinnen in ihre Augen als sie kurz auftaucht. Herbert
sitzt unter seinem Katamaran im Schatten und kriegt Muskelkrämpfe
in den Armen. Er pinselt die Motorschrauben. Aber YARAS Antifouling ist
bereits gestrichen und lässt alle hoffen, dass irgendwann auch bei
einem selbst die viele Arbeit sich so schön bezahlt macht.
Mein Mann Peter macht einen Saunagang in unsere Kombüse. Ich krieg
eine neue Küchenplatte. Von Peter gezimmert. Sieht wunderschön
aus. Steckt soviel Arbeit und Können darin. Sägen, Schleifen,
epoxieren, trocknen, wieder epoxieren, schleifen, lackieren. 2 Tage im
Schweiße seines Angesichts.
Ich mache alle Handlanger Arbeiten - kommt das hier einigen Seefrauen
bekannt vor?
Hab mich mal mit meiner Weltumsegler Freundin Doris von der NOMAD über
diese Handlangerarbeiten unterhalten. "Es nervt!" war ihre Meinung.
Stimmt. Man tut nicht wirklich was Bedeutenden, aber huscht ständig
zwischen Werkstatt, Kajüte, unter dem Schiff, auf dem Schiff umher,
wo ist der Hammer? Kommt schon! Ich brauch das Schleifpapier! Gleich da!
Hol bitte die Schleifmaschine rauf! Bring bitte die Schleifmaschine runter!
Schnell die Nutfräse! Was zum T... ist eine Nutfräse?
Und das bei 35 Grad im Schatten.
Die Hamburger in der Halberg Rassy schräg gegenüber streiten.
Sie (genervt): "Mensch, dann mach's doch alleine!"
Er (alarmiert): "Ich kann's nicht alleine machen!"
Sie (noch genervter): "So, dann lass ich's jetzt los!"
Er (fast explodierend): "Mensch, dann lass es eben los!"
Sie (fest): "Gut. Dann lass ich's jetzt los."
Er explodiert.
Man sollte nicht den Fehler begehen und jetzt glauben, die beiden mögen
sich nicht. Das, was wir hier erleben, ist in der Marina normal. Ist man
mehr als eine Woche hier, beginnt der Marinakoller. Zeigt sich in zynischen
Gifteleien, knallenden Kajütentüren, verbissen im airconditionierten
Leihauto sitzenden Ehefrauen, unanständigste Flüche von sich
gebenden einst ehrbaren Kapitänen.
Auch mein Mann kennt Wörter, die mir die Schamesröte ins Gesicht
treiben. Blöd ist, wenn Finn dann wissen will, was der Papa damit
meint.
Es heißt ja immer, beim Segeln lernt man sich richtig kennen. Das
stimmt meiner Meinung nach nur zum Teil, aber in der Marina kommt garantiert
alles zu Tage. Denkt jemand nach 3 Wochen Marinaarbeiten an Scheidung,
ist das nichts Besonderes. Nicht überreagieren, erstmal 3 Wochen
Segeln gehen und dann weitersehen. Will wer nach 4 Wochen Marina sein
Schiff verkaufen, sollte er wissen: jeder will nach 4 Wochen Marina sein
Schiff verkaufen.
Wenn möglich abends die Marina verlassen. Bei uns gerade nicht möglich,
da alles nur mit dem Auto zu erreichen ist und wir zur Zeit noch kein
Auto haben. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als an Deck mit
meinem kleinen Gaskocher ein Abendessen zu zaubern. Weil die Küche
ist Baustelle. Was lerne ich also: Flexibilität, Improvisationstalent,
Offen für Neues. Na bitte - so ein paar Wochen in der Marina schaffen
Managerqualitäten!
Die Schweizer Sylvie und Wolfgang haben es geschafft. Ihr Gaffelsegler
ist im Wasser, sie wollen morgen los. Kleiner Motortest. Nichts. Es stellt
sich heraus, ein Dichtungsring hat den Geist aufgegeben. Ein Ersatzteil
muss man in Europa bestellen. Wartezeit ca eine Woche. Marita und Frank
lächeln ermutigend: "Seid doch froh, wir haben 4 Wochen auf
den Impeller vom Wassermacher gewartet."
Ich steh beim Wasserspender der Marinaarbeiter und fülle klares,
kaltes Trinkwasser in eine Flasche. Absoluter Luxus bei 35 Grad im Schatten.
Yannik und Finn spielen Fußball. Herbert ist ihr erschöpfter
Aufpasser im Schatten. Unsere Hamburger haben beschlossen, ein Hotel für
die Nacht zu nehmen. Gesche versucht, Farbe aus ihren Haaren zu kriegen.
Peter geht duschen. Höhepunkt des Tages!
Ein ganz normaler Tag in der Marina! Und tagsdarauf... entschieden wir
uns, das Unterwasserschiff komplett abzukratzen, abzuschleifen, zu epoxieren,
zu grundieren und schließlich ein tropensicheres Antifouling 3 Mal
aufzurollen... oder waren es doch viermal
ich weiß nicht,
war alles vor einer Woche oder so... was? wo bin ich
müde...
kann nicht mehr schreib bbbbbbbbb... zzzzzzzzzz.
Fotos
|
| 04.10.2006,
Curaçao |
Wieder
zu Hause und eine Reise durch Amerika
Es ist heiß. Sehr heiß.
Unsere erste Nacht auf der Risho nach 2 Monaten in der Ferne. Ich wälze
mich herum. Fast wünsche ich mir die New Yorker Aircondition zurück.
Obwohl, mein Schnupfen mit Fieber durch Unterkühlung war unwitzig.
Wälz. Wieder zu Hause. Risho riecht nach zu Hause. Wohlig, warm (heiß),
gut.
Abflug nach Kalifornien am
10. August 06. Terror and Travel auf den Fernsehbildschirmen im Flugzeug.
Panisches Flughafenpersonal in New York. Schlangen. Frustrierte Damen
werfen volle Parfumflaschen in Abfallkörbe. Beamte schreien Unverständliches.
Finn muss seine Schuhe ausziehen. Wirkt er wie ein Terrorist?
Endlich in Los Angeles. Am Flughafen suchen wir ein Car Rental. Der Chef
ein kalifornischer Iraker.
Mit blauem Kleinwagen für die nächsten 4 Wochen trudeln wir
bei meiner Freundin Cherie ein. Ihr Haus in North Hollywood: ein Knusperhäusschen
aus dem Jahr 1937.
Im Garten unter einem Orangenbaum ein Original Trailer aus den 70ern.
Unser Quartier! Cherie ist Schauspielerin und Schauspielcoach. In ihrem
Office hängt eine Dankeskarte von Mel Brooks. Und Vanessa Redgrave.
Jonny Depp wurde von ihr gecoacht
"yeah Jonny is a nice guy
he always really wanted to be an actor". Cherie hängt solche
Bekanntschaften nicht gern an die große Glocke. Ich schon!
Finn spielt mit ihren Hunden Lulu und Baba. Dann pflücken wir uns
Orangen und trinken frischen Saft. Next! Disneyland. Unglaublich toll.
Hätte nicht gedacht, dass dies über meine Lippen kommen würde.
Auch Peter ist hingerissen. Und Finn? Ihm versagt sogar der Appetit! Sehr
ungewöhnlich!!! Aber besser so, denn ein Hotdog kostet 7 Dollar.
Peter schmilzt beim "Peter Pan" Ride (kein Mann will erwachsen
werden), ich beim Cinderella Schloss (es sind doch alle Mädchen Prinzessinen)
und Finn liegt sprachlos in Mickey Mouses Armen. Nach14 Stunden(!) noch
ein Feuerwerk und cut!
Wir kaufen uns ein Zelt, packen einige Decken aus unserem Trailer ein
und machen uns auf unsere Kalifornien Rundreise.
Entlang der Küste, Highway 1, der Berühmte! Erste Nacht unter
einer Eisenbahnbrücke. 10 Züge. Zweite Nacht unter einer Highwaybrücke.
100 Trucks.
Aber jeden Abend Lagerfeuer und den Pazifik vor der Nase. Kalt ist er,
aber ruhig.
Cambria, ein kleiner Ort an der Küste, voller netter Geschäfte
und netter Leute. Wir bleiben 2 Tage und alle grüßen uns bereits.
Am Abend "Lousiana Red" im Gemeindesaal. Ein berühmter
Bluesmusiker. Er und seine Schwester die einzigen Schwarzen bei diesem
Konzert. Und wir die einzigen Österreicher.
"Oh you are from Arnold's Country?" Man mag den Governor ganz
gerne. Ein ganz Lustiger ahmt Arnolds Dialekt nach. Dass er schon lange
nicht mehr so redet ist auch egal. I'll be back. Haha. Finn ist inzwischen
eingeschlafen. Wir gehen.
Am nächsten Tag fahren wir ganz früh im Nebel weiter. Mit Bagels,
Muffin und heißem Kaffee im Auto. American Breakfast. Wir sehen
bei San Simeon dicke Elefantenrobben am Strand knotzen. Eine winkt uns
zu. Cheese!
In Big Sur fahren wir durch Wald. Richtigen Wald! So wie in der Steiermark,
nur der Pazifik hinter den Klippen stellt klar, wo wir sind. Grüne
Wälder, tiefblaue See, blitzblauer Himmel. Besser als Disneyland!
Aber dann: Die Straßen von San Francisco. Peter glaubt es nicht,
"Die sind ja wirklich so steil?"
Finn will mit dem Cable Car fahren. 200 Japaner vor uns auch. Er kriegt
ein Mini Cable Car als Trost und das steht jetzt auf der Risho.
Über die schöne rote Brücke nach Sausalito und wieder in
die Berge.
Unser Ziel ein Campingplatz bei Stinson Beach. Wie sich herausstellt,
liegt er eher nahe der Steilküste in den Bergen, 7 Meilen von Stinson
Beach auf 3000 Meter Höhe. Campingplatz sehr billig, ohne Dusche,
im Gehenk. Romantisch und saukalt. 15 Grad - für mich, nach einem
Jahr um die 25 Grad, praktisch am Gefrierpunkt! Finn rüsselt zufrieden
im Zelt und heizt für Peter und mich ein. Schön, dass wir eine
tolle Campingausrüstung (in Wien) haben und kuschelig warme Fleecejacken
(am Schiff).
Wieder American Breakfast am nächsten Tag. Nach dieser rauhen Nacht
zeigt die Mannschaft, vor allem die Frauschaft, Ermüdungserscheinungen.
Wir fahren ins warme Inland nach Lodi, genießen einen schönen
Campingplatz am Fluss. In Locke besuchen wir eine chinesische Siedlung,
sieht aus wie im wilden Westen. Oder besser - wie eine chinesische Siedlung
im Wilden Westen in Disneyland. Aber es ist echt!
Der Nationalpark Yosemite liegt vor uns. Wälder, Flüsse, Bären!!!
Unser sehr einsamer Campingplatz liegt an einer Lichtung. In der Nacht
hören wir eigenartige Knacksgeräusche. Racoons? Stinktiere?
Eichkatzerl? Oder doch die großen Braunen? Im Valley besucht Peter
den El Capitano, und im Indianershop krieg ich ein original indianisches
Armband. Hoffe ich zumindest. Finn kriegt im Riesensupermarkt (in Amerika
gibt es überall einen Riesensupermarkt, auch im Nationalpark!) einen
Hiking Dude geschenkt. Bevor noch mehr Touristen einfallen zieht es uns
wieder in die Wildnis. Quer durch Yosemite Richtung Süden nach Bass
Lake. Abendessen mit Paul Newman. Seinem Dressing natürlich. Er macht
keine Filme mehr sondern Salatdressing. Gar nicht schlecht. Vielleicht
sollte Arnold sich mal bei ihm beraten lassen. Im Abendlicht flackert
unser Lagerfeuer, durch die Tanne sehen wir den ruhig liegenden Bass Lake.
American Dream.
American Breakfast, again. Diesmal im "Blue Bear" an der Bar.
Ein riesiger Teller mit Würstel, Kartoffelpuffer und Eiern. Dazu
gebutterter Toast. Finn fragt, ob das das Mittagessen ist. Überhaupt
ist alles in Amerika groß.
Die Essensportionen: Am besten ist, man bestellt ein Gericht für
alle, dann kann man sich den Rest immer noch im Doggy Bag mitgeben lassen.
Die Distanzen: Cherie meinte mal, gleich bei ihr ums Eck läge ein
toller Supermarkt. 3 Autobahnen und 45 Minuten später kamen wir an.
Die Marinas: In der Marina del Rey bei Venice verfuhren wir uns 2 Stunden
und es stellte sich heraus: wir waren aus dem ersten Komplex der 5 Komplexe
nicht rausgekommen.
Langsam zog es uns wieder zu unserer Basisstation in Los Angeles. Zuvor
wollten wir noch einen See in den Bergen besuchen, stellte sich als Stausee
in der Wüste heraus, bei 40 Grad im Schatten - von dem es kaum welchen
gab.
Wir bogen ab und landeten wieder mal am Pazifik. Kühle Brise, Lagerfeuer,
Wohnmobile groß wie Garconnieren mit Gartenzaun und Blumenkästen.
Chris, ein Freund von Seglerfreunden lädt uns nach San Diego ein
- zum Wellenreiten! Eingepackt in Neopren reite ich meine erste Pazifik
Welle ab! Whoopie! Chris bingt uns zum Aufwärmen ins Strandhaus seiner
Eltern mit Jacuzzi und köstlicher Bewirtung.
Welcome to Hollywood! Am gefürchteten Labour Day Weekend bleiben
wir wegen übermäßiger Autoansammlungen im Trailer und
pflanzen Bambus in Cheries Garten. Sie macht uns das traditionelle Labour
Day Essen. Hamburger gegrillt, Kartoffelsalat und viel Sprite und Coke.
Und dann Fernsehen. 1200 Programme. Da geh ich lieber schlafen. Grand
Canyon spritzen wir - können keine Autobahnen und Autos mehr sehen.
Dafür gehen wir in ein Gitarrengeschäft am Sunsetboulevard -
natürlich groß. Finn und ich verirren uns und finden Peter
nach einer Stunde wieder, ganz versonnen auf einer 3000 Dollar Gitarre
spielen.
Fotos
California (CA)
Zurück in New York.
Unsere lieben Banker haben uns wieder aufgenommen und wir helfen ihnen
Umziehen!!! Sandra und Hans Peter hatten die Kündigung erhalten nachdem
wir in ihrem Apartment gewohnt hatten. Hat aber angeblich nichts mit uns
zu tun. Irgendwie aber doch peinlich.
Sie wohnen jetzt in Harlem. Jazz Bars um jedes Eck, afrikanische Frauen
in Tracht. Am Sonntag alle wunderschön herausgeputzt für ihre
vielen Kirchen. Der Friseur ums Eck hat bis 2 Uhr Früh geöffnet
und spielt mit Vorliebe James Brown
I'm a Sex Machine
Spike
Lee dreht einen neuen Film vor der Haustür. Ziemlicher Unterschied
zum noblen Brooklyn Heights!
Vielleicht sind wir doch nicht ganz unschuldig!
Fotos
New York (NY)
Und jetzt wieder am Schiff.
Tut gut.
Und unsere Abenteuer in den Staaten taten auch gut. Neue Freunde zu machen
und alte Bekannte zu treffen. Wälder zu sehen. Den Pazifik zu betrachten,
den wir bald ersegeln werden.
Und zu wissen, uns wieder daran zu erinnern, wie wunderbar es ist, mit
einem Schiff die Welt zu entdecken.
Und zu wissen, uns wieder daran zu erinnern, wie toll eine Großstadt
ist und wie anstrengend und ablenkend.
Kein Fernsehen. Finn schläft schon lange. Funkelnder karibischer
Sternenhimmel. Heiß. Wälz. Zu Hause.
|
| 07.08.2006,
New York |
Pirates
of the Caribbean in New York
Wir wohnen seit 2 Wochen bei
waschechten New Yorkern.
Sandra, Bankerin, geboren in Linz trägt Manolo Blahniks (ja, Carries
Liebling Schuhe!) und bügelt abends leidenschaftlich gerne.
Hans-Peter, Schweizer und Banker, geht um 5 Uhr 30 joggen und isst als
Nachspeise Tasti Delite (Eis, das kein Eis ist, aber so schmeckt).
Abgesehen davon sind die beiden verrückt genug, Segler bei sich aufzunehmen,
die sie nur vom Hören Sagen kennen.
So standen wir um 2 Uhr nachts vor ihrer Tür und wurden aufgenommen
wie alte Bekannte. Sehr alte Bekannte - noch in der selben Nacht verreisten
die beiden für 5 Tage um eine Silbermine in Idaho zu besichtigen
und überließen uns ihre Wohnung. Da saßen wir nun in
Brooklyn Heights, in einem wunderschönen Backsteinhaus mit Blick
auf die Skyline Manhattens - in der Küche - die hat ungefähr
die Ausmaße unseres Mittelcockpits. Am ersten Tag suchte ich das
Zimmer mit der Waschmaschine und fand es nicht. Dafür schafften wir
es, den Fernsehapperat und den Computer lahmzulegen, ach ja, und auch
der Feuermelder ging los, als wir uns ein Steak brieten.
Wieder mal in einer Wohnung zu sein war schon seltsam, aber mitten am
Timesquare zu stehen, nach einem Jahr Segeln, war zu viel. Finn taute
wieder auf als wir das Toys "R" Us an der Ecke Broadway / 42nd
Street entdeckten. Mit Riesenrad. Und Riesendinosaurier, der sich bewegt.
"Der is aber nicht echt,Mama,oder?"
Peter wurde wieder locker, als wir in die 46th Street bogen, zahllose
Musikstores zu beiden Seiten, und Gitarren bis zum Abwinken.
Mein Herz klopfte, als in der 72. Straße der Central Park vor mir
lag.
So Schön.
Wir besuchten einige Tage später Sandra und Hans-Peter im Büro
im Rockefeller Center, 5th Avenue, Ecke 50. Straße. Irgendwie ließ
man uns bis in den 42. Stock fahren, und als dann ein Banker im Anzug
die Suiten Tür öffnete, erblickte er 3 gar schräge Gesellen.
Einen braungebrannten Surfertyp mit Zopf, eine Blondine mit Sommersprossen
und Flip Flops und ein dazupassendes fröhlich grinsendes Kind mit
einer Johnny Depp Piratenminiatur in der Hand.
Wir starrten uns gegenseitig 5 Minuten an. Nicht feindlich, eher entgeistert
oder überrumpelt, als endlich Sandra erschien und den Bann löste.
Uns war das irgendwie peinlich, aber Sandra meinte "Vergiss es, die
sind das von mir gewohnt!"
Dass der Strom in Queens für eine Woche ausfiel, hatte nichts mit
uns zu tun - hoffe ich zumindest. Die New Yorker waren echt nett. Ob in
der U-Bahn oder auf der Straße, sobald wir Zeichen von Orientierungslosigkeit
aufwiesen, halfen sie freundlich aus. Sandra meinte: "Die helfen
euch nur weil sie wollen, das ihr euch möglichst schnell in New York
auskennt und ihnen nicht im Weg steht und den Gehsteig-Verkehr aufhaltet."
Man geht hier bei Rot über die Straße, im Kino bestellt man
auf jeden Fall Small Size weil sonst trinkt man noch 2 Wochen an den 3
Litern Cola und versucht die 2 Kübeln Popcorn der Medium Size Portion
frisch zu halten.
Und man trägt Dirndl Kleid und Rüscherlbluse. Gesehen am Shopping
Broadway. "Thats so cool right now" grinst mich die Verkäuferin
an und streicht kokett über ihren Trachtenrock.
Nach einer Woche waren wir erledigt. Sandra und Hans-Peter kümmerten
sich liebevoll um uns. Ein ganzes Wochenende taten wir nichts als in der
aircondition-kühlen Wohnung der New Yorker Hitzewelle (38 Grad!)
zu entgehen, gingen kurz in den Zoo, dann bekochten uns die beiden mit
Schweinsbraten und Vanillepudding. Als Belohnung gab's ein Video. Fast
wie zu Hause. Danke, ihr beiden!
Am Montag waren wir wieder bereit für den Big Apple - ich bekam meine
Broadwayshows, Peter ein Jazzconcert in Harlem und Finn das FS Schwarz
- ein Spielzeuggeschäft - mehr Disneyland als Kaufhaus!
Dass das Musical aus Amerika kommt, ist mir schon klar, aber eine Vorstellung
zu sehen in der Schauspieler grandiose Sänger sind und dabei auch
noch ihr eigenes Orchester, ließ uns den Mund offen stehen.
Die 10 Leute auf der Bühne sangen und strichen auch noch ihre Cellis
und Geigen, spielten abwechselnd Piano und Schlagwerk, und der Contra
Bassist sang dann noch schnell die Arie des unglücklichen Vaters.
Oder die Hauptdarstellerin lieferte auch noch so nebenbei ein Posaunensolo.
In Harlem saßen wir im schummrigen (rauchlosen) Jazzclub und genossen
die Lebens- und Spielfreude der Band. Die Sängerin hatte Geburtstag
und teilte die Torte dann auch noch mit dem Publikum. Peter schlug die
Drogenangebote auf der Toilette aus und Finn hielt in der Wohnung eine
Amerikanisch Schweizerische Nanny auf Trab.
Im Museum of Modern Art wunderte sich Finn, dass man zusammengeschweißte
Autoteile als Skulptur im Museum betrachten kann, und Peter und ich grinsten
über die DADA Austellung und den vielen Österreichischen Beiträgen
dazu!
Nach einem Wochenende in Baltimore mit Live Baseballmatch zwischen NY
Yankees und Orioles (ich weiß jetzt, was ein Inning ist!) und einer
Übernachtung in einem Motel (mit Auto vor der Zimmertür) bereiten
wir uns für unseren Californien Trip vor. Da werden wir bei meiner
alten Freundin Cherie in LA wohnen. Sie hat einen Trailer im Garten hinter
ihrem Haus für uns reserviert. Finn fragt gerade, ob er noch ein
Non Sugar Zuckerl haben kann. Na klar, ich ess ja auch gerade Low Fat
Blueberries und Peter genehmigt sich ein Sodium Free Sprite. Mal sehen
was Californien für uns bereithält! Wir kommen!
|
| 17.07.2006,
Curaçao |
"On
the hard"
Nein, nein, nein das bedeutet
nichts Unanständiges!
Wir sind aus dem Wasser, Rishomaru steht an Land in der Curaçaomarina
und wird von uns gehegt und gepflegt.
Ich hänge wiedermal kopfüber in der Bilge und miste aus.
Unglaublich, ein Jahr ist vorbei und ich habe meine in Spanien erstandenen
Plateauespandrillen kein einziges Mal getragen. Dafür fällt
mir gerade mein 3. Paar Flip Flops von den Füßen. Eine rostige
Dose Blutwurst. Ich glaube, die nehm ich nicht mit in den Pazifik. Quixqong
- ein Spiel mit hübschen Holzwürfeln, aber ohne Anleitung. Seit
Jahren an Bord. Vielleicht mach ich eine Kette draus oder nehm die Würfel
statt Grillkohle.
Bergschuhe - zum Wandern auf Teneriffa. Waren dort wandern, aber mit Turnschuhen
und auch zum Landurlaub in die USA werden wir sie nicht mitschleppen.
Schlaft weiter. Die von Finn passen sowieso nicht mehr.
So wie der schicke Kinderfaserpelz vom Intersport - allein beim Gedanken
an Pelz schießt mir der Schweiß aus den Poren. Uns ist heiß!!!
Das hat Finn heute in der Schule geschrieben. Mir ist sonst nix eingefallen.
Ab Samstag sind sowieso Schulferien!
Übrigens, wir sind auf Curaçao, eine der Niederländischen
Antillen. Die ABC-Inseln - ziemlich wörtlich für Finn! Zuvor,
nach unserem herrlichen Venezuela Törn, waren wir auf Bonaire.
"Kralendijk" - so heißt der Hauptort von Bonaire - übersetzt
"Korallenteich". Holländisch ist doch irgendwie einfach,
oder?
Auf jeden Fall, Bonaire war super! Vor allem der erste Landgang mit Besuch
im "Casablanca", einem argentinischen Steakhaus. Es hat sich
ausgedosenwürstelt!
Dann gabs ein gemütliches Fest am Dorfplatz mit local food, Z.B.
Leguansuppe hab ich probiert - wie Hühnersuppe, wenn nicht die grob
zerteilten Leguanteile plus Haut zu erkennen gewesen wären. Habs
dann mit "Bollen" probiert - panierte Bällchen mit irgendwas
drinn - will auch gar nicht wissen was - war aber echt gut! Alles runtergespült
mit Aruba Bier - willkommen in Holland in der Karibik! Man zahlt in Gilden.
Getanzt haben wir dann zur südamerikanischen Musik der heimischen
Band. Am nächsten Tag rumpelten wir mit einem Pick up Truck in den
Nationalpark, um Flamingos zu sehen. In einem verschlafenen Ort namens
Rincon wurde auf der Straße gegrillt, nette schwarze Damen verkauften
indonesischen Sates. Sag, wo waren die Holländer bitte noch überall?
Wieso waren die Österreicher nirgends? Man stelle sich vor, man segelt
in die Karibik und plötzlich eine österreichische Insel. Was
würde einen da erwarten... nachdenk
da fällt mir nur eines
ein: Kommt man hier auf diesen Inseln in das Immigrations Office - und
da muss man leider hin - stechen einem die Beamten ins Auge. Sie könnten
österreichische sein. Erschöpft reichen sie einem den mehrseitigen
Einklarierungszettel zum Ausfüllen und verstecken dabei ihren Kugelschreiber.
Sie drehen genervt die Augen über wenn man statt einem Kreuzerl bei
der Frage Waffen "Ja" oder "Nein", ein Ringerl um
das Nein macht.
Endlich wieder an der Luft!
Eine Woche später sind wir in Curaçao. Die Fußball WM
sehen wir auf einer Großbildleinwand im einem Restaurant in Spanish
Water, einer riesigen, geschützten Lagune. Segler aller Länder
vereinigen sich. Franzosen fiebern, Holländer bibbern, Deutsche feiern,
und 2 Osterreicher (wir) wechseln die Farbe von brasilianisch bis französisch.
Willemstad, die nette Hauptstadt, bietet uns einigen Luxus: Kinogehen,
Jazzclub lauschen, frische Erdbeeren mit Schlagobers, echter Capuccino.
Und jetzt sind wir also in der Marina, die Umgebung nicht gerade lauschig,
eher Industriezone. Statt Türkiswasser - Asphaltboden, Risho thront
zwischen vielen anderen Schiffen, die hier für die Hurricaneseason
festgeschnallt sind - jawohl festgeschnallt mit Erdankern und in den Asphalt
betonierten Stützen.
He, ich dachte der letzte Hurricane wär hier vor hundert Jahren gewesen...
Einer ist immer da, Hurricane, der Hund des Marina Besitzers.
Finn lässt das alles kalt. Er malt sich mit Kreide Autobahnen auf
den Asphalt und spielt Unfall. RUMS steht da von ihm geschrieben. So nützlich
kann Schule sein!
Ich ziehe einen muffig riechenden Sack aus der Bilge. Unser Heizstrahler.
Schweiß steht auf meiner Stirn. Ich geh duschen. Hier gibt es nämlich
Süßwasserduschen - welch Verschwendung, welch herrliche, betörende,
prickelnde Verschwendung. Aber nichts könnte jetzt schöner sein,
denn es ist hart "on the hard"!
Übrigens, Risho Maru hat
jetzt 2 Monate Urlaub. Damit sie nicht einsam ist, bekommt sie in jeden
Rumpf und in die Segelkammer Luftfeuchtigkeits Entzug Säckchen! Ahhhhh...
Wir machen auf Landratten und fliegen Mitte Juli nach New York und dann
weiter nach Californien. Natürlich werden wir euch weiter berichten,
ob das mit den Photos klappt, werden wir erst sehen.
Heute haben wir das WM Fußballspiel beim Mc Donalds gesehen. Da
wars so schön airconditiongekühlt! Vor mir beim Bestellen stand
eine Dame und las mit gerunzelter Stirn in einem Mc Donalds Flyer, welcher
Hamburger die höchsten Nährwerte hat. Ich hab dann doch nur
den Non Fat Free Sojasin Lactose Capuccino genommen.
Amerika wir kommen!!
Und noch was... ohne unseren
Webzauberer Hari gäb es hier gar nix zu lesen. Er ist und bleibt
der beste. Schlagzeuger und Webmaster. Danke Hari!
Fotos
|
| 23.06.2006,
Los Roques |
Die
Los Roques - Schnorcheln, Surfen, Dosenfutter
Gerade überlege ich, was
wir denn zu Mittag essen könnten. Fisch gibt es keinen. Obwohl hier
genug schwimmen, aber die lassen sich partout nicht angeln. Inzwischen
sind wir so weit weg von der Zivilisation, dass nicht mal mehr Fischer
in der Nähe sind, um ihren Fang gegen Zigaretten und Bier zu tauschen.
Natürlich ankern hier noch einige Segler: Mit "Yara" unsere
Segelfreunde Gesche, Herbert und Yannik. Etwas weiter weg: Amerikaner
- nett und distanziert, bei den Mangroven: Spanier - nackt und distanziert.
Eines haben wohl alle gemeinsam - seit 2 Wochen keinen Supermarkt gesehen.
Was heisst das nun - fragt ihr?
Was man frisch gekauft hat ist weg. Wer einen Tiefkühler hat, hat
vielleicht sogar noch Fleisch. Milch - die Haltbare - ist zumindest bei
uns zu Ende. Butter - was ist das? Wir essen morgens frisches Brot mit
Marmelade. "Schmeckt sogar gut" Finn ist bescheiden geworden,
nachdem ich einmal Dosenpastete zum Frühstück aufgetischt habe.
Der Kaffee mit Milchpulver ist... ist... also gut
ein Alptraum!!!!
Mittags gibt es seit einer Woche "Thunfisch-aus-der-Dose-Variationen".
Die beste: Thunfisch mit Mayonnaise, Essiggurkerl plus dem letzten Futzerl
Zwiebel, dazu Arepas, selbst gemachte Brötchen aus Maismehl - isst
man hier in Venezuela. Satt. Am Abend: Spaghetti. Spaghetti, Spaghetti,
Spaghetti, Spaghet...
Der Lohn für diese kulinarische Monotonie ist das Schnorcheln beim
Riff. Als würde man in Schönbrunn ins große Aquarium hüpfen,
aber ohne Haie und Raubfische - hie und da vielleicht ein klug drein blickender
Barracuda. Wer "Findet Nemo" gesehen hat, kann sich vielleicht
so ein Riff mit seinen Bewohnern vorstellen. Hier sieht es genau so aus.
Kofferfische mit Familie, neugierig und bildhübsch, kleine gelb-blaue
Feenbarsche - schnell und frech, ein Igelfisch - unheimlich und ob unseres
Anblicks sich aufblasend. Grundelfische - von klein bis mini in allen
Farbtönen - höchst beschäftigt zwischen den riesigen Hirnkorallen
hin und her flitzend. Natürlich Dorie und ihre Freunde - die Doktorfische,
nachtblau mit klugen Augen immer mindestens zu dritt, manchmal zu 20st.
Und dann die majestätischen Papageienfische - in allen Farben schillernd,
armlang und Korallen abknabbernd und gleich wieder rauskackend. Dazwischen
Grunzer - so gross wie ein Damenschuh (Gr 37), gelb gestreift, silber-gelb
gepunktete. gelb beflosst - Inspirationen für Stoffdesigner. Und
die Snapper - von rot bis orange - sehr schnell und schüchtern. Schmecken
gut, aber lassen sich nicht fangen - wie bereits erwähnt.
Nach dem Schnorcheln wieder "zu Hause" packt uns der Hunger
und deswegen überlege ich gerade, was wir zu Mittag essen oder welche
Dose wir öffnen könnten. Bin ich das, die hier schreibt? Ich,
die im Reformhaus einst einkaufte? Ich, die sich Ayurveda-Rezepte einverleibte?
Ich, die nur in der Not eine Tomatendose zur Hand nahm? Apropos Tomaten,
Tomatenketchup mit Mayonnnaise und Oregano, ein passabler Dip für
die letzte Chipspackung. Bin ich das?
Da hilft nur Ablenkung. Hier gibt es Sandbänke. Flachwasser, das
bis übers Knie geht, wird ganz langsam tiefer - Ideal für Surfer
und solche, die es werden wollen. Peter schlizt die Wellen und ich mich
beinahe mit dem Surfbrett auf. Finn lacht und steht neben mir auf dem
Surfbrett unserer Freunde - "Turnstunde!" grinst er mich frech
an.
Für alle die es noch nicht wissen: Finn geht zur Schule - an Bord,
im Küchenrumpf, Lehrerin: Mama. Geht sehr gut - Unterlagen und Ratschläge
von Tante Andrea, Papas Schwester und ihres Zeichens super Volksschullehrerin.
Vor dem Schnorcheln: Schreiben und Rechnen. Am Nachmittag: Naturkunde
am Strand. Muscheln erkennen, wie ensteht ein Riff, sind Boobies Boden-
oder Baumbrüter? Keine Sorge, Peter übernimmt den Österreich-Unterricht
(höchster Berg, Bundesländer, Kastanienbäume, was ist ein
Fliegenpilz?)
Finns Lieblingsbuch zur Zeit: Die Fische der Karibik - Geschenk von Wolf,
dem Seenomaden. Na wenn der Bua net der zweite Hans Hass wird!
Die Los Roques sind übrigens ein Inselarchipel, 70 Meilen vor der
Küste Venezuelas. Kleine Inselchen hinter riesigen Riffen verstreut.
Zwischen den Inseln Flachwasser, die Inseln selbst auch flach, einige
Mangroven, die ein bisschen den frischen Passatwind abhalten. Überall
Pelikane, Möwen, Fregattevögel und eine Insel mit einer Schildkrötenstation.
Einen Hauptort gibt es, ein Ex-Fischerdorf zur Luxustouristenbleibe umgewandelt.
Wenn man diesen Ort hinter sich lässt, lässt man auch Supermarkt,
Obst und Gemüse zurück (nur vorhanden wenn der Versorgungsdampfer
grad da war) und muss schon gegen den Passatwind aufkreuzen, um noch mal
einkaufen zu gehen.
Was solls? Ich wollte die Dosenwürstchen aus Teneriffa endlich mal
aufbrauchen. Übrigens scharf abgeraten mit vielen Gewürzen und
dann über Spaghetti mit viel Olivenöl schmecken die gar nicht
so schlecht.
Wer spricht da? Das kann nicht ich sein
Fotos
|
| 23.06.2006,
Isla Margarita |
Isla
Margarita - Shopping and Eating
Mehr gibt es dazu eigentlich
nicht zu sagen. Alle träumen von der Isla Margarita.
Zumindest nach einer Saison in der Karibik. Billig, billiger, am billigsten.
Finn entschlüpfen beim Anblick von Porlamar (der Haupttouristenort
von Isla Margarita) die einzig richtigen Worte "Da is es schiach".
Stimmt. Wolkenkratzer und viele unfertige Wolkenkratzer, und ein ausgebrannter
Wolkenkratzer. Dazwischen kleinere kaputte Wolkenkratzer. Tja.
Am Tag nach unserer Ankunft setzen wir uns in ein Taxi und lassen uns
ins Zentrum bringen. 6000 Boliviar, ca 2 Euro Fahrtkosten. Ok. Das beste
aber am Taxifahren ist das Gefährt. Ein alter amerikanischer Straßenkreuzer
und am Steuer: Benicio del Torro. Ehrlich!
Wir werden am Plaza Boliviar rausgelassen und stehen irgendwie mitten
in einer Shoppingstreet in Los Angeles. Für alle, die noch nie in
LA waren, sagen wir ca 20 Mal die Mariahilferstraße. Nach fast einem
Jahr Großstadtentzug packen wir das Getümmel gar nicht. Finn
spendet wieder die richtigen Worte: "Wann gemma wieder zur Risho?"
Wir setzten uns auf der "Straße des 4. Mai" in eine riesige
Kaffee Konditorei. Da gibt es doch tatsächlich Erdbeertörtchen.
Und das beste: Frisch gepresste Säfte. Melone, Mango, Orange, Guave,
Passion Fruit-Geschmacksexplosionen. Dann noch ein echt südamerikanisches
Kaffeetscherl aus dem Mini Plastikbecherl und wir sind wieder bei Kräften.
Nach der eleganten Shoppingstreet durchstreifen wir jetzt das Viertel
mit den billigen Ramschgeschäften. Adidas, Hilfiger, Timberland -
klingt echt, ist aber gefälscht oder doch nicht? Irgendwie schauen
die Modepuppen in den Schaufenstern anders als bei uns aus - haben die
tatsächlich einen dicken Popo? A la J Lo?
Die Stimmung hier ist grandios. Unglaublich laute Musik aus allen Ecken
- natürlich südamerikanisch, eine Frau mit einer mobilen Orangenpresse
versorgt die Passanten, statt Würstelstand gibt es Buden mit Arepas
- gefüllte Maistascherl. Überall uralte Ami Schlitten. So stell
ich mir Kuba vor!
Als es dämmert hüpfen wir ins nächste Taxi, wenn es hier
dunkel wird, wird es nämlich sehr finster...
Wir landen zum Abendessen in einer typischen Grillerei etwas außerhalb
der Stadt.
Auf der Speisekarte steht: 1kg Fleisch, ein halbes oder ein viertel Kilo.
Wir essen Blutwürste, die mit Zimt gewürzt sind, eine Wurst,
die einem die Kehle verbrennt und ein Steak das wie Butter am Gaumen schmilzt.
Dazu eine Yams Wurzel und riesige Salate. Und Polar Bier wird getrunken.
Eine einheimische Band spielt so laut, dass wir uns über die Tische
anschreien. Also so reden, wie man es hier gewohnt ist. Der Taxi Fahrer
- Typ Mafiaboss - führt uns direkt bis zum Dinghy und wir lassen
uns angefüllt reinplumpsen. Shopping and Eating. Mehr gibt es dazu
eigentlich nicht zu sagen.
Fotos
|
| 07.06.2006,
Los Testigos |
Venezuela
1. Station - Los Testigos oder Die Zeugen
Los Testigos, die ersten Inseln
der spanischen Karibik, schimmern im Morgendunst. Ein Fischerboot, nicht
weit von uns, ändert plötzlich seinen Kurs und fährt direkt
auf uns zu. Wäre an sich nichts Aufregendes, aber wir sind in Venezuela
und wir haben in den letzten Wochen viele Stories gehört. Venezuela
ist kriminell, aber für Segler sicher in der Hurricane Season.
"Was wollen die von euch?" Christoph von der "Iona",
die gemeinsam mit uns durch die Nacht gesegelt ist, meldet sich am Funk.
"Wahrscheinlich neugierige Fischer... hoffentlich..." Sie kommen
rasch näher. Ein bisschen mulmig ist mir schon und Peter auch.
Kurz vor uns biegen sie ab und winken. Uff!
Los Testigos - übersetzt "die Zeugen(wovon wohl?)" - sind
eine Handvoll kleiner Inseln, bewohnt nur von einigen Fischern. Es gibt
eine Militärstation. Peter meldet sich dort und wird freudig empfangen.
Waren die Beamten nett? "Ich glaube,der Immigrationsbeamte hat mit
mir geflirtet".
Über uns hunderte Fregattvögel - eine Kolonie. In unserer Ankerbucht,
mit Minisandstrand, Riffen und Hügeln voller Bäume und Stangenkakteen,
schauen uns die Fische neugierig an, wenn wir über die Reling blicken.
Singvögel konzertieren an Land und Krabben bevölkern die Felsen.
Ein echtes Tierparadies! Wir spazieren den Strand entlang und kommen zu
einigen Hütten, ein freundlicher Herr begrüßt uns - auf
spanisch - und stellt uns seinen Hund vor - namens Coca Cola! Offensichtlich
glaubt er, wir wollen Fisch. Aber niemand ist bei den Hütten. "Mandiana!"
nickt er uns schelmisch zu.
"Adios!" versuche ich tapfer auf spanisch. Er schüttelt
grinsend den Kopf und macht das Handzeichen, das wohl so etwas wie Kehle
durchschneiden bedeutet.
"No No... Hata Viego... Hata Mandiana...!" Ah, ok, also nicht
"Auf Nimmerwiedersehen "sondern "Bis bald" oder "Bis
Morgen". Kapiert!
Stockdunkel senkt sich die Nacht über unsere kleine stille Bucht.
Sehr dunkel. Ich denk wieder an die Venezuela Stories. Gut das "Iona
" und "Yara" neben uns ankern und wenigstens einen kleinen
Lichtschein in die Landschaft werfen.
Expedition "Sanddüne" findet am nächsten Vormittag
statt. Alle schnüren sich festes Schuhwerk an die Füße
(giftige Korallenschlangen soll es geben), ab in die Beiboote und feuchte
15 Minuten Fahrt die Insel entlang. Aufstieg zur "Sanddüne"
(die ist auf der Windseite der Insel gelegen) per Ziegenpfad (wilde Ziegen
soll es auch geben!). Zwischen mannshohen Kakteen und Steinbrocken kraxeln
wir bergauf. Finn und Freund Yannik schlagen mit Ästen auf den Boden
- Schlangenbeschwörer!
Endlich erklimmen wir den Hügel und blicken eine riesige Sanddüne
hinunter zum Ozean. Passatwind bläst uns den Sand ins Gesicht. Rutschiger
Abstieg zwischen hunderten leeren Gehäusen von Strandschnecken. Bizarre
Felsen rahmen die Düne ein, die in einem kilometerlangen Sandstrand
im Meer mündet.
Seltsame Spuren von Raupenfahrzeugen kommen aus dem Meer. "Schildkrötenspuren,
- die haben heute Nacht ihre Eier hier abgelegt" Gut, dass Christoph
regelmäßig "Universum" geschaut hat. Die Spuren enden
in einem 2 Meter breiten Trichter. Einige aufgebrochene Eier, Leguane
haben heute wohl hier gefrühstückt.
Wir wandern den Strand entlang, Finn und Yannik spielen Fußball
mit einer angeschwemmten Kokosnuss. Riesige Gesteinsbrocken am Ende des
Strandes laden ein für eine Pause. Als wir nahe beim Wasser zwischen
die Felsen schauen, sehen wir schleimige, lange Schlangenkörper sich
winden. Muränen!
Die Männer stürzen sich in die aufgewühlte See und "bodysurfen"
die Wellen ab. Die Buben entdecken ein angeschwemmtes Schiffswrack - besser
gesagt nur mehr einige Teile davon. Auf einer halb zersplitterten Planke
kann man einen Schiffsnamen lesen. Es wird sehr heiß und wir klettern
schwerfällig die Düne wieder hinauf. Hier sieht es aus wie in
der Wüste oder am Mond oder in Universum...
Trampelpfad wieder zurück, vor einem kleinen Haus am Strand grüßen
uns freundliche Einheimische. Noch mal Dinghi fahren und endlich sind
alle Crews wieder "Zu Hause"!
Kurz vor Sonnenuntergang ankert hinter uns das verdächtige Fischerboot
vom Vortag. Sie winken uns her. Wir fahren hin. "Cigarette?"
Organisieren wir den goldbezahnten Fischern doch gerne. Sie lachen uns
offen an und fragen mit Hand und Fuß, wann wir wieder kommen. Gleich!
Als wir zurückkehren haben sie einen Kübel mit Fischen für
uns als Dankeschön! 10 Red Snapper - echte Delikatessen!
Peter wirft unseren Ikea Griller an und alle Seglerfreunde kommen mit
Reis, Kartoffelsalat und viel Hunger. Eine unerwartete "Pot"
Party steigt. Jeder bringt was er hat. Die Red Snapper schmecken einfach
perfekt - zart, saftig... ahhhh...
Plötzlich ruft Finn "Schauts, das Wasser leuchtet!" Als
würden sich die glitzernden Sterne des Nachthimmels im Wasser spiegeln
- so leuchtet es im Wasser. Seltsame, durchsichtige, leuchtende Lebewesen
scheinen im nachtschwarzen Wasser zu pulsieren. Alle sind sprachlos. Was
ist das?
Wir leuchten mit Taschenlampen ins Wasser und erwarten irgendetwas Unheimliches.
Nein - es sind kleine Würmer, die sich zu Millionen um die Fischreste
winden, die wir ins Wasser geworfen haben. Und wie auf Knopfdruck, beginnt
es auch im dunklen Geäst an Land zu leuchten - dort wollen auch die
schönen karibischen "Fireflies" mitmachen, bei diesem Spektakel
à la André Heller!
Benommen fallen wir spätabends in unsere Kojen.
Die Los Testigos sind bezaubernd, betörend und wir sind die Zeugen
dieser außergewöhnlichen Schönheit!
Fotos
|
| 25.04.2006,
Antigua |
Wo
ist Eric Clapton? - Eine Spurensuche
Begonnen hatte alles, als wir
im berühmten English Harbour auf Antigua ankamen und der Barman dem
zerfurchten Segler am Nebentisch erzählte, das "er" gestern
dort am Einzeltisch gesessen ist.
"Er" oder im original "he" schien mir einfach höchst
interessant. Wer war "er"?
Christoph, ebenfalls Segler und schon einige Tage vor Ort, klärte
auf.
Er habe "ihn" schon gesehen, als "er" mit Panamahut
und wallenden weißen Gewändern in der altehrwürdigen Admirals
Inn ein Bierchen lüpfte und einer Steelband lauschte.
Der Stress begann.
Von Nelsons Dockyard, ein Freilichtmuseum für Seefahrtbegeisterte,
hasteten wir tagsdarauf in die berühmte Marina Antigua, um "sein"
Schiff zu sehen und vielleicht auch "ihn".
"Va bene" der eindeutige Name seiner überdimensionalen
Motoryacht stach uns sofort ins Auge. Oder war es doch das aufgeklappte
Garagenheck und die Auswahl mehrere schicker Jetskis darin und natürlich
einem Dinghi in der Größe einer durchschnittlichen Monoyacht?
Nichts zu sehen. Nur Crew. Oder "Diener" wie Finn zu sagen pflegt.
Unruhig spazierten wir am Dock herum und wurden für den Rest des
Tages dann doch durch die unglaublich schönen Yachten in der Marina
abgelenkt.
Habe ich vergessen zu schreiben, dass wir mitten in der berühmten
Antigua Classic Week hier eingetrudelt waren? Für alle, die nicht
wissen, wie sich das anfühlt, einfach ein Classic Boats Magazin kaufen,
durchblättern und sich vorstellen, man sitzt mitten drin in diesem
Sammelsurium fantastischer Yachten.
"What is a Classic?" steht im diesjährigen Regattamagazin.
Man schreibt: She was built years ago, when all yachts were things of
beauty and grace with fine lines and acres of canvas (viel, viel Segeltuch!).The
survivors of that golden era are unmistakably classic.
Was mich wieder auf "ihn" bringt.
Eric Clapton - der Klassiker schlechthin - Wo bist du?
Ein kanadisches Ehepaar raunte uns zu, sie hätten gehört, das
"er" letzten Freitag beim "Jump up" auf "Shirley
Hights" gesehen worden sei, als er andächtig den Tönen
der aufgeigenden Steeldrumband lauschte. "Er" liebt nämlich
Steeldrums!
Da es zufällig gerade Freitag war, stürzten wir uns in das nächste
Taxi, das uns zu dem berühmten Fort, 1781 gebaut von einem Herrn
Thomas Shirley, brachte. Was uns dort erwartete war
na ja... sagen
wir
unerwartet!
Wir lieben ja Forts - vor allem Finn wegen der Kanonen, aber das hier
war nicht nur ein Fort sondern ein Fort mitten in einem "Jump up".
Das wiederrum bedeutet eine riesen Grillparty mit viel Bier und vielen
betrunkenen Resort Touristen, die ihre rotgebrutzelten Körper zu
den Klängen der 10 köpfigen Steelband verrenken.
Mit Röntgenblicken durchsiebten wir die Massen um "ihn"
zu entdecken, auch wenn wir uns kaum vorstellen konnten, dass Eric sich
hier herumtreibt.
Das wäre ja wie eine traumhafte 160 Fuß J-Class Sloop unter
lauter Tretbooten.
Er war nicht da. Also stiegen wir 10 km geknickt den Berg hinunter, um
dann in der Marina Antigua Bar, direkt dort wo wir unser Dinghi festgebunden
hatten, zu erfahren dass Eric heute abend hier einen Martini Espresso
getrunken hatte. Ca vor 20 min.
Wir tranken sehnsuchtsvoll 4 Martini Espresso - und seitdem ist das Getränk
dort Kult!
Am nächsten Tag kauften wir uns Proviant, weil wir zur nächsten
Insel, Barbuda, segelten und am Rückweg auf der Ostseite von Antigua
vorbeischauen wollten, da dort Erics Halbinsel mit dazugehörigem
Traumhaus aus der Ferne zu bestaunen ist.
Einen Sack voller Zwiebel und Salat in der rechten Hand, Klopapier in
der Linken, Peter mit zwei Steigen Wasser auf beiden Seiten und Finn mit
Küchenrollen bewaffnet, trotteten wir vom Supermarkt zum Dinghi,
als uns ein netter älterer Herr, freundlich nickend auswich. Irgendwie
kam er mir bekannt vor - einer von diesen zahllosen Seglern die man immer
wieder seit den Kanarischen Inseln trifft - dachte ich.
"Das war Eric Clapton" flüsterte Peter neben mir aufgeregt.
"Niemals - der war doch uralt!" presste ich entsetzt hervor.
Peter grinste.
"Ein Klassiker eben!"
Fotos
|
| 27.03.2006,
Martinique |
Über
die "Gleichzeitigkeit" des Seins!
Manchmal wundere ich mich.
Es ist Nachmittag, ca 13 Uhr. Die genaue Uhrzeit weiß ich nicht,
denn meine Uhr ist stehengeblieben.
In Gibraltar vor 6 Monaten. Es ist Dienstag, hab ich gerade im Immigrationsbüro
auf Iles de Saints erfahren, weil ich ein Arrival Formular ausfüllen
muss. Wie auf jeder Karibischen Insel. Arrival und dann später Departure.
Immer die gleichen Formulare und die gleichen Fragen. Aber das ist es
nicht, was mich wundert. Ich sitze jetzt in der malerischen Bar "La
Crique", vor mir türkis glitzerndes Wasser, Finn zählt
die tellergroßen Seesterne, die am Meeresgrund orange leuchten.
Drei, vier, fünf,
Peter beißt herzhaft in ein Butterbaguette
mit Passionfruit Konfitüre,
sechs, sieben, ... ich schau in
meine Tasse voll cremigem Cafe au Lait. ... Wahnsinn 10 Seesterne, Mama!
Ich denke ganz kurz an Wien. Dort ist es jetzt 17 Uhr. Um die Zeit steht
alles am Gürtel. Gerade jetzt.
Bourg de Saints, dieser kleine französische Ort hier ist wie ein
Paradies. Die Häuser aus Holz, bunt bemalt, im Garten Mangobäume,
Kokospalmen, Hibiskus, schattige Veranden mit gemütlichen Korbsesseln.
Blau spannt sich der Himmel über uns. Wir betrachten den kleinen
Friedhof, Gräber umrahmt mit riesigen Conchmuscheln.
Wir wandern 5 min zum Strand auf der Außenseite der Mini-Insel.
Sand zwischen unseren Zehen. Wann hab ich zuletzt geschlossene Schuhe
getragen?
Oder Socken? In einem verwilderten tropischen Garten, ein leerstehendes
Holzhaus. Weiß mit Grün. Zum dableiben, denk ich.
11 Euro bitte, sagt die Dame an der Kasse. Peter schleppt die 12 ein Literflaschen
Wasser zum Dinghy. Inselpreise! Wir tuckern Richtung Risho Maru. Weiß
mit Grün. Zum dableiben und weiterfahren! Wir essen Spaghetti mit
knackigen Frühlingszwiebeln und frischem Thymian vom Markt. Dann
ab ins blaue Wasser. Finn schwimmt allein um die Risho. In Wien ist es
jetzt 19 Uhr und im Immigrationsbüro auf Iles de Saints haben die
Beamten noch nie was von Osterreich gehört. Aber unsere Pässe
finden sie sehr schön.
Fotos
|
| 27.03.2006,
Martinique |
Die
Dinghy Story
Aus dem Englischen: Dingey,
dinghy: Dingi n (kleines Boot); rubber~Schlauchboot n.
So steht es im Wörterbuch
und damit wäre eigentlich alles geklärt - Weit gefehlt! Ein
Dinghy nur ein kleines Boot? Ha!
Wir liegen für 3 Wochen in Le Marin auf Martinique. Hier gibt es
unglaublich viele Yachten. Fahrtensegeler, Chartersegler, einsame Segler,
Segelboote ohne Segler. Aber niemals ohne Dinghys! Hier staunen wir nicht
nur über die unglaubliche Artenvielfalt der kleinen Boote sondern
auch über deren Besitzer.
Es beginnt damit, dass ich überrascht mit Segelfreundin Sam feststelle,
wieviele Segler in ihren Dinghys stehen: Stehen! Irgendjemand sagt mir,
das ist typisch amerikanisch, komisch, die besten Steher scheinen mir
die Franzosen zu sein (Foto
Der Franzose). Knapp gefolgt von den Deutschen, die aber auch beim
sitzen sehr gerade wirken (Foto
Die Deutschen). Die Briten pumpen hingegen erstaunlich oft noch während
sie Richtung Land zusteuern ihre Dinghys auf. Was sehr kunstfertig aussieht
und besonders bei der Abfahrt vom Supermarket Ponton, vollbepackt mit
Einkäufen, fast olympiareif wirkt. Immer nur sitzend sehe ich James,
den Iren (Foto
Der Ire). Sehr gemütlich. Irgendwie ein bisschen österreichisch.
Toll auch ein junges Pärchen - hintereinanderstehend. Sie vor ihm
- bis es ihm zu viel wird und er sich setzt - mit wunderbarer Aussicht
auf ihr Hinterteil. Vielleicht waren das Amerikaner? (Foto
Aussicht mit Po) Familien mit Kindern sitzen prinzipiell. Hat wohl
was mit Vorbildwirkung zu tun. Nein du darfst nicht im Dinghy stehen,
der Papa sitzt ja auch! Emanzipation und Dinghy - eine kurze Geschichte.
Meist steuern die Männer. Und wenn mal die Frauen dran sind, sind
meist soviele Kinder an Bord, dass trotz Motor nicht mehr als Rudertempo
zu erreichen ist (Foto
Damencrew).Bis auf
diese heiße Biene, blond mit Tatoo, die mehrmals an unserem Schiff
vorbeidüst und Peter freundlich grüßt. Im Sitzen. Naja.
Ausnahmen bestätigen die Regel. (Ha! Kein Foto!)
Toll auch die Individualisten unter den Dinghybesitzern. Dinghy mit Auslegern,
Glasboden und Heizung! (Foto
Der Tüftler) Ich hab das dann mit dem Stehen sofort ausprobiert.
Lustig. Blöd war als Peter abbremste während ich noch stand
und eine gemeine Bugwelle über unsere Einkäufe schwappte. Gut
war, dass nur meine Füße nass waren und nicht meine Hose. Denn
Dinghybestitzer erkennt man an Land schnell.
Woran? Am nassen Popo.
In der Karibik ankert man meist frei in einer Bucht, und relativ weit
weg vom Land. Gibt es einen Steg zum Anlegen, ist das super. Muss man
am Strand anlegen, kann man froh sein, einen Surfer als Ehemann zu haben.
Die Atlantikwelle, für Landratten ein gemütliches Geklatsche
auf dem Strand, hat schon so manchen Dinghy Fahrer zum U-Boot Kapitän
werden lassen. Kommt die Welle und man surft sie nicht mit Geschick und
Dinghy ab, kentert auch das beste Beiboot. Alles unter Wasser, nicht gut
für Fotoapparat, Handy, Lieblingssonnenbrille, Kreditkarten und gar
nicht gut für Außenbordmotoren. Schlucken die mal Salzwasser
gibt es meistens Ärger.
Außenbordmotoren! Je stärker desto besser. Oder ist es etwa
lustig 3 Tage Knäckebrot zu essen, nur weil der Wind so böse
bläst und man seinem Dinghymotor die Fahrt zum Ort nicht zutraut?
Und der Duft von frischen Baguette aus der ach so fernen Dorfbäckerei
einen in der Früh aus dem Bett jagt?
Schließlich schafft man es an Land. Oder zum Steg. Und da verkettet
man sein Dinghy am besten mit Stahlseil und Schloß, damit es ja
keiner stiehlt. Denn das passiert in der Karibik angeblich sehr oft (Foto
Die Klampe). Ich glaube wesentlich öfter passiert in der Karibik,
dass Dinghybesitzer einen Rum Punsch zuviel trinken. Und dass dann keiner
mehr sicher ist, wer eigentlich das Dinghy festgemacht hat oder wie.
Schön auch die Geschichten, dass wiedergefundene Dinghys vom Besitzer
um teures Geld zurückgekauft werden müssen, oder die Geschichte
von Mascha. Mascha segelt mit ihrem Mann und 2 Kindern auf dem wunderschönen
alten Segelboot "Vilona May". Sie haben 2 hölzerne Ruderboote
als Dinghys, ohne Motoren, aber dafür einen kleinen Mast, den man
montiert und dann eben an Land segelt. Einst sah sie ein "gestohlenes"
Dinghy ins offene Meer treiben, und holte es rudernd zurück, da kein
Wind vorhanden. Ruderte insgesamt eine Stunde und befestigte dann das
Dinghy am Steg. Die Besitzer hatten gar nichts davon mitbekommen. Maschas
Tochter Casey fand indes eine bessere Beschäftigung. Die Siebenjährige
ruderte ihr rosarotes Dinghy "Primerose Mary" zur Risho Maru
und holte Finn zum ersten Rendezvous seines Lebens ab. Er war begeistert
(Foto
Finn und Casey).
Also - verketten ist auf jeden Fall gut solange man nicht jemanden mitverkettet
oder den Schlüssel des Schlosses am Schiff vergisst. Peter hat auf
diese Art einen netten "sitzenden" Amerikaner kennengelernt,
der so freundlich war ihn zurück zur Risho Maru zu bringen. Finn
passte inzwischen auf unser fest verschlossenes Dinghy auf. Ein "Dinghywatcher"
sozusagen.
"No Dinghys" ist eine Aufforderung für viele einfach kein
Englisch zu verstehen.
Aufregend auch senkrecht hängende Dinghys, deren Besitzer auf den
Tidenhub vergessen haben. Oder Hunde in Dinghys. Als Galionsfiguren mit
dringlichem "Gassi Blick". Nicht zu vergessen vor Wut kochende
Dinghy Fahrer, die verzweifelt an ihrem verstummten Außenborder
herumfuchteln und langsam abtreiben, ohne Ruder an Bord zu haben (Foto
No Motor!).
Aber zurück zum Steg (Foto
Am Steg). Es gibt sie die Dinghy Etiquette!
Um Ärger zu vermeiden schnell ein kleiner Dinghy Benimm dich Schnell
Kurs:
1. Außenborder nicht hochklappen! Außer man will das Nachbar-Dinghy
aufspießen.
2. Mit Vollgas zum Steg zu fahren, erleichtert anderen gerade aus- oder
einladenden Dinghybesitzern nicht gerade das Leben.
3. Sich am Ponton zu kurz an die Leiter zu hängen verhindert sicher,
dass irgendjemand sonst die Leiter benützen kann.
4. Nicht Längsparken in einer Querparkzone. Wie beim Autofahren.
Nimmt Platz weg!
5. "No Dinghy" - im Englisch Wörterbuch nachschauen!
6. Leinen und Kabel unter den bereits festgemachten Leinen und Kabeln
festmachen. Klingt komplizierter als es ist!
Und weil wir natürlich stolze Dinghy Besitzer sind, unser Idealdinghy
für Fahrtensegler, Daten:
2 meter 30, Kunstoffboden, Material Hyperloom, angefertigt nach eigenen
Wünschen in Slovenien / Novomar, Motor: 9,8 PS Tohatsu nur 24 kg
Gewicht, 2-Takter (Foto
Unser Dinghy)
und noch einige andere zum
gustieren!
Das
Alternative
Der
Ferrari
Der
Katamaran
Die
Faltbanane
Das
grün Geschürzte
Der
Angeber
Fotos
|
| 02.03.2006,
Martinique |
Mhmmmm...
Martinique!
Natürlich sind wir Abenteurer,
keine Frage, aber so ab und zu einen Camembert, eingelegten Fetakäse
oder ganz frivol ein Gänseleberpastetchen...
Wir waren hier im Supermarkt. Im französischen Supermarkt und es
war ein klein bisschen wie im Paradies.
Nicht dass wir darben. Keineswegs. Die Bordküche (kein Eigenlob!
Ich zitiere den Captain) ist ausgezeichnet. Aber es fällt mir ein
bisschen schwer, mich an gesalzene Butter zu gewöhnen und irgendwie
ist die Karibik dann doch teuer, wenn ein Apfel ein Euro kostet.
Also dann eben Shopping in Martinique. Und nicht nur das. Cafe au lait,
Baguette und so ein Croissantscherl
heaven, I am in heaven.
Und alles trifft sich hier wieder, die Franzosen vom roten Katamaran aus
Teneriffa, natürlich Lloyd und Family, Uli und Gerti, die wir in
Italien zuletzt trafen und Ronnie der Steirer, der allein mit seiner Nautilus
die Welt erforscht.
Natürlich mieten wir mit meiner Mama im Schlepptau ein Auto und erkunden
die Insel. Rein in das makabre Vulkan Museum in St. Pierre. Der Berg Mont
Pelé explodierte an einem wunderschönen Morgen im Mai des
Jahres 1902. In wenigen Minuten war das Klein Paris der Karibik ein Schutthaufen
aus Asche. Im Museum betrachtet man eine halbgeschmolzene Kirchenglocke,
ineinander verklebte Keramikteller, geschmolzene Trinkgläser und
dann passiert es. Ich muss aufs Klo und das Museumsklo ist geschlossen.
Mist.
Man schickt mich zu einem Kiosk und die nette Dame deutet auf einen blauen
Container als ich nach "äh... toilette... où?" frage.
Dann stehe ich da und werfe einen Euro ein. Nix passiert. Tür bleibt
verschlossen. Aus dem Inneren des Containers hört man Spritzgeräusche.
Meine Mutter gesellt sich zu mir und erklärt weltfrauisch: "Das
Klo reinigt sich gerade selber." Gut manchmal die Mama in der Nähe
zu haben. Endlich klickt die Tür und ich schiebe sie auf und betrete
einen kleinen, desinfektionsmittelduftenden Raum. Ich schiebe die Tür
ängstlich zu und durch den letzten Spalt sehe ich wie mir meine Mutter
aufmunternd zunickt. Ich tu was zu tun ist und entdecke dabei ein kleines
Schild "15 minutes limite
" Das ist, was ich verstehe,
das heisst wer länger braucht, wird im Klo mitgereinigt.
Ich beende die Sitzung rasch und sehe hinter mir in Augenhöhe einen
Spalt, darüber einen aufgemalten Wasserhahn. Ich strecke nervös
eine Hand hinein, Wasser tost auf sie nieder und fast gleichzeitig heiße
Luft. Die 2. Hand bleibt dreckig. Das Limit ist überschritten, die
Tür klickt, ich flüchte, die Tür schliesst sich, wieder
hört man die vertrauten Spritzgeräusche. Mama klopft mir auf
die Schulter. Gut gemacht. Was man so alles erlebt als Abenteurerin!
Die nächste Station ist eine Rumplantage (Foto
Rumplantage) mit dem ältestem Plantagenhaus der Insel. Die Deneuve
hat hier einen Film gedreht, Fotos an den Wänden, ich setzte mich
in einen gemütlichen Lehnstuhl und träume.(Foto
Alex träumt) Die Deneuve kommt auf mich zu und fragt nach meinem
Parfum. Desinfektion Nr.5. Ich erwache als Peter mir ein Glas Cocosrum
unter die Nase hält. Zum Verkosten. Mon Dieu. Très bien!
Weiter geht es zu einem Surfstrand mit einigen Halbverrückten, die
sich in die tosende Atlantikbrandung stürzen und die Wellen abreiten.
(Foto
der Weg zum Surf) Mama lässt sich nicht beeindrucken und fotographiert
einen zerzausten Strandhund.
Martinique ist ein Département von Frankreich. So als wäre
die Steiermark ein Bundesland von St. Lucia. Die weißen Franzosen
haben hier alles fest in der Hand. Die schwarzen Franzosen sind die Dienstnehmer.
Im Supermarkt, in der Bäckerei, im Museum, in der Rumplantage. Fabien,
unser französischer Segelfreund erzählt von einem Bekannten,
der in Martinique aufwuchs. Als dieser das erste Mal nach Paris kam, verstand
er die Welt nicht mehr. Warum gibt es da weiße Anstreicher und weiße
Verkäuferinnen. Was ist da passiert? Je ne sais pas.
Mont Martre erscheint hinter dem tropischen Regenwald. Träum ich
wieder?
Nein, ein Original-Nachbau der berühmten Kirche, die Kerzenverkäuferin
freut sich über Mamas österreichische Euros. Autriche, très
belle.
Hingegen die Marktstandlerin am nächsten Tag betrachtet uns interessiert.
Hat sie doch noch nie Australier gesehen. Die hübsche Pariserin,
die Marinezubehör verkauft hingegen, meint taxfree können nur
EU Länder bei ihr einkaufen - also Frankreich, Belgien und die Schweiz.
Austria was bist du fern...
Mama stört das gar nicht, sie genießt den kitschigen Palmenstrand,
die Gesellschaft unserer fröhlichen Seglerfreunde, natürlich
den Rumpunsch und Finn beschließt, sie muss noch 3 Jahre dableiben.
Doch dann ist es Faschingssonntag und 4 traurige Gestalten stehen am Flughafen
von St. Lucia und umarmen sich noch einmal ganz fest. In Venezuela kommt
sie wieder, die abenteuerlustige Mama. Trotzdem ohne Tränen geht
es nicht. Heimweh schleicht sich in unsere Seelen.
Der Zollbeamte checkt Mamas Ticket und bevor sie hinter der Only Passengers
Tür verschwindet, sagt er mit sanfter Stimme zu uns allen: "Dont
cry. She'll be back!"
(Familienfoto)
Fotos
|
| 15.02.2006,
Grenadinen |
Jungle
Man, Jane, Johnny - Karibik: sauteuer, aber es wirkt
Da waren wir also in Tobago.
Charlotteville. Weit weg von Austria und Vienna und ganz weit weg von
Europa. 3 Wochen blinkende Riesenleuchtkäfer im nächtlichen
Regenwald, Pelikane die einen aus weisen Augen interessiert betrachten
(was sind des für komische Vögel, yo man?) und ein Dorf, in
dem nach einer Woche alle wussten wer wir sind.
Jungle Man, der Rasta am Strand. Erste Frage "You smoke?" No
"You drink?" Nono "Whats the matter with you?" Ich
suchte mir schuldbewusst schließlich eines seiner Schmuckstücke,
gebastelt aus Pflanzenkörnern und Kokosnussschalen aus. Als ich ihm
erklärte, ich komme morgen noch mal vorbei, weil ich no money dabei
hab, schaute er mich aus mitleidigen Augen an, schenkte mir eine Bananenstaude
und meinte: "No Problem".
Das gleiche passierte mir nicht noch mal. Zu Jane ging ich mit Geld in
der Tasche.
Janes Quality Kitchen. Eine Bretterbude, Jane wunderschön mit weißer
Kochhaube in der Mini Küche stehend und Roti kochend. Curry, mit
Hendl und einem Fladenbrot herum. 2 Stunden Wartezeit, doch dann Geschmacksexplosionen.
Und Sylvester wurde bei ihr gefeiert, als die Sessel ausgingen, stieg
ihr Göttergatte in den Pick up Truck und erschien 10 min später
mit seiner Wohnzimmersitzgarnitur wieder. Rüscherl, Blumerl, Kuschel.
Aber nicht lange kuschel. Kurz vor Mitternacht dröhnte uns sein Neffe
mit seiner Musikanlage ins neue Jahr! Socca Musik!
Jetzt, da wir Tobago hinter uns gelassen haben um die Grenadinen zu erforschen
und zügig nach St. Lucia zu segeln, wissen wir, dass wir unser Herz
in Charlotteville verloren haben, irgendwo zwischen den bunten Holzhüttchen,
den lachenden Menschen, den Hendln auf der staubigen Dorfstraße
(und im Chicken Roti).
Flott ging es dorthin wo Johnny (Depp natürlich) als Pirat sein Unwesen
trieb und wir segelten am Steg vorbei, den er im Film "Pirates of
the Caribbean" so knapp verpasste und ins Wasser fiel.
Tobago Keys, wie Schwimmen in "Findet Nemo", Salt Whistle Bay.
Ohne Worte. Siehe Fotos.
Bequia mit der berühmten Frangipanibar und einem Markt, wo eine Ananas
12 Euro kostet.
Schließlich St. Vincent, in einer Piratenbucht, mit 3 Bars, die
wir alle besuchten. Die eine wie aus einem Hollywoodpiratenfilm dekoriert,
die zweite mit nur einem Tisch und 4 Sesseln und die 3. mit der schlechtesten
Steeldrumband der Karibik.
Trotzdem genial. Und schießlich St. Lucia, die Schöne, die
Touristische, die sehr Teure. Hier liegen wir nun in der ruhigen Rodney
Bar und haben ein neues Crew Mitglied - meine Mum. Diese Schlimme schmuggelte
für uns am Zoll vorbei die Mannerschnitten, herrliches Schwarzbrot,
Kernöl und Milka Schoko von der Tante Frieda mitgeschickt. Für
die Narrischen am Segelboot! Yoo Man!
Fotos
|
| 30.12.2005,
Tobago |
Captain's Voice
Der Atem des Ozeans
Das Schiff hebt sich, hebt sich und dann zschschschsch, hebt sich, hebt
sich und dann zschschsch und irgendwann stellt sich der Rhythmus ein.
16 Tage in den Armen der Wellen.
Die erste Woche stand im Einfluss der beiden Hurricans Delta und Epsilon,
die sich letztendlich doch als Tropicalstorms herausstellten. Die Schäden,
die zum Beispiel Delta in der Marina Atlantico in Teneriffa anrichteten,
waren hausgemacht. Die Marina war schlecht gewartet und die Schwimmstege
brachen bei 65 Knoten Wind. Lag das nur am Sturm Delta? Die Angst segelt
jedenfalls mit, wenn bei soviel Wetterinfo ständig von Hurricans
gesprochen wird. Und dann ist da wieder dieser Rhythmus... hebt sich,
hebt sich, zschschsch und wir spüren wir haben ein gutes Schiff,
das uns an unser Ziel bringen kann.
Da wir schon unterhalb des 15 Breitengrades segelten brachten uns die
beiden "Ungeheuer" nur schwachen Wind und so hatten wir in der
ersten Woche nur Etmale zwischen 60 und 70 sm pro Tag.
Erst in der 2. Woche erreichten wir den Passatwind und das beste Etmal
war 213 sm für einen Tag. Aber was bedeuten schon 2 Tage länger
auf See... hebt sich, hebt sich und tschschsch...
Da gibt es noch die Squalls. Regenwolken die stärkeren Wind und Regen
bringen und das Log klettert dann im Surf gerne auf 11 Knoten. Ansonsten
Fische fangen, lesen, navigieren und träumen von Zielen , Geschichten
und unserer Vergangenheit. In diesem Sinn... hebt sich, hebt sich, zschschsch...
Der Landfall
"Land in Sicht" welch magische Worte nach 16 Tagen auf See!
Die Emotionen sind voll da und wir sind sehr, sehr glücklich und
dann das Einlaufen in diese karibische Bucht. Regenwald, Palmen, Pelikane,
türkises Wasser, Sandgrund - wir sind sprachlos und saugen alles
auf. Die Gerüche, das Grün, das Leben. Es hat sich gelohnt diesen
Weg zu nehmen. Über den Atlantik zu segeln.
Ich, Frau Lehmann und der Spinnaker
(Erkenntnisse mitten am Atlantik)
Lloyd, unser englischer Segelfreund, hat eine interessante Theorie aufgestellt.
Das, was einem am Schiff die größten Probleme bereitet, spiegelt
verschlüsselt wieder, was einem im Leben auch am meisten zu schaffen
macht. z.B Lloyds Toilette spinnt. Sie ist immer verstopft. Was heißt
das nun für ihn laut Theorie? Zwar leidet er selbst noch nicht an
Verstopfung - aber irgendetwas in ihm kann nicht wirklich loslassen. Er
meint, er hängt noch zu sehr an seinem Leben zu Hause in England
fest und ist noch nicht bereit loszulassen.
Bei mir ist und war es immer der Spinnaker. Der Spinnaker ist ein Leicht-
bzw Vorwindsegel. Meist bunt gestreift. Prachtvoll anzuschauen und hundsgemein
schwer zu steuern, wenn man damit segelt.
Es gibt Leute die sagen "Bei der Atlantiküberquerung gibst du
den Spinnaker rauf und 2 Wochen später wieder runter". Klingt
doch wunderbar. Kein Problem für mich.
Am 2. Tag Richtung Karibik, ca 2100 sm noch zu segeln, verhängt sich
unser Spinnaker im Bergesack, als Peter ihn öffnet zerreißt
der halbe Spi mit einem lauten "Raaaaaatsch!!!"
Keine Katastrophe - für Peter und vermutlich hunderte andere Atlantiksegler,
die nicht mal einen Spinnaker haben. Nicht so für mich.
Laut schluchzend sitze ich am Vorderdeck, die zerfransten Teile des Spis
in meinen Händen und bin abgrundtief verzweifelt."Der Spi, der
Spi, wir haben keinen Spi mehr, heul, heul, heul..."
Peter nimmt mich in die Arme und macht mich darauf aufmerksam, dass wir
abgesehen von einem weiteren Leichtwindsegel noch zig andere Segel an
Bord haben. Es nutzt nichts.
Wimmernd verkrieche ich mich in meine Koje und schwöre mir vor dem
Einschlafen, diesen Spi irgendwie wieder zusammenzunähen.
Und da kommt Frau Lehmann ins Spiel. Meine Handarbeitslehrerin, die meine
Riesenfersenstricksocken und zermurdelten Faltenrockversuche nie besonders
schätzte. Ich musste intensiv an sie denken, als ich 2 Tage an unserem
Spi nähte. Die Naht hatte Maschinenqualität. Frau Lehman wäre
stolz auf mich gewesen.
Wir segeln wieder unter Spi bis zum 5. Tag. Weil wir nun keinen Bergesack
mehr hatten, wurde das Bergen des 80 m2 Segels zur Herausforderung. Es
kommt wie es kommen muss. Eine Bö während des Bergemanövers,
der Spi landet im Wasser, kommt unter das Schiff, es gibt einen "Riesenraaaaaaatsch"
und der Spi zerreißt diesmal in Längsrichtung. Ca 4 Meter.
Ich packe es nicht. Stumme Verzweiflung meinerseits. Peter ist angefressen...
die ganze Näherei umsonst! Ich fühle in meiner Verzweiflung
nur den Drang, sofort das Segelgarn hervorzukramen und loszunähen.
Was ich auch tue.
Und da passiert es. Der Atlantik beschließt Spisegeln für nicht
nötig zu erachten. Der Wind frischt stark auf, wir segeln unter Vollzeug,
das 2. Leichwindsegel kommt dennoch manchmal zum Einsatz. Peter montiert
und zieht es so genial, das es ein passabler Spiersatz wird.
Mir fällt das alles nicht auf. Ohne auf den Wink des Ozeans zu achten,
nähe ich drei Tage wie besessen am Spinnaker. Er sieht speziell aus
- Frau Lehmann wäre beeindruckt.
Peter und Finn werfen sich Blicke zu und schauen mich dann mitleidig an.
Meine Gedanken sind woanders.
Was bedeutet the Spi for me (laut Theory!)? Die Leichtigkeit, die Vielfarbigkeit,
das Spi...nnen?
Es stellt sich heraus, dass wir den Spinnaker bis Tobago nicht mehr brauchen.
Der Passatwind schiebt uns mit Fog, Genua und Gennaker Beseglung mit 7-8
Knoten in die Karibik.
Me and the Spi? Was soll das alles? Bedeutet die ganze Geschichte, ich
soll nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn mal was schiefgeht?
Oder, dass es immer eine Lösung gibt (wie der Peter immer sagt)?
Und als wir den ersten Schimmer der Märcheninsel Tobago am Horizont
entdecken, grinst mich tatsächlich der Atlantik mit seinen gekräuselten
Riesenwellen an und flüstert freundlich "Just take it easy,
babe! And... relax! You crossed the atlantic sea!!!"
Finnische Betrachtungen
Also, Leute, das mit dem Atlantik ist so. Viel Wasser runderum und sonst
nix. In der Früh liegen an Deck immer ganz viele fliegende Fische
"aufgeschaufelt!" sagt dann der Papa.
Die Oldies waren überhaupt ein bisserl schräg während der
Reise. Der Papa hat eine Verkühlung gekriegt - wie zu Hause beim
Weihnachtsstress. Dabei gibt's für mich da echt nix das Stress sein
könnte.
Vielleicht die Frage ob ich heute Lego oder Playmobil spielen soll? Das
war echt super. Den ganzen Tag spielen und die Oldies mussten mitspielen
und können jetzt auch alle Benjamin Blümchen Kassetten auswendig.
Und die Mama... das mit dem Spinnaker war lustig. Irgendwann hat sie mich
gefragt, was ich denn so über eine Atlantiküberquerung sagen
kann. Ich hab gesagt. Man tut spielen und nähen. Das hat sie nicht
witzig gefunden. Und wenn wir Wetter gehört haben ist sie ganz nervös
geworden, wenn die Wörter wie Epsilon oder so gesagt haben. Oder
wenn eine graue Squall Wolke gekommen ist. Segel runter. Regnen und winden
lassen. Segel wieder rauf. Die zwei sind immer herumgehupft. Ich war froh
als dann dieser Passat endlich da war und sich beide ein bisserl eingekriegt
haben. Eierspeis haben wir viel gegessen und Fisch. Der Papa war dann
einmal beleidigt auf die Mama weil sie gesagt hat, als er einen Fisch
an der Angel hatte "Nicht schon wieder..."
Sonst war eigentlich nix los. Super war, dass ich mich nicht hab duschen
brauchen. Alles zu wackelig hat die Mama gesagt. Einmal, wie es heiß
war, hab ich mich in ein Reindl gesetzt und gebadet. Herrlich! Aber am
nächsten Tag hat die Mama besorgt meine Ohren angeschaut, weil rund
um die Ohren so schwarze Flecken waren. Dann hat sie das Babyöl geholt
und an mir herumgerippelt und zum Papa gesagt "Der Bua hat die ärgsten
Dreckrammeln hinter den Ohren, peinlich!" Wieso peinlich - sieht
mich eh keiner!
Dann hat die Mama gesagt, noch einmal Schlafen und wir sehen Land! So
war es dann, die beiden waren total aufgeregt, nur weil man ganz weit
weg das Tobago gesehen hat - von dem sie schon ein halbes Jahr reden.
Ich wollte Lego spielen gehen, aber die Mama hat es nicht erlaubt "Du
musst doch Land schauen!!" Muss ich?
War doch ganz gemütlich auf der Risho. Dann sind wir halt in diese
Bucht. War schon schön. Alles so grün und ein Sandstrand. Ich
war cool. Hab gesagt. Mag am Schiff bleiben. Und die Mama hat geschimpft.
Dann sind wir in das Dorf. Da rennen die Hendl auf der Straße herum.
Und man kriegt Erdnussmilch zu trinken und Kokoskuchen. Die Karibiker
sind alle schwarz und nett. Sie sagen "Yooo Man" statt "Hallo"
und die Autos fahren auf der falschen Straßenseite. Und dann sind
wir zum Strand. Und das war dann das wirklich allertollste. Ein echter
Sandstrand, dahinter ein echter Dschungel, komische Vögel, die Pelikane
heißen. Ich hab mich einpaniert und eine Burg gebaut. Und die Bucht
heißt doch glatt Pirates Bay und früher haben die Piraten hier
ihre Schätze eingegraben. Die Eltern haben an dem Tag einen Schwips
gehabt und die Mama hat sogar über den Spi lachen können. Ansonsten
hab ich die beiden gut im Griff. Macht euch keine Sorgen. Langsam werden
sie ein bisserl cooler, ob das was mit dem Atlantik zu tun hat?
Fotos
|
|
18.12.2005, Atlantik
Breite: N 12°27'53
Länge: W 53°29'27
|
Noch
450 sm nach Tobago. Schätzen um den 22. anzukommen. An Bord alles bestens.
Sind jetzt voll im Passat - düsen mit 7-9 Knoten, Wellen von hinten
- der absolute surf! Hatten Bergfest - Mitte des Atlantiks - am 14. Dezember
mit Champagner (lauwarm) und frischer Schokotarte! |
| 03.12.2005,
Kap Verden |
Von
Eieruhren, Eierspeisen und natürlich den Kap Verden
Ich lerne. 24 Eier sind keinesfalls
zuviel eingekauft. Die Kap Verden sind 6 Segeltage und Nächte von
den Kanaren entfernt. 6 Tage nur Meer. Schluck. Der erste Segeltag ist
immer hart. Alles wackelt, der Magen ist empfindlich und die erste Nacht
- ich finde einfach keinen Schlaf. Peter ist schon cooler und schlummert
nach seiner Schicht genüsslich in unserem Deckshaus. Und träumt
von der Jagd (Foto).
Ich starre in die Finsternis. Der Wind ist super, die Wellen nicht zu
hoch, aber es ist einfach stockdunkel. Der Mond versteckt sich hinter
den Wolken. Wir segeln in eine finstere Wand. Schluck. Schnell nehm ich
meine Kopflampe und beginne zu lesen. Lieber doch nicht. Ich starre wieder
auf die schwarze Wand. Nix zu sehen. Kein Licht das ein Frachter sein
könnte, oder ein Segelboot oder ein Meeresmonster...aus!! Endlich
Morgendämmerung.
"Mama, Lulu!" der Finn ist wach geworden. Ab in die Kombüse
zum Früstückmachen und das Unglaubliche passiert - ich verspüre
Gusto nach einer deftigen Eierspeis. Ich, die doch am liebsten ein Kipferl
in den Milchkaffee taucht. Zwiebel, Tomaten, viel Salz, Pfeffer, ein bisserl
Chilli und Eier - ein Butterbrot dazu - wir futtern. 6 Tage mal 4 ist
gleich 24 Eier. Passt genau.
Eieruhren. Das spießigste vom Spießigsten. Zumindest für
mich. Zwei hab ich, auf Anraten einer Freundin und Seenomadin (Danke Doris
!), besorgt. Beide sind aus kratzfestem Plasik, métalliséfarben
und campinggeschirr-rot. Sehr hübsch. Und wozu? In der 3. Nacht weiß
ich es. Ich habe meine Wache und kann die Augen kaum offen halten.
Schwarze Nacht- aber jetzt über mir der unglaublichste Sternenhimmel.
Venus leuchtet uns den Weg. Orion klebt ganz komisch schräg am Himmel.
Alle Sternbilder sind am falschen Platz. Oder an einem anderen - so wie
wir auch!
Und jetzt die Eieruhren. Beide auf 10 min gestellt, noch ein schneller
Rundblick. Augen zu. Schnarch. Rrrrring! Wo bin ich? Wie bitte? Was? Ach
so - ok. Sorgfältiger Rundblick, alles klar.10 min und schnarch.
Rrrrring! Klingt hart. Ist es aber nicht. Man gewöhnt sich an alles.
Kollegin Ellen Mac Arthur kommt ja auch mit dem berühmten 10 Minutenschlaf
aus.
Und dann im Morgenlicht - die Kap Verden. Schroffe Felsgebirge, die Sonne
glüht.
Ein Felskoloß mit aufsitzendem Leuchtturm zeigt uns den Hafen von
Mindelo auf San Vincente. In der Hafenbucht einige Fahrtensegler, aber
vor allem riesige rostige Frachter und ein Schiffswrack (Foto).
Die Stadt wirkt fremd und abweisend. Fabrikschlote, eine Entsalzungsanlage.
Da kreuzt uns ein kleines Fischerboot, 2 Kap Verdianer grinsen uns an
und zeigen uns den Viktory Daumen. Dankbar winken wir zurück. So
hat uns noch nie ein Land empfangen!
Wir ankern und beäugen die Stadt aus sicherer Entfernung. Wild. Wir
beschließen den restlichen Tag an Deck zu bleiben, weil zu müde,
zu erschöpft etc - was wir wirklich fühlen ist, dass wir Zeit
brauchen um diese ungewohnten Eindrücke zu verdauen. Am nächsten
Morgen am Strand empfängt uns George mit Wollmütze am Kopf.
Er ist unser Schlauchboot Aufpasser - hat er beschlossen! Ok. No Problem
(Foto).
Wir wandern durch die Stadt. Es ist schön hier. Nicht schön
schön, aber trashig schön. Frauen mit Bananen am Kopf. Ein Mann
zeigt uns stolz sein rostiges Fahrrad - er hat es aus Frankreich geschickt
bekommen. Die Marktfrau mit dem Goldzahn erklärt, wie man Mandioka
Wurzeln zubereitet. Ein Verrückter vor einem Straßencafe rollt
Zitronen auf der Straße und schleckt sie da ab. Viele jungen Mädchen
sind bildhübsch und strahlen - gekleidet wie Jennifer Lopez.
Über dem Schreibtisch des Immigrations Beamten das Portrait des Präsidenten
der Kap Verden (mit schwarzer Sonnenbrille und Blumenhemd). Nur das Internetcafé
- wie überall.
Man hat uns gewarnt vor Mindelo. Zuviele Bettler, lästige Kinder,
Räuber - und wir? Wir treffen auf freundliche Menschen und eine ungewöhnliche
Stadt. Die Armut ist wirklich bedrückend, aber am Abend plotzlich
tönt Trommelmusik vom Ort zu unserem Ankerplatz. Laut, rhythmisch,
wild, junge Menschen jubeln und tanzen. Ein Fest, das Freude bringt.
PS Apropos Eier:
Wir waren schon weit weg von den Kanaren als "Delta" stürmte.
Weil, na ja... wie soll ich sagen... ich denke weil der Captain das Wetter
einfach in den Eiern hat!
Fotos
|
| 23.11.2005,
La Gomera |
Noch zwei Tage und dann geht
es ab auf die Kap Verden. La Gomera ist total schön - hier kann man
Wandern, Radeln, Schwimmen und die Landschaft ist auch im November eine
Mix aus Palmenhainen, Bananenstauden, Orangenbäumen, Lorbeerwald
und Kiefer. Traumhaft schön!
Vorweihnachtliche
Grüße von Finn
(nicht aus dem Hollandmarkt, sondern neben der Straße entdeckt)
|
| 13.11.2005,
Santa Cruz de Tenerife |
Abschied
von Teneriffa
Santa Cruz de Tenerife. Im
Reiseführer steht, die Touristen werden vor den Toren der Stadt wegen
der Industrieviertel abgeschreckt. Man wird hier, wenn man von Süden
mit dem Auto in die Stadt einfährt, von einem Ikea begrüßt.
Kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Nichts wie rein, die Fleischbällchen
gehören verkostet. Man fühlt sie wie in der SCS. Bis auf den
Blick vom Parkplatz. Der geht direkt auf den Atlantik. Nachdem wir die
schönen, neuen "Sven" Sitzpolster eingepackt haben und
für Weihnachten in der Karibik Elchkerzerl und Geschenkpapier gekauft
haben, geht es zurück in den Hafen. Wieder kommen Heimatgefühle
auf. Wir stecken im Stau. Wie auf der Tangente nur rechts von uns - der
Atlantik.
Am Steg verschwindet Finn mit den kleinen Französinnen (siehe Fotos)
zum Piratenspielen, Peter und ich versuchen sämtliche Einkäufe
zu verstauen. Da zum Beispiel merke ich, dass ich mich seit unserer Abreise
aus Österreich bereits verändert habe. Ich, die doch alles gerne
in schöne Alte Gläser, Blechdosen aus England oder antike Keramiktopferl
verschloss, bin jetzt Spezialistin für Plastikboxen in allen Größen.
Für Interessierte: Die mit dem Clik Clak Verschluss sind die besten.
Clik. Kakerlackensicher. Wasserundurchlässig. Stoßsicher. Clak.
Apropos "Stauen"! Früher (vor wenigen Monaten) kannte ich
das auf Vorrat kaufen nicht, wollte es auch nicht! Jetzt befinden sich
in unserem Schiff ca 30 Tomatensugodosen, 3 Boxen Pasta aller Art, 2 Boxen
Süßwerk, 450 Liter Wasser, 40 Liter Haltbarmilch (...das war
eine Fehlkalkulation, da wir die ersten 20 Liter super verstaut und vergessen
hatten). Ich habe Rhabarber in der Dose, 20 Liter Olivenöl sind fein
säuberlich neben der Box mit den Cornflakes und Müslis geschlichtet.
Andres, ein befreundeter Segler hat mir Blutwurst in der Dose geschenkt.
Wie die 5 Dosen Oliven mit Anchovisfüllung schmecken, werden wir
erst herausfinden. Die Beeren-Marmelade hier ist ein Traum. 10 Gläser.
Das aus Österreich eingeschmuggelte Vollkornmehl wartet in 10 (Plastik)
Dosen auf seine Bestimmung, und auch Peters Schokoladensammlung ist nicht
zu verachten (scheint aber täglich weniger zu werden... komisch),
und und und...
Der Atlantik schwappt gegen die Kaimauern, während ich kopfüber
in der Bilge hänge und versuche alles nach System mit einer Stauliste
in der Hand einzuschlichten. Bin das noch ich?
Aber Teneriffa hat noch mehr zu bieten als schwedische Einrichtungshäuser.
Wir waren hier im Wald spazieren und haben Schwammerl gefunden. Hier riecht
es nach Moos und nasser Erde und doch, blickt man den Berg hinab, sieht
man nicht die Salzach, sondern - den Atlantik.
Dank mehrmaliger Empfehlungen fanden wir uns im Thor Heyerdhal Museum
wieder und bestaunten die Kon Tiki, ein Schiff aus Binsen mit dem Kollege
Heyerdhal über den Atlantik nach Barbados segelte. Irgendwie aufbauend.
Letzten Sonntag saßen wir dann an der wilden Nordküste Teneriffas
in einem deutschen Café, lasen "Die Zeit" und aßen
Allerheiligenstriezel. Brauchtum muss einfach ab und zu sein. Und (siehe
Foto)
auch hier kann man dem Atlantik nicht davonlaufen!
Zurück zum Steg: Heute sind die Franzosen abgefahren. Annabel und
Fabien mit ihren vier Kindern im knallroten Katamaran. Alle haben sich
versammelt um zu winken, innige Umarmungen, Wangenküsse, Gelächter,
Geblödel, die Leinen werden gelöst - noch ein Familienfoto und
"Adieu"! Finn stellt die gefürchtete Frage "Sehen
wir sie jetzt nie wieder?" Zwei Wochen haben wir mit ihnen verbracht,
gegenseitig ausgeholfen, uns beim Wäschewaschen geneckt, viel Piraten
gespielt, gegenseitig Abendessen gekocht, Französisch gelernt, Familienfotos
betrachtet. Ich weiß jetzt, dass Annabels Mutter eine Schönheit
war und Annabel und ihre 2 Schwestern die Ferien als Kinder immer in der
Bretagne verbrachten. Wie der heute 18 jährige Sohn Hugo als Baby
aussah und dass die Exfrau des Bruders von Annabel Pfeife rauchte. Ich
blicke zum roten Katamaran und sehe, dass Annabel sich eine Träne
aus dem Augenwinkel wischt. Auch mich drückt es - nach nur zwei Wochen.
Ob wir sie wieder sehen? Vielleicht, in der Karibik, Paris oder Wien.
Bon Vent!
Wir sind die nächsten, die die Leinen lösen. Kurs Kap Verden.
Auf zu neuen Abenteuern!
Fotos
|
| 19.10.2005,
Teneriffa |
Unter
Verrückten
Gebt es zu! Einige von euch
glauben, dass wir verrückt sind! Irrtum! Kommet hierher nach Teneriffa,
an unseren Schwimmsteg und staunet:
Am Ende des Stegs liegt eine Broa - ein 12 Meter langes Schiff mit einem
Ausleger - das ist ein kleineres unbewohntes Stück Schiff, befestigt
am großen Rumpf, das sozusagen die Balance hält. Nun ist eine
Broa vielleicht in diesen Gefilden ungewöhnlich, aber diese hier
mit 5 spargeldürren Franzosen an Bord sprengt den Rahmen des Ungewöhnlichen.
Es gibt keinen Mast. Das Schiff wird von den 5 Bretonen mit 5 Windsurfsegeln
gesegelt und zwar demnächst über den Atlantik! (http://transat.equitenergie.free.fr)
Eines Tages jedoch blickt Kapitän Pete in aller Früh aus der
Kajüte und traut seinen Augen nicht. Uns gegenüber, gut festgemacht,
liegt ein Atlantikruderboot!!! 7 Meter lang, 700 kg schwer. Darin ein
völlig erschöpfter Brite, der 2 Monate von Cadiz nach Teneriffa
gerudert ist (G E R U D E R T !!!). Das sind immerhin ca. 700 Seemeilen.
Wir warten jetzt jeden Tag darauf, dass einer geschwommen kommt! Atlantik
in 5 Wochen Kraulen bezwungen...
Also so verrückt fühlen wir uns gar nicht mehr, da ist immer
noch diese französische Familie, die mit 5 Kindern im Alter von 1-8
Jahren mit einer Monoyacht in See sticht, oder diese riesige, alte Motoryacht,
die angeblich einem englischen Bankräuber namens Pix gehört
hat, neben uns die Iren, die ein Jahr Zeit haben über den Atlantik
zu segeln und wieder zurück und sich für jede Insel 4 Tage nehmen,
Guido vom Alukatamaran, der unseren Computer repariert und zu seinem Haus
auf Tobago segelt, Andres, der super kocht und Filme produziert, Lloyd
der bei der Navy war und jetzt den besten Apfelkuchen der Welt bäckt,
Kevin der Schiffe überstellt und am Sonntag schnell mal über
den Atlantik segelt um einige Wochen später ein anderes Schiff von
Kroatien nach St. Lucia in der Karibik zu überstellen,... und und
und... wir verrückt? Aber nicht doch...
Fotos
|
|
02.10.2005, Lanzarote
Breite: N 28°49.525'
Länge: W 13°48.808'
|
Begegnungen
im Atlantik
Begegnung mit keinem Seeungeheuer
Die Straße von
Gibraltar - viele Seefahrer glaubten, nach dieser Meerenge gäbe es
nur mehr das Nichts oder einen großen Abgrund, der einen in die
Tiefe und ins Verderben reißen würde. Hatten wir doch schon
mal diese Strömungen und Seeungeheuer, die von den Bergen mörderische
Wind fegen lassen...
Nervös verlassen wir 3 Stunden nach high tide Gibraltar City, vor
uns die verrückten Holländer, hinter uns die freundlichen Franzosen.
Zusammen sind wir stark!
Wir haben Glück - Große Wellen, mäßig Wind, die
Strömung trägt uns nach Tarifa, Spinnaker hinauf - ein blauer
Atlantik mit sanfter Brise begrüßt uns!
Geschafft!
Begegnung mit einer Dorade
Am nächsten Morgen
bläst der Wind aus Süd - genau dort wollen wir aber hin!
Die Holländer tauchen in Sichtweite in die Wellen ein und gemeinsam
kreuzen wir vor uns hin. Per Funk machen wir uns Mut und Rene, der Holländer,
umschreibt das mühselige Geschaukel mit "Well it's not really
comfortable, but we are ok!"
Well, we too....
Endlich dreht der Wind und plötzlich ein seltsames Klingeln. Peter
und ich schauen uns erschrocken an, ist irgendwas abgebrochen oder zerrissen?
Finn hat des Rätsels Lösung "Ein Fisch, ein Fisch... die
Angel, schauts, schauts!!!"
Wir ziehen unseren ersten Fisch an Bord! (groß! Beweisfoto liegt
bei)
Finn wünscht sich Fischstäbchen - und bekommt sie - einfach
köstlich!
Unheimliche nächtliche
Begegnung
2. Nacht am Atlantik.
Nachtwache. Es stinkt. Es stinkt nach Schweinestall. Komisch. Alles hätte
ich erwartet, aber das... Plötzlich in der Ferne Lichter, die rasch
näher kommen - sehr rasch - ich weck' lieber den Captain... Peter
beleuchtet die Segel mit einem Scheinwerfer und versucht das Schiff per
Funk zu kontaktieren.
Es meldet sich ein netter Japaner. Ja, er sieht uns am Radar und er transportiert
lebende Schweine!
Begegnung mit alten Freunden
Schnattern, quicken,
pfeifen, lachende Mäuler, pfiffige Knopfaugen, sie springen, sie
toben zwischen den Rümpfen, drehen sich im Wasser, grinsen uns verspielt
und voller Lebensfreude an... Wer kann sagen wer ich bin? Vielleicht ein...
?
Freuen uns über Antworten im Gästebuch!
Begegnung im Schrebergarten
Lanzarote vom Atlantik
umspült, eine faszinierende Vulkanlandschaft, weiß-grüne
Häuser in erstarrtes Lavagestein gebaut von Cesar Manrique. Fische
zum Trocknen auf Wäscheleinen mit Wäscheklammern befestigt,
Mojo-Sossen, die einem die Schweißperlen auf die Stirne treiben.
Weinstöcke in Mulden aus Lavasand gepflanzt, überleben nur durch
die Nachtfeuchte und spenden helle Trauben für Roséweine.
Wellenreiter, die über hawaiähnliche Wogen absurfen. Eingestürzte
Vulkankegel, Hitze nur wenige Meter unter der Erde, die Fleischspieße
innerhalb kürzester Zeit fertiggaren lässt. Doramas, ein Honiglikör,
der einem seltsame Träume beschert und dann... ein bißchen
Schrebergarten. Wie bitte? Jawohl, nach unseren täglichen Ausflügen
mit dem Auto kommen wir jeden Abend in die Marina und werden am Steg wie
alte Bekannte begrüßt. "How was your day?" "Mensch,
Finn haste die Albinokrebse gesehen?" "Hey Alex, how was the
shopping?" "Peter, alles beim Ship Chandler gefunden?"
"Allo! Allo!" Die freundlichen Franzosen sind auch wieder da!
"Bonjour... see you later... baba."
Fotos
|
|
12.09.2005, Gibraltar
Breite: N 36°08'946"
Länge: W 005°21'315"
|
Endlich
haben wir "the Rock" umrundet und sind in Gibraltar. Der Europapoint,
der südlichste Punkt Europas, war nicht leicht zu runden, weil wir
gewaltigen Gegenwind hatten und die Strömung... na servas... Jetzt
liegen wir in der Marina Bay, der Seglertreff für alle, die ins Mittelmeer
rein oder auf den Atlantik raus wollen. Die geschlossene Sheppard Marina
zeugt davon, dass auch viele hier hängen bleiben: verwahrloste Schiffe
und so mancher Seelenverkäufer.
Unsere Ankunft fiel mit dem Nationalfeiertag der Gibraltarianer zusammen.
Warum hier gefeiert wurde, erklärte uns ein britischer Spanier, mit
englisch-spanischem Akzent: "We dont want to be part of Spain, we are
our own! For 300 Years now! So what?" Wir genossen die Rocktalente
von Gibraltar, die einfach unglaublich gut waren. Jetzt genießen wir
die very britishe "Mainstreet", futtern Fish and Chips, essen
Cookies mit Mintgeschmack und bestaunten an die hundert Pickle-Soßen
im "Safeway" Supermarket.
Wir kennen uns jetzt aus mit Nelson und Wellington, haben die berühmten
Affen bestaunt und ich konnte mal wieder auf einer Bühne stehen in
der überwältigenden St. Michaels Cave, in der, umrahmt von gigantischen
Tropfsteinen, noch heute Theatervorstellungen und Konzerte stattfinden.
Oh it's lovely!,isn't it?
Wir treffen hier auf Segler, die wir schon in Italien und Spanien trafen
und die auch Richtung Karibik segeln, und müssen unserer Abende genau
planen, da man ja überall auf einen Drink eingeladen ist und selber
einlädt. Hier die Holländer aus Sardinien, dort die Franzosen
aus St. Pietro, da dieses nette Paar aus Südafrika (er Wiener, sie
Schweizerin!!!), alles wird betratscht, ausgetauscht, beraten (Lorbeerblätter
in Mehl gegen lästige Insekten, Wetternachrichten auf Weather online,
günstig Wimpernfärben in der Mainstreet, zu teurer Diesel bei
der Tankstelle and so on...) Es ist einfach herrlich! Die Marina wird zum
Dorf! Und doch kreisen alle Gespräche vor allem darum, wann der beste
Zeitpunkt ist um auf den Atlantik zu gehen.!
Captain's Voice:
Gibraltar, 12.September 2005
Es ist Zeit, die Reise durchs Mittelmeer Revue passieren zu lassen. 1880
sm von der Stella Marina bis Gibraltar. Ich möchte über die
Veränderungen, die wir selbst durchliefen berichten.
Ich habe einen Zopf, damit mir das Haar nicht ins Gesicht weht und mein
Körper ist 10 Kilo los. Meine Muskeln sind wieder dort wo sie hingehören.
Gereifte Seemannschaft und sicherer auf längeren Etappen, wir hatten
so eine gute Vorbereitung für den Atlantik. Erstaunlich ist, daß
plötzlich hundert Seemeilen keine Distanz mehr ist.
Die Risho Maru wird täglich verändert, da ein Block, dort eine
zusätzliche Leine, hier eine Verstärkung und noch ein bequemes
Platzerl mehr.
So merkt man, dass dein Boot dein Zuhause geworden ist. Und stolz präsentiert
man es anderen Fahrtenseglern und beachtet mit interessierten Augen, ob
an deren Schiff nicht etwas zu entdecken ist, das ich selbst für
unser Schiff als Verbesserung installieren könnte.
Alexandra hat aus meiner Sicht auch so eine Veränderung hinter sich.
Sie sieht aus wie aus dem Fitness Center entlaufen und hat ihre Angst
vor Stürmen ein wenig abgebaut. Der Grund hierfür ist sicher
, das sie sich mehr mit Navigation, Wetter und Seemannschaft auseinandergesetzt
hat. Sie ist eine sehr gute Seglerin geworden.
Und die Liebe?
Wir sind uns sehr nahe und genießen die viele Zeit die wir zusammensein
können. Finn ist ein aufgeweckter, interessierter Bub geworden. Seine
Babyzüge legt er immer mehr ab. Einerseits schade, aber doch schön,
dass wir immer mehr einen Jungen reifen sehen, der auch mit viel Freude
am Segeln teilnimmt. Die Eindrücke, die er bekommt sind sehr intensiv
für ihn und wir sind sicher, diese Reise wird für sein Leben
prägend sein.
Ich bin sehr froh , daß wir in unseren neuen Lebensabschnitt gestartet
sind.
So long
Skipper Pete
Fotos
|
|
30.08.2005, Spanien, Aquadulce/Almeria
Breite: N 31° 48 ' 88''
Länge: W 2° 33' 68''
|
Mahon, Menorca gefiel uns so
gut, dass wir erst eine Woche später nach Mallorca segelten. Palma
überraschte uns mit seiner wunderschönen Innenstadt. Obgleich
die Touristenmeile hässlich war, waren wir begeistert, da an der
Mole gegenüber an die 100 klassische Holzboote lagen (Baujahr zw.
1875 und 1968). Die 20. Trofeo "Almirante Conde Barcelona" fand
gerade statt und der Captain war von den Socken und konnte sich nicht
losreissen. Die restliche Crew ging inzwischen Eisessen und zahlte fuer
2 Tüteneis 11 Euro (Schluck!). In einer Badebucht auf Mallorca warteten
wir auf den richtigen Wind nach Ibiza. Und Ibiza war: naja Ibiza halt...
mit super Wind flüchteten wir gen die spanische Festlanküste.
Dort liefen wir in Cartagena ein, das allerhübscheste Wahrzeichen
der Stadt: ein U-Boot in einem Springbrunnen. Irgendwie sehr schräg,
aber doch viel spanischer als Ibiza. In Almeria stellte die Skipperin
um 4 Uhr in der Früh einen Rekord im "auf die 2 Meter hohe Industriehafenmole
Klettern" auf. Der Captain verteilte sofort eine Dienstgraderhöhung.
Jetzt liegen wir im Yachthafen von Aquadulce unter einer Felswand, die
von mehreren Baggern ausgehöhlt wird - wild romantisch! Der Wind
ist uns wohlgesonnen und wir nähern uns zügig Gibraltar.
WAS UNS ZUR ZEIT AN BORD WICHTIG IST
Peter:
- Angelleine ausbringen (fuer allfälligen Thunfischfang)
- Nutellaglas (X-Large)
- George Clooney Kapperl (Sonnenschutz-Outfit à la George in "Der
Sturm")
- Buchtip: Rocco Schamoni "Dorfpunks"
Alex:
- Sonnenbrille (gegen allfällige Augenfältchen)
- Galleteros rusticos (köstliches Spanisches Knabbergebäck für
Nachtfahrten)
- Wetterbericht (und bei anrollendem Tief hilft dann nur mehr der berühmte
Wintertee aus Mutter Harings Garten)
- Buchtip: M. Kneale "Englische Passagiere"
Finn:
- Lego,Cornflakes, Smarties, Kasettenrekorder
- Papas Seeräubergeschichten, Mamas Marienkäferstories
- Buchtip: "Der kleine Rabe lernt Englisch"
|
| 14.08.2005,
Spanien, Menorca, Naturhafen Mahon |
Ola!
Wir sind auf den Balearen!
Italien haben wir gründlich verabschiedet und zwar auf St. Pietro,
einem Eiland bei Sardinien. Viel Wind hat uns im sicheren Hafen von Carloforte
für 5 Tage festgehalten. Mit uns an der Mole: freundliche Franzosen
mit Rotweinflasche unter dem Arm (aben sie fir mich einen Turöffner?),
unsere Segelfreunde Kudi und Andi (unterwegs mit der "Uhuru" auf
der gleichen Route) und last but not least unsere bezaubernden Flitterwöchner
Dave (Bruder von Alex) und Synnova (frischvermählte steirische Irin)
Diese beiden durften gleich ihre Seefestigkeit beweisen bei der Überfahrt
zu den Balearen.(Scirocco, der Wüstenwind zauberte roten Sand aufs
Deck!) Ein Walfisch begleitete uns kurzfristig und Bruder Dave fing eine
Brasse, die gerade noch in die Pfanne passte! Apropos Pfanne: In der Kombüse
matchten sich Irland gegen Österreich, das Ergebnis: kulinarische Höhenfluege!
Spaghetti Putanesca, Curry mit Hühnerfleisch und Kichererbsen, zarte
Brasse in Olivenöl und Kräutern, sahnige Bechamelkartoffel mit
Thymian und Myhrte aus Sardinien und endlich die unvergesslichen Penne Amatriciana
der Skipperin (Rezept siehe unten). Jetzt sind wir in Mahon auf Menorca,
einem riesigen Naturhafen an der SO Küste. Wir fuehlen uns sehr wohl
unter den liebenswürdigen und relaxten Spaniern! Viva Espagna!
PENNE AMATRICIANA:
Ordentlich viel Olivenöl heiß werden lassen, 1 geschnittene Zwiebel
anbruzeln, 2 handvoll gewürfelter Pancetta Speck, weiterbruzeln, dann
dazu 2 Dosen Pomodoro, Oregano, Salz,1 Chilischote (trocken), Pfeffer...
köcheln lassen während man die Penne rigate kocht! Dann alles
zusammenmischen, mit Parmesan bestreuen und bissl frischer Petersil! Mama
Mia! Eure PAFs |
|
28.07.2005, Sardinien, Cagliari
Breite: 39° 12.081' N
Länge: 09° 07.543' E
|
Wir
sind ja schon öfter auf den Spuren von Odysseus gesegelt (wo war der
eigentlich nicht?), aber die Straße von Messina dürfte ihn auch
ziemlich beeindruckt haben. Auch wir trafen auf die Seeungeheuer Scilla
und Charybdis. Scilla (12 Beine, 6 Hälse, greuliche Köpfe) knallte
uns von den Bergen einen 6-7 NW Wind auf die Nase und Charybdis (eine Art
Riesenqualle) sorgte für eklige Strömungen und Kabbelwasser, sodass
wir zeitweise rückwärts segelten! So trugen uns die Winde nach
Taormina an der Ostküste Siziliens. Am nächsten Tag 5 Uhr Tagwache,
die Skipperin brummelte so grantig wie der schmauchende Ätna ueber
ihrem Haupt. Schließlich landeten wir doch im flautigen Tyrrhenischen
Meer und auf der ersten liparischen Insel, Vulcano. Auch genannt die Schwefelige...stink!
Und dann die Überfahrt
nach Sardinien (2 Tage, 2 Nächte auf See!) mit unserem "Franzl".
Wer ist der? Um den hätte uns Kollege Odysseus beneidet. Unsere Windsteueranlage
"Franzl" nahm Risho beim Steuer und brachte uns sicher und gemütlich
nach Sardinien. Fazit: 2 Bücher ausgelesen, 30 Legofähren gebaut,
Maniküre erledigt,...
Wir durchwandern zur Zeit Cagliari
und der Kapitän besteht darauf, dieses nette Cafe immer wieder aufzusuchen.
Warum? Ja, die Jazzmusik, die nette Einrichtung, das köstliche Essen,
der Wein ... warum wirklich?... Die bildschöne Kellnerin - wusste
ich es doch, aber Mädls, auch die Sarden sind nicht gerade zu verachten!
SO LONG!
|
|
15.07.2005, Rocella
Breite: 38° 19.666' N
Länge: 16° 26.033' E
|
Wir
klappern die italienische Ostküste ab. Bari um 4:30 morgens erreicht.
Stadtgeruch zwischen Abgasen, faulem Gemüse, Pinienduft schon Meilen
vor der Küste wahrgenommen. Todmüde am nächsten Tag durch
Bari geschleppt und waren hingerissen. Tolle Menschen, alte Gemäuer,
moderne Geschäfte Versace, Gucci, Calvin Klein. Krasser Gegensatz im
Hafen. Am Kai springen Kinder in das stinkende Hafenwasser, zur Krönung
des Spaßes werfen sie zwei Säcke mit Müll in das Wasser
und tauchen dazwischen begeistert auf. Seltsam. Einfahrt in Brindisi zur
Abenddämmerung. Finn blickt fassungslos auf riesige Tanker, beleuchtete
Fähren, einen offenen Flugzeughangar plus Jet. Nächstes Flugzeug
begegnet uns in Form eines Wasserflugzeugs im engen Hafen von Santa Maria
di Leuca. Es kommt uns am Wasser hopsend entgegen und hebt kurz vor unserem
Bug ab. Alex erleidet eine kurze Panikattacke... In Leuca treffen wir die
ersten Fahrtensegler. Hugh und Mimi, zwei Briten, die auf ihrer Motoryacht
leben. Hugh ist Fruitfarmer und begeisteter Hobbypilot, Mimi geht in die
Kajüte weinen weil sie so "homesick" ist. Dann nette Schweden, beide
geschieden, haben sich vor 6 Jahren kennengelernt und lieben ihre chaotische
Yacht. Finn meint: "Ganz schöner Sauhaufen da" und bekommt von Susan
eine Legofigur geschenkt (gut, dass ihr Deutsch nicht besonders gut ist...)
Alle empfehlen uns Rocella und die Pizza dort und das Internetcafe. Da sind
wir jetzt! Bald gehts weiter richtung westliches Mittelmeer. Ahoi!
|
|
07.07.2005, Brindisi
Breite: 41° 08.73' N
Länge: 17° 06.13' E
|
Cafe
Latte, Tramezzini, bella ragazzi, mir san in Italia in Brindisi!
|
|
29.06.2005, Split
Breite: 43° 31.40' N
Länge: 16° 24.50' E
|
Italien
und Istrien liegen hinter uns. Wir segeln durch die inneren Inseln der Kornati...
hunderte Inseln und Inselchen um uns... Sit, Zut, Piskera, Kurba Vela, Levrnaka,
Lavsa, besonders interessant sind die volkstümlichen Namen für
die Inselchen (freie Übersetzung: Ball, Hutmacher, Korb, Toter Mann,
Nackter, Lüstling, Kleiner Mangold, Furz, Weiberarsch, Hur... (Zensur!).
Bordalltag setzt ein, Alex boatmade bread (Spezialrezept auf Anfrage). Erster
Sachunterricht für Finn (Der Feigenbaum). Kapitän Pete wuselt
an Bord herum und findet immer was zu tun! Split ist wunderschön! Nächstes
Ziel Dubrovnik und dann Brindisi!
|
|
21.06.2005
Breite: 45° 45.97' N
Länge: 13° 04.68' E
|
Halleluja!
Sind gestartet! Alle Systeme arbeiten gut. PAF sticht in See, Südwind,
Kreuzkurs, Kurs auf Kroatien, over. |
|
08.04.2005
Breite: 48° 14.00' N
Länge: 16° 19.48' E
|
Peter,
Alexandra und Finn bereiten in Wien das große Abenteuer vor... |